Written in the Scars (of Our Hearts)

von yezz
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18 Slash
Abarai Renji Kuchiki Byakuya Kuchiki Rukia Kurosaki Ichigo Urahara Kisuke
25.06.2016
25.02.2017
37
184986
14
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Dieses Kapitel
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Guten Morgen!

Und herzlich willkommen zur Fortsetzung zu Chasing Demons. Für diejenigen, die die Reihe nicht gelesen haben, wird vermutlich die Szene am Anfang wenig Sinn machen ;)

Ansonsten hier noch kurz ein paar Daten zu dieser Reihe: Geschrieben hat junko sie zwischen dem 24.04.2013 und 05.12.2013. Sie hat 37 Kapitel und in der Originalfassung 160.216 Wörter.

Jeden Samstag gibt es ein Kapitel, das Mittwochskapitel gilt es wieder zu erspielen, außer in der Woche zum 15.. Da kommt, wie immer, das Bonuskapitel des Monats heraus.

Ich würde mich wieder über viele Kommentare (anonyme Reviews sind wie immer erlaubt), Zugriffe, Favoriteneinträge und natürlich auch Empfehlungen, sollte es euch entsprechend gut gefallen ;)

Viel Spaß beim Lesen!
yezz

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I want to thank junko again. Thank you very much for your confidence and for giving me your permission.

- Posted originally on the Archive of Our Own by junko -
Series: Written in the Scars (of Our Hearts)


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Erleichterung hielt vorerst Byakuyas nervösen Magen in Schach. Durch den Nebel seines Katers schien ein helles Leuchtsignal – Renji sagte ‚Ja‘. Es war ganz klar unter Vorbehalt, aber es war immer noch ein ‚Ja‘. Als Renji seinen Finger von Byakuyas Lippen hob, stellte Byakuya eine letzte, wichtige Frage: „Wirst du mich sofort damit beginnen lassen, dich zu umwerben?“

„Hmm?“, Renji hatte sich vorgebeugt, um die Letzten von Byakuyas Tränen wegzuküssen. Lippen verursachten federleichte Berührungen, die eigentlich seinen unruhigen Magen aufregen müssten, doch stattdessen fühlte es sich an, als wäre ein Anker tief in Byakuyas Seele geworfen worden.

Da war ein zischendes, empörtes Einatmen von dort, wo Tante Masama in der Ecke vor Wut tobte, doch beide Männer ignorierten sie für diesen Moment.

„Heute Nacht“, sagte Byakuya, seine Finger griffen immer noch in die Seiten von Renjis Shihakushō, als würde er sich auf stürmischer See an einem Floß festhalten. Er blickte tief in diese braunen Augen, die mit diesem unheimlichen Feuer leuchten konnten, die der Farbe seiner Haare nicht ganz unähnlich war. „Abendessen. Wir hatten eine Reservierung?“, erinnerte Byakuya Renji. „Doch wenn du absagen musst, verstehe ich das.“

Er würde es verstehen, doch sein Herz wäre am Boden zerstört. Dennoch war es das, was er vermutlich auch verdient hatte.

Renji überlegte ernsthaft. „Ich habe noch alle Hände voll zu tun, bevor ich gehe. Aber ich muss ebenso auch essen. Also, ja. Warum nicht. Ich meine, das ist Teil von dieser Hofieren-Sache, richtig?“

„Ist es“, sagte Byakuya mit einem sanften Lächeln.

Renji erwiderte es mit dem schiefen und breiten Grinsen, dass Byakuya mittlerweile so liebte. „Also gut. Dann erwarte ich etwas Grandioses.“

„Ich werde mein Bestes geben.“ Es war schwierig, doch Byakuya löste die Finger und ließ Renji gehen. Zumindest war Renji geduldig und verstehend mit ihm.

Dasselbe konnte allerdings nicht von seiner Tante Masama behauptet werden.

Seit Byakuya sie angegiftet hatte, hatte sie im Vorzimmer still vor sich hin gebrodelt. Doch während des kompletten Austauschs mit Renji hatte Byakuya durchgehend das Gewicht ihres Blickes und die kleinen Stiche ihres durchbohrenden Reiatsus spüren können.

Nun, da sie sich an der Tür richtig geküsst hatten und Renji sich verabschiedete, war ihr nicht unerheblicher spiritueller Druck wie ein Hurrikan in seinem Rücken. Byakuya wusste, dass in dem Moment, in dem er die Tür zuschieben würde, der Angriff begann. Vielleicht war das der Grund, warum er dort festhielt, an dem Türrahmen mit weißwerdenden Fingerknöcheln hing und versuchte, jedes bisschen frische Luft einzusaugen, die von der Halle kam. Renji hatte vielleicht den Kenseikan gerichtet, doch Byakuyas Kopf hämmerte immer noch, sein Magen taumelte bei jeder Bewegung und ein eisiger Schweiß strömte aus jeder Pore. Er wünschte, Renji wäre nicht gegangen. Er konnte etwas Starkes und Solides zum Anlehnen brauchen, das ihn vor dem aufkommenden Sturm schützte.

„Hör auf, ihm hinterherzublicken!“, rief Masama. „Hast du kein Schamempfinden? Wo ist deine Würde?“

Verspritzt in einem monumentalen Höchstgeschwindigkeitsübergeben irgendwo zwischen hier und der 2. Division, dachte Byakuya ironisch. Er musste Renji von diesem kleinen Missgeschick später erzählen. Wenn jemand die ekelerregende Physik von Übergeben im Shunpō zu würdigen wusste, dann war es Renji.

Byakuya drehte seiner Tante weiterhin den Rücken zu. „Ich fühle mich nicht gut“, erklärte er in einem Ton, von dem er betete, dass er mehr hochmütig als weinerlich klang. „Ich werde mich für ein paar Stunden zurückziehen und dann können wir…“

Masama hielt einen Ärmel des Haori in einem klauenartigen Griff. „Nicht so schnell, junger Mann. Du kommst hier nicht so einfach heraus. Ich kann nicht glauben, dass ich zugucken musste wie dieser… diese… Person den noblen Kenseikan berührte!“

Er drehte sich herum, um den Blick von Masama zu treffen. Sie war mindestens ein Kopf kleiner als er, also hatte er die Genugtuung, dass er in der Lage war, von oben auf sie herabzublicken. „Ja. Und ganz offensichtlich nicht zum ersten Mal. Ärgert es dich, zu wissen, dass er noch weitaus mehr berührt hat, als das?“

Ihre Hand verließ seinen Ärmel, als stünde er in Flammen. Sie sog tief und entsetzt die Luft ein, ihre stahlgrauen Augen waren geweitet. Es war seltsam befriedigend, dass sie derart von ihm zurückwich.

