Metro 2033 - Tunnel aus alter Zeit

GeschichteSci-Fi / P16
OC (Own Character)
24.06.2016
24.06.2016
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Die Metro... ein Ort voller Gefahren, ein Ort voller Zwietracht und Krieg und dennoch, der letzte Ort an dem man noch ein annähend normales Leben führen konnte. Nachdem die Raketen vor mehr als zwanzig Jahren in Moskau einschlugen hatten nur jene eine Chance die sich durch die hermetischen Tore in den Untergrund flüchten konnten. Nun ist das einstige Juwel Russlands ein lebensfeindlicher und verstrahlter Ort. In der Welt der Schatten und des Notstromst metertief unter der Erde organisierte man sich neu, schuf Miniaturstaaten, trieb Handel und wie für die Menschen üblich: führte territoriale Kriege. Während die große Polis sich hinter seinen Toren und seiner Macht versteckt, kämpfen ihre Nachbaren, das Reich und die Bewohner der Roten Linie verbissen um jedes Fitzelchen bewohnbaren Landes.

Dmitry war an diesen Tanz der Drachen gewöhnt, kannte die Ausschreitungen die ständig in den Tunneln zur Ljubjanka zu eskalieren drohten. Zwar war der Mann mit Anfang 20 im besten Alter für den Krieg, dachte jedoch nicht einmal daran sich freiwillig zu melden. Es war nicht sein Krieg. Zwar besaß Dmitry einen Pass der Roten Linie, zog jedoch von Station zu Station in der Metro umher um als fahrender Händler seine Patronen zu verdienen. Heute schlief er dennoch auf der Roten Linie. Der Ochotny Rjad-Station lieferte er erst gestern Abend Helme und Schutzwesten von der Tschistyje prudy-Station. Es hieß dass die Station diese dringend brauchte, immerhin grenzte sie an das Reich und das machte sich auch im Preis bemerkbar, den seine Genossen hier für die Ausrüstung zahlten. Ja es war eine Menge. Genug um sich jetzt eine Nacht in einem Hotel zu leisten. Auch wenn das in der Metro nur eine kleine Wellblechkonstruktion war, dessen Feldbett zumindest mehr Komfort brauchte als das kleine Wurfzelt und der Schlafsack den Dmitry am Rucksack befestigt hatte. Der nächste Morgen kam allerdings unverhofft schnell. Es war nach der Uhr wohl noch Nacht, denn die Lichter waren noch gedimmt, und dennoch erwachte er schreckhaft. Hatte er so lange geschlafen dass er schon ausgeschlafen war? Vor ihm war sein Blick noch getrübt und er noch vom Schlaf benommen doch als die Stationslichter durch alle Spalten des Zimmers aufflackerten kam er zu vollem Bewusstsein. Schockiert hörte Dmitry die ohrenbetäubende Alarmsirene der Station. Verdammt. Hektisch sprang der fahrende Händler auf, zog sein Shirt und die alte Jeans über. Stiefel wurden angezogen und die braune, leicht zerfetzte, Jacke übergeworfen. Schließlich schulterte er noch seinen Rucksack und verließ das Zimmer fluchtartig. Seine Befürchtungen wurden schreckliche Realität: Überall liefen Soldaten der Roten Linie umher, evakuierten Frauen und Kinder oder rannten zum Bahnsteig. In der Ferne der Tunnel konnte man bereits die ersten Waffen rattern hören. Das Gefecht kam dem Bahnsteig der Station immer näher, er musste hier also so schnell wie möglich weg. Statt der Menschenmasse zu folgen, weiter zur Lubjanka, machte er sich auf etwas bereit, dass er sich eigentlich für den absoluten Notfall aufgehoben hatte: Flucht an die Oberfläche. Noch war es dort oben dunkel, also hatte er eine Chance es zur Kusnezki Most-Station zu schaffen bevor die Oberfläche hell wird und Biester ihn sahen die weit über jeder Schreckensvorstellung standen die sich Menschen erahnen konnten.

