The Good, the Bad  and the Gunzerker

von ElGringo
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
17.06.2016
17.06.2016
8
29.443
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
17.06.2016 3.520
 
“Now the world it is fading and my vision's degrading
Through slow motion I'm wading with the bad guys invading
Look around in a blur and see the bodies and blood
I get control of my legs again and I crawl through the mud”

-Miracle of Sound, “Shooter Guy”-



„Glaub’, sie kommt wieder zu sich. Alter, die hat’s ziemlich weggerübt, schaut euch ihren Schädel an.“
Na toll, ihr Kopf tat weh, als wäre gerade die komplette Population von Pandora nacheinander drübergelaufen und ihren Teamkollegen fiel nichts Besseres ein, als blöde Witze darüber zu machen. Wenn sie den erwischen würde, diesen… Wer hatte das gesagt? Marys Stimme war es eindeutig nicht, Rico hatte sicherlich keinen Humor und Atlas traute sie Worte wie „weggerübt“ nicht wirklich zu. Was war passiert, wo war der Zug, und WARUM HATTE IHR KOPF DAS BEDÜRFNIS ZU EXPLODIEREN?
Sie schlug die Augen auf und sah in das Gesicht eines unrasierten Mannes Mitte 40, der … verdammt sexy aussah. Nachdem sie kurz den Kopf geschüttelt hatte (und das sogleich bereute, ihr Kopf wollte sie umbringen!), sah sie Atlas und Mary aus einiger Entfernung auf sie zukommen. Sie schienen in besserer Verfassung zu sein als sie und so ein kleines Schädeltrauma hatte noch niemanden umgebracht. Aber was war eigentlich passiert? Wo war Rico? Und wer war dieser unverschämt gutaussehende Kerl, der sie immer noch anstarrte. Sie entschloss sich, die dringlichste Frage zuerst beantworten zu lassen.
„So sehr ich Aufmerksamkeit schätze, verrätst du mir noch deinen Namen?“, sprach sie Mr. Sexy an.
„Immer doch. Name ist Mercer Muldoon. War mit euch im Zug, wollt’ eigentlich nach Sanctuary. Dachte mir, wenn man zusammen mit drei anderen so was überlebt, sollte man vielleicht nich’ alleine unterwegs sein. Und wenn ich aufwach’ und so eine Schönheit neben mir seh’, muss ich entweder tot, oder heute mein Glückstag sein.“, war die lässige Antwort ihres Gegenübers.
„Wenn man was überlebt hat?“ In Trishs Kopf machte immer noch wenig Sinn. Wenn ihre Freunde und der Rest des Planeten vielleicht aufhören würden, sich zu drehen…
„Es hat den Anschein, als hätte es einen Kurzschluss im Beschleunigungssystem des Sanctuary-Expresses gegeben. Wir können von Glück reden, dass wir die Explosion größtenteils und ziemlich unverletzt überlebt haben.“, erklärte Atlas in einem nüchternen Ton.
„Du lagst unter einem ziemlich großem Stück Zug eingeklemmt und Mary musste dich herausziehen.“, stellte ebenjene fest.
„Glück, dass ich noch ein paar Insta-DePainer dabeihatte. Spürst deine gebrochenen Rippen sicher kaum. Nebenwirkung sind allerdings höllische Kopfschmerzen.“, fügte Mercer außerdem mit einem leicht sadistischen Grinsen hinzu.
„Gott, die Dinger scheinen zu wirken, jedenfalls was die Kopfschmerzen angeht. Und was heißt eigentlich „größtenteils überlebt“? Und wo zur Hölle ist Rico?“, wollte Trish wissen.
Angespannte Stille breitete sich aus.
„Er liegt unter dem Haufen Stahl dort.“, presste Atlas schließlich hervor und zeigte auf einen Haufen rauchenden Metalls. „Und unter dem dort. Und ein bisschen was von ihm wahrscheinlich unter dem.“, vollendete er seine Ausführungen.
