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The Aftermath

GeschichteHorror, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Aaron "Hotch" Hotchner David Rossi OC (Own Character)
20.06.2016
16.02.2020
6
14.835
2
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
29.06.2016 2.790
 
Achtung: ich habe das Rating von P16 auf P18-slash hochgesetzt, für die von euch, die beim ersten Kapitel darauf geachtet hatten.

Und wir erhalten weitere Einblicke in Hotchners Innenleben. Mittlerweile denke ich, ich hätte die Geschichte wohl treffender „Just a big mind fuck“ nennen sollen...

Auf Susens Anregung habe ich aus der kurzen Idee, die hinter Aftermath steckte, tatsächlich eine größere Sache gemacht – lieben Dank für die Anregung, Susen! Und auch dir lieben Dank, sunrise7, für dein Review! Ich gestehe, es hat mich schon etwas niedergeschlagen und demotiviert, dass zu der Geschichte hier so wenig Feedback kam. Jeder Autor kennt das Gefühl vermutlich. In diesem Sinne: ich würde mich wirklich freuen, wenn ihr mir ein kurzes Feedback dalasst, sollte euch die Geschichte gefallen. Fragen, Anregungen, Kritik oder Wünsche? Jedes direkt mitgeteilte Feedback hilft, diese Geschichte am Leben und den Autor bei Laune zu halten. ;-) Und manchmal wird aus einem Zweiteiler dann sogar eine längere Geschichte...

Freut euch auf die Ruhe vor dem Sturm.
Viel Spaß beim Lesen!
-starkeeper


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Kapitel 2

Ein Puppenspieler, sonst nichts – so hatte Lewis sich bezeichnet. Er ziehe an Fäden. Er ließe sie tanzen, wie Marionetten. Und er hatte ihm ein Versprechen gegeben: er würde ihn tanzen lassen, auch wenn es sich noch nicht so anfühlte.

Sie können sich nicht bewegen, weil ich es sage. Genau so funktioniert das Ganze, Agent Hotchner. Sie tun, was ich sage. Nennen Sie mich einfach den Puppenspieler. Ihren Puppenspieler, Agent. Und vertrauen Sie mir, Sie werden tanzen.

Lewis‘ Worte hallten unaufhörlich durch seinen Kopf.

Sie werden tanzen.

Vertrauen Sie mir.

Sie werden tanzen.

Ich gewinne.

Und er hatte sich tanzen sehen. Gott, er hatte sich tanzen sehen. Er hatte sich tanzen sehen und war gleichzeitig auf den Rang eines handlungsunfähigen Zuschauers verbannt worden.

Noch auf dem Weg zu Rossi fühlte er sich fremdgesteuert. Er konnte kaum einen klaren Gedanken fassen, versuchte, sich zu konzentrieren, doch die Gedanken in seinem Kopf ließen sich nicht fassen. Sie tänzelten um ihn herum, flüchtig, durchsichtig, wie feine Rauchschwaden, die im Wind verwehen. Sie kamen näher, doch immer, wenn er versuchte sie zu fassen, wichen sie zurück oder verflüchtigten sich, sodass er nicht einmal mehr wusste, was er gerade noch gedacht hatte.

Rossi schwieg, bis sie seine Villa erreichten. Hotch hatte gehört, wie er bei Regans Haus mit Jessica telefoniert hatte, doch er erinnerte sich nicht daran, was die beiden gesprochen hatten. Er selbst hatte nur reglos dagestanden, unfähig zu begreifen, was gerade geschehen war, unfähig, die losen Fäden zu greifen und wieder zu einem Band zusammenzufügen. Doch das Band war zerstört. All das machte keinen Sinn. Nichts davon.

Wieder und wieder hörte er Lewis‘ Stimme in seinem Kopf, wieder und wieder sah er dessen langsames, höhnisches Grinsen, und wie sehr er ihn auch aus seinem Kopf zu verbannen suchte, es gelang ihm nicht. Er war ohnmächtig, war nur ein handlungsunfähiger Beobachter von allem.

