Can we go on like it once was

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12
15.06.2016
15.06.2016
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Wer die Bücher (noch) nicht gelesen hat: Vorsicht, Spoiler!!
Tja, meines Erachtens gehören Lena und Alex zusammen, weshalb hier dieser kleiner Oneshot entstanden ist.
Um die Geschichte zu verstehen ist es nicht unbedingt notwendig die Bücher gelesen zu haben,
aber manche Dinge erscheinen einem dann plausibler.  
Habt Spaß, und entschuldigt bitte Fehler.


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"If you love someone, you should never hurt them."
tate langdon






Lena fühlte sich ausgelaugt. All die Kämpfe in den letzten Wochen hatten an ihren Kräften gezerrt, an ihrem Körper, ihrem Geist.
Sie machten sie müde. So viel war Geschehen, was sie nicht verstand und auch nicht nachvollziehen konnte.
Ihre Welt war aus den Fugen geraten und nicht nur ihre, die ganze Welt wurde verrückt. Und jetzt mussten die Übriggebliebenen sie wieder aufbauen. Stück für Stück, Stein für Stein. Es stand ein Aufbruch bevor, jetzt wo sie Portland eingenommen und die Stadt befreit hatten. Portland jedoch war erst der Anfang.
Überall gab es noch Städte die an Amor Deliria Nervosa glaubten und fest von ihr als Krankheit überzeugt waren.
Doch Lena versuchte diese Gedanken weit von sich zu schieben.
Über die Zukunft, all die Fragen die damit einher kamen und die Forderungen, die an sie gestellt wurden.
Sie war froh hier vor den Ruinen Portlands ein wenig Ruhe zu finden. Zeit um die Dinge zu verarbeiten, aber vor allem Zeit um Luft zu holen.
Denn so hatte sie sich die letzten Wochen dauerhaft gefühlt, außer Atem.
Und müde, so entsetzlich müde.

.

Schreie rissen sie aus ihrem tiefen Schlaf, schwitzend und keuchend schreckte sie hoch, als wäre sie zuvor einen Marathon gelaufen. Ihre Lungen lechzten nach Luft.
Sie brauchte einen Moment bis sie realisierte, dass es ihre eigene Stimme war, die sie im Traum hatte schreien gehört und es ihre eigenen Beine waren, die sie nicht schnell genug von diesem dunklen Ort wegschaffen konnten. Doch es war nur ein Traum.
Ein Traum von Dingen, von denen sie glaubte, sie hinter sich gelassen zu haben.
„Beruhig dich, Lena!“, flüsterte sie leise und richtete sich von der kleinen Pritsche auf, die sie mit Gracie teilte. Sie fühlte sacht nach dem kleinen Körper neben sich und atmete erleichtert auf, als sie ihn fand. Sie schob ihre nackten Füße in den staubigen Sand und verdeckte ihr Gesicht in den Händen.
Sie versuchte nicht zu denken. Nicht an die letzten Wochen, nicht an den letzten Traum und auch nicht an den von vorletzter Nacht, und von der Nacht davor.
Jedes Mal waren sie gleich.
Lena fröstelte, doch sie behielt ihre Position bei, sie sah sich nicht um, fühlte ihre Umgebung, horchte hin, nahm hier und da Flüstern wahr. Jemand lachte kurz laut auf, vielleicht noch wach von letzter Nacht. So langsam wurde die Welt um sie herum wach und Licht verjagte den Schlaf.  
Alles in ihr fühlte sich gekocht an, durchgegart bis ihre Innereien nur noch eine weiche, matschige Pampe ergaben.
Sie wusste nicht mehr was sie denken sollte, was sie fühlen sollte. So viel war passiert. Alex, Gracie, Hana. Und dann war da noch Julian.

