Apfelbaum

SongficRomanze / P12 Slash
20.06.2016
20.06.2016
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Da ich Dame jetzt schon seit fast 4 Jahren höre, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich die erste Fanfiction über ihn schreiben musste. Weil das ein neues Fandom ist, sage ich es einfach nochmal: Das hier ist nur ausgedacht, fiktiv und in keinster Weise irgendwie böse gemeint. Aber... Dame, Appletree... falls ihr das hier lesen solltet: schließt diese Seite, solange ihr noch könnt! :D

Das Lied (bzw. nur die Hook davon), zu dem ich diese Songfic geschrieben habe, ist "Gemüsebeet" von Dame höchstpersönlich, was das Ganze irgendwie besonders witzig macht. Wer dieses Lied weiterhin ohne Shipping-Gedanken hören will, sollte jetzt nicht weiterlesen.

~~ Apfelbaum ~~


Ich hab gesagt, ich hab 'nen Traum
Irgendwann steht vor meinen Haus ein Apfelbaum


Mit einem Lächeln strich Dame über das Foto. Er mochte dieses glatte Gefühl unter seinen Fingerspitzen. Aber noch mehr mochte er das Motiv. Er und Stefan – besser bekannt als Appletree – in der Rockhouse Bar in Salzburg. Dabei war das Foto nicht einmal besonders gut. Die Belichtung war schlecht, das Bild etwas verwackelt und die beiden jungen Männer darauf zeigten sich auch nicht gerade von ihrer Schokoladenseite. Aber sie strahlten und es war das älteste Foto, das Dame von ihnen beiden hatte. Er erinnerte sich noch gut an diesen verrückten Abend.

Da waren sie noch nur Kumpel gewesen. Zwei Kerle, die einfach Spaß an Hiphop hatten und darüber irgendwie ins Gespräch gekommen waren. Und sie hatten sich auf Anhieb so gut verstanden, dass sie versprachen, in Kontakt zu bleiben. Sie schrieben sich, sie telefonierten, sie gingen ab und zu feiern, so wie an dem Abend, von dem das Foto stammte. Die Gefühle hatten sich erst allmählich in diese Freundschaft eingeschlichen. Monatelang hatte Dame es gar nicht bemerkt... oder nicht bemerken wollen. Bis es sich irgendwann nicht mehr leugnen ließ.

Er war nicht schwul. Ein Satz, der in den kommenden Wochen beständig durch Dames Kopf geistern sollte. Eigentlich jedes Mal, wenn er an Stefan dachte und dieser Gedanke etwas in ihm auslöste. Also immer. Krampfhaft versuchte er sich nichts anmerken zu lassen.

Stefan dagegen schien überhaupt keine Probleme damit zu haben, dass man ihn für schwul halten konnte. Er garnierte seine Textnachrichten mit kleinen Herzchen, wann immer ihm danach war, und auch Komplimente an andere Kerle waren bei ihm keine Seltenheit. Irgendwann, nach dem fünften oder sechsten Bier, hatte Dame ihn mal darauf angesprochen. Stefan hatte nur mit den Schultern gezuckt und grinsend gemeint, dass er halt bi sei.

Diese unbekümmerte Offenheit, mit der er das sagte, hatte Dame so überrumpelt, dass er einfach nur nickte und nach dem nächsten Schluck Bier das Thema wechselte, obwohl ihm tausend Fragen auf der Zunge lagen. Diese runtergeschluckten Fragen leisteten den Schmetterlingen in seinen Magen Gesellschaft.

Vielleicht gingen die Leute in und aus Wien damit einfach lockerer um. Im Vergleich zu dieser Millionenstadt war Salzburg nur ein verschlafenes Nest. Wenn zwei Männer oder zwei Frauen Hand in Hand über den Mozartplatz liefen, dann sorgte das schon für Stirnrunzeln. Dennoch kam Dame nicht umhin, den beiden Männern in seiner Vorstellung Stefans und sein Gesicht zu verpassen. Und das ließ ihn lächeln.