Warum hatte er Regan nicht retten können? An welchem Punkt hatte er einen Fehler gemacht, wann war er-



„Hotch?“

Irritiert sah er auf. „Was?“

Rossi saß ihm gegenüber an dem schweren Esstisch aus Eiche und deutete auf das leere Wasserglas vor ihm. „Ich fragte, ob ich dir noch nachschenken soll.“

Angestrengt schloss er die Augen und schüttelte langsam den Kopf. Seit wann saßen sie hier am Esstisch? Er erinnerte sich nicht daran, wie sie das Haus betreten hatten, geschweige denn, dass Rossi für sie gekocht hatte. Wie viel Zeit war seitdem vergangen?

Er schob Rossi das leere Glas rüber und rieb sich die Stirn. Der Kopfschmerz brachte ihn um und die permanenten Aussetzer machten es nicht besser. „Wie spät ist es?“

„Zwanzig nach elf.“ Rossi musterte ihn einen Moment lang. „Wie viel fehlt dir?“

„Wir sind ins Auto eingestiegen und-“ Ja, und was eigentlich? Sie hätten alles gemacht haben können, Hotch wusste es einfach nicht.

Sorge stand in Rossis Gesicht geschrieben – leise und unaufdringlich, nicht sehr deutlich, doch Hotch kannte ihn gut genug und er sah es ihm an, er spürte es. Er wusste, wie besorgt der Andere war.

„Es war eine ereignislose Fahrt, wir sind kaum zwanzig Minuten gefahren“, resümierte Rossi die letzten Stunden, ohne weiter nachzuhaken, „als wir angekommen sind, hast du dich etwas hingelegt und ich habe gekocht. Und dann haben wir gegessen – naja, ich habe gegessen und du...“

Nachdenklich sah Hotch auf den kaum angerührten Teller vor ihm. Er hatte nicht mehr als ein paar Bissen gegessen, hatte nicht mehr essen können, ohne dass sein Magen gegen die Nahrung rebellierte. Seine Kehle war wie zugeschnürt gewesen, als er versuchte, die Pasta zu schlucken. Zumindest an das Gefühl erinnerte er sich.  Sein ganzer Körper hatte sich mit aller Macht gegen das Essen gewehrt, dabei wusste er, dass er essen musste. Er erinnerte sich nicht, wann er an diesem Tag das letzte Mal etwas gegessen hatte, und sein Körper kämpfte noch immer gegen die Drogen. Er musste essen, aber er konnte nicht.

„Hotch, du musst morgen einen Arzt sehen.“

Sorge. Leise, flüsternde Sorge. So leise, wie –

Wieder schüttelte er den Kopf. Nicht zu Rossi, sondern um ihn aus seinem Kopf zu verjagen. Er selbst fühlte sich noch immer, als stünde er zu einem guten Teil neben sich. Doch er war in Sicherheit – Jack war in Sicherheit, Jack und sein Team, sie waren nicht hier, sie waren nicht hier und in Sicherheit. Er konnte an nichts anderes denken. Nur daran, dass er eine Gefahr für sie alle darstellte, dass er für ihren Tod verantwortlich sein würde, so wie er für Regans Tod verantwortlich war. Sie waren in Sicherheit, wiederholte er in Gedanken immer wieder, sie waren  sicher vor ihm, sie würde nicht dasselbe Schicksal ereilen wie Regan, und Rossi bedachte ihn während der ganzen Zeit mit einem wachsamen Blick. Er würde sich zu helfen wissen, wenn er– Er müsste nicht–

Sein Kopf fühlte sich an, als würde er langsam von innen heraus zerbersten.

„Ich glaube, ich werde mich etwas hinlegen...“

„Hotch...“

Es fühlte sich an, als hätte er Wochen nicht mehr geschlafen. Er war so müde, doch der Lärm in seinem Kopf wollte nicht verstummen. Alles, was er wollte, war Ruhe. Ruhe, und die vergangenen Stunden zu vergessen. Er wollte vergessen und er wünschte, dass all das nie passiert wäre.

Es wird alles gut.

Das waren Rossis Worte gewesen. Doch er sah Lewis‘ Gesicht, sein höhnisches verzerrtes Gesicht, und Rossis Worte verwandelten sich wieder in Lewis‘ leises, hohes Flüstern.

