Liebe und Verzweiflung

GeschichteAllgemein / P12
Homura Akemi Kyouko Sakura Madoka Kaname Sayaka Miki
31.05.2016
31.05.2016
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Hallöchen ^^
Dies ist meine erste Madoka Magica FF. Falls ihr euch fragt, wie ich ausgerechnet auf dieses Pärchen gekommen bin:
Mein Freund erzählte mir immer von diesem Anime und das ein Kumpel von ihm "Mami" costplaye. Er selbst wird immer als "Homura" bezeichnet. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was so toll an diesem Anime sein soll. Nachdem ich ihn mir angeguckt habe, wusste ich Was. Ich habe meinem Freund sofort gesagt, dass ich dann "Kyoko" sein möchte. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich Kyoko x Sayaka überhaupt nicht leiden und beschloss diese FF zu schreiben.
Ich wünsche euch deswegen viel Vergnügen beim Lesen :)



~ Liebe und Verzweiflung ~



Genüsslich biss Kyoko in einen Apfel, während sie durch die Straßen ging. Sie griff in die Tasche ihrer türkisen Kapuzenjacke und holte ihren Soul Gem heraus. Dieser strahlte in einem Blutrot und blinkte stark. Kyoko grinste zufrieden und blieb unter einer Straßendurchführung stehen. Endlich hatte sie die Hexe! Seit Tagen war sie auf der Jagd nach ihr und endlich hatte sie sie gefunden. Wenn sie Glück hatte, würde sogar noch ein Grief Seed für sie dabei herausspringen. Kyoko schloss kurz die Augen und sofort veränderte sich ihre Kleidung. Anstatt ihrer Jacke, dem schwarzen T-Shirt, der blauen Jeansshorts und den dunnkelbraunen Stiefel, trug sie nun ihr Magical Girl Outfit. Dieses bestand aus einem dunkelroten Kleid mit weißen und schwarzen Verziehrungen. Es war vorne bis zu ihrer Taille geschnitten, sodass man eine Art kurzen Unterrock und ein schwarzes Oberteil erkennen konnte. In Kombination dazu trug sie graue Armstulpen, welche am Ende schwarz sind. Unter ihrem Kleid hatte sie schwarze Kniestrümpfe an, und als Schuhe trug sie rote, kniehohe Stiefel mit kleinen Absätzen. Zufrieden streckte Kyoko ihre rechte Hand aus und sofort erschien ihr Speer. Mit einem gekonnten Schnitt in die Luft entblößte sie den gesuchten Bannkreis. Kurz sah Kyoko sich noch einmal um, wobei ihr ihre dunkelroten Haare ums Gesicht wehten. Sie zog eine Grimasse und warf ihre Haare mit einer lässigen Geste über ihre Schulter. Irritiert musste sie feststellen, dass sie diese Geste an Homura denken ließ. Über sich selbst die Augen verdrehend, betrat sie den Bannkreis.
Um sie herum schwebten verzerrte Gesichter und Gestalten, doch Kyoko ignorierte sie. Plötzlich tauchte vor ihr eine Mischung aus Huhn und Mensch auf. Angewidert verzog sie das Gesicht, schwang ihren Speer und vernichtete die Gestalt. Farben und Geräusche schmerzten Kyoko in den Augen und Ohren. Ihre Laune war mehr als im Keller und sie freute sich schon richtig auf den Kampf mit der Hexe.
Mit zügigen Schritten und wehenden Haaren lief sie durch das Labyrinth. Irres Lachen verfolgte Kyoko, bis sie zum Zentrum des Bannkreises angelangte.
„Jetzt hab ich dich!“, knurrte sie und grinste.
Vor ihr befand sich ein riesiges, in lila und giftgrün gehaltenes Dornengewächs. Es schwebte hin und her und ließ seine Dornen nach belieben verlängern und verkleinern. Als Kyoko einen Schritt nach vorne machte, trat sie in eine schwarze, klebrige Masse. Sie verzog unglücklich den Mund und warf der Hexe einen hasserfüllten Blick zu. Dann bemerkte sie die Pfützen auch überall um die Hexe.
„Das kann ja lustig werden“, murmelte sie, spannte ihren Körper an und sprang in die Luft. Mit unmenschlicher Geschwindigkeit griff sie die Hexe an. Mit ihrem Speer versuchte sie der Hexe Schaden zuzufügen, während sie gleichzeitig den Dornen auswich. Vor Anstrengung fing Kyoko an zu keuchen und landete dann leichtfüßig wieder auf dem Boden. Ihre Brust hob und senkte sich hektisch.
