Oscar Mike

von Punk-Kiwi
KurzgeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
Lieutenant Simon "Ghost" Riley Sergeant Gary "Roach" Sanderson
05.06.2016
26.06.2016
2
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Anmerkungen:

Heute mal "nur" 11 Seiten und es ist in zwei Kapitel geteilt :) Das nächste kommt in einer Woche! Startet den Countdown!
Meine ganzen anderen Sachen in Planung stehen nach wie vor an, aber ich bin froh, dass ich endlich mal wieder was zu CoD schreiben konnte! Ich will euch ja auch keinen Müll versetzten!
Das Upload hat wieder meine Formatierungen gekillt - lasst es mich wissen wenn was nicht leserlich ist, aber ich sollte alles erwischt haben!

Natürlich geht wieder ein fettes Danke an KeiraScarlett die mich wieder so lieb unterstützt hat und ihre qualifizierte Meinung dazu abgegeben hat!

Die Charaktere gehören zwar nicht mir, jedoch die Idee und alle Funktionen der App. Klaut nicht. Danke.

Ursprünglich sollte 5.mon wirklich S.mon heißen, aber meine Handschrift hat das zu einer 5 gemacht und ich fand das sah auch nett aus.

Oscar Mike: Aus dem Funkeralphabet Für „on the move“

Catfish: Jemand, der sich online (als eine andere) Person ausgibt und mit einer anderen Person kommuniziert/flirtet

MVP – Most Valueable Player: Wertvollster Spieler.

Ozones Vorname ist hier Jason, weil mir Ozone auf die Zeit zu doof wurde. Sein Nachname ist Olured :D



Curiosity killed the cat, but satisfaction brought it back!





Oscar Mike

Die exklusive Networking App für Soldaten rund um den Globus! Egal ob du Freunde, ein Date, One Night Stands oder einen Seitensprung suchst, hier wirst du fündig und Anonymität ist garantiert! Rang, Land und Einheit sind egal! Du selbst bestimmst wie viele Angaben Du machst und wer dich kontaktieren darf! Triff noch heute der verbotensten und heißesten Community bei seit es Uniformen gab ;)

Vier Sterne Bewertung. 104 523  Bewertungen

Über 200 000 Nutzer

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Damit hatte das ganze Desaster angefangen. Ursprünglich als One Night Stand und Seitensprung Netzwerk gedacht, hatte sich Oscar Mike schnell in eine große Plattform für Soldaten aus verschiedenen Ländern und Regimen entwickelt die sie auch zur ernsthaften Partnersuche nutzten. Sie galt als diskret, zuverlässig und war nur für Soldaten, was wohl viele ansprach. Ein weiterer Vorteil war, dass man sich einfach nur einen Account erstellen musste, ohne die App mit anderen sozialen Netzwerken zu verbinden oder detaillierte Angaben zu seinem Soldaten Dasein zu machen (was ganz hilfreich war, wenn man fremdgehen wollte). Man konnte so viele oder wenige Dinge über sich selbst erzählen, die meisten ließen Ränge und Einheiten gerne weg denn mit GPS Suche und solchen Angaben war es trotz „anonymer“ Bilder leicht, seine Kameraden zu erkennen. Fand man seine Kollegen auf Oscar Mike konnte man sie als „Kameraden“ hinzufügen und bekam sogar eine Benachrichtigung denn wenn ein potentielles Date schon mal mit ihnen Kontakt hatte. Und Dates hießen hier nicht einfach nur „Dates“, sondern Tangos. Wer auch immer die App programmiert hatte, hatte viel Spaß mit dem Funkeralphabet gehabt. Die Anzahl seiner aktuellen Tangos, also aktuelle Chats die nicht mit Kameraden waren, konnte man auch als Kill Count öffentlich machen. Und zu guter Letzt war das Design und der Slogan „Only the Brave“ ziemlich cool. Vor allem der Slogan bewies sich bei den Bildern, die normalerweise zu einer Kündigung gereicht hätten, als wahr. Kaum eine Person war auf den Bildern voll bekleidet, jedoch war fast jeder so schlau sein Gesicht nicht zu zeigen.

