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Controlling Emotions

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
Aragorn Boromir Gandalf Gimli Legolas OC (Own Character)
25.06.2016
13.06.2021
38
107.172
26
Alle Kapitel
95 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
03.05.2021 4.612
 
Disclaimer: Bis auf meinen OC gehören leider alle Figuren und allgemein alles was zu Mittelerde gehört nicht mir, sondern Tolkien und Peter Jackson. Ich verdiene kein Geld hiermit, auch wenn es schön wäre.

Fettgedruckt im Text ist Elbisch

Kursiv ist weiterhin Gesang, Gedichte, Zitate oder Gedanken.

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Tara POV

Ich wachte auf als mir Wasser ins Gesicht klatschte. Mit einem Luftschnappen schoss ich kerzengerade nach oben.

„WAS ZUR Höl…“ Begann ich, doch eine Hand presste sich auf meine Lippen und dämpfte meine Worte.

„Shhh, die anderen schlafen noch.“ Zischte Ariens Stimme mir ins Ohr. Vorsichtig löste sie ihre Hand von meinem Mund

„Verdammt Arien! Was sollte das?“ Fauchte ich wütend und wischte mir das Wasser aus den Augen.

„Ich tat, was notwendig war.“ Gab die blonde Elbin achselzuckend zurück.

„Was notwendig…? Was NOTWENDIG war?“ Ich versuchte meine Lautstärke gering zu halten, aber sie hatte mir Wasser ins Gesicht geschüttet. Arien grinste mich nur schelmisch an und bedeutete mir mit ihrem Kopf aufzustehen. Wütend grummelnd folgte ich Arien.

Die Runde, die wir liefen, war heute kürzer, doch ich wagte nicht nachzufragen. Am ende ließ sie mich noch mehr laufen, das kam gar nicht in Frage.

Wir saßen nun auf der Wiese am Trainingsgelände und ich versuchte sitzend mit meinen Fingern meine Fußspitze zu erreiche. Wenn ihr mich fragt, ein Ding der Unmöglichkeit.

Als ich einen Blick auf mir spürte blickte ich stirnrunzelnd auf. Arien hatte sich im Spagat vor mich gesetzt, vorgebäugt und den Kopf auf die Hände aufgestützt.

„Du und der Gondorianer hm?“ Fragte sie bei meinem Blick und meine Augen wurden weit.

„Was?“ Quiekte ich nervös und merkte wie mir die Röte in die Wangen stieg.  

„Uh doch so ernst?“ Säuselte Arien, die meinen Zustand sichtlich genoss. Ihre Augen funkelten und ihre perfekten Lippen waren zu einem Schmunzeln verzogen.

„Nein, da ist nichts. W…Wir sind nicht…Du weißt schon, also nein. Ich meine er hat nie was gesagt und ich auch nicht wir…kennen uns ja kaum.“ Stotterte ich und begann unruhig zu zappeln.

„Was ist gestern geschehen? Nachdem die Lady und ich euch verlassen hatten? Erzähl mir alles.“ Ihr schmunzeln hatte sich vertieft und sie war geradezu hibbelig.

Ich seufzte. Sie würde keine Ruhe geben bis ich ihr alles im noch so kleinsten Detail erzählt hatte. Was blieb mir anderes übrig?

Ich erzählte ihr von meinem Lied und das ich nicht gemerkt hatte, dass er aufgewacht war. Von unserem Gespräch und wie er meine Hand geküsst hatte.

„Ich weiß auch nicht, warum ich dabei so nervös würde, immerhin hat er mich schonmal geküsst aber d…“

„Ihr habt euch geküsst? Wann?“ Unterbrach mich Arien begeistert.

„Er mich. Ein Mal.“ Gab ich zurück und sie lehnte sich mit funkelnden Augen auf ihren ausgestreckten Armen nach vorne. Sie hatte etwas von einem Welpen dachte ich, während ich ihr von dem Kampf in den Mienen von Moria erzählte.