„Er … er hat’s net gepackt.“ Mary schien den Tränen nah und nestelte an ihrem silbernen Halsband herum.
„Er war scheinbar genau neben einem Electro-Shutter, als der Kurzschluss passierte. Es hat ihn regelrecht gegrillt.“, fügte Atlas unnötigerweise hinzu, was ihm einen missbilligen Blick von Mercer einbrachte.
Rico war tot. Weg. Kam nicht wieder. Auch, wenn sie nicht wirklich viele Worte mit ihm gewechselt hatte, war es doch ein Schock für Trish, von seinem Ableben zu erfahren. Sie setzte sich auf und blickte betrübt in die Runde: „Und jetzt?“
„Scheint, als wären es also nur noch wir vier. Sollten uns nach Sanctuary durchschlagen, hier draußen gibt’s Skags, Psychos und schlimmeres.“, gab Mercer seine Meinung kund.
„Wowowow, wer hat dich zum Anführer gemacht? Und wer hat behauptet, dass wir dich überhaupt mitnehmen? Und überhaupt, wir brauchen deine Hilfe nicht.“, ereiferte sich Atlas daraufhin.
„Komm mal runter, war nur ein Vorschlag. Bin ein guter Scharfschütze und nachdem euer Assassine flöten gegangen ist, wollte ich nur helfen.“, beschwichtigte Mercer und tätschelte seine Armbrust, die Trish nun über seiner Schulter erkannte.
„Da wir sowieso alle nach Sanctuary unterwegs sind, macht es Sinn, als Gruppe zusammen zu reisen. Da sehen wir dann weiter. Wo wir gerade dabei sind, hat jemand Waffen dabei?“, füllte Trish ihre Rolle als Kommando sofort aus. Ihr Kopf hatte später weh zu tun, sie musste eine Gruppe Vault Hunter führen. Und einen sexy Scharfschützen, das war wenigstens ein Lichtblick in der ganzen Sache.
„Hab meine Hyperion-Armbrust „Leverage Sentinel“ und ein paar Pfeile retten können. In den Nahkampf würd’ ich aber ungern damit gehen.“, gab Mercer als Antwort. Hyperions Waffen waren äußerst präzise, aber sehr umständlich nachzuladen, was im Zusammenspiel mit der geringen Magazingröße ein kampfentscheidender Nachteil sein konnte.
„Ich hatte eigentlich vor, meine Waffenvorräte in Sanctuary aufzubessern. Wenn wir etwas Eridium finden, kann ich aber immerhin meinen Phasepulse aktivieren. Wie wir an Rico gesehen haben, sind Elektrostrahlen ziemlich effektiv gegen…“ Atlas brach ab, als sich Marys Augen wieder mit Tränen zu füllen begannen. „Also, was ich sagen wollte, mit mir könnt ihr erst mal nicht rechnen.“
„Okay, ich hab noch eine alte Vladof-Pistole, eine „Vengeful Revolution“, aber dafür hab ich nur noch ein Magazin.“, gab Trish bedauernd zu. Waffen der Marke Vladof waren bekannt dafür, dass sie den Gegner in einem Hagel von Kugeln untergehen lassen können, was allerdings ziemlich auf Kosten der Präzision ging. In Zeiten, in denen Munition rar war, eine denkbar ungünstige Kombination. „Mary, sag mir bitte, dass du irgendwo eine Menge Waffen versteckt hast.“, wandte sie sich hoffnungsvoll an den Gunzerker.
Mary antwortete nicht. Stattdessen schlug sie mit einem grimmigen Ausdruck ihre rechte Faust in ihre linke Handfläche um zu zeigen, dass sie keinerlei Waffen braucht, um Angst und Schrecken in den Herzen ihrer Feinde zu entflammen.