Roach war auf die App durch eine Gruppe Kameraden aus der Grundausbildung gestoßen und hatte sich nur angemeldet, um zu sehen, was so besonders an dem neuen Must-Have war. Und (auch wenn er es nicht zugeben würde) um zu sehen welche seiner Kollegen und mit ihm stationierten Soldaten nach der großen Liebe suchten.

Sein Profil beinhaltete nicht viel, ein Bild seines Sixpacks, sein Alter und seinen Lieblingsfilm: Godzilla.

Bis auf die AGBs (die natürlich jeder gelesen hatte) gab es keine Regeln, trotzdem hatte sich eine militärische Struktur und Abkürzungen sowie eine Art Standard Profilbeschreibung durchgesetzt. Die meisten beschrieben ihre sexuellen Vorlieben und beteuerten ihre Diskretion, Gary vermutete, dass es sich hierbei um höherrangige handelte. Es gab auch Abkürzungen nach was man suchte; Date, One Night Stand oder ob es tatsächlich ein Seitensprung war.

Etwas, was Gary besonders gefiel war, dass sobald man kontaktiert wurde ein kleines Pop-Up mit „Ambush!“ gefolgt von der Nachricht erschien, die man annehmen oder ablehnen konnte.

Obwohl er nicht zum Daten sondern zum Recherchieren angemeldet war, hatte er sein Profil nicht gänzlich leer lassen wollen; das erschien ihm gruselig und unfair Leute so schamlos zu stalken, ohne etwas über sich zu schreiben. Um sicher zu gehen, nicht gefunden zu werden schaltete er die Ortung aus und scrollte durch zufällig vorgeschlagene Profile. Um möglichst viele seiner Kollegen zu finden hatte er bei Geschlechterpräferenz „alle“ eingegeben, und nach nur einer Seite der Ergebnisse kam ihm sein Sixpack Bild weder originell noch besonders individuell vor. Nach fünf Seiten wurde auch das klischeehafte Ausschnittbild langweilig, sodass Bauchnabelpiercings besonderer waren als nackte Haut.

Neben jedem Namen stand eine kleine Flagge des Herkunftslandes, bei manchen sogar ihr derzeitiger Standort. Der Großteil derjenigen die ihren Rang Angaben waren Privates oder sogar nur Kadetten, etwas, was Roach ziemlich ironisch fand. Er fragte sich, was passierte, wenn ein Soldat versehentlich seinen Drill Sergeant anschrieb und es zu einem Treffen kam.


Umso überraschter war er, dass er trotz fehlenden Standorts, nur einem Bild in seiner Galerie und zwei Zeilen in seiner Bio auf einmal eine Nachricht von 5.mon bekam. Naiv wie er war nahm er an. Ein Teil von ihm glaubte, dass er in diesem Netzwerk tatsächlich nur Freunde finden konnte und niemand die Absicht hatte ihn ins Bett zu kriegen. Dass der abgekürzte Name sowie aktueller Standort auf Lieutenant Riley hinwiesen wurde ihm erst klar, als der Schaden bereits entstanden war.

Zunächst behielt Gary mit seiner Annahme es-ist-nur-eine-Dating-App-und-man-kann-auch-Freunde-hier-finden-und-es-ist-sowieso-ein-Typ-also-wird-er-eh-nicht-mit-mir-flirten recht. Ihre Konversation drehte sich Großteils um Filme und wurde auch nicht ansatzweise anzüglich. Er überlegte, ob er 5.mon in die Liste seiner Kameraden stecken sollte, aber er hatte nur ihn als aktiven Chat, da machte es keinen Sinn zwischen Freunden und Flirt zu unterscheiden. Sowieso machte 5.mon den Eindruck nicht an Gary interessiert zu sein, nicht in erotischer Hinsicht. Bis zu Garys Ausrutscher.




Eigentlich war es nicht einmal Garys Schuld gewesen, sondern Tacos. Hätte der nicht unbedingt ein Fastfood Restaurant gesucht, hätte Gary nicht die Ortung an seinem Handy eingeschaltet um besagtes Restaurant zu finden. Dann hätte diese blöde App auch nicht seinen Standort erfahren und hätte kein GPS Update an seine derzeitigen Tangos (also 5.mon) geschickt. Vielleicht war auch Riley dran Schuld, weil er Gary daraufhin angeschrieben hatte.