Leider war sein Sieg nur von kurzer Dauer. Mit einem tiefen Atemzug riss sich Masama offensichtlich zusammen, ihr Fächer kam zum Vorschein, um ihr Gesicht hinter einer Szene aus flatternden und badenden Schwänen zu verstecken. Sie schnalzte mit der Zunge. „Das kommt davon, wenn man von Männern des Militärs großgezogen wurde, vermute ich. Du hattest niemals viel Gespür für solche Angelegenheiten. Erst dieses angemalte Flittchen und nun diese…“ Ihre Augen wurden hektisch dabei, wie sie versuchte mit einer angemessenen Beleidung zu sein, doch alles was sie hervorbrachte war: „… grobe Kreatur.“

Byakuya wusste, dass er Hisanas Ehre verteidigen sollte, doch keine Worte kamen über seine dicke und schwere Zunge. Außerdem hatte er bereits diesen einen Stich zu oft gespürt, dass er den Schmerz kaum noch fühlte. Und ‚grobe Kreatur‘? Ohne Zweifel hat Renji bereits Schlimmeres getrotzt. Byakuya seufzte leise und kniff sich den Nasenrücken zwischen seinen Augen. „Hisana ist bereits seit einem halben Jahrhundert tot. Kannst du nicht in deinem Herzen eine Möglichkeit finden, die Angelegenheit ruhen zu lassen?“

„Nein, niemals! Ich hoffe, sie ist in der Hölle dafür, was sie unserer Familie angetan hat“, schnaubte Masama. „Ich werde auch dir deine Selbstsucht nicht verzeihen, Junge! Allianzen sind zerbrochen! So viele Hoffnungen zerschlagen. Unsere Ehre und der gute Name vollständig beschmutzt von einer niederen Hure! Und noch nicht einmal ein einziger Erbe im Gegenzug!“

Er versuchte nicht den Köder zu schlucken und versuchte lieber, die Galle, die sich den Weg aus seinen Mund heraus zu bahnen versuchte, in die Schranken zu weisen. Stattdessen versuchte er Masamas Fokus umzuleiten: „Wegen der Angelegenheit mit einem Erben…“

„Ja, deswegen“, sie schloss ihren Fächer mit Nachdruck und schlug ihn unhöflich auf den Punkt direkt über Byakuyas Herzen. Sie stand so nah, dass ihr Parfum ihn ekelerregend stark in der Nase kitzelte. Die Juwelen an ihren Haarnadeln funkelten, ließen ihn schielen. „Keine Spielchen mehr, Junge! Du wirst sofort eine Frau meiner Wahl heiraten. Ich werde dir diese lächerliche Tändelei nur und erst vergeben, wenn unserem Haus einen angemessenen Erben gegeben hast.“

„Nein, ich befürchte, das werde ich nicht tun, doch…“, begann er, doch wurde von einem Schlag ihres Fächers unterbrochen.

„Ja! Ja, du wirst! Du vergisst das Ass, das ich halte, Bya-chan. Dein 3. Offizier hat Beweise, die deine Position als Kommandant der 6. Division zerstören könnte. Vielleicht sogar noch wichtiger, er könnte diesen… diesen Vizekommandanten von dir in Misskredit bringen. Ich habe nun auch ein sehr deutliches Bild von seinen Schwachstellen, dank unserer kleinen Verhandlung. Dein kleiner Rukongai-Streuner hat keinen Ort, wo er hingehen könnte, wenn er von seinem Rang entfernt wird. Nirgends außer ins Gefängnis natürlich. Der 3. Offizier kennt die Regularien und das Zivilgesetz sehr gut, Byakuya. Unzucht ist ernst, doch in Anbetracht deiner Geburt und Blut viel, viel schlimmer, wenn gegen ihn Anklage erhoben wird, dass er es jemals gewagt hatte, dich anzufassen. Siehst du also? Deine neuste Inuzuri-Schlampe könnte hängen! Wenn ich an dein ehrloses Geplapper von eben denke, scheint es ziemlich deutlich, dass du alles tust, um ihn vor einem solchen Schicksal zu beschützen. Es sei denn, du möchtest zuschauen, wie er einen würdelosen, schamerfüllten Tod stirb, wirst du eine anständige, angemessene Frau heiraten und der Familie einen Erben schenken.“

Das war zu viel, zu schnell und viel zu furchtbar, um daran zu denken.

Byakuya hatte nur eine Antwort: Er erbrach sich über Tante Masamas Hausschuhe.

Finger schlangen sich wie von selbst in die Seide des Kimonos um ihre Schultern und Byakuya hielt sich mit bebenden Armen aufrecht, hörte zu, wie Masama entsetzte Geräusche von sich gab. Nachdem es schien, als wäre er nicht mehr in der Lage etwas anderes herauszubekommen, als trockener Husten, schniffte sie, trat anmutig aus der Pfütze zu ihren Füßen hinaus. „Ich sehe, du verstehst endlich die Ernsthaftigkeit. Gut. Ich werde dir meine Kandidatin morgen früh präsentieren. Du solltest…“, er brauchte sie nicht anzusehen, um den Hohn in ihrer Stimme zu erkennen. „… dich säubern.“

Dann entzog sich Tante Masama Byakuyas Armen und stolzierte davon, verließ Byakuya, der schwach zu Boden ging.

Byakuya hatte keine Ahnung, wie lange er dort gekniet hatte, benebelt auf die klare Flüssigkeit starrte, die langsam in den Tatami sickerte, während sein Kopf schmerzte und sein Magen rebellierte. Beweis? Masama konnte das nicht so meinen. Soweit Byakuya wusste, hatte der 3. Offizier nur seine Worte gegen sie, es sei denn es gab noch etwas, wovon Byakuya nichts wusste. Vielleicht hatte sie vor, die Hochzeit so voranzutreiben, damit es Kuchiki gegen Kuchiki sein würde. Immerhin wäre Miisho nur angeheiratet und das noch von einer entfernten Cousine. Byakuya war immer noch das Familienoberhaupt, also hätte er immer noch Vorteile.

Plötzlich spürte er eine sanfte Hand an seinem Ellbogen, der ihm seine Hilfe anbot. Er hörte eine behutsame Stimme: „Mein Herr? Lassen sie mich ihnen vielleicht ins Bett helfen?“

Nur ein Nicken und es wurde sich um ihn gekümmert. Wie ein Kind in sein Zimmer geführt; ausgezogen und angezogen wie eine Puppe. Eishirō richtete die Decke um Byakuyas Schultern und sagte: „Ich habe eine der Mädchen beauftragt, eine kalte Kompresse für ihren Kopf und ein wenig Ingwertee für ihren Magen zu bringen.“

„Vielen Dank“, murmelte Byakuya, als ein wenig ruheloser Schlaf ihn überwältigte.