Sie werden tanzen, Agent Hotchner. Sie werden tanzen, weil ich es sage.

Er musste sich etwas hinlegen... Nur ein paar Minuten, er brauchte nur ein paar Minuten Ruhe. Er wollte das alles vergessen. Es würde alles besser werden, wenn er etwas geschlafen hätte. Er müsste nur –

Er stand auf und wankte zur Couch. Nur ein paar Minuten, er würde sich hinlegen und ein paar Minuten lang die Augen schließen. Er war so müde, sein Körper kämpfte gegen die Drogen und gegen ihn selbst, und er fühlte sich, als wenn weder sein Geist noch sein Körper noch Teil seiner Selbst wären.

Er würde sich nur ein paar Minuten hinlegen und –



„Hotch!“

Die laute Stimme ließ ihn ruckartig aus den Gedanken schrecken. Als er aufsah und blickte er in Rossis besorgtes Gesicht.

„Wie bitte?“

„Willst du nicht zumindest ein bisschen essen?“

Essen?

Irritiert sah er herunter und stellte fest, dass sie beide noch immer am Esstisch saßen. Vor ihm stand ein unberührter Teller Pasta, das Besteck lag noch immer ungenutzt auf dem Tisch, während Rossis Teller bereits zur Hälfte geleert war. Er stöhnte leise.

„Was?“

„Nichts...“, er schüttelte den Kopf, was ihm ein schmerzhaftes Ziehen hinter seiner Stirn bescherte. „Ich habe nur ein Deja Vu.“

„Das kommt in den besten Familien vor. Also, habe ich gehört.“

Der Anflug eines Lächelns stahl sich auf seine Lippen. Dieser beiläufige, stille Humor war Rossis Art, mit schwierigen Situationen umzugehen. Er hatte das immer am Anderen geschätzt.

„Vermutlich...“

„Und?“

„Und was?“

Rossi deutete auf seinen Teller. Hotch folgte seinem Blick, schüttelte aber nur schweigend den Kopf. Ihm war nicht nach Essen zumute, nicht nach den letzten Stunden.

Rossi seufzte leise, versuchte aber nicht, ihn zu drängen. „Ich stelle es kalt, dann kannst du jederzeit essen.“

Sie mussten schon einige Zeit lang so hier gesessen haben, denn so leicht ließ Rossi für gewöhnlich nicht von ihm ab.

Ohne ihn weiter in ein Gespräch zu verwickeln, begann er, das schmutzige Geschirr abzuräumen.

Hotch war froh, einen Moment für sich zu haben, ohne dass Rossi ihn weiter dazu drängte, von den Geschehnissen in der Villa zu erzählen. Alles, was er wollte, war zu vergessen. Nichts davon ist wirklich passiert, sagte er sich immer wieder, nichts von all dem war real. Alles, was vorgefallen war, war ein Produkt seiner Einbildung gewesen, ein Produkt des Sevuflorans, ein Produkt neurochemischer Reaktionen.

Sie irren sich, Agent Hotchner.

Dr. Regan erschien vor seinem inneren Auge. Er sah sie vor sich, genau so deutlich, wie er Rossi sehen konnte. Sie war klein, klein und zierlich, und sah ihn ernst und eindringlich an.

Sie sind im Unrecht, Aaron. Und sie wissen es. Sie sind gefährlich. Sie haben gesehen, wozu er in der Lage ist. Wozu Sie in der Lage sind. Sie dürfen sich nicht in Sicherheit wähnen. Sie–

„Hören Sie auf!“

Er wollte das nicht hören! Es war nicht real, sie war es nicht, es waren nicht ihre Worte sondern seine, und er wollte das nicht. Nichts davon war real!

„Hey! Ist alles in Ordnung?“ Das Klirren der Teller brach für einen Augenblick lang ab und Rossis Stimme rief ihn in die Realität zurück.

Er fröstelte. „Wie lange noch, Dave?“

„Wie lange was?“

„Bis die Drogen aufhören zu wirken?“

Seine Stimme war leise und kraftlos, doch er hörte ganz deutlich, wie verzweifelt er klang. Verzweifelt und ungewohnt fremd, so gar nicht wie er selbst. Er erkannte sich selbst nicht wieder.