5.mon: Hey, es wird angezeigt, dass du in Nähe bist

Lass uns mal treffen ;)

Zu geschockt von der Nachricht und den Mengen an widerlichen Fastfood das Taco einfach so in sich reinstopfen konnte, hatte er erst später und ein bisschen beschwipst

theMVP: Lass mich erstmal sehen was mich erwartet ;)

geantwortet, woraufhin 5.mon ein Bild geschickt hatte. Das Bild ähnelte seinem Profilbild (ein mit Filter versehenem Ausschnitt seines Oberkörpers in engen Sport Tshirt), nur dass es ein anderes T-Shirt war und er es hochgezogen hatte. Obwohl er das eher aus spaß geschrieben hatte und weder einen Partner noch einen One Night Stand suchte, schickte er ein Bild zurück.

Statt es als Dummheit abzustempeln und nie wieder zu tun wurde sextete er mit 5.mon regelmäßig (und nüchtern) in den nächsten drei Wochen. Bis zum Bild vom gestrigen Abend.


Das Bild brauchte eine Weile zum Laden, etwas, was er schön gewöhnt war. Einhändig öffnete er seinen Gürtel und tippte wie ein Bekloppter auf das noch verschwommene Bild, als würde das der Downloadrate irgendwie helfen. Als er es endlich sehen konnte erstarrte ein vorfreudiges Grinsen und verwandelte zu einem geschockten Gesichtsausdruck. Er lief das Handy fallen und vergrub sein Gesicht in seinen Händen.  5.mon hatte ein Tattoo. Ein Tattoo das er schon oft genug in der Dusche gesehen hatte. Ein ziemlich cooles und ausgedehntes Tattoo über die linke Seite mit unglaublich realistischen Schattierungen und dem Kopf eines Einhorns. Ein echtes Badass Tattoo. Ein Tattoo mit der kitschigen Schrift „Lucky You“ über der Hüfte die nur eine Person sexy und männlich und nicht billig rüberbringen konnte.

Lieutenant Simon Riley.

„Oh Gott…“ auf einmal gestresst hob er sein Handy wieder auf, schaltete es mit unsicheren Fingern auf stumm und warf es in eine Ecke. Dann vergrub er sich unter seiner Bettdecke und verharrte in einer Art Schockstarre.

Er hatte in den letzten drei Wochen mehrmals mit seinem Lieutenant gesextet. Mehrmals. Drei Wochen lang. Mit seinem Lieutenant. Er hatte Bilder getauscht. Mit. Seinem. Lieutenant. Gary fühlte sich auf eine seltsame Weise schuldig und schmutzig zugleich, nicht nur, weil es ihm gefallen hatte, sondern auch weil er sich sicher war, dass plötzlich jeder auf dem Stützpunkt seine Gedanken lesen konnte und wusste was vorgefallen war. Bestimmt hatte Riley das fallende Handy gehört und stürmte gleich in sein Zimmer um ihn langsam aber sicher zu töten. Das Universum war gegen ihn.

Sein Handy vibrierte in der Ecke in das er es geworfen hatte; er zuckte zusammen und kroch noch tiefer unter seine Decke. Das kleine, traurige Leben von Gary Roach Sanderson war verwirkt wegen einer blöden Dating App die er nicht mal wirklich hatte ausprobieren wollte. „Neugierige Katzen verbrennen sich die Tatzen!“, meckerte die Stimme Garys Großmutter in seinem Kopf. Wieso hatte die alte Hexe am Ende immer Recht?

Er würde Riley nie wieder in die Augen sehen können, geschweigenden normal mit ihm reden! Selbst wenn er seinen Account löschte und so tat, also wäre es nie geschehen würde das Wissen, zu Nacktbildern seines Lieutenant masturbiert zu haben nie wieder aus seinem Kopf verschwinden (auch wenn es objektiv betrachtet sehr ästhetische Nacktbilder waren).

Als das Handy abermals vibrierte machte Gary ein Geräusch das wahrscheinlich nach einem sterbenden Walross klang und begann das Funkeralphabet aufzusagen. Hauptsache er dachte nicht daran dass Riley jetzt in seinem Bett lag, wahrscheinlich bereits nackt und auf theMVPs schamlose Texte wartete.

