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Love The Life

von irish
Kurzbeschreibung
OneshotLiebesgeschichte / P16 / Gen
Saeko Busujima Takashi Komuro
21.06.2016
21.06.2016
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Love The Life


Hell dringen die ersten, zarten Sonnenstrahlen durch die schweren, dunklen, bodenlangen Vorhänge. Nur halb hatte ich diese geschlossen, zu müde war ich, um das Licht des Tages gänzlich aus diesem Zimmer zu verbannen. Leichter Wind spielt mit den schneeweißen Gardinen. Mir gefällt der Anblick, obschon mich der Schlaf noch immer in seinen sanften Händen hält. Dass ich überhaupt daran denken kann, Ruhe zu finden, erschreckt mich beinahe. Ebenso die murmelnden Geräusche neben mir.
Abrupt reiße ich die Augen auf und versuche zu bestimmen, wem diese Laute entkommen.
Takashi, unweigerlich zieht sich mein Herz zusammen. Dass sich meine Wangen färben, spüre ich sofort. Warum er immer noch bei mir ist, weiß ich nicht. Nur vage kann ich mich entsinnen, was gestern geschah.  

Seit der Apokalypse sind viele Tage ins Land gegangen. Flucht, Furcht und Angst sind allgegenwärtig, ebenso die Sorge um die Familien, die wenigen Überlebenden und ob überhaupt noch irgendjemand, außer uns, dort draußen ist. Tagein, Tagaus rennen und kämpfen wir. Räumen diese Bestien aus dem Weg, die diese Stadt, nein, die ganze Nation in ihrer Gewalt haben. Ein Virus, so grausam und schrecklich, ist über uns hereingebrochen, hat Freunde in Monster verwandelt, geliebte Menschen dem lebenden Tod ausgesetzt.
Ein Zittern überfällt mich, doch ich bin tapfer.
Meine Kameraden und ich stellen uns diesen lechzenden, beißenden, mörderischen Kreaturen.
Zombies ...
Wer hat schon ahnen können, dass es solche Wesen wirklich gibt? Wer hat ahnen können, dass ein solcher Krankheitserreger, der unweigerlich über uns kam, eine solche Wirkung hervorbringt? Wer hat ahnen können, dass unsere Armee gerade einmal aus ein paar Seelen besteht, die nach besten Kräften versucht, ihre Haut zu retten?
Wir nicht.
Zu klein ist das Vorstellungsvermögen der Menschen, dass eine solche Katastrophe Wirklichkeit werden kann. Zu klein der Verstand, jenen vorherrschenden Umstand zu begreifen. Und zu klein der Wunsch, dass es nie und nimmer geschehen ist! Der Mut fehlt. Er schwindet und zurück bleibt Trostlosigkeit.  

Mein Blick gleitet zu dem Jungen, der neben mir liegt. Sanft fallen ihm Strähnen seines dunklen Haares ins Gesicht. Takashi wirkt so jung, so sorglos, kindlich fast. Es ist kaum vorstellbar, dass er einer der zähesten, widerstandsfähigsten Menschen ist, die mir je begegnet sind. Er imponiert mir, sehr sogar.
Ich sollte mich beruhigen und mich in den Zustand der träumerischen Leichtigkeit zurückversetzen, in der ich mich bis vor wenigen Wimpernschlägen noch befand, doch es gelingt mir nicht. Nicht, wenn er mir so nahe ist.
Mein Herz schlägt, es trommelt so laut, dass ich glaube, Takashi würde von dem stetigen Pochen aufwachen. Doch ich möchte ihn nicht aus seinem Schlaf holen. Viel zu sehr gefällt mir der Anblick, der sich mir bietet. Ich schlucke, denn ich habe nicht das Recht, mir diesen Genuss zu gönnen.
Rei, Takashis Freundin aus Kindertagen, würde es nicht gefallen, wenn sie uns zusammen in einem Bett erwischt. Ganz und gar nicht. Und auf Zickenkrieg, gerade in dieser heiklen, grausamen Zeit, kann ich gut und gerne verzichten.
Und trotzdem ...
Er liegt neben mir, friedlich, ohne jegliche Brutalität. Doch wer bin ich schon, ihm solch böses Verhalten zu unterstellen? Ich ... habe ihm mein Innerstes gezeigt, habe mich entblößt und ihm verdeutlicht, dass meine Beherrschung nur ein Schutzwall ist, der sich nur allzu leicht niederreißen lässt.
Es gefällt mir, zu reizen, zu provozieren. Ich genieße es bis zum Äußersten zu gehen um dann zuzuschlagen. Diesen Monstern gehört Einhalt geboten! Sie zu zerstören, zu vernichten, schickt ein Kribbeln durch meinen Körper. Ekstatisch wallt die Lust am Töten in mir auf. Ich bin gefangen in dem Drang, mein Mordbegehren zu befriedigen, zu beweisen, dass ich stark bin, dass ich nicht unterliege!
Takashi hat es gesehen, und doch hat er es akzeptiert. Er sah, was jenes Gefühl mit mir macht. Wie es mich verändert, wie es mich berauscht, mich für sich einnimmt, sodass ich vor aggressivem Hunger vergehen kann. Allein bei der Erinnerung an gestern Nacht und dem frühen Morgen beginnt alles in mir zu zittern.
Beinahe hätten sie uns getötet, ausgelöscht. Dann wären wir zu ebensolchen, verrottenden Kreaturen geworden, die torkelnd, schwankend durch die Straßen ziehen, um auch noch das letzte Bisschen Leben abzunagen, das hier noch zu finden ist.

