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Wendepunkt

von Francy002
OneshotDrama / P12
Claire Zachanassian / Klara Wäscher
20.06.2016
20.06.2016
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424
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Dieses Kapitel
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20.06.2016 424
 
Hey

Ich muss wirklich verrückt sein, in diesem Fandom freiwillig einen OneShot zu schreiben (Es war keine Deutschhausaufgabe, ich hatte selbst die Idee und habe es umgesetzt)

Wir haben das Buch in Deutsch gelesen und ich finde es ziemlich gut und die Person Claire Zachanassian ziemlich interessant. Deshalb dachte ich, ich schreibe mal einen OneShot aus ihrer Sicht

Viel Spaß



Mein Leben war vorbei.
Das wusste ich in dem Moment, in dem ich keuchend mit meinem Koffer in diesen Zug stieg. Damals hätten ein Dutzend Männer mir hineingeholfen, mein Gepäck getragen, aber diese Zeiten waren vorbei. Jetzt waren die Zeiten angebrochen, in denen man mit dem Finger auf mich zeigte und lachte, mich eine Hure schimpfte.
Zum Leben brauchte man nicht nur einen gesunden Körper. Man braucht ebenso Hoffnung, Hoffnung, die mir schon lange genommen worden war. Von Alfred, den ich einst liebte, und dessen verrat mich so hart getroffen hatte. Er ging jetzt mit Marthilde Blumhard, hatte mich einfach eingetauscht gegen etwas Besseres.
Mein Ruf war zerstört, und sie hatte Geld.
Wie konnte ich nur jemals glauben, dass er mich tatsächlich liebte? Ich wäre mit ihm durch die schlimmsten Zeiten gegangen, hätte alles mit ihm durchgestanden, egal, was gekommen wäre, ich hätte ihn nie verlassen, hätte immer hinter ihm gestanden. Und er ließ mich fallen beim kleinsten Anzeichen von Schwierigkeit.
Es war kalt, bitterkalt. Die Kälte betäubte meinen Körper, ließ mich erschaudern, zittern. Mein Rücken schmerzte. Jeder Muskel meines Körpers tat weh.
Aber die körperlichen Schmerzen waren nichts im Gegensatz zu denen in meinem Innern.
Der Verrat von Alfred hatte mir alles genommen. Es gab einmal eine Zeit, da glaubte ich an die Liebe, und an die von Alfred ganz besonders. Nach allem, was wir erlebt hatten, im Konradsweiler Wald, in der der Peterschen Scheune, in der Schlafkammer der Witwe Boll. Bedeutete ihm das nichts? Bedeute ich ihm nichts?
Ich hatte das nie kommen sehen. Ich dachte, was wir hatten, das wäre für immer. Offensichtlich hatte ich mich getäuscht. Man konnte wohl wirklich niemandem vertrauen. Ich hatte gelernt. Vertrauen war eine Schwäche, und egal, wohin ich jetzt gehen würde, ich würde nicht vertrauen. Ich würde nicht schon wieder verlieren. Der Stärkste überlebte, und ich war schwach gewesen, aber das würde ich jetzt nicht mehr sein.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit, seit einer gefühlten Ewigkeit, glomm Hoffnung in mir auf. Als ich durch die Eisblumen am Fenster die Petersche Scheune sah, Ill und mich, und seinen Verrat.
Da hoffte ich, dass ich wenigstens lange genug leben würde, um mich zu rächen.
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