Die Weltenwanderin

von AngelHawk
GeschichteFantasy / P16
04.06.2016
27.10.2016
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Die junge Frau floh durch den Wald. Die Dornen zerrten an ihrem langen Rock. Sie spürte, wie ihr das Blut aus langen Kratzern sickert und an ihren Beinen hinab lief. Ihr Atem war nur noch ein rasselndes Keuchen. Hinter ihr knackten Äste unter den schweren Schritten ihrer Verfolger. Die kalte Nachtluft brannte in den Lungen der Frau und immer wieder verhedderten sich ihre langen Haare in den Ranken der engstehenden Dornenbüsche. Wie viele Büschel des hellen Blondhaares bereits ihren Weg säumten, konnte sie nicht sagen. Es war ihr auch egal. Hauptsache, sie brachte wieder mehr Abstand zwischen sich und die Verfolger. An einem Abhang hielt sie kurz inne, um ihr rasendes Herz zu beruhigen. Doch viel Zeit blieb ihr nicht für diese Pause. Nun konnte sie bereits die Stimmen ihrer Häscher auseinander halten. Mit einem leisen Seufzen schloss sie die Augen und ließ sich den Abhang hinab rollen. Spitze Steine bohrten sich schmerzhaft in ihre blasse Haut. Ihr helles Kleid schützte sie kaum noch, da es bereits nur noch aus Fetzen bestand. Mit den Armen versuchte sie ihr Gesicht vor schlimmeren Verletzungen zu schützen.

Als die Rutschpartie zu Ende war, zog sie sich an einem nahen Baum hoch. Ihre Hände zitterten und auch die Beine wollten sie nicht mehr tragen. Vorsichtig sah sie sich um. Außer der Dunkelheit des Waldes konnte sie nicht viel sehen. Geräusche vernahm sie auch nur das Gurgeln eines Baches, der nicht weit entfernt sein konnte und den Schrei eines Kauzes irgendwo in den Baumwipfeln über ihr. Stolpernd bewegte sie sich weiter in Richtung des Baches. Erleichtert, ihren Verfolgern vorerst entkommen zu sein, sank sie an dessen Ufer auf die Knie und trank von dem klaren, kaltem Wasser. Der erste Schluck schmerzte durch seine Kälte in ihrer rauen Kehle. Doch der zweite war bereits eine Wohltat. Hier am Bach standen die Bäume nicht mehr so dicht, daher beleuchtete das Licht des Vollmondes die Umgebung. Sie fuhr sich durch die verknoteten Haare, in denen Blätter, Schmutz und kleinere Steinchen hingen. Ihre Finger fühlten warmes Blut an ihrem Hinterkopf, das langsam zu gerinnen begann. Kurz zuckte sie wegen des Schmerzes zusammen. Dann lauschte sie noch einmal in alle Himmelsrichtungen, erinnerte mit dieser Geste eher an ein verängstigtes Tier, denn an einen Menschen. Doch sie war ja auch verängstigt. Vorsichtig schlich sie durch das Gehölz und hatte Glück, eine Höhle zu entdecken. Sie kroch herein und fiel vor Erschöpfung in Ohnmacht.
 
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