Der Vizekommandant macht seine Herrschaft sanfter, beschloss Eishirō, genauso wie es Lady Hisana getan hatte. Vielleicht war sanfter nicht das richtige Wort, da es Schwäche implizierte, eine Verminderung. Erheben? Ja, das war es, dachte Eishirō, als er damit fertig war, den jungen Herren ins Bett zu bringen. Renji hob Byakuya-samas Laune. In der Gesellschaft des Vizekommandanten war der Geist des Herren nicht annähernd so schwermütig und traurig... und gequält.

Auch wenn der Herr bereits einschlief, verbeugte sich Eishirō tief, während er sich aus den Räumlichkeiten zurückzog. Er kniete an der Tür und schob sie zu. Er blieb noch einen Moment länger an der Tür, als notwendig und dachte über all das nach, was er in den letzten 24 Stunden mitbekommen hatten.

Es schien, als plane Lady Masama einen Coup.

Sie war immer noch vor sich her am murmeln gewesen, als sie an dem gehorsam vor der Halle knienden Eishirō vorbeigegangen war. Eine neue Frau für Byakuya-sama? Dieses Mal schien Lady Masama viel sicherer – fast schon triumphal – dass der Herr kapitulieren würde. Es war offensichtlich kein Arrangement, wonach es dem jungen Herren in irgendeiner Art verlangte. Also was hatte Lady Masama gegen Byakuya-sama, fragte sich Eishirō. Was war der Knackpunkt ihrer Erpressung. Denn es war sicher, dass es so etwas sein musste.

Dass sie über die Affäre Bescheid wusste, war in dem Moment klar geworden, in dem sie in das Anwesen gestürmt war.

Allerdings waren vorherige Liebhaber normalerweise kein Hindernis für einen Ehevertrag. Der Vater des Herren hatte einige davor und danach und selbst wenn Eishirō zu diesem Zeitpunkt noch nicht Hausverwalter gewesen war, wusste das ganze Personal davon. Natürlich hatte er, als Teejunge, auch die Gerüchte um eine uneheliche Tochter, eine jüngere Schwester von Byakuya-sama irgendwo in den Rängen bei den Hofgarden gehört. Das Kind eines Dienstmädchens. Das schien absurd, da die Kuchiki selten schlampig mit ihren Nachkommen umgingen. Sicherlich wurde das Mädchen schleunigst weit weg gebracht und verboten, nah an ihren Halbbruder herauszutreten. Doch wer wusste die Wahrheit hinter all dem?

Jedenfalls sollte Renji keinerlei Gefahr für eine Heirat darstellen – außer, dass Byakuya-sama offensichtlich an solch einem Bündnis nicht interessiert war, wenn der Grund dafür nicht Liebe hieß. Solch ein hoffnungsloser Romantiker! Selbst Byakuya-samas Vater, der Poet, hatte ein besseres Gespür für das Geschäftliche, wenn es um die Politik von Verträgen und Erben ging.

In dieser einseitigen Liebe hatte Byakuya-sama mehr wie ein Bürgerlicher gehandelt, statt eines Adligen. Seine Familie hatte ihn gehasst dafür, was sie als Makel und Selbstsucht ansahen. Doch es war aus diesem einen Grund, dass Eishirō nicht plante, Lady Masama damit durchkommen zu lassen.

Byakuya-sama verliebt, war ein wunderschöner Anblick, den es zu Erhalten galt. Der ganze Haushalt sehnte sich nach der Rückkehr der Tage, als seine Herrschaft das Anwesen mit Freude erfüllt hatte, die sie nur so kurz durch Lady Hisana kennengelernt hatten.

Vielleicht könnten sie das nicht nur zurückbekommen… sondern es könnte vielleicht ein wenig länger halten. Schließlich begannen die Dinge mit Lady Hisana ähnlich tumultartig. Da war viel heiß und kalt, an und aus, und Abschnitte mit viel Streit und Liebeskummer gewesen. Es schien, als war diese Art von Drama ein wichtiges Zeichen dafür, dass Byakuya-sama sich auf eine Beziehung einließ.

Sie hatte auch dafür gesorgt, dass er sie umwarb.

Und nun hat der Herr versprochen, einen anderen zu hofieren.

Daher musste, was immer Lady Masama plante, um Byakuya-samas Umwerben des Vizekommandanten zu durchkreuzen, fehlschlagen. Eishirō würde den ganzen Haushalt darauf ansetzen, wenn es sein musste.

Er kam auf die Füße und ging die Flure der Angestellten entlang zur Küche. Es überraschte ihn nicht, dass er Renjis Stimme hören konnte, wie er Miki um Reste anbettelte. „Komm schon“, sagte er. „Nur eins! Sie sehen so gut aus und ich verhungere.“

„Ich habe dir bereits Mittagessen gegeben. Wenn du immer noch hungrig bist, geh in die Kantine, Soldat! Die Kuchen sind für Lady Masama und ihren Gast“, protestierte Miki.

„Dann lass ihn alle essen“, sagte Eishirō, als er über die Türschwelle trat. Miki und Renji schienen beide von der Heftigkeit seiner Worte überrascht. Doch Eishirō verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich gegen den Türrahmen. Er blickte zu Renji und fügte hinzu: „Unser Gast, dein 3. Offizier gehört nicht zu meinem bevorzugten Personen zurzeit.“

Renji stopfte sich eines der extravaganten Teekuchen in den Mund, bevor Miki ihn aufhalten konnte. „Ja, nun ja. Bei mir auch nicht.“

„Wegen dem, was er gegen dich in der Hand hat“, mutmaßte Eishirō. „Was ist es? Etwas… Militärisches?“

Renji beäugte einen weiteren der Kuchen, doch Miki brachte das Tablett bereits aus seiner Reichweite. Er zuckte mit den Schultern. „Vielleicht. Miisho hat mich in einem privaten Moment erwischt. Wenn es bewiesen werden kann, könnte es Unzucht mit Untergebenen sein.“

Unzucht? Das wäre desaströs, wenn es auch den Herrn treffen würde.

Eine der Dinge, die Eishirō gelernt hatte, an den Vizekommandanten wertzuschätzen, was wie überraschend umsichtig Renji sein könnte, besonders bei Angelegenheiten bezüglich der Ehre des Hausherren. Da war dieses Geschenk, das er als Wiedergutmachung für ihre… Ferkelei während der Erkrankung des Herrn, gebracht hatte. Es war erstaunlich rücksichtsvoll gewesen. Es war deutlich gewesen, dass Renji sich Mühe gegeben hatte, Dinge herauszufinden, die Eishirō als Luxus betrachtete. Dazu war das Ganze noch überraschend bescheiden und diskret angeboten worden. Renji hatte es aussehen lassen, als müssten alle etwaig entstandenen Peinlichkeiten als sein Fehler erachtet werden.