An seinem Rucksack hing die Gasmaske für genau solche Notfälle. Ein Modell wie man es in der Metro in allerlei Sicherheitsräumen gefunden hatte, beim „Einzug“. Gekonnt riss er sie von der Halterung und stürmte auf den geschlossenen Ausgang aus der Station zu. Zum Glück waren gerade alle waffenfähigen Männer der Station am Kämpfen sodass er still und heimlich den Hebel ziehen konnte. Die Erde bebte bedrohlich und gelbe Lichter signalisierten dass die hermetische Verriegelung gleich gelöst werden würde. Verdammt, man wurde auf ihn und sein Vorhaben aufmerksam. „Jemand öffnet das Tor!“, brüllte es durch die Sprechanlage. Gleich würden sie kommen... kaum war das Tor weit genug offen zwängte er sich durch. Im Augenwinkel sah der Händler noch wie zwei Soldaten der Roten mit gehobenen Waffen auf ihn zu kamen, doch schlossen sie hinter ihm einfach wieder das Tor. Es lohnte sich nicht Dmitry zu verfolgen, jetzt wo sie alle Männer brauchten um sich gegen den Angriff des Reiches zu wehren.

Kaum im Schacht, dessen unfunktionalle Rolltreppe nach oben führte, an die Oberfläche, zog er sich die Maske über. Der fahrende Händler stach einen neuen Filter an, als er ihn in die Maske schraubte. Es war nicht das erste Mal, dass er die Oberfläche betrat, so hatte er sich doch noch frisch mit achtzehn als Stalker versucht. Doch war es nichts für ihn, vor allem da die Händler die Preise bestimmten und nicht der Stalker, also wurde er genau das, und hier ist er nun, zwei Jahre nach seinem letzten Besuch an der Oberfläche. Langsam folgte er der Rolltreppe nach oben. Unter ihm wackelten einzelne Stufen, immer wieder gab es kleinere Löcher die er mit einem Hopser überspringen musste. Dmitry kannte die Welt da draußen nur so wie sie jetzt war. Junge zwanzig war der Mann mit seinen zurückgebundenen aschblonden Haaren. Ein 'Metro-Kind' nannte man ihn. Immerhin wurde ihm mehr als einmal zugeschrieben, dass er dadurch wenigstens keinen Schock erlitt als er das erste mal die Oberfläche der neuen Welt betrat. Er kannte das früher nicht und so hatte er kein Bild das zerstört wurde. Das Atmen fiel gewohnt schwer und war schier unermesslich Laut, zumindest empfand es Dmitry so. Je näher er dem Licht des klaren Mondes kam, desto klarer wurde ihm, dass es Schnee war, der am Ende des Schachtes lag. Tatsächlich... Schnee. Er hatte davon bereits gehört, doch den nuklearen Winter mit eigenen Augen zu sehen...

Langsam erfasste ihn die Kälte. Mit Gänsehaut stellte er den Krangen seiner Jacke auf. Gewohnt an diese Kälte war er nicht, entsprechend hatte er natürlich auch nicht daran gedacht sich passende Kleidung zu besorgen. Hinter ihm hörte er immernoch dumpf die Schüsse der Schlacht.. sie würde wohl noch ewig toben. Es war wohl eine gute Idee nicht mit den restlichen Flüchtlingen zu gehen. Die ewigen Kontrollen und das Auffangen in Lagern würde wochenlang gehen und er würde zwangsrekrutiert um sich gegen das Reich zu stellen... da sah er lieber hier oben dem Tod ins Gesicht statt da unten für eine verlorene Sache zu kämpfen. Die Gebäude die ihn umgaben zeigten ihm allerdings genau das: Den Tod. Für ihn war es unvorstellbar, dass dort mal in allen Etagen Menschen gelebt haben mussten und umso unvorstellbarer dass sie alle in einem einzigen Hauch gestorben waren, getötet vom atomaren Erstschlag. Ironisch, dass der letzte Atemzug von Mütterchen Russland war, so viele Raketen wie es nur ging zurückzufeuern um den Feind mit ins Verderben zu nehmen. Ob das der Zweck des legendären D-6 war, wenn er überhaupt existiert hat?

