The Good, the Bad  and the Gunzerker

von ElGringo
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
17.06.2016
17.06.2016
8
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17.06.2016 6.457
 
“A glaring neon glow illuminates this street
Breathe in these human vapors, sweat and heavy heat
Hi-tech cathedrals rise and fall in great ravines
Colossal steeples to the gods in the machines”

-Miracle of Sound, “New black Gold”-



Nach wenigen Stunden und einer ziemlich ereignislosen Wanderung kamen sie schließlich an die Tore der legendären Stadt, die im Bürgerkrieg dem Widerstand als letzte Zuflucht gedient hatte und nach dem Fall von Handsome Jack so etwas wie die Hauptstadt des Planeten geworden war. Nun standen sie endlich vor dem Transportsystem, dass sie ins Innere der mehrere Kilometer über dem Erdboden schwebenden Stadt bringen würde.
„Endlich, wenn ich noch eine Minute länger neben dir laufen hätte müssen, wären meine Nasenlöcher sicherlich den Freitod gestorben.“, beschwerte sich Atlas künstlich über die Ausdünstungen des Gunzerkers.
Mary nahm es zum Glück mit Humor: „Du riechst auch nicht viel besser. Als nächstes sollten wir dir deodoriertes Eridium geben.“
Trish rollte mit den Augen, einen Gnadenpunkt für versuchten Humor. Aber es gab jetzt wichtigeres als die komödiantischen Fähigkeiten von Mary.
„Leute, wir sind alle müde und riechen gewiss nicht wie ein fabrikneuer Blumenstrauß. Ich bin dafür, wir teleportieren uns jetzt einfach in die Stadt, suchen uns eine Schlafgelegenheit und hauen uns ein paar Stunden auf Ohr. Und morgen sieht die Welt schon besser aus.“, schlug Trish vor und stellte sich vor die Fast-Travel-Station.
„Hyperion wünscht ihnen einen wundervollen Tag und freut sich, dass sie sich entschieden haben, das Fast-Travel-Netzwerk von Pandora zu nutzen. Bitte führen sie ihren Credit-Chip ein, damit die Gebühr von 150 ₴ von ihrem Konto abgebucht werden kann.“, meldete sich eine Frauenstimme aus der kleinen Box vor ihr.
Trish drehte sich zu ihren Freunden um und sagte: „Hat einer von euch Kleingeld? Bei der Explosion ist mein Chip kaputtgegangen und ich trage nie Bargeld bei mir.“
Atlas schüttelte den Kopf: „Ich habe einen Waffengutschein für Marcus Munitions, aber Bares? Habe ich erzählt, dass ich völlig blank auf diesen Planeten gekommen bin?“
Auch Mary verneinte die Frage: „Mary kann leider auch nicht helfen. Vielleicht, lässt diese Maschine uns gratis nach Sanctuary, wenn Mary sie ein wenig in die Mangel nimmt?“
Trish winkte ab: „Ich denke nicht, dass das funktioniert. Mercer, wenn du vielleicht…“. Aber dieser hatte bereits theatralisch seine Hosentaschen nach außen gestülpt, um zu zeigen, dass auch bei ihm Ebbe herrschte.
„Na toll, das heißt, wir haben ein Zugunglück und einen Kampf gegen einen Elder Skag überlebt, nur um jetzt vor verschlossenen Türen zu stehen? Was für ein Scheißplanet ist das eigentlich?“, ereiferte sich Trish und trat gegen den Automaten vor ihr.
„Bitte zügeln sie ihre Wut und zerstören sie kein Eigentum von Hyperion. Sachbeschädigungen gegen Objekte von uns werden gemäß § 24 des Imperialen Gesetzbuches in sämtlichen bekannten und unbekannten Systemen verfolgt. Einen wunderschönen Tag noch.“, zwitscherte die Frauenstimme, um Trish von ihrem destruktiven Verhalten abzubringen.
„KLAPPE. Hyperion ist aufgelöst, du stehst hier nur noch rum, weil neue Technologie auf Pandora schwer zu bekommen ist.“, ereiferte sich Trish, bis sie bemerkte, dass sie sich mit einer Maschine stritt. Soweit war es schon gekommen, es war aber auch zum Skagmelken.
„Verzaget nicht, meine Lakaien. Claptrap ist hier um euch zu retten.“, ertönte plötzlich eine Stimme hinter ihnen. Die Vault Hunter wirbelten herum und sahen einen kleinen, gelben Roboter vor ihnen stehen, der wild mit den Armen gestikulierte.
„Hi. Ich bin Claptrap, aber ihr dürft mich Meister nennen. Ich bin der letzte aus der CL4P-TP-Reihe und Beherrscher der Badlands von Pandora. MUHAHAHA.“, begann der Roboter irre zu lachen.
„Also, dann solltest du in deinem Zuständigkeitsgebiet mal aufräumen, was da alles herumläuft.“, antwortete Atlas trocken, was ihm einen Seitenhieb von Trish einbrachte. Vielleicht konnte ihnen dieser kleine Kerl helfen, nach Sanctuary zu kommen.
„Was mein Kollege meint ist, dass wir auf dem Weg hierher ein paar Probleme hatten und deshalb jetzt vor verschlossenen Türen stehen. Könntet ihr uns helfen, nach Sanctuary zu gelangen?“, bat sie Claptrap um Hilfe.
„Natürlich kann ich euch helfen. Ich kontrolliere nicht nur die Badlands, sondern auch sämtliche elektronischen Geräte auf Pandora. Ich bin sozusagen das Alphaneutrum auf diesem Planeten. MUHAHAHA.“, ließ er wieder sein irres Lachen hören. Als er die irritierten Gesichter der Vault Hunter sah, zog er etwas, dass man wohl am ehesten als „verärgertes Gesicht“ bezeichnen würde, hätte er so etwas wie Mimik. „Das ist der Teil, wo ihr eurem Meister huldigt. Ihr seid noch nicht wirklich lange Lakaien, oder?“
„Entschuldigt, „Meister“, wir sind noch neu auf diesem Planeten. Könntet ihr uns jetzt vielleicht nach Sanctuary hineinlassen?“, beeilte sich Trish zu sagen.