„Ich weiß nicht was das ganze bedeutet. Ich weiß nicht mal ob er mich mag…auf diese Weise meine ich. Wer weiß, er hat sicherlich viele Frauen in Gondor die tausendmal schöner sind als ich und die nicht mit schrägen, unkontrollierten Kräften aus einer anderen Welt kommen. Er ist immerhin der Sohn des Mächtigsten Mannes dort. Da gibt es sicher Massen an Frauen unter den er wählen könnte. Vermutlich bin ich für ihn einfach unsichtbar.“

„Glaub mir Süße, du könntest nicht unsichtbar sein, selbst wenn du es versuchen würdest.“

„Aber das war ich mein ganzes Leben. Ich war unsichtbar, und das war okay. Und dann kommt er und ich fühl mich…Ich weiß nicht“

„Was fühlst du?“

„Ich weiß nicht… Wenn er da ist, dann muss ich lächeln. Und alles kribbelt, wenn er mich berührt… Ich…“

„Liebst du ihn?“ Ariens Stimme war ernst geworden und ihr Grinsen in ein sanftes Lächeln übergegangen.

„Ich…Kein Ahnung… I…Ich denke… Ich mag ihn. Ich mag ihn sehr“ Gab ich mit gesengtem Blick zurück. „Ich weiß ich komme aus einer anderen Welt und Ich spiele nicht in seiner Liga, aber wenn er mich anblickt… Arien, dann gibt es nur uns beide. Es ist so ein warmes kuschliges Gefühl in mir, wenn ich an ihn denke, und mein Magen macht dann immer Saltos. Oh Gott, mich hat es total erwischt, dabei kenn ich ihn doch überhaupt nicht. Verdammt was mache ich hier nur.“ Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen.

„Dann lernst du ihn kennen. Er hat dich eingeladen mit ihm spazieren zu gehen. Wieso also sorgst du dich?“

„Was wenn ich was Falsches sage? Was wenn er mich nicht mag?“ nuschelte ich in meine Hände.

„Aber er mag dich doch bereits. Tara, sieh mich an.“ Arien zog die Hände von meinem Gesicht und legte mir zwei Finger unter das Kinn. „Du bist eine starke, kluge Frau. Du bist mächtig und wunderschön. Er wäre dämlich dich nicht wahrzunehmen. Außerdem denke ich, dass er bereits ziemlich vernarrt in dich ist. Als du verletzt wars, ist er dir nicht von der Seite gewichen und seine Blicke sprechen Bände. Sorge dich nicht. Und selbst wenn er nicht das Gleiche empfindet wie du, du musst dich nicht durch einen Mann definieren. Du bist unglaublich, mit oder ohne ihn.“ Ihre Hand war auf meine Schulter gewandert und sie blickte mir direkt in die Augen.

„Arien…“ Ich musst den Klos in meinem Hals schlucken. Tränen brannten mir in den Augen und ich konnte nicht anders. Ich zog sie an mich. „Danke, vielen Dank Arien.“ Ich hörte wie sei leise lachte und ihr Hand fuhr in mein Haar.



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Nach dem Frühstück hatte Arien beschlossen ich sollte mit ihr ein Paar Waffen durchgehen. Den gesamten Vormittag zeigte sie mir verschiedene Schwerter, Dolche und Messer und wofür man sie nutzte. Sie zeigte mir wie man einen Bogen spannte und wie ich ein Schild halten sollte. Sogar Speere und Äxte zeigte sie mir.

Als Zeit für meinen Unterricht mit Galadirel war, waren wir nicht weiter als am Anfang. Meine Arme brannten, ich hatte überall blaue Flecken und meine Handflächen waren wund. Zu unser beider Frustration hatten wir feststellen müssen, dass das einzige was ich mit einer Waffe in der Hand wirklich konnte, mich selbst zu verletzen war.

Das Trainieren mit Galadriel hingegen lief umso besser. Wir hatte an der Stelle von gestern angesetzt. Sie hatte mich ganz genau beschreiben lassen, was ich gestern getan, gesehen und empfunden habe.

Als Nächstes hatten sie mich die Energie um uns herum manipulieren lassen, bis das Visualisieren wie von alleine geschah. Ich sah die Umgebung nun nichtmehr abgegrenzt zu meiner Magie. Alles war eins. Ich schnaubte. Wann immer ich diesen Gedanken hatte, musste ich an König der Löwen denken. Ich hatte das Musical damals in London gesehen und es war einfach unglaublich gewesen.

