Und als ich mich erinnerte...

von LuniLup
GeschichteTragödie / P16
Cletus
19.06.2016
19.06.2016
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Und als ich ich erinnerte…
Und als ich mich erinnerte,

konnte ich es verstehen.

Und als ich mich erinnerte,

konnte ich meine Fehler sehr gut sehen.

PoV Cletus

Mit klammen Fingern klammere ich mich an den Flügel des Rotors, der mir unangenehm ins Fleisch schneidet. Beinahe habe ich das Gefühl, dass das kalte Metall gleich meinen Knochen berührt. Fest presse ich meine Lippen aufeinander. Doch solange die anderen nicht jammern, werde ich definitiv auch nicht damit anfangen. Auch wenn ich mir sehr sicher bin, dass sonst niemand gerade das gleiche Problem hat. Soweit ich das beurteilen kann, und darin bin ich ziemlich gut, hat sonst keiner von ihnen den gleichen..„Produktionsfehler" wie ich. Aber diese Klonsache erklärt auch einiges. Zum Beispiel warum Argus, Rufus und ich uns so ähnlich sehen, genauso wie der Rest des Organons. Und auch, warum ich keine Angst vor dem Tod habe. Obwohl...jetzt so über den Abgrund zu schweben, ist auch nicht gerade angenehm. Vor allem da das Metall mir mittlerweile schon durchs Fleisch schneidet. Ich merke wie sich langsam mein Blut warm und unangenehm durch den weißen Stoff meiner Kleidung weicht. Noch mehr presse ich meine Zähne zusammen. Warum muss ich auch bei jeder noch so kleinen Verletzung schon so viel Schaden nehmen? Oh, wie scheußlich ist die Welt. Erst jetzt dringen langsam wieder die Stimmen der Anderen an mein Ohr. Meine Finger haben sich in der Zwischenzeit noch fester um die Kanten des Metalls gekrallt, langsam schneidet auch hier das Metall in mein Fleisch, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich auch hier bluten werde. Doch ich kann mich nicht weniger festhalten, sollte ich es tun, habe ich das Gefühl jede Sekunde abzustürzen. Immer noch führen Rufus, Goal und Argus diese unnötige Diskussion. Haben sie denn noch nicht bemerkt, dass wir uns nur im Kreis drehen? Und wenn wir zu einem Ergebnis kommen...Argus wird einfach kurz etwas loslassen, der Rotor sich drehen und wir stehen wieder am Anfang. Ich habe mittlerweile davon abgesehen. Es hat doch sowieso keinen Sinn. Es gibt nur eine Möglichkeit...auch wenn mir davor graut. Wenn auch nur einer von uns den echten Rufus benennt und somit zu erkennen gibt, das er nicht der echte ist, können wir dieses im Kreis drehen endlich beenden. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Argus nicht nobel genug ist, um DAS zu machen. Mein Atem geht nun stoßweise, und mit jedem Atemzug wird der Geschmack von Blut immer deutlicher. Ein Husten unterdrückend, beginne ich: „Schluss jetzt mit diesem Quatsch!" Augenblicklich schweigen alle und sehen mich verwundert an, anscheinend hatten sie vergessen, dass ich auch noch hier bin. Und auch ich bin kurz erstaunt wie rau und heißer meine Stimme klingt. Schnell schlucke ich meine mittlerweile nach Galle schmeckende Spucke hinunter und setzte wieder zum Sprechen an: „Es hat doch so keinen Sinn! Oder habt ihr noch nicht bemerkt, dass wir uns nur um Kreis drehen?!" Blicke werden gewechselt, anscheinend dringt die Erkenntnis nun auch zu den Anderen durch. „Und was schlägst du vor?" Es ist Argus, der diese Frage wütend, doch zeitgleich auch leicht neugierig stellt. Ich antworte mit einer Bestimmtheit, die ich so nicht erwartet hätte: „Ich würde sagen, dass wir diese Farce beenden sollten...Argus!" Er schnappt nach Luft, Goal sieht verständnislos hin und her, dem echten Rufus klappt der Mund auf und Argus regt sich auf, verständlicherweise: „Da hört doch wirklich alles auf! Und als nächstes wirst du noch behaupten, dass du Rufus bist, oder wie jetzt?!" Ich atme tief durch, den Geschmack des Blutes noch deutlicher als vor wenigen Sekunden wahrnehmend. Und ich zögere jetzt doch, soll ich wirklich die Maske fallen lassen? Doch, ich muss es tun, es ist zwar eine Demütigung zu sehen, wie Rufus, mein Widersacher, Goal bekommt, sowie seine Reise nach Elysium, doch es wäre eine Desaster von unvorstellbarem Ausmaße, wenn Argus es schafft. Und so kontere ich mit zitternder und doch entschlossener Stimme: „Nein, aber das ich Cletus bin; das wage ich zu behaupten!" Jetzt wird es still, kein Laut zerschneidet die Luft, die vor Spannung elektrisiert zu sein scheint. Nichts stört dieses Gefühl, welches