„Dieses Mal entwischt du mir nicht!“
Wieder wollte sie angreifen, doch die Hexe feuerte gleich fünf Dornen auf Kyoko. Vier von ihnen konnte sie ausweichen oder mit dem Speer abwehren, doch der fünfte durchbohrte ihre Schulter. Zischend ging Kyoko in die Knie. Sie atmete ein paar Mal tief ein und aus, dann richtete sie sich wieder auf und griff erneut an. Sie merkte dabei nicht, wie ihre Magie schwächer wurde. Die Hexe wurde jetzt erst richtig munter und griff Kyoko mit ihren Dornen immer wieder an. Mit zusammengebissenen Zähnen kämpfte Kyoko weiter. Sie musste diese dämliche Hexe endlich besiegen!
Doch weiter kam sie nicht, denn plötzlich schleuderte die Hexe sie auf den Boden. Hart kam sie mit dem Kopf auf dem Boden auf und sah Sterne. „Verdammt“, murmelte sie.
Die Hexe kam näher, zweifellos um ihr den Gnadenstoß zu geben. Kyoko versuchte aufzustehen, doch ihre Beine knickten weg und sie landete wieder auf dem Boden.
Mit letzter Kraft schleuderte sie ihren Speer auf die Hexe und riss die Augen auf, als eine Explosion die Hexe erschütterte.
„Keine Sorge, Sakura, ich erledige das.“
Wütend warf Kyoko Homura einen Blick zu. Wie konnte sie es wagen? Das hier war ihre Hexe!
Doch Homura ignorierte sie einfach und griff die Hexe an. Mit gekonnten Bewegungen bewarf sie sie mit Granaten und feuerte gleichzeitig mit ihren Pistolen auf sie.
Geschickt wich sie den Dornen aus und warf weiterhin Bomben auf die Hexe. Dann, endlich, explodierte die Hexe und der Bannkreis löste sich auf.
Homura kniete sich neben Kyoko und sah sie an. Kyoko erwiderte den Blick und zog fragend eine Augenbraue hoch. „Was starrst du denn so?“
Homura erwiderte nichts, sondern stand wieder auf und streckte ihr eine Hand hin. Kyoko ignorierte sie und stand alleine auf. Ihre normale Kleidung erschien und sie griff nach einem Frühstücksriegel in ihrer Jacke. Doch sie taumelte, sodass Homura sie packte und an den Armen festhielt.
„Du solltest nach Hause.“
Kyoko schnaubte. „Es geht mir gut!“ Sie riss die Verpackung auf und verputzte den Riegel in einem Bissen. Sie fühlte sich noch immer schwach und hatte das ungute Gefühl, dass irgendwas nicht stimmte. Doch sie schüttelte den Kopf darüber. Sie konnte einfach nicht krank werden oder was auch immer gerade los war. „Und das war übrigens meine Hexe!“
„Du wärst jetzt tot, wenn ich dich nicht gerettet hätte“, erwiderte Homura nur und sah in die Ferne. Gedankenverloren fuhr sich sie mit der linken Hand durch ihre langen schwarzen Haare. Kyokos Augen verengten sich zu Schlitzen und sie sprang auf. „Ich brauche deine...“ Schwindel erfasste sie und sie fiel nach vorne. Gerade rechtzeitig fing Homura sie auf.
„Ich bringe dich nach Hause“, sagte sie und hob Kyoko hoch.
Diese gab einen empörten Laut von sich. „Was fällt dir ein? Lass mich los! Wenn uns jemand sieht! Ich brauche deine Hilfe nicht!“
Homura schwieg, doch ein leichtes Grinsen zierte ihre Lippen. Kyoko konnte so stur sein!

In Kyokos Wohnung angekommen, legte Homura sie auf die graue Couch. „Nichts zu danken.“
Kyoko blies ihre Wangen auf und wollte gerade zu einer Schimpftirade ansetzen, als sie das Grinsen auf Homuras Gesicht sah. Geschockt blieben ihr die Worte im Hals stecken.
„Ich lasse dich jetzt alleine“, meinte Homura nach ein paar Minuten Stille.
