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The End is the Beginning

von Polaria
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Newt OC (Own Character)
07.06.2016
27.12.2017
82
180.877
38
Alle Kapitel
121 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
08.06.2016 1.962
 
Hier ist schon das zweite Kapitel. Das ging schneller als ich erwartet hatte :D
Ich habe vorhin gesehen, dass meine Geschichte 18 Aufrufe und sogar schon einen Favoriteneintrag hat :o, danke dafür:)
Ich will jetzt auch gar nicht so viel unnötig rumlabern, also ist hier das nächste Kapitel:

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„Frea“, wiederholt Newt ein wenig lauter und reicht mir seine rechte Hand. Ein wenig zögernd strecke ich wenig später auch meine Hand aus. Woher soll ich wissen, ob ich ihm vertrauen kann? Ob ich allen hier vertrauen kann? Andererseits habe ich wohl keine andere Wahl, dafür sind sie einfach zu viele.
Ich greife nach Newts Hand und stehe kurz darauf neben ihm auf meinen Füßen. Scheu weicht mein Blick zurück hinter mich in die Ecke, in der ich bis eben noch gesessen habe. Wie ist es nur dazu gekommen?
„Beruhigt euch mal wieder“, unterbricht Alby meine Gedanken, und sofort verstummen auch die restlichen Stimmen, die bis eben noch aufgeregt miteinander gemurmelt haben. „Ich lasse jetzt das Seil runter“, sagt er Newt zugewandt.
Ich sehe ihn kurz nicken, für ihn scheint das nichts Neues zu sein. Gespannt blicke ich nach oben und schon sehe ich Albys Hände ein etwas dickeres Tau herunterlassen. Am unteren Ende befindet sich unter einem Knoten eine große Schlaufe, die Gott sei Dank so aussieht, als könnte sie einiges an Gewicht tragen.
Newt macht zwei Schritte in die Richtung des Seils und nimmt es entgegen. Dann wendet er sich wieder mir zu. „Ich weiß, dass du dich an nichts als deinen Namen erinnern kannst, aber du brauchst keine Angst zu haben. Uns allen ist es so ergangen. Wir sind alle nach und nach an diesem verdammten Ort gelandet, ohne auch nur irgendeine Erinnerung an unser vorheriges Leben.“
Erst jetzt bemerke ich, dass ich starr wie ein Eisblock auf meinen Füßen stehe und noch immer völlig schockiert um mich blicke. Ich will einen Schritt vorwärts machen, aber wieder ist da diese undefinierbare Angst, diese Schüchternheit. Jetzt reiß dich mal zusammen, beschimpfe ich mich selbst.
„Es ist alles gut, wir wollen dir helfen, dich hier zurechtzufinden, du brauchst wirklich...“, setzt Newt an, doch er wird von einer genervten Jungenstimme unterbrochen. „Wollt ihr da unten noch Wurzeln schlagen? Wenn ihr so weiter macht, fährt die Box gleich wieder runter, weil die Schöpfer denken, ihr wärt angewachsen.“
„Tut mir leid“, murmele ich so leise, dass das vermutlich niemand gehört hat. „Das braucht es dir nicht“, erwidert Newt darauf. Ein wenig erschrocken sehe ich ihn an. Ich hatte nicht gedacht, dass man mein Gemurmel verstehen konnte.
Einen Moment lang stehen wir uns bloß gegenüber und sehen uns gegenseitig ins Gesicht. Er hat etwas verstrubbelte blonde Haare, braune Augen und ein freundliches Gesicht, ich schätze ihn auf etwa sechzehn. Mein Misstrauen verschwindet immer mehr, stattdessen schießt mir ein anderer Gedanke in den Sinn. Wie sehe ich eigentlich aus? Wie alt bin ich überhaupt? Nicht einmal das weiß ich...
„Ist alles in Ordnung?“, fragt Newt mich mit einem leicht besorgten Gesichtsausdruck. Jetzt muss ich doch ein wenig grinsen, ich muss wohl ein sehr merkwürdiges Gesicht gemacht haben.
„Ja“, erwidere ich nun mit einer endlich etwas festeren Stimme und lächele ihn an. Dann setze ich meinen rechten Fuß vor und beginne in die Richtung des Seils zu laufen. Ich glaube, ich kann ihm vertrauen.
„Warte“, hält Newt mich auf, als ich schon nach dem Seil greifen will und ich sehe ihn fragend an. Er kommt zu mir und stellt seinen linken Fuß in die Schlaufe. „So ist es wahrscheinlich besser“, sagt er, „komm her“, winkt er mich zu sich heran, obwohl ich fast direkt neben ihm stehe. „Stell deinen rechten Fuß neben meinen in die Schlaufe. Dann kannst du dich besser festhalten und ich kann aufpassen, dass du nicht gleich wieder runterfällst und dich womöglich noch ernsthaft verletzt. Das wäre nicht gerade das Beste für deinen ersten Tag hier.“ Ich sehe ihn an. „Natürlich nur, wenn das für dich in Ordnung ist“, fügt er schnell hinzu.