„Gut, es scheint, als sind wir denkbar schlecht ausgerüstet, haben bereits ein Teammitglied verloren und so gut wie keine Möglichkeit, die nächsten Stunden zu überleben. Aber ganz ehrlich, wenn wir eine realistische Chance hätten, wo bliebe der Spaß?“, versuchte Trish die Stimmung zu heben. „Auf nach Sanctuary, wer ist mit dabei?“, gab Trish das Kommando und begann in die Richtung zu laufen, in der sich die schwebende Stadt befinden musste.
„SANCTUARY“, brüllte Mary und stürmte Trish hinterher.
„Ich trau dir zwar immer noch nicht über den Weg, aber wenn die Chefin meint, wir sollen dir trauen …“, äußerte Atlas sein Missfallen über die Allianz mit dem Scharfschützen.
„Hey, wirst sehen, hast du mich erstmal kennengelernt, willst du mich nich’ mehr missen.“, war Mercers Reaktion auf Atlas’ unfreundliche Worte. „Frieden?“
„Waffenstillstand.“, brummelte Atlas in seinen Bart und ignorierte Mercers ausgestreckte Hand, um den beiden Frauen nachzulaufen.
„Klingt, als hätten wir ’nen Deal.“, murmelte Mercer, schulterte seine Armbrust und fiel in einen leichten Laufschritt, um zur Gruppe aufzuschließen.

Nachdem sie eine Weile durch die Badlands von Pandora gewandert waren, ohne auf nennenswerten Widerstand von Banditen oder wilden Tieren zu stoßen, versuchte Trish ein Gespräch mit Mercer anzufangen, um mehr über den gutaussehenden Mann zu erfahren.
„Erzähl doch mal, wie hat es dich nach Pandora verschlagen?“, kam sie direkt zum Punkt.
„Hatte ein paar Probleme auf meinem Heimatplaneten. Große Seuche is‘ ausgebrochen, ne Menge Tote. Hab mich mit ein paar Überlebenden zum Raumbahnhof durchgeschlagen, aber alle bis auf mich hat’s zerlegt. Hab mir dann ‘nen Gleiter geschnappt und bin zum nächstbesten Planeten in Reichweite geflogen. Ne Bruchlandung auf diesem gottverdammten Schlammball später war ich als blinder Passagier an Bord des Sanctuary-Expresses. Und ‘ne weitere Explosion später latsch ich mit einem hirnlosen Muskelberg, einer blauen Schwuchtel und ‘ner sexy Chica durch die Wüste. Alles in allem, eine erfolgreiche Woche, hab ich recht?“, gab Mercer einen kurzen Abriss über sein Leben.
Trish errötete ob diesem unerwarteten, aber nicht unangenehmen Kompliment.
„Von der Seuche hab ich gehört, du kommst also von Terra? Wie ist es dort?“, gaukelte Trish Interesse vor. Hauptsache, er würde nicht aufhören zu reden.
„Tja, bis vor kurzem noch ganz lässig. Die Untoten würden in letzter Zeit dem Tourismusverband ziemliche Kopfschmerzen bereiten, wenn wir so was noch hätten. Speakin‘ of Kopfschmerzen, wie geht’s der Rübe?“, erkundigte sich Mercer und Trish war sich sicher, dass das mehr war als bloßes Mitgefühl.
„Der Rübe geht’s schon besser. Kein Wunder, ich habe das Gefühl, dass Frau sich in deiner Gegenwart sicher fühlen kann. Und für den Notfall vertraue ich auf deine Fähigkeiten als Zusammenflicker.“, versuchte sich Trish im Flirten. Vielleicht hätte sie beim letzten Wort das L weglassen sollen… Mhh, nein, dafür war es noch etwas zu früh.
Sie blickte nach hinten zu ihren beiden Teamkollegen. Marys wilder Gestikulation zufolge, erzählte sie Atlas scheinbar gerade ihre Theorie zum Einfluss der Raum-Zeit-Krümmung auf den Menstruationszirkel der Chimären von Edekron-3. Atlas’ genervten Gesichtsausdruckes zufolge war er sehr interessiert, hatte jedoch andere Ansichten darüber.
