Fall For You

von Arionell
OneshotDrama, Romanze / P12
08.06.2016
08.06.2016
1
1909
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Es war einer dieser Tage, an dem die kleine Corrin mehr als betrübt war, weil ihre Geschwister am nächsten Tag aufbrechen würden, während sie das Schloss nicht verlassen durfte.

„Ich würde so gerne mitkommen“, quengelte die Zwölfjährige und sah zu Camilla hoch, die ihr gerade die Haare kämmte.

„Aber Schätzchen, du weißt doch, dass das nicht geht“, sagte die Ältere mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen. „Wir sind ganz sicher bald wieder da. Außerdem hast du doch Felicia und Flora hier. Du magst die beiden doch so sehr.“

„Hm“, brummte Corrin. „Ja schon aber… ohne euch ist es trotzdem doof.“

„Als Prinzessin solltest du mehr Haltung bewahren, Corrin“, sagte Xander, der am Türrahmen lehnte und den Kopf schief legte. Dennoch schmunzelte er, da ihm der Anblick, wie Camilla Corrin die Haare kämmte eine gewisse innere Ruhe bescherte. „Und wenn ich wieder da bin, trainieren wir wieder zusammen.“

„Versprochen? Das nächste Mal bin ich ganz sicher besser“, grinste Corrin, die nun etwas aufgemunterter wirkte.

Ein amüsierter Laut entwich Xanders Kehle. „Diese Entschlossenheit will ich sehen, liebe Schwester.“
Dann sah er zu Camilla. „Wir sollten noch zu einer Besprechung. Lass dir nicht zu lange Zeit“, sagte er noch, bevor er auf dem Absatz kehrt machte.

Corrin seufzte leicht, als Camilla damit aufhörte, ihr die Haare zu kämmen.

„Wo ist eigentlich Leo?“, sah sie sich um. „Ich habe ihn schon den ganzen Tag nicht gesehen. Er weiß doch, dass wir uns jetzt wieder eine ganze Weile nicht mehr sehen werden“, ließ sie die Schultern hängen. „Ihm ist das wohl egal“, murmelte sie enttäuscht und war darum bemüht, ihre Tränen zurückzuhalten.

Camilla sah sie einen Moment lang an. Sie legte den Kopf schief und überlegte kurz, bevor sie sich ein Seufzen nicht verkneifen konnte. „Er hat es mir eigentlich verboten, es zu verraten, aber eigentlich ist er ziemlich traurig, dass ihr euch eine Weile nicht sehen werdet. Er kann es nicht ertragen, dass du vor unserer Abreise immer so traurig bist. Deswegen hat er sich in den zweiten Stock der Bibliothek verschanzt“, seufzte sie schwer. Sie hatte es ihrem kleinen Bruder zwar versprochen, nichts zu sagen, doch Corrins traurige Augen ließen sie immer wieder schwach werden.

Augenblicklich weiteten sich Corrins Augen. „Wirklich?“, blinzelte sie verwundert.

„Aber das hast du nicht von mir“, hauchte Camilla und stupste ihr an die Nase.

Im nächsten Moment breitete sich ein Grinsen auf Corrins Gesicht aus, bevor sie aufsprang und sich fröhlich zur Bibliothek aufmachte.

Es dauerte eine Weile, bis sie Leo in einem der Gänge vorfand.

Dieser hatte den Tag eigentlich mit Lesen verbringen wollen, doch wenn er ehrlich war, konnte er sich kein Stück konzentrieren. Immer wieder erschien ihm Corrins Gesicht vor seinem geistigen Auge. Doch er hatte sich selbst geschworen, ihr heute aus dem Weg zu gehen, damit der Abschied morgen nicht noch schwerer fallen würde. Nach außen hin brachte er das zwar immer gut über die Bühne, aber wie es in seinem Inneren aussah, war eine ganz andere Sache. Außerdem fühlte er sich in letzter Zeit schlichtweg seltsam in ihrer Nähe, doch konnte er das Gefühl nicht genauer beschreiben. Es war ihm irgendwie unangenehm, sich mit ihr in einem Raum aufzuhalten.

„LEO!“, ertönte es plötzlich und ließ ihn aus seinen Gedanken zusammenzucken.

„C-Corrin?“, sah er sie perplex an. „Das ist eine Bibliothek, hier darf man nicht brüllen“, seufzte er und musterte sie. Dann schüttelte er den Kopf. „Camilla hat mich also verraten. Immer hält sie zu dir“, grummelte er.