Kyoko nickte und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Sie sah Homura hinterher, als diese ihre Wohnung verließ. Nach ein paar Minuten stand sie auf und ging in ihre Küche. Sie fühlte sich schon viel besser. Kyoko nahm sich ein Paket Sushi aus dem Kühlschrank und ging zurück in ihr Wohnzimmer. Während sie aß, dachte sie über Homura nach. Das andere Mädchen war ihr wirklich ein Rätsel. Von außen wirkte sie immer so kalt und distanziert, doch anscheinend besaß sie doch noch Gefühle. Kyoko atmete tief ein und konnte dabei Homuras Duft wahrnehmen. Stirnrunzelnd warf sie die Sushiverpackung in den Müll und ging in ihr Schlafzimmer. Dort holte sie ihren Soul Gem heraus. Das strahlende Rot war matt geworden und Kyoko fluchte. Sie hatte gar nicht nach einem Grief Seed geguckt!
Sich über sich selbst ärgernd verließ Kyoko ihre Wohnung und kehrte an die Straßendurchführung zurück. Mit wachsamen Blick überprüfte sie den Boden, doch sie konnte keinen Grief Seed entdecken.
„Du solltest doch Zuhause bleiben.“
Seufzend drehte sich Kyoko um und sah Homura an einem Pfeiler gelehnt stehen. „Verfolgst du mich?“
„Wenn du einen Grief Seed suchst, muss ich dich enttäuschen. Es gab diesmal keinen. Aber ich habe noch einen, denn du gerne benutzen kannst.“ Homura ignorierte Kyokos Frage einfach und kam auf sie zu.
Aus ihrer Tasche holte sie einen schwarzen Grief Seed heraus und hielt ihn ihr hin. Kyoko nahm den eiförmigen Gegenstand an sich. Sie holte ihren Soul Gem aus ihrer Jackentasche und hielt ihn neben den Grief Seed. Sofort klärte sich der Soul Gem und erstrahlte wieder in einem leuchtenden Rot.
„Geh nach Hause“, forderte Homura sie auf und sah sie mit ihren dunkelvioletten Augen durchdringend an.
Kyoko verspürte dabei ein warmes Gefühl in ihrem Bauch. „Mir geht es gut!“, fauchte sie genervt.
Homura zuckte nicht mal mit den Wimpern, sondern stand einfach vor ihr und sah sie an.
Unruhig trat Kyoko von einem Bein auf das andere. „Ich gehe dann jetzt. Vielleicht finde ich heute noch eine Hexe.“
Sie ging an Homura vorbei und atmete dabei wieder ihren Duft ein. Nach Zitrone und Orange. Eine köstliche Mischung. Kyoko holte einen Zahnstocher aus ihrer Jackentasche und schob ihn sich zwischen die Lippen. Sie kaute darauf herum und schob ihre Hände in die Taschen.
Schweigend schlenderte sie durch die Stadt, bis es Zeit wurde nach Hause zu gehen. Heute Abend würde sie wohl kein Glück mehr haben.

Am nächsten Morgen wachte Kyoko aus einem verwirrenden Traum auf. Ihr Herz klopfte schneller als normal und auch ihr Atem ging schneller. Kyoko fuhr sich mit der Hand durch ihre Haare und legte sich einen Arm über die Augen.
So eine Scheiße hatte sie ja schon lange nicht mehr geträumt. Sie stand auf und ging in ihr kleines Badezimmer. Dort spritzte sie sich ein wenig kalte Wasser ins Gesicht und sah in den Spiegel. Ihre roten Augen sahen ihr aufgewühlt entgegen und sie verzog den Mund. Es konnte doch nicht sein, dass sie durch einen einfachen, blöden Traum so aus der Fassung gebracht wurde!
Sie kämmte kurz ihre Haare und band sie mit ihrer schwarzen Lieblingsschleife zu einem unordentlichen Pferdeschwanz. Anschließend putzte sie sich die Zähne und zog sich um. Mit knurrendem Magen ging sie in die Küche und machte sich ein großzügiges Frühstück. Zufrieden packte sie sich noch ein paar Snacks und ihren Soul Gem ein und verließ ihre Wohnung.
Während Kyoko durch die Stadt ging, machte sie sich Gedanken über ihren Traum.