Vielleicht sollte sie ihn erlösen und sich selbst etwas mit dem Gunzerker unterhalten, damit Atlas und der Armbrustschütze sich vielleicht etwas aussprechen und anfreunden könnten. Aber das würde bedeuten, weniger Zeit mit Mercer zu verbringen und sie verscheuchte den Gedanken daran schnell. Lebe den Moment, hatte ihr Vater immer gesagt, bevor er an den Folgen der hohen Strahlenbelastung bei seiner Arbeitsstelle auf einer Bohrstation im Chomdra-System starb.
Trish vermisste ihn. Zu ihrer Mutter hatte sie nicht wirklich ein gutes Verhältnis gehabt. Wer 14 Kinder mit 12 verschiedenen Vätern hatte, wurde mit Sicherheit nicht für den Wayne-Dalton-Mutterschaftspreis nominiert. So verbrachte sie ihre Jugend größtenteils bei ihrem Vater und reiste von System zu System, immer auf der Suche nach einer Heimat. Vielleicht würde mit Mercer jetzt alles anders werden.
„Er ist anders als wir. Wir können ihm nicht trauen.“
Trish schreckte auf. Ohne es zu merken, hatte sie ihren Schritt verlangsamt und war nun auf einer Höhe mit Atlas, der es geschafft hatte, Mary zu Mercer zu schicken, um ihn von ihren Theorien zu überzeugen. Seine plötzliche Kälte in der Stimme überraschte sie.
„Ich weiß nicht, was du meinst. Mercer hat mich schließlich gerettet. Außerdem bist du nur neidisch, dass wir uns so gut verstehen!“, pfefferte sie ihm entgegen.
„Während du ohnmächtig warst, habe ich mir die Überreste des Zuges angesehen. Ein Beschleunigungssystem überhitzt nicht einfach so. Ich tippe auf Einwirkung von außen. Aber um eine so kontrollierte Explosion auszulösen, musste der der Saboteur direkt mit uns im Zug gewesen sein. In meinen Augen macht ein Attentat, bei dem man selbst draufgeht nicht wirklich Sinn. Und nachdem wir die einzigen Überlebenden des Unglücks waren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass einer von uns an der Überhitzung schuld ist, du verstehst was ich meine?“, begann Atlas sein Misstrauen zu äußern.
„Ach, du erzählst Schwachsinn. Wir sind hier nicht auf Askin, wo jede Maschine sich alle 5 Minuten selbst wartet. Auf Pandora ist alles baufällig, wir sollten nur froh sein, dass wir überlebt haben und uns nicht gegenseitig verdächtigen.“, winkte Trish ab. Mercer hatte sicher nichts mit dem Zugunglück zu tun, oder? Oder?
„Hoffen wir, dass du Recht hast. Aber halte dich von ihm fern, ich habe ein ungutes Gefühl in seiner Nähe.“, warnte Atlas seine Mitstreiterin.
„Ich lass mir von dir doch keine Befehle erteilen, mit wem ich mich abzugeben habe. ICH bin der Kommando. ICH bin die Leiterin. Und DU bist die Sirene, Kämpfer in der dritten Reihe, mit dem niemand etwas zu tun haben will. Sag du mir nicht, was ich zu tun und zu lassen habe.“, brüllte Trish ihn an und stapfte wütend davon.
Ein ungutes Gefühl, am Arsch. Atlas versuchte nur, sich wichtig zu machen. Mercer war da ganz anders. Sie sollte sich noch mal bei ihm bedanken, dass er für sie dagewesen war. Sie sollte…
„Uff.“ Trish blieb die Luft weg, als sie völlig in Gedanken versunken in Marys Rücken gelaufen war. Sie hatte nicht gemerkt, dass die Beiden stehengeblieben waren und erkundigte sich nach dem Grund für die Verzögerung.