Alles, was er wollte, war, dass es aufhörte. Er versuchte so sehr, die Kontrolle über sich zu behalten, doch in diesem Moment vertraute er seinem Geist nicht. Er wusste, dass er sich nicht vertrauen konnte, und solange er nicht er selbst war, war er eine Gefahr für sie alle. Er war eine Gefahr für ihn.

Sorge und Mitgefühl standen nun deutlich in Rossis Gesicht geschrieben.

Er wollte das nicht. Er konnte ihn nicht ansehen, er ertrug sein Mitleid nicht, er war es nicht wert, er war kein guter Mensch. Er durfte kein Mitleid mit ihm haben.

„Es wird aufhören. Was auch immer du siehst, Aaron, es ist nicht real.“

Er wusste, dass es nicht real war. Aber es wirkte so real. Alles wirkte real, alles, Regan, Reid, Morgan, Rossi– alles hatte ganz genauso real gewirkt wie dieser Moment, alles war ebenso real gewesen wie dass er nun hier mit Rossi in dessen Villa stand.

„Reid und Morgan–?“

„Es geht ihnen gut, Aaron. Um Himmels Willen, was hat er dich sehen lassen?“

Nein, nein er wollte das nicht. Er wollte nicht– Er konnte– Er– „Bitte Dave, ich kann nicht–“

Er war darauf eingestellt, wieder dieselbe Diskussion zu führen, wie vor Regans Haus. Regan, die tot war. Er war dabei gewesen. Er hatte es gesehen, keine drei Meter von ihm entfernt.

Er will, dass Sie das sehen.

Sie hatte sich in den Hals gestochen, mit demselben Messer, das er kurz darauf in der Hand gehalten hatte. Er war dabei gewesen. Er hatte nichts tun können, um ihren Tod zu verhindern. Er hatte nur hilflos daneben gestanden, verdammt, ihr zuzusehen, und–

Er wollte das nicht. Nichts davon!

Wieder unterbrach Rossi seine sich unaufhörlich im Kreis drehenden Gedanken. „Wann hat dich zuletzt jemand gehalten?“

Er blinzelte verwirrt. „Was?“

„Ich meine, wann hat dich das letzte Mal jemand umarmt?“

Er verstand nicht. Was hatte das mit–

„Jack tut das jeden-“

Rossi schüttelte den Kopf. „Das meine ich nicht. Du bist eine Stütze für jeden in deinem Umfeld, Aaron. Du schützt das Team, du schützt Jack, du versuchst, jeden zu schützen – aber wann war das letzte Mal, dass du von jemandem gehalten wurdest?“

Er verstand die Frage nicht. Und den Zusammenhang. Warum fragte er ihn das? Es war okay, er war okay, es war– Er–

Nichts war okay. Doch was konnte er schon tun?

Für einen Augenblick lang – wie lang, konnte er nicht sagen – erwiderte Rossi sein Schweigen aus einiger Entfernung.

Hotch wusste nicht, was er ihm hätte antworten können. Er wusste nicht, was Rossi von ihm erwartete oder was er mit seiner Frage zu bezwecken versuchte. Er war 46, er kam zurecht. Himmel, er kam zurecht, er kam immer zurecht. Es war okay. Er musste nur–

Im nächsten Moment stand Rossi vor ihm, völlig unvermittelt, und zog ihn wortlos in die Arme. Er sagte nichts. Er stand einfach nur vor ihm und umarmte ihn, schwer, reglos, schweigend.

Hotch war wie erstarrt. Was passierte hier? Was hatte er– Was sollte–?

Intuitiv versteifte er sich. Von einem Moment zum nächsten spürte er jede Faser seines Körpers, jeden Nerv, alles war zum Bersten gespannt und wie in Alarmbereitschaft versetzt. Er war wie erstarrt und er konnte nicht einmal sagen, warum. Er vertraute ihm, er vertraute Rossi wie kaum einem anderen Menschen. Er stand ihm näher als niemand sonst, sie kannten sich so lange und er hatte ihn nie hintergangen.

