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Oneshot - ABC

von Nymphen
SammlungAllgemein / P12 / Het
Camilla Corrin Elise Leo Sakura Takumi
18.06.2016
06.06.2020
26
27.522
7
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Dieses Kapitel
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18.06.2016 1.841
 
Buchstabe 'A' von Nymphen

Ein Angstschrei durchbrach die Stille der Nacht. Schweißgebadet war die kleine Corrin aufgewacht und versuchte verzweifelt sich in ihrer Umgebung zu Recht zu finden. Hatte sie nicht gerade eben noch eine tiefe Panik verspürt? Die Kälte kroch ihr in die Knochen und so fing die 7-jährige an zu zittern. Mit einem Knall wurde die Tür aufgestoßen und ein älteres Mädchen trat mit einer Miene ein, die ganz klar Sorge ausdrückte. Camillas lila Haarpracht war verstrubbelt und von den sonstigen sanften Wellen war nichts mehr zu erahnen. Durch die Kerze in der Hand der Besorgten konnte man das Zimmer spärlich erkennen. Die Vorhänge hingen vor den großen Fenstern herunter und warfen lange Schatten. An Mobiliar gab es nicht viel zu sehen. Ein Bett, in dem Corrin lag und in dem sicher Platz für zwei gewesen wäre, eine Kommode am Fußende für persönliche Gegenstände, ein Nachtisch mit einem Kerzenhalter drauf und noch ein Schrank für die Klamotten des Kindes. Eilig ging die große Schwester zum Nachtisch um dort die Kerzen zu entzünden. Danach stellte sie ihre eigene ab und zog ihren Liebling in eine Umarmung. Tröstend streichelt sie ihr über die weißen Haare und sprach beruhigend auf sie ein. Der ersten Prinzessin war es von Anfang an egal gewesen, dass dieses Mädchen nicht blutsverwandt war. Ein Lächeln von der hoshidischen Prinzessin hatte ausgereicht um ihr Herz zu erreichen und das war auch der Grund, warum sie dieses Lächeln um jeden Preis beschützen wollte. Langsam schien sich Corrin zu beruhigen.
„Danke. Camilla. Danke. Ich denke, es geht wieder?“ Es klang eher wie eine Frage als wie eine Feststellung und so blieb die angehende Kriegerin auf der Bettkante sitzen, löste jedoch die Umarmung auf.
„Was ist passiert?“ Mit dieser Frage störte der Kronprinz die gemütliche Atmosphäre der Schwestern.
„Wahrscheinlich hatte unsere liebe Corrin mal wieder einen Albtraum.“ Dieser sarkastische Kommentar kam von den jüngsten Prinzen. Leo. Er trug einen Pyjama und selbst dieser hatte einen Kragen. Verschlafen hatte der Zauberer die Situation erfasst. Sein Anblick brachte Corrin zum Schmunzeln.
„Du trägst deinen Kragen falsch herum!“ stellte sie kichernd fest.
Geschockt korrigierte dies der 6-jährige. Für sein Alter war er entschieden zu erwachsen. Kein anderes Kind in seinem Alter hätte Wert auf sein Aussehen gelegt. Nachdem er sich sicher war, keinen Fehler an seinen Abendgewandt entdeckt zu haben, setzte er die Unterhaltung fort.
„Und du, kleine Schwester, hättest fast Elise aufgeweckt. Du hast Glück, sie schläft friedlich vor sich hin, doch mein Schlaf ist hinüber. Vielen Dank auch! Schrei doch nächstes Mal ein bisschen leiser, wenn ich bitten darf.“
Schuldbewusst starrte die Angesprochene auf ihre Hände, welche anfingen die Bettdecke zu kneten. Camilla dagegen viel vor Empörung die Kinnlade herunter. Wie konnte es ihr kleiner Bruder wagen so mit ihrer neuen Schwester zu reden? Sie hatte seine Abneigung schon früh gespürt, jedoch hatte sie ihn für höfflich genug gehalten, den Mund zu halten. Xander, welcher die Eskalation der Situation unbedingt vermeiden wollte, so früh am Morgen, probierte eine Schlichtung.
„Corrin! Keine Sorge, uns macht es nichts aufzuwachen. Hauptsache es geht dir gut. Camilla sei so lieb und bleibe noch bei ihr, solange bis sie wieder eingeschlafen ist. Und du Leo, bitte komm mit ich muss unbedingt mit dir Reden, obwohl das kann bis morgen warten. Gehen wir alle wieder schlafen, ja?“
Corrin schien zumindest etwas erleichtert und legte sich zurück auf ihre weiche Matratze. Camilla funkelte Leo noch einmal böse an, bevor sie sich zu ihrer kleinen Schwester legte und ihr Hand hielt. Es war klar, dass sie diese Nacht nicht mehr von ihrer Seite weichen würde. Leo stöhnte nur genervt auf und ging in Richtung seiner Gemächer um zumindest noch ein bisschen Schlaf ergattern zu können. Zufrieden mit seinem Werk, wandte sich auch der Kronprinz zum Gehen. Es war zwar die Wahrheit gewesen, dass Corrins Wohl an erster Stelle stand, aber dennoch hielt es ihn nicht davon ab müde zu sein.