Auch wenn sie gewollt hätte konnte sie nicht mehr schlafen. Stattdessen richtete sich Lena auf und ließ ihren Blick über die schlafenden Körper auf den Pritschen neben sich schweifen, er hielt inne als sie ihn fand. Den blonden Jungen, der sich so sehr verändert hatte in den letzten Monaten, der es irgendwie geschafft hatte, etwas in ihr zu verändern, von dem sie geglaubt hatte es sei auf ewig tot.
Weich wurde ihr Blick, als die dieses kleine, verzottelte Mädchen neben sich sah.
Gracie’s Oberkörper bewegte sich in regelmäßigen Abständen auf und ab. Lena hoffte sie träumte von besseren und glücklicheren Tagen.  
Die Sonne brannte heiß auf das Lager nieder, Lena fühlte die Müdigkeit in ihren Knochen und vermied Gespräche.
Nur Gracie, die immer mal wieder zu ihr kam knuddelte sie und fuhr ihr durch die Haare. Alex sah sie kaum an, und das letzte Mal sah Lena ihn mit Coral, was ihr einen Stich versetzte. Seitdem sie sich das eine Mal nachts in der Stadt sahen, hatten sie nicht mehr miteinander geredet.
Und vor Julian floh sie regelrecht. Das letzte Mal als sie ihn sah hatte er sich mit Cassie unterhalten,
woraufhin Lena auf den Absatz kehrt machte und nicht noch einmal nach Cassie rief.
Sie hätte sich nicht getraut ihm in die Augen zu gucken. Lena war fest davon überzeugt, dass sie keine Worte hätten finden können, um Julian das zu erklären was sie dachte. Was sie fühlte.

.

Es war windig hier am Wasser, der Geruch von Salz lag in der Luft, Lena konnte es auf ihren Lippen schmecken.
Sie liebte diesen Geruch seit sie klein war und das erste Mal diese Menge an Wasser gesehen hatte. Sie liebte den Wind, der ihre Haare wild umherflattern ließ, als würde er mit ihr spielen und sie necken wollen, wenn er eine Strähne, die sie gerade hinter ihr Ohr geklemmt hatte, wieder löste.
Sie überblickte die Bucht vor sich, wanderte weiter zu dem weißen Strand, von dem sie noch genau wusste wie er sich zwischen ihren Zehen anfühlte.
Der nachgab, wenn man einen Schritt tat und heiß war, wenn im Sommer die Sonne die Körner erhitzte. Wie oft hatte sie mit Hana ihre Nachmittage an diesem Strand verbracht und sie erinnerte sich an den Wind in ihren Haaren und auf ihrer nackten Haut, als sie mit Alex in die Wellen sprang.

Sie seufzte laut und rieb sich mit ihren Händen durch das müde Gesicht. Sie war so müde von den Tagen hier. Sie fühlte sie ausgelaugt, leer.
Sie wusste nicht einmal mehr wann sie das letzte Mal gelacht hatte. Richtig gelacht hatte, sodass es die kleinen Fältchen um ihre Augen herum vorbrachte.

„Wie kann ich weiter machen?“, fragte sie das Meer, lauschte dem Rauschen der Wellen, hörte, wenn sie brachen und gegen die Felswand schlugen.
Doch sie hörte nichts anderes heraus. Sie gaben keine Antwort.  
„So wie du es bereits gemacht hast.“, antwortete eine Stimme, die Lena nur zu gut kannte. Trotzdem wirbelte sie herum und stolperte dabei fast über ihre eigenen Beine.
„Alex“, rief sie verwundert, als würde sie nicht sehr wohl wissen wer diese Stimme besaß.
Sie starrten sich für einige Sekunden lang an bis Alex den Blick zuerst abwandte. Es erstaunte Lena wie traurig sie das machte.
Sie hatte sich diese Gedanken verboten, um sich nicht noch mehr zu verlieren in einer Hoffnung, die für sie aussichtslos erschien.
Doch als Alex wieder kam, kamen auch die Erinnerungen. Sie hätte ihn gern berührt, auch wenn es nur eine winzig kleine Stelle gewesen wäre.
Sie glaubte, dass das alleine schon ausreichen würde. Sie wusste, dass das alleine schon ausreichen würde.
Sie schwiegen beide während Lena weiterhin auf das Meer blickte und Alex einen Platz auf dem Felsbrocken fand.

