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Controlling Emotions

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / Het
Aragorn Boromir Gandalf Gimli Legolas OC (Own Character)
25.06.2016
13.06.2021
38
107.172
26
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95 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
06.02.2021 7.186
 
Disclaimer: Bis auf meinen OC gehören leider alle Figuren und allgemein alles was zu Mittelerde gehört nicht mir, sondern Tolkin und Peter Jackson. Ich verdiene kein Geld hiermit, auch wenn es schön wäre.



Hi zusammen, das Kapitel zu schreiben war meine Belohnung zum Absolvieren meines Schriftlichen Examens. Fehlt noch praktisch und mündlich.  Viel Spaß beim Lesen

Pig





Aragorn POV

"Ihr Zustand hat sich nicht verändert. Aragorn. Sie isst nicht, trinkt kaum und reagiert auf niemanden." Die Stimme der Elbin war eindringlich. Sie standen etwas abseits von der Gruppe und redeten leise, obwohl er wusste, dass die anderen es ohnehin erfahren würden.

Sie waren nun schon eine Woche in Lothlorien. Sie hatten geschlafen, ihre Wunden versorgt und sich zumindest körperlich von den Strapazen der Miene erholt.

Gimli hatte sogar wieder angefangen die Hobbits in den Grundlagen des Kampfes zu unterrichten. Legolas erkundete den goldenen Wald wobei Aragorn ihn manchmal begleitete.

Die Wälder Lothloriens waren immer aufs Neue eindrucksvoll und, sie beruhigten ihn wie kaum ein anderer Ort es vermochte. Fernab von all dem Trubel viel es ihm leichter seine Gedanken zu sortieren.

Das weitere Vorgehen der Gemeinschaft bereitete ihn Sorgen. Keiner sagte etwas, doch ohne Gandalf suchten die anderen Führung in ihm. Am meisten sorgte ihn jedoch ihr weibliches Gruppenmitglied.

Als sie aufgewacht war, hatten er und Boromir sie in den Häusern der Heilung Lothloriens besucht. Der Mann hatte es sich nicht nehmen lassen sie zu sehen. Tara jedoch hatte auf keinen der beiden reagiert.

Ihr Körper war zusamengekrümmt in dem schmalen Bett gelegen, der Blick ins Leere gerichtet. Ihre Haut war blass, die Augen eingefallen und von dunklen Ringes gesäumt.

Er war überrascht, wie sehr ihn ihr Zustand erschrocken hatte. Er hatte Trauer und Verlust gesehen und das nicht wenig, hatte beides selbst oft genug gespürt. Doch bei ihr diese Reaktion zu sehen… Auch die anderen hatten sie an den folgenden beiden Tagen besucht ohne Veränderung.

Boromir war bei ihr gesessen, bis eine der Heilerinnen ihn weg gesandt hatte. Eine verzweifelte Hoffnungslosigkeit stand in seinen Augen, als er an diesem Abend in den Kreis der Gemeinschaft des Ringes zurückgekehrt war.

"Es ist, als habe ihre Seele ihren Körper verlassen. Sie lebt, doch ist sie nicht hier. Keine Magie in dieser Welt kann sie zurückbringen, wenn sie das nicht will. Aragorn nickte nur langsam während sich die Elbin zum Gehen wandte. Hinter ihm trat ein Mann aus dem Schatten.

"Aragorn, so kann es doch nicht weiter gehen. Sie müssen etwas tun."

„Du hast sie gehöhnt Boromir. Sie muss selbst zurückkommen." Antwortete der Waldläufer und drehte sich um.

„Und was, wenn sie das nicht kann? Wenn das so weiter geht dann wird sie... "Er stockte.

"Ich…die Gemeinschaft kann nicht noch ein Mitglied verlieren." schloss er dann bitter.

„Und das wird sie nicht.“ Antwortete der schwarzhaarige eindringlich. „Tara ist stark, sie wird den Weg zurückfinden." Damit wandte er sich ab und lies zu den Hellhaarigen stehen.

„Das muss sie." Fügte er leise hinzu.



Arien POV

Die blonde Elbin strich sich eine Strähne aus dem Gesicht, während sie die Verbände, die sie eben gewaschen hatte zum Trocknen aufhängte.

Sie trug ihr Haar nicht wie der Rest ihrer Rasse in kunstvollen Flechtfrisuren nach hinten gebunden. Sie trug sie in einem einfachen Zopf der ihr bis zur Taille reichte und mit einem einfachen Lederband verbunden war.

Sie stöhnte erleichtert, als sie nach der letzten Binde in dem Korb griff und sie über die Leine legte. Sie hasste diese Arbeit. In den Häusern der Heilung war es so eintönig und trist. Die meiste Zeit war es einfach zu ruhig führ ihren Geschmack. Sie wusste, dass es zu der Ausbildung als Wache gehörte, doch sie fand es langweilig und ermüdend. Kranke waren anstrengend. Sie würde viel lieber trainieren, als hier Verbände zu Waschen und Essen auszuteilen. Sie konnte es gar nicht abwarten bis ihr Einsatz hier vorbei war.

Sie betrat den Raum, in dem Medizin, Essen und die Behandlung der Patienten vorbereitet wurden und stellte den Korb in eine Ecke. Dann schnappte sie sich zwei Tabletts und ging damit in den angrenzenden Raum, in dem Bett an Bett stand.

Hier lagen die Patienten, wenn sie auf dem Weg der Genesung waren. Der Behandlungs- raum und die Einzelzimmer waren für die schwer verletzten, oder sehr kranker Patienten vorbehalten.

Das eine Tablett stellte sie zu dem ersten Bett auf der linken, sobald man den Raum betrat. Der blonde Elb der in dem Bett lag und las, neigte zum Dank leicht den Kopf und sie erwiderte die Geste. Das zweite Bett, dass derzeit belegt war, stand weiter hinten und auf der rechten Seite.

In ihm lag die Menschenfrau, die sie mit der Westpatroullie vor knapp einer Woche zusammen mit den acht Männern gefunden und dem Tod nahe hier hergebracht hatte.

Sie hatte sofort gewusst, dass sie kein normaler Mensch war. Die Luft um sie herum hatte vor Magie vibriert. Deshalb hatte sie gebeten einen ihrer Einsätze in den Häusern der Heilung vorzuziehen, doch dies war eine einzige Enttäuschung gewesen. Jetz war da nur Stille.

