to hold on (to let go)

von Ava
OneshotDrama, Familie / P12
Dauphin Francis Kenna Mary Stewart Sebastian "Bash" de Poitiers
19.06.2016
19.06.2016
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Pairing: Mary x Bash :: Kenna x Bash
Word Count: ~900
Geschrieben: August 2014
Prompt aus dem Waisenhaus :: Verrückt was Trauer mit Menschen machen kann

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to hold on (to let go)

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(Ich bin ein verheirateter Mann, Mary, sagt er, während ihre Hände überall sind, ihre Trauer ihn ertränkt, und er selber fast vergisst, dass er das ist; ein verheirateter Mann.

Ist mir egal, erwidert sie, es kümmert mich nicht. Bash. Bash, ich

Ich weiss, sagt er, aber eigentlich weiss er nur, dass ihm das hier nicht annähernd so leid tut, wie es sollte.

Dass er nicht annähernd so viel fühlt wie in einer vergangenen Zeit.)

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Francis II. stirbt nach nur anderthalb Jahren als König an einer Ohrenentzündung. Er hinterlässt keinen legitimen Sohn. Die Krone geht an Charles, die Regentschaft an Catherine.

Mary ist nichts mehr in Frankreich.

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Sie sagt, dass sie sich fühlt, als hätte sie versagt; als hätte sie das ganze Land im Stich gelassen.

»Lola«, sagt sie, die Zunge schwer vom Wein, während irgendwo im Schloss ein blonder, blauäugiger Junge schläft, seinem Vater mit jedem Tag ähnlicher wird, ein Junge, den sie beide seit der Beerdigung nicht mehr sehen wollten, »hat in einer einzigen Nacht geschafft, was ich in mehr als zwei Jahren nicht konnte. Er hätte mich nicht heiraten sollen. Er – « Sie zieht ihn an sich, ihre Hände auf seiner Haut, ihre Tränen in seinem Haar. »Wäre er bloss nie zurückgekommen. Hätte er mich dich doch einfach heiraten lassen. Es würde jetzt nicht so sehr schmerzen.«

Das hätte wirklich weniger Schmerz bedeutet. Zumindest für ihn.

»Bash«, flüstert sie, »Bash, bitte, verlass mich nicht. Ich brauche dich.«

Bash ist immer nur der gewesen, den sie wollte, wenn sie Francis nicht haben konnte (und selbst dann noch hat sie gezögert, einen Moment inne gehalten, ehe sie springt).

Aber das ist egal.

Bash hat sein halbes Leben damit verbracht zu warten, dass etwas, das ihm nicht zusteht, seinen Weg zu ihm findet. Er nimmt, was er bekommen kann, und dieses Mal darf er vielleicht behalten, was er hat.

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Es vergehen Monate, bis Kenna es müde geworden ist, auf seine Rückkehr zu warten, und zum Hof kommt. Zuerst lächelt sie, als sie ihn am anderen Ende des Flurs entdeckt, ihre Wangen sind voller Farbe, ihre Augen strahlen.

Dann huscht Bashs Blick zur Seite, für eine halbe Sekunde nur, aber Kenna entgeht es nicht und sieht sich an, was wichtiger ist, als seine Frau nach langer Zeit wieder bei sich zu haben.

»Mary!«, ruft sie aus, »wie schön, dich zu sehen«, und so, wie ihre Stimme zittert, kaum merklich, weiss Bash, dass sie es sofort begriffen hat.

Er liebt Kenna.

Er liebt Kenna, weil er Mary nicht haben konnte.

Jetzt aber hat er Mary und Mary hat ihn immer und Kenna verzieht keine Miene.

Sie legt nur die freie Hand auf ihren runden, festen Bauch.

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»Sie kann mit Diane im Cottage leben. Die beiden werden gut miteinander auskommen. Sie haben die selben Interessen. Ausserdem ist es in ihrem Zustand besser, wenn sie Ruhe hat. Die Leute an diesem Hof reden zu viel und zu laut. Das Gespött des Hofes zu sein, setzt Kenna doch bestimmt sehr zu. Meinst du nicht?«

Mary legt die Haarbürste weg, blickt über ihre Schulter zu ihm im Bett. Sie sieht kälter aus, aber das trifft auf sie alle zu; Zeit nährt sich von dem Feuer, mit dem sie geboren werden. Aber sie ist noch immer schön und stark und stur, und Bash denkt, er wird es nie müde sein, sie anzusehen, ihr zuzuhören (ihretwegen seinen eigenen Willen aufzugeben).

»Über uns reden sie mehr.«

Er ist immerhin der Bastard, der seinem Bruder die Krone und die Verlobte stehlen wollte. Der nicht gezögert hat, das Bett mit seiner Witwe zu teilen. Der seine eigene Frau zum öffentlichen Gespött macht. Wäre sie als Bastard geboren und er als König, würde sich niemand daran stören; aber sie sind nun einmal, wer sie sind.

»Willst du, dass sie bleibt?«, fragt Mary ruhig. »Willst du, dass sie geht und dich mitnimmt?«

»Mary, ich will dich. Ich wollte immer nur dich.«

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Bash ist nicht da, als Kenna niederkommt.

Als ihr Kind blau und stumm und tot auf die Welt kommt.

»Es tut mir leid«, sagt er später (er fühlt nichts), »Kenna, es tut mir so leid.«

Sie sieht ihn nicht an. »Wir haben nichts. Wir haben alle nur verloren.«

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Er ist kein Heide und kein Katholik, als er aufwacht und auf die Knie fällt, als er schliesslich endlich die eine Wahrheit zulässt, die er verdrängt hat; die er nicht ertragen konnte.

Er hat seinen Bruder verloren.

Er hat seinen Bruder verloren.

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In einem hat Diane sich geirrt.

Francis und er haben nicht bloss das Blut geteilt.

Sie waren Familie.

Es ging nie darum, dass er Mary liebt, weder für sie noch für ihn. Sie hat sich an ihn gewandt, sich an ihn geklammert und sich bei ihm versteckt, weil er Francis auf seine Art genauso innig geliebt hat wie sie. Weil er genauso wenig bereit war, ihn schon loszulassen.  

Weil sie beide ihn verloren haben.

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»Ich werde dich vermissen. Euch beide.«

»Nein«, erwidert Kenna, zu erschöpft für Wut und Bitterkeit, »du wirst zu beschäftigt damit sein, dich um Schottland zu kümmern.«

Sie blicken der Kutsche nach, bis sie nicht mehr zu sehen ist.

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»Wir haben nichts«, wiederholt Kenna eines abends.

Sie klingt beinahe wieder neckisch, und Bash kann nicht anders, als sie vorsichtig anzulächeln.

Sie haben schon einmal mit nichts angefangen (und dieses Mal haben sie losgelassen, was zwischen ihnen stand).

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