Er zwang sich, ruhig zu atmen und der aufkeimenden Panik keinen Raum zu geben. Es gab keinen Grund für Panik. Er befahl sich, ein- und auszuatmen, tief und langsam, um seinen viel zu schnellen Herzschlag wieder unter Kontrolle zu bekommen. Er atmete in Rossis stille Präsenz, ruhig und fest, nur unterbrochen durch dessen eigenes Atmen.

Er wartete – und nichts passierte.

Rossi stand einfach nur da, er stand da, direkt vor ihm, und hielt die Arme um ihn gelegt. Er verlangte nichts. Er sagte nichts. Er löste sich nicht wieder von ihm, nachdem ein Augenblick verstrichen war. Er war einfach nur da. Nach wie vor. Immer noch. Trotz allem.

So laut, wie ihm sein eigener Herzschlag in den Ohren dröhnte, war er sich sicher, dass auch Rossi ihn hören musste. In seinen Ohren rauschte es, ohrenbetäubend, laut und aufdringlich – und dann wurde es still.

Mit einem Mal war es wieder still um ihn herum.

Es war still in seinem Kopf, die Stimmen verstummten und alles, was er noch hörte, war sein eigener Atem. Sein Herzschlag beruhigte sich etwas und er spürte, wie ein Teil der Anspannung seinen Körper verließ, wie seine Schultern sich senkten und seine Hände nicht länger krampfhaft zu Fäusten geballt waren.

Und Rossi war noch immer hier. Er stand noch immer vor ihm und hielt ihn. Schweigend, bedingungslos, ohne etwas zu verlangen.

Es war, als würde er die Ruhe des Älteren atmen, als würde ein Teil seiner standhaften Präsenz auch auf ihn übergehen.

Er spürte, wie er zu zittern begann. Langsam hob er die Arme, legte die Hände auf Rossis Rücken und erwiderte die Umarmung vorsichtig. Es war eine Geste, die er so unfassbar lange nicht mehr gespürt hatte, und nach diesem Tag fehlte ihm die Kraft, sich wie gewohnt gegen Nähe zu wehren. Er war müde. Er war so unglaublich müde und er hatte Angst und er wünschte sich nichts mehr, als dass das hier die Realität war und er nicht wieder nur halluzinierte. Gott, er war so müde.

Sein Zittern wurde stärker, es nahm an Intensität zu, bis er es kaum noch kontrollieren konnte. Er spürte, wie sein Hals enger wurde, wie jede Faser seines Körpers schrie, still und unhörbar, hilflos, ängstlich, gebrochen. Besiegt. Und doch stand Rossi hier und hielt ihn. Er ließ ihn nicht los, er stand hier und hielt ihn.

Sein Atem ging unkontrolliert und er wartete auf die Tränen, die bereits in seinem Hals brannten – aber er weinte nicht. Er konnte seit Jahren nicht mehr weinen, es war nie Platz dafür gewesen. Jack und der Job und das Team und all die Verbrecher, die sie jagen mussten, und – Doch alle anderen sorgfältig aufgebauten Mauern brachen in diesem stillen Moment zusammen. Er war schwach, er war müde und durcheinander. Sein Körper rebellierte, und so sehr er es auch versuchte, er hatte keine Kontrolle mehr darüber.

Wo zunächst Abwehr und Widerstand gewesen waren, hielt er sich nun wie ein Ertrinkender an Rossi fest. Er war so müde. So lange schon war er so unfassbar müde. Er funktionierte, für Jack, für das Team, für den Job, doch ein Teil von ihm wollte einfach nur, dass alles ein Ende hatte. Er war so unglaublich müde.

„Es ist okay, Aaron.“

Rossi war da, dicht vor ihm, und hielt ihn in einer langen, festen Umarmung. Er bewegte sich nicht, strich ihm nicht beruhigend über den Rücken, er sah ihn nicht an. Er hielt ihn einfach nur fest.

„Es ist okay.“

Er wollte nichts mehr, als dass seine Worte wahr waren.

Es ist okay.

Er war so unfassbar müde.



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