Das Essen von heute Morgen stand unberührt neben dem Bett, so wie auch die Tage davor. Sie war körperlich vollkommen gesund, doch sie verkroch sich lieber in Schmerz und Kummer, als zu versuchen diesen zu überkommen.

Für Arien war das nicht nachvollziehbar. Man sah es ihr nicht sofort an, doch Ariens Mutter war ein Mensch gewesen. Sie hatte für alles kämpfen müssen, was sie wollte, und musste es noch. Bei den Menschen offen verachtet, bei der Elben mit vorgehaltener Hand belächelt. Sie hatte sich nie mit ihrem Schicksal abgefunden. Hatte nicht einfach aufgegeben nach einem Rückschlag. Oh nein, sie hatte keinerlei Verständnis für diese Frau.

Vielleicht war es ihrer menschlichen Hälfte zuzuschreiben was sie nun sagte, vielleicht ihrem jungen Alter.

"Wenn du deine Essen nicht anrührst kann ich mir den Weg sparen.“ In ihrer Stimme schwang Irritation und ein Hauch Arroganz… Keine Reaktion. Als hätte die Frau sie gar nicht wahrgenommen. Arien zuckte kurz zusammen bei dem Tonfall ihrer eigenen Stimme doch war zu stolz, um sich dafür schlecht zu fühlen.

„Es ist schrecklich einen geliebten Menschen zu verlieren, das ist es wahrlich. Doch ist dies keine Rechtfertigung sein Leben einfach so wegzuwerfen. Du hast alles, um vollständig zu heilen und ihm deinen Respekt zu erweisen, indem du weiterlebst. Du musst dich nur dazu entscheiden den Schmerz zu ertragen." Die Elbin stand kerzengerade, während sie auf das Mädchen in dem Bett herabblickte. Ihre Stimme war samtweich und mitfühlend doch wurde schneiden eisig und schneidend als weiter keine Reaktion kam.

„Mithrandir war vielen von uns ein guter Freund. Manche deines Reisegefährten kannten ihn, seit sie ein Kind waren. Auch sie haben getrauert doch sie machen weiter. Denn das hätte er so gewollt. Wenn er dich so sehen könnte. Was würde er sagen?“ Es war als hätte der Kopf der Frau kurz gezuckt, ihr Blick ging jedoch weiter ins Leere, ihr Körper bewegungslos im Bett.

„Wenn das nun alles ist, dann ist er umsonst gestorben." Mit diesen Worten drehte sich die blonde Elbin um und verließ den Raum. Den Blick des Elben nahe dem Eingang ignorierte sie dabei gekonnt.



Tara POV

Es war dunkel und kalt. Ich war gefangen in einem Strudel aus Schwärze und Verzweiflung. Immer wieder spielte sich die Szene vor meinen Augen ab. Der Moment in dem er gestorben war und damit all meine Hoffnungen, wieder nach Hause zurückkehren zu können. Ich sah das Gesicht meiner Mutter vor mir. Das meines Vaters und Bruders. Das von Kate und Luke. Sogar von dem schwarz haarigen mit der Brille , der im Orchester das Xylophon spielte und mich immerzu anlächelte.

All diese Menschen, meine Welt, mein zu Hause. Ich würde es nicht wiedersehen. Ich wurde nun hier bleiben müssen in dieser Welt voller Krieg und Tod in der ständigen Angst, jemanden zu verletzen.

Da konnte ich auch hierbleiben. In dieser betäubenden Dunkelheit. Das war leichter. Das tat weniger weh. Ich verschloss meinen Geist und ließ mich von der Dunkelheit davontragen.

Manchmal meinte ich Stimmen zu hören, doch sie waren nicht mehr als ein Rauschen, dass von der Dunkelheit verschluckt wurde.

Ich hatte jegliches Gefühl für Zeit verloren, dachte nicht daran, was um mich herum geschah. Doch plötzlich schnitt eine Stimme durch das Rauschen. Sie war wunderschön melodisch und gleichzeitig kalt und abweisend. Ich konnte alles verstehen. Das Dunkel um mich herum lichtete sich und ihre scharfen Worte schnitten mich aus meiner Betäubung. Mit jedem Wort, dass sie sprach zog es mich weiter an die was Oberfläche.

Zum ersten Mal drifteten meine Gedanken weg von meiner eigenen Hoffnungslosigkeit und dem Schmerz des Verlustes und hin zu den Anderen. Den Hobbits, zu Legolas und Aragorn... und zu Boromir. Wie konnte ich sie nur so einfach von mir schieben? Das schlechte Gewissen traf mich wie ein Schlag und es war gnadenlos und schmerzhaft. Der letzte Statz der Stimme brannte sich in meinen Kopf „Dann ist er umsonst gestorben.“

Niemals! Das konnte ich nicht zulassen. Ich griff in mich, verdrängte den Schmerz, die Angst und das schlechte Gewissen. Und dann öffnete ich die Augen und sah wieder. Das Bett, den Raum, die ganze Welt um mich herum. Diese fremde und feindselige Welt in der ich die schlimmsten Erinnerungen meines Lebens gemacht hatte. Eine Welt die ganz anders war als die meine und so viel Grauen und Schmerz beherbergt. Eine Welt die aber auch das zu Hause von Hobbits, Elben und Zwergen war. Eine Welt in der fantastische Dinge plötzlich Realität wurden und ich das erste Mal angefangen hatte an mich zu glauben. Ich war nun hier. Ich musste das Beste daraus machen. Das hätte Gandalf gewollt. Ich würde ihn nicht nochmal enttäuschen. Damit griff ich nach dem Tablett und begann langsam zu essen.

Ich hatte nicht gewusst, wie schwach und unbeweglich man werden konnte, wenn man ein paar Tage im Bett lag. Ich hatte mich am Bett abstützen müssen, bis meine Beine sich wieder daran gewöhnt hatten, mein Gewicht zu tragen.

Langsam war ich ein paar Schritte auf und ab gewankt. Meine Gelenke fühlten sich steif an und ich kämpfte gegen den Schwindel. Ich atmete nochmal tief durch bevor ich das nun leere Tablett vom Nachttisch nahm und langsam zum Eingang ging.