„Leo“, zog sie an seinem Arm. „Camilla hat mir gesagt, dass du mein trauriges Gesicht nicht ertragen kannst, weil ihr bald geht. Stimmt das?“, legte sie den Kopf schief.

Leo blinzelte irritiert und wusste nicht, was er darauf erwidern sollte. Es war ihm unangenehm, dass sie die Wahrheit erfahren hatte, weshalb seine Wangen leicht rot wurden. „Und was wäre, wenn es wahr ist?“, grummelte er. „Wir haben eine wichtige Reise vor uns und wenn ich immer daran denken muss, dass du hier einsam und traurig auf uns wartest, kann ich mich nicht konzentrieren.“

Corrins Augen weiteten sich und sie schien angestrengt zu überlegen.

Dann atmete sie tief durch und sah ihn an.

Und schenkte ihm das schönste Lächeln, das er je gesehen hatte.

„W-was?“, fragte er irritiert.

„Wenn du mein trauriges Gesicht nicht ertragen kannst, dann werde ich ab jetzt besonders viel lächeln. Extra für dich. Damit du auf Reisen immer nur mein Lächeln im Kopf hast!“, sagte sie fröhlich. „Schließlich hab ich dich am allerliebsten von allen!“

Leo sah sie perplex an und brauchte einen Moment, bis er seine Sprache wiederfand.

„Ist das dein Ernst? Aber ich dachte…“, setzte er an, während sein Herz einen Satz machte.  Er konnte es zwar nicht zeigen, aber ihre Worte machten ihn glücklicher als alles andere. Doch im nächsten Moment zuckte er zusammen, als Corrin den Haarreifen auf der Fensterbank musterte.

„Wow, was ist das?“, fragte sie. „Der ist ja schön“, musterte sie den Haarreifen ehrfürchtig, da sie Angst hatte, ihn kaputt zu machen, wenn sie ihn berührte.

„Naja, also“, setzte er an, nahm den Haarreifen an sich und sah sie an. „Halt mal still“, murmelte er und setzte ihn ihr auf. „Den wollte ich dir eigentlich morgen geben, wenn wir abreisen. Damit… du nicht so traurig bist“, murmelte er beschämt hinterher.

Womit er nicht rechnete, war, dass Corrin ihn im nächsten Moment umarmte.

„Wirklich? Ist der wirklich für mich? Danke, Leo! Ich werde ihn nie wieder absetzen“, lachte sie und knuddelte ihn. „Du bist das beste Brüderchen auf der ganzen Welt!“

Was sie nicht bemerkte, war, dass ein leichter Schatten über Leos Gesicht huschte. Ja, sie waren Geschwister, das durfte er nicht vergessen. Dennoch konnte er sich nicht dagegen wehren, dass ihr Lächeln sein Herz erwärmte.


***


Jahre später…


„Da sind wir mal wieder im Schloss und das erste was sie macht, ist, sich ins Training mit Xander zu werfen“, seufzte Leo, der neben Camilla herging. „Wie barbarisch prügeln sie mit ihren Schwertern aufeinander ein und…“, weiter kam er nicht, da Camilla ihn so verdächtig musterte.

„Was ist denn?“, schnaubte er.

„Leo, Schätzchen, dein Kragen ist verdreht…“

„Was?“, grummelte er und richtete sich ihn schnell.

Camilla schmunzelte leicht.

„Xander und ich sind vor dir angekommen. Und du kennst ihn, er will immer wissen, ob unser Schwesterherz sich verbessert hat oder nicht“, kicherte sie. Dann zog sie eine Augenbraue hoch. „Oder bist du etwa eifersüchtig, weil du sie für dich haben wolltest?“

„Was redest du da?“, brummte Leo. „Und von dir lasse ich mir das ganz bestimmt nicht sagen. Du beanspruchst sie wie es dir Spaß macht und machst jedem Angst, der sich ihr nähern will.“

„Ah“, legte sie den Kopf schief. „Dann bist du eifersüchtig, weil du weniger Aufmerksamkeit bekommst, wenn wir mit unserem Schwesterherz zusammen sind?“

„Ich geb’s auf“, seufzte Leo.

„Master Leo“, sagte Felicia, die auf die beiden zukam und einen leichten Knicks machte. „Milady Corrin wollte Euch sehen. Sie hat sich gefreut, als sie hörte, dass ihr auf dem Weg hierher seid. Sie hat ihr Training schnell beendet und wartet im Schlossgarten auf Euch."

„Ah“, trällerte Camilla vergnügt. „Siehst du, Bruderherz? Sie freut sich schon, dich zu sehen! Dann lass sie mal nicht warten“, klatschte sie ihm auf den Rücken, woraufhin er zwei Schritte nach vorne stolperte.