Als wir endlich fertig waren, war ich wieder mal total fertig und hatte meine Treffen mit Boromir total vergessen. Erst als ich zum Pavillon zurückkam und er an eine der Säulen lehnte viel es mir wieder ein und sofort wurde ich leicht panisch. Ich hatte meine normalen Trainingsklamotten an, und meine Haare hatten heute noch keine Bürste gesehen.

Kurz zögerte ich, doch dann zuckte ich mit den Achseln. Das musste dann also reichen. Er hatte mich schon in schlimmerem Zustand gesehen. Als er mich sah stieß er sich von der Säule ab und kam auf mich zu.

„Hallo Tara.“ Sagte er zur Begrüßung. Seine Stimme hatte ihren Düsteren Klang verloren und seine Gesichtszüge erschienen weicher und weniger gehetzt.

„Hey“ gab ich fröhlich zurück Und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Er leckte den Kopf schief und blickte mich an.

„Heeeii…“ wiederholte er dann etwas langsamer, als müsste er den Klang erst austesten. Ich musste grinsen.

„Hey“ wiederholte ich erneut. „Das sagt man in meiner Welt zur Begrüßung. Es ist wie Hallo, nur lockerer. Jugendlicher“

„Lockerer…“ wiederholte Boromir nachdenklich. Dann schüttelte er jedoch den Kopf und weiß mit der Hand auf einen Pfad, der aus der Elbenstadt hinausführte. „Wollen wir?“ Wobei seine Augen mein Gesicht keine Sekunde verließen, was mich wieder etwas nervös machte.  Kurz war ich verwirrt. Wo wollte er hin?

„Ich versprach dir einen Spaziergang.“ Präzisierte er und ich nickte schnell. „Ja natürlich.“ Und wieder schoss mir die Röte ins Gesicht. Verdammt. Wenn Boromir etwas gemerkt hatte ließ er es sich nicht anmerken.

„Wie lief dein Tag? War das Training erfolgreich?“ Brach Boromir die Stille, die zwischen uns entstanden war.

„Oh, wie mans nimmt. Das Training mit Arien war ein Desaster. Anscheinend bin ich nicht in der Lage eine Waffe zu benutzen ohne mich selbst zu verletzten.“ Ich stöhnte bei der Erinnerung an meinen Vormittag.

„Richtig, Arien meinte etwas ähnliches. Sie wirkte jedoch guten Mutes.“

„Das liegt daran, dass sie meine Hand Fuß Koordination noch nicht in ihrem vollen Ausmaß kennen gelernt hat. Ich bin und werde immer, grottig sein in allem was eine Kombination aus Hand und Fußarbeit verlangt. Wenn ich dann auch noch einen Stock halten muss, der dazu auch noch eine scharfe Spitze hat…“ Ich formte eine Pistole mit meinen Fingern und setzte sie mit einem leisen „puff“ Sound an meine Schläfe.

Boromir sah mich wieder mit diesem Blick an. Schiefgelegter Kopf und eine Mischung aus fasziniert und belustigt.

„Was?“ fragte ich verwirrt sah ihn gespielt vorwurfsvoll an. Das brachte ihn zum Lachen. Ein toller klang. Voll und tief und so… echt.

„Du redest stets so wunderlich. Das klingt lustig.“ Gab er zurück. Ich kniff die Augen zu schlitzen zusammen, und spitzte meine Lippen.

„Und du sprichst wie aus einem Mittelalterfilm.“ Konterte ich dann schnippisch.

Die nächste halbe Stunde verbrachte ich damit ihm zu erklären war das Mittelalter war und die Bedeutung des Wortes ´Film´. Hinzu kamen mehrere Vergleichsepochen und verschiedene Filmgenres.

Wir hatten das Stadtzentrum hinter uns gelassen und liefen zwischen den Mallornbäumen entlang. Die Sonne stand tief und ein kühler Wind fuhr mir durch die Haare. Wir kamen auf eine Lichtung, die bedeckt war von saftig grünem Gras und weißen Blumen, die stark an Waldanemonen erinnerten. Die Abendsonne tauchte alles in ein warmes, goldenes Licht. Am Rand der Lichtung plätscherte ein kleiner Bach dessen Wasser die Sonnenstrahlen brach und wie flüssiges Feuer erschien.

Staunend drehte ich mich um meine eigene Achse und versuchte all die Eindrücke aufzunehmen. Es war wunderschön.

„Wow“ flüsterte ich fasziniert und blickte Boromir an.