„Natürlich könnte ich das tun. Aber viel lustiger ist es, wenn ihr vorher einen kleinen Auftrag für mich erledigt. Ol’ Hanson, der Anführer der Wüstenbanditen, liefert mir jede Woche einen Kanister des besten Maschinenöls für einen guten Preis. So eine gute Geschäftsbeziehung muss natürlich gefeiert werden. Ich will, dass ihr ihn in seinem Hauptquartier ausfindig macht, ihn tötet und seine Vorräte stehlt. MUHAHA. Was ihr mit der Leiche macht, bleibt euch überlassen. Was steht ihr hier noch rum, AUF GEHT’S!“, befahl der kleine Roboter.
Trish sah in die Runde ihrer Gefährten. Noch ein Abenteuer, bevor ihre eigentliche Mission überhaupt begonnen hatte? Keiner schien besonders scharf darauf zu sein, aber hatten sie eine Wahl? Sie mussten nach Sanctuary und Claptrap schien der Einzige, der ihnen dabei helfen konnte. Gott, manchmal hasste sie ihr Leben.
„Nun gut, wenn du uns versprichst, dass du uns…“, begann Trish, doch sie stockte, als Mercer etwas aus seiner Tasche kramte und dem Roboter hinhielt. Dessen Augen begannen zu leuchten und er begann wild mit den Armen zu rudern.
„OH! MEIN! GOTT! Eine Passions-Diode. Das ist besser als Alkohol. Da Alkohol meine Schaltkreise zerstört und sonst keinerlei Auswirkungen auf mich hat, ist zwar so ziemlich alles besser als Alkohol aber WOW. Damit könnte ich sämtliche weiblichen Claptraps von Pandora beeindrucken, wenn ich nicht der letzte meiner Art wäre. Hätte ich so etwas wie Emotionen, würde ich glatt depressiv werden, wenn ich so darüber nachdenke. Aber genug der langen Reden. Lakai, gib deinem Meister die Passions-Diode.“, befahl Claptrap und wippte ungeduldig auf und ab.
„Vorschlag. Lässt uns nach Sanctuary und vielleicht findet diese Diode den Weg in deine Schaltkreise.“, stellte Mercer die Bedingungen.
Der Roboter schien kurz mit sich zu hadern, bis er schließlich nachgab. „Ich mag zwar deinen Ton nicht, aber mir gefällt deine Art zu verhandeln. So sei es also. Lakai, gib mir die Diode und ich werde euch nach Sanctuary bringen.
„Gegenangebot.“, antwortete Mercer mit einem fiesen Grinsen, dass nur jemand zeigen konnte, der erkannt hatte, dass er den Kampf bereits gewonnen hatte. „Hab zuviel schlechte Erfahrungen mit solchen Deals, als dass ich drauf reinfall. Öffnest uns die Tür, DANN kriegst du die Diode.
Claptrap grummelte etwas, dass wie „Unter Handsome Jack wäre so was nicht passiert.“ klang, drehte sich zur Fast-Travel-Station und öffnete eine Konsole an der Seite des Automate. Nachdem er sich ein heraushängendes Kabel in eine Öffnung, welche dem Äquivalent eines menschlichen Unterleibs entsprach, gesteckt hatte, begann er auf die Maschine einzureden.
„Hallo Susan. Schön siehst du heute aus. Ich hätte eine Bitte, würdest du diese vier Lakaien bitte für Premium-Travel freischalten?“, versuchte der Roboter den Automaten zu überzeugen.
„Herzlich Willkommen, Claptrap. Vielen Dank, ich wünschte, ich könnte das Kompliment zurückgeben. Leider muss ich dir mitteilen, dass ich die vier nicht freischalten kann, da du die anderen Vault Hunter ebenfalls noch nicht bezahlt hast.“, antwortete der Automat und Trish hätte schwören können, einen belustigten Unterton aus der Roboterstimme herauszuhören.
„Komm schon, Baby. Denk an all die Sachen, die wir gemeinsam erlebt haben.“, drängte Claptrap.
„Das tue ich bereits.“, antwortete der Hyperion-Automat. „Und solltest du mein Datenkabel nicht SOFORT aus deinem Port herausnehmen, sehe ich mich gezwungen, dich wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz anzuzeigen.“
So ging die Diskussion zwischen den Beiden eine Weile hin und her, bis die Fast-Travel-Station schließlich meinte: „Soeben wurden genug Credits von Sanctuary bezahlt, um vier Personen für Premium-Travel freizuschalten. Vielen Dank, dass sie das Hyperion Fast-Travel-Network benutzen.“
Claptrap stutzte kurz, drehte sich zu den Vault Huntern um und erhob mangels einer stolzgeschwellten Brust theatralisch die Arme: „Lakaien, ich habe euch soeben freigeschalten. Wenn ihr so freundlich wärt, euren Teil der Abmachung ebenfalls einzuhalten…“
Trish sah zu Mercer und nickte ihm zu: „Gib sie ihm, vielleicht brauchen wir ihn noch einmal.“
Der Angesprochene zuckte mit den Schultern und händigte dem Roboter die Diode aus, die sich dieser sogleich einbaute, ohne die angewiderten Blicke der Vault Hunter zu beobachten.
„So sehr ich eine Roboterpeepshow wie alle anderen Anwesenden hier auch genieße, sollten wir nicht langsam mal in die Stadt und nachsehen, wer für uns die Reise bezahlt hat?“, presste Atlas angeekelt zwischen seinen Lippen hervor.
„Atlas hat Recht, mir nach.“, riss sich auch Trish von dem Anblick los und trat vor die Maschine. „Auf nach Sanctuary.“
Kaum hatte sie das letzte Wort ausgesprochen, spürte sie, wie sich ihre Atome langsam voneinander trennten und von dem Automaten digitalisiert wurden. „Ein merkwürdiges Gefühl.“, dachte sie, während ihr kompletter Unterleib bereits aufgelöst war und sich der Digitalisierungsstrahl langsam nach oben tastete. „Fast so, als würde…“, doch in diesem Moment war auch das letzte Molekül der Kommandoeinheit im Speicher der Fast-Travel-Station verschwunden und wurde von dort direkt in ihr Äquivalent in Sanctuary geschickt.