»Saeko?« Rau und kratzig schlüpft mein Name von seinen Lippen. Das Kribbeln, das durch meinen Körper pulsiert, scheint eine Art magischen Wandel zu vollziehen. Und obschon das Pochen so energisch durch meinen Leib hallt, ist es anders, sanfter. Es tritt mit meinem schlagenden Herzen in einen Wettstreit.
Ein Zucken durchfährt mich, als ich seine Fingerspitzen auf meiner Wange fühle. Behutsam streicht Takashi über mein Gesicht. Etwas seltsam ist mir schon zumute. Diese ... simple Berührung genügt, um einen Funken in meinem Innern zu entfachen. Das leise, kleine Glimmen schwillt mit jedem, wunderbaren Streicheln zu einem hungrig lodernden Feuer. Es wächst, gedeiht, nährt sich von meiner Angst, ihm zu verfallen. Es frisst sich durch mich hindurch und mit einem Mal habe ich die Vermutung, dass das Virus einen ähnlichen Effekt bei jenen monströsen Wesen haben muss, die als Untote fortan ihr Dasein fristen.    
Hart schlucke ich an dem Kloß in meiner Kehle und hoffe, dass es ihm verborgen bleibt. Ruhe ist in dieser Zeit fast schon ein rares Gut, das bewahrt und beschützt werden will. Ich schließe die Augen und hoffe, dass meine Lippen ihm schon zeigen, wie sehr es mir gefällt, so von ihm beachtet zu werden.
Die Matratze knarzt unter seiner Last, als Takashi mir näher kommt. Ich spüre seine Wärme. Als seine Finger um mein Kinn herum streichen und er sie um meine andere Wange schmiegt, bleibt mir fast das Herz stehen.
»Taka ...«, kann ich gerade noch vorbringen, ehe ich auch schon seine Lippen auf meinem Mund spüre. Leicht, wie Federn, zaghaft, beinahe schüchtern, und doch hat er mich. Es überrascht mich, wie leicht ich mich von ihm überrumpeln lasse, dass ich es zulassen kann, das er durch diese zarte Berührung das Feuer in meinem Innern schürt.
Wir beide sind uns darüber im Klaren, dass, sollten wir dieses kleine Spiel vertiefen, einander in einem Zustand der Schwebe, der Rohheit begegnen. Die Gegensätze könnten nicht gravierender sein, und doch geben wir einander mehr, als wir uns eingestehen können.
Die Regeln sind definiert, deutlich und unumstößlich. Gefühle würden uns unter sich begraben und das fragile Gebilde unserer Gemeinschaft würde zu zerbrechen drohen. Eine Gratwanderung. Ein Balanceakt. Ein Tanz auf einem Seil, dessen Enden zum Reißen gespannt sind.
Ein leises Seufzen entkommt mir. Behutsam, zärtlich fast, drückt er mich in Kissen und Laken und bleibt jedoch bemüht, mich nicht mit der Last seines Körpers zu erdrücken.