Den Mann in dem Bett neben dem Eingang merkte ich erst als ich auf Höhe seines Bettes war. Er legte nur den Kopf schief und blickte mich stumm an. Erschrocken fuhr ich zurück. Er hatte hellblonde Haare die ihm offen über die Schulter vielen. Sein Gesicht war von der gleichen Schönheit die auch Legolas besaß doch seine augen waren von einem silbrigen grau. Er musterte mich mit einem durchdringenden Blick ohne auch nur einmal zu blinzeln. Irritiert beschleunigte ich meinen Schritt um diesem bohrenden Blick zu entkommen. Creepy

So schnell ich konnte huschte ich durch den mit einem Bogen aus Ranken verzierten Eingang. Er hatte keine Tür und führte in einen langen Korridor. Seine Wände, die Decke, sowie der Fußboden bestanden aus einem sehr glatt geschliffenen, weißlichen Holze und wurden von bläulichen Lichtern beleuchtet. Diese hatten jedoch nicht die Form von Glühbirnen, wie ich es erwartet hatte. Eher waren es kleine Flämmchen die in Silber glänzenden Halterungen an der Wand schwebten. langsam ging ich auf eines der Lichter zu. Das Gehäuse bestand aus filigranen Ranken, die sich in einer Birnenartigen Form oben schlossen. Im Körper des Konstruktes wippte ein helles Flämmchen auf und ab, ohne eine der Seiten zu berühren.

Es war faszinierend und zog mich vollends in seinen Bann. Fast meinte ich eine Stimme zu höhren. Ein feines Wispern, das von dem Feuer kam. Ich beugte mich näher zu dem tanzenden Licht hin… noch näher, und noch näher... plötzlich riss mich ein lautes Hacken aus meiner Trance und ich fuhr zurück.

Erschrocken sah ich mich um und versuchte den Ursprung des Geräuschs zu lokalisieren.

Dieser befand sich in dem Raum direkt gegenüber von dem, aus dem ich kam. Auch hier gab es keine Tür, sondern lediglich einen kunstvoll verzierten Torbogen. Als hätte ein Baum beschlossen seine Äste ausgerechnet in dieser Form umeinander zu winden.

Vorsichtig betrat ich den Raum und blickte mich neugierig um. An den Wänden ragten die Regale bis an die Decke, gefüllt mit Gläsern, Phiolen, Krüger und Karaffen. Der Raum hatte einen großen Holztisch in der Mitte, der übersät war von Schälchen mit Kräutern und Pasten. Am Ende des Raumes befand sich eine kleine Küche mit einem knisternden Feuer über dem ein Topf hing, sowie Schränken und Arbeitsflächen.

An einer davon stand eine junge Frau mit Hose und einer Art Tunika und hackte Kräuter klein. Sie trug dunkle Lederstiefel die ihr fast bis zum Knie reichten und ihre langen Beine betonten.

Ihre hellen Haare waren in einen Zopf geflochten der ihr über die Schulter viel. Einige kurze Strähnen hatten sich gelöst und umrahmte engelsgleiche Gesichtszüge. Sie war schlank und mindestens einen Kopf größer als ich.

Vorsichtig trat ich noch einen Schritt näher und räusperte mich. „Entschuldigung … Hast du…ich meine… habt ihr mir das Essen gebracht?" versuchte ich meine Frage möglichst höflich klingen zu lassen und hielt demonstrativ das nun leere Tablett hoch.

Die Elbin hob den Kopf und ich blickte in tiefblaue Augen gesäumt von langen Wimpern und perfekten, schmalen Augenbrauen. Um ihren Hals hing an einem Lederband ein funkelnder Edelstein in der Farbe ihrer Augen. Unter den Haaren kamen leicht spitze Ohren zum Vorschein.

Sie nickte kurz, sagte jedoch nichts und wischte die gehackten Kräuter mit einer eleganten Bewegung in eine Keramikschale.

"Nun ja, dann…also danke. Für das Essen meine ich... und auch für das, was du gesagt hast." Ich nuschelte und merkte wie meine Stimme immer leiser wurde. Meine Hände umklammerten noch immer das Tablett und ich sprach schnell weiter.

„ Es ist nur… Gandalf…ahem… ich, also…Danke…“ Ich schaffte es nicht einen Vollständigen Satz zu bilden. Meine Hände begannen zu zittern und ich spürte einen fetten Klos im Hals. Ich versuchte krampfhaft die Tränen zurückzudrängen, die erneut meine Sicht verschwimmen ließen.

Die Blonde hatte still zugehört und Kräuter aus verschiedenen Schüsseln in einer Tasse gesammelt. Nun ging sie zu der Feuerstelle und schöpfte mit einer Kelle Wasser aus dem Topf und goss dieses vorsichtig in die Tasse.

Sie ging auf mich zu und nahm mir das Tablett aus der Hand. Dann drückte sie mir die dampfende Tasse in die Hand und lenkte mich zu einem Hocker an dem großen Tisch.

„Ich hätte diese Worte nicht zu dir sagen sollen. Verzeih mir. Es war unangebracht und emotional.“

Ihre Stimme klang tief und wunderbar melodisch. Ihr Blick war sanft und ein kurzer Ausdruck der Schuld flatterte über ihre Gesichtszüge. Meine Augen wurden weit und ich öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch es kam kein Laut heraus.

„Ich bin überaus froh, dass es dir besser geht. Trink das." Sie wies auf die Tasse in meinen Händen. „Es wird dir Kraft geben.“

Nicht wissend was ich sagen könnte führte ich die Tasse zu meinen Lippen und nahm einen vorsichtigen Schluck. Der Tee schmeckte wunderbar nach Rosmarin und Salbei. Ich meinte auch Kamille und Minze zu schmecken, war mir aber nicht sicher.

„Und es tut mir leid um deinen Verlust." Sagte sie dann leise. Ich senkte den Blick. Für einige Minuten herrschte Stille zwischen uns, als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte. Ich blickte auf und sah in das lächelnde Gesicht der Elbin. Ihre Gesichtszüge waren wunderschön weich und ihr Lächeln verdrängte etwas von dem Schmerz den ich fühlte. Ich versuchte ihr Lächeln zu erwiedern, doch versagte ohne Zweifel kläglich.

Die Flüssigkeit wärmte mich von innen und tat unheimlich gut und die sanfte Berührung der Elbin beruhigte meine rastlosen Gedanken.

„Ich heiße Tara," sagte ich leise.

„Mein Name ist Arien.“ Sie senkte ihren Kopf leicht und die Hand die bisher auf meiner Schulter gelegen hatte kam in einer ruhigen Geste zu ihrer Stirn.

„Du bist eine Magierin richtig?" Sie ließ mich auf einen Hocker mir gegnüber gleiten und musterte mich interessiert.

Ich nickte und sah wie etwas in den Augen der Elbin aufleuchtete.