Selbst jetzt, als er offen über die Thematik der Unzucht sprach, achtete der Vizekommandant darauf, dass keine Andeutungen in Richtung Byakuya-sama fielen. Eishirō bekam den Eindruck, dass falls die Anklage erlassen würde, Renji alle Schuld auf sich nahm, wenn er konnte.

„Du hast vielleicht ein ernsthaftes Problem“, bemerkte Eishirō. „Ich habe das Wort ‚Beweis‘ aufgeschnappt und ich glaube, der Herr war wirklich… verstört.“

„Beweis?“, Renji fing Eishirō in seinem raubtierhaften, nervenaufreibenden Blick ein. Eishirō musste sich eingestehen, dass da etwas an diesem tätowierten Rotschopf war, das ihn ein wenig beängstigte. Er hatte bereits einige Kuchiki niedergestarrt, doch da war eine Rohheit in seiner Kraft, die Eishirō wünschen ließ, einen Schritt zurückzumachen. „Was für ein Beweis?“

Trotz des Knurrens in der Stimme des Vizekommandanten blieb Eishirō stehen. Stattdessen räusperte er sich. „Ich weiß es nicht. Doch ich habe vor, es herauszufinden und, falls nötig, es zu stehlen oder zu zerstören, bevor es gegen dich verwendet wird.“

Renjis Lippen kräuselten sich zu einem Grinsen, das, könnte Eishirō schwören, scharfe Eckzähne entblößt. „Ja? Du bist nun auf meiner Seite?“

„Das bin ich“, schniffte Eishirō. „Allerdings nur so lange, wie der Herr von dir angetan ist.“

Renji lachte schnaubend. „Ich denke, das ist das Beste, worauf ich hoffen kann. Also meinst du das ernst? Du willst versuchen aufzuspüren, was der 3. Offizier glaubt, gegen uns in der Hand zu haben?“

„Ich bin in der perfekten Position, das zu versuchen. Außerdem ist der 3. Offizier Ōta dabei gescheitert, mich zu beeindrucken.“

„Ha!“, lachte Miki anerkennend von dort, wo sie die Garnitur des Nachtisches fertigstellte – perfektes Konfekt, das wie kleine Blumen aussah. Nichts geringeres, als Blauglöckchen, Lady Masamas Lieblinge. „Du meinst, er hat deinen Test nicht bestanden?“

„Test?“, fragte Renji neugierig.

Eishirō hob ermahnend eine Augenbraue über Miki, doch er fühlte sich genötigt, es zu erklären. Er errötete ein wenig, sich absolut bewusst, wie verschlagen ihn die Geschichte aussehen ließ. „Da gibt es einen Gästeraum im Anwesen, das den Ställen gegenüber liegt. Es… riecht oftmals unerfreulich nach Pferdedung. Gerade im Sommer, doch das passiert auch, je nach Richtung des Windes. Ich biete diesen Raum den Gästen an, wenn ich neugierig bin, was für eine Art Person sie sind.“

Renji nickte, als würde er verstehen. „Und was für eine Art Person ist mein 3. Offizier?“

„Unhöflich.“

„Nur weil er einen Raum möchte, der nicht nach Scheiße stinkt?“

„Nein“, erklärte Eishirō schnell. „Du missverstehst. Ich erwarte von jedem, dass er nach einem neuen Raum fragt. Es ist die Weise, wie es getan wird, die den Test darstellt.“

Renjis tätowierte Augenbrauen hoben sich anerkennend und er Pfiff leise. „Ah, du cleverer Bastard. Also hat dir Miisho in einer Art Wutanfall etwas an den Kopfgeworfen oder so?“

„Mehr als das“, sagte Eishirō, auch wenn der 3. Offizier sicher einen Wutanfall gehabt hatte – neben aller Art von Beleidigungen in Hinsicht der Intelligenz des Personals. „Es scheint, als betrachtet er sich bereits als Kuchiki. Doch glücklicherweise hat er keine Ahnung, wenn ihm die zweite Garnitur angeboten wird.“ Zu Miki sagte er: „Ich habe ihm den Wilden-Eber-Raum gegeben.“

„Geschieht ihm recht“, stimmte Miki zu. Sie warf Renji ein gewinnendes Lächeln zu. „Es sieht höllisch eindrucksvoll aus, doch es ist der Ort, an dem wir alle billigen, übermäßig protzende Geschenke hinstellen. Außerdem ist es nicht weit weg von dem Platz, wo die Nachttöpfe geleert werden und die Entlüftung für die Küche ist. Die Kombination ist am späten Abend tödlich.“

„Und es gibt ein kleines Leck in dem Raum, das wir nicht reparieren können. Ein Makel im Entwurf, befürchte ich“, fügte Eishirō etwas Verlegen hinzu. Egal wie gerne er es mochte, Gäste auszutricksen, es verletzte sein Stolz, dass das Haus nicht perfekt war.

„Scheiße“, lachte Renji. „Erinnere mich dran, mir es niemals mit dir zu verspielen.“

Außer das Eishirō vermutete, dass Renji sich niemals gegen das Zimmer mit Blick zum Stall gesträubt hätte. Rukia hatte es nicht. Sie hatte sich nur aus dem Fenster hinausgelehnt und die feinen Pferde bewundert, ihre Grazie und Schnelligkeit gelobt und Eishirō mit Tränen in ihren Augen gesagt, dass sie noch niemals an einem schöneren oder überwältigenderen Ort gewesen war. Das hatte sie sofort enorm im Ansehen gehoben.

„Die einzige Weise, wie du es mit mir verspielen kannst“, begann Eishirō mit einem kleinen Lächeln. „Ist, wenn du den Herrn verletzt.“

Etwas daran ließ Renji zusammenzucken. Sein Grinsen wurde kalt und fiel dann komplett in sich zusammen. „Glaube nicht, dass du dir darüber Sorgen machen musst“, murmelte er. „Er ist stärker als ich.“

Eishirō tauschte einen Blick mit Miki aus, der Renjis seltsame Reaktion auch aufgefallen war. ‚Stärker‘? Oje. Das war eine schwierige Bemerkung, wenn man an die Tatsache dachte, dass das Dienstmädchen, das Eishirō als Spion nach oben geschickt hatte, Renji ihn einer Situation vorgefunden hatte, die an den Stalljungen erinnerte. Doch zu dem Zeitpunkt hatte es geschienen, als ob beide Parteien einverstanden gewesen waren, trotz dem Unterschied im… Status.

Hmmm.