„Was wolltest du nun mit mir besprechen, Bruder?“ fragte Leo Xander vorsichtig. Dessen Blick war müde, doch rang er sich ein Lächeln ab.
„Schön, du hast es nicht vergessen.“
Daraufhin stöhnte sein Bruder genervt auf. „Wie denn auch? Ich konnte deswegen die ganze Nacht kein Auge mehr zu machen.“
Überrascht überprüfte der Ältere diese Aussage.
„Warum siehst du dann nicht aus wie ich?“
„Wie denn? Grauenerregend?“ lachte der zweite Prinz. Froh darüber einmal nicht wegen seiner Pingeligkeit bei der Kleidung aufgezogen zu werden. Andere hätten sich diese Anmerkung niemals getraut, doch wenn man Xander besser kannte, dann wusste man, dass er einen Scherze oder gar die Wahrheit nie übel nahm.
„Du hast ja Recht. Und es tut mir auch leid dich um deinen Schlaf gebracht zu haben, aber...“
„Ist ja nicht deine Schuld, sondern Corrins!“ unterbrach der 6-jährige den Verschlafenen schnell.
„Und genau darum geht es.“ Die Bitterkeit in Xanders Stimme war kaum zu überhören, doch woher sie kam, war für den kleinen Leo ein Rätsel. Als er nicht weitersprach, hakte der Blondhaarige nach.
„Wie meinst du das?“ Verschwörerisch  sah sich der Krieger im Raum um, dann stand er auf, schloss die Tür und setzte sich wieder. Ihm war anzusehen, dass ihm das Gespräch schon jetzt nicht gefiel, aber dennoch zu Ende bringen würde.
„Du bist alt genug um zu wissen, welcher wirklichen Abstammung Corrin entsprang. Die einzige, die dafür zu jung ist, ist natürlich Elise, aber darum geht es im Moment nicht. Es geht eher darum was dir noch nicht so bewusst ist. Corrin selber weiß nicht davon. Sie weiß nicht, dass sie von Sumaragi und Mikoto die Tochter ist. Sie weiß noch nicht mal, wie die Beiden aussehen. Denn all das hat sie vergessen, oder besser gesagt, man hat es sie vergessen lassen. Der zweitbeste Zauberer dieses Landes hat den Befehl von unseren Vater erhalten, sie all dies vergessen zu lassen, um ihre Treue zu Nohr zu besiegeln.“
Leo hatte stumm zugehört. Seine Miene war ausdruckslos, aber dennoch spürte Xander den Missmut, welcher von seinen kleinen Bruder ausging. Mit der jetzigen Stille fing aber auch die Fassade an zu bröckeln. Zähneknirschend schlug Leo mit der Faust auf den Tisch auf. Innerlich entsetze dieses Verhalten den Kronprinzen. Anscheinend hatte Leo Corrin doch liebgewonnen, auch wenn er es nicht zeigte. Der Wutausbruch war kurz, aber dieser kurze Moment ohne Selbstbeherrschung war der ersten von den Jungen gewesen.
„Das... das ist grausam und ich heiße es nicht gut, aber was hat das alles mit den Albträumen zu tun?“
Die Stimme bebte noch leicht vor Wut, doch dieses Gefühl der Wut wich bald dem Gefühl der Angst, als er Xanders trauriges Lächeln sah. Der schlimmste Teil kommt noch, dem waren sich beide in diesem Moment sicher.
„Es war der zweitbeste Zauberer, der den Zauber durchgeführt hat. Er konnte die aller schlimmsten Erinnerungen nicht gut genug verdrängen. Du weißt doch wie der Zauber funktioniert. Man verdrängt die Erinnerungen nur, doch die schlimmsten können als Albträume nachhallen. Gute Zauberer können dieses Nachhallen ganz verstummen lassen.“
„Ja, ich weiß wie der Zauber funktioniert. Das musst du mir wahrlich nicht erklären, doch  wenn du es auch weißt und Vater auch, warum habt ihr nicht den besten Zauberer genommen?“
Xander zwang sich seinen Bruder in die Augen zu sehen und die Wahrheit auszusprechen.
„Vater wollte es, doch ich war der Meinung es würde alles nur noch komplizierter machen. Deswegen habe ich ihn überredet den ersten Hofzauberer zu nehmen, welcher in ganz Nohr der bekannteste ist. Doch jetzt, wo wir jede Nacht geweckt werden bei unserem Hiersein und ich Corrin so leiden sehe, da möchte ich den Zauber erneuern lassen und zwar dieses Mal von einem Experten.“
Leo nickte verständnisvoll.
„Das halte ich für das Beste, wenn schon dann richtig. Doch, wenn ich mir die Frage erlauben dar, was hat das alles mit mir zu schaffen?“
Die Brüder sahen sich intensiv in die Augen. Entschlossen keinen Rückzieher zu machen blinzelte Xander nicht. Die Verständnislosigkeit in Leos Augen wich schnell dem Entsetzen als er die Wahrheit erkannte.
„Ich verstehe. Ich danke dir, dass du es mir ersparen wolltest und ich danke dir auch für deine jetzige Ehrlichkeit. Wenn du mich nun entschuldigst, ich muss – ich muss etwas erledigen.“ Die monotone Stimme von Anfangs brach und mit schweren Schritten verließ der Prinz den Raum.