„Ich dachte mir, dass es dir gefällt.“ Gab er zurück und ließ sich am Rand des Baches nieder. Ich setzte mich zu ihm und betrachtete die Lichtung. Die Sonne war warm auf meiner Haut und Boromirs Nähe beruhigte mich und ließ mich zugleich nervös werden.

„Meine Mutter hätte diesen Ort geliebt.“ Sprach Boromir plötzlich leise. „Sie liebte das Grün und die Natur. Sie war eine gütige und sanfte Frau. Klug und wunderschön. Mein Bruder und ich haben sie vergöttert. Ich wünschte wir hätten mehr Zeit mit ihr gehabt. Viel zu früh ist sie von uns gegangen.

Sie hatte uns stets Fantastische Geschichten über Elben, Zwerge und Zauberer erzählt. Faramir hing jedes Mal an ihren Lippen. Er war begeistert von allem was sie sagte und folgte ihr überall hin. Bis heute hat er seinen Glauben an Wunder nicht verloren und darum beneide ich ihn. Er sieht stets das Gute in allem. Seine Welt ist ein besserer Ort." Er lächelte, während er erzählte. Gespannt lauschte ich seinen Worten. Es war so schön mehr über ihn zu erfahren, auch wenn seine Geschichte bittersüß war.

"Ich frage mich oft was wäre, würde sie noch leben. Ob wir andere Wege eingeschlagen hätten. Ob mein Vater... " Er seufzte.

„Mein Vater ist... sehr eigensinnig. Schon immer hat er mich meinem Bruder vorgezogen. Er hat ihn oftmals als Zauberlehrling und Träumer beschimpft, weil er die Zeit lieber in der Bibliothek verbrachte als auf dem Turnierplatz. Mein Vater hat seine Liebe zu Wissen nie verstanden… weißt du, er ist ein guter Mann. Mein Vater. Jedoch ist er ein schwacher Herrscher. Er strebt nach Ehre und Ruhm und sucht diese im Krieg.

Ich soll sein Feldherr sein und unser Heer anführen. Ich soll alles grade Biegen und eine Lösung für seine Probleme finden. Doch das Einzige, was ich für mein Volk wirklich will, ist Frieden. Ich weiß nicht wie ich den Vorstellungen meines Vaters genügen kann und gleichzeitig tun was richtig ist.

Gondor existiert im Schatten Mordors und dieser Schatten wird von Tag zu Tag größer. Diese Finsternis verfolgt mich, wohin ich auch gehe. Ich vermisse meinen Bruder sehr, er hat eine Leichtigkeit an sich, etwas sorgloses. Du erinnerst mich etwas an ihn. Ihr bringt beide Licht in mein Leben und haltet die Dunkelheit zurück." Seine Worte waren wunderschön und ich musste blinzeln um die Tränen zurück zu halten. Ich war überrascht zu sehen, dass auch seine Augen glasig waren. Ohne nachzudenken, ergriff ich seine Hand.

Er hob den Kopf und blickte mich an. In seinen Augen schwang so viel Emotion, dass ich meinen Blick nicht von ihm lösen konnte. Ohne dass ich es wollte schwabbten Gefühle von ihm auf mich über und ich sah die Farben um ihn schimmern.

Das Blau und Schwarz der Trauer und Angst waren sehr dominant. Doch zu meiner Freude war auch viel Grün in dem Wirbel seiner Gefühle zu sehen ebenso wie... Rosa. Konnte es sein?

Schnell zog ich meine Hand, aus der seinen und die Farben verschwanden.

Überrascht runzelte er die Stirn und Verletzung stand in seinen Augen.

"Ahh, i-ich, wenn ich jemanden Berühre kann ich manchmal dessen Emotionen sehen... ähm wahrnehmen. Normalerweise muss ich mich darauf konzentrieren, doch deine Gefühle waren so überwältigen … ich wollte nicht... unhöflich sein..." Beeilte ich mich zu erklären. Ich senkte den Blick Das tiefe Lachen, dass daraufhin von ihm kam überraschte und verwirrte mich. Ich hatte Empörung oder Abneigung erwartet. Nicht Belustigung.

"Du bist unglaublich." sprach er dann ruhig. Seine Hand griff wieder nach der Meinen und meine Augen weiteten sich. Hatte er nicht verstanden was ich eben gesagt hatte?