„Kannst du dich noch erinnern?“, fragte er sie mit einem Mal. Lena folgte seinem Blick zu der Bucht mit dem langen Strand. Sie erinnerte sich noch gut an diesen einen Tag, als er es ihr sagte. Sie wünschte sich nichts sehnlicher, dass sie damals anders reagiert hätte. Dass sie schlauer gewesen wäre, als sie es damals war. Nicht so naiv. Sie fröstelte, als sie an die Berührungen im Wasser dachte, seine weiche Haut auf ihrer.
Sie war so glücklich.
„An jedes einzelne Detail.“, sagte sie leise, fast schon sicher, dass Alex sie nicht hören konnte, doch er antwortete sofort: „Ich mich auch.“
„Das hat mich am Leben gehalten.“, fügte er tonlos hinzu.
Seine Worte trafen Lena mit voller Wucht. Und all die Gedanken und Überlegungen, die sie sich verboten hatte brachen über sie hinein. Die Sonne schien warm auf sie herab, doch Lena fror.

Sie konnte nicht nachvollziehen was Alex durchgemacht haben musste, wie allein und verloren er sich vorgekommen sein musste, eingeschlossen in den Steinmauern. Umgeben von Dunkelheit und keiner anderen menschlichen Seele. Die Zeit in den Grüften muss ihm wie Jahrzehnte vorgekommen sein.
Sie wusste nicht, dass es noch viel schlimmer war. Dass die Monate in den Grüften entsetzlich waren für Alex. Die Dunkelheit war bedrängend und angsteinflößen.
Sein Trost waren seine Erinnerungen, an den Duft von Lenas Haut, ihr weiches Haar zwischen seinen Fingern und das Gefühl, welches durch seinen Körper strömte, wenn er sie fest in ihre Arme schloss. Man konnte ihm seiner Freiheit berauben, doch nicht seiner Erinnerungen.
Morgens wachte er mit dem Bild von Lena im Gedächtnis auf und abends, schlief er irgendwann vor Erschöpfung ein mit der Vorstellung sie in den Armen zu halten.
Er trauerte um Lena wie um einen geliebten Verstorbenen. Er dachte, er sähe sie nie wieder.

Sie spürte wie ihre Kehle eng wurde und plötzlich viel es ihr schwerer zu Schlucken.
„Alex, ich –“, fing sie an, doch ihre Stimme brach. Wie? Wie sollte sie sich entschuldigen, wie konnte sie die richtigen Wörter finden um ihm all das zu sagen, was in ihrem Kopf schwebte. Sie rang mit sich. Suchte, suchte. Doch keines wurde ihrem Verhalten gerecht. Kein Wort konnte ihre Tat wieder gut machen.

„Es tut mir leid, Alex.“, sagte sie unter Tränen. Traute sich nicht Alex anzusehen.
Die Nacht in der sie flohen flammte in ihrem Kopf auf. Am Horizont hatten sich schon einige Wolken gebildet, doch vom Tag war die Luft noch warm.
Alex und Lena waren von Stille umgeben, und von der Hoffnung, die sie beide antrieb. Sie hatte es sich so gewünscht.
Sie erinnerte sich an irre flackernde Lichter. An gellende Schreie und Drohungen. Hundegebell. Und die Angst.
Die Angst in ihrem Körper, die sich ausbreitete wie ein Virus in ihrem Blut, bis ihr ganzer Körper pulsierte. Sie fühlte die Tränen über ihre Wangen laufen, als sie sich erinnerte wie sie anfing zu laufen. Ihre Beine, die, gewöhnt an die Bewegung, in einen Rhythmus fielen und Alex, der ihr zurief.

„Lauf, Lena! Lauf weiter!“.

Und sie lief weiter und weiter, immer weiter. Bis ihre Lungen in Flammen standen und ihre Augen fiebrig glänzten. Die Angst hatte sie angetrieben, immer weiter in die unbekannte Wildnis hinein, hatte veranlasst den Schmerz in den Beinen zu verdrängen und das lähmende Gefühl in ihrem Herzen zu ignorieren.
„Es tut mir leid.“, wiederholte Lena nochmals, dieses Mal sah sie genau in Alex‘ Augen. Sie schluckte bei seinem Anblick.
Sie war sich sicher, dass seine Augen glänzten, doch sein Gesicht zeigte keine Regung und falls doch, dann konnte sie es nicht mehr lesen.
„Bitte glaub mir. Es tut mir so leid, dass ich weiter gelaufen bin“, schluchzte Lena und rieb sich die heißen Tränen von den Wangen, sie wollte gar nicht weinen.
Sie wollte Alex deutlich ansehen können.