Beim dritten vibrieren des Handys in seiner trostlosen Ecke der Schande stand Gary auf, riss sich das T-Shirt über den Kopf und wickelte das Handy darin ein bevor er es in seinen Schrank pfefferte und einen taktisch klugen Rückzug unter die Bettdecke machte.

Gerade als er alle schlechten Gedanken und Gefühle soweit verdrängt hatte, und akzeptierte hatte, dass sich das Problem nicht mehr heute Abend lösen ließ, klopfte jemand an seiner Tür.

In all den lebensbedrohlichen Situationen in denen er bisher gewesen war, von Bombenanschlägen bis zu einem abstürzenden Flugzeug, war er noch nie so vor Angst erstarrt (wahrscheinlich wäre er dann auch tot). Stand der gedankenlesende, allwissende Riley den er sich ausgedacht hatte jetzt vor seiner Tür um zu fragen was Roach sich dabei gedacht hatte?

Der Besucher klopfte abermals, diesmal mit der flachen Hand.

„Yo! Roach! Bist du da?“

Statt einer Antwort machte er ein weiteres, lauteres Walrossgeräusch was Archer als „herein“ deutete.

„Bist du mit dir beschäftigt oder…. Aaaaw, was ist los, bist du krank?“

Roach grunzte nur.

Wenn Archer sein Problem kennen würde, würde er sich auch im Bett verstecken.




Am nächsten Morgen wachte er vor dem Wecken auf und döste in der Stille der Kaserne die nur von Archers rhythmischen Schnarchen unterbrochen wurde. Direkt nach dem Aufwachen hatte er sich gut und entspannt gefühlt bis er sich daran erinnerte, was gestern Abend passiert war. Sofort fühlte er sich wieder schlecht und gestresst.

Nach einer ganzen Weile innerer Zerrissenheit über das was passiert war (schließlich war er nicht allein dran Schuld) hörte er MacTavish tiefe Stimme über den Gang hallen. Der Captain hatte heute gute Laune denn statt dem üblichen „Aufstehen! Macht dass ihr aus den Betten kommt!“ sang er Call Me Maybe, was trotz schottischen Akzents deutlich zu erkennen war.

Bis zum Beginn des Trainings schaffte er es Riley zu vermeiden. Irgendwie erwartete er, dass Riley nach dem gestrigen Cockblock irgendwie… anders wäre, aber seine übliche schlechte Laune verflog zur üblichen Zeit und allem in allem war er der übliche professionelle Soldat der er immer war.

Roach hingegen war alles andere als professionell. Nach dem sechsten Fehlschuss und einem uneleganten Sturz in den Matsch beneidete er den Lieutenant um sein Können, privates und berufliches zu trennen.

Obwohl er nie wieder auf sein Handy schauen wollte zwang ihn der obligatorische Anruf bei seiner Familie dazu das Handy aus dem verblichenen T-Shirt zu holen.

Es erwarteten ihn überraschenderweise keine Unmengen an Nachrichten und Todesdrohungen von Riley sondern ein einfaches

5.mon: Noch da?

Okay, gute nacht

Schuldbewusst tippte er eine Lüge über „kein Akku mehr“ und hoffte, dass Riley Besseres zu tun hatte als auf sein Handy zu schauen, zumindest bis Roach mit jemanden über seine missliche Lage geredet hatte.




„Du musst mir versprechen es niemandem zu erzählen!“

„Okay.“

„Ich habe Lieutenant Riley versehentlich auf Oscar Mike gecatfisht.“

Ozones Augen wurden groß.

„Verdammt, Roach, wie kann man jemanden unabsichtlich catfishen?! Und vor allem: Riley?!“, er und sah ihn irritiert an.

„Ich weiß nicht wie, ich habe mir ein Profil erstellt und er hat mich angeschrieben und ich wusste nicht, dass er es ist, und er wusste wahrscheinlich nicht, dass ich es bin und dann hat er mich nach einem Treffen gefragt.“

„Und jetzt weißt du nicht, wie du ihm sagen sollst, dass du keine heiße Blondine bist?“ Wollte sein Kumpel immer noch etwas verwirrt wissen.