"Darf ich sie sehen? Deine Magie?" Sie lehnte sich etwas nach vorne und stützte sich dabei gespannt auf ihre Unterarme.

Ich lächelte und tastete vorsichtig nach der Energie in mir. Freude erfüllte mich, als ich das bekannte Wirbeln spürte. Die Magie kam mittlerweile so wie das Singen.

Langsam begann die Holzschale, die neben mir auf den Tisch stand zu schweben. Rosa und blauer Rauch wirbelte um meine Hand, mit der ich der Schüssel bedeutete, höher zu steigen.

Die kleinen Kräuterstückchen in der Schale reihten sich aneinander und begannen fröhlich Kreise um das schwebende Behältnis zu drehen.

Staunend betrachtete Arien wie ich meine Magie wirkte, ihr Mund zu einem perfekten „O“ geöffnet.

„Was noch?" fragte sie gespannt als ich die Schale wieder sinken lies und die Kräuter in sie zurück schwebten.

Ich kicherte und überlegte was ich ihr noch zeigen könnte. Ihre Augen hielten eine fast schon kindliche Begeisterung und Neugier.

Ich entfachte ein kleines Feuer auf meiner Handfläche. Ich ließ es von Finger zu Finger springen und dann wieder auspuffen. Die dabei entstehende Rauchwolke ließ ich die Buchstaben ARIEN in die Luft zeichnen, bevor ich eine winzige Figur aus Wasser auf meinem Tee Eislaufen ließ. Lächelnd ließ ich die Eisläufer sich wieder in Wasser auflösen und nahm einen weiteren Schluck Tee.

Begeistert staute Arien über meine Kunststücke. Ihre aufrechte Haltung und perfekten Gesichtszüge gaben einen Kontrast zu den lebhaften Gefühlen die über ihr Gesicht Zügen. Sie erinnerte mich etwas an Pippin als ich das Eisschloss gebaut hatte.

Oh Gott! Pippin! Die anderen. Ich hatte sie total vergessen... Schon wieder. Sicher machten sie sich Sorgen. Ich wollte schon aufspringen, aber eine fiese kleine Stimme wand sich in meinen Kopf und band mich an den Hocker, auf dem ich saß.

Was wenn sie mich nicht sehen wollten? Ich hatte sie im Stich gelassen und mich einfach verkrochen. Was mussten sie nur von mir denken? Und da war es wieder, das Schlechte Gewissen.

„Wie geht es den Männern, mit denen ich gekommen bin? Sind sie hier?" Fragte ich vorsichtig und stellte einen Fuß auf die Sitzfläche des Hockers, sodass ich mein angewinkeltes Bein umfassen konnte.

Meine Gegenüber blickte mich kurz an. „Sie sind wohlauf. Sie haben sich hier in Lothlorien erholt und übernachten in einem der Pavillons. Der Zwerg hat sich wohl geweigert in einem Bett von Elben zu schlafen.“ Sie rümpfte etwas die Nase und ich musste lächeln. Ich konnte es mir bildlich vorstellen.

"Ich kann dich zu ihnen bringen" bot mir Arien an. Ich hätte sofort „Ja" sagen sollen, doch ich blieb still. Wie konnte ich ihnen unter die Augen treten? Wäre ich schneller gewesen... Dann wäre Gandalf... und mich dann einfach zu verkriechen... Sie von mir zu schieben und die Dunkelheit meiner eigenen Trauer vor ihnen zu wählen. Das war schwach und egoistisch gewesen. Erbärmlich.

Als Arien mein Zögern bemerkte stand sie auf.

"Oder..." sagte sie dann, „Wir machen dir ein warmes Bad und besorgen dir etwas richtiges zum Anziehen." Dankbar nickte ich und ließ mich von ihr aus dem Zimmer führen.

Wir gingen durch blau beleuchtete Gänge. Arien hatte mir erklärt, dass die Elbenlichter durch Magie brannten und nachts die gesamte Stadt erleuchteten. Immer wieder kamen wir an Fenstern vorbei. Scheibenlos und ebenso kunstvoll verziert wie die Torbögen. Ich war begeistert stehen geblieben und hatte die wunderschöne Stadt bewundert. Es war eine Welt wie aus einem Fantasy-Film.

Arien hatte mich vorsichtig weitergezogen, mir jedoch versprochen mir alles zu zeigen, wenn ich gebadet hatte. Nachdem ich daraufhin möglichst unauffällig an mir gerochen hatte, hatte ich beschlossen, dass sie Recht hatte.

Wir hatten die Häuser der Heilung durch eine Doppeltür verlassen und waren an etlichen Türen und Kreuzungen vorbeigekommen. Nun liefen wir eine Treppe hinunter, bis Arien vor einer weiten Doppeltür stehen blieb.

Als wir hindurchgingen wurden meine Augen groß und ich war mir sicher, mein Kinn berührte fast den Boden. Ich blickte auf einen riesigen Saal mit vielen kleinen Becken. Sie waren in den Marmorboden eingelassen. Manche so groß wie eine Badewanne, andere fast so groß wie ein Schwimmbecken. Die Wände liefen über uns zu einem kuppelförmigen Dach zusammen und das helle Holz schien in milchiges Glas überzugehen, welches das Sonnenlicht den Saal erhellen ließ.

Viele der Becken waren von Holzgeflechten abgegrenzt, die den Blick auf das Wasser versperrten und für Privatsphäre sorgten. Alles war hall und wunderschön und es roch nach Seife und etherischen Ölen.

Arien führte mich in eine der abgelegeneren Nischen. Das Becken war rund und glich einem Whirlpool. In einem Regal an der Wand standen verschieden kristalline Phiolen mit farbigen Flüssigkeiten, Schalen mit Stückseifen und kleine Dosen aus silbern glänzendem Metall.

An der linken Wand stand eine einfache Bank aus dem hellen Holz, aus dem die ganze Stadt zu bestehen schien. Ich setzte mich und begann die Schuhe, die ich beim Aufstehen angezogen hatte zu öffnen.

Arien sprach kurz mit zwei Elbenfrauen in langen Kleidern mit kunstvoll geflochtenen Frisuren. Diese gingen kurz darauf wieder und sie kam zu mir herüber. Ich überlegte kurz ob ich sie bitten sollte mich alleine zu lassen, doch kam mir das doch recht unhöflich vor.

Nervös griff ich nach dem Saum meines Oberteils und begann es über meinen Kopf zu ziehen. Arien ging wortlos zu dem Regal und begann einige Phiolen und Dosen herauszunehmen. Meine Backen glühten, während ich auch meine Hose und Unterhose auszog und langsam auf das Wasser zuging.

