The Good, the Bad  and the Gunzerker

von ElGringo
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
17.06.2016
17.06.2016
8
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17.06.2016 2.335
 
“I am a passenger
And I ride and I ride
I ride through the city's backside
I see the stars come out of the sky
Yeah, they're bright in a hollow sky
You know it looks so good tonight”

-Iggy Pop, “The Passenger”-



„Also, fassen wir das ganze zusammen: Erstens: Du hast bläuliche Haut, die nicht nach Make-up aussieht. Zweitens: Du haste ‘ne Menge Tätowierungen, die nicht danach aussehen, als wären sie mit 'ner Tattoonadel gestochen worden. Und drittens: Du bist mit uns im Abteil, auf dem in großen gelben Lettern steht: „Reserviert für Vault Hunter“.“ Nachdem sich das Gespräch für Atlas im Kreis zu drehen schien, seufzte er genervt auf. „Jop, und dein Problem damit verstehe ich immer noch nicht.“ Trish schien es einfach nicht wahrhaben wollen. „Mein Problem ist, entweder warst du als Kind sehr unartig und die Tittenfee wollte sich mit explizitem Fernbleiben bei dir rächen, oder du bist ein Kerl! Und von einer männlichen Sirene hab ich noch nie was gehört.“, war Trishs einfache Antwort.
Nachdem er ihr es während der Zugfahrt schon mehrfach erklärt hatte, riss Atlas langsam der Geduldsfaden: „ZUM LETZTEN MAL! Ich bin eine Sirene. Und ja, ich bin männlich, wie ich dir gerne mal beweisen kann. Meine Mutter war eine Sirene, doch da es während meiner Geburt zu Komplikationen kam, gab mein Vater ihr etwas aufbereitetes Eridium, da ihr das während meiner Schwangerschaft immer gut half. Und da ich schon in den ersten 9 Monaten meiner Existenz mit dem Zeug gefüttert wurde und bei meiner Geburt noch mal einen Eridiumschock bekam, sind die Sirenenkräfte meiner Mutter irgendwie auf mich übergegangen und ich bin die universumweit erste und einzige männliche Sirene. Und wenn du mir nicht glaubst, darfst du gerne meinen Phasepulse testen, ich zeig ihn dir gerne.“
„Komm mal wieder runter.“, versuchte Trish ihn zu beschwichtigen. „Es ist nur so, dass das Ganze ziemlich abgespaced klingt und wenn wir die nächsten Monate versuchen werden, gemeinsam den Vault zu öffnen, würde ich gerne wissen, auf wen ich mich einlassen muss.“
Trish war genau wie die anderen drei Vault Hunter angelockt von der Aussicht auf Schätze, die es in den vielen Vaults auf Pandora gab. Und nachdem Pandoras Diktator Handsome Jack zusammen mit seinem Alienkrieger, dem „Warrior“, vor sechs Monaten von ihren Vorgängern geschlagen wurde, gab es auch nicht wirklich etwas auf Pandora zu befürchten, wenn man von der aggressiven Flora, der gefräßigen Fauna und den durchgeknallten Bewohnern der verschiedenen Städte auf Pandora mal absah.
Und so verschlug es sie, nachdem ihre Dienstzeit in der Mobilen Infanterie auf Klendathu ausgelaufen war, dorthin, wo es laut der Mundpropaganda im ganzen Universum am einfachsten war, reich zu werden: Pandora.
Mit der Sirene Atlas war sie natürlich gleich aneinandergeraten, aber das war auch zu merkwürdig. Eine echte Sirene, und dann auch noch männlich? Die anderen Vault Hunter waren von einem etwas anderen Schlag. Der Assassine Rico schien ziemlich verschlossen und hatte sich nach einem kurzen Gruß in den hinteren Bereich des Abteils zurückgezogen. Aber auch wenn seine Augen geschlossen schienen, so zweifelte Trish nicht daran, dass er sich seiner Umgebung wahrscheinlich mehr bewusst war, als sie, Atlas und…
„Mary glaubt Atlas. Sie findet ihn nett.“ Wie auf ihr Stichwort riss der Gunzerker Trish aus ihren Gedanken. Mit ihren 2,20 Metern und ihren Muskelbergen überragte Mary die anderen drei Vault Hunter mit Leichtigkeit. Anhand der paar Brocken, die Trish aus ihr herausbekommen hatte, arbeitete sie früher als Bodyguard für verschiedenste B-Promis und ihr wildes Temperament, gepaart mit ihrer ernormen Kraft, hatte wohl zu einigen Anschuldigungen im Imperialen Gerichtshof geführt. Der einzige Ausweg war die Flucht in ein System, das nicht vom Imperialen Rat geführt wurde, wenn möglich mit der Option, schnell an Geld zu kommen. Und Pandora war dafür bekannt, dass man hier schnell an Geld kommen kann, wenn einem Dinge wie „Legalität“, oder „Leben“ nichts bedeuteten.