„Ich glaube dir, Lena. Aber das will ich nie wieder von dir hören“, antwortete Alex endlich.
Er war mittlerweile aufgestanden und fast sah es so aus, als wolle er auf Lena zugehen.
„Was? Aber-“, fragte sie verwirrt.
„Kein Aber. Sag das nie wieder, klar?“, er hatte sie an den Armen gepackt und schüttelte sie.
„Ich hab dir gesagt, dass du verdammt nochmal weiter laufen sollst!“, sagte er mit gepresster Stimme.
„Also, sag das nicht, hörst du?“. Er schüttelte sie weiter.
„Aber-“, stotterte Lena abermals, plötzlich wirkte Alex genervt. Er verstärkte nochmal seinen Griff, bevor er Lena losließ.

Augenblicklich fehlte ihr die Berührung, auch wenn Alex wütend war. Doch er brachte mit einigen Schritten wieder Abstand zwischen sie.
„Ist das dein Ernst, Lena?“, fragte er sie ungläubig. Lena verstand nicht.
„Was denn?“, sie kam sich unglaublich dumm vor, dass sie nicht wusste was er meinte.  
„Du machst dir Sorgen darüber, dass du weiter gelaufen bist, aber nicht, dass du nicht wirklich lange brauchtest um einen Ersatz zu finden.“, sagte Alex in einem bitteren Tonfall. Er klang bemüht, doch sie konnte die Wut aus seiner Stimmlage heraushören. Trotz spiegelte sich in seinen Augen wieder, und viel schlimmer noch Enttäuschung. Lena wollte nicht, dass er sie so ansah.

Und endlich fiel bei Lena der Groschen, Alex konnte es ihrem Gesicht entnehmen. Julian. Er meinte Julian. Sie fühlte ein Kribbeln in ihrem Magen.
„Und deshalb hast du gelogen?“, fragte sie verständnislos.  
„Was? Mehr fällt dir dazu nicht ein?“, bellte Alex plötzlich nun stand ihm die Wut deutlich ins Gesicht geschrieben. Und noch etwas anderes.
„Ich- Du hast gesagt, dass es alles gelogen sei. Dass du mich nie-“, erwiderte sie.
„Du hast mich verletzt!“, spie er ihr entgegen, sie sah wie er seine Hände zu Fäusten ballte.
Eifersucht.

„Ich hab dich verletzt?“, echote sie. Plötzlich loderte Wut in ihren Adern. Wut über all die Menschen, die einfach nicht verstanden und davon ausgingen, dass eine Welt ohne Liebe die Bessere sei und diese Ansicht allen Menschen aufzwängen wollten. Über all die Menschen, die mit Gewalt versuchten, denen Einhalt zu gebieten, die gemerkt haben, dass es sich ohne nicht lohnte. Nichts mehr den gleichen Wert hatte. Sie selbst waren das Gift, die die Liebe in den Köpfen der Menschen als etwas Bösartiges darstellten, etwas was im Kern ausgemerzt werden musste.

Über all die, die ihr ihre Liebe genommen hatten. Ihr Alex genommen hatten. Weggeschnitten und entsorgt, wie ein fauliges Stück von einem Apfel.
Sie wurden alle von der Regierung belogen und verletzt.

„Ja!“, rief Alex, die Hände geballt. „Ich lag in den Grüften und habe um dich getrauert-“, Lena wollte ihn unterbrechen, ihm sagen, dass sie das auch tat.
Um ihn trauerte, ihn bis ins Mark vermisste, jeden Tag. Doch Alex ließ sie nicht zu Wort kommen.
„Ich hab getrauert! Und du hast mich anscheinend ganz schön schnell vergessen, als dieser Junge dahergelaufen kam.“, er lachte tonlos und blickte Lena ausdruckslos an.

„Du hast mich ersetzt.“, sagte er leise, doch es fühlte sich für Lena an als würde er schreien.
Lena schnappte nach Luft, Tränen schwammen in ihren Augen als sie auf Alex zu trat.
Sie verstand nicht, fand keine Antwort so entsetzt war sie über diese Ungerechtigkeit, die Alex ihr entgegen spie.