„Andere würden diese Fähigkeit ohne nachzudenken ausnutzen um die Geheimnisse ihres Gegenübers zu erfahren, und du machst dir Sorgen meine Gefühle zu verletzten und aufdringlich zu sein? Du bist wie keine Frau, die ich je getroffen habe."

Verblüfft starrte ich ihn an. So hatte ich noch nie darüber nachgedacht. Meine Kräfte so zu nutzen... Das wäre nicht richtig. Ich versuchte die Farben um ihn herum zu ignorieren, zu denen sich nun auch orange und helles Gelb gesellt hatten.

„Was meinst du damit? Wie sind die Frauen in Gondor so? So sehr können sie sich nicht von mir unterscheiden, oder?" Versuchte ich das Thema zu wechseln. Er schnaubte.

"Die meisten Frauen bei Hofe sind oberflächlich oder manipulativ. Verwöhnt und naiv."

"Naiv bin ich auch, das ist nicht unbedingt etwas schlechtes." Unterbrach ich ihn. „Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass alle Frauen bei euch so sind. Vielleicht hattest du einfach die falschen Leute um dich. Oder du hast einfach nicht hinter den Ersten Eindruck geblickt." Ich nickte und presste meine Lippen auf Besserwisserische Weise zusammen.

"Das sagt Faramir auch immer" Gab Boromir lächelnd zurück.

"Kluger Mann." grinste ich.

"Ja, das ist er. Ihr würdet euch sicherlich gut verstehen. Irgendwann wird uns unser Weg nach Gondor führen. Dann zeige ich dir die weiße Stadt und du kannst meinen Bruder kennenlernen."

Seine Worte ließen mein Herz schneller schlagen und meine Wangen wurden warm. Er wollte mir seine Heimat zeigen, wollte dass ich seinen Bruder kennenlernte.

"Das würde ich sehr gerne." Mein Magen machte einen Purzelbaum. "Und dein Bruder, hat er eine Frau?" Hängte ich wie beiläufig an. An Boromirs Grinsen erkannte ich sofort, dass er mich durchschaute. Verdammt.

"Weder mein Bruder noch ich haben uns bisher gebunden. Zum Verdruss unseres Vaters." Bei diesen Worten sah er definitiv zu selbstgefällig aus, doch ich ließ es ihm durchgehen... Er war Single. Ich versuchte nicht zu grinsen, doch es gelang mir nicht seinen Blick nach zu urteilen.

„Oh" gab ich von mir, was sein Grinsen vertiefte. Verdammt Tara was eine Intelligente Aussage.

"Ach halt die Klappe!" Grummelte ich und piekte ihn in die Seite. Meine Unterlippe war zu einem Schmollmund vorgeschoben und ich verschränkte die Arme vor meiner Brust.

Plötzlich spürte ich eine Berührung an meiner Lippe und erstarrte. Seine Finger waren rau, doch seine Berührung umso sanfter.

„Du bist süß, wenn du beleidigt bist." Hauchte er in mein Ohr. Sein Atem kitzelte an meiner Ohrmuschel und ein Schauer lief durch meinen Körper. Ich konnte seinen Geruch wahrnehmen. Er roch nach Leder und Natur. Ich spürte seine Körperwärme. Meine Augenlieder schlossen sich wie von selbst und ich lehnte mich in die Berührung.

Sein Atem wanderte langsam von meinem Ohr meinen Unterkiefer entlang bis vor zu meinem Kinn. Oh Gott das fühlte sich so wahnsinnig gut an. Meine Hand wanderte nach oben und legte sich auf seine Brust. Mein Herz raste und ich denke ich atmete nichtmehr, so genau wusste ich das gar nicht, aber ich wollte, dass es nie wieder aufhört.

Er war mir so nah, dass unsere Nasen uns nun fast berührten. Als meine Augenlieder vorsichtig aufflatterten blickten mir zwei wunderschön graue Augen entgegen. Sie waren dunkler als sonst und entfernt spürte ich, dass der Atem auf meiner Haut, unregelmäßig war.  Alles um mich herum verschwamm, da waren nur diese Augen.  Ich war gefangen in den grauen Tiefen, die mich immer weiter in den Bann zogen.