„Camilla! Xander möchte etwas mit dir besprechen.“ Rief Leo seiner Schwester schon von weiten zu. Diese lag gerade mit ihrer Lieblingsschwester im Gras und redete mit ihr. Überrascht schaute sie auf.
„Entschuldige mich bitte, Corrin. Ich bin gleich zurück.“ Eilig sprang sie auf und rannte an ihrem Bruder vorbei zum Schloss.
Tapfer setzt Leo ein Lächeln auf und setzte sich neben der Weißhaarigen auf den Boden.
„Leo? Bist du noch sauer wegen gestern?“
Der Angesprochene schüttelte den Kopf. Es war ehrlich gemeint und nicht nur eine Notlüge um die roten Augen nicht mit Tränen gefüllt zu sehen.
„Das ist schön. Es tut mir aber auch leid. Da kommt ihr mich schon besuchen und ich beschere euch nur Probleme.“
„Ich könnte dir helfen, aber ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich eine Hilfe wäre.“
Der Satz war von seinen Lippen gekommen, bevor er darüber nachdenken konnte. Sein Gehirn wollte anscheinend es so schnell wie möglich hinter sich bringen.
Verwirrt legte die 7-jährige ihren Kopf schief.
„Wobei helfen? Und warum wäre es keine Hilfe? Ich verstehe das nicht.“
„Ich könnte dafür sorgen, dass du keine Albträume mehr hast. Doch... doch diese Albträume gehören auch zu dir, so sehr ich mir auch wünschte es wäre nicht so. Deswegen musst du selbst entscheiden, ansonsten würde es mein Gewissen zu sehr belasten.“
Wann hatte er angefangen, so ehrlich zu sein. Normalerweise belügte er sich sogar selbst, bei der Tatsache, dass er sie mochte. Wäre hier nicht eine Lüge besser gewesen? Nein, das Gewissen hätte ihn am Ende noch zerstört.
„Es sind doch nur Albträume und auch wenn du der Ansicht bist sie gehören zu mir, so ist das egal. Ich möchte dich nicht nerven und außerdem möchte ich, dass du glücklich bist. Wenn es dazu gehört, dass ich sie nicht mehr habe, dann nehme ich deine Hilfe gerne an.“
Sie schenkte ihm eines ihrer herzlichsten Lächeln, das eindeutig nicht aus Nohr stammte. Er nickte.
„Gut schließe kurz die Augen, ja?“ Mit fester Stimme sprach er den Zauber aus und legte seien Hand sanft auf ihren Kopf. Nachdem das letzte Wort gesprochen war, seufzte Corrin erleichtert auf und viel in seinen Schoss. Friedlich schlief sie vor sich hin. Der talentierteste Zauberer Nohrs legte sie sanft ins Gras und ging mit zitternden Schritten Richtung Schloss. Er bekam gar nicht mit, wie Camilla ihn anfuhr und zu Corrin rannte. Er bekam auch nicht mit, wie ihn Xander verteidigte. An ihm gingen auch die besorgten Mienen der Bediensteten vorbei. Er fühlte sich ausgelaugt, weswegen er sich in seiner Bekleidung aufs Bett fielen lies und sofort einschlief. Das war der einzige Tag, an dem er schweißgebadet und zitternd aufwachte. Zum ersten Mal, seitdem er seine neue Schwester kannte, verstand er ihr Leid wirklich. Den Tod seines Vaters zu sehen, wäre wohl für jedes Kind zu viel gewesen.
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