sich unser aller bemächtigt hat, dass uns deutlich macht, wie sehr diese Nachricht uns erstarren lässt. Und auch wenn sich meine Stimme sträubt nun weiterhin ihren Dienst zu erfüllen, so erzwingen ich dies. Ich habe keine Zeit für diese Spielereien, wir haben alle keine Zeit dafür. Und so erschallt meine Stimme ein weiteres Mal, und selbst wenn ich mich sonst wirklich gerne reden höre, so in diesem Fall nicht, besiegele ich doch mit jedem Satz, jedem Wort und jeder Silbe meinen sicheren Untergang, doch mit ein bisschen Glück auch Argus'. „Goal, du weißt jetzt, wer der echte Rufus ist, also los, hilf ihm endlich hoch! Wir haben kaum noch Zeit!" „A...aber was wird mit dir?" Ah, sie mal einer an! Unser Antiheld hat wohl seine Stimme wiedergefunden. Gut so, ich hatte mir schon fast Sorgen gemacht. So jedoch zieht sich mein Mundwinkel nach oben, doch diesmal ohne die übliche Arroganz, den Spott und den Hohn. Stattdessen gebe ich geschlagen zurück: „Was wohl? Ich werde wohl...aufgeben und loslassen. Und Argus wird auch verlieren, ob er will oder nicht. Ich denke, es sind Glückwünsche angebracht: Bravo, Rufus, du hast es tatsächlich geschafft, trotz aller Zweifel und jeder Logik. Du bekommst deinen Platz auf Elysium, kannst mit Goal zusammen sein und zeitgleich noch Deponia retten. Du hast wirklich das Unmögliche, möglich gemacht." Und wieder werde ich ungläubig angestarrt, während ich selbst kaum glaube, was ich hier tue oder was ich gerade ausgesprochen habe. Und doch ist es wahr. Ich, Cletus, der wahrscheinlich arroganteste Mensch dieser Galaxie, habe gerade ein Lob ausgesprochen, gegenüber meinem übelsten Rivalen. Das schlimmste? Es war genauso gemeint, wie ich es auch sagte. Erst Argus Stimme reißt mich wieder zurück in die Gegenwart. Er zetert und tobt, während Goal zu Rufus geht, um diesen hochzuziehen, wobei sie immer wieder verzweifelte und zögerliche Blicke in meine Richtung wirft. Aber natürlich werde ich mir keine Hoffnungen machen, dass sie ihre Meinung ändert. Im Grunde bin ich damit schon oft genug durchgekommen. Im Stillen bete ich dafür, dass Argus jetzt seine Umklammerung vom Rotor nicht nur ein Stück löst, denn so würde dieses irre und tödliche Spiel ein zweites Mal beginnen. Doch ich merke deutlich, dass ich immer schwächer werde, denn mein Blut fließt immer noch an meinen Beinen hinab. Und dieser Stunt von vorhin, bei dem ich kurzzeitig verschwunden bin, war auch nicht gerade hilfreich. Doch Argus denkt gar nicht daran, ist gerade viel zu sehr in seiner Rage gefangen. Doch ein anderes Problem tritt auf. Denn auch Rufus ist mittlerweile schon oben und ich merke ihm deutlich an, wie er mir auch mir noch helfen will. Doch ich schreite ein und zischte zwischen, vor Schmerzen, zusammengedrückten Zähnen: „Nein, Rufus, du wirst mir nicht helfen. Wenn, dann zieh Argus hoch, damit er wenigstens in Elysium seine gerechte Strafe bekommt. Und beeilt euch gefälligst! Das Hochboot kann jeden Moment abstürzen!" Ich sehe, wie er mir widersprechen will, doch dies lasse ich nicht zu, zumindest hält mein drängender Blick und mein bestimmtes, doch kaum merkbares Kopfschütteln davon ab. Stattdessen wende ich mich jetzt zu Goal und gebe ihr meinen letzten Willen bekannt: „Goal, wenn ihr auf Elysium seit, will ich, dass automatisch alles Rufus vererbt wird, in Anbetracht dessen, dass ich ja zur Zeit, mal wieder, ledig bin und auch mein Testament nicht rechtskräftig sein wird, da wir ja nicht heiraten werden." Die Worte waren schwer auszusprechen, ich hole zittrig Luft. Nun erscheint die Leiter auf der Bildfläche, während Rufus tatsächlich Argus nach oben zieht, wobei ein nie gekannter Hass und eine tiefe Verachtung auf seinem Gesicht stehen und er den Hochstapler sofort die Hände auf den Rücken dreht, wobei Argus vor Schmerz aufjault. „Cletus..", höre ich Goals Stimme, ihre Hand streckt sich zu mir, währenddessen sagt sie mit einem bittenden Tonfall: „Bitte, Cletus! Noch können wir nach Elysium gehen...wir alle! Rufus, du und ich. Du würdest bestimmt eine neue Frau finden. Wir drei würden als Helden gefeiert werden, Argus wird weggesperrt werden! Bitte." Und auch Rufus sieht so aus, als wäre er Goals Meinung. Auch schmerzt es mich, die beiden zu enttäuschen, doch mein Entschluss steht fest. So sage ich mit einem schwerfälligen und entschlossenem Tonfall: „Es tut mir leid."