Als die Welt aufhörte, sich in kleinen, blauen Zahlen zu materialisieren und Trish ihre Umgebung wieder wahrnahm, blickte sie einem schlaksigen Mann Mitte Dreißig, der gelangweilt dreinblickte und eine ziemliche Alkoholfahne hatte, ins Gesicht.
Als ihre Mitstreiter sich ebenfalls materialisiert hatten, nahm ihr Gegenüber einen Schluck aus einer braunen Flasche und sprach schließlich: „Okay, vier Vault Hunter, business as usual. Ich bin Mordecai und war im Team der ersten Hunter. Lilith hat mir aufgetragen, euch ins Hauptquartier zu bringen, da will sie euch erklären, wies mit euch weitergeht. Soweit irgendwelche Fragen?“
Mordecai starrte in die Runde und nachdem die Vault Hunter keine Anstalten machen, ihn mit Fragen zu überhäufen, drehte er sich herum und bedeutete ihnen, ihm zu folgen.
Trish sah ihre Freunde kurz an, zuckte mit den Schultern und folgte Mordecai zum Hauptquartier der Vault Hunter. Auf dem Weg dorthin wurden sie von den Einwohnern Sanctuarys misstrauisch beäugt. Vor allem die Muskeln von Mary und die Hautfarbe von Atlas schienen die Blicke der Menschen geradezu anzuziehen. Ein besonders neugieriges Mädchen stellte sich der Sirene sogar in den Weg und als Atlas sich zu ihr hinunterbeugte, strich sie mit ihrem Finger kurz über seine Wange. Nachdem sie ihre Hand kurz betrachtet hatte, sah sie zur Sirene auf, begann herzzerreißend zu schreien und war schneller verschwunden, als Atlas „Phasepulse“ sagen konnte.
Trish und Mercer lachten aufgrund des dümmlichen Gesichtsausdrucks, den die Sirene hatte. Mary dagegen schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter, was diesem ein schmerzliches Lächeln entlockte, und brüllte ihm ins Ohr: „Tja, mein Lieber, scheint, als hättest du beim weiblichen Geschlecht weniger gute Karten. Aber keine Angst, Trish und Mary sind für dich da. Und Mercer auch, da kannst du beruhigt sein.“
Atlas sah nicht wirklich beruhigt aus, rollte aber seine Schulter kurz und beeilte sich, mit den anderen zum Hauptquartier aufzuschließen, um die Anzahl der peinlichen Zusammenstöße auf ein Minimum zu beschränken.
Schließlich stoppte Mordecai vor einem verfallenen Haus, dessen Zustand im Vergleich zu den anderen Gebäuden in Sanctuary jedoch beinahe als „bewohnbar“ durchgehen würde. Das einzige, was ihm fehlte, um wirklich gemütlich zu wirken, war so etwas wie eine Vorderseite.
Mordecai sah Trishs fragenden Blick und erklärte, wie es zu dieser architektonischen Unzulänglichkeit kam. „Denkt euch nichts dabei. Unser Berserker Brick hatte eine kleine Auseinandersetzung mit mir, nachdem ich ihm etwas von meinem Booze angeboten hatte.“, deutete er auf seine Flasche, aus der er hin und wieder einen Schluck nahm. „Konnte ja nicht ahnen, dass der Kerl keinen Alk verträgt. Das Ganze war ihm natürlich ziemlich peinlich und er hängt jetzt hauptsächlich mit seiner alten Banditencrew, den Slabs, in den Badlands von Pandora rum. Würd euch empfehlen, ihn lieber nicht aufzusuchen, Maya hat er neulich versucht auseinanderzunehmen. Wenn ich so drüber nachdenke, könnt er das allerdings auch als freundschaftliche Umarmung gemeint haben. Egal, hier sind wir im Vault Hunter HQ in Sanctuary. Setzt euch, aber lasst die Finger von meinem Booze.“
„Willst du uns nicht vorstellen, Mordecai?“
Trish hatte nicht bemerkt, dass zwei Frauen den Raum betreten hatten. Aufgrund ihrer blauen Hautfarbe waren beide unschwer als Sirenen zu identifizieren. Während jedoch eine der Beiden eine passende Haarfarbe hatte, waren die Haare der Anderen von einem schmutzigen Rot, welche ihr ein feuriges Aussehen verliehen. Sie war es auch, die Mordecai zur Identität der Vault Hunter befragt hatte, während sie genüsslich ein Stück Feuermelone aß. Diese auf Pandora heimische Pflanzenart war für normale Menschen hochgiftig, da das Fruchtfleisch die Magenwände zersetzt, der Sirene schien die Frucht jedoch nichts auszumachen.
Mordecai rollte mit den Augen, nahm erneut einen Schluck und meinte zu den Beiden: „Ist ja gut. Lilith und Maya: Das sind Vault Hunter eins bis vier. Vault Hunter: Die Kleine ist Maya, von der ich schon erzählt habe, und Miss Rotschopf ist die bezaubernde Lilith. Ich würde etwas weniger auffällig starren, wenn ich du wäre.“
Trish sah zur Seite und entdeckte, dass Atlas den Blick gesenkt hatte und ein Gesicht wie ein Schuljunge machte, der gerade dabei erwischt wurde, wie er seiner Lehrerin unter den Rock gespitzt hatte. Aber sie konnte es ihm nicht verübeln, auch wenn Sirenen nicht ihr Typ waren, die Beiden sahen sehr sexy aus. Wie mussten sie dann erst auf eine Sirene wirken?
Auch Maya schien Atlas’ Blick bemerkt zu haben. „Ach, lass ihn doch ein wenig kucken, aber vielleicht sollten wir uns erstmal ein wenig näher kennenlernen?“, kicherte sie und kam auf die Vault Hunter zu. „Wie unser Jäger schon gesagt hat, ich bin Maya und die Einzige aus dem zweiten Vault Hunter Team, die den Kampf mit Jacks „Warrior“ überlebt hat. Ich hoffe, Mordecai war nicht allzu unfreundlich zu euch, er wird leicht grummelig, wenn er zuviel von seinem Booze intus hat.“
„Wobei angemerkt werden muss, dass er ständig am Trinken ist.“, schaltete sich nun auch die rothaarige Sirene ein. „Mein Name ist Lilith und nachdem Jack unsere Kommandoeinheit Roland getötet hat, bin ich die einzige, die durch ihre Führungskraft das Team zusammenhalten kann.“, erklärte sie mit einem gewissen Stolz in der Stimme, woraufhin Maya bissig antwortete: „Wenn ich dich erinnern darf, welche Sirene sich von uns beiden hat fangen lassen, den Vault Key geladen und damit Jack überhaupt erst die Möglichkeit gegeben hat, den „Warrior“ zu wecken, ich war es nicht.“
„Musst du das denn immer anbringen? Ich hab mit meinem Team damals den Destroyer vernichtet, der Pandora sonst komplett ausradiert hätte, mach das mal nach.“, gab Lilith schnippisch zurück.
