Fire Meet Gasoline

von Silvana
OneshotHumor, Romanze / P12 Slash
Felipe Nasr Jolyon Palmer Kevin Magnussen Marcus Ericsson
27.06.2016
27.06.2016
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Disclaimer: Keine der erwähnten Personen gehört mir. Alles ist frei erfunden, es soll mit der Geschichte keinem geschadet werden und ich verdiene auch kein Geld damit.

Pairing: Jolyon Palmer / Marcus Ericsson angedeutet
Weitere Charaktere: Felipe Nasr, Kevin Magnussen
Timeline: Mittwoch, 15. Juni 2016
Warnung: Slash angedeutet

Anmerkung: Die Idee zu dieser Geschichte entstand spontan und die Charaktere haben sich ein wenig selbstständig gemacht. Ich hoffe, ich habe nicht übertrieben, falls doch, entschuldige ich mich. Nichtsdestotrotz wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen! ;)


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Es war noch relativ früher Nachmittag in Baku, als Felipe Nasr und Marcus Ericsson das hotelinterne Café aufsuchten.

Sie saßen hier eigentlich nur zusammen, weil sie beide nach ihrer Autogrammstunde Lust auf einen Cappuccino hatten und es dumm ausgesehen hätte, wenn sie sich als Teamkollegen demonstrativ an verschiedene Tische setzten. Sie wollten sich nicht lächerlich machen und neues Gerede über ihr angespanntes Verhältnis zueinander aufkommen lassen, zumindest in diesem Punkt waren sie sich einig. Gut verstanden hatten sie sich nie, weder zu GP2-Zeiten, noch in der Formel 1, weder auf der Strecke, noch abseits der Strecke. Bei gemeinsamen Interviews schafften sie es stets, den jeweils anderen mit ihren Aussagen zu nerven, sie hatten einen grundverschiedenen Humor, grundverschiedene Ansichten und kein Vertrauen zueinander, was man in den Rennen, zuletzt Monaco, deutlich sehen konnte. Sie machten auch keinen Hehl daraus, dass sie sich nicht mochten, betonten jedoch, dass sie natürlich trotzdem in der Lage seien, professionell zusammen zu arbeiten, was allmählich von vielen Seiten bezweifelt wurde. Dabei hatten sie sich vorgenommen, zu Beginn der Saison 2016 noch mal ganz von vorne anzufangen und alte Querelen zu vergessen. Es funktionierte nicht.

Und nun saßen sie hier, tranken ihren Cappuccino und führten belanglosen Smalltalk über ihren letzten Urlaub, wobei Marcus alle paar Sekunden auf sein Smartphone starrte, mit irgendwem schrieb und Felipe den Eindruck bekam, dass aus ihrem Gespräch gerade ein Selbstgespräch wurde. „Marcus? Hörst du mir überhaupt noch zu?“, erkundigte er sich also vorsichtshalber.

„Mhh...“, gab der Angesprochene monoton zurück und schaute an seinem Teamkollegen vorbei zur Eingangstür des Cafés.

Skeptisch sah ihn der 23-Jährige an. „Ja jedenfalls, dann kam ein ungefähr drei Meter großer Fisch angeschwommen und hat mir den Kopf abgebissen.“

„Aha“, lautete die teilnahmslose Antwort des Schweden.

„Alles klar“, knurrte Felipe und verdrehte die Augen. Soviel zum Thema Aufmerksamkeit. Der Blick des Älteren ruhte weiter geistesabwesend auf der Tür und als sie aufging, erhellte sich seine Miene schlagartig. Felipe drehte sich um und sah, dass Kevin und Jolyon reingekommen waren und sich angeregt unterhielten. Letzterem winkte Marcus prompt zu und keine halbe Minute später ließ er Kevin an der Theke stehen, kam zu ihrem Tisch, schnappte sich einen Stuhl vom leeren Nebentisch und setzte sich.

„Hi“, sagte er an Marcus gewandt und dessen Teamkollegen komplett ignorierend.

„Na du. Wie war dein Flug?“, fragte der Blonde und seine Stimme hatte auf einmal einen ganz weichen Klang. Selbst seine Körperhaltung änderte sich, kaum dass Jolyon in der Nähe war, er spannte sich plötzlich an, anstatt leger auf dem Stuhl zu hängen. Felipe zog eine Augenbraue hoch, nahm seine Tasse und lehnte sich zurück.

Jolyon schüttelte den Kopf. „Frag besser nicht. Erst habe ich die stärksten Turbulenzen der letzten drei Jahre mitgemacht und als wir endlich gelandet waren, stelle ich am Flughafen fest, dass mein Koffer verschwunden ist. Ich gehe also zum Gepäckschalter, werde mit Formularen gefühlt erschlagen, fülle sie alle aus und darf mir dann von der unmotivierten Dame  anhören, dass die Suchaktion unter Umständen schon mal eine Woche dauern kann. Du kannst dir vorstellen, was ich ihr und hinterher ihrem Vorgesetzten erzählt habe. Eine Stunde später war ich schließlich auf dem Weg zum Hotel, wo ich als erstes erfahre, dass man in dieser Absteige ein Viertel der Reservierungen des Renault-Teams verschlampt hat.“

„Oh! Mein! Gott!“ Mitgefühl und Erstaunen standen Marcus ins Gesicht geschrieben.