„Wie kommst du denn jetzt auf eine Blondine?“ Jetzt war Roach irritiert.

„Du hast doch gesagt du hast ihn gecatfisht… Oh Gott, bitte sag mir, dass du dir ein falsches Profil erstellt hast!“

Roach schaute auf den Schotter unter seinen Füßen.

„Roach!“ hauchte Ozone geschockt und vorwurfsvoll zugleich. Sein Kumpel starrte weiterhin auf den Boden vor sich und schob mit der Stiefelspitze ein paar Kiesel hin und her. Erschöpft ließ sich Ozone auf die wackelige Bank fallen.

„Moment, das heißt, er will echt was vor dir! Oh. Mein. Gott. Roach, du stellst du solche Dummheiten immer an?“

„Danke, Ozone.“ Murmelte Gary trocken.

„Und was willst du jetzt machen?“

Er zuckte nur mit den Schultern.

„Also um es zusammenzufassen.“ Begann der Sergeant nach einer Weile der Stille und Gary sah ihn an. „Du hast dir ein Profil erstellt, Riley hat dich angeschrieben und du hast dich nicht als Frau ausgegeben und jetzt will er ein Date? Ein Treffen?“ Roach nickte, blieb aber still.

„Das heißt… Riley ist schwul?“ Netterweise dämpfte er seine Stimme um zu vermeiden dass neue Gerüchte ihre Kreise zogen.

„Wahrscheinlich.“

„Vielleicht weiß er es auch, dass du es bist und verarscht eigentlich dich?“

„Unwahrscheinlich.“ Der Sergeant wurde ungewollt rot. „Es ist ihm… ernst? Das merkt man…“

„Und woran?“ Als Roach stumm blieb wurden Ozones Augen groß und er stand abrupt auf. „Oh nein. Er hat dir Bilder geschickt? Von sich? Nackt?“

Auf einmal war der Schotterweg wieder viel interessanter als Ozone. Dieser trug einen Gesichtsausdruck zwischen völliger Ent- und Begeisterung.

„Es könnten auch Bilder sein die er gegoogelt hat!“ er senkte seine Stimme zum Ende hin, da eine Gruppe Soldaten an ihnen vorbeiliefen.

„Das Tattoo stimmt überein.“, nuschelte Gary in seine Hände. „Das an seiner Seite. Es ist auf einem Bild zu sehen, ich habe es wiedererkannt. So habe ich kapiert, dass es Riley ist.“

„Viele Leute haben Tattoos.“

„Jason, nenne mir noch einen Typen der ein Tattoo mit der Schrift Lucky You an der Hüfte hat und ich gebe dir für den Rest deines Lebens Bier aus.“ Gary klang erschöpft und geschlagen.

„Wow.“ Beide blieben eine Weile still. Schließlich holte Ozone eine Schachtel Zigaretten aus der Tasche und bot Roach eine an, der war jedoch zu beschäftigt sein Gesicht in den Händen zu verstecken.

„Das heißt, du hast jetzt Nacktbilder von deinem Vorgesetzten auf dem Handy?“

„Nicht ganz nackt. Und ich habe sie alle gelöscht.“

„Wie viel sind denn alle?“

„So… zehn Stück?“ Mehr. Es waren mehr.

„Du hast dir einfach so“ er wedelte mit den Händen um nicht schon wieder ‚nackt‘ sagen zu müssen „Bilder von deinem Lieutenant schicken lassen ohne was zu sagen? Bist du bescheuert? Wie lange macht ihr das schon?“

„Etwa einen Monat. Aber ich habe erst gestern gemerkt, dass er es ist und ihm seitdem nicht mehr geschrieben! Und bitte höre auf mich darauf hinzuweisen dass ich Rileys Nacktbilder hatte!“, fauchte Roach. Er war sich sicher weder Ozone noch Riley jemals wieder in die Augen sehen zu können.

„Hast du Bilder zurückgeschickt?“

„Natürlich nicht!“

Jason sah ihn schräg an. „Natürlich hast du Bilder geschickt. Du Idiot.“ Liebevoll wuschelte er Roach durch die Haare und zog ihn zu sich auf die Bank. Sie saßen lange still da und rauchten.