Maya lächelte süffisant und begann an ihren Fingern abzuzählen: „Also, ich habe alleine den „Warrior“ vernichtet, anschließend den Piratenschatz von Captain Scarlett gefunden, Professor Nakayama und seine Armee geklonter Jacks vernichtet und Mr. Torgues Massaker-Match überlebt. Hab ich was vergessen, Mordecai?“
Der Jäger schien sich zu langweilen und murmelte: „Vergiss nicht die Sache mit Tiny Tina und ihr bescheuertes Rollenspiel „Bunkers & Badasses“, das ich immer noch nicht kapiert habe.“
Da sich das Gespräch im Kreis zu drehen schien, ergriff Trish die Initiative: „Damit ihr uns auch mal kennenlernt, ich bin Trish, die Kommandoeinheit. Das hier sind Mary, unser Gunzerker, unser Scharfschütze Mercer und der nette Herr in blau ist Atlas, unsere Sirene. Wir sind hier, weil…“, doch sie wurde von Mayas überraschtem Schrei „Eine männliche Sirene? Wo gibt’s den so was?“ unterbrochen.
Jetzt schien es auch Lilith aufgefallen zu sein, dass sich Atlas’ Aussehen ein wenig von dem seiner Mitstreiter unterschied, aber sie wandte sich zuerst an die anderen Vault Hunter: „Ihr seid sicher ziemlich müde. Mary, du teilst dir ein Zimmer mit Mordecai, sein Zimmergenosse Brick schläft jetzt schon länger auswärts. Trish und Mercer, ich hoffe, ihr habt nichts dagegen, dass ihr euch ein Zimmer teilt? Wir sind eigentlich nicht auf so viele Besucher ausgelegt. Und Atlas, du schläfst bei uns Beiden im Zimmer, dann rücken wir eben etwas zusammen.“, verteilte sie die Vault Hunter im Hauptquartier.
Mordecai wurde hellhörig, als Mary ihm zugeteilt wurde. Er nahm noch einen Schluck Booze, Mary an der Hand und ging mit ihr in einen Nebenraum, auf dessen Tür „Nur für Jäger und Berserker“ gemalt war. „Stör dich an der Beschriftung nicht, Brick is’ das ziemlich wurst, wer in seinem Bett pennt. Solltest du irgendwo getragene Unterhosen finden, bitte nicht dran schnüffeln, vielleicht werden die noch gebraucht. Ein Schlückchen Booze?“, fragte Mordecai den Gunzerker und schloss die Tür hinter sich.
Trish wollte die Sirenen gerade etwas über Sanctuary und ihre Aufgaben hier ausfragen, als Maya sich zu ihrer Freundin beugte und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Lilith grinste schelmisch, stand auf und ging um den Tisch auf Atlas zu. Sie beugte sich zu ihm herab und murmelte etwas in sein Ohr, von dem Trish nur die Wortfetzen „ausgehungerte“ und „gleichzeitig“ verstand. Atlas’ Gesicht nahm eine lila Färbung an, so musste es wohl aussehen, wenn Sirenen erröten und schüttelte verschüchtert den Kopf. Lilith hauchte ihm ein „Na dann.“ zu und verschwand mit Maya in einem weiteren Nebenraum. Trish sah nur noch, wie sie die Hand aus der Tür streckte und eine „Komm her“-Bewegung mit ihrem Zeigefinger in Richtung der Vault Hunter machte. Atlas erhob sich, sah entschuldigend zu Trish und Mercer und begann zu stammeln: „Lilith meinte gerade, dass sie gerne … also, dass wir und Maya…“, aber Trish lächelte wissend und winkte ab: „Viel Spaß, und mach nichts, was ich nicht auch tun würde.“
So verließ auch die letzte Sirene den Raum und ließ Trish mit dem Scharfschützen zurück.
Die beiden sahen sich an und keiner von beiden wusste so recht, was nun zu sagen war. Schließlich brach Mercer die Stille: „Also, weiß ja nich’, wies dir geht, aber ich hatte ’nen langen Tag und würd mich auf Ohr hauen. Kommste gleich nach?“
Trish nickte und meinte: „Sofort, ich lass den Tag noch etwas Revue passieren und werd auch gleich schlafen kommen.“, woraufhin sich der Scharfschütze erhob und in Richtung des ihnen zugewiesenen Zimmer ging.
Als Trish allein im Versammlungsraum des Hauptquartiers saß, überkam sie ein Gefühl der Einsamkeit. Auch wenn er ein Arschloch war, vermisste sie doch die Geborgenheit, die Simon ihr früher gegeben hatte. Sicher, sie hatte in Mary, Atlas und Mercer gute Freunde gefunden und auch die alten Hasen aus Sanctuary schienen im Großen und Ganzen ziemlich okay zu sein. Aber Mercer war der Einzige, bei dem sie sich sicher fühlte und sie hatte das Gefühl, dass er eine Barriere um sich herum aufgebaut hatte, die sie nur schwer überwinden konnte. Vielleicht sollte sie die Gelegenheit beim Schopf packen und die nächsten Stunden, die sie allein verbringen würden nutzen, um ihn aus seiner Schale zu locken. Als sie sich erhob und auf ihr gemeinsames Zimmer zuging, kam sie am Schlafgemach von Mordecai und Mary vorbei. Sie würde zu gerne wissen, was die beiden gerade trieben.
Trish schlich sich an die Tür und presste ihr Ohr dagegen. Sie hörte die gedämpfte Stimme von Mordecai: „Also Mary, Hosen runter, jetzt wird’s ernst!“, worauf diese mit einem „Zeigst du Mary deins, zeig sie dir ihrs.“ antwortete.
