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Zerrissen

von -Madara-
KurzgeschichteDrama / P6 / Gen
Commander Shepard Kaidan Alenko
16.06.2016
16.06.2016
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Hallo und herzlich Willkommen!

Einfach weil mir danach ist, lade ich hier schon einmal einen meiner OS hoch... Eigentlich hatte ich etwas Sammeln wollen, bis es sich für eine Sammlung lohnt... Nun denn.
Aus der Notwendigkeit heraus habe ich der, der von Kaidan in seiner E-Mail an Shepard erwähnten "Ärztin von der Citadel" einen Namen gegeben.

Vorweg möchte ich mich noch ganz herzlich bei MyLittleWorld bedanken, die für mich beta gelesen hat. Dankeschön, ich freue mich immer sehr mit dir über "unsere" Pappenheimer zu fachsimpeln... Sei es Mass Effect oder Dragon Age.


Zerrissen

Als Kaidan Alenko erwachte, war er im ersten Moment etwas desorientiert und wusste nicht sofort, wo er war. Jedoch erkannte er schnell das Apartment von Dr. Carolin Foster, einer Ärztin, die auf der Citadel eine eigene kleine Praxis hatte.
Kaidan hob leicht den Kopf, um einen Blick auf den digitalen Wecker zu erhaschen, der neben dem Bett auf einem Nachttisch stand. In den Bezirken der Citadel war es immer dunkel, sodass sich die Uhrzeit unmöglich daran abschätzen ließ. Auch wurde der Verkehr niemals ruhiger.
Der Zeit nach war es mitten in der Nacht und die kleine Bewegung seines Kopfes hatte ausgereicht, um ein schmerzhaftes Pochen hinter Kaidans Stirn zu verursachen. Damit wusste er dann auch was ihn geweckt hatte.
Er hatte gelernt mit Kopfschmerzen zu leben, doch das aggressive Pochen im Augenblick war schlimmer als sonst. Vielleicht lag es am Alkohol des vergangenen Abends, obwohl es so viel nicht gewesen war.
Vorsichtig, um Carolin nicht aufzuwecken, schlug Kaidan die Decke zurück und stand auf. Im Dunkeln suchte er nach seinen Boxershorts und seiner Hose, um nicht vollkommen nackt durch die Wohnung zu laufen. Im Augenblick fühlte er sich mehr denn je wie ein Eindringling, der nichts an diesem Ort verloren hatte.
Kaidans Freunde hatten ihn und Carolin miteinander bekannt gemacht. Sie war eine hübsche Frau, freundlich und unternehmungslustig, sodass Kaidan sie durchaus attraktiv fand. Seine Freunde hatten ihn dazu gebracht mit ihr etwas trinken zu gehen. Inzwischen hatten Carolin und er sich mehr als nur einmal getroffen und es war irgendetwas zwischen ihnen entstanden, dass vielleicht irgendwann zu einer Beziehung hätte werden können, wäre da nicht dieser eine Tag auf Horizon gewesen.
Völlig unerwartet hatte Commander Emilia Shepard vor ihm gestanden. Jene Frau, die er noch immer liebte und um die er ganze zwei Jahre getrauert hatte. Carolin war sein Versuch gewesen, in dieser Hinsicht sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Emilia und Kaidan waren nicht lange ein Paar gewesen… nur ein paar wenige Wochen, bevor Emilia vermeintlich beim Untergang der Normandy ums Leben gekommen war. Doch der gemeinsame Kampf gegen Saren und die Sovereign hatten ein festes Band zwischen Kaidan und Emilia geschmiedet.
Und jetzt arbeitete Commander Shepard, die Heldin der Citadel, für Cerberus.
Es tat Kaidan leid, was er auf Horizon im Zorn gesagt hatte. Wenn sie im Koma gelegen hatte – und es gab für ihn keinen Grund in dieser Hinsicht an ihrer Aufrichtigkeit zu zweifeln, immerhin war Joker sich sehr sicher Shepard sterben gesehen zu haben -, dann war es unfair gewesen, ihr vorzuwerfen, dass sie sich nicht gemeldet hätte. Und es war auch keine Glanzleistung von ihm gewesen, sie kaum zu Wort kommen zu lassen.
Doch er hatte es einfach nicht zur Seite schieben können, wie verraten er sich fühlte. Nicht nur, dass Shepard nicht zur Allianz – zu ihm – zurückgekehrt war, nein… die arbeitete nun auch noch für eine Organisation von Terroristen, die alle anderen Spezies als die Menschen dominieren oder ausrotten wollten. Dies war nicht die Shepard, die Kaidan kennen und lieben gelernt hatte.
Horizon hatte ihn erneut in eine Kriese gestürzt.