„Ich war mit Taco in der Stadt und dann hat mein Handy meinen Standpunkt erfahren und die App hat ein Update an Riley geschickt. Der hat mich dann gefragt ob wir uns mal Treffen wollen und da hat das Ganze dann angefangen. Vorher haben wir ziemlich normal geschrieben…“

„Lösch einfach die App, tu so als wäre es nie passiert und bete, dass er es nicht herausfindet.“

„Das kann ich nicht. Ich kann ihm schon jetzt nicht mehr in die Augen schauen.“

„Das kann ich mir vorstellen.“

„Weißt du das Problem ist… er ist so… nett?“

Ozone zog nur die Brauen hoch.

„Bevor ich wusste, dass es Riley ist habe ich mir ernsthaft überlegt mich mit ihm zu treffen.“

„Oh-Kay.“

„Ich glaube ich habe mich im Endeffekt selbst gecatfisht.“

Ozone tätschelte nur seine Schulter. „Wenn es dir so arg ist und am Ende noch eure Zusammenarbeit beeinflusst musst du mit ihm reden. Feuern kann er dich deshalb ja nicht.“

„Oh Gott.“ Hauchte Roach nach einer Weile, tauchte aber wieder aus seinen Händen auf.

„Jep.“




Das Gespräch mit Ozone hatte ihm zwar keine konkrete Lösung präsentiert, allerdings hatte es ihn darin bestärkt Riley die Wahrheit zu sagen. Er teilte nicht den religiösen Enthusiasmus seiner Eltern, trotzdem waren ihm Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit wichtig und es ging um mehr als nur ein schlechtes Gewissen. Vertrauen war einfach lebenswichtig in der 141 und es könnte nicht sein, dass so etwas zwischen ihnen stand und ihnen das Leben kostete, nur weil Roach seinen Lieutenant mal nicht in der Dusche sondern digital nackt gesehen hatte.


Ozone warf ihm einen  fragenden Blick zu als er sich an den Tisch setzte. Wahrscheinlich sah auch er Riley nie wieder in demselben Licht, auch wenn er nicht das Glück gehabt hatte die Bilder zu sehen.

„Ich habe mich gestern mit meinem Oscar Mike Date getroffen.“, berichtete Toad halblaut und breit grinsend in die Gruppe. Schulterklopfen und Glückwünsche folgten. War das ein Hinweis des Universums an Roach? Er hörte nur mit einem Ohr zu als Toad mit seiner semi-jugendfreien Version des Abends herausrückte.




Zwei Tage und drei Nachrichten von 5.mon (von denen sich eine in eine ernste Diskussion über Fußball entwickelte)  später hatte endlich Zeit mit Riley zu reden. Sie hatten wie jedes Wochenende Ausgang und wie von Gary erhofft und geplant war nur noch Riley im Büro. Nervös klopfte er an die Tür.

Der Lieutenant drehte sich, während er seine Jacke anzog, zu ihm um.

„Roachie“, grüßte er in dem gewohnt starken Akzent. „Was gibt’s?“

„Ich muss mit ihnen reden.“

Riley zog die Augenbrauchen hoch was Gary als unausgesprochene Einladung sich zu setzten verstand. Sein Vorgesetzter und ungewollter virtueller Ex-Fuckbuddy setzte sich ebenfalls wobei er schwungvoll seinen Schlüsselbund auf den Tisch warf.

„Okay, reden wir. Ist es was Privates? Was mit deiner Familie?“

Die Tatsache, dass der Lieutenant mit ihnen zu 90% der Zeit per Du war, war ganz nett solange man keine schlechten Nachrichten überbringen musste.

„Was persönliches ja, aber nichts mit meiner Familie.“

Er hörte auf mit dem Reißverschluss seiner Jacke zu spielen und sah Riley an.

„Ich muss mich bei Ihnen entschuldigen. Ich bin theMVP.“

Der verdutzte und verwirrte Gesichtsausdruck des Lieutenants ließen ihn einen Moment lang hoffen, dass es noch jemanden gab der Simon hieß, seinen Namen komisch abkürze und eine Tattoo hatte, das Riley bis auf das kitschige „Lucky You“ glich.

