Spiel des Tanzes 2

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
12.06.2016
15.03.2019
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Elias sah dem Mädchen nach, als es mit dem Weichei die Treppe hoch lief. Sie war ziemlich beschützend gegenüber seinem Cousin gewesen. Ob sie was von Gideon wollte? Dann hatte sie Pech gehabt. Jeder hier an der Schule wusste, dass er schwul war. Er wandte sich an den Junge neben sich. "Du solltest endlich lernen, dein Maul nicht so weit auf zu reißen, Joe. Ich dulde dich nur an meiner Seite, weil du mein Cousin bist. Das kann sich aber schnell ändern", drohte er. Der Braunhaarige wurde blass.
Ohne sich weiter um Joe zu kümmern, verließ Elias das Haus und lief zum Schulgebäude. Er hatte sich einen Raum gebucht, damit er sein Solostück nochmal durch gehen konnte. Einiges saß noch nicht so, wie er es sich gerne wünschte. Seine Jacke und sein Handy legte er an der Seite ab und wärmte sich dann auf. Während er die Abfolge durch tanzte, wurde er immer besessener davon, dass er irgendwas falsch tanzte. Vom Arabesque ins Grand Jeté und dann eine Pirouette war irgendwie schwieriger als es sich zu Anfangs angehört hatte. Er verpatzte jedes Mal die Drehung. Egal was er versuchte. Auch der Fire Bird wollte nicht so recht klappen. Es war wie verhext. Als es auch nach der zweiten Stunde nicht klappte, gab Elias auf. Erschöpft strich er sich die schwarzen Locken aus der schweißnassen Stirn. Dabei bemerkte er die Zuschauerin an der Türe.
Kyoko hatte eigentlich nur ihre Großmutter gesucht, als sie per Zufall Elias beim Training gesehen hatte. Er war wirklich gut, allerdings hatte er den Tick, sein Spielbein zu lange in der Luft zu lassen. "Dein Spielbein. Du musst es ein bisschen schneller senken, sonst gelingt dir kein Sprung so, wie du ihn gerne hättest", erklärte sie ohne Umschweife.
Überrascht sah er sie an. "Zeig her", forderte er sie auf.
Augenverdrehend trat sie ein und streifte ihre Schuhe ab, ehe sie sich in die Mitte stellte und begann zu tanzen. Arabesque, Grand Jeté und Pirouette. Elias konnte nicht glauben, was er da sah. Bei ihr sah es so einfach aus wie Atmen. "Ok, nochmal", bat er und stand auf. Ohne Murren tat sie es und wiederholte die Kombination. Elias machte es ihr nach. Kaum berührten wieder beide Beine den Boden, musste er ihr Recht geben. Er hatte wirklich das Spielbein zu lange in der Luft gehabt beim Grand Jeté.
"Danke, daran hing ich schon fast die ganze letzte Woche", bedankte er sich und ließ sich am Rand zu Boden fallen.
Sie zuckte mit den Schultern. "Kein Thema." Damit zog sie ihre Schuhe wieder an und verließ den Raum.
Wieder staunte Elias über sie. So wie es aussah, hatte sie keinen Dank von ihm erwartet. Die Neue verwirrte ihn immer mehr.

Ivory betrat zum ersten Mal seit einer verdammt langen Zeit wieder einen Tanzsaal. Sie wusste noch ganz genau, wann sie das letzte Mal in einem gestanden hatte. Sie liebte das Gefühl des Holzbodens, den Geruch des Öls, welches zum putzen der Stangen benutzt wurde. Die Geräusche, die der Boden von sich gab, wenn die harte Seite der Spitzenschuhe darauf traf. Egal, wie lange sie nicht mehr getanzt hatte, ihr Rücken wurde sofort gerader und ihr Gang wurde noch fließender. Sie war zurück.
"Du weißt schon, dass du wieder ganz von Vorne anfangen musst, oder?", fragte Ruka neben ihr schelmisch grinsend.
"Ja, ja", wank Iv ab. "Aber es ist ein fantastisches Gefühl, wieder hier zu stehen und überhaupt die Möglichkeit haben zu können, zu tanzen."
Onja, die zusammen mit Tara neben Iv und Ruka stand, beäugte neugierig den großen Raum. Es waren keine anderen Tänzer anwesend. Wahrscheinlich hatten die Frauen den Raum gebucht. Keiner brauchte Zuschauer nach so einer langen Ruhepause. Onja setzte sich an den Rand und war gespannt, wie sich Ivory schlagen würde. Bestimmt war sie noch immer sehr gut.
Tara setzte sich weit abseits von Onja. Sie mochte das Mädchen nicht. Gar nicht. Und seit sie mit ihren Eltern nach Japan gezogen war, musste sie alle diese Kinder ertragen. Am Liebsten war sie für sich und ignorierte alle. Besonders diese Onja.
Ivory wärmte sich vorsichtig auf. Sie wollte keine Verletzungen riskieren. Danach stellte sie sich an die Stange und ließ sich von Ruka unterrichten. Das war alles nicht mehr so leicht wie vor ihrer Zwangspause. Alle Figuren fühlten sich so steif und ungewohnt an. Doch je länger sie übte, desto flüssiger wurden die Abläufe.
Ruka musste hart an sich halten, um keine ungewollte Reaktion zu zeigen. Ivory war massiv eingerostet. Zwar wurde es mit der Zeit besser aber der Beginn war ein Schock. Seit sie sie kannte, hatte die Braunhaarige noch nie so schlecht getanzt. Im Moment hätte sie den Test "tanze wie dein jüngeres Selbst" von ihrer Unizeit mit Bravour gemeistert.

Kyoko starrte das Aushangbrett an. Und starrte. Und starrte. Konnte gar nicht mehr aufhören mit Starren. Sie hatte die Hauptrolle im Stück bekommen. Und Elias war ihr Partner. Elias Stone. Inzwischen wusste sie wie er hieß. Doch das half ihr im Moment auch nicht.
In einer Woche würden die Proben für das Stück anfangen, welches einer der Lehrer ausgewählt hatte. Eine Romanze mit viiiiiiel Herzschmerz und einem Happy End. Genau das, was Kyoko im Moment nicht brauchen konnte.
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