Dabei fiel mein Blick auf den Spiegel an der hinteren Wand der Nische und mein Atem stockte. Ich erkannte die Frau nicht die mir entgegenblickte. Der Anblick war erschreckend und ich hob eine Hand, wie um mich zu vergewissern, dass mein Spiegelbild es mir gleichtun würde. Erst jetzt wurde mir klar, wie sehr die letzten Wochen meinen Körper und meine Gesundheit beeinflusst hatten.

Ich bestand nur noch aus Haut und Knochen. Die Rippen stachen spitz hervor, wann immer ich Luft holte. Meine Haut war blass und hatte ihre rosige Farbe verloren. Stattdessen war sie fast schon grau. Maine Haare waren dünn und hatten ihren Glanz verloren. Wie trockenes Heu hingen sie von meinem Kopf über meine Schulter. Meine Wangen waren eingefallen und unter meinen Augen lagen tiefschwarze Ringe. Ich erschauerte und schlang meine Arme um meinen zitternden Körper. Plötzlich war mir speiübel und ich wandte den Blick ab.

Eine warme Hand legte sich sanft auf meine Schulter. Ich Blickte Arien, die hinter mich getreten war im Spiegel an.

„Verzweifle nicht. Das ist nichts was sich nicht mit gutem Essen, Bewegung, etwas Sonne und Lachen beheben ließe.“ Sie lächelte mich sanft an und in ihren Augen stand Mitgefühl und Zuversicht.

„Das warme Wasser wird dir guttun.“ Fügte sie hinzu und nickte zu dem Becken.

Ich wandte mich von meinem Spiegelbild ab ging zu dem Becken und ließ mich langsam in das Wasser gleiten. Arien hatte Recht gehabt. Es war fantastisch. Die Wärme strömte durch meinen ganzen Körper und beruhigte meine zitternden Muskeln. Mit einem tiefen Atemzug ließ ich mich Unterwasser sinken.

Als ich wieder auftauchte winkte mich Arien zu sich. Sie hatte am Rand des Beckens im Schneidersitz Platz genommen und gab etwas von einer gelblichen Flüssigkeit auf ihre Hände.  

„Entspann dich, ich helfe dir mit den Haaren.“ Sagte sie lächelnd als ich bei ihr angekommen war. Ich ließ mich auf einer Stufe am Rand des Beckens nieder, sodass mir das Wasser bis zu den Brüsten reichte. Ich spürte eine kalte Flüssigkeit auf meiner Kopfhaut und dann zwei sanfte Hände, die diese einmassierten. Ich schloss genüsslich die Augen und gab mich dem Gefühl hin.

„Arien, erzähl mir etwas über dich.“ Bat ich und hoffte sie würde es nicht als Beleidigung auffassen.  Kurz war sie still, doch dann begann sie leise zu sprechen.

„Ich werde in einigen Monaten 735 Jahre alt und will ein Mitglied der Wache werden. Ich habe mein ganzes Leben in diesen Wäldern verbracht. Verlassen habe ich sie nur wenn ich meine Mutter besucht habe. Sie lebte in einem kleinen Dorf einen halben Tagesmarsch gen Osten. Doch selbst das ist lange her. Mein Mentor meint ich bin noch zu jung. Haldir ist ein fantastischer Kämpfer, aber stur wie ein Esel.“ Sie lachte leise und ich lauschte gespannt ihren Worten.

Sie nahm drückte meinen Kopf leicht nach hinten und signalisierte mir unterzutauchen. Vorsichtig wusch sie die Seife auf meinen Haaren und begann dann eine weitere Flüssigkeit einzumassieren. Dies wiederholte sie einige Male und erzählte währenddessen mit ruhiger Stimme weiter.

„Ich liebe Lothlorien. Die Mallornbäume sind stets beeindruckend und besonders schön, wenn sie in Blüte stehen. Ich kenne jeden Winkel dieses Waldes und er ist ein Teil von mir, doch ich komme nicht umhin mich zu fragen was außerhalb unserer Grenzen liegt. Die Welt ist so weit und voll ungelebter Abenteuer. Oft träume ich von der Welt dort draußen, doch es bleibt wohl ein Traum bis ich mich beweisen kann.“ Sie grummelte frustriert und ich musste kichern.

„Mein Vater sagt immer: Deine Zeit wird kommen. Er ist Schmied und hilft immer wieder in den Dörfern um den Wald aus. So hat er auch meine Mutter kennengelernt.“

„Deine Mutter ist ein Mensch?“ fragte ich neugierig und drehte mich zu ihr um. Arien nickte und bedeutete mir meine Haare erneut auszuwaschen.

„Sie war eine gütige und weise Frau. Weise auf eine andere Art wie es die Elben hier sind. Sie mögen tausende von Jahren alt sein, doch sind einige Erkenntnisse und Wesenszüge der Menschen ihnen gänzlich fremd. Ich habe es geliebt ihr zuzuhören. Sie konnte wunderbare Geschichten erzählen. Sie starb in einem Feuer kurz nach meinem einundzwanzigsten Winter. Dieser Stein ist das Einzige was mir von ihr bleibt.“ Ariens Blick ging ins Wasser, doch ihr geist war weit weg in einer fernen Erinnerung. Vorsichtig nahm ich ihre Hand und versuchte ein ermunterndes Lächeln aufzusetzen.

„Du hast ihre Erinnerung und die Liebe. Das kann dir niemand nehmen.“ Ich drückte ihre Hand kurz mit meiner. Meine andere Hand fuhr zu meinem Notenschlüssel, der noch immer um meinen Hals baumelte. Ich wusste, wie sie sich fühlte. Nur war die Wunde bei mir um einiges frischer. Ich versuchte meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, doch es viel mir schwer. Ihre Augen zuckten zu meiner Kette und ich sah in ihrem Gesicht, dass sie verstand.

„Hier, reibe damit deinen Körper ein. Und danach noch hiermit. Ich bin gleich wieder da.“ Die Blonde Elbin zog mit einem dankbaren Lächeln ihre Hand aus meinem Griff und hielt erst ein Stück brauner Seife die nach Kamille duftete, und dann ein Döschen mit einem Kristallinen Pulver hoch. Sie erhob sich mit einer flüssigen, grazilen Bewegung und verschwand.

Ich tat wie mir geheißen und genoss das Gefühl des warmen Wassers und den Duft der Seife. Ich ließ meine Gedanken wandern, vorsichtig dabei nicht auf die letzten Tage zu kommen. Das Pulver war eine Art Peeling und gab meiner haut ein samtig weiches Gefühl.