„Tch“, schnalzte er mit der Zunge und warf noch einmal einen prüfenden Blick über seine Kleidung, ob ja auch nichts daneben aussah.

Er legte einen gelassenen Gesichtsausdruck auf, um seine Emotionen besser unter Kontrolle zu haben. Denn eigentlich freute er sich innerlich Corrin zu sehen. Er hatte sie auf der letzten Reise sehr vermisst, was auf seine Stimmung geschlagen hatte und seinen Geschwistern nicht entgangen war. Als sie ihn gefragt hatten, was denn los sei, stritt er jedoch alles von sich. Er konnte ja nicht einfach mit der Wahrheit herausrücken, das wäre seltsam gewesen.

„Oh!“, entfuhr es Felicia, die sich die Hand vor den Mund schlug. „Das Training war sehr hart, es muss Milady sehr erschöpft haben“, deutete sie zu Corrin, die ein paar Meter weiter unter einem Kirschblütenbaum eingeschlafen war.

Leos Augenbraue zuckte leicht. „Ich dachte, sie freut sich so sehr, mich zu sehen“, seufzte er und schritt an Felicia vorbei. „Schon gut“, sagte er bloß, woraufhin Felicia einen leichten Knicks machte, bevor sie ging.

Leo stapfte durch das Gras und kniete sich vor Corrin hin.

„Wie seelenruhig du vor dich hinschlummerst“, setzte er, als er auch das Lächeln bemerkte, das sich auf Corrins Lippen abzeichnete. Sie schien einen schönen Traum zu haben. Doch dass sie von dem Tag träumte, an dem er ihr den Haarreifen geschenkt hatte, konnte er ja nicht wissen.

„Wahrscheinlich hast du mich nicht einmal halb so sehr vermisst wie ich dich“, murmelte er wehmütig. Er konnte das auch nur von sich geben, da er wusste, dass sie tief und fest schlief.

Einen Moment lang sah er sie an, als eine leichte Brise eine Strähne in ihr Gesicht wehte. Kurz zögerte er, streckte dann aber doch seinen linken Arm aus und strich ihr mit seinen Fingerspitzen sanft die Haarsträhne aus dem Gesicht.

Einen Moment zu lange verharrten seine Finger auf ihrer Wange. Vorsichtig und zaghaft, so als ob Corrin aus Glas wäre und eine falsche Bewegung sie kaputtmachen könnte.

Im nächsten Moment spürte er wieder diesen stechenden Schmerz in seinem Herzen, weswegen er sich seine rechte Hand darauf legte. Er wusste, dass es nicht ewig so weitergehen könnte.

Gerade, als er seine Hand von ihrer Wange nehmen wollte, öffnete Corrin langsam ihre Augen und blinzelte Leo einen Moment lang an. Dann erst fand sie langsam in die Realität zurück.

„Leo! Du bist ja da! Oder träume ich?“, machte sie einen Satz auf ihn zu. Die Reaktion war so schwungvoll, dass Leo unter ihrem Gewicht nachgab und sie ihn umwarf. Die Arme um ihn gelegt, schmiegte sie sich an ihn.

„Es ist so schön, dich zu sehen“, kicherte sie.

Leo, der gerade von Corrin umarmt wurde, sah kurz zum Himmel und fragte sich, warum das Schicksal ihm so übel mitspielen musste. Warum waren sie ausgerechnet als Geschwister in diese Welt geboren worden?

Kurz schloss er die Augen und sah dann herunter zu Corrin, die sich so wie immer verhielt. Dass sie sich so einfach an ihn schmiegte, schien allein ihn nervös zu machen.

Langsam hob er die Arme und schloss sie in eine Umarmung. Er wusste nicht, ob sie bemerkt hatte, wie sich seine Arme kurz angespannt hatten oder nicht.

Was er allerdings wusste, war, dass er damit aufhören musste, so für sie zu empfinden.

Bevor alles noch schlimmer werden würde.

...

Doch in diesem Moment wollte er alle Bedenken beiseiteschieben.

Und sie einfach nur so lange wie möglich in seinen Armen halten...





____________


Nachwort:

halli hallo!
Hier mal ein kleiner OS von mir zu Leos und Corrins Vergangenheit, wie es sich abgespielt haben könnte, bevor sie wussten, dass sie nicht blutsverwandt sind.
Ich hoffe, dass euch der OS gefallen hat c:

Liebe Grüße, Arionell
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