Sie war an einem wunderschönen Strand gewesen. Die Sonne hatte geschienen und das Meer strahlte in den verschiedensten Blautönen. Kyoko hatte einen schwarzen Bikini an und stieg langsam in das warme Wasser. Sie tauchte unter und als sie wieder auftauchte stand Homura vor ihr. Sie trug einen dunkelvioletten Bikini und lächelte sie an. Kyoko lächelte zurück und lachte, als das andere Mädchen sie mit Wasser bespritze. Die Beiden fingen eine Wasserschlacht an, wobei sie die ganze Zeit lachten. Außer Atem sahen sie sich an, dann öffnete Homura ihren Mund, strahlte Kyoko an und sagte einfach nur: „Kyoko-chan~♥.“

Kyoko schnaubte und schüttelte den Kopf. Was für ein Schwachsinn! Warum träumte sie so etwas?
„Hey, Kyoko! Was machst du denn hier?“
Sie sah auf und entdeckte Sayaka und Madoka. Die beiden Mädchen kamen lächelnd auf sie zu.
Kyoko sah sich um und fand sich vor der Mitakihara-Mittelschule wieder. Stirnrunzelnd sah sie Madoka und Sayaka an. „Ich bin auf Patrouille“, antwortete Kyoko.
„Du willst uns bestimmt nur ausspionieren“, behauptete Sayaka und deutete anklagend auf Kyoko.
„Was hätte ich davon? Du hast nichts an dir, was ich ausspionieren könnte“; gab sie bissig zurück.  
Empört sah Sayaka sie an, doch ehe sie etwas sagen konnte, trat Madoka zwischen die Beiden.
„Bitte, vertragt euch! Wir kämpfen doch alle für die gleiche Sache.“ Sie lächelte zaghaft und sah zwischen den beiden Streitenden hin und her.
Sayaka verschränkte die Arme vor der Brust und sah zur Seite. Kyoko grinste. „Madoka, du bist einfach viel zu nett. Ich gehe mal lieber, bevor Sayaka sich noch weiter aufregt.“ Sie nahm sich einen Schokoriegel, riss die Verpackung auf und biss hinein. Anschließend drehte sie sich um und entfernte sich von der Schule.

Nachdenklich holte sie ihren Soul Gem heraus und betrachtete ihn. Danach verstaute sie ihn wieder sicher und streckte sich. Ein kühler Sommerwind umschmeichelte ihren Körper und ließ sie die Augen schließen. Dann roch sie den unverkennbaren Duft nach Zitrone und Orange.
„Was bist du? Eine Stalkerin?“, fragte sie und öffnete ihre Augen.
Homura stand einige Meter von ihr entfernt und sah sie an. Kyoko wünschte, dass sie es sein ließ. Immer zu sah Homura sie an, aber sie redete so gut wie gar nicht mit ihr.
„Ich warte auf eine Antwort!“
Mit wehenden Haaren ging sie auf Homura zu und blieb vor ihr stehen.
„Geht es dir besser?“, erkundigte sich Homura.
„Mir ging es überhaupt nicht schlecht. Solltest du nicht eigentlich in der Schule sein und einen auf brave Schülerin machen?“ Kyoko legte den Kopf schief und grinste frech.
„Ich habe eine Spur und muss sie verfolgen. Du kannst mitkommen“, schlug Homura vor.
Warum nur musste sie immer so monoton klingen? Es störte und nervte Kyoko ungemein.
„Oh, schaffst du es nicht alleine? Muss die große Kyoko dir helfen? Na wenn du mich so darum bittest, komme ich natürlich mit.“
„Spar dir deinen Sarkasmus. Ich wollte nur nett sein“, erwiderte Homura ruhig.
Kyoko atmete tief durch um sich zu beruhigen. Was glaubte sie bitte, wer sie war? Kyoko kam ganz gut alleine klar und hatte in ihrem eigentlichen Stadtteil auch keine Hilfe. Und jetzt sollte sie plötzlich Teil eines Teams werden?
Misstrauisch kniff sie die Augen zusammen. Doch was konnte es schaden? Vielleicht konnte sie sich den Grief Seed vor Homura schnappen. Dieser Gedanke ließ Kyoko grinsen.
„Ich komme mit.“
Homura nickte, drehte sich um und ging voran. Kyoko folgte ihr und schritt irgendwann schweigend neben ihr. Allerdings behagte Kyoko das Schweigen überhaupt nicht und sie überlegte, worüber sie reden konnte.
Als sie an einem Bäcker vorbei kamen, bekam sie Hunger. „Ich will mal kurz da rein“, sagte sie zu Homura und deutete auf den Laden.