Abseits von Gedankenblasen war es allerdings zeit sich zusammenzureißen. Zur
Kusnezki Most waren es einige Kilometer die er da zu machen hatten und auch wenn er Filter für Monate dabei hatte, waren die eigentlich dafür gedacht verkauft zu werden und nicht dafür sie auf dem Weg zur nächsten Neutralen aufzubrauchen. Noch immer starrte er die eisigen Bauten auf dem großen Platz an, bis schließlich zwei einzelne Schüsse, lauter und klarer als die die von der Metro kamen über das Land schallten. Er sollte wohl herausfinden wer dort war, vielleicht waren es Stalker die sich für eine Eskorte bezahlen ließen.

Ein einsames Kreischen in der stillen Nacht ließ ihm auf dem Weg zum Ursprung der Schüsse die Haare zu berge stehen. Es gibt also noch etwas das hier lebt. Klar hatte er davon gehört, aber die Geräusche der Dinger die auf dieser Welt noch zu leben vermochten selbst zu erleben war etwas beängstigendes. Dmitry erstarrte bei dem Gedanken was in drei Teufels Namen da ein paar Blocks weiter geschrien hat. Verstört blieb er in einem Durchgang zwischen zwei Plattenbau-Ruinen stehen, zitterte am ganzen Leib. Der Händler konnte sich erst wieder fangen als er einen weiteren, nahezu identischen, Schrei hörte.. weiter weg. Gott sei dank! Dmitry setzte sich vorsichtig und bedacht in Bewegung. Seine Schritte durch den dämpfenden Schnee führten ihn den Hof eines Wohngebietes. Eine ringförmige Straße verband ein gutes halbes Dutzend Plattenbauten die in der Mitte wohl mal von einem Park gekrönt wurden. Heute ist da nur eine verschneite Fläche mit einem zerstörten und verrosteten Klettergerüst. Er stellte sich vor wie dort mal Kinder gespielt haben müssten, hörte das Lachen fast schon in seinen Ohren. Doch zu seinem Besten wendete er sich ab. Das Mondlicht beleuchtete die Straße die aus dem Komplex führte. Die Entscheidung welchen Weg er zu dem Schauplatz der Schüsse nahm war also offensichtlich.

Langsam offenbarte sich ihm die Quelle der Schüsse: Auf einem großen gepflasterten Platz, umgeben von Gebäuden die wohl mal öffentliche Einrichtungen waren, heute aber nicht mehr als Beton-Ruinen stand eine schmale Person einsam an einem Pfahl gebunden, offensichtlich zum Sterben zurückgelassen. Schon aus Instinkte nährte er sich langsam durch den Schnee stapfend der Person bis er auf einmal stockte. Es war eine Frau, eher ein Mädchen doch was ihn viel stutziger machte und ihm Grund gab zu überdenken ihr zu helfen war, dass sie eine graue Hose trug die ohne zweifel zur Uniform der Frontsoldaten des Reiches gehörte. Da hing also eine frische Soldatin des Reiches zum sterben an einem Pfahl... „Ach verdammt.“, verfluchte Dimi sein gewissen leise als er sich dazu entschied ihr zu helfen.

Je weiter er sich über den großen leeren Platz tastete, der im Mondlicht gespenstisch scheinte, desto klarer wurde ihm was die Schüsse waren. Jemand hatte sie zurückgelassen, schoss in die Luft um jene Bestien anzulocken die normalerweise jetzt in ihren Nestern sitzen. Und mit jedem Schritt stieg das bedrohliche Gefühl dass sie bereits da waren, sie anstarrten und auf eine günstige Gelegenheit warteten. Schreckhaft zitterten seine Augen durch die zerstörten Gebäude die den Platz umgaben. Überall vermochte er Bewegung wahrnehmen, überall diese Dinger in den Ruinen springen zu sehen. Ein Zucken erfasste ihn, jedes verdammte mal wenn er den Schnee unter sich nachgeben hörte. Das Heulen der Rudel von Dingern, die die Leute die die alte Welt noch kannten als 'mutierte Wölfe' betitelten, erschauderte ihn. Das war zu viel! Er wollte sich doch um Himmels Willen nicht in den Freitod stürzen! Dmitry war kein schlechter Mensch, aber auch kein Idiot, also wendete er sich wieder ab, es war Zeit zur Kusnezki Most gehen.. Doch den Gedanken musste er verwerfen, denn das einzige was er in den dunklen Schatten seines Rückwegs erkennen konnte waren Augenpaare die ihn gierig anstarrten. Gierig auf das Fleisch der letzten Menschen. Ein Knurren nährte sich ihm, der Schnee knirschte bedrohlich im Schatten und als er meinte die Silhouette eines dieser vierbeinigen Biester zu erkennen, stürzte er sich in die Gegenrichtung, zurück zur verletzten Gestalt und mitten auf den riesigen, ungeschützten Platz. Es war eine unermesslich blöde Idee denn nun war er eingekreist... aber immerhin konnte er heraus finden wer dieses Mädchen am Pfahl war.