Wie von selbst kippte mein Kopf etwas zur Seite und meine andere Hand legte sich vorsichtig auf seine Wange. Ich spürte seinen Bart, der an meiner Handfläche kratzte und ein Kribbeln auslöste, wie tausend Ameisen. Noch ein Stück, dann würden unsere Lippen…

Das Grummeln meines Bauches ließ uns auseinanderfahren. Mein Kopf war plötzlich hochrot und zu meiner Zufriedenheit hatten sich auch seine Wangen rosa gefärbt. Er stand auf und ich versuchte alles um ihn nicht anzublicken.

„Hrrhh“ räusperte er sich. „Ähh… vielleicht sollten wir zurück zu den anderen, sie essen sicher schon.“ Damit hielt er mir die Hand hin und ich ergriff sie nickend. Keine Chance, dass ich jetzt gerade auch nur ein klares Wort hervorbringen könnte.

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Beim Essen konnte ich an nichts anderes denken als an seine Berührung. Wir waren schweigend zurückgelaufen, doch meine Hand hatte er erst losgelassen, kurz bevor wir den Pavillon betreten hatten.

Wann immer sich unsere Blicke trafen, wurde ich rot und fing unwillkürlich an zu grinsen. Frodo rettete mich letzten Endes indem er mich in ein Gespräch vertiefte. Wir sprachen über die letzten Tage, über nichtige Dinge, einfach nur um das Reden willen. Es war unheimlich entspannend.

Er war wie ein kleiner Bruder. Lächelnd blickte ich in die Runde meiner Freunde. Ich merkte wieder mal, wie lieb ich alle gewonnen hatte. Sie waren für mich wie eine Familie geworden und durch sie war diese Welt nichtmehr einsam.

Auch nach dem Essen saßen wir lange am Feuer und erzählten Geschichten. Legolas, Boromir, Gimli und die Hobbits erzählten mir Geschichten von ihren Völkern und ließen mich Mittelerde immer besser verstehen. Die Welt in der ich vielleicht für immer bleiben müsste, war mir bald nichtmehr so fremd und das überraschte mich, ängstigte mich jedoch auch.

Wie würde mein Leben in Zukunft aussehen? Würde ich meine Familie jemals wieder sehen?  



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Die Tage in Lorien begannen eine Routine anzunehmen. Morgens wurde ich von Arien zu absolut unmenschlichen Stunden geweckt wofür ich sie jedes Mal Verfluchte. Zu meiner Freude stellte ich fest, dass ich beim Joggen langsam Fortschritte machte. Diese Freude war jedoch nur kurzlebig, da Arien genaustens darauf achtete wie sich meine Kondition entwickelte und bei der kleinsten Verbesserung die Strecke verlängerte, oder das Tempo anzog.  

Je länger Arien versuchte eine Waffe zu finden, für die ich auch nur die kleinste Affinität aufwies, desto frustrierter wurde sie. Legolas hatte versucht zu helfen als wir bei Pfeil und Bogen angelangt waren. Dies hatte ihm einen Todesblick von Arien sowie ein zwei bissige Kommentare eingefangen. Jedoch musste auch er am Ende zugeben, dass meine Talente wohl nicht in der Waffe der Elben lag.

Gimli ging es mit der Axt ähnlich. Arien hatte schließlich aufgegeben neue Waffen an mir auszuprobieren und sich auf Selbstverteidigung und den Umgang mit einem Dolch beschränkt.

„Da ist die Chance am geringsten, dass du dir eine Gliedmaße abhackst“ hatte sie nur geseufzt.

Das Training mit der Lady Galadriel lief dafür umso besser. Seit ich Boromir das Schild verpasst hatte, entdeckte ich immer mehr Seiten meiner Magie. Galadriel leitete mich geduldig an und gab mir ein Gefühl von Ruhe.

Ich konnte mittlerweile die Energie um mich herum sowie meine eigene ohne Probleme mit offenen Augen visualisieren und konzentrierte Mengen davon manipulieren und hin und her fließen lassen. Ich wurde immer besser darin mich nur auf eine Emotion zu fokussieren, wie Gandalf es mir aufgetragen hatte, auch wenn hin und wieder immer noch Schlieren anderer Farben mit dabei waren. Ich hatte plötzlich keine Probleme mehr meine Umwelt zu beeinflussen. Ich konnte Wasser, Luft und Licht mit Leichtigkeit manipulieren. Dinge schweben zu lassen, war nun fast schon unterbewusst möglich, ohne überhaupt darüber dachzudenken. Ich konnte Pflanzen wachsen lassen und Feuer aus dem Nichts entstehen lassen.