„Ist gut.“
Kyoko betrat den Laden, genüsslich kauend kam sie wieder raus und ging zurück zu Homura. „Fertig, wir können weiter.“
„Warum isst du eigentlich so viel?“, fragte Homura sie plötzlich.
Kyoko blieb stehen und sah das andere Mädchen nachdenklich an. Sollte sie ihr die Wahrheit sagen? Oder doch lieber schweigen?
„Warum willst du das wissen?“, fragte Kyoko stattdessen.
„Naja, du bist immer am Essen. Ich frage mich schon die ganze Zeit Warum.“ Homura legte den Kopf leicht schief und warf ihre Haare dann elegant nach hinten.
„Ich esse halt gerne. Können wir jetzt weiter?“ Kyoko ging an Homura vorbei. Sie hatte gelogen, aber was spielte das schon für eine Rolle? Homura interessierte sich nicht für ihr Leben, warum sollte sie es ihr dann erzählen? Außerdem würde sie sich dadurch verwundbar machen und das wollte sie um jeden Preis vermeiden.
„Und warum kaufst du dir das Essen nicht einfach? Ich hab genau gesehen, dass du es dir einfach so genommen hast. Hast du keine Angst erwischt zu werden?“, wollte Homura wissen.
Kyoko grinste nur breit, schwieg aber auf die Fragen. Als wenn sie jemals erwischt werden würde! Außerdem interessierte es sie auch nicht und es hatte so seine Reize. Kyoko mochte den Nervenkitzel, auch ein Grund warum sie ein Magical Girl geworden war.
„Hier ist es“, sagte Homura nach ein paar Minuten und öffnete den Bannkreis. Danach verwandelte sich ihre Kleidung. Jetzt trug sie ein ähnliches Outfit wie ihre Schuluniform. Die Ärmel ihrer cremefarbenen Jacke waren kürzer, darunter trug sie ein schwarz-violettes Hemd, welches vorne eine lange violette Schleife hatte. Über der Jacke befand sich ein violettes Cape. Passend dazu trug sie einen violetten Rock, schwarze Strumpfhosen mit Diamantmuster und schwarze Schuhe mit Absätzen. An ihrem linken Arm befand sich ein Schild, woher sie auch ihre Waffen nahm.
Sie sah einfach hinreißend aus, fand Kyoko. Sie verwandelte sich ebenfalls in ihre Magical Girl Form und folgte Homura in den Bannkreis.

Kyoko ging voran und sah sich interessiert um. Um sie herum schimmerte alles in schwarz, lila und grün Tönen. Geister ähnliche Geschöpfe schwebten an ihnen vorbei und kicherten irre. Kyoko seufzte genervt, ließ ihren Speer erscheinen und spielte damit herum.
Hinter sich hörte sie Homuras Schritte. Irritiert zog sie eine Augenbraue hoch, als ein Schwarm Fische an Kyoko vorbeizog. Sie hatten dunkel schimmernde Farben und wenn man genau hinsah konnte man deutlich das Skelett erkennen. Kyoko sah ihnen nach und sah gerade noch, wie die Fische auf Homura zusteuerten. Ihre Mäuler waren geöffnet und scharf aussehende Zähne waren zu sehen.
Mit zusammengekniffenen Augen wirbelte Kyoko ihren Speer und zerstörte die Fische. Homura hatte sich mit zwei Handgranaten umgedreht. Doch Kyoko hatte die Fische bereits erledigt.
„Danke“, sagte Homura mit einem leichten Lächeln.
Kyoko nickte und die Beiden gingen weiter durch das Labyrinth.
„Fragst du dich auch manchmal wer die Personen einmal gewesen waren?“, fragte Kyoko in die Stille hinein. Die Frage brannte schon länger auf ihrer Zunge, doch sie hatte sie bisher niemanden stellen können. Warum sie sie ausgerechnet Homura stellte, war ihr ein Rätsel.
Doch Homura war gerade da und sie wollte unbedingt mit jemandem reden.
„Ja“, gab Homura zu und sah zu Kyoko. „Deswegen versuche ich auch alles um zu verhindern, dass noch mehr Magical Girls entstehen. Kyubey führt immer die Vorteile des Magical Girl Daseins auf, doch nie die Nachteile.“
„Das stimmt“, sagte Kyoko nachdenklich und wich einem giftgrünen Seepferdchen aus.