Leise schlüpfte Kaidan in seine Hose und durchquerte das kleine Apartment, um sich an Carolins Nachrichten-Terminal anzumelden. Sein Kopf pochte schmerzhaft genug, um ihn wissen zu lassen, dass er ohnehin nicht mehr einschlafen würde. Selbst dann nicht, wenn er seine schon wieder um Shepard kreisenden Gedanken beruhigen könnte.
Warum musste es nur so kompliziert sein?
Wenn er wenigstens sicher sein könnte, dass Shepard noch am Leben war. Sie kämpfte gegen die Kollektoren und Kaidan hatte selbst erfahren, was für eine Art Gegner sie waren.
Ohne Schwierigkeiten hatten sie Horizon überrannt und wenn Shepard nicht rechtzeitig gekommen wäre, dann wären Kaidan und einige andere, die gerettet worden waren, nun ebenfalls Opfer der Kollektoren. Und wer weiß was dann mit ihnen geschehen wäre.
Wieder einmal hatte Shepard vermutlich Kaidans Leben gerettet.
Dies, zusammen mit den Vorwürfen, die er ihr gemacht hatte, hatte Kaidan dazu bewegt Shepard eine E-Mail zu schreiben. Er hoffte, dass sie dann verstehen würde, was ihn ihm vorging. Was genau er sich davon erhoffte, dass wusste er auch nicht.
Er fühlte sich von ihr verraten, wollte aber gleichzeitig auch nicht, dass ihr etwas zustieß. Er liebte sie noch immer und konnte nicht verstehen, dass sie nun der Feind sein sollte.
… Wenn sie denn noch am Leben war.

Er hatte seine E-Mail an sie abgeschickt, aber keine Antwort erhalten, obwohl seitdem schon einige Wochen vergangen waren. Die Kommunikationswege waren zuverlässig genug, dass E-Mails praktisch nicht verloren gehen konnten, sodass er davon ausgehen musste, dass sie zugestellt worden war.
Vielleicht hatte Cerberus sie abgefangen, versuchte Kaidan sich einzureden. Dann wäre Shepard vielleicht wirklich nicht mehr als ein Werkzeug, das vom Unbekannten benutzt wurde und gehörte nicht zu dem System.
Vielleicht war seine E-Mail aber auch nicht beantwortet worden, weil Shepard gestorben war. Gefallen im Kampf gegen die Kollektoren. Diese Möglichkeit versuchte Kaidan stets zu verdrängen, auch wenn er wusste, dass es nicht unwahrscheinlich war.
Mehr als jeder andere wusste er, dass auch Shepard nur ein Mensch war. Und wie jeder andere Mensch war auch sie nicht unsterblich.
Außer Cerberus hat irgendetwas mit ihr angestellt, meldete sich eine leise Stimme in Kaidans Hinterkopf zu Wort.
Er hasste diesen Sturm aus widerstreitenden Gefühlen und so hatte er versucht sich damit abzufinden, dass er auf seine Nachricht keine Antwort bekommen würde. Und dass er den Grund dafür vermutlich nicht erfahren würde.

Mit flinken Fingern gab Kaidan seine Zugangsdaten am Terminal ein, als es hochgefahren war, damit er seinen Nachrichteneingang checken konnte. Als Militärangehöriger hatte er den Vorteil, dass seine Nachrichten in kurzen Intervallen aktualisiert wurden, ohne dass er zusätzliche Gebühren dafür zahlen musste.
Seitdem er zuletzt nachgesehen hatte, hatte sich in seinem Postfach nicht viel getan. Es waren lediglich zwei neue Nachrichten eingetroffen.
Eine war von seinen Eltern, die sich vermutlich nach seinem Befinden erkundigen und ihm von ihrem Urlaub in Europa berichten wollten. Als er den Absender der zweiten Nachricht sah, stockte er einen kurzen Moment und sein Herz begann schneller zu schlagen.

>Shepard, Emilia – Betreff: Aw. Über Horizon<

Unsicher, ob er nach so viel vergangener Zeit den Inhalt der Nachricht wirklich erfahren wollte, blickte er auf den Bildschirm vor sich. Sie konnte von Emilia stammen. Vielleicht war es aber auch eine automatische Nachricht, dass es diese Kontaktdaten nicht mehr gab, weil Shepard im Einsatz verstorben war.
Sei kein Narr, Alenko, sagte er sich selbst und tippte zögerlich die angezeigte Nachricht an, damit sie geöffnet wurde.
Wie bei Kaidans Nachricht an Shepard, handelte es sich auch bei der Antwort um eine Textnachricht.