Atlas hatte erzählt, dass seine offensichtliche Begabung es ihm nicht leicht machte, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Knallten bei ihm die Sicherungen durch, begannen die elektrischen Geräte in seiner Umgebung verrückt zu spielen, was sich weder auf Arbeit im Dienstleistungsgewerbe, noch im technischen Bereich gut auswirkte. Seine einzige Alternative, als Testobjekt für die Eridiumforschung, wurde von seiner merkwürdigen Reaktion auf die energiehaltige Substanz zunichte gemacht, die sämtliche Testergebnisse verfälschte. Nach verschiedenen Schulungen und Weiterbildungen, die meist mit dem Tod vieler Unschuldiger endeten, wurde ihm schließlich Pandora empfohlen, um das imperiale Arbeitslosensystem zu entlasten. Ihm wurde die Reise hierher bezahlt und ein 50 ₴ Gutschein beim Waffenhändler Marcus („Willst du morden, wähle Marcus!“), der in Pandora das Monopol auf den Waffenmarkt hatte, in die Hand gedrückt, womit er sämtliche Ansprüche auf staatliche Unterstützung auf Lebenszeit abgegeben hatte. Pandora war für ihn wie für so viele vor ihm eine letzte Bastion, eine letzte Chance geworden.
Und was mit Rico war… Vielleicht sollte sie sich an ihn halten. Sie als Kommandoeinheit, deren Spezialität es war, Waffen auseinanderzunehmen und verbessert wieder zusammenzubauen, hatte ihn ihm wahrscheinlich den besten Verbündeten. Kommandos und Assassinen kamen seit jeher so gut miteinander klar, wie Gunzerker sich meist an die Sirenen hielten. So konnte jedes Zweierteam die Schwächen des jeweils anderen ausgleichen. Und nachdem ihr Atlas von Anfang an unsympathisch und Mary etwas zu … direkt war, beschloss sie, sich zu Rico zu gesellen.
„Hey, Rico. Bist du gespannt auf unsere Reise?“, versuchte sie das Eis zu brechen. Der in einem völlig schwarzen Lederanzug gekleidete Assassine öffnete die Augen, machte aber keinerlei Anstalten, sich aus seinem Meditationssitz zu erheben.
„Ich denke nicht, dass meine Gefühle zu unserer Mission von Belang für den Erfolg ebenjener sind.“, war seine mehr als kryptische Antwort.
„Okay, noch ein Freak, das werden interessante Monate.“, dachte sich Trish, nachdem sie Ricos Antwort sortiert, ausgewertet, verstanden und für nicht gesprächsfördernd befunden hatte.
„Ich dachte mir nur, vielleicht sollten wir uns etwas besser kennenlernen. Ich meine, wir zwei werden uns schließlich besonders aufeinander verlassen müssen, wenn die Sirene mit dem Gunzerker ihr eigenes Ding drehen wird.“, versuchte Trish es weiter.
„Du bist also der Meinung, die beiden werden gemeinsam gegen uns konspirieren, um uns um unseren rechtmäßigen Anteil am Vault zu bringen?“, antwortete Rico kühl.
„Nein, das heißt, ich meine… Du scheinst nicht so wirklich auf soziale Interaktion aus zu sein, oder?“, resignierte Trish.
„Trish, sie als Kommandoeinheit sollten am besten wissen, dass für das Bestehen einer Mission die soziale Interaktion zwischen den Gruppenmitgliedern soweit beschränkt werden sollte, auf das sie das Missionsziel nicht gefährden. Sollten sie der Meinung sein, dass der Austausch von Verbalitäten sich positiv auf die gruppendynamischen Prozesse auswirkt und sich so eine höhere Effektivität des Einzelnen im Kampf ergibt, so bin ich durchaus bereit, mich in meinen Augen sinnfreiem Geplänkel zum Austausch unserer Hintergrundgeschichten hinzugeben. Sollten ihnen jedoch nur die Untätigkeit während unserer Reise mit dem Sanctuary-Express übel aufstoßen, so möchte ich sie bitten, sich mit unseren beiden Partnern oder dem Bahnpersonal zu befassen. Und nun lassen sie mich bitte mein Meditationsritual wieder aufnehmen.“, ratterte der Assassine der verdutzten Trish herunter und bedeutete ihr mit einem Kopfnicken, ihn in näherer Zukunft nicht mehr zu behelligen.