Ich nicke und stelle mich rechts neben ihn. Wieder reicht er mir seine Hand, jetzt, um mir in die Schlaufe zu helfen. Als ich mein Gewicht auf den Fuß in der Schlaufe verlagere, beginnt das Seil, leicht hin und her zu schwingen. Mit beiden Händen klammere ich mich am Seil fest und merke, wie Newt seinen Arm um meinen Rücken legt. Zuerst ist mir das unangenehm, doch als ich kurz darauf von oben ein „Ok, Gally und John, helft mir mal eben“ höre und sich daraufhin das Seil in Bewegung setzt, bin ich doch ganz froh, dass er mich festhält. Erfreut stelle ich fest, dass mir die Höhe nichts ausmacht, ich habe also glücklicherweise keine Höhenangst, aber es ist doch deutlich wackeliger als erwartet.
Als wir nach kurzer Zeit fast ganz oben angekommen sind und ich bereits über die Kante der Öffnung blicken kann, strecken sich mir gleich mehrere helfende Hände entgegen. Dankbar lasse ich mit meiner rechten Hand das Seil los und greife nach einer, sodass der Junge mich hochzieht und ich über die Kante klettern kann. Immer noch werde ich von allen angestarrt, doch dieses Mal starre ich zurück. Mit meiner Schätzung habe ich gar nicht so falsch gelegen, stelle ich zufrieden fest. Es sind etwa fünfzig Jungen zwischen zwölf und achtzehn. Und sie alle sehen mich zwar etwas schockiert, aber trotzdem freundlich an. Alle bis auf einer. Ich mustere ihn genauer, er scheint etwa fünfzehn zu sein, hat kurze helle Haare und einen so verstörten und skeptischen Ausdruck im Gesicht, dass ich gleich wieder eine Gänsehaut bekomme. Sofort nehme ich mir vor, ihm möglichst aus dem Weg zu gehen.
Entschlossen wende ich meinen Blick schnell wieder von ihm ab und schaue in die Ferne, an einen unbestimmten Ort, doch dann trifft mein Blick auf eine Wand. Eine große, graue Mauer. Ich verfolge mit meinen Augen, wo sie hinführt, doch sie scheint kein Ende zu haben. Panisch drehe ich mich um, doch auch dort stößt mein Blick wieder nur auf eine Mauer. Ich bin schon wieder eingeschlossen, schießt es mir durch den Kopf. Die Mauern sehen nicht so aus, als könnte man einfach so über sie rüberklettern, dafür sind sie viel zu hoch. Zusammen bilden sie ein Viereck, das den Ort, an dem ich stehe, zu einem Gefängnis macht. Ein Gefängnis im Freien und wir sind hier eingeschlossen wie Tiere.
Doch dann bleibt mein Blick an etwas hängen. Eine Lücke. Es gibt einen Durchgang. Ich komme also doch hier raus. Wieder schaue ich mich um, jede Wand hat genau eine so eine Lücke, eine Art geöffnetes Tor, durch das man hindurchlaufen kann, hinaus in die Freiheit. Das ist das einzige, was ich will, doch durch die Menschenmenge um mich herum werde ich erst mal nicht durchkommen, ich muss warten, bis sie weg sind, sage ich mir, dann bin ich frei.
Ich wende mich wieder dem Käfig zu, aus dem Newt gerade raus und auf das weiche Gras klettert. Woher weiß ich, dass das Gras weich ist?, frage ich mich und blicke auf die grünen Halme zu meinen Füßen. Meine Füße. Verwirrt stelle ich fest, dass ich gar keine Schuhe trage, wie konnte das passieren? Und warum habe ich das erst jetzt bemerkt? Vielleicht lässt meine Angst langsam nach, sodass ich solch auffälligen Dinge nun wieder bemerke, denke ich mir.
Newt steht schließlich wieder aufrecht neben mir. „Danke, dass du mich festgehalten hast“, bringe ich hervor und lächele. Wieder sieht er mich freundlich an und wendet seinen Blick dann Alby zu.
„Ihr Strünke geht jetzt alle wieder an eure Arbeit, sonst darf die nächsten Male keiner von euch mehr dabei sein, wenn ein Frischling ankommt“, sagt dieser gerade. Murrend löst sich die Menge auf und die Jungen verteilen sich leise miteinander sprechend nach und nach in alle Richtungen. Nur Newt bleibt noch bei uns.