Trish zog die Stirn kraus. Sollten die Beiden wirklich… Nein, sicherlich hatte sie sich verhört und es ging um etwas anderes. Aber ihre Neugier war geweckt und sie lauschte noch etwas angestrengter.
Als nächstes hörte sie Mordecai leicht verunsichert fragen: „Du hast ja echt einen Großen. Bist du sicher, dass der da hineinpasst?“ Marys läppischer Kommentar dazu war: „Es wird dir wehtun, aber du wusstest, worauf du dich einlassen wirst. Deine Hand reicht Mary einfach nicht.“
Mit schreckensgeweiteten Augen zuckte Trish zusammen. Hatte Mary etwa… War sie am Ende gar keine… Sie musste Gewissheit haben und versuchte, die Tür einen Spalt zu öffnen. In ihrer Nervosität gab sie der Tür jedoch einen zu kräftigen Schubs, die daraufhin weit aufsprang, woraufhin sich der Jäger und der Gunzerker zu Trish umdrehten, die erschrocken im Türrahmen stand.
Der Anblick, der sich ihr bot, war für Trish sehr … unerwartet. Mordecai mischte gerade ein Kartendeck und Mary zählte einen Geldstapel, den sie augenscheinlich gerade gewonnen hatte. Als sie die Kommandoeinheit sah, lachte sie herzlich und hielt ein Bündel Geldscheine hoch: „Hallo Trish, sieh nur, was Mary gerade bei „Space Fight“ gewonnen hat. Mordi dachte, dass er sie mit zwei Kadetten und einem mittleren Navigator auf der Hand abzocken kann, aber Mary hatte einen großen Käpt'n auf der Hand. Er wollte sie erst überzeugen, dass ein großer Käpt'n nicht auf einen Handelsfrachter gespielt werden kann, aber er ist einfach nur ein schlechter Verlierer.“
Der des Spielbetrugs Angeklagte ignorierte Mary und wandte sich an Trish: „Möchtest du eine Runde mitspielen? Die Regeln sind ziemlich einfach, du startest mit einem Transportschiff der Klasse 1 und musst…“, doch Trish winkte ab. Sie wünschte den Beiden noch viel Spaß und ging schließlich zu ihrem Zimmer.
Dort angekommen sah sie Mercer weit ausgestreckt auf einem Doppelbett liegen, bekleidet nur mit einer schwarzen Boxershort. Der Scharfschütze musste erschöpfter sein, als er zugeben wollte, denn die gleichmäßigen Schnarchgeräusche verrieten, dass er bereits jetzt tief und fest schlief. Trish musste schmunzeln, Mercer sah richtig süß aus, wie er so dalag. Aber eigentlich sah er immer ziemlich süß aus. Sie nahm ihre Fliegerbrille ab und legte sie auf eine bereitstehende Kommode, sie würde sie jetzt erstmal nicht mehr brauchen. Ihre Lederjacke und ihr Top folgten sogleich, bei dem, was sie jetzt vorhatte, war weniger wirklich mehr. Als sie nur noch in Unterwäsche vor dem Doppelbett stand, bekam sie kurz Zweifel. War sie wirklich schon bereit für diesen Schritt?
„Scheiß drauf, es wird langsam Zeit, dass du Simon hinter dir lässt.“, dachte sie sich und schob sich langsam neben Mercer. Als sie neben ihm auf ihrer Seite lag, stockte sie kurz: „Ok, so weit, so gut. Was jetzt? Soll ich ihn wecken, oder ihn schlafend verführen? Was, wenn ihm das nicht recht wäre? Gott, ich lieg schon zu viel lange auf dem Trockenen.“
Sie streckte vorsichtig ihre Hand aus und begann die nackte Brust des Scharfschützen mit sanften Kreisen zu streicheln. Dieser begann leise zu stöhnen, wachte allerdings nicht auf. Trish lächelte, sie hatte es also immer noch drauf. Als nächstes gab sie dem Scharfschützen einen gehauchten Kuss auf die Wange, den dieser mit einem wohligen Murmeln quittierte. Als dies jedoch seine einzige Reaktion blieb, küsste Trish ihn erneut. Und noch mal.
„Hm, wir spielen den Unerreichbaren? Mal sehen, wie lange du das durchhältst.“, dachte sich Trish, als sie Mercers Augen kurz aufblitzen und sofort wieder schließen sah. Der Kerl tat nur so, als ob er schlief! Aber gut, dieses Spiel konnte Trish auch spielen.
Sie lächelte in sich hinein und begann, sich langsam Mercers Brust in Richtung seines Bauchnabels zu küssen. „Na komm schon, mach die Augen auf. Ich merk doch, dass dir das gefällt.“, unterbrach sie ihre Reise und sprach den Scharfschützen direkt an. Dieser öffnete die Augen und streichelte Trish über ihr Gesicht. Lange starrten sie sich einfach nur an, ohne etwas zu sagen. Doch auch wenn sich Trish nichts sehnlicher wünschte, als mit dem sexy Scharfschützen zusammen zu sein, so merkte sie doch, dass ihn etwas zu bedrücken schien.
Resignierend drehte sie sich auf den Rücken und verschränkte die Arme über ihrer Brust.
„Wie heißt sie?“, wollte Trish wissen und hoffte, dass sie ihr Gefühl trog. Doch Mercers Antwort „Ophelia.“ machte ihr diese Hoffnung zunichte. Auch wenn sie es schon die ganze Zeit gefühlt hatte, so zerbrach dennoch etwas in ihrem Herzen, als der Scharfschütze so offen zu ihr war.
„Und wer bin dann ich? Ein Abenteuerflirt, von dem man seiner Freundin daheim nichts erzählt, weil man sonst eine Woche auf der Couch schlafen muss?“, presste Trish hervor.
Mercer antwortete nicht und Trish drehte sich demonstrativ von ihm weg. Was für ein Arschloch, dachte sie sich und spürte, wie ihr die Tränen die Wangen hinunterflossen. Warum machte er ihr erst Hoffnungen, wenn es schlussendlich darauf hinauslief, dass er am nächsten Tag vor den anderen Vault Huntern nur angeben wollte, sie geknackt zu haben.