Es war mein Traum
Und heute sind sie alle erstaunt
Denn seine Äste reichen bis über den Gartenzaun


Bis diese Vorstellung Wirklichkeit geworden war, hatte es noch einige Wochen und auch einiges an Alkohol gebraucht. Aber irgendwann an einem Abend im Frühling hatte sich Dame so viel Mut angetrunken, dass er begann, auf Stefans Flirten einzugehen. Die Sprüche wurden erst immer lächerlicher, dann immer zweideutiger und schließlich eindeutiger, bis es in einer dunklen Ecke des Clubs zu einem ersten, ungeschickten Kuss kam. Es sollte nicht bei einem bleiben.

Stefans Freundeskreis reagierte kein bisschen überrascht, als er verkündete, dass er einen Freund hatte. Bei Dame dafür umso mehr. Aber so wie Dame eine Weile gebraucht hatte, um seine Gefühle für Stefan zu akzeptieren, gewöhnten sich auch seine Freunde irgendwann daran.

Die gemeinsamen Freunde, die Stefan auch als Appletree kannten, nahmen die Beziehung als Anlass für zahlreiche Wortspiele, die Dame oft seufzend über sich ergehen lassen musste. Dass nun ein Apfelbaum seine Äste bis über Dames Gartenzaun streckte, gehörte noch zu den harmloseren Sprüchen. Und die Frage, ob er Apfelsaft mochte, ignorierte Dame irgendwann komplett.

Lächelnd legte Dame das Foto zurück in die Schublade. Inzwischen hatten sich alle daran gewöhnt, dass der Mensch an seiner Seite nun mal ein Mann war. Wobei das „an seiner Seite“ ein dehnbarer Begriff war, denn Stefan wohnte immer noch in Wien, während Dame weiterhin in Salzburg lebte. Rund 300 Kilometer, die sie trennten, wenn sie nicht gerade zusammen auf Tour waren oder sich gegenseitig besuchten.

Und genau das hatte Dame an diesem Tag vor. Zugegeben, er verband das Angenehme mit dem Nützlichen, denn er war für den Amadeus Award nominiert und musste deswegen so oder so nach Wien fahren. Dann konnte er aber auch gleich ein paar Tage mit Stefan verbringen, wenn er schon mal dort war.

Stefan hatte versprochen, ihn am Bahnhof abzuholen und genau das tat er auch. Dame schnaufte zufrieden gegen Stefans Schulter, als sie sich endlich wieder in die Arme schließen konnten.

„Schick siehst du aus“, meinte Stefan anerkennend, als er sich aus der Umarmung löste und Dame von oben bis unten betrachtete. Eine helle Stoffhose, ein blaues Hemd und eine dunkle Jacke; eigentlich nichts Besonderes für eine Preisverleihung. Aber im Vergleich zu Stefan, der es gerade mal geschafft hatte, seine Lieblingsjogginghose gegen eine normale Jeans einzutauschen, war das wohl schon schick. Noch nicht einmal auf seine Mütze hatte er verzichten können. Dame grinste und wusste mal wieder, warum er Stefan so ins Herz geschlossen hatte.

Ja, ich hab ein Gemüsebeet
Und bin ein Mann, der sein Gemüse pflegt


„Du gehst so?“, fragte Dame trotzdem vorsichtshalber.

„Fast.“ Stefan holte eine Sonnenbrille aus der Jackentasche und setzte sie auf. „Jetzt ist es perfekt.“

Beide lachten und Dame zupfte noch schnell einen Flusen von Stefans Brille, bevor sie sich zusammen auf den Weg machten.

Vor dem Wiener Volkstheater hatte sich schon eine nette Menschenmenge angesammelt. Prominente und weniger Prominente flanierten über den Roten Teppich und Fotografen knipsten alles, was in ihre Richtung lächelte. Dame blieb erst einmal in sicherer Entfernung stehen und beobachtete das Treiben. Das war so überhaupt nicht seine Welt. Wenn Leute ihm bei den Konzerten zujubelten, war das okay; er freute sich, wenn sie seine Musik feierten. Aber dieser Personenkult hatte sich ihm nie so ganz erschlossen.