Auch ich schaue jetzt wieder zu Alby. Er scheint der Anführer zu sein, wie Newt schon gesagt hat, alle hören auf ihn und scheinen teilweise Respekt, teilweise sogar ein wenig Angst vor ihm zu haben. Ich weiß nicht, wie ich ihn einschätzen kann, doch auf mich wirkt er so, als wäre er zurecht der Anführer, fast, als wäre er dazu bestimmt, der Anführer zu sein.
Auch er schaut nun mich an und sagt mit überlegener, aber auch leicht gereizter Stimme: „Ich entschuldige mich für diese beneppten Typen, manchmal gehen die mir alle echt auf den Senkel. Ich bin Alby, ich bin der Anführer und mein Wort ist hier Gesetz. Wir alle nennen uns die Lichter und diesen Platz hier die Lichtung. Normalerweise kommen die Frischlinge früher, aber da du erst jetzt, kurz vor Anbruch der Nacht, aufgetaucht bist, versuche ich mich möglichst kurz zu fassen.“ Ich stelle fest, dass die Sonne tatsächlich schon ziemlich tief steht.
„Morgen macht Newt eine Tour mit dir, auf der er dir alle Einzelheiten erzählt, die du wissen musst.“ Ich schaue kurz zu Newt, der mir aufmunternd zulächelt. Anscheinend muss ich gerade schon wieder ziemlich bedröppelt aussehen. „Das Einzige, was ich dir jetzt direkt sage und was du auf gar keinen Fall vergessen darfst, sind unsere Regeln“, fährt Alby fort. „Es sind nur drei, aber bei ihrer Missachtung muss eine entsprechende Bestrafung gefunden werden. Und die ist meistens nicht sehr angenehm.“
Das kann ich mir durchaus vorstellen. So wie die Jungen, die Lichter, wie Alby sie genannt hat, schon eben, als er einfach nur eine kleine Anordnung gegeben hat, ohne Widerworte weggegangen sind, scheint er wohl mit Regelmissachtungen keinen Spaß zu verstehen.
„Die erste ist die simpelste“, fährt er fort, „du musst deinen Beitrag zu unserem Überleben leisten, du kannst nicht einfach nur den ganzen Tag auf der faulen Haut rumliegen. Dazu finden wir eine Arbeit für dich, die am besten zu dir passt.“
Woher weiß ich denn, welche Arbeiten es gibt, will ich fragen, doch ich habe bereits jetzt so viel Respekt vor ihm, dass ich ihn nicht unterbrechen könnte. Als hätte Alby meine Gedanken erraten, sagt er: „Genaueres dazu wird Newt dir morgen erklären.“ Mit einem angedeuteten Kopfnicken in Newts Richtung fährt er fort: „Die zweite Regel erklärt sich von selbst, ist aber trotzdem nicht weniger wichtig als die erste. Du machst auf mich zwar nicht den Eindruck, als würdest du sie brechen und dich nicht an sie halten, aber trotzdem soll dir klar sein, dass du niemand anderen der Lichter verletzen oder sonst irgendeinen Schaden zufügen darfst.“ Das erscheint mir logisch.
„Doch die allerwichtigste Regel ist die letzte. Verlasse niemals die Lichtung durch eines der Tore.“ Schockiert und zugleich ein wenig wütend starre ich ihn an. Das kann doch nicht sein Ernst sein. Die einzige Möglichkeit, von hier zu verschwinden, ist zum Greifen nah und ich darf sie nicht nutzen.
„Warum nicht?“, frage ich laut, ohne, dass ich mich zurückhalten kann. „Unterbrich mich nicht!“, schleudert Alby mir ins Gesicht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Eingeschüchtert weiche ich ein Stück zurück und schaue zu Boden.
„Tut mir leid“, seufzt Alby schließlich und schaut mich ohne zu deutenden Gesichtsausdruck an. „Es fällt mir schwer, das alles durchzuziehen, alles zu erklären, du bist der erste Frischling seit Nick tot ist und noch dazu ein Mädchen.“ Tot? Entsetzt sehe ich dieses Mal zu Newt, der mir einen kurzen mitfühlenden Blick zuwirft und zu verstehen scheint, was in mir vorgeht.
„Lass gut sein, Alby. Vielleicht ist es besser, wenn ich ihr den Rest morgen erkläre.“
Erleichtert atme ich aus. „Ja, vermutlich hast du Recht“, stimmt Alby ihm zu und verschwindet dann in die Richtung einer kleinen Hütte, die ziemlich heruntergekommen aussieht.
„Danke“, murmele ich Newt leise zu, der daraufhin anfängt zu lachen. „Kein Problem. Alby ist manchmal etwas, naja..., du wirst dich daran gewöhnen müssen. Jetzt gehen wir erst mal zu Bratpfanne, um dich auf etwas andere Gedanken zu bringen. Hast du Hunger?“
Ich antworte nicht, sondern schaue ihn stattdessen nur verwirrt an. Bratpfanne?
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