Nun ja, da war auch etwas in der Richtung mit Lady Hisana gewesen, nicht wahr? Nicht so viel wie mit den Herren, aber etwas. Sie war, immerhin, hoch trainiert in einigen Künsten gewesen. Doch Byakuya-sama war viel--- sanfter mit ihr gewesen, als mit Männern.

„Ein privates Wort, Vizekommandant?“

Eishirō winkte Renji von Mikis gespitzten Ohren weg. Renji schien unwillig, doch er folgte. Als sie Seite an Seite gingen, war Eishirō von Renjis Größe überrascht. Der Mann war riesig. Es sah unmöglich aus, eine Person von seiner Größe zu verletzten. Doch der Herr war jenseits von stark. Sein Reiatsu war furchteinflößend kraftvoll, wenn es losgelassen wurde.

Sie hielten an der Hintertür. Draußen hatte der Regen zu einem fiesen Nieselregen nachgelassen. Die kühle Luft war schwer und nass, als sie gegen Eishirōs Wange an der geöffneten Tür blies. Nun hatte er den Vizekommandanten hier und war sich nicht sicher, wie er danach fragen sollte, was er fragen musste. Immerhin standen sie sich kaum eng genug und es war eine extrem private Angelegenheit. Einen Fehler zu machen, war mehr als nur unangenehm. Nach einem Moment des Zögerns, entschloss Eishirō sich indirekt anzunähern. „Ist alles in Ordnung? Deine Verhandlungen mit Lady Kuchiki waren sehr intensiv.“

Der Vizekommandant lehnte seine massive Statur gegen die Tür und rieb sich den Nacken, als sei er müde. „Ich musste eine gute Show abziehen, oder nicht?“

Renjis Bewegung jedoch entblößte einen Bluterguß in Form eines Daumens auf seinem Handgelenk. Direkt über einem Druckpunkt. Eishirō schloss seine Augen für einen Moment und beugte seinen Kopf in einem stillen Fluch. „Ja, aber dir geht es gut?“

Renji schielte zu Eishirō hinunter, als würde er die tiefgründigere Frage hinter der einfachen Phrase spüren. Dann zuckte er mit den Achseln. „Eh. Mit ihm und mir ist es kompliziert an den besten Tagen.“

Durchaus.

„Es wird besser werden, nun wo er die Dinge angemessen angehen wird“, beharrte Eishirō. „Es war das Gleiche mit Lady Hisana. Sie waren ein Wrack, bis sie mit dem Hofieren begannen. Es ist etwas mit dem Herrn. Er scheint Regeln und Richtlinien zu benötigen.“

Renji lächelte und lachte sanft. „Ja, ich glaube, das leuchtet mir ein.“

Da war noch viel mehr, das Eishirō sagen wollte, doch es war nicht an ihm, Entschuldigungen für das schlechte Benehmen seines Herrn anzubieten. Besonders nicht, wenn all das Teil ihrer Vorlieben sein konnte. Er verbeugte sich tief. Als er sich aufrichtete, fragte er in Renjis überraschte Augen: „Möchten sie einen Bangasa haben, Vizekommandant?“



Als Renji den Weg über den matschigen Trainingsplatz vor dem Tor zum Anwesen wählte, runzelte er die Stirn über den zierlichen Bangasa in seiner Hand. Es war immer eine Art wichtiges, bedeutsames Geschenk, wenn Eishirō anbot, ihn vom Regen zu schützen.

Das letzte Mal, als ihm ein Bangasa anvertraut wurde, war klar unter Byakuyas Befehl gewesen. Dieses Mal… Renji hatte keine Ahnung, warum plötzlich Eishirō auf ihrer Seite gegen Tante Masama war. Doch es war gut. Sie brauchten Hilfe.

Beweis.

Scheiße, das war ein gruseliger Gedanke. Was könnte sie in der Hand haben? Was hätte der 3. Offizier ihr geben können?


Renji schaffte es gerade noch in das Büro des Vizekommandanten, als eine neue Gewitterfront über seinem Kopf zu Grummeln begann. Unter der Kolonnade schüttelte er den Bangasa aus und stellte ihn mit seinen Sandalen vor der Tür ab. Im Inneren war der gemütliche, dampfige Geruch von aufgebrühtem Tee. Er blickte zum Schreibtisch, in der Absicht demjenigen zu danken, der gerade im Dienst war, nur um zu sehen, wie Kinjo an der Kante des Schreibtisches faulenzte und sich flirtend zur 4. Offizierin, Nanako, vorbeugte, die offensichtlich versuchte, trotz seiner Anwesenheit ihre Arbeit zu verrichten. Dennoch lächelte sie leicht, als würde es sie sowohl nerven als auch amüsieren.

Als es so aussah, als würde Kinjo sich für einen Kuss weiter vorbeugen, räusperte sich Renji.

Nanako sprang auf ihre Füße, errötete stark. Kinjo hingegen drehte sich träge herum und hob eine Augenbraue. „Was? Hast du irgendein Problem mit Unzucht mit Untergebenen, Vizekommandant?“

Renji knurrte innerlich. Gerade jetzt wünschte er sich, dass er zurück in der 11. Division war, denn dann konnte er Kinjo einfach die direkte Wahrheit sagen: Ihm war es scheißegal, wer mit wem rumvögelte. Doch das war die Sechste, also vermutete Renji, dass er etwas über Diskretion sagen sollte oder, dass sie es nicht im Dienst tun sollten… Doch was stattdessen rauskam war: „Runter von meinem Schreibtisch.“

Nanako ging ein Schritt zurück, als Renji nach vorne trat. Doch Kinjo war deutlich auf Streit aus. Er nahm sich Zeit, von Tisch zu gleiten, als hätte er alle Zeit der Welt.

„Hast du nicht irgendetwas, worum du dich kümmern musst, 7. Offizier?“, fragte Renji, als sie sich gegenüber standen. „Denn wenn nicht, kann ich Arbeit für dich finden.“

„Ist das eine Art Drohung?“

„Das wünschst du“, schnaubte Renji. Er blickte Kinjo lange und abschätzend an und seufzte dann tief, trat dabei einen Schritt zurück. „Du möchtest gegen mich kämpfen? Sicher, können wir. Doch ich muss vorher noch ein paar Dinge erledigen, also gib mir ein paar Stunden. Dann kannst du mein Trainingsarrancar sein.“

Plötzlich sah Kinjo nicht mehr so sicher aus. „Aber… uh“, er hustete, um ein wenig seine sinkende Streitlust zu verbergen. „Nur Shikai, ja?“

„Du denkst, ich würde mich bei Aizens Armee zurückhalten? Was für eine Art Training wäre das?“ Doch so zufriedenstellend wie es vielleicht war, Bankai gegen den 7. Offizier zu verwenden, war es kaum fair. „Ja, also schön. Was auch immer. Tauch nur auf. Zabimaru ist hungrig.“

Zabimaru stimmte mit einem glücklichen, knurrenden Schnurren zu.