„Skags.“, war die knappe Antwort von Mercer und er zeigte auf ein Nest der widerlichen Kreaturen in einer Schlucht, die ca. 400 Metern entfernt war. Da der Pfad nach Sanctuary genau durch diese Schlucht führte, blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Kampf zu wagen. Die hyänenartigen Tiere waren alleine zwar einfach nur hässlich und äußerst lästig, aber ein ganzes Rudel stellte selbst für ein ganzes Team eine Herausforderung dar, besonders wenn dieses so schlecht ausgerüstet war wie sie im Moment.
„Gut, bevor wir da reinstürmen, sollten wir das sorgfältig planen.“ Trish nahm einen Stock und zeichnete ein Diagramm in den Sand. „Also, der Elder Skag ist hier.“ Sie zeigte auf einen Punkt, der den Eingang des Baus darstellen sollte. „Wenn wir es schaffen, den auszuschalten, werden die Welpen in Panik geraten und wir können vielleicht gefahrlos vorbei. Atlas, du wirst dir ein paar Steine schnappen und die Aufmerksamkeit der Welpen auf dich ziehen. Mary, du bleibst bei ihm und hilfst ihm, falls sie ihn zu sehr auseinandernehmen wollen. Ich werde, sobald die Luft rein ist, mich zum Elder Skag durchschlagen und ihm ein paar Kugeln verpassen. Wenn der erst mal hinüber ist, wird der Rest ein Klacks. Mercer, du gibst uns allen Feuerschutz. Irgendwelche Fragen zum Plan?“, fragte sie in die Runde.
Atlas schien nicht wirklich glücklich mit dem Plan, zuckte aber mürrisch mit den Schultern.
Mercers süffisantes Grinsen zeigte, dass ihm der Plan zusagte.
Und Mary… Irgendwie schien sie nach „Reinstürmen“ abgeschaltet zu haben. Aber es gab jetzt wichtigeres.
„Okay, wenn dann jeder weiß, was zu tun ist, möchte ich, dass wir noch einmal kurz warten, damit Mercer und ich unsere Waffen überprüfen können. So stellen wir sicher, dass uns keine unangenehmen Überraschungen…“, doch bevor Trish den Satz zu Ende sprechen konnte, drängte Mary zur Eile.
„Mary will nicht mehr warten. Mary will Skags töten! LEEEEENNAAAAAART JENNNNNNSEN!” Mit dem Kampfschrei von Lennart Jensen, dem legendären Volkshelden von Azzarth, preschte Mary in Richtung des Skaglagers vor und machte Trishs sorgfältige Planung damit völlig zunichte.
„Ist sie gerade wirklich … verdammt, hinterher. Warum müssen Gunzerker immer so impulsiv sein?“, schrie Trish und beeilte sich, hinter Mary herzulaufen.
Atlas und Mercer sahen sich kurz an, zuckten mit den Schultern und begannen dann ebenfalls, ihren Kameradinnen hinterher zu sprinten.
Als Trish am Kampfplatz ankam, war Mary bereits damit beschäftigt, ihre Fäuste auf die unzähligen Skagwelpen niederprasseln zu lassen, die es in den Badlands im Dutzend billiger zu geben schien. Auch wenn es momentan danach aussah, als würde Mary gut klarkommen, sobald der Elder Skag seinen Bau verlassen würde, konnte sich das Blatt schnell wenden. Und wenn man vom Teufel spricht…
„ELDER SKAG. PASS AUF!“, brüllte Trish Mary zu, als sie den gigantischen Hünen aus seinem Bau stapfen sah. Ihre Pistolenschüsse prallten von seinem verhornten Schädel einfach ab und selbst Mercers Pfeile, die er aus kurzer Entfernung auf das Ungetüm abschoss, schienen ihn eher zu stören, als ernsthaft zu verletzen.
