hier und jetzt

von Ava
OneshotRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Greer von Kinross Kenna
19.06.2016
19.06.2016
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Pairing: Greer x Kenna
Word Count: ~700
Warnung: modernes AU
Geschrieben: August 2014
Prompt aus dem Waisenhaus :: life is for deep kisses, strange adventures, midnight swims & rambling conversations

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hier und jetzt

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»Du wirst das nie verstehen«, sagt Greer, sie sagt es oft und in allen möglichen Situationen, »ich habe keine Wahl. Sie zählen auf mich. Ich kann meine Schwestern nicht im Stich lassen.«

»Ich weiss«, erwidert Kenna dann, »ach Greer, ich weiss.«

(Die Wahrheit ist, Greer will tun, was von ihr erwartet wird. Je besser sie ihre Pflicht erfüllt, desto mehr Freiheit wird ihren Schwestern eines Tages gewährt. Sie ist so froh, dass Kenna es nicht verstehen muss, damit sie es akzeptiert; dass Kenna so anders ist und sie dennoch nie drängt.)

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Meistens läuft es so:

»Oh komm schon!«, klagt Kenna, zieht und zerrt an Greer, die sich mit den Fersen in den Boden stemmt und sich vehement weigert, sich blind ins Abenteuer zu stürzen. »Es wird dir gefallen!«

Kenna macht einen Schritt zurück zu ihr, hält Greers Hand dabei noch immer fest (Kenna lässt nie einfach los, nicht bevor es wirklich nötig wird).

»Bitte, Greer, bitte!« Kenna zieht einen Schmollmund, blickt mit schräggelegtem Kopf zu ihr auf. »Für mich?«

»Aber – «, setzt Greer dann an.

Sie kann es sich nicht leisten, bei einer Dummheit erwischt zu werden, der Grat, auf dem sie wandert, ist so schmal, und –

Aber nichts.

Wie sagt man nein zu einer Person, durch die man sich besonders und unsterblich fühlt?

»Aber nur kurz«, sagt sie, und Kenna stösst einen leisen Freudenschrei aus, drückt einen Kuss auf ihre verschränkten Finger, verspricht: »Du wirst es nicht bereuen.«

Wird sie nicht, wird sie nie. Greer hat nie eine Sekunde bereut, die sie mit Kenna verbracht hat.

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Leben ist, wenn sie sich in tiefster Nacht auf ein Privatgrundstück schleichen, um im Pool zu schwimmen, verstohlen lachend, und Kenna irgendwann von hinten die Arme um sie schlingt, ihre Lippen Greers Ohr streifen und sie ihr zuflüstert, wie schön ihr Haar unter dem silbernen Mondlicht aussieht.

Wenn Kenna mit angezogenen Knien auf der Fensterbank sitzt und genauso ausdauernd zuhört, wie sie von sich selbst erzählt, und ihr Gespräch über Alltägliches zwangsläufig ausufert und sie sich immer noch etwas zu sagen haben, wenn das erste Morgenlicht ins Zimmer fällt.

Wenn Kenna einen Satz beginnt mit »Hey, hast du eigentlich schon einmal ... ?« und Greer weiss, dass ihr der grösste Spass und Ärger ihres Lebens bevorsteht.

»Ich kann mir nicht vorstellen, was mein Leben ohne dich wäre.«

»Langweilig?«, schlägt Kenna vor. »Berechenbar?«

»So in etwa, wahrscheinlich.« Greer schüttelt den Kopf, lacht. »Und es ginge sehr viel weniger um mich. Wenn ich dich nicht hätte, würde ich es nie über mich bringen, eigene Entscheidungen zu treffen.«

Für das Hier und Jetzt zumindest. Hier und jetzt hat sie noch keinen Verlobten, der ihre Familie vom finanziellen Ruin retten soll. Hier und jetzt gibt es nur Kenna und sie und die zweite Flasche Weisswein, die darauf wartet, geöffnet zu werden.

»Das klingt ja, als wäre ich ganz und gar selbstlos. Kein bisschen egoistisch.« Kenna beugt sich zu ihr vor, bis ihre Gesichter sich so nah sind, dass ihre Nasenspitzen sich fast berühren. »Aber ich bin egoistisch.«

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»Warum tust du das alles?«, fragt Greer einmal. »Dich mit mir abgeben?«

Sie ist Mittelschicht, ihre Familie immer nur kurz davor, sich einen Namen zu machen. Kennas Fotos dagegen zieren die Gesellschaftsseiten der Zeitungen, sie ist das reiche Mädchen, das bekannte Mädchen, das Mädchen, über das man spricht.

»Weil du lebendig bist, Greer«, sagt sie ernst, »und schön und klug und wundervoll.« Sie legt die Hände um Greers Gesicht, lächelt. »Ich tue, was ich tue, damit du dich mit mir abgibst. Damit ich dich so lange behalten kann, wie es geht. Damit ich in so vielen deiner Erinnerungen bin, dass du mich nie mehr hier rausbekommst.« Sie tippt Greer mit der Fingerspitze sachte an die Schläfe. »Und vor allem nicht hier.«

Dieses Mal tippt sie auf Greers Brust, dort, wo ihr Herz viel zu schnell und wild schlägt, und Greer handelt instinktiv, greift nach Kennas Hand, ehe sie sie wegziehen kann.

»Selbst wenn ich wollte, ich könnte dich nicht vergessen. Selbst wenn ich könnte, ich würde dich niemals vergessen wollen.«

»Versprochen?«

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»Du wirst das nie verstehen«, sagt Greer.

»Ich weiss«, sagt Kenna zwischen zwei Küssen, »ich weiss.«

Hier und jetzt spielt es keine Rolle.

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