Kinjo schien seine Haltung wiederzufinden. Er stolzierte zur Tür und fügte mit seiner kratzigen Stimme hinzu: „Ja, mein Genbi ist bereit deinen ‚Schwanz‘ zu treten. Zwei Stunden. Du und ich.“

„Ja, ja. Freu mich schon“, nickte Renji entlassend und winkte über seine Schulter ab, richtete seine Aufmerksamkeit auf die Formulare, an denen Nanako gearbeitet hatte. Sobald die Tür geschlossen war, blickte er Nanako an. „Du sagtest, du hast irgendwelche Fragen?“

„Er hat nur geflirtet, Vizekommandant. Ich schwöre. Wir sind nicht zusammen“, sagte Nanako schnell, ihre durchdringenden, grünen Augen betrachteten Renjis Gesicht behutsam.

Renji rieb sich das Gesicht, spürte das Gewicht des Katers, für den er bisher keine Zeit hatte. „Ja, schau, ich glaub dir. Nach dem Mist, den du mir an den Kopf geworfen hast, glaube ich nicht, dass es anders ist. Lass uns einfach die Arbeit durchgehen, damit ich weiß, dass du alles kannst, wenn ich weg bin. Dann sollte ich vermutlich nochmal bei jedem vorbei gehen, der mit mir geht. Besonders zu Kommandant Hitsugaya und, keine Ahnung, vielleicht was packen…?“ Wobei das keinen Sinn ergab. Er hatte noch nicht einmal einen zweiten Hakama.

Er hatte sich noch nie in seinem Leben unvorbereiteter für einen Kampf gefühlt. Er hatte den Bericht über die mysteriösen Arrancar ein Dutzend Mal gelesen, doch die Hälfte davon war wissenschaftliches Kauderwelsch von der Zwölften, von dem Renji langsam zu glauben begann, dass es nur eine Aneinanderreihung von Synonymen für ‚Wir haben keine Ahnung‘ war. Das Zeug, das er verstand, jagte ihm eine Heidenangst ein. Die kombinierte Kraft von Ichigo und Urahara hatten kaum mehr als eine Beule hinterlassen. Ichigo… der sie alle besiegt hatte und die feurige Flamme von Kikōō aufgehalten hatte, als sei sie nichts.

Scheiße.

„Vizekommandant?“

Renji schüttelte sich aus. „Ja, tut mir leid, wo waren wir dran?“

Sie nahmen all die Büroarbeit in Angriff und Renji befragte Nanako so lange, bis er sicher war, dass sie alle Präferenzen und Macken von Byakuya kannte. Er war besorgt, dass sie nicht genug Zeit hatten, mit der Truppe eine ordentliche Einsatzbesprechung abzuhalten, doch am Ende war es egal. Das Ganze hatte sich fast sofort in eine Zankerei zwischen Yumichika und Matsumoto wegen… Modezubehör entwickelt? Ikkaku fand einen geheimen Vorrat und begann, sich in der Ecke zu betrinken. Kommandant Hitsugaya stürmte angewidert davon.

Sie waren so am Arsch.

Nun ja, 3 von ihnen hatte Bankai, das war schon mal was. Und sie hatten die Erlaubnis, Gentei Kaijo zu nutzen, falls notwendig, sodass sie mit voller Kraft kämpfen könnten.

Also… vielleicht war da eine Chance…?

Ah, wenn machte er da etwas vor? Das würde ein Desaster werden, dachte Renji, als er seinen Weg zurück zur 6. Division im fiesen Nieselregen antrat. Nun ja, wenn er vielleicht sterben würde, musste er nicht zurückkommen und der Anklage entgegen sehen. Vielleicht konnte er als Held herauskommen, im gleißenden Licht des Ruhmes.

Eh, aber dann würde er all das Umwerben verpassen. Eishirō schien zu denken, dass dieses ganze Hofieren die Sache mit Renji und Byakuya herumreißen konnte. Ehrlich gesagt konnte Renji sich nicht vorstellen, wie ein paar Blumen und Poesie das erledigen konnte, doch er war gewillt, es zu versuchen. Es tat sicherlich nicht weh.

Er war bereits, ein Nickerchen einzulegen, doch zurück in der Sechsten wartete bereits Kinjo am Tor auf ihn. Kinjo hatte bereits sein Ōdachi von seiner Hülle auf dem Rücken entfernt und trug das lange Schwert in seiner Hand, bereit für ihren Kampf. Seine schulterlangen, glatten, schwarzen Haare hatte er in einem einfachen Pferdeschwanz im Nacken zusammengebunden. Zwei Strähnen hatten sich aus dem Zopfband gelöst und sich vor seinem dünnen, draufgängerischen Gesicht geteilt. Sein Grinsen war kalt und grimmig. „Ich bin so bereit dafür“, sagte er.

„Ich auch. Komm, folge mir.“ Die Sache war die, dass Renji gerade jetzt einen Sieg gebrauchen konnte. Oder, wenn es nicht ein netter, schneller Sieg werden würde, dann würde es vielleicht eine ernste harte, ausartende, üble Schlägerei tun.

Renji führte Kinjo zu einem der weiter wegliegenden Trainingsplätze. Vor langer Zeit wurde dieser für vollständige Scharmützel genutzt, Kriegsspielchen. Daher war er weitläufig, leer und abgelegen. Heutzutage übte die 6. Division meistens Kidō dort, da es weit genug entfernt von den meisten wichtigen Gebäuden lag und eine robuste Mauer vom Anwesen entlang zu einer der Enden des Geländes lief. Renji war sich nicht sicher, warum er diesen Ort ausgesucht hatte, außer dass er weiter weg war und somit nicht viele Schaulustige anlocken würde. Von der Laune her, die Kinjo hatte, vermutete Renji, dass Zuschauer eine schlechte Idee waren.

Denn was aus Kinjos Reiatsu herausströmte war Wut. Er war deutlich bereit für den Kampf. Tatsächlich nahm er sofort Position gegenüber von Renji ein, als sie auf dem Platz angelangt waren. „Ok, du feiges Stück Scheiße. Du kannst vor diesem Kampf nicht weglaufen.“

„Was? Wovon zum Teufel redest du, Kinjo?“, fragte Renji, auch wenn er dachte, dass er die Antwort kannte. Die Spannungen zwischen ihm und Kinjo hatten während dem Mist mit Rukia begonnen, als er von seinem Posten ‚desertiert‘ war, um Ichigo alleine zu bekämpfen. Renji glaubte, sich an eine ähnliche Beleidigung von ihm zu dieser Zeit erinnern zu können. „Ich bin noch nie von einem Kampf davongelaufen.“

„Doch, das bist du. Du bist desertiert. Du hast deinen Posten verlassen.“

„Um die Bösen zu bekämpfen!“, Renji musste zugeben, dass er perplex war. Auch wenn er wusste, dass dies eines der Probleme von Kinjo war, hatte er wirklich gedacht, dass er Beleidigungen über seine Männlichkeit oder dem Ganzen mit Byakuya abbekommen würde, nicht, dass er seine übereilte Entscheidung, Ichigo zu bekämpfen verteidigen musste. Die sich im Übrigen als Verschwendung herausgestellt hatte. Renji hätte Ichigo von Anfang an helfen sollen.