Mary riss gerade einen Skagwelpen in der Mitte durch, was diesen dazu veranlasste, seinen Mageninhalt auf ihre Stiefel auszubreiten. In den Mägen von Skags, die so ziemlich alles fraßen, was in den Badlands von Pandora herumlag- oder lief, fand man oftmals Waffen oder Munition, aber so weit weg von Zivilisation war die Chance, auf nützliche Ausrüstungsgegenstände zu stoßen, sehr gering. Diese Skags schluckten nur, was sie hier fanden, angefangen bei kleinen Tieren, bis hin zu Steinen in allen möglichen Farben. Graue Felssteine, schwarze Kohlensteine, violette Eridiumsteine und gelbe Sandsteine waren mittlerweile auf dem Kampfplatz verteilt, alles getränkt in grünlichem Skagblut, dass aus unzähligen Kadavern floss.
Es sah nicht gut aus für die Vault Hunter. Mary hielt den Elder Skag gerade an den Hörnern fest, um nicht aufgespießt zu werden, Mercer verprügelte mit seiner Armbrust ein paar Skags, die ihm zu nahe kommen wollten, sie selbst haderte mit der Ladehemmung ihrer Pistole und Atlas rannte panisch herum und versuchte, nicht gefressen zu werden.
Gott, diese Sirene war zu nichts nutze. Das Einzige, was er konnte, war sein Phasepulse, und ohne ausreichend Eridium konnte er diesen nicht… Moment Mal, hatte sie gerade Eridium gedacht?
„ATLAS. Schnapp dir ein paar tote Skagwelpen und futter das Eridium in ihren Mägen. Dann kannst du den Elder Skag schocken und wir haben wenigstens eine kleine Chance, heil aus der Sache herauszukommen.“, schrie sie zu ihm herüber.
„Bist du irre?“, erwiderte Atlas, der sich gerade mit einem Stock gegen einen Skagwelpen wehrte, welcher an seinem Bein zerrte. „Ich werde bestimmt kein Eridium konsumieren, dass ein Skag in seinem Magen hatte. Weißt du, was ich mir da einholen kann“
„Wenn du das Zeug nicht nimmst und der Elder Skag uns frisst, wirst du dir nie mehr was holen, ist dir das lieber? Jetzt MACH!“, brüllte Trish, während sie mit dem Kolben ihrer Pistole auf ein paar allzu widerspenstige Skagwelpen eindrosch.
Mercer hatte ihre Unterredung mit angehört, machte eine Rolle auf den Boden und stand im Bruchteil einer Sekunde wieder auf den Beinen.
„Fang!“, rief er und war Atlas ein paar Brocken Eridium zu, die er mit seiner waghalsigen Aktion gerade vom Boden aufgelesen hatte.
Atlas umschloss die Eridiumnuggets mit seinen Händen und eine violette Aura begann ihn zu umfließen. Er begann einige Zentimeter in der Luft zu schweben, während schwarze, schattenhafte Flügel aus seinem Rücken sprossen. Plötzlich riss er seine Augen auf und Trish erkannte, dass seine Iris völlig weiß war, als hätte der Wahnsinn von ihm Besitz ergriffen. Vielleicht war die Idee mit dem vorverdauten Eridium doch nicht so gut gewesen.
„OH YEAH! SHAKE IT, BABY!”, donnerte Atlas und machte einen Satz auf den Elder Skag und Mary zu. Diese ließ von ihrem Gegner ab und wich ein paar Schritte zurück. Der Skag war vom letzten Schlag des Gunzerkers noch etwas benommen, sodass er die Gefahr in Gestalt einer eridiumgepuschten Sirene nicht gleich registrierte.
Atlas baute sich vor ihm auf und auch wenn der Skag mehr als doppelt so groß war wie er, schaffte es Atlas dennoch irgendwie, auf ihn herabzusehen. „Hasta la Baby, Vista!“, zitierte er einen alten Film, den Trish sicher war, schon einmal gesehen zu haben, während er seine Hände in Richtung des Skags hielt.