„Er war kein Ersatz.“, antwortete sie mit zugeschnürtem Hals. Verstand er denn nicht? Wie hilflos sie sich gefühlt hatte ohne ihn? Dass sie nicht mal mehr wusste wie sie einen Fuß vor den anderen setzten sollte. Dass sie nachts wach lag und versuchte sich selbst auszureden, dass sie alle recht hatten.
Mit ihrer Liebe. Dass sie ein Virus war, der sich tief in die Haut einfraß und einem das Herz, den Verstand vergiftete.
Alex hatte sie vergiftet. Und sie liebte es, liebte ihn.

Sie selbst hatte die Tür zu ihrem Innern aufgestoßen. Jauchzend. Fast schon bettelnd, und sie hatte sich in dem Gefühl verloren, das er in ihr hervorrief. Dieses warme, weiche leuchtende Gefühl, welches sich in ihrem Bauch einnistete und in ihren ganzen Körper streute, wenn sie Alex sah.
Wenn sie ihn berührte, ihn küsste, dann glühte sie.
„Achja?“, fragte er. „Dann hatte ich wohl mehr Gefühle für dich, als du-.“

„Sag das nicht!“, unterbrach ihn Lena heftig.
„Dazu hast du kein Recht“, und die Tränen flossen ihr über die Wangen, in ihren Mund. Sie schmeckte das Salz und das was aus ihrer Nase floss.
Sie wäre gerne ausgerastet. Hätte gern getobt, ihm ihre Fäuste auf die Brust geschlagen. Doch sie tat es nicht.

„Ich hab gedacht du wärst tot, Alex. Ich hab gedacht sie hätten dich umgebracht.“, Lena hätte gerne aufgehört zu weinen, doch mit einem Mal war es so,
als hätte sich ein Ventil gelockert und sie bekam es, egal mit welcher Kraft, nicht mehr zu. Sie fühlte sich zurückversetzt in die Zeit, als sie alleine in der Wildnis zurechtkommen musste. Hilflos. Sie erinnerte sich an die Schwere ihres eigenen Körpers damals, wie verkehrt sich alles angefühlt hatte.
Sie war verdreht, falsch, irgendein Schalter hatte alle Funktionen in ihr verfälscht.
Alleine durch den Gedanken. Alex. Tot.
Lena lief nicht mehr richtig ohne ihn. Sie hätte ihm gerne all das erzählt, doch ihr Kopf fand keine Worte. Alles was sie sagen könnte würde nicht reichen.
Es wäre nicht genug.

„Ich konnte nichts dagegen tun, Alex. Er war da.“, erklärte sie weiter, sie wollte sich entschuldigen, obwohl sie nicht mal wusste warum genau. Sie wollte nur, dass Alex aufhörte sie so anzublicken.
„Julian war da, als ich niemand anderen hatte.“, versuchte sie sich zu erklären. Wohl wissend, dass es genau das war, was Alex nicht hören wollte.
Doch es war die Wahrheit.
„Alex, bitte.“, ihre Stimme brach, als sie erneute Tränen runter schluckte und sich den Rest von Wangen und Nase unwirsch wegwischte.
Ihr Herz pochte wild unter ihrer Brust. Sie konnte es bis in ihre Fingerspitzen spüren.
„Ich habe dich immer geliebt. Aber als du …“, Lena brach ab, schämte sich als sich ein tiefes Schluchzen über ihre Lippen stahl.
„Als du meintest, es wäre alles gelogen, da ist für mich die Welt in zwei gebrochen. Ich war so froh, als ich dich damals wieder sah.“, Lena’s Stimme war leise.
Doch Alex hörte ihr zu, hielt ganz still und sagte kein Wort.

Sie konnte sich noch daran erinnern, wie sich etwas Schweres von ihrem Brustkorb erhob. Mit einem Mal konnte sie besser Atmen.
Doch nur für einen Moment hatte sie dieses wachsende Gefühl gehabt, denn dann sah sie Alex genauer an. Und sah seinen Blick.

Die Verachtung.

Den Hass.