„Egal“, sagte Kinjo. „Deine Pflicht gilt uns. Du bist ein gottverdammter Drückeberger. Und du bist von den Peitschenhieben, die du verdient hättest, davongekommen, indem du dich für den Kommandanten gebückt hast. Wenn du zum Verräter wirst, solltest du deine Bestrafung annehmen wie ein Mann und dich nicht von seinem Freund in seinen Quartieren unter Arrest stellen lassen. Und da hast du noch nicht einmal so getan, als würdest du die Hälfte der Zeit verbringen! Scheiß drauf. Fick dich, Renji Abarai!“ Er nahm Kampfhaltung an, Beine weit auseinander und hielt sein Zanpakutō horizontal zu seinem Körper. „Karasō, Genbi!“, rief er und das Schwert schien zu wirbeln, sich zu strecken und länger und dicker an einem Ende zu werden. Und als es fertig war, hatte sich die Form vollständig geändert. Eine schwere, goldene Axt ruhte in Kinjos rechter Hand, balanciert durch einen Griff, der so lang war, wie ein Mann groß und aus Holz, dass im nebeligen Licht schwarz wirkte.

Er begann, es umherzuwirbeln, grunzte unter den Mühen, während die schwere Waffe Geschwindigkeit aufbaute. Es wirbelte in einer kontrollieren Form einer 8 umher, das aus allen Richtungen verteidigen und ohne Warnung ausschlagen konnte.

Es war ein beeindruckendes Shikai. Nicht zu unterschätzen. Tatsächlich erinnerte ihn die Weise, wie Kinjo es schwang, an Ikkakus Hozūkimaru. Er fuhr mit seiner Hand über die Klinge seines eigenen Zanpakutō, setzte wortlos Zabimaru frei. Damit angebend, dass er nicht länger nach Shikai rufen musste, grinste Renji ihn mit einem triumphalen ‚Fick dich, auch‘-Grinsen an.

Denn, ja, das tat weh. Kinjos Vorwürfe schnitten tief ins Fleisch, fast bis zum Knochen, und Renji hasste es, dass er keine ordentliche Antwort darauf hatte.

Kinjo schnaubte, kräuselte seine Lippen und sprang hervor. Sein Ansturm hatte Renji fast überrascht. Fast. Genbi war eine Distanzwaffe, genauso wie es Zabimaru war. Warum dann näher kommen?

Die Antwort darauf wurde ihm schnell offenbart. Kinjo drehte sich knapp 1 ½ Meter, ließ die Axtschneide auf Renji hinuntersausen. Während Renji Zabimaru zum Parieren hob, rollte sich Kinjo rum und schlug Renji direkt auf die Nase.

Renjis Kopf flog zurück und er schmeckte sofort Blut. Kinjo schrie und zog sich zurück, Genbi drehte sich wieder, dieses Mal in einer langsamen, trägen Schleife aus Metall und Holz.

Er schüttelte seine Schultern auf, zog die Nase hoch und spuckte. Richtig, also es würde so ablaufen, ja?

Die nächsten paar Minuten waren mehr Verteidigung austesten, als wirklich zu attackieren. Renji kannte Kinjos Shikai, doch sie hatten nicht oft damit öffentlich trainiert, keiner der beiden. So war Renji nicht an die Weise gewöhnt, wie das Gewicht der Axt den Winkel des Abpralls verändern würde, wenn er Zabimaru für einen Peitschenhieb aussandte. Wenigstens kam Kinjo auch nicht weiter. Es war fast schon ein Stillstand.

Doch sie taten dem unebenen Untergrund keinen Gefallen. Klumpen von Dreck und Gras flogen bei jedem parierten Schlag. Renjis Hakama fühlte sich langsam schwer vom Matsch und dem kalten, Nieselregen an. Mehr als nur einmal war er nahe dran, das Gleichgewicht zu verlieren, weil er auf dem feuchten Gras ausrutschte. Einer von ihnen musste bald die entscheidende Bewegung machen und Renji vermutete, dass er es sein sollte. Er war immerhin derjenige mit der Verabredung am Abend.

Die große Abendessenverabredung. Was zum Teufel... Irgendein piekfeines Abendessen oder sowas? 20 Gänge? Von was? Renji fragte sich schon fast, ob es da überhaupt etwas gab, was er essbar fand. Byakuya hatte die eigenartigsten Ideen von der Qualität des Essens und was Küchen auf einem Anwesen den Gästen serviert werden sollte. Das verwirrte Renji immer noch, diese extravaganten Anrichtungsmethoden und Soßentropfen, die aussahen wie Vögel oder was auch immer. Er bevorzugte wirklich einfacheres, geradelinigeres Essen...

Kinjo war in einer Sekunde in seinem Blickfeld. Wieder schwang Renji Zabimaru hoch, um zu parieren, all die Vorteile der Distanz verloren innerhalb von einer Sekunde der Unkonzentriertheit. Verdammt! Metall gegen Holz. Der Griff war viel stärker, als er aussah. Er riss oder brach nicht, wie es Hozūkimaru tat. Es fühlte sich an, als würde er einen Baumstumpf treffen.

Und dieses Mal zog sich Kinjo nicht zurück. Als Renji parierte, drehte er den Kopf der Axt um und brachte den Ansatz des Griffs zwischen sie, zwang Renji so zu einer niedrigen Parade und dann nach oben, als die Klinge wieder hinuntersauste. Kampfstabtechniken, um gegen ein Schwert scheiße zu kontern.

Renji versuchte, die Initiative zu übernehmen, trat zur Seite und sprang nach vorne. Kinjo schwang die Klinge zur Seite und attackierte, zwang Renji zurück. Verdammt noch Mal, so langsam wurde es peinlich. Das Grinsen auf Kinjos Gesicht war hämisch, viel zu verflucht glücklich und Renji sah rot. Den nächste Schwung blockierte er mit nur einer Hand an Zabimaru und nutzte die andere, um einen heftigen Aufwärtshaken an die Unterseite von Kinjos Kiefer zu landen.