Nun musste er wohl versuchen ihr zu helfen, eine große Wahl hatte er nun nicht mehr, eingepfercht auf dem Platz der langsam von den dunklen Gestalten umkreist wird. Knurren, Fauchen und Jaulen waren das einzige was er in dieser klaren Mondnacht mit Sicherheit wahrnahm. Überall unpräzise Silhouetten und bedrohliche Bewegungen. Das Knirschen des Schnees wurde immer lauter und immer panischer rannte er auf den Pfahl zu. Ein Licht am Boden! Kaum war er in Sichtweite der Quelle bestätigte sich seine Hoffnung: Eine Öllampe! Wer auch immer diese Lampe da ließ, wollte wohl dass sie leuchtet wie ein Fleischspieß über dem Feuer. Noch etwa zwanzig Meter bis zu der kleinen Plattform auf der der Pfahl aufgesteckt war. Um den Pfahl herum fanden sich hüfthohe Holzplatten und ein paar Holzspieße die nach Außen hin um Boden steckten. Es war also mal ein Spähposten, ein Lager, was auch immer. Aber wieso ließen Stalker ein Mädchen des Reiches einfach hier? Oder waren es die Roten der Ljubjanka? Das tat nur leider nichts mehr zur Sache. Das einzige was jetzt noch blieb war ein dummer, dummer Plan die Dinger die ihn zum Abendessen erjagen wollten wenigstens zeitweise auf Abstand zu halten.

Das Holz der ehemaligen Barrikaden war hoffentlich nicht zu nass? Er überzeugte sich in dem er es beim Vorbeilaufen schnell abtastete: Kalt, aber nicht nass. Einen der Spieße, eher sogar noch Speere, packte er sich und zog ihn im sauberen Ruck aus der Erde. Verdammt war der kalt! Die Öllampe am Fuße des Mädchens, dem er gerade wo das Adrenalin durch seinen gesamten Kreislauf pumpt keine Beachtung schenkte, wurde gepackt und gerade als er meinte im Augenwinkel zu sehen wie eins dieser Biester sich zu einem Sprung in Dmitrys Nacken bereit machte warf er die Lampe mit einem Ruck gegen eine der Barrikaden. Sofort sprang er einen Satz nach hinten um nicht auch vom brennenden Öl getroffen zu werden, dass sich zerstörerisch und wütend seinen Weg zu allem brennbaren bahnte auf dass es spritzen und tropfen konnte. Kaum hatte er sich versehen, da brannten bereits alle Barrikaden und Spieße um sie herum. Perfekt .. und jetzt? Saßen er und .. wer auch immer .. in einem Feuerkreis fest auf dessen anderer Seite diese Dinger … Moment, wo waren sie hin? Krochen sie gerade wirklich zurück?! Tatsache.. diese nachtaktiven Biester scheinen Licht und Feuer zu hassen!