„Lena.“, sagte Alex. Sie sah auf ihre abgewetzten Stiefel, hörte wie Alex über die trockene Erde ging. Näher. Zu ihr.
„Ich wusste nicht was ich machen sollte.“, sie ließ die Schultern hängen, spürte diese Schwere in ihrem Kopf. Fühlte sich wie betäubt. Es schmerzte.
„Ich hab doch gedacht sie hätten dich mir weggenommen Alex. Ich dachte du seist tot und ich würde dich nie wieder sehen. Ich musste doch irgendwie-“,
„Lena.“, wiederholte Alex. Er stand näher, hatte den Abstand zwischen ihnen verringert. Lena hätte ihn so gerne zu sich gezogen.
Immer weiter, weiter, bis er mit ihr verflochten war. Sie brauchte nur den Arm zu heben, dann würde sie ihn schon berühren können.
„Ich habe nie aufgehört dich zu lieben.“, sagte Lena.
Den Blick immer noch auf ihre Schuhe gerichtet, sie hatte Angst, dass sie sich verlieren würde, wenn sie hoch blickte. In Alex‘ blauen Augen.
Sie wusste nicht wie ihr geschieht, als sie plötzlich mit einem Ruck nach vorne gezogen wurde. Sie riss ihren Kopf hoch, die Arme schon angespannt und bereit sich zu wehren.
Es gab mal eine Zeit in der sie nicht so war.

Doch Alex war mit einem Mal so nah, dass ihr die Luft wegblieb. Ihr Verstand hing sich mit einem Mal auf, überfordert mit dieser Nähe, mit dem Duft von Alex, nach Erde und noch nach etwas anderem. Sie sog die Berührungen an jeder Stelle ihres Körpers auf, wo seine Haut auf ihrer lag.
Wie verdorrte Erde die seit einer Ewigkeit kein Wasser bekommen hatte, sog sie Alex ins ich auf. Sie wollte nie wieder woanders sein.
„Alex.“, sagte sie sanft, das war das einzige was Lena über die Lippen brachte. Was sich als einziges richtig anfühlte. Hier fühlte sie sich richtig, in seinen Armen.
Sie tasteten sich langsam vorwärts. Schritt für Schritt erlebten sie jede Berührung wie beim ersten Mal.
Die Muskeln unter Lenas Fingern, wenn sie zudrückte und sein heißer Atem auf ihrer nackten Haut. Sie hatte ihn so vermisst.

„Ich liebe dich.“, flüsterte er ihr leise ins Ohr und Lena glomm von innen. Sie könnte schwören, dass Alex das Leuchten sehen konnte was von ihr aus ging. Sie wünschte es sich so sehr, dass er sehen konnte was er mit ihr anstellte. Lenas Augen verloren sich in seinen und mit festem Griff lag ihre Hand in seinem Nacken.
Hier gehörte sie hin. Es fiel ihr leichter zu atmen. Mit einem Mal waren die Gedanken im ihrem Kopf nicht mehr ganz so schwer. Sie fühlte ihr Herz heftig gegen die Rippen schlagen, ihr ganzer Körper pulsierte.

Immer heftiger, heftiger. Und Alex kam immer näher.

„Ich liebe dich auch.“, antwortete sie atemlos.

Und als Alex sie endlich küsste versengte er ihre Lippen. Ihre Haut prickelte an der Alex sie berührte. Wie Gift.
Doch Lena liebte den Körper, der sie fest in den Armen hielt. Dessen Lippen sie zärtlich küssten.
Das hier war kein Gift. Das hier war Verlangen. Sehnsucht. Liebe.
Sie kommt nicht immer sanft und leise, manchmal ist die stürmisch und setzt alles unter sich in Flammen.  
„Wir kriegen das wieder hin.“, flüsterte er ihr leise ins Ohr, als er sie hochhob. Automatisch schloss Lena ihre Schenkel um ihn. Sie ließ ihn nicht wieder gehen.
Und als ihr Blick in die Ferne wanderte, sah sie den Jungen gut einige Meter von ihnen entfernt stehen.
Er starrte sie an. Julian.

„Wir kriegen das hin.“, wiederholte Lena, schloss die Augen und schmiegte ihren Kopf an Alex‘ Schulter.
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