Plötzlich schossen Blitze aus Atlas’ Handflächen heraus und der Skag jaulte vor Schmerz auf. Dies spornte Atlas nur noch mehr an und ein irres Lachen gesellte sich zu den Elektrostrahlen, die er noch immer in Richtung des Skags schickte.
Die anderen Vault Hunter und die Skagwelpen sahen gebannt zu, wie die Sirene den Anführer der Skags grillte und dabei einen Riesenspaß zu haben schien. Selbst, als sich der Kadaver nicht mehr rührte und die Welpen in alle Himmelsrichtungen davongelaufen waren, hörte er nicht auf, Stromstoß um Stromstoß in Richtung seines mittlerweile toten Feindes zu schicken.
„Atlas! Hör auf, wir haben gewonnen, lass gut sein.“, versuchte Trish ihren Kumpanen zu beruhigen.
Die Sirene wirbelte herum und kam, noch immer schwebend und mit den weißen Augen, von denen Trish sicher war, dass sie direkt in ihre Seele blickten, langsam auf die Vault Hunter zu.
Trish bekam es mit der Angst zu tun und packte ihre Pistole etwas fester. Was, wenn ihm in seinem Blutrausch ein Skag zu wenig war? Was, wenn es ihn nach mehr Morden dürstete? Was, wenn sie als nächstes dran waren?
Aber zu ihrer Erleichterung nahmen seine Augen langsam wieder ihre normale Färbung an, seine schemenhaften Flügel verschwanden und seine Füße berührten wieder den Boden.
„Puh, das war ein Trip. Ich bin ja so einiges gewohnt, aber dieses pandorische Eridium schlägt ja ein wie eine Bombe. Kann ich noch etwas mehr haben?“, meinte Atlas, als sein Aussehen sich wieder vollständig normalisiert hatte. Erst, als er die bleichen Gesichter seiner Mitstreiter sah, zog er die Stirn kraus: „Was?“
„Alter, du bist abgegangen wie ein Psycho beim Essensgong. Dachten schon, du nimmst uns als nächstes auseinander.“, erwiderte Mercer auf Atlas’ fragenden Blick. „Ab heute bist du auf Eridium-Diät.“
„Wir hatten Angst um dich. Und ein wenig auch um uns, aber Mercer hat recht. Du schienst ziemlich weggetreten zu sein. Bist du sicher, dass es du wieder bei uns bist?“, erwiderte Trish.
„Mary hatte fast so etwas wie Angst.“, gab nun auch der Gunzerker zu.
Atlas hob beschwichtigend die Arme: „Leute, ich weiß nicht wovon ihr redet. Ich wollte nur sichergehen, dass der Skag auch wirklich tot ist. Und wenn ich seine Leiche dazu noch ein paar Mal schocken muss, dann ist das ein Opfer, das ich gerne bringe. Wollten wir nicht nach Sanctuary?“, versuchte er seine Mitstreiter zu beruhigen, drehte sich um und begann den nun freien Pfad in Richtung ihres Zieles entlangzugehen.
Die restlichen Vault Hunter sahen sich kurz an und folgten Atlas in Richtung der fliegenden Stadt. Diese zeichnete sich bereits am Himmel ab und es würde wahrscheinlich nur noch wenige Stunden dauern, bis sie sie erreichen würden.
Doch Trish fühlte sich sehr unwohl, nachdem sie diese neue Seite an Atlas entdeckt hatte. Sicher, er hatte ihnen versichert, dass wieder alles in Ordnung war und sie sich keine Sorgen machen mussten. Sicher, seine Iris war wieder farbig und von angedeuteten Flügeln war auch nichts mehr zu sehen. Sicher, er schoss keine Elektrostrahlen mehr und wirkte wieder wie zuvor. Aber irgendwie beruhigte sie das nur zu einem Teil. Nachdem du eine neue Seite an einem Menschen entdeckt hast, siehst du ihn nie wieder wie zuvor. Aber sie sollte aufhören, sich Gedanken zu machen. Wichtig war jetzt erst mal nur noch eines:
Sanctuary.
Review schreiben