„Roach, willst du mich verarschen?“, fragte er argwöhnisch und lehnte sich vor. Garys Herz hörte einen Moment auf zu schlagen. Er war so gut wie tot.

„Was interessiert mich bitte dein blöder Counterstrike Stand, zwanzig Minuten nach Feierabend, wo ich mich offiziell um nichts mehr kümmern muss? Haben du und Ozone das ausgeheckt?“

Gary lachte kurz auf, vor Erleichterung und Verblüffung. Riley glaubte ihm natürlich nicht.

„Nein, Lieutenant. Ich bin theMVP von Oscar Mike.“ Er biss sich auf die Lippen und wartete auf eine Reaktion. Riley saß wie eine Statue vor ihm. Schließlich holte er tief Luft, fixierte ihn mit seinem berühmten „Du hast es verbock“ Blick und sagte leise:

„Gary, Du sitzt hier vor mir und erzählst mir, dass du der Typ bist, mit dem ich in den letzten Wochen geschrieben und Bilder getauscht habe?“

„Ja, Lieutenant.“ Er schluckte.

„Möchten Sie sich erklären?“ Oh-oh. Siezen war nie gut.

„Ja, Sir.“

Sein Gegenüber erwiderte nichts mehr, also begann er mit der kuriosen Verkettung von Zufällen.

„Vor zirka vier Wochen habe ich mir die App Oscar Mike runtergeladen, Sir.“

„Warum?“

„Aus Neugier, Sir.“ Riley nickte, also erzählte er weiter.

„Ich wusste bis Dienstagnacht nicht, dass Sie die App ebenfalls nutzen oder dass Sie mich kontaktiert haben.“

Riley zog die Brauen hoch.

„Ich habe Sie erst anhand ihres Tattoos auf dem letzten Bild erkannt. Die Bilder habe ich bereits gelöscht!“, fügte er hastig an als 5.mons Blick eisig wurde.

„Wer weiß alles davon?“

„Ich habe mich Ozone anvertraut, Sir.“ Murmelte er zerknirscht. Es musste seinen ganzen Mut zusammen nehmen Riley weiter in die kalten Augen zu schauen. „Er wird es aber für sich behalten, er hat mich auch bestärkt es Ihnen zu erzählen.“

Wieder nickte der Lieutenant nur, langsam bekam Gary den Eindruck er hätte sein Testament schreiben sollen.

„Und Sie waren es ganz alleine, Sergeant?“, fragte Riley abwesend und begann aus dem Fenster zu starren.

„Ja, Sir! Nur ich und nur aus Neugier! Ich hatte keinerlei Intentionen ihnen oder anderen einen Schaden zuzufügen! Ich musste mit jemanden darüber sprechen, aber nicht um Sie bloßzustellen!“  Diesen Teil hatte er zuvor geübt mit dem ungetrübten Optimismus überhaupt noch sprechen zu können nachdem er die eigentliche Beichte abgelegt hatte.

Eine angespannte Stille folgte und Gary starrte wieder auf seine Hände.

„Hm. Sie können gehen, Sergeant.“ War alles was Riley mit abwesender Stimme und starrem Blick aus dem Fenster dazu sagte. „Ich danke Ihnen für Ihre Ehrlichkeit. Solange alles unter uns bleibt wird es keine Konsequenzen für Sie oder Ozone haben. Wegtreten.“

Roach nickte hastig, murmelte ein „Danke“ und stürzte aus dem Raum.


Zurück in der Sicherheit seines Betts nahm er sein Handy um die blöde App endgültig zu löschen.

Wäre da nicht ein kleiner Briefumschlag gewesen.

Eine ungelesene Nachricht.

Er tippte sie an.

5.mon: Hey, hast du heute abend zeit?

Gesendet um 17:28.

Ein paar Minuten bevor Roach in sein Zimmer gekommen war und ihm alles erzählt hatte.

Gequält stöhnend vergrub er sich in sein Kissen. Ob er heute Nach schlafen konnte war eine andere Frage.




„Ich finde nicht, dass du dir weiterhin Sorgen machen solltest.“, sagte Ozone.