Und ich lasse los. Ich spüre, wie der freie Fall beginnt, sehe wie Goal mir ungläubig hinterher starrt, wie Rufus sie mit sich zieht, wobei er Argus schon auf die Leiter geschubst hat. Auch er sieht kurz in die Tiefe, ehe er als letztes den letzten Ausweg erklimmt. Ich währenddessen schließe meine Augen, während mich eine namenlose Panik und Frucht durchströmt, selbst wenn ich weiß, dass ich jetzt nichts mehr ändern kann. Ich spüre den Wind, der mich umschließt, wie sich der Haarreif aus meinen Haaren löst, meine Handschuhe von der Luft hinfort gerissen werden. Wie ich kurz das Gefühl habe, als würde ich nicht fallen, sondern schweben, selbst wenn es nur ein Trugbild ist. Und schon komme ich auf der Erdoberfläche auf. Zumindest fast. Irgendwie bleibe ich an einem Stück Schrott hängen, ehe ich auf meine Knie sinke, da ich nur wenige Zentimeter über dem Boden abgefangen wurde. Mein Blick richtet sich nach oben, das Hochboot ist mittlerweile nicht mehr zu sehen, doch ebenso wenig die Leiter. Stattdessen thront Elysium majestätisch und erhaben oben am Himmel und ein freudloses Lächeln umspielt meine Lippen, als mir klar wird, was für eine Ironie es doch ist. Auf Deponia geboren, mehrmals gelebt, immer wiedergeboren, auf Elysium gelebt und nun hier auf Deponia sterbend, diesmal endgültig. Und dabei die einzige Person verspottend, die den Teufelskreis völlig durchbrochen hat. Langsam hebe ich meinen Kopf und sehe mich um. Unerwartet zuckt ein Bild durch meine Gedanken, kurz darauf eine Erinnerung und zeitgleich ein Wort „Klonstation". Oder auch für mich und viele andere „Geburtsort". Meine Augen weiten sich, ich blicke mich weiter um. Und dann sehe ich die Klonkammer und ich kann nicht anders, als langsam und gepeinigt in deren Richtung zu kriechen, da ich nicht die Kraft finde, um mich aufzurichten und auf sie zu zu gehen. Nein, dafür ist der Blutverlust zu hoch. Nur noch wenige Meter trennen mich und ich erkenne etwas, auf der Rückwand der drei Kammern. Nämlich drei Namen. In der linken Rufus, in der rechten Argus und in der mittleren...Cletus, mein Name. Anscheinend ist es mehr als ein einmaliger Zufall, dass ich so etwas wie eine Verbindung zwischen Rufus und Argus bilde. Rufus, der helle, strahlende Ritter und Argus, der böse, finstere Rivale. Und ich, ich der irgendwo in der Mitte steht, von der Moral in einem ewigen und tristem Grau gefangen. Und in diesem Moment könnte ich nicht stolzer darauf sein, da ich jetzt endlich weiß, dass das Weiß darin deutlich überwiegt. Mühselig schaffte ich es in die mittlere Kammer, will ich wenigstens die Ironie, die das Schicksal schon so unbarmherzig angefangen hat, auch wirklich vollends vollenden. Ich lasse mich gegen die Wand in meinem Rücken fallen, mein Blick richtet sich noch einmal auf die Blutspur, die hinterlassen habe und erst jetzt wird mir klar, dass ich immer noch blute, immer noch geschunden bin. Ich möchte mir wahrlich nicht ausmalen, was für einen erbärmlichen Eindruck ich abgeben muss. Nun lehne ich meinen Kopf in den Nacken, richte meinen Blick auf Elysium. Plötzlich höre ich ein leises Kratzen neben mir, mein Blick richtet sich in die Richtung und ich sehe ein...Vampirschnabeltier. Halt. Vampirschnabeltier?! Meine Augen weiten sich, ich erinnere mich wieder an ein längst vergessenes Detail aus der Vergangenheit.