>>Kaidan,

es tut mir aufrichtig leid, dass meine Antwort auf Ihre Nachricht erst so spät kommt. Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre ehrlichen Worte und habe bislang nicht den Mut gefunden, ebenso ehrlich zu antworten.
Ich habe mehr verloren als nur zwei Jahre meines Lebens. Unser Wiedersehen hat mir das deutlich gemacht, wie auch die Tatsache, dass ich mit Cerberus arbeiten muss, um effektiv etwas gegen die Kollektoren unternehmen zu können.
Ich vertraue Cerberus nicht, aber es muss etwas getan werden.

In Kürze werden wir die Kollektoren angreifen. Vielleicht ist es die letzte Möglichkeit Ihnen noch einige Dinge mitzuteilen.
Ich hoffe, dass es ein Wiedersehen gibt und wir vielleicht ein paar Dinge klären können. Sie bedeuten mir zu viel, als dass ich möchte, dass etwas zwischen uns steht, das wir vielleicht aus der Welt schaffen können.
Bis dahin möchte ich Sie bitten, am Leben zu bleiben.
Ich werde dazu beitragen, was ich kann.

In Liebe
Emilia<<



Kaidan las den Text im Anschluss noch zwei weitere Male. Innerlich zerriss es ihn.
Die Kollektoren angreifen… Kaidan wusste, dass es eine Selbstmordmission war. Niemand durchquerte das Omega-4-Portal und kehrte zurück.
Er wünschte, dass er jetzt bei Shepard sein könnte. Dass er ihr den Rücken freihalten könnte. Vielleicht würde es ihr Leben retten, wenn er jetzt bei ihr wäre… wenn er ihr Angebot, sie zu begleiten, auf Horizon nicht ausgeschlagen hätte.
Andererseits hätte er alles verraten, woran er glaubte, wenn er sich Cerberus angeschlossen hätte… so wie Shepard es getan hatte.
Doch im Augenblick überwog seine Sorge, dass Shepard vielleicht in genau diesem Moment im Kampf getötet wurde, das Gefühl von ihr verraten worden zu sein.
Sein Kopfschmerz wurde stärker und Kaidan rieb sich die Schläfen. Gleichzeitig wurde er sich wieder bewusst, wo er sich befand.
Das war der Moment, in dem es ihm zu viel wurde.
Eilig fuhr er das Terminal herunter und stand auf. Dann begann er damit seine restlichen Klamotten zusammen zu suchen.
Sein dunkles Polo-Shirt war in dem dunklen Raum für ihn jedoch nicht auffindbar, sodass er es riskierte Carolin aufzuwecken, in dem er die Nachttischlampe einschaltete.
Dann fand er das gesuchte Kleidungsstück, das unter das Bett gerutscht war. Mit pochendem Kopfschmerz angelte Kaidan danach und zog es sich über.

„Was’n los…?“, nuschelte Carolin verschlafen und blickte zu Kaidan, der sich nun rasch noch seinen Pullover anzog und in seine Stiefel stieg.
„Tut mir leid, aber ich muss weg“, entschuldigte er sich.
Carolin setzte sich auf und schob sich verirrte Haare aus dem Gesicht. „Ist etwas passiert?“, fragte sie alarmiert nach.
Sie wusste, dass Kaidan für die Allianz arbeitete. Was genau er dort tat, wusste sie aber nicht, da seine Akten der Geheimhaltung unterlagen und er so nicht mit ihr darüber sprechen konnte und wollte.
Kurz überlegte Kaidan, was er der jungen Frau sagen sollte. „Mir geht es nicht gut. Migräne", wich er dann aus. „Schlaf weiter. Es ist noch mitten in der Nacht.“
Carolin wirkte besorgt. „Soll ich dir Schmerzmittel geben?“
„Nein, nein“, winkte Kaidan ab. Vielleicht etwas zu eilig. „Ich fahre in die Kaserne und lege mich da hin. Ich…“ Er brach ab, als er bemerkte, dass er ihr eine bessere Geschichte erzählen musste. „Ich bin gerade ein wenig durcheinander.“
„Das merke ich.“
Kaidan atmete tief durch und rieb sich mit dem Unterarm über die Stirn. Eine Bewegung, die ihm inzwischen nicht einmal mehr auffiel. „Ich habe schlechte Nachrichten bekommen und das Gefühl, dass mir gleich der Kopf platzt. Ich brauche jetzt Zeit für mich.“
Misstrauisch nickte Carolin, sagte jedoch nichts zu der eindeutigen Abweisung.

Einige Momente lang blickte Kaidan noch zu ihr und war sich nicht sicher, ob er darauf wartete, dass sie noch etwas sagte oder ob er selbst nach Worten suchte.
Dann wandte er sich ab und ging zur Haustür. „Ich melde mich bei dir“, meinte er dann zum Abschied noch und wusste schon während er die Worte aussprach, dass es eine Lüge war und er es nicht tun würde.
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