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Nichts wird so sein wie es mal war

von Piper2677
GeschichteSchmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Dominik Gundlach Dr. Hans-Joachim "Joe" Gerner Jasmin Flemming Mesut Yildiz Patrick Graf Pia Koch
18.06.2016
06.09.2020
19
17.568
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03.10.2016 949
 
(Berlin, Ende November 2012)

                                                        *
Dominik öffnete vorsichtig die Tür. Wie fast an jedem Morgen, seitdem er hier her kam, fand er Patrick vor dem großen Fenster sitzend vor. Er blickte nach draußen und reagierte nicht weiter auf die Tür, die sich hinter ihm öffnete.

Dominik neigte sich hinab und umschloss ihn sanft mit einem Arm. „Guten Morgen, mein Schatz.“ wisperte er ihm zu und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Hast Du gut geschlafen?“ Wie so oft bekam er keine Antwort, aber er wusste, dass Patrick schon auf ihn gewartet und ihn herbei gesehnt hatte. Das Sprechen fiel ihm noch schwer – und das war nach allem was geschehen war wirklich kein Wunder. Es war eher ein unglaubliches Glück, dass er überhaupt noch hier war…

Das Frühstück stand noch unberührt auf dem kleinen Tischchen neben ihm. Malena hatte es dort bereitgestellt, weil sie wusste, dass Dominik kommen und sich darum kümmern würde. Es reichte für Zwei, denn seit Malena von Dominiks Existenz wusste und ihn kennengelernt hatte, plante sie ihn immer zum Frühstücken mit ein.  

Dominik folgte Patricks Blick, der auf die große beleuchtete Tanne vor dem Fenster gerichtet war. Leichter Raureif lag auf den Ästen. „Es ist sehr kalt heute, zum ersten Mal in diesem Jahr sind es unter null Grad.“ teilte er ihm mit. Dann zog er seine Jacke aus und legte sie auf den kleinen Sessel, der in der Nähe des Bettes stand. In Patricks Zimmer war es immer extrem warm, und Dominik begann schnell zu schwitzen.

„Jetzt frühstücken wir erst mal, hm…was meinst Du?“ sprach er Patrick erneut an und setzte sich dann neben ihn auf den Stuhl. Er ließ seinen Blick über das Tablett wandern. In einem kleinen Korb befanden sich zwei Brötchen, etwas Brot und ein Croissant. Das Croissant war für Patrick. Dominik hatte Malena erzählt, dass Patrick zum Frühstück Croissants immer geliebt hatte. Von diesem Tag an hatte sie dafür gesorgt, dass stets eins für ihn vorhanden war. Auf dem kleinen Teller neben dem Korb lagen Butter, Marmelade, etwas Wurst und eine kleine Käseauswahl bereit. Dominik nahm zunächst ein Brot aus dem Korb und bestrich es mit  Kräuterkäse. Dann schnitt er es in winzig kleine Stücke und goss etwas Kaffee in den Becher, damit er schon mal abkühlen konnte.
„Probier mal, ob Du den Käse magst.“ sagte er liebevoll zu Patrick und hielt ihm ein Stück des Brotes hin. Patrick öffnete anstandslos den Mund und nahm es entgegen. Dominik war froh, dass er zumindest bereitwillig aß, und dass er das inzwischen wieder konnte - das war nicht selbstverständlich und auch erst seit ein paar Tagen wieder möglich.

„Sollen wir gleich, nach dem Frühstück, zusammen etwas lesen oder wollen wir mal etwas nach unten gehen? Es ist der 1. Advent. Malena sagte, dass sie eine kleine Adventsfeier veranstalten.“ erzählte er Patrick. Daraufhin sah er, wie sich dessen Augen sofort mit Tränen füllten, und so ruderte er schnell zurück. „Es tut mir leid, Schatz. Das war eine ganz blöde Idee. Wir bleiben hier und machen es uns im Zimmer gemütlich, in Ordnung?“ Sachte strich er mit dem Fingerrücken über Patricks Wange. „Magst Du was trinken?“ fragte er ihn dann und setzte den Deckel auf den Becher, damit Patrick das Trinken möglich war. Dann hielt er ihm den Becher an die Lippen. Patrick nahm einen Schluck, und nachdem er den Kaffee hinuntergeschluckt hatte, schloss er kurz seufzend die Augen. Es strengte ihn alles noch sehr an. Dominik wusste das und drängte ihn nicht. Er nutzte die Zeit, in der Patrick eine Pause brauchte, um selbst auch etwas zu essen. Zwischendurch hielt er ihm aber immer wieder etwas Brot hin und bot ihm Kaffee an – es dauerte lange, aber schließlich hatte Patrick tatsächlich eine ganze Scheibe gegessen und auch den Becher geleert. „Möchtest Du denn auch noch Dein Croissant haben?“ lächelte Dominik ihn an, während er das Gebäck schon durchschnitt und mit Erdbeermarmelade bestrich. Nachdem er es mundgerecht portioniert hatte hielt er es Patrick häppchenweise hin.

„Vielleicht können wir ja auch heute Nachmittag etwas im Haus spazieren gehen und uns in den Wintergarten setzen? Draußen ist es zu kalt, sonst wäre es dort sicher auch sehr schön.“ schlug er vor. Patrick schaute ihn an, sagte aber nichts weiter. Dominik versuchte alles, um ihn abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen. Aber das gelang ihm kaum – und war auch, nach allem was geschehen war und was Patrick zu verkraften hatte, kein Wunder. Es war ihm kaum möglich abzuschalten und an etwas anderes zu denken. Das Schicksal hatte grausam zugeschlagen und ihm jegliche Lebensfreude genommen.

In dem Augenblick klingelte Dominiks Handy. Er zog es aus der Hosentasche und schaute auf das Display. „Jasmin.“ sagte er und ging ran. „Hey Jasmin. … Genau… Nein, ich bin nicht zu Hause.“ Es entstand eine Pause. „Ja, ich weiß, dass ich in letzter Zeit schwer zu erreichen bin. Aber es geht gerade nicht anders….“ Erneute Pause. „Nein, ich kann Dir das jetzt nicht erklären. … Eine neue Freundin? Nein – das ist es nicht. Ja, ich melde mich….Ja, versprochen.“ …. „Ok, bis dann.“ Dominik legte auf. Dann schaute er Patrick wieder an.

Zurückgelehnt saß er da und schien schon allein vom Essen wieder vollkommen geschafft und müde zu sein.
„Alle wundern sich, dass ich kaum mehr erreichbar bin.“ erzählte Dominik ihm. Er steckte sein Handy weg und streichelte Patrick über die Wange.

                                                              *
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