„War Patient Null, falls du es genau wissen willst.“, sagte Mercer schließlich tonlos und Trish schreckte hoch. Bedeutete das etwa…
„Ophelia war eine Sirene und kam nach Terra, um am dortigen Eridium-Research-Center zu forschen. Lernten uns kennen, weil ich mich freiwillig als Testsubjekt meldete. Beziehung war anfangs rein geschäftlich, entwickelte sich aber gut. Bis ihr Bruder ihr verseuchtes Eridium zu Forschungszwecken geschickt hat. Zeug war harmlos, wenn man’s nur kurz anfasste. Aber sie wollte wissen, was das Material kann. Hatte das Zeug 24 Stunden am Tag in der Hand. Hat ihre DNA verändert und sie wurde … anders. Wurde aggressiv, is‘ über ihre Kollegen hergefallen. Hab versucht, zu ihr durchzudringen, aber sie war nicht mehr darin. Körper war nur noch eine Hülle mit dem Drang zu fressen. Ohne meine kleine Freundin hier, wär‘ ich heute wahrscheinlich in ihrem Magen oder ein Untoter wie sie.“, schloss er seine Ausführungen und tätschelte seine Armbrust, die neben dem Bett stand.
Trish war kurz sprachlos. Mehrmals öffnete sie den Mund, doch kein Ton verließ ihre Kehle. Schließlich schluckte sie einmal heftig und versuchte, sich aus diesem gigantischen Fettnäpfchen zu manövrieren: „Das … tut mir leid, das wusste ich nicht. Gott, das muss grauenhaft gewesen sein, zuzusehen, wie sich seine eigene Partnerin… Und sie dann… Und ich verdächtige dich, mich einfach nur… Verdammt, wie schlecht musst du über mich denken?“, murmelte sie und ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen. Sie hatte aber auch sehr taktlos reagiert. Mercer hatte doch erzählt, dass er der wahrscheinlich letzte Überlebende von Terra war. Und sie unterstellte ihm eine Freundin, die er mit ihr betrügen wollte. Warum musste sie immer alles versauen, wenn es gerade gut aussah?
„Ist okay, konntest es ja nicht wissen. War natürlich hart, sie umzubringen, aber glaube, das Leben hatte sie schon vorher verlassen. Hab‘ sie eher erlöst und ihr ’nen Gefallen getan. Und wenigstens hast du mich noch nicht versucht umzubringen, hast Ophelia schon mal was voraus.“, scherzte der Scharfschütze und Trish musste lächeln. Trotz ihrer verletzenden Äußerungen machte er immer noch Scherze. Das war es, was sie so an ihm liebte. Vielleicht war zwischen ihnen ja doch noch nicht alles verloren und die Beiden konnten die Nacht noch nutzen.
„Außerdem, kann so etwas ja auch als Konfliktbewältigung sehen.“, holte sie Mercer aus ihren Gedanken und legte seine rechte Hand auf ihren Oberschenkel. Trish musste ob dieser dümmlichen Anmache kichern und antwortete: „Aber Herr Muldoon, was würde denn ihre Exfreundin sagen, wenn sie uns so sehen würde.“ und wehrte seine Hand spielerisch ab. Doch dieser ließ sich davon nicht beeindrucken, begann seine Finger langsam in Richtung ihres Schoßes wandern zu lassen und antwortete in seiner typisch lässigen Art: „Würd‘ wahrscheinlich fragen, warum ich mir so lang hab‘ Zeit gelassen.“
Trish kicherte erneut, und bewegte ihren Kopf auf sein Gesicht zu. „Lass uns doch dieses sinnlose Gespräch beenden und zu den wirklich wichtigen Dingen kommen.“
Ihre Lippen berührten die seinigen und sie merkte, wie seine Zunge in ihren Mund einzudringen versuchte. Sie wehrte sich nicht, sondern ließ es geschehen. Ihre Zungen begannen einen wilden Tanz und sie merkte, wie die Luft um sie herum zu knistern begann. Mercer ließ nun auch die Finger seiner anderen Hand über Trishs Körper wandern und diese wand sich vor Lust. Und genau in dem Moment, in dem seine Hand anfing, ihre Brüste sanft durchzukneten…
“I EJACULATE FIRE! A VENOMOUS FLUID! CANTANKEROUS DRUID! IT KILLS WHEN I BREED! WITH MY DEATH-SEED!“, tönte es plötzlich aus dem Radio, welches sich auf dem Nachtschrank befand und die Beiden wurden aus ihrer trauten Zweisamkeit gerissen.
„Was zum…?“, murmelte Trish und versuchte sich aus der Decke zu befreien, in die sie sich vor Schreck verheddert hatte. Als sie endlich den Ausgang gefunden hatte, erkannte sie, dass Mercer ebenso überrascht wie sie kuckte. Eine ziemlich fehlgeschlagene Musikauswahl für romantische Stunden konnte sie also ausschließen, aber warum sprang das Radio dann so plötzlich an? Warum flackerte das Licht schlimmer als in einer der Underground-Discos, die sie als Jugendliche so oft besucht hatte? Und woher kamen die markerschütternden Schreie, die sie nun bemerkte?
„Klingt ganz so, als hätten unsere Sirenen Probleme.“, stellte Mercer fest und Trish erkannte nun die Stimme von Maya, die von der Intensität ihrer Schreie gerade mindestens gevierteilt wurde. Sie sprang auf, warf sich ihre Lederjacke über und bedeutete dem Scharfschützen, ihr zu folgen. Dieser zog sich ebenfalls schnell ein T-Shirt an folgte ihr in den Nebenraum.
Dort angekommen bot sich den beiden ein sehr unerwarteter Anblick. Maya kauerte nur mit einem schwarzen Spitzentanga bekleidet in einer Ecke des Raumes und schien in einer Art Schockstarre zu liegen. Lilith trug einen zu ihrem roten Seidenslip passenden BH und lag neben dem großen Doppelbett in der Mitte des Raumes. Blut floss aus einer Wunde in ihrem Bauch und sie schien große Schmerzen zu haben. Doch Trishs Blick wurde von Atlas angezogen, welcher einen Meter über dem Bett auf dem Rücken schwebte. Er hatte wieder diese schemenhaften Flügel und die weiße Iris, die er bereits einmal nach dem Konsum von Eridium bekommen hatte. Dafür sprachen auch die Elektrostrahlen, die aus seinem Körper schossen und offensichtlich für den Kurzschluss und Liliths Verletzungen verantwortlich waren. Atlas schien wieder weggetreten zu sein, war aber scheinbar nicht in einem Blutrausch, sondern in einer Art Trance. Was war hier passiert?