Als Galadriel schließlich meinte wir könnten mit dem Heilen anfangen, fühlte ich mich wie ein kleines Kind an Weihnachten. Womit ich nicht rechnete, war, dass es erstmal heilen an mir selbst beinhalten würde.

„Wenn eine Heilerin verletzt ist, kann sie ihren Gefährten nicht helfen. Das Erste, was du können musst, ist deine eigenen Wunden zu heilen. So kannst du die Vorgänge selbst erfahren und es wird dir leichter fallen sie auf andere anzuwenden.“ Mit diesen Worten zog sie ein Vesser hervor und schnitt mir ohne zu zögern in die Handfläche.

„Ahhh“ schrie ich erschrocken auf und starrte auf das Blut, dass aus dem Schnitt quoll. Entsetzt blickte ich zu Galadriel auf. Sie beobachtete mich nur, ihre Mundwinkel minimal zu einem Spöttischen Lächeln geformt. Ungläubig starrte ich zurück auf den Schnitt.

„Wie wirst du den Schnitt schließen?“ Drang Galadriels Stimme durch meine Gedanken. Ich blickte zu ihr auf und ließ ihre Frage durch meinen Kopf laufen. Das leichte Stechen in meiner Handfläche machte es mir schwerer mich zu konzentrieren. Angestrengt betrachte ich den Schnitt. Langsam ließ ich meine Magie in Richtung der Wunde fließen. Es war immer wieder überwältigend, wie gut ich meine Magie mittlerweile spüren konnte.

Das Kribbeln lief von meiner Bauchregion Richtung Schulter und meinen Arm hinab zu meiner Hand. Ich hatte mich auf Freude konzentriert und sonnengelbes Licht ließ meine Haut erstrahlen. Rauch flatterte um meine Beine und wippte zu einer Melodie, die keiner hören konnte. Ein dünner strahl auf Licht drang aus meiner Handfläche und begann wie mit Nadel und Faden die Wundränder zusammen zu ziehen.  

Das war ja total einfach. Triumphierend schaute ich zu meiner Lehrerin auf, doch diese erwiderte mein Lächeln nicht. Plötzlich ließ mich ein starkes Brennen in meiner Hand aufschreien. Panisch blickte ich auf meine Hand. Die Wundränder hatten sie rot gefärbt. Meine Hand war angeschwollen und bildete kleine Blasen. Entsetzt griff ich mein Handgelenk mit meiner Hand und zog meine Magie zurück. Das Brennen wurde schwächer, aber es tat immer noch höllisch weh.

„Was zur Hölle ist das?“ Stöhnte ich entsetzt. Galadriel war zu mir getreten und hatte mich zu der Treppe geführt, wo sie mich auf die Stufen drückte. Meine Atmung ging schneller während ich versuchte meine überreizten Nervenenden zu beruhigen.

„Du hast viel zu viel Magie verwendet. Beim Heilen kommt es genauso auf die Menge der Energie an, wie auf die Art der Magie.“ Antwortete sie ruhig.

„Und du hättest mich nicht warnen können?“ Fragte ich durch zusammengepresste Zähne, während ich mir noch immer das Handgelenk hielt. Als würde das irgendetwas besser machen.

„Selbst ich hätte nicht ahnen können, welch eine Reaktion solch ein Überschuss an Magie auslöst. Deine Magie ist mir fremd. Sie unterscheidet sich von der der Elben und Istari. Obgleich nicht schwächer, ist sie doch verschieden. Die Magie der Elben ist weitaus allgemeiner und ganzheitlicher. Die der Istari so viel gezielter. Selbst die Träger der Ringe haben verschiedene Arten von Magie, doch keine gleicht der deinen. Verzeih mir.“ Vorsichtig streckte sie die Hände aus und ich legte zögernd meine verletzte Hand in die ihren.

Galadriel begann leise Worte auf elbisch zu murmeln und ein schneeweißes klares Licht begann um meine Hand zu leuchten. Das Licht wurde immer heller und der Schmerz in meiner Hand ging zurück.

