Minna

von Lilithfee
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
OC (Own Character) Selma Jung Sophie Koch Sören Petersen
05.06.2016
11.08.2019
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Ein Tag wie jeder andere. Mit dieser Erwartung schlug ich meine Decke beiseite, den Lärm des Weckers dröhnend in meinen Ohren. Wie jeden Morgen fragte ich mich, ob es einen Unterschied machen würde, wenn ich einfach darauf warten würde, dass der Wecker von alleine ausging, und mich wieder unter meine Decke kuscheln würde. Vermutlich nicht, denn die Sommerferien waren sowieso nur noch knappe zwei Monate entfernt und alle wichtigen Klausuren waren bereits geschrieben.
Jedoch rollte ich mich lustlos mit dem Gedanken aus dem Bett, dass ich meine Mutter nicht enttäuschen wollte. Ich wollte ihr weiterhin die Illusion geben, eine ehrgeizige und zielstrebige Tochter zu haben. Bis vor einiger Zeit war ich das auch noch gewesen, doch es gab einen Umbruch, den ich selbst nicht genau erfassen konnte. Seitdem war ich lustlos, unmotiviert und der Meinung, ich müsse mich so oder so nicht anstrengen, um in der Schule erfolgreich zu sein. Deshalb hatte ich nur noch das Nötigste für die Schule gemacht und dafür relativ schnell die Konsequenzen gesehen: Fast nur noch Dreien in den Klausuren. Generell ist das zwar nicht wirklich schlecht, ich war jedoch Einsen, mindestens Zweien gewohnt. Mir fiel es aber schwer, mich wieder zu mehr Leistung aufzuraffen, weshalb ich beschlossen hatte, mich in der 12. Klasse dann einfach wieder mehr anzustrengen und dieses Schuljahr als „Ausrutscher“ zu betrachten.
Wie jeden Morgen stand ich eine gefühlte Stunde vorm Kleiderschrank, bis ich mich für eine helle Jeans, weiße Chucks und einen dünnen, schwarzen Pulli entschieden hatte. Nachdem ich mich mit viel Mühe geschminkt und meine langen, braunen Haare zu einem unordentlichen Dutt gedreht hatte, schnappte ich mir meinen Rucksack und lief eilig zum Bahnhof. Ich wohnte in einem kleinen Nebenort, weshalb ich erst mit dem Zug fahren musste, um in die Stadt zu kommen, in der sich meine Schule befand. Früher hatte meine Mutter mich oft mit dem Auto mitgenommen, doch mittlerweile hatte sie andere Arbeitszeiten, weshalb sie noch schlief, wenn ich das Haus verließ. Als ich durch die Unterführung lief, die zu meinem Bahnsteig führte, warf ich einen flüchtigen Blick auf die Jugendlichen, die mit zerissener Kleidung auf dem Boden schliefen. Meine Mutter sagte immer, das wären diejenigen, die das Leben nicht zu schätzen wussten. Ich hatte keine Zeit, weiter über sie nachzudenken, da ich das Einrollen meines Zuges hörte.
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