Sie saßen in den letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages und nutzen ihre Freizeit um ihre Stiefel zu putzen.

„Du hast ihm die Wahrheit gesagt, dich entschuldigt und die Bilder gelöscht. Du hast alles richtig gemacht. Außerdem“ er sah auf und grinste. „Hast du ihn in der Dusche schon so oft nackt gesehen, da zählen die Bilder gar nicht mehr. Und er hat dich angeschrieben, nicht andersrum. Also alles gut.“

„Huh.“

Riley war nicht sauer auf ihm, verhielt sich nicht komisch oder behandelte ihn anders, trotzdem hatte der Sergeant den Eindruck, dass nicht alles in Ordnung war.

„Soll ich ihn nochmal drauf ansprechen? Nur um sicher zu gehen, dass da nichts mehr ist?“, fragte Roach mehr seinen Drehtabak als Ozone.

Ozone stöhnte genervt und wischte sich mit dem Handrücken übers Gesicht.

„Schaff dir keine Probleme wo keine sind.“

„Aber ich habe ein Problem.“

„Bist du dir sicher?“

Roach sah auf und begann laut zu lachen.

„Was?“, fragte der Sergeant argwöhnisch.

„Du…du hast… du hast…“, sein Lachen wurde zu einem schlecht unterdrückten Kichern. „In deinem Gesicht!“ japste Gary.

„Verdammt, was willst du eigentlich?“ Ozone sprang auf und breitete seine Arme in der internationalen Come-At-Me-Bro Geste aus.

„Schuhcreme!“ bekam er schließlich zwischen zwei Atemzügen heraus. „Wie Charlie Chaplin!“

„Blödmann!“ Ozone warf seine Schuhbürste nach ihm und versuchte so gut es ging sich die schwarze Creme mit Hilfe seines Handydisplays abzuwischen. Roach kicherte immer noch, hielt ihm aber freundlicherweise einen nicht wirklich sauberen Lappen zum Abwischen hin. Ozone schnappte ihn sich und stürzte sich auf seinen Kollegen, der immer noch lachend nicht wirklich schwer zu überwältigen war.

„Nein!“, rief er verzweifelt als Ozone versucht ihn den Stoff ins Gesicht zu reiben. „Ich will nicht schwarz werden!“

Jetzt begann auch sein Angreifer zu lachen. „Du willst nicht schwarz werden? Hast du was gegen Schwarze? Soll ich das Angel erzählen?“

„Alles, nur nicht Angel!“

Angel war ein ehemaliger Drill Sergeant, über zwei Meter groß und furchteinflößend. Wenn ihm langweilig wurde zog er gerne mal eine seiner Drill Sergeant Routinen mit jüngeren Mitgliedern der Task Force ab – Roach war schon oft ein Ziel der endlosen Inquisition, bei der es keine richtigen Antworten gab, geworden und hatte sich einmal sogar im Klo eingeschlossen um ihm aus dem Weg zu gehen. Captain MacTavish hatte ihn darauf ihn eine Woche lang nur noch mit „Kadett Klo“ angesprochen.

„Yo, könnt ihr nicht wo anders schwul sein?“, fragte eine Stimme hinter ihnen. Auch Toad und Archer wollten wohl den Abend nutzen um ein wenig Ordnung und Sauberkeit in ihre Ausrüstung zu bringen.

„Ich bringe Roach da um, wo ich will!“, erklärte Jason, ließ sein Opfer aber los. Auch die beiden Schützen begannen zu grinsen als sie die Schuhcreme in seinem Gesicht sahen. „Fickt euch doch alle!“ er warf auch den Lappen nach Gary und schob sich zwischen Archer und Toad durch um zurück in die Kaserne zu gehen.




Nach langem hin und her und der ein oder anderen schlaflosen Nacht beschloss er sich keine Sorgen mehr zu machen. Riley war wie immer, er war wie immer, alles war wie immer.

Sie meisterten Missionen, genossen ihre wenige Freizeit und reisten um den Globus. Und alles war wieder wie zuvor bis…

Nun ja, Gary sollte einfach seine Finger von Dating Apps lassen.



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<3 Ich bin wieder daaaaaaaa!
Danke fürs Lesen :)
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