Kurz darauf kehrte Arien zurück und reichte mir zwei Handtücher aus weichem Stoff. Ich verlies nur widerwillig die Wärme des Wassers und schlüpfte in die Kleider, die sie mir gebracht hatte.

Dabei handelte es sich um tailliertes Leinenkleid aus braunem Stoff das vorne geschnürt wurde und mir bis über die Knie viel. Die Ärmel reichten bis über meine Handgelenke und waren etwas zu weit weshalb mir eine Seite immer etwas über die Schulter rutschte. Auch der V-Ausschnitt und die Taille waren etwas zu weit, da ich nicht nur um einiges kleiner war als die Elben hier, sondern mein Körper sich auch nicht gerade in dem besten Ernährungszustand befand. Es störte mich jedoch nicht weiter. Das Kleid war bequem und hübsch und es roch gut. Ich schlüpfte in eine Strumpfhose aus Baumwolle und zog meine Stiefel an. Meine Haare rieb ich mit dem Handtuch trocken und ließ Arien sie durchkämmen.

Zusammen verließen wir das Badehaus und Arien begann mit mir Treppe um Treppe zu erklimmen. Ich war ihr insgeheim dankbar, dass sie immer wieder anhielt um mir Orte in Lothlorien zu zeigen oder mir etwas zu der Geschichte des Waldes zu erklären. Ich hatte das Gefühl als wäre meine Lunge durch die eines 80 Jährigen Rauchers ausgetauscht worden.

Endlich kamen wir auf eine Plattform hoch oben in den Bäumen auf der Arien stoppte. Keuchend rang ich nach Atem. Als ich wieder normal Luft bekam trat ich zu ihr an den Rand der Platform und meine Augen weiteten sich in Staunen.

Die Aussicht war gigantisch. Unter uns erstreckte sich eine riesige Stadt aus filigranen Treppen, Gängen und Gebäuden und Plattformen, die sich um die riesigen Mallornbäume wanden. Auf dem Boden standen etliche Pavillons, Gebäude und Brunnen. Das helle Holz strahlte in der Sonne und die Stadt schimmerte im Blau der Elbenlichter.

Ich ließ mich neben ihr nieder und genoss den Ausblick. Es war still hier oben. Der Wind fuhr mir durch die noch nassen Haare und die Sonnenstrahlen, die durch das Geäst vielen wärmten, meine Haut. Als würde die Zeit stillstehen. Meine Gedanken begannen zu kreisen und ich ließ den Gedanken an die letzten Tage zu.

„Ich kann sie noch nicht richtig kontrollieren. Meine Magie meine ich.“ Begann ich zu sprechen. Arien blickte mich an, sagte aber nichts.

„Gandalf sollte mir helfen sie zu beherrschen. Erst dann hätte ich in meine Welt zurückkehren können. Ohne ihn…da besteht keine Hoffnung. Ich habe an diesem Tag nicht nur meinen Lehrer, sondern auch meine Familie verloren.“ Ich wischte mir eine Träne von der Backe, doch weitere folgten. „Ich werde sie nie wiedersehen.“ Schniefte ich leise.

Schlanke Arme legten sich um meinen Körper und ich vergrub mein Gesicht in Ariens Haar. Ihre Hand rieb beruhigende Kreise über meinen Rücken und sie summte eine leise Melodie. Langsam stoppten die Tränen und ich beruhigte mich wieder.

„Danke.“ Flüsterte ich leise und führ mir über das Gesicht.

„Es tut mir leid was ich zu dir gesagt habe. Du hast alles verloren und ich hätte nicht urteilen sollen. Verzeih mir.“ Arien strich mir mit der Hand über meine Wange. Ich wusste nicht was es war, doch ich spürte mich mit ihr verbunden. Mehr als mit jedem anderen Menschen zuvor. Ich hatte das Gefühl ihr blind vertrauen zu können. Ich legte meine Stirn an die Ihre.

„Es gibt nichts zu verzeihen.“ Flüsterte ich leise und lächelte sie schief an. „Außerdem, hast du mich aus diesem Loch geholt. Vielleicht habe ich meine Familie verloren und kann nie wieder in meine Welt zurückkehren, aber es gibt Menschen in dieser Welt die sich um mich sorgen. Menschen die ich liebgewonnen habe. Ich will sie nicht nochmal enttäuschen.“ Arien nickte langsam und blickte dann wieder auf die Stadt unter uns.

So saßen wir einige Minuten in stillem Schweigen und genossen die ruhige Präsenz des anderen.

„Denkst du sie wollen mich sehen?“ Meine Stimme war plötzlich rau, mein Blick ging starr nach vorne als ich die Frage aussprach. Arien sah mich verwirrt an.

„Aragorn, Legolas, die Hobbits… denkst du…nun ja…“ Meine Stimme versagte und ich schlang die Arme um meine angezogenen Knie.

„Tara, seit sie in Caras Galadhorn sind haben sie nichts anderes zu tun als nach dir zu fragen. Sie sind überaus besorgt und wollen dich unbedingt sehen.“

„Wirklich?“ Hoffnung wuchs in mir und ich blickte zu den Pavillions auf dem Waldboden.

„Warum sollten sie das nicht? Du bist Teil ihrer Gemeinschaft. Oder nicht?“

„Und dennoch habe ich die Dunkelheit gewählt, ohne einen Gedanken an sie zu verschwenden.“ Murmelte ich bitter. „Ich habe ihre Sorge nicht verdient.“

„Aber du bist zurückgekommen. Du hast dich erinnert und bist wieder hier. Zählt das denn nichts? Ich kann dir versichern, sie werden dir nichts vorwerfen. Sie werden überaus glücklich sein, dich zu sehen.“ Sie lächelte mich aufmunternd an. „Vor allem der Blonde Mensch“ fügte sie dann noch neckend hinzu.

Ich spürte, wie ich knallrot anlief und presste die Lippen aufeinander, um nicht das sinnlose Gestotter von mir zu geben, das ohne Zweifel gerade meinem Mund entweichen würde. Tief in mir flatterte aber etwas auf bei ihren Worten und ein wohliges Gefühl breitete sich in meinem Bauch aus.

„Kannnst du mich zu ihnen bringen?“ Fragte ich leise und lächelte als sie aufstand und mir die Hand hinstreckte.

„Ich führe dich zu deinem Liebsten.“ Sagte sie mit einem hämischen Schmunzeln auf den perfekten rosa Lippen.