Als ich zu ihm aufschaue, muss ich unwillkürlich schlucken. Sein Blick hat etwas beruhigendes, dennoch komme ich nicht umhin zu bemerken, dass der leichter Schleier, der das sanfte braun noch eben umspielte, fort ist. Etwas Hungriges zeigt sich in der Intensität, ein Funkeln, das düster und lodernd ist vor Verheißung und Gier.
Takashi ist für mich der einzige Grund, am Leben zu bleiben. Und solang er noch atmet, werde ich es auch tun.
Ein Gedanke, der mich erschreckt und zugleich heiß durch meinen Leib rauscht. Wieder spüre ich, wie sich meine Wangen färben, doch auch ihm scheint es ähnlich zu ergehen. Ich weiß nicht, was in ihm durch den Kopf geistert, welche Ideen ihn umtreiben. Vielleicht ein neuer Schlachtplan, oder wo wir noch mehr Waffen finden, um mehr Menschen, sofern sie noch existieren, zu retten.
»Saeko«, haucht er und ein Kribbeln setzte unweigerlich ein. Mein Körper reagiert auf ihn, ist sensibilisiert, knistert.
Takashi gräbt seine Knie links und rechts neben mir ins Laken, ehe ich seine Finger erneut auf meinen entflammten Wangen bemerke. Der Kuss kommt schnell, und doch habe ich ihn herbei gesehnt. Seufzend ergebe ich mich ihm, wehre mich nicht, denn bei Takashi bin ich in Sicherheit. Mein Herz droht beinahe zu zerspringen, sobald seine Zunge über meine Lippen fährt und mich stumm, aber energisch um Einlass bittet. Ich schlinge ihm die Arme um den Hals und verschränke meine Finger in seinem Nacken, während ich den Jungen näher zu mir herunter ziehe.
Das Grinsen auf seinem Mund spüre ich deutlich, dennoch lässt Takashi es geschehen. Mutig schickt er seine kundigen Hände auf Wanderschaft, gleitet sanft über meinen Hals hinab zum Schlüsselbein, ehe er abrupt nach der Wölbung meiner Brüste greift. Schmerz durchzuckt mich, doch ich spüre bereits die Erregung in mir, die sich durch sein Tun nur noch mehrt. Ein Keuchen entwindet sich meinen Lippen.  
»Takashi«, wimmere ich und kralle meine Finger in sein Haar, was mir ein Brummen seinerseits einbringt. Jenem Laut folgend, verlässt mich sein Mund plötzlich, nur damit ich die Weichheit an meinem Hals wiederfinde.
Ein Stöhnen dringt aus mir heraus, doch ich muss mich zügeln, bremsen, denn auf ungebetenen Besuch hat es wohl niemand von uns abgesehen. Schmerzhaft graben sich meine Zähne in die Unterlippe, als ich dem Versuch erliege, jene Geräusche einzudämmen.
»Spürst du das?«, nuschelt er an meinem Hals und ich habe wahrlich Mühe, ihn durch das Chaos in mir zu verstehen. Jedoch lässt mich der feste Griff um meine Brüste sehr wohl begreifen. Seine Finger reizen mich, streicheln und packen nach dem üppigen Fleisch, das sich ihm bietet. »Lebe, Sakeo, hörst du? Lebe!«
Dumpf dringt seine Forderung durch den Vorhang der Lust, der mich umschmeichelt. Doch die Worte konnten verlangender nicht sein. Immer wieder ruft er mir ins Gedächtnis, dass das Leben das kostbarste und wertvollste ist, was uns bleibt.
Meine Knie erfasst ein Zittern, das sich wellenartig in mir ausbreitet. Ja, ich lebe. Ich fühle es deutlich in mir.
»Nicht ...«, schlucke ich, »nicht ohne dich!«
Doch meine brüchigen Silben bringen mir nur ein Schnauben ein.
»Oh, doch!«, beinahe klingt es wie eine Drohung, als jene Worte aus seiner Kehle brechen. »Oh, doch!«
Schmerzhaft verziehe ich das Gesicht. Takashis Finger sind unerbittlich. Rüde greife ich nach seinen Handgelenken und zwinge mich, ihn anzusehen. Doch statt von mir abzulassen, behält er den Druck bei.
»Wenn dich nur der Schmerz am Leben hält ...«, raunt er und hebt den Blick. Sein Gesicht zeigt nicht die kleinste Regung. Einzig der Schimmer auf seinen Wangen und die geschwollenen Lippen verraten, dass ihn unser morgendliches Treiben nicht unberührt lässt.
»Schmerz ist ... eine seltsame Sache, findest du nicht?«, sinniert Takashi. »Er kann zerstörerisch sein, und doch ... heilen, retten.«
Wachsam verharre ich unter ihm, meine Finger noch immer um seine Handgelenke geschlossen. Er weiß, dass ich es mir ein Leichtes wäre, ihn hier und jetzt zu überwältigen.
»Genieße das, was du noch hast. Genieße das, was uns bleibt«, murmelt er, beugt sich erneut zu mir herab und bettet seine Lippen auf meinen Mund. Der Druck schwindet, ebenso die Last, doch ein Rest Leid bleibt zurück.

Wieder überfällt mich ein Zittern. Doch ich bin tapfer, mutig und voller Hoffnung, dass wir nicht die Einzigen sind, die sich diesem Chaos stellen. Kummer und Qual werden stets unsere Begleiter sein, doch wir werden siegen! Wir werden leben!
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