Sucht

OneshotFamilie / P18
Daryl Dixon Merle Dixon
28.06.2016
28.06.2016
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Sucht


Als würde er fliegen...
Die Welt dreht sich und verschwimmt. Die Farben vermischen und werden zu einem Einheitsbraun. Wie die Scheiße, in der er bis zu den Knöcheln steckt.
Der Geschmack von Blut erfüllt seinen Mund und er riecht Kotze. Seine eigene Kotze. Widerlich. Aber sie ist da, also muss er wohl oder übel damit leben. Ächzend bewegt Merle seinen Kopf, der immer schwerer wird.
Es ist still um ihn herum, nur das Ticken der Uhr, die eine halbe Stunde nachgeht, erfüllt den winzigen Raum. Er weiß, dass er alleine ist. Und er weiß, dass er auf dem Boden einer kleinen schmutzigen Küche liegt.
Der Stoff hatte ganz schön reingehauen, damit hat er nicht gerechnet. Aber Cliff verkaufte ihm nur das Beste und er war für seine paar Kröten definitiv auf seine Kosten gekommen. Nun liegt er hier und versucht klarzukommen.
Ein irres Lachen entringt sich seiner Kehle, doch kann er die Augen immer noch nicht öffnen. Sie sind verklebt. Sein Schädel fühlt sich an, als wäre er mindestens auf die Größe des Empire State Buildings angeschwollen.
Dieses hässliche Ding mitten in dieser Stadt voller Schwuchteln. Bei dem Gedanken an diese Tunten, die da herumlaufen und sich für was Besseres halten als er es je sein könnte – der Südstaaten-Abschaum – lacht er noch mehr, denn sie alle sind Bastarde.
Merle schafft es sich auf den Rücken zu drehen und er spürt, dass er direkt auf der Kotze gelandet sein muss, denn sein T-Shirt wird nass. Sein unwillkürliches Lachen ebbt langsam ab und er grinst nur noch vor sich hin, während er erneut versucht seine beschissenen Augen zu öffnen.
Erst nach mehreren Versuchen kann er die Decke der Küche durch die winzigen Schlitze erkennen, die er seine Lider hat öffnen können. Die Tapete hat sich noch ein weiteres Stück gelöst. Aber das juckt ihn nicht besonders.
Hätte er eine Kippe in der Hand, würde er versuchen die dunkle Stelle mit der Glut zu treffen. Vielleicht sollte er mal gegen den Wichser Cliff antreten und mit ihm um einen Blunt* wetten. Ja, das würde er machen, denn er gewinnt eh.
Das Ticken der Uhr macht ihn wahnsinnig, er will seine Ruhe haben.
„HALT DIE SCHNAUZE!!!“ brüllt er ungehalten, doch kommen keine Worte aus seinem Mund. Es klingt eher wie das Heulen eines geprügelten Köters und wieder wird er von einem Lachkrampf geschüttelt.
Viel mehr bewegen kann er sich nicht. Er liegt einfach da und starrt weiter an die Decke und auf diese verfluchte Tapete.
Ein Geräusch lässt ihn hellhörig werden. Was ist das?
Es ist der ziemlich ausgelutschte Federkern seines Sofas, der da quietscht. Ist jemand hier? Merle kann sich beim besten Willen nicht daran erinnern. Weil er weiß, dass es nutzlos ist, versucht er gar nicht erst aufzustehen.
Er bleibt ziemlich lange so liegen. Denn es fühlt sich an, als würde er fliegen, immer weiter und immer höher... Geiles Gefühl. Nicht nur das, sondern auch das beste seit langer Zeit. Merle fühlt sich wie der vollgekotzte Gott in Frankreich.
Der nächste Lachkrampf.
Wie viel Zeit vergeht, bis er in der Lage ist aufzustehen, weiß er nicht. Es ist auch egal. Mühsam setzt er sich auf und sieht sich um. Ihm ist schwindelig, aber er zerrt sich an einem Küchenschrank hoch.
Im Wohnzimmer sieht er jemanden mit dem Bauch nach unten auf der Couch liegen. Nein, es sind zwei Personen. Eine nackte Schlampe liegt zusammengekrümmt auf dem Sessel und die zweite Person auf der Couch. An die Alte kann er sich jetzt nur wage erinnern, aber er weiß, dass er sie gefickt hat.
Schulterzuckend torkelt er los. Er stolpert über den Rand des Teppichs, den er im Wohnzimmer ausgelegt hat und fällt um wie ein Baum. Sein Gesicht schlägt so hart auf den Boden auf, dass er seine Nase brechen hören kann.
Aber er fühlt keinen Schmerz und muss wieder lachen.
„Ich stopf' dir gleich das Maul, Arschloch“, murmelt der Mann auf seinem Sofa und Merle erkennt Daryls Stimme. Was macht der Wichser hier?
Er fragt ihn, doch spricht er noch immer keine Sprache, die jemand verstehen würde. Sein Kopf dröhnt und er atmet den Staub ein, der sich auf dem Teppich angesammelt hat. Sein Magen rebelliert.
Hat sein Bruder etwa auch von dem Stoff genommen?
Panisch drückt er seinen Oberkörper hoch und dreht den Kopf zum Sofa. Daryls Gesicht ist zur Lehne gedreht, er kann nur seine Umrisse erkennen.
„Hey!“ brüllt er und versucht auf sich aufmerksam zu machen.
Widerwillig dreht Daryl sein Gesicht zu ihm und er kann in die immer noch so knabenhaften Züge seines Bruders blicken. Sie sind verschwommen, aber sie sind eindeutig die eines Dixons. Und sie sind angeschwollen.
Das Arschloch hat ein Veilchen um das linke Auge. Sein Magen verkrampft jetzt unangenehm. Niemand der beiden sagt etwas. Quälend lange Sekunden vergehen, bevor Daryl sich zu einer Reaktion genötigt sieht.
„Der Alte ist ausgerastet, wusste nicht, wo ich hin soll. Hab hier gepennt, ihr habt eh nichts gemerkt“, murmelt der jüngere von ihnen und deutet mit einem Daumen auf die scheinbar bewusstlose Nutte auf dem Sessel.
Merles Kopf sinkt vor lauter Erleichterung zurück auf den Boden. Seine Stirn verursacht ein Knallen, als sie auf den Teppich fällt. Er bleibt reglos liegen und schließt die Augen. Wenigstens hat der Bastard sich nicht wieder in einer Gasse versteckt.
Das Gefühl der Sorge ebbt ab und weicht einem nächsten unkontrollierten Lachkrampf über die Welt. Sie war einfach beschissen...lächerlich.

* Ein Blunt ist quasi ein Joint, nur ohne den Tabak.

Anmerkung: Ein Oneshot für zwischendurch. Ich habe mir gedacht, Merle geht eigentlich immer und eine alternative Szene aus der Vergangenheit der Dixons ebenfalls. ^^ Eure Meinung würde mich natürlich wie immer sehr interessieren!
LG, Erzaehlerstimme
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