Drei Kleinkinder sitzen in einem Laufstall. Zwei davon, sind damit beschäftigt, sich ein zu schlagen, auch wenn ihre Kraft noch nicht ausreicht, um wirklich Schäden anzurichten, oder dem anderen die Zunge rauszustrecken. Diese beiden haben blaue oder rotes Haar. Daneben sitzt ein weiteres Kind mit grünen Haaren. Dieses bekommt nichts von seiner Umwelt mit, also weder wie sich die zwei anderen streiten oder wie sich zwei Männer über eine riesige Karte beugen und sie leise miteinander diskutieren: „Ulysses, das kannst du nicht ernst meinen!" „Und was wäre dein Vorschlag, Hermes?" „Ich..ich weiß nicht. Aber du kannst unmöglich vorhaben, Rufus, Cletus und Argus zu trennen. Vor allem, wenn du es auf DIESE Art machen möchtest!" „Wie denn sonst? Es ist die klügste Lösung. Ich nehme Argus mit und er wird zusammen mit Goal aufwachsen. Rufus wird als Waisenkind in der Nähe Kuvaqs gebracht und Cletus wird in Obhut einer angesehen Familie gegeben werden, wo er die Chance hat, ein gutes Leben auf Elysium und später Utopia zu führen." „Aber ausgerechnet DIESE Familie, zu der Cletus soll? Nichts gegen die Personen an sich, aber...Himmel Ulysses, dass ist kein Ort für ein Kind. Und schon gar nicht für Cletus! Abgesehen davon, dass es den beiden anderen gegenüber unfair ist, vor allem Rufus." „Hermes, hör auf dich so anzustellen. Sie werden so oder so irgendwann sterben. Warum bist du überhaupt so vehement dagegen, dass Cletus bei dieser Familie auswächst? Sie können ihm alles geben, er wird Einzelkind bleiben und somit immer schön im Zentrum der Aufmerksamkeit." „Ja, aber diese Version von ihm, wird niemals wissen, wie es sich anfühlt, wenn sich tatsächlich jemand um ihn sorgt. Denn falls du es vergisst, deine ach so tolle Adoptivfamilie ist nicht für ihr Mitleid, ihre Gutmütigkeit oder ihre Menschenliebe bekannt. Ganz im Gegenteil sogar. Oder wie erklärst du es dir, dass es ihnen sogar egal war, als ihr eigentlicher Sohn gestorben ist?! Kannst du dir ausmalen, wie es dann aussieht, wenn es ein fremdes Kind ist?" „Tja, nun ist es zu spät Hermes! Es ist alles beschlossen. Und denk dran, die Erinnerungen der drei müssen gelöscht werden!" Nein, der Junge bekam nichts davon mit, sah nicht, wie sich auf dem Gesicht des Mannes, der Hermes hieß, ein erschütterter und trauriger Ausdruck zeigte. Nein, die gesamte Aufmerksamkeit des Jungen konzentrierte sich auf ein kleines, schwarzes, flauschiges Vampirschnabeltier, welches sich vertrauensvoll in seine Hand schmiegte, wobei es zeitgleich sachte und vorsichtig das Blut, welches aus einem kleinem Kratzer sickerte, aufleckte. Die grünen Augen des kleinen Kindes leuchteten glücklich, denn er wusste, dass er dem kleinen Wesen in seiner Hand half, wobei er selbst keinen Schaden nahm. Und immer noch hörte der kleine Junge nicht, wie sich ein zweites Gespräch zwischen den zwei Männern entwickelte: „Sag, Hermes, was genau hat Cletus denn, dass du dich so sträubst?" „Nun, sagen wir es so: er ist der Teil, der drei, der die wirklich...unangenehmen Gendefekte hat, die ich nicht restlos entfernen konnte, da sie von dem Genspender zu tief verankert waren."