„Exakt.“

„Hast du denn wenigstens ein Zimmer?“

„Ja, ja, erstaunlicherweise“, meinte der Brite sichtlich gestresst. „Trotzdem kommt es mir schon wieder so vor, als sei heute Welt-Idiotentag.“

Marcus kicherte hinter vorgehaltener Hand. „Der ist leider ziemlich oft.“

„Wem sagst du das?!“, stimmte Jolyon sofort zu. „Und es gibt noch was anderes. Für heute Abend wurde spontan ein Interview für uns angesetzt und direkt morgen früh wartet das nächste.“

„Das heißt, aus unserer Verabredung wird nichts?“, fragte sein Freund bedauernd.

„Nicht heute Abend“, bestätigte der Renault-Pilot. „Aber ich hätte jetzt Zeit. Falls du keine Verpflichtungen hast?“

„Nein, das ist perfekt, die Autogrammstunde ist zu Ende und ich habe erst morgen wieder Termine“, entgegnete Marcus und seine Augen bekamen einen seltsam fiebrigen Glanz.

„Dann komm!“, der Jüngere stand auf und wies mit dem Kopf Richtung Tür. Marcus zog einen Schein aus seiner Geldbörse, warf ihn achtlos auf den Tisch und folgte Jolyon eiligst nach draußen, ohne noch ein weiteres Wort zu Felipe zu sagen. Dieser legte den Kopf schräg, schaute den beiden hinterher und schlürfte den Rest seines Cappuccinos, während Kevin mit einem breiten Grinsen an seinen Tisch kam und sich setzte.

„Sag mal Kevin, nur mal so fürs Protokoll... Du kannst mich sehen oder?“, fragte der Brasilianer leicht irritiert.

Sein Gegenüber lachte. „Was ist das denn für eine Frage? Sicher!“

„Gut. Ich hatte nämlich befürchtet, ich sei in der letzten Viertelstunde auf unerklärliche Weise unsichtbar geworden.“

„Ach daher weht der Wind, die zwei haben dich nicht beachtet“, dämmerte es Kevin. Er wusste, dass es nur einen Mann im Fahrerlager gab, mit dem sich Felipe weniger verstand als mit Marcus und das war Jolyon. Ihre Rivalität ging auf die GP2-Saison 2013 zurück, in der sie den Respekt voreinander verloren hatten und seit der sie nicht mehr als das Nötigste miteinander zu tun haben wollten. Auch wenn den Dänen ihr Streit persönlich wenig kümmerte, so war er dennoch darüber im Bilde, denn man tratschte im Fahrerlager und er beteiligte sich gerne an Tratsch.

„Nein, haben sie nicht“, gab Felipe zurück und warf einen überraschten Blick auf Marcus’ Geldschein. „Wow, wie abgelenkt war er? Er hat seinen Kaffee mit nem’ Hunderter bezahlt...“

„Spendabel.“ Kevins Grinsen wurde breiter und breiter. „Das musst du verstehen, sobald Jo den Raum betritt, hat Marcus halt keine Augen mehr für was anderes“, flüsterte er vieldeutig und darauf bedacht, dass ihn niemand hörte. Doch das Café war schlecht besucht und in der Nähe ihres Tisches saß keiner, der sie hätte belauschen können.

„Ich weiß...“, murrte Felipe. „Vielleicht sollte ihm mal jemand sagen, dass das langsam auffällig wird“, er klang ein klein wenig lästerlich.

„Eifersüchtig?“, neckte ihn Kevin.

Der Brasilianer guckte ihn an wie ein Reh, wenn’s blitzte. „Was? Du willst mich verarschen oder?“

„Ein bisschen vielleicht“, schmunzelte sein Gegenüber.

„Ah, dann bin ich ja beruhigt. Ich hätte nämlich auch nicht gewusst, auf wen von den beiden ich eifersüchtig sein sollte.“

Kevin zuckte arglos mit den Schultern. Er verschwieg an der Stelle lieber, wie eifersüchtig er selber auf Marcus war. Dass er jetzt schrecklich gerne mit ihm tauschen würde. Dass er vor der Saison einmal mit Jolyon geschlafen hatte. Dass diese Nacht fantastisch war. Dass er ihm seitdem nicht aus dem Kopf ging. Dass er so gerne mehr von ihm wollte... Doch als er Jolyon das sagte, hatte er ihn abblitzen lassen und ihm klargemacht, dass es einmalig gewesen war und er weder Interesse an einer Affäre, geschweige denn an einer festen Beziehung mit ihm hätte. Seit jenem Tag versuchte Kevin, seine Gefühle unter Kontrolle zu kriegen, doch es wollte ihm nicht gelingen. Jolyon... Dieser Mann war fatal und dennoch beneidete er Marcus wie verrückt um ihn. „Ich frage mich, was das eigentlich genau ist zwischen den beiden“, sinnierte er plötzlich und schaute Felipe neugierig an.