„Okay, ich hab’s verstanden, kein Grund pampig zu werden.“, dachte sich Trish, während sie sich umdrehte und langsam im Abteil entlangschlenderte.
Der Assassine schien als Beziehungsmaterial also auszufallen. Schade, er sah eigentlich ganz süß aus und sie hätte sich gut vorstellen können, mit ihm nach ihrem gemeinsamen Abenteuer… „TRISH, lass das. Du kennst den Kerl fünf Minuten und willst ihm an die Wäsche.“, ermahnte sie sich. Kurz dachte sie an ihre letzte Beziehung zurück.
Simon war einfach perfekt gewesen. Zu perfekt, wie sich herausstellte. Er war der Jäger in ihrem Squad gewesen und sie hatten sich im Bootcamp der Mobilen Infanterie kennengelernt. Und spätestens als er sie in einem Speedball-Match schlug und als Preis ein Abendessen mit ihr forderte, war es um sie geschehen gewesen. Die nächsten Monate waren wie im Flug vergangen und sie schlossen die Grundausbildung mit Bestnoten ab. Doch alles Glück muss einmal ein Ende finden. In Trishs Fall kam es in Gestalt von David, dem neuen Kadetten ihrer Einheit. Bereits als sie ihn das erste Mal sah, kamen ihr unzüchtige Gedanken. Zu ihrer Verteidigung musste gesagt werden, dass David äußerst gut aussah und eine Stimme zum Dahinschmelzen hatte. Sie erinnerte Trish etwas an den Hauptcharakter aus dem alten Holospiel „Birdman: Milton Madhouse“, das sie als Teenagerin stundenlang gespielt hatte. Doch ihre Liebe zu Simon war zu groß, sie konnte das alles nicht für einen kleinen Flirt aufs Spiel setzen. Sie musste standhaft bleiben.
Sie blieb es auch.
Simon dagegen nicht.
Pünktlich zu ihrem zweijährigen Jubiläum wollte sie ihren Freund mit ein paar neuen Spielzeugen überraschen, die sie für sie beide gekauft hatte. Die Überraschung war allerdings ganz ihrerseits, als sie die beiden in einer eindeutigen Position in ihrem gemeinsamen Bett entdeckte. Ein hastiges „Es ist nicht so, wie es aussieht.“ und ein „Jetzt sei doch vernünftig.“ später war sie wieder Single, quittierte den Dienst bei der Mobilen Infanterie und hatte nur noch einen Gedanken:
„Weg!“
Und vielleicht noch „Ich will reich werden.“, aber ohne Job war das schwierig zu erreichen. So landete sie chronisch untervögelt in einem Eisenbahnwagon, in welchem weit und breit nichts Beziehungsfähiges unterwegs schien.
Rico schien keinerlei Emotionen zu haben, Atlas war ziemlich leicht reizbar und Mary… Nicht, dass sie während ihrer Jugend nicht so einiges mit dem eigenen Geschlecht ausprobiert hatte, aber sie schien nicht wirklich in Marys Beuteschema zu passen. Und da es sich andersherum ähnlich verhielt, sollte man nichts erzwingen. Womit sie wieder am Anfang ihres Problems war.
Vielleicht sollte sie sich bei Atlas entschuldigen, er hatte es sicher nicht leicht mit seinem Zustand. Sirenen waren ziemlich rar im Universum und in Verbindung mit seinem Geschlecht… Sie sollte es wenigstens versuchen.
„Hey, Atlas. Ich wollte mich wegen vorhin entschuldigen. Du kriegst solche Sachen wahrscheinlich öfters an den Kopf geworfen, da muss ich nicht noch Salz in die Wunde streuen.“, kam sie ohne Umschweife auf den Punkt.
„Entschuldigung angenommen, ich habe ja auch etwas gereizt reagiert. Ich hatte nur gehofft, dass ich bei euch Vault Huntern ohne Vorurteile aufgenommen werde, und wenn dann das erste, was man hört ist, dass man dringend ins Solarium muss, trägt das nicht gerade zur Hebung meiner Stimmung bei.“, antwortete Atlas zu Trishs Erleichterung. Vielleicht war er ja doch ganz nett.
„Wir kommen sicher miteinander aus, wir werden schließlich eine Weile aufeinander rumhängen.“ Trish musste bei dem Gedanken schmunzeln, Kopfkino war schon immer ihre größte Schwäche.