„Beobachte meine Magie, wie ich sie lenke und leite.“ Flüsterte, während sie weiter meine Hand hielt.

Ihre Magie war unglaublich. Ihr Kern schien in einem strahlend weißen Licht. So hell und klar. Keine Energie eines anderen hatte ich jemals so hell leuchten sehen.  Sie strahlte so viel heller als meine Eigene. Ich konnte nur erahnen wie viel Macht die Elbin tatsächlich besaß.

Als das Licht langsam wieder verschwand viel mein Blick wieder zurück auf meine Hand. Die Blasen waren verschwunden und meine Haut hatte wieder ihren normalen, blassen Farbton angenommen. Nur der Schnitt auf meiner Handinnenfläche war noch da. Lächelnd legte mir Galadriel die Hand auf die Schulter.

„Versuche es erneut Kind.“

Ich holte einmal tief Luft und ließ meinen Kopf kreisen. Dann fokussierte ich mich auf meine Magie.



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Am Abend hatte ich es endlich geschafft den Schnitt zu schließen. Die Narbe war ein recht hässlicher Wulst gewesen, aber Galadriel hatte mir geholfen und nun war sie kaum mehr als eine feine Linie die sich über meine Handfläche zog.

Boromir wartete bereits auf mich und ich winkte ihm fröhlich zu als ich näherkam.

„Mylady, wie wäre es mit einem Spaziergang?“ Fragte er grinsend und verbeugte sich während er mir seinen Arm hinhielt.

Lachend ergriff ich ihn und erwiderte ebenso grinsend: „Sehr gerne der Herr.“ Dies schien ihn zu amüsieren und lachend liefen wir in die Richtung, die wir auch beim Ersten Mal eingeschlagen hatten.

Begeistert erzählte ich ihm von dem Unterricht mit Galadriel und wie ich meine Hand geheilt hatte. Boromir hatte meine Hand erst besorgt, dann jedoch verblüfft und ein winziges Bisschen beeindruckt begutachtet.

„Ich wusste nicht, dass du so etwas kannst. Das ist fantastisch“ Staunte er und in seine Stimme lag kein Spott. Nichts Neckisches blitzte in seinen Augen. Dieses offene Kompliment ließ meine Wangen erröten.

„Ja, gell? Wenn nur das Training mit Arien genauso gut liefe. Wahrscheinlich haben sich alle Waffen gegen mich verbündet.“ Grummelnd kickte ich einen Stein vor mir her.

„Hmmmm…“ Boromir überlegte kurz und ich sah ihn fragend an. „Die wenige Zeit, die ich damit verbracht habe dir beizubringen… nein, zu versuchen dir beizubringen mit einem Schwert umzugehen…“

„Hey!“ Rief ich empört und boxte ihm auf den Arm. Lachen fing er meine Faust als ich zu einem weiteren Schlag ausholte.

„Diese Zeit hat mich eines gelehrt.“ Sagte er, nun wieder ernst. „Deine mächtigste Waffe ist, und wird immer deine Magie sein.“ Bei seinen Worten wurde ich still. Er hatte Recht. Meine Magie war meine Größte Stärke in dieser Welt. Wenn ich sie als Waffe einsetzte und die nötige Kontrolle darüber hatte… Darüber musste ich dringend mit Arien reden.

Der Rest des Spaziergangs war geprägt von lockerer Unterhaltung. Wir erzählten uns kleine Geschichten und machten Witze. Wir neckten uns gegenseitig und brachen wieder und wieder in Gelächter aus. Ich war jedes Mal wieder fasziniert wie tief und voll Boromirs Lachen war. Er hatte sich seit unserem ersten Treffen so sehr geändert. Das hatten wir beide.

Ich genoss den Abend mit ihm und mit den anderen, als wir schließlich zum Abendessen im Pavillon eintrafen. Meine Gedanken kreisten immer wieder um Boromirs Worte und ich konnte es nicht abwarten am nächsten Morgen Arien davon zu erzählen. Wer weiß vielleicht war ich doch kein Hoffnungsloser Fall.

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Wie fandet ihr Kapitel 36?

Ich freue mich natürlich total über Feedback und Kritik. Und Danke nochmal an alle die diese Geschichte lesen und auch so fleißig kommentieren.

LG,

Pigwidgeon
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