Die zündende Idee kam nur wenige Sekunden später. Sein Rucksack wurde fachmännisch.. auf den Boden geworfen und sofort begann Dmitry an den Taschen herumzufummeln. Er verschwendete gerade mit seinem Plan bare Patronen, aber einen anderen Weg gab es nicht! Er zog ein Shirt, dass er eigentlich eingekauft hatte um es entlang der Roten Linie zu verschachern, aus dem Rucksack und wickelte es um den Spieß – Vorbereitungen abgeschlossen. Nun konnte er sich um das Mädchen kümmern... die keinen Filter drin hatte! Oh nein, oh nein, das konnte böse enden. Der immernoch liegende Rucksack wurde ein weiteres mal herangezogen um dort aus einer kleinen Büchse mit sechs Fächern einen Filter herauszuholen. Toll, jetzt konnte er nur noch ein unvollständiges Paket verkaufen. „Jerpt Wozmi! Du wirst mir das alles zurückzahlen!“, schnauzte und fluchte er vor sich her, das offensichtlich bewusstlose Mädchen konnte ihn ohnehin nicht hören. Der Händler streckte beide Hände zu ihr herauf, mit einem prüfte er den Puls – noch okay – mit dem anderen schraubte er ihr kurz darauf den Filter ein. Direkt darauf begann er sie abzutasten, irgendwas zu suchen, ein Messer, irgend eine Art von Klinge um die Fesseln zu lösen, die wohl nur aus einem Strick bestanden, so fühlte es sich jedenfalls an. Wäre sie wach, wäre die Art wie er das junge Mädchen, vielleicht neunzehn, zwanzig, etwa so alt wie er .. wobei etwas jünger vielleicht, abtastete, wohl ein Akt der Belästigung, aber jetzt musste er .. ah, da ist ja was! In einer Seitentasche an der Hose, auf Kniehöhe, erfüllte er etwas hartes. Schnell griff er rein und siehe da: Ein Kampfmesser. Wahrscheinlich von Puschkinskaja' Fertigung. Die schlichte Klinge glänzte im Mondschein, und das obwohl noch Flecken von getrocknetem Blut hier und da waren. Geschickt trennte er die Fesseln... und ließ sie abrupt auf den Boden fallen, und das nicht einmal sonderlich elegant. Sie aufwecken konnte man wohl vorerst nicht, auch wenn kleiner Rauch der aus der Maske aufstieg zeigte, dass sie noch atmete. Sie ziehen wäre wohl nicht so intelligent, wenn er durch den Schnee nicht sehen konnte wie der Boden aussah. Dann musste er sie also über die Schulter werfen .. Der Rucksack wurde wieder übergezogen und er begann das Mädchen mit der Punkerjacke voll von irgendwelchen Aufnähern und gewollten Löchern und mit der Reichshose über seine Schulter zu wuchten. Ein seltsames Bild was man hatte wenn man sie so ansah, sie passte so gar nicht zum Reich. Immerhin sahen ihre Haare im Schein des Feuers komplett Rot aus, fraglich ob es nur braun war oder sie tatsächlich teures Färbemittel drin hatte. Das Messer landete in seiner Tasche, sicherheitshalber.

Und nun wurde es spannend. Den Spieß wuchtete er mit der freien Hand hoch und zündete ihn an den Flammen um ihn an. Jetzt hatte er eine große, hoffentlich gefährliche Fackel in der Hand. Mit der und dem Mädchen ging er nun heraus aus dem schützenden Feuerkreis. Weit holte er mit ihr aus und schwenkte sie vor sich her, auf seinem Marsch in Richtung seines Zieles. Zwischen den Gebäuden die den Platz umgaben fanden sich immer wieder kleinere Durchgänge. Um ihn fauchten und knurrten die Biester aggressiv, waren so nah dass Dmitry ihr Fell wehen und die Augen böse funkeln sehen konnte. Die Flamme der provisorischen Fackel wollte fliehen und ersterben, offensichtlich brannte das Shirt dass er geopfert hatte zu gut. Mit einer erzwungenen Coolness suchten seine Augen nach einem Durchgang... Da! Wenn er seinem Weg folgen würde, würde er im Durchgang abbiegen und in ein Haus herein können. Die Tür sah aus als würde sie nur noch locker im Scharnier hängen, nichts also was sich nicht auftreten lassen würde, und genau das tat er jetzt.