Ist..ist es möglich, dass es hier das gleiche Schnabeltier ist, welches ich vor vielen Jahren schon einmal in der Hand hatte und welches mich jetzt wiedererkennt? Doch, es ist es, denn während es mich angsterfüllt und verstört ansieht, rutscht es auf meine Hand, schmiegt seinen Kopf gegen meine Handfläche und kurz darauf spüre ich, wie seine raue Zunge über mein Handgelenk leckt, welches mittlerweile auch mit Blut bedeckt ist. Und mich dann wieder ansieht und einen gequälten Laut von sich gibt. Mit zitternden Hände hebe ich meinen Arm, welchen ich jetzt auf meinen Unterleib ablege. So sitze ich nun hier, mit angezogenen Beinen, mit gräulich schimmernder Haut, blutüberströmt, geschunden und absolut am Ende. Tja, wenigstens werde ich nicht alleine sterben, wie ich schon dachte. Auf eine grausam ironisch, schmerzhafte und demütigende Weise? Ja. Bevor ich mich wenigstens nur ein bisschen an mein ursprüngliches Leben erinnern konnte? Nun, es sieht so aus. Aber alleine? Nein. Wenigstens etwas hat aus meiner Vergangenheit wieder zu mir gefunden. Mein Blick richtet sich wieder nach oben, Rufus, Goal, Argus und die anderen müssten mittlerweile auf Elysium sein. Wieder ziehen sich meine Mundwinkel nach oben, doch das Lächeln erreicht nicht meine Augen. Mit einem gebrochenem und schwachen Unterton wispere ich in die Stille der Einsamkeit: „Herzlichen Glückwunsch, Rufus. Du hast es uns gezeigt, uns allen. Ich wünsche dir nur das Beste auf Elysium. Du hast es dir verdient. Wirklich verdient, mehr als ich es jemals könnte." Meine Augenlider werden schwer, immer noch ist mein Blick auf Elysium gerichtet, selbst wenn ich meine Umwelt mittlerweile nur noch schemenhaft und verschwommen wahrnehme, das Blut laut durch meine Ohren rauscht und meine Schmerzen zu einem unbedeutendem Pochen abklingen. Doch genau jetzt, in meinen letzten Augenblicken, hier, an dem Ort meiner Entstehung, wie ich jetzt bin, kehren die Erinnerungen wieder.