Homura nickte, griff hinter ihr Schild und holte zwei Pistolen hervor . „Da ist sie.“
Kyoko blieb stehen und starrte mit großen Augen auf die Hexe vor ihnen. Sie war eine Mischung aus Tintenfisch und Feuerfisch. Glühende Eier schwebten um sie herum, welche sie sofort auf die beiden Eindringlinge abfeuerte.
Kyoko und Homura wichen aus und griffen von verschiedenen Seiten an. Doch die Hexe war nicht dumm und attackierte die beiden Magical Girls unablässig. Kyoko ätzte kurz, als ein glühendes Ei ihr Bein traf. Doch sie kämpfte weiter und schaffte es sogar der Hexe den finalen Todesstoß zu verpassen.
Der Bannkreis löste sich und die beiden Mädchen landeten in ihren normalen Klamotten auf der Straße. Zu Kyokos Freude lag ein paar Meter entfernt ein schwarzer Grief Seed. Grinsend ging sie zu ihm und nahm ihn an sich. Sie reinigte ihren Soul Gem und sah dann zu Homura. Kurz überlegte sie, dann warf sie ihr den Grief Seed zu.
„Hier. Damit sind wir quitt.“
Homura fing den Grief Seed auf und nickte. „Danke. Hast du Hunger?“
„Ja, hab ich. Warum?“, erkundigte sich Kyoko und befestigte ihre Haarschleife neu.
„Komm, ich lade dich ein“, meinte Homura nur.
Kyoko zuckte mit den Schultern. Solange es gratis war.

An einem kleinen Restaurant setzten sich die beiden Mädchen an einen Tisch. Kyoko stützte ihren Kopf auf den linken Arm und besah sich die Speisekarte.
„Was kann ich Ihnen bringen?“, fragte eine junge Frau mit einem strahlenden Lächeln.
„Ich hätte gerne das Ramen mit Fleisch und zwei Frühlingsrollen“, bestellte Kyoko und lehnte sich zufrieden zurück.
„Und Sie?“, fragte die junge Frau Homura.
„Einmal die Yakitori mit Reis, bitte“, sagte Homura und nickte der Frau zu.
Diese verließ den Tisch und Kyoko sah neugierig zu ihrem Gegenüber. „Was willst du?“
„Warum nur bist du so misstrauisch?“, wollte Homura mit einem leisen Lachen wissen.
„Erst kannst du mich nicht leiden und jetzt lädst du mich zum Essen ein. Ich hab allen Grund für mein Misstrauen. Also spuck's aus, was willst du von mir? Warum stalkst du nicht mehr Madoka, sondern mich?“
„Ich konnte dich immer schon leiden und ich stalke dich nicht“, stellte Homura klar und stützte ihren Kopf auf beide Hände. Ihre violetten Augen sahen Kyoko durchdringend an, sodass diese unruhig hin und her zu rutschen begann.
„Ach nein? Aber du bist immer da, wo ich auch bin!“
„Vielleicht ist es aber auch genau anders herum. Schließlich bist du mir bis zur Schule gefolgt“, argumentierte Homura.
Kyoko stockte. Doch ehe sie etwas sagen konnte, kam ihr Essen. Sofort vergaß sie alles und stürzte sich auf das Essen. „Oh, schmeckt das köstlich!“, sagte sie mit vollem Mund.
„Das ist schön“, grinste Homura und aß ebenfalls.
Nachdem Kyoko runter geschluckt hatte, fragte sie: „Warum bist du immer so gefühlskalt?“
Homura zuckte mit den Schultern. „Es gibt für mich keinen Grund für Gefühle. Wir sind doch nur noch eine leere Hülle.“
Kyoko zog eine Grimasse. „Ja und? Du kannst ja auch grinsen und sogar lachen.“
Das andere Mädchen nickte langsam. „Du hast recht. Das ist mir gar nicht aufgefallen.“
„Mir schon und ich finde, dass du öfters Lachen solltest“, nuschelte Kyoko und stopfte sich ein Stück Frühlingsrolle in den Mund.
„Ach ja? Und warum?“, erkundigte sich Homura und lehnte sich vor.
Kyoko fühlte sich plötzlich sehr unbehaglich. „Naja, es steht dir..irgendwie.“
Homura legte sich eine Hand vor den Mund und lachte, doch sie tarnte es als Hustenanfall. Kyoko schnaubte, aß das restliche Essen und stand auf. „Mach dich gefälligst über jemand anderen lustig! Ich verschwinde!“
Sie straffte ihre Schultern, drehte sich um und verließ zügig das Restaurant. Was fiel ihr ein? Genau deswegen freundete sie sich mit niemanden an.