Kaum war er drin ließ er das Mädchen ab und suchte etwas um die Tür zu blockieren. Er fand sich in einem Vorraum eines mehrstöckigen Wohnhauses wieder. Die obersten Geschosse waren zerstört, die unteren zwei, drei allerdings noch gut erhalten. Im Vorraum, der wohl ein Treppenhaus gewesen war, lagen überall herabgestürzte Balken und ein Loch im Dach weit über ihm gab Aufschluss woher die Balken stammen. Jetzt war es ihm allerdings mehr als völlig egal, er griff sich einfach einen und brachte all seine Kraft darauf den Balken quer vor die Tür zu bringen, mit Erfolg. Ein zweiter folgte doch beim dritten Balken verließ ihn die Kraft. Die Tür war ausreichend zu, also ließ er sich müde und unter schwerem Atem an die Wand mit ihrem abgestrichenen Putz sinken...
Das Adrenalin ließ nach, und das Kratzen an der Tür begann zu verstummen. Langsam fing sich Dmitry wieder und sah herüber zu dem Mädchen dass er neben der Tür abgelegt hatte. Zeit einen ordentlichen Schlafplatz bis zum Morgen zu errichten, den heute Nacht kamen sie nicht mehr weg, soviel stand fest.

Wieder ließ er seinen Rucksack von den Schultern reißen, kramte nach seiner Taschenlampe und wurde fündig. Ein kleines Modell dass allerdings wohl vergleichbar mit früheren Top-Marken gewesen sein würde. „Klein aber Oho.“, würde man da wohl sagen. Dmitry schob sich von der Wand hoch und aktivierte die Lampe, die sofort einen penetranten Strahl absonderte. Es war klar, dass er die unterste Etage außen vor ließ, die Fenster waren einfach zu niedrig. Und so stapfte er direkt durch die Trümmer hoch zum Zugang der zweiten Etage. Es waren wohl separierte Wohnungen, den die Tür besaß ein Loch für einen Türspion, den man sich wohl irgendwann aufgrund des Wertes von Vergrößerungsgläsern geschnappt hatte. Mit dem Messer von ihr versuchte er schließlich die Tür aufzuhebeln und nach einigen Stößen mit seiner Schulter gab sie tatsächlich nach.

Ihm entgegen kam etwas, dass Dmitry an Familienfotos erinnert, die er hin und wieder in der Metro sieht: Eine drei-generationen-Familie vor kitschigen Blumen-Tapeten in einem Raum voller alter, kunstfertiger Möbel. Im Schrank entdeckte er einige Teller durch Glastüren hindurch. Haben hier vielleicht Sammler gewohnt? Das war ihm aus einem guten Grund egal: Ein Sofa! Einmal nahm er sich kurz die Zeit Probe zu sitzen. Schwer fiel es ihm wieder aufzustehen, spürte man so eine Gemütlichkeit als reisender Händler nur selten. Die Tür die zum Schlafzimmer führen würde ließ sich nicht öffnet, scheinbar war Schutt oder eine andere Barrikade dahinter. Das sollte ihn aber nicht weiter stören, immerhin war der Teppichboden gemütlich genug hier zu rasten. Sein Rucksack und die kleine waren hier also schnell hoch gebracht, in einen Raum mit Sofa, Sessel, Schrank, einem Kaffeetisch und einigen kitschigen Sammelstücken überall. Ein Fenster gab es, und das hatte sogar noch Glas! Die Schlafmatte die an der Oberseite seines Rucksacks befestigt war zog er hervor, das Zelt an der Unterseite ließ er an Ort und Stelle am Rucksack. Die Matte wurde ausgebreitet und er lag kurz Probe bevor er sich aufrichtete und es dem Mädchen auf dem Sofa gemütlich machte. Nun lag sie also da .. kaum auszumalen was Soldaten einer jeden Partei mit diesem hilflosen Ding gemacht hätten wenn sie sie gefunden hätten. Bücher über den zweiten Weltkrieg hatte er ja genug gelesen. Dmitrys Rucksack wurde kurzerhand für ihn als Kissen genommen. Das Messer legte er am Kaffeetisch in der Mitte des Raumes ab und dann legte er sich hin. Das Licht, dass zwischenzeitlich ebenso auf dem Tisch gelandet war wurde ausgeschaltet. Im Liegen zog er die abgenutzten Vorhänge des Fensters zu. Legenden berichten davon wie Metrobewohner vom bloßen Sehen des Tageslichtes blind  wurden, drauf ankommen lassen, wollte er es also nicht. Und dann schlief er ein...


:Anmerkungen

Karte der Rus. Metro (Gluhkovskys Metro 2033): http://goo.gl/Wwq1a3