„Er ist nicht…!“ Rief ich entsetzt und versuchte ihr gegen die Schulter zu boxen, doch sie tänzelte außer Reichweite und glockenhelles Lachen erfüllte die Luft.

Grummelnd lief ich hinter ihr her und versuchte meinen rasenden Puls unter Kontrolle zu bekommen.  

Nach kurzer Zeit waren wir am Fuß der Bäume angekommen und sie führte mich durch einen weiteren Gang hinaus ins Freie. Der Boden war von weichem Gras und Moos bedeckt und die Stämme der Mallornbäume schimmerten silbern im Licht der Untergehenden Sonne.

Wir liefen durch die hohen Bäume, bis wir vor einem kunstvoll verzierten Pavillon stehen blieben. Ich erkannte sofort die Stimmen der Hobbits und die von Gimli. Ich musste lächeln bei dem Gedanken an die Halblinge. Nervös blickte ich zu Arien. Sie lächelte mich an und nahm meine Hand.

„Na los, flüsterte sie. Geh schon. Sie werden sich freuen. Du brauchst keine Angst haben.“ Sie drückte meine Hand noch einmal, dann stieß sie mich leicht in Richtung des Pavillons.

Ich schluckte und nahm einen tiefen Atemzug. Na dann. Komm schon Tara, das sind deine Freunde. Ich trat weiter auf den Pavillon zu. In der Mitte brannte ein Feuer und auf Bänken und Matten darum herum saßen die neun Männer, mit denen ich die letzten Wochen verbracht hatte… nein, nicht neun…acht. Ich hatte plötzlich einen Kloß im Hals.

Legolas und Aragorn und Gimli saßen über einer Karte und tauchten leise Worte aus. Boromir saß auf einer Schlafmatte, seinen Blick starr in die Flammen gerichtet, seine Gedanken ein Geheimnis dass nur er kannte. Die Hobbits saßen etwas dichter am Feuer. Pippin und Merry erzählten Witze und lustige Geschichten, doch ihr Lachen erreichte ihre Augen nicht. Es war als wäre ein Schatten über sie gefallen. Die wärmende Macht des alten Zauberers war für immer verloren und es war als sei die Hoffnung der anderen mit ihm gestorben.

„Mister Frodo, sie wird ganz sicher wieder gesund werden. Sie ist so stark. Denkt doch nur daran, wie sie das riesige Eisschloss gebaut hat.“ Sagte Sam leise.

„Ich weiß Sam, es ist nur… ich vermisse sie. Es ist so dunkel und kalt ohne sie. Ich weiß nicht, wie es beschreiben soll, doch sie war stets von einer Energie umgeben. Einer summenden, vibrierenden Macht, die Wärme und Licht ausstrahlte. Selbst wenn sie schlief, war ihre Präsenz immer da. Jetzt ist es still.“ Bei Frodos Worten entfloh eine Träne meinem Auge und kullerte über meine Wange. Mir war nicht klar gewesen, wie sehr ich ihnen bedeutet hatte. Ich hatte nicht gewusst, wie meine Magie auf sie gewirkt hatte und konnte nicht umhin erneut Schuldgefühle zu spüren.

Ich wollte zu ihnen gehen, wollte Frodo in den Arm nehmen und mich entschuldigen. Wollte sie alle um Verzeihung bitten für mein feiges, egoistisches Verhalten, doch ich traute meiner Stimme nicht. Langsam hob ich die Hand und ließ eine warme Briese um den Pavillon gleiten. Sie hob einige Blätter vom Boden die tanzend hin und her wippten.

Der Braune Rauch der Reue gesellte sich zu der Briese und ließ den Wind magisch leuchten. Dann ließ ich ihn langsam zu den Gefährten gleiten. Ich fuhr mit ihm durch Pippins Haare und ließ ihn Frodo sanft über die Wange streicheln.

„Habt ihr das gespürt?“ hörte ich Frodos Stimme. In ihr schwang ein hoffnungsvoller Unterton. Pippin nickte eifrig und Merry begutachtete eines der Blätter die mit dem Wind zu ihnen getragen wurden. Meine Magie summte zufrieden in mir und Gelb- und Rosatöne mischten sich in meine Briese.

Vorsichtig ließ ich die Ecken der Karte, über der die drei Krieger standen in der Briese flattern. Fasziniert verfolgte der Elb das Schauspiel der Blätter im Wind. Ich ließ die Luft über Aragorns Finger fließen und sofort richtete sich der Waldläufer kerzengerade auf und ließ seinen Blick über die anderen wandern.

Bei Boromir hielt ich plötzlich inne und blickte den Mann erneut an. Seine Körperhaltung war zusammengesunken und gebeugt. Seine Augen waren voller Sorge und leid und gesäumt von Augenringen den meinen sehr ähnlich. Der Stolz war aus seinen Zügen verschwunden und ich konnte nicht umhin zu erschauern. Vorsichtig strich ich mit dem Wind durch seine Haare und ließ dann ein gelbrotes Blatt sanft auf seiner Hand niedersinken. Ich sah den kurzen Hoffnungsschimmer in seinen Augen, und runzelte die Stirn, als er es abschüttelte und weiter in die Flammen starrte.

Mein Blick ging zurück zu den anderen und trat näher an den Pavillon heran. Im selben Moment vielen Aragorns Augen auf mich und ich sah überraschen und endlose Erleichterung in ihnen aufflammen. Sein Mund öffnete sich, verzog sich dann jedoch zu einem Lächeln. In wenigen, großen Schritten war er bei mir, hatte seine Arme um mich gelegt und mich in einer Warmen Umarmung versenkt.

„Du glaubst nicht wie froh ich bin dich zu sehen. Wir haben uns solche Sorgen gemacht.“ Flüsterte er mir mit rauer Stimme ins Ohr. Ich zog ihn fester an mich und vergrub mein Gesicht in seinem Hals.

„TARA!“ Der schrei meines Namens aus vier verschiedenen Mündern ließ mich mich aus Aragorns Umarmung lösen und hatte gerade noch Zeit auf die Knie zu gehen, bevor mich drei Gestalten zu Boden tackelten. Lachend ging ich zu Boden und legte meine Arme um die drei blonden Hobbits.