„Bitte, warte! So meinte ich das doch gar nicht!“, hörte sie Homura rufen. Aber Kyoko ignorierte sie einfach und beschleunigte ihre Schritte. Sie spannte gerade ihren Körper an und wollte gerade auf das Dach eines Hauses springen, als Homura sie am Arm packte.
„Kyoko, ich meinte es wirklich nicht so.“
„Lass mich sofort los, außer du willst Streit!“, zischte Kyoko und zerrte an ihrem Arm. Doch Homura hielt sie eisern fest. Dass Homura ihren Vornamen benutz hatte, bemerkte sie nicht.
„Ich hab dich nicht ausgelacht. Ich finde es süß.“
Kyoko schaffte es ihren Arm zu befreien und schnaubte. „Ach ja?“
Homura nickte und fuhr sich kurz durch die Haare. „Ich fand deinen Gesichtsausdruck lustig, deswegen habe ich gelacht. Du sahst aus, als müsstest du die Worte aus dir herauswürgen.“
„Ich verteile auch normalerweise keine Komplimente“, meinte Kyoko.
„Dann vielen Dank.“ Homura lächelte leicht und sah in den Himmel. „Wir sollten nach Hause. Für heute gibt es nichts mehr zu tun.“
„Geht klar. Dann bis morgen.“ Kyoko streckte sich und ging nach Hause.

Die nächsten Tage verliefen ereignislos. Kyoko und Homura gingen jeden Abend zusammen auf Patrouille. Manchmal begegneten sie Sayaka und Madoka, doch meistens waren sie unter sich. Sie redeten nie besonders viel miteinander, doch Kyoko genoss dennoch Homuras Gesellschaft. Sie war so lange alleine gewesen, dass sie fast schon vergessen hatte wie es war, wenn man Freunde hatte.
Heute hatten sie noch nichts verdächtiges gesehen.
„Es scheint heute mal eine ruhige Nacht zu werden“, meinte Homura.
Die Beiden saßen auf einem Grashügel und sahen in den Himmel. Kyoko kaute auf einem Zahnstocher herum und sah zu Homura.
„Ja, glaube ich auch. Schade eigentlich, ich hätte nichts gegen ein paar Grief Seeds.“
„Das hast du doch nie“, bemerkte Homura und spielte mit ihren Haaren.
Fasziniert beobachtete Kyoko sie dabei. Sie fühlte sich sehr wohl in Homuras Nähe, wohler als gedacht.
„Hey, alles in Ordnung?“, fragte Homura und wedelte mit ihrer Hand vor Kyokos Nase herum.
Unmerklich zuckte sie zusammen und kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Ja, natürlich, alles in Ordnung. Warum fragst du?“
„Du hast mich so komisch angeguckt.“
Kyoko zuckte mit den Schultern. „Ich war in Gedanken.“
Homura nickte und stand auf. Sie streckte sich und schüttelte ihren Kopf, sodass die Haare in alle Richtungen wehten. Kyoko legte den Kopf in den Nacken um zu ihr hoch zu sehen.
„Weißt du eigentlich, dass du nach Zitrone und Orange riechst?“, fragte Kyoko.
Homura erstarrte und sah langsam zu ihr herunter. „Was?“
„Ich...nichts. Alles gut, ich habe nicht gesagt“, murmelte Kyoko und sah weg.
„Ich gehe jetzt mal lieber. Morgen wird ein wichtiger Test geschrieben“, sagte Homura und verschwand.
Kyoko sah ihr hinterher und runzelte die Stirn. Hatte sie etwas falsches gesagt? Es sollte doch eigentlich als Kompliment rüber kommen. Nachdenklich stand sie auf und besorgte sich ein paar Äpfel. Mit der Tüte in der Hand betrat sie ihre Wohnung.

Nachdem sie die Äpfel genüsslich verspeist hatte, warf sie die Überreste weg und ging ins Badezimmer. Sie musste dringend duschen, weswegen sie sich zügig auszog und unter die Dusche stellte. Seufzend schloss sie die Augen und genoss das warme Wasser. Vor ihrem inneren Auge tauchte das Bild von Homura auf, wie sie langsam zu Kyoko hinunter sah. In ihren sonst so kalt aussehenden Augen