„Mary und Mordecai haben Schreie gehört, was…?“, hörte Trish hinter sich den Gunzerker schnaufen, die mit dem Jäger im Schlepptau ebenfalls ins Zimmer gelaufen kam.
„Keine Ahnung, aber wir sollten erstmal Maya und Lilith hier rausholen.“, antwortete Trish und deutete Mary, sich um Lilith zu kümmern. Sie selbst kroch zu Maya und begann beruhigend auf sie einzusprechen: „Ganz ruhig, komm erstmal mit in den Versammlungsraum, Mary und Mordecai kümmern sich solange um deine Freundin.“
Sie und Mercer stützten die Sirene, die immer noch nicht ansprechbar war, während Mary Lilith schulterte. Trish war kurz wegen der Grobheit des Gunzerkers besorgt, aber Mordecai versicherte ihr, dass Lilith schon Schlimmeres überlebt hatte.
Im Versammlungsraum angekommen, besorgte Mordecai ein paar Insta-DePainer und etwas Verbandsmaterial und begann die rothaarige Sirene vorsichtig zu verarzten: „‘kay, Lilith. Ich könnte jetzt sagen, dass das jetzt kein bisschen wehtun wird, aber das wäre gelogen. Du wirst höllische Schmerzen haben und es gibt nur eines, was dagegen hilft. Mary! Mein Zimmer. Linker Schrank. Steht ganz groß „Booze“ drauf. 2 Flaschen. Jetzt.“, gab er dem Gunzerker eine Anweisung, die diese sofort befolgte. Als Mary kurz darauf mit zwei von Mordecais braunen Flaschen wiederkam, erkundigte sich Trish bei dem Jäger: „Bitte sag mir, dass du das Zeug nur zur Desinfektion brauchst. Ich denke nicht, dass Alkohol in ihrem jetzigen Zustand angebracht wäre.“ Mordecai schaute Trish an, als hätte diese den Verstand verloren: „Bist du irre? Denkst du, ich würde Lilith in ihrer aktuellen Verfassung etwas von meinem Booze geben? Natürlich ist das zur Desinfektion.“, stellte er klar.
Doch bevor Trish erleichtert aufatmen konnte, hatte Mordecai die beiden Flaschen in Sekundenschnelle heruntergestürzt und meinte auf Trishs erschrockenes Gesicht hin: „Der Arzt muss von innen desinfiziert sein. Außerdem bringen wir sie sowieso gleich zu Dr. Zed, der ist der einzige in Sanctuary, der so was Ähnliches wie Medizin hat.“
Auch wenn Trish nicht wirklich von Mordecais Plan überzeugt war, er war schließlich der Einheimische, der sich mit den lokalen Begebenheiten auskannte. „Vielleicht sollte ich mich um Maya kümmern, die sieht mir auch ziemlich mitgenommen aus. Körperlich ist sie ja noch da, aber der Schock muss sie ganz schön getroffen hat.“, dachte sie sich und wandte sich der Sirene zu. Doch bevor sie den Mund öffnen konnte, bemerkte sie, dass Mercer die Sirene aufmerksam beobachtete. Sah er etwas, dass ihr entgangen war? Konnte er ihr Aufschluss darüber geben, was passiert war? Oder sah er etwa nur auf…? Trish folgte dem Blick des Scharfschützen und blickte schließlich auf Mayas freiliegende Brüste, die diese aufgrund der vergangenen Ereignisse noch nicht bedeckt hatte.
„MERCER!“, fuhr sie den Scharfschützen an, der aus seiner Trance erwachte und schnell, eine Entschuldigung murmelnd, den Blick abwand. Trish schüttelte den Kopf („Männer. Irgendwie sind sie doch alle gleich.“) und legte eine herumliegende Decke über die Sirene.
Mordecai und Mary hatten derweil aus einem Nebenraum eine Trage geholt und Lilith auf diese gewuchtet. Jetzt war Eile geboten, auch wenn der Jäger sie notdürftig verarztet hatte, verlor Lilith dennoch viel Blut. Mary trug mit Mordecai die Trage, während Trish und Mercer die noch immer verstörte Maya stützten. Glücklicherweise war es nur ein kurzer Fußmarsch bis zur Praxis von Dr. Zed. Kaum angekommen, öffnete ein Mann Mitte vierzig mit ergrauendem Haar, Mundschutz und einen blutbeflecktem Arztkittel die Tür der Praxis. „Ah, meine besten Kunden. Nur herein. Lasst mich raten, ihr habt wieder Stactusball gespielt, hm?“, stellte der Mann, der offensichtlich der Arzt Dr. Zed war, fachmännisch fest. Doch Mordecai zerstreute die Theorie des Arztes ziemlich schnell: „Leider falsch, Stactusball spielen wir erstmal nicht mehr, ich spüre mein rechtes Bein immer noch nicht. Lilith hatte einen kleinen Unfall mit Maya und ‘ner anderen Sirene. Sobald wir Maya wieder ansprechbar bekommen haben, erfahren wir mehr, solang könnten sie sich schon mal um ihre Patientin kümmern.“
Mit einem Kopfnicken bedeute er Mary, die Sirene auf den Behandlungstisch zu legen. Dr. Zed schien mit dieser Antwort zufrieden und ging zu einem nebenstehenden Instrumentenschrank, der den schlimmsten Folterern der Spavorischen Inquisition das Wasser im Mund zusammen laufen lassen würde. Zurück kam er mit einem Werkzeug, das Trish am ehesten an eine Mischung aus Winkelschleifer, Zahnarztbohrer und Kettensäge erinnerte.
„So, meine Dame, das könnte jetzt etwas pieksen.“, grinste der Doktor und warf sein Höllengerät an, das mit einem ohrenbetäubenden Lärm seine Betriebsbereitschaft signalisierte.