Als wir uns kurz darauf wieder aufsetzten viel mein Blick auf den schwarzhaarigen Halbling. Er stand einige Schritte entfernt, die kristallklaren Augen voller Erleichterung. Stumme Tränen rannen ihm über sein Gesicht. Sofort wurden auch meine Augen wässrig. Ein kleiner Schluchzer brauch aus meiner Brust hervor und ich öffnete meine Arme. Sofort lag der Ringträger in ihnen und ich zog ihn an mich. Zitternd strich ich mit meiner Hand durch sein Haar, während er leise schluchzte.

„Ich hatte solche Angst… dass du s-so wie G-Gandalf…“ Frodos leises wimmern brach mir fast das Herz.

„Es tut mir so leid“ flüsterte ich in die dunklen Locken. „Aber es geht mir gut Frodo. Schhh, schau doch, es geht mir gut. Ich bin wieder hier. Ich bin wieder hier.“ Langsam löste sich der Halbling aus meiner Umarmung und lächelte mich schief an.

„Ich habe dich vermisst.“ Sagte er schniefend.

„Ich dich auch Frodo.“ Ich erwiderte sein Lächeln doch meine Gedanken schweiften zu der Schwärze, die ich meinen Freunden vorgezogen hatte und die Schuld kroch mir erneut in die Knochen und ließ mich erschauern. Ich erhob mich und blickte in die lächelnden Gesichter. Die Gesichter die mich immer wieder an mein Versagen erinnerten. Tränen wallten in mir auf und ein Schluchzer entfloh meinem Hals.

„Es tut mir so leid.“ Ich blickte Aragorn an und brach in Tränen aus. „Ich war so nah… wäre ich nur stärker gewesen, oder schneller. Dann wäre er nicht…“ Mein Körper zitterte und meine Gedanken liefen immer wieder zurück zu dem Moment an der Brücke.

„Ich habe es versucht, aber ich war nicht schnell genug. Hätte ich nur etwas länger durchgehalten…“ Ich schlang meine Arme um mich und senkte meinen Blick.

„Es tut mir so leid. Es tut mir so schrecklich leid. Ich hätte ihn retten können. Ich hätte ihn retten müssen. Aber ich war zu schwach…ich…“ Weitere Schluchzer schüttelten meinen Körper und Tränen fielen offen auf die grasbewachsene Erde.

Plötzlich spürte ich zwei Hände auf meinen Schultern. „Hey, du hast alles getan was du konntest. Keiner von uns hätte ihn retten können. Dich trifft keine Schuld an Gandalfs Tot und keiner von uns würd das je denken. Du hast versucht ihn zu retten und dafür sind wir dir dankbar.“ Aragorns Halt auf meinen Schultern wurde etwas fester, wie um seine Aussage zu untermauern. Ich blickte in das Gesicht meines Gegenübers und versuchte seine Worte zu verstehen.

„Jedoch nicht so sehr, wie dafür, dass du wieder gesund zu uns zurückgekehrt bist.“ Legolas war neben uns getreten und hatte mir die Hand auf den Rücken gelegt.

„Du hast das Gift des Pfeils besiegt und bist zu uns zurückgekommen. Du bist stark Tara und Gandalf wäre stolz auch mich.“ Die Stimme des Elben war voller Überzeugung, doch bei seinen Worten brachen erneute Schluchzer aus mir heraus.

„Ihr versteht das nicht. Ich bin nicht stark. Ich bin schwach.“ Ich schüttelte Aragorns Arme ab und trat einen Schritt nach hinten. „Ich habe mich verkrochen. In meiner Verzweiflung und meinem Schmerz. Ich habe die Dunkelheit vor euch gewählt und nicht darüber nachgedacht, ob ihr euch sorgen um mich macht, oder wie es euch geht. Das war feige und erbärmlich.“ Ich spie die Worte aus wie Gift.

„Nein Legolas, ich bin nicht stark. Ich habe mich in den Schmerz über den Verlust meiner Welt und der Menschen dort fallen lassen und vergessen, dass es hier Menschen gibt, denen ich wichtig bin und die mir etwas bedeuten. Es tut mir so leid. Ich…“ Verzweifelt fuhr ich mir mit dem Ärmel über das Gesicht und blickte Aragorn an. Dieser trat zu mir und legte mir die Hand auf die Wange.

„Es gibt keinen Grund dich zu entschuldigen. Jeder hat seinen Weg, um Trauer und Schmerz zu bewältigen und keiner macht dir einen Vorwurf denn dein Verlust war groß. Du bist uns wichtig Tara und es ist nur natürlich, dass wir uns um dich sorgen. Doch das wichtigste ist, dass du wieder hier bist. Du bist gesund und wieder bei uns und das ist alles was wir uns erhofft hatten.“ Damit zog er mich erneut in eine Umarmung und ich spürte wie ein Teil der Schuld und des schlechten Gewissens von mir wich.

Ich löste mich aus der Umarmung des Waldläufers und lächelte dankbar. „Vielen Dank.“ Sagte ich leise und führ mir durch die noch etwas nassen Haare. Legolas trat zu mir und legte seine Stirn auf die Meine. Zu meiner Überraschung wurde ich nicht rot oder nervös. Stattdessen breitete sich eine sanfte Ruhe in mir aus und ich genoss die Erleichterung und Freude die von dem anderen ausgingen.

„Wilkommen zurück Kleine Magierin“ sagte er leise und löste sich wieder von mir.

„Du hast uns ganz schön auf Trapp gehalten…“ Gimli war zu uns hinzugetreten und musterte mich mit einer hochgezogenen, buschigen Augenbraue. „Ach komm her du…Hexe.“ Damit packte er mich am Arm und zog sich zu sich in eine feste Umarmung. Ein überraschtes Quicken entfuhr mir, was den Zwerg lauthals auflachen ließ.

Noch immer lachend schlug er mir auf den Rücken was mich in einen Hustanfall verfallen ließ.

„Ähhah danke Gimli“ sagte ich verlegen. Als ich aufblickte sah ich sieben lächelnde Gesichter, die meinen Blick erwiderten. Aus dem Augenwinkel sah ich eine Bewegung und als ich mich umwandte konnte ich gerade noch die Form Boromirs sehen die den Pavillon auf der anderen Seite verließ.







Uuuund? Wie findet ihr Arien? Ich bin gespannt was ihr sagt und wie sich die beiden in Zukunft verändern. Ich habe jedenfalls viel mit ihr und Tara vor.

Ich hoffe es hat euch gefallen. Ich wusste einfach nicht, wo ich einen Cut machen sollte, deshalb ist es jetzt ziemlich lang geworden.

Schreibt mir doch wie es euch gefällt und ob ich noch was verbessern kann.

Bis dann,

Pig
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