„Wie bist du auf diesem gottverlassenen Planeten gelandet?“, versuchte sie ein Gespräch in Gang zu bringen.
„Nun ja, mein Vater musste wenige Monate nach meiner Geburt feststellen, dass kleine Sirenen zu Elektroschocks neigen, wenn sie ihren Willen nicht bekommen. Und ich musste feststellen, dass sich Elektroschocks nur schlecht mit menschlicher Haut vertragen. Da meine Mutter durch den Eridiumschock, von dem ich erzählte, bereits bei meiner Geburt starb, wurde ich so ziemlich schnell eine Vollwaise. Und ganz ehrlich, würdest du ein tätowiertes Baby mit blauer Haut adoptieren?“, begann Atlas sich langsam zu öffnen.
„Nein, wohl eher nicht. Also, das soll jetzt keine Beleidigung sein, ich meinte nur, dass…“, stotterte Trish.
„Schon okay, ich habe es ja am eigenen Leib erfahren, wie es ist, gemieden zu werden. Nachdem ich gefühlt jedes Waisenhaus im Universum abgeklappert hatte, bin ich durch eine glückliche Fügung des Schicksals hier gelandet. Ich hoffe, die Vault Hunter vor uns haben noch etwas Beute übrig gelassen, ich bin nämlich ziemlich pleite und hätte gegen ein bisschen Taschengeld nichts einzuwenden.“, lachte Atlas und beruhigte Trish damit ungemein. Ja, eigentlich schien der Kerl ganz in Ordnung zu sein. Nicht wirklich ihr Typ, aber sie würden klar kommen.
„Mary will mitlachen, lasst sie nicht außen vor!“, donnerte es plötzlich hinter Trish. Mary hatte, nachdem Trish ihren vorherigen Gesprächspartner in Beschlag genommen hatte, versucht, mit dem Assassinen Rico ins Gespräch zu kommen. Die Konsequenz war ein genervter Assassine und ein ziemlich frustrierter Gunzerker, der auf der Suche nach Unterhaltung nun Trish für sich beanspruchte.
„Schon gut, ich muss sowieso mal für kleine Sirenen.“, ermutigte Atlas Trish zu einem Gespräch mit dem Gunzerker und erhob sich aus seinem Sitz.
„Mary, erzähl doch du mal, wie es dich hierher verschlagen hat.“, beeilte sich Trish zu sagen, um zu verhindern, dass Mary in ihrer Langeweile das „Zug-zerleg-dich“-Spiel spielen wollte.
„Mit einem Raumschiff natürlich. Marys Freund Shrike ist geflogen, sie hat etwas Probleme mit der Steuerung.“, bewies Mary, dass sie die Frage nicht wirklich verstanden hatte.
„Ja, aber was hast du vorher gemacht? Und was hast du vor, nachdem wir reich geworden sind?“, stellte Trish ihre Frage etwas klarer.
„Es gab einen Unfall bei Mary alter Stelle. Viele Menschen sind in Marys Fäuste gefallen und der Richter meint, sie muss dafür ins Gefängnis. Weil Mary das nicht wollte, ging sie nach Pandora, um reich zu werden und sich auf Opportunity niederzulassen.“ Opportunity war ein Luxusplanet, der sich ebenfalls wie Pandora der Kontrolle des Imperialen Rates entzog. War es bei Pandora einfach nur Desinteresse, so erkaufte sich Opportunity diese Immunität durch große Mengen Schmiergeld, die von den reichen Bewohnern des Planeten nur gern für ihre Ungestörtheit bezahlt wurden. Opportunity wurde so langsam in den letzten Jahren zu DEM Treffpunkt für Menschen mit Geld, die es am liebsten ausgaben, wenn niemand fragte, woher es kommt. Ein idealer Planet also für Menschen mit Vorstrafenregistern so groß wie das von Mary.
Wie es aussah, stellte Mary keine Gefahr für das Abenteuer dar, solange man sie nicht provozierte. Und ihre ernorme Stärke konnte sich als ziemlich nützlich erweisen, manche Probleme löste man am einfachsten mit Gewalt.
„Okay, den Gunzerker hab ich auf meiner Seite, die Sirene ist mir auch nicht mehr gram, dann muss ich nur noch darauf achten, dass der Assassine keinen Mist baut. Vielleicht kann ich ihn ja doch noch aus seiner Schale locken, wenn ich ihn über seine Meditationstechniken ausfrage. Damit dringe ich möglicherweise zu ihm durch.“, dachte sich Trish und begab sich wieder in den hinteren Bereich des Abteils, um mit Rico zu sprechen.
Dann explodierte der Zug.
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