„Ehrlich gesagt, ich will’s gar nicht wissen. Mal abgesehen davon, dass ich sowieso der Letzte wäre, dem sie es sagen würden, geht es mich auch nichts an“, erstickte er jede Spekulation im Keim.

Kevin nickte. Er hätte sich denken können, dass es sich nicht lohnte, Felipe auszuhorchen, denn es stimmte: Warum sollten sie ausgerechnet mit ihm darüber reden? Als Kevin noch mit Marcus befreundet war, hatte er ihn mal darauf angesprochen, aber der Schwede schwieg beharrlich zu dem Thema und ließ lediglich ein unschuldig verklärtes „Keine Ahnung wovon du redest“ verlauten. Der 23-Jährige nahm damals an, dass sie bloß gelegentlichen Sex hatten, jedoch nichts festes, immerhin wusste jeder, dass Jolyon eine Zeit lang auch mit Carmen Jorda anbandelte. Und so hatte Kevin kein Problem damit, als der Brite ihn bei den Testfahrten Ende Februar verführte. Er war scheinbar ungebunden, also was sollte es? Einem Vergnügen war Kevin nie abgeneigt, er ahnte ja nicht, zu welchen Konsequenzen das führte.

Offensichtlich war Jolyon doch nicht so ungebunden wie vermutet und er musste Marcus von dem One-Night-Stand erzählt haben, denn der Sauber-Pilot reagierte seitdem argwöhnisch auf Kevin und bedachte ihn mit Blicken, die sagten: Lass deine elenden Pfoten von meinem Mann! Ihre Freundschaft kühlte ab und verlief sich im Sande ohne dass sie nur einmal darüber geredet hätten, was passiert war, weil Marcus jeden Versuch abblockte. Ob Jolyon ihm die ganze Wahrheit gesagt hatte, dass er derjenige war, der auf Kevin zukam? Nun, vermutlich spielte das keine große Rolle, da sich der Däne sehr bereitwillig auf das Abenteuer eingelassen hatte. Wenn er heute über die Beziehung seines ehemaligen Kumpels zu seinem Teamkollegen nachdachte, so kam er zu dem Schluss, dass sie auf irgendwas Bizarrem zwischen Liebe, Freundschaft und sexueller Hörigkeit basierte und dass er keine Chance hatte, da reinzukommen. Doch was war das dann im Februar? Er blieb ratlos. Sein Verhältnis zu Jolyon hatte sich durch die gemeinsame Nacht nicht verändert, zumindest nicht von dessen Seite aus. Die beiden gingen weiterhin normal miteinander um, konnten locker miteinander reden, sogar scherzen und der Brite verhielt sich, als wäre nie etwas passiert.

Kevin seufzte. Vielleicht war es sogar besser, dass Marcus ihm die kalte Schulter zeigte, denn wenn sie noch so viel Zeit zusammen verbringen würden wie im letzten Jahr, würde er ihn wohl nur noch mehr beneiden. Auf einmal schreckte er aus seinen Gedanken, denn Felipe wedelte mit einer Hand vor seinem Gesicht herum.

„Huhu! Ignorierst du mich jetzt auch oder wie?“, fragte er belustigt.

„Hä? Sorry... hast du was gesagt?“

„Ja. Da wir offenbar beide hier sitzen gelassen wurden, wollte ich wissen, ob du irgendwelche Pläne für den Nachmittag hast oder ob wir was zusammen machen wollen? Runde Tischtennis spielen? Oder im Hotelpool schwimmen gehen?“

„Ach so... hm, klingt nicht übel. Bin dabei.“

„Cool“, Felipe stand auf und Kevin kramte in seiner Hosentasche nach ein paar Münzen, um das Wasser zu bezahlen, das er getrunken hatte.

„Ach lass stecken, ich habe gehört, Marcus lädt uns ein“, meinte Felipe zwinkernd und hielt triumphierend den Hundert-Euro-Schein hoch. Er ging an die Theke um zu bezahlen und der junge Kellner freute sich sichtlich über das großzügige Trinkgeld.

Anschließend verließen die beiden F1-Piloten das Café und gingen Tischtennis spielen, was für Kevin eine willkommene Ablenkung war. Aber je näher der Abend kam und damit das angekündigte Interview, desto aufgeregter fühlte er sich. Er fluchte innerlich. So ging das nicht weiter! Er konnte nicht jedes Mal weiche Knie kriegen, wenn er auf Jolyon traf! Am Ende wurde sein Verhalten noch genauso auffällig wie das von Marcus. Bloß was sollte er dagegen tun? Es gab kein Mittel gegen unerfülltes Verlangen und unerwiderte Liebe. Ihm blieb nichts anderes übrig, als klarzukommen und sich einzureden, dass es so das Beste war.

Nur ob er sich das selbst jemals glauben würde, war die Frage...


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*Ende*
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