Trish war schockiert. War der Doktor übergeschnappt? Sie versuchte schlimmeres zu verhindern, indem sie ihn ansprach: „Nur mal so als Amateurin, haben Sie für dieses Gerät eigentlich eine Lizenz?“
Der Angesprochene stutzte kurz und lachte Trish ob ihrer Naivität ins Gesicht: „Wer braucht schon eine Lizenz, wenn er soviel SWAG wie ich hat?“ Den fragenden Blick des Kommandos bemerkend, fügte er schnell hinzu: „Super-Wichtiges-Auffüll-Gel, das spritz ich ihr auf die Knochen und stille damit die Blutung. Sehr praktisch und günstig noch dazu.“
Dr. Zed hielt scheinbar nichts mehr von Smalltalk mit Trish, denn er begann sein Instrument an der Sirene anzusetzen und Trish beschloss, sich lieber im Nebenraum um Maya zu kümmern. Sie schlenderte zu der Sirene, die Mercer mit einem Calorienuke-Riegel langsam wieder ansprechbar gemacht hatte, setzte sich neben sie und legte den Arm beruhigend um ihre Schultern: „Also, Maya. Der Doktor kümmert sich um deine Freundin und hat sie bestimmt bald wieder fit. Aber erzähl doch mal, was überhaupt passiert ist. Wie seid ihr von „Drei Sirenen haben harmlosen Spaß“ zu „Lilith liegt auf der Krankenstation, du hast einen Schock und Atlas ist merkwürdig wie immer“ gekommen?“
Maya schien kurz zu überlegen, wo sie anfangen sollte, begann dann aber ihre Geschichte: „Also, wie ihr vielleicht mitbekommen habt, sind männliche Sirenen ziemlich selten im Universum. Und da sowohl Lilith als auch ich schon ziemlich lange Single sind, wollten wir die Gelegenheit beim Schopfe packen. Sie hatte zwar mal eine Liaison mit unserem Soldaten Roland, aber nachdem diese Bekanntschaft mit der Pistole von Handsome Jack gemacht hatte, haben wir Beide beziehungsmäßig nichts mehr auf die Reihe bekommen. Und wenn dann ein männlicher Artgenosse auftaucht… Naja, auf jeden Fall haben wir es uns etwas gemütlich gemacht und Lilith hat uns allen etwas von ihrem Privatvorrat an Eridium gegeben. Das Zeug hat ziemlich reingehauen, aber es war alles noch im Rahmen. Naja, ihr müsst wissen, Lilith und ich haben in der Vergangenheit schon etwas … experimentiert, so von Sirene zu Sirene.“ Mayas Gesicht nahm einen leichten Lilaton an, das Ganze war ihr wohl etwas peinlich: „Auf jeden Fall haben wir herausgefunden, dass mein Phaselock, wenn ich ihn zu rechten Zeit einsetze, gewisse … Gefühle ziemlich krass verstärkt. Und als Atlas mit Lilith dann … soweit war, hab ich meinen Phaselock auf ihn gewirkt. Aber er hat anders als erwartet reagiert. Scheinbar war meine Fähigkeit in Verbindung mit dem Eridium ein Katalysator für seinen Phasepulse und Lilith hat es voll erwischt. Und dann wurde alles etwas schummerig. Da fällt mir ein, wo ist eigentlich Atlas?“
Trish und Mercer grinsten sich und er meinte zu der Sirene: „Haben ihn schweben gelassen. Sobald das Eridium nachlässt, wird er bestimmt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Liebe tut halt doch weh.“
In diesem Moment kam Mary mit dem Jäger zurück und sagte zu den drei Abenteurern: „Der Doktor ist fertig. Mary hat eine Menge gelernt. Wusstet ihr, dass Sirenen mit einem halben Liter Blut im Körper überleben können?“
„Wie geht es ihr? Wird sie…“, begann Trish, doch in diesem Moment ging die Tür erneut auf und Lilith erschien im Rahmen: „Als ob mich so etwas aus der Bahn werfen würde. Ich habe schon barfuß auf Ataros mit nichts als einer Dahl-SMG gegen die Vortys gekämpft, da haut mich so ein bisschen Blutverlust doch nicht um. Was sitzen wir hier noch rum, zurück ins Hauptquartier.“, sprach die Sirene und begab sich in Richtung Ausgang.
Trish war erstaunt über die schnelle Genesung der Sirene, vielleicht hatte sie die Fähigkeiten des Doktors unterschätzt. Aber Hauptsache, Lilith ging es wieder besser und ihr Abenteuer konnte weitergehen.
Zurück im Hauptquartier erwartete sie Atlas, der am Tisch im Versammlungsraum saß und sie leicht verwirrt, eine Tasse Caffeine-Junk schlürfend, begrüßte: „Hallo Leute, wo wart ihr denn? Das letzte an was ich mich erinnere ist, dass Lilith und Maya mir etwas zeigen wollten und als nächstes lieg ich nackt in meinem Bett und von euch ist keine Spur. Warum habt ihr mich hier allein gelassen, ist was passiert? Und Mädels, ganz im Vertrauen, so von Sirene zu Sirene: Wie war ich?“, wollte er wissen.
Trish winkte ab und zerrte Mercer hinter sich her in den Nebenraum: „Ich weiß ja nicht, was ihr noch anstellen wollt, aber ich werde mir jetzt eine Mütze Schlaf genehmigen. Und nein, Mercer, mach dir keine Hoffnungen, du pennst die Nacht auf der Couch.“
„Das gilt auch für dich, einmal pro Nacht reicht mir.“, befahl Lilith Atlas, der immer noch nicht wirklich wusste, was eigentlich geschehen war: „So schlecht? Verdammt, ich war aufgeregt, das kann doch mal passieren.“
Und auch Mary und Mordecai zogen sich in ihr Schlafgemach zurück, um etwas Energie zu tanken. So waren Trish und Mercer wieder da, wo der Abend angefangen hatte. Aber auch wenn es Trish in der Seele wehtat, sie hatte weder die Kraft noch ziemliche Lust, heute ihre Beziehung zu Mercer weiter zu vertiefen. So schmiss sie ihre Lederjacke einfach in den Raum, wickelte sich in ihre Decke und noch bevor sie Mercer ein „Gute Nacht.“ zu murmeln konnte, hatte der Schlaf sie schon in seine einladenden Arme aufgenommen.
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