Ein Mann mit dunklem Haar und trüben Augen liegt in einem Bett im einer hochangesehenen Privatklinik. Neben ihm auf einem Stuhl sitzt eine Frau, die leise schluchzend die Hand des Mannes hält. Auf der anderen Seite stehen zwei weitere Personen, eine junge Frau und ein junger Mann. Im Hintergrund steht ein Arzt und beobachtet die Szene. Alle warten nur auf eines: das ohrenbetäubende, durchdringende Piepsen der Überwachungsmaschine, die somit den Herzstillstandes des Mannes bekannt geben würde. Warum? Nun, der man leidet an Krebs, nun liegt er in seinen letzten Atemzügen, umgeben von seiner Familie, während sich vor seinem Auge noch einmal sein gesamtes Leben abspielt. Ein Leben, geprägt von Geld- und Machtgier, etwas, was sich erst ändert, sobald die Krankheit diagnostiziert wurde. Ein Leben, welches von der Fürsorge und Liebe einer Familie geprägt war, die einen wichtigen Menschen verlieren würde, der aber immer noch auf die Heilung hoffte. Ein Leben, welches nun kurz vor dem Ende stand, ein Leben, in dem schon akzeptiert wurde, dass es nun enden würde, welches also geprägt wurde, von Akzeptanz und Verleumdung der Gefühle, um niemanden Sorgen zu machen. Doch wenigstens eines, hatte er richtig gemacht: Er hatte sich bereit erklärt, dass mit seinen Genen einige Klonexperimente gemacht werden konnte. Und so, schlossen sich die Augen des Mannes, während er noch den Anfang des Piepsen hörte.

Und so sind also Rufus, Argus und ich entstanden. Nämlich in die die drei Abschnitte unseres Lebens gespalten. Argus, der arrogante und geld- sowie machtgierige Mann, der alles dafür tun würde, ein Mann der das Wort Mitleid nicht kennt, doch für das Wort Ehrgeiz lebt, der Mann, vor der Krankheit. Dann Rufus, der Mann, der das Wort Aufgeben nicht kennt, doch für das Wort Hoffnung lebt, der, der hoffte, dass die Krankheit noch heilbar war. Und ich, der Mann, der das Wort Offenheit nicht kennt, doch für das Wort Loslassen lebt. Oder, wie ich es schon einmal und jetzt wieder tat: stirbt. Und nun, wiederholt sich die Geschichte. Alles hat seinen Preis und dieser Preis muss bezahlt werden. Tja, und so wie es aussieht, werde ich diesen Preis zahlen müssen. Und ich bin bereit, ihn zu zahlen, wenn ich dadurch auch nur einen einzigen, kleinen Fehler, den ich in meinem jetzigem Leben begangen habe, wieder gut machen kann. Meine Augen schließen sich nun vollends und ich gehe, in dem Wissen, zumindest einmal, ein einziges, allererstes, sowie auch allerletztes Mal, das richtige getan zu haben.


Und als ich mich erinnerte,

wusste ich, ich kann dem Schicksal nicht entgehen.

Und als ich mich erinnerte,

wusste ich, es wird Zeit für mich zu gehen.


...war das Ende schon geschehen
...
oder?

Und, hat jemand Mitleid mit unserem kleinen Cletus? Oder findet ihr immer noch, dass er so ein Arsch ist? Wer weiß...na ja, ihr wahrscheinlich. Mich würde es auf jeden Fall interessieren, sowie eure Kritik, Verbesserungsvorschläge, Hinweise auf Fehler in Rechtschreibung/Grammatik, und vielleicht auch ein wenig Lob. Gerne gesehen in Form von Reviews oder Mails. Aber keine Sorge, ich werde auch ohne immer weiter schreiben, immerhin ist Unmöglich ja mein zweiter Vorname (ebenso wie „superlässig“ und „sympathisch-irre“). Ach ja, ist für euch das Fragezeichen existent oder mehr so: Nö, seh ich nicht, brauch ich nicht, will ich nicht?
Tüdelü!
LuniLup
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