„Arschloch!“, knurrte Kinjo, attackierte weiterhin. Dann spuckte er direkt in Renjis Gesicht.

Die Axtklinge glitt in Zabimarus Zähne und Metall wandte sich gegen Metall, verkeilte sie, wie es ihre Träger waren, die sich anschnaubten. Doch Renji hatte den Vorteil von Höhe und Gewicht und drückte Kinjo zurück. Er spürte zumindest den halben Sieg in der Nähe, also grinste Renji und streckte die Zunge raus und verdoppelte seine Anstrengungen und schob ihn weiter nach hinten.

Das war der Moment, in dem Kinjo den Axtgriff geschickt zwischen Renjis Beine platzierte.

Schmerz zwang Renji in die Knie und ließ ihn instinktiv um seine schmerzenden Eier krümmen. Heilige Scheiße! Wenn man gerade von einem Tiefschlag sprach. Doch selbst wenn Renji gerade vor Schmerzen stöhnte, war er entschlossen, Kinjo mit solch dreckigen, miesen Tricks nicht gewinnen zu lassen.

Auch wenn Tränen seine Sicht verschleierten, trat er wild nach Kinjos Bein aus, im Vorhaben, ihn zu Fall zu bringen. Scheiß auf Shikai. Das würde grundlegender werden. Renji würde die Scheiße aus Kinjo herausprügeln.

Sein Fuß traf etwas, also nahm er Schwung, bis Kinjo stolperte und beinahe auf Renji landete. So nah waren die Zanpakutō nutzlos, doch Renji hatte gelernt, dass fast alle Shinigami es nicht mochten, loszulassen. Er rollte sich zur Seite, ließ Zabimaru im Dreck. Er pinnte Kinjo unter sich und begann, ihn mit beiden Fäusten zu bearbeiten.

Kinjo schlug zurück. Doch Renji schlug seine Faust ohne viel zu überlegen weg und schickte einen weiteren Schlag in das arrogante, selbstgefällige Gesicht. Und einen weiteren, duckte sich unter Kinjos wildem Geschlage hinweg. Der Offizier buckelte unter ihm, versuchte ihn so abzuwerfen, doch Renji ließ das nicht geschehen. Er hakte eine Fuß über Kinjos Oberschenkel ein und drückte sein Gewicht darauf hinab. Dann nutzte er die Distanz, um für einen richtig guten Schlag auszuholen. Kinjo blickte ihn an, zog mit blutgefärbten Zähnen eine Grimasse. „Na los, wenn du immer noch die Eier dafür hast.“

Renji ließ die Faust fliegen, spürte den Knochen unter ihr brechen. Kinjo stoppte den Kampf, seine Hand legte sich schützend um die Nase, versuchte die massive Blutung zu stoppen. „Uu st meie schei Nase geboffen! Uu verfluffter Astarf!“

Da war es: Sieg. Renji zog sich von Kinjo hoch und nahm Zabimaru wieder auf. Er ließ seine Waffe sich wieder versiegeln und steckte ihn zurück in die Hülle an seiner Hüfte. Aus dem Wald kam die 4. Offizierin, Nanako und rannte geradewegs dorthin, wo Kinjo immer noch gekrümmt und fluchend im Matsch lag.

Nicht zusammen, am Arsch, dachte Renji, wischte sich den Dreck von der Wange und stampfte zurück in Richtung seines Quartiers.



Byakuya wischte im Foyer des Anwesens mit einem Handtuch auf Renjis matschbesprenkelter, verletzten Nase herum. „Und wie genau hilft das dabei, deine Beziehung mit dem 7. Offizier zu reparieren?“

„Ich weiß es nicht“, grunzte Renji. „Aber es fühlte sich gut an.“

„Ich weiß nicht, wie es das könnte“, sagte Byakuya und widerstand dem Drang, das Tuch mit der Zunge zu befeuchten, um einen besonders sturen, dreckigen Punkt zu entfernen. „Du wurdest in den Schritt getreten.“

„Es war ein Axtgriff.“

„Gleiches Resultat“, sagte Byakuya und gab mit einem Seufzen auf. „Ehrlich, Renji. Wenn er vorher auf dich sauer war, glaube ich nicht, dass dieses affenartige Säbelrasseln etwas anderes getan hat, außer es noch schlimmer zu machen.“

„Keine Ahnung. Manche Kerle brauchen eine Tracht Prügel, um es wieder geradezubiegen.“

Byakuya schüttelte den Kopf. Sie sollten vielleicht einfach ihre Essensverabredung absagen. Renji hatte Matsch in seinen Haaren, der nicht ohne ein Bad zu entfernen war. Seine Fingerknöcheln waren vom Kampf geschwollen. Die Schramme an der Nase hatte angefangen, violett zu werden und, auch wenn er offensichtlich versucht hatte, es auszubürsten, war der Saum seines Hakama schlammverkrustet. Zumindest hatte er ein neues Obergewand angezogen und es sah aus, als hätte er sich die Zeit genommen, um Zabimaru zu polieren und zu ölen.

Ironischerweise hatte Byakuya viel mehr Zeit damit verbracht, sich herauszuputzen, als sonst. Doch nachdem er sich so schlecht von dem Kater fühlte, hatte er das Bedürfnis verspürt, durch ein langsames, ruhiges Bad Fortschritte zu machen. Also hatte er sich lange im Badehaus eingeweicht und Stunden damit verbracht, einen schlichten Kimono zu finden, der nicht mit dem Familienwappen geprägt war, da er keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte. Doch es musste immer noch schick genug für den Ryoka sein. Er hatte den Kenseikan entfernt und hatte tatsächlich für eine lächerlich lange Zeit mit seiner Frisur herumgespielt, bevor er sie doch in der gewöhnlichen Weise hatte fallen lassen. Er hatte außerdem viel Aufheben um das Geschenk gemacht, dass er plante, Renji zu geben. Es war sehr tiefgründig und bedeutungsvoll und es nur über ein Tablett mit Tee zu übergeben schien... enttäuschend.

Außerdem, wenn sie im Anwesen bleiben würden, würde Tante Masama sicher stören.

„Wir werden zu spät kommen“, bemerkte Byakuya, doch mit mehr Resignation als Dringlichkeit. „Wir werden die Reservierung verlieren.“

Renji grinste, ein sehr verwegener Anblick in seinem Zustand. „Eh, du bist der Schnellste im Shunpō diesseits des Dangai. Wir können es schaffen, wenn du meine Hand hältst.“

Mit einem antwortenden Lächeln stimmte Byakuya zu: „Mit Freuden.“

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Vorschau Kapitel 2:

Byakuya führt Renji in die Stadt aus, bevor Renji zu seiner Mission in der Welt der Lebenden aufbricht. Das Abendessen endet überraschend... anregend.
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