Zum Glück war der Rote Teppich nicht der einzige Weg, der ins Volkstheater führte. Unauffällig schlenderten die beiden an den Paparazzi vorbei auf den Eingang zu und suchten dann die ihnen zugewiesenen Plätze. Da Stefan Dame nicht nur privat, sondern auch beruflich kannte und für ihn als Tourmanager arbeitete, hatte Dame ihn problemlos als Begleitung für die Preisverleihung angeben können, ohne dass Fragen gestellt wurden. Offenheit in Wien hin oder her, Dame hatte keine Lust, dass seine Beziehung in den Medien oder auf Facebook breitgetreten wurde.

Als Nominierter hatte Dame zwei Plätze im unteren Bereich des Theaters bekommen, so dass er leicht zur Bühne gelangen konnte, falls er tatsächlich gewann. Ob das so war, konnte er schlecht einschätzen. Im letzten Jahr hatte es nicht gereicht. Stefan hingegen war fest davon überzeugt, dass er den Preis abräumen würde.

„Überleg doch mal, wie viele Fans du in Deutschland hast. Die konnten auch alle mit abstimmen“, meinte er gerade wieder, während er sich in seinem Sitz zurücklehnte. Dame zuckte mit den Schultern. Er würde Stefan gerne glauben, aber er wollte sich auch nicht zu viel Hoffnung machen. Die anderen Nominierten waren schließlich auch gut und hatten sicherlich auch treue Fans.

Nach und nach fanden sich auch die anderen Leute auf ihren Plätzen ein und die Preisverleihung begann. Mit jedem verliehenen Preis wurde Dame ein bisschen nervöser. Gerne hätte er nach Stefans Hand gegriffen, aber er wusste, dass überall im Saal Kameras waren, sodass er es lieber sein ließ.

„Und der Amadeus Award in der Kategorie Hiphop/Urban geht an...“ Der Moderator machte eine dramatische Pause. Stefan lehnte sich leicht nach vorne, bereit, sofort aufzuspringen, sobald Dames Name fiel.

„Skero!“, verkündete der Moderator.

Dame stieß die Luft aus, die er unbewusst angehalten hatte, und stimmte in den Applaus mit ein. Eigentlich war er ganz froh, dass sich jetzt nicht dutzende Köpfe zu ihm umwandten. Doch Stefan neben ihm klatschte nur halbherzig und schaute zerknirscht drein.

„He, halb so wild. Dann halt nächstes Jahr“, meinte Dame und tätschelte Stefan den Arm. Es machte ihm wirklich nichts aus, dass er den Preis nicht bekommen hatte. Seinen Wert als Musiker machte er nicht davon abhängig.

Aber selbst nach der Preisverleihung schien sich Stefan immer noch nicht mit dem Gewinner abgefunden zu haben. „Klar, Skero ist nicht schlecht, aber du bist doch um Welten besser“, beschwerte er sich auf dem Rückweg.

„Danke.“ Dame amüsierte dieses frustriert verpackte Kompliment. Irgendwie fand er es süß, dass sich Stefan mehr daran störte als er selber.

„Und noch dazu... wie viele Facebook-Fans hat der? Fünftausend? Da kann doch was nicht stimmen. Der hat bestimmt Bots programmiert, die für ihn abstimmen!“

„Stefan.“ Dame blieb stehen und sah seinem Freund ins Gesicht. „Es ist doch okay. Mir ist egal, wie er gewonnen hat oder warum. Für mich ist es schon eine große Ehre, dass ich überhaupt nominiert war.“

„Aber es wäre halt noch schöner, wenn du den Preis auch gewonnen hättest.“

Dame lachte. „Klar. Aber soll ich jetzt frustriert schmollen? Nein, da genieß ich doch lieber einfach die Zeit mit dir.“

„Manchmal frage ich mich, wie du mit so einer Einstellung überhaupt bekannt werden konntest.“ Stefan schüttelte grinsend den Kopf.

„Glück und Talent“, antwortete Dame ohne zu zögern. „Und vielleicht auch ein guter Tourmanager“, fügte er mit einem Zwinkern hinzu.

„Und trotzdem kann sich dieser Tourmanager immer noch nicht damit brüsten, mit einem Amadeus Award Gewinner geschlafen zu haben.“

„Entweder du begnügst dich mit einem Nominierten, oder ich fahre gleich wieder nach Salzburg.“

„Dann muss ich wohl mit dem zufrieden sein, was ich habe“, seufzte Stefan gespielt und schloss seine Haustür auf, bei der sie inzwischen angekommen waren.

Von früh bis spät
Wird jedes Jahr im Frühling gesät


„Wie lange wolltest du eigentlich bleiben?“, fragte Stefan, während sie in seiner Küche standen und kochten. Oder besser gesagt: Dame kochte und Stefan versuchte dabei nicht im Weg zu stehen.

„Ich dachte so vier Tage vielleicht. Die Rückfahrt hab ich noch nicht gebucht.“ Mit einer geschickten Bewegung wendete Dame das Fleisch in der Pfanne. Es war halt schon praktisch, dass er eigentlich gelernter Koch war.

„Wie wäre es mit einer Woche?“ Das hörbare Grinsen in Stefans Stimme brachte Dame dazu, sich verwundert zu ihm umzudrehen.

„In einer Woche ist...? Oh, verdammt.“ Er ließ den Kopf und die Schultern hängen, während Stefan ihn leise auslachte. Berechtigterweise. Immerhin hatte er ihren Jahrestag vergessen. Nicht dass sie sich da viel draus machten, aber kurz vorher wieder abzureisen wäre schon extrem doof.

„Nur wenn es dir passt“, meinte Stefan beschwichtigend. „Sonst kann ich auch mit nach Salzburg kommen.“

„Nein, passt schon. Ich habe keine Termine, die sich nicht auch verschieben lassen.“ Dame richtete das fertig gebratene Fleisch mit den Beilagen auf zwei Tellern an und drückte Stefan einen davon in die Hand. Sie grinsten sich an. Eigentlich kaum zu glauben, dass sie es schon fast sechs Jahre miteinander aushielten.

~~~~~

Nach dem Essen zockten sie noch eine Weile, aber wirklich konzentriert war Dame nicht. Die Zugfahrt nach Wien und die lange Preisverleihung hatten ihn müde gemacht und das Essen in seinem Magen tat sein Übriges. Dadurch war Stefan ausnahmsweise mal besser als er, was er Dame alle paar Minuten unter die Nase reiben musste.

Irgendwann hatte Dame dann genug und klaute Stefan einfach seine Mütze, um ihn vom Spiel abzulenken. Das war zwar kindisch, aber sonderlich erwachsen verhielt sich Stefan ja auch nicht. Als Folge entbrannte ein kleiner Kampf um die Mütze – erst noch mit den Controllern in der Hand, später dann ohne, dafür mit vollem Körpereinsatz.

Schließlich lag Dame halb auf dem schnaufenden Stefan und hatte dessen Arme so unter sich begraben, dass er nicht an die Mütze dran kam, die Dame sich nun triumphierend auf den Kopf setzte. Jedenfalls versuchte er das. Einhändig war das nämlich nicht so einfach, weshalb die Mütze ihm halb ins Gesicht hing und bei der ersten falschen Bewegung einfach runterfallen würde. Doch das störte ihn in diesem Moment nicht.

„Und jetzt?“, fragte er voller Genugtuung.

Stefan wand sich unter Dame, konnte sich aber nicht befreien, ohne ihn komplett vom Sofa zu schubsen. Also wählte er eine andere Strategie und schenkte Dame einen anzüglichen Blick. „Wie sieht's aus, hast du Lust auf Apfelsaft? Aua, nicht schlagen! Hey, das war eine ernstgemeinte Frage, ich hab welchen im Kühlschrank!“ Lachend versuchte Stefan erneut sich aufzurichten.

„Hast du?“ Dame hob eine Augenbraue und sah Stefan eindringlich an. Braune Augen trafen auf blaue, in denen schon wieder ein unterdrücktes Lachen funkelte.

„Vielleicht...“, antwortete Stefan ausweichend und Dame wusste ganz genau, dass sich in der gesamten Wohnung kein einziger Tropfen Apfelsaft befand.

„Eigentlich hast du das gar nicht verdient“, brummte er, bevor er sich nach unten beugte und Stefan küsste.

Und die Äpfel schmecken süßer denn je

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Für Neugierige: Hier ist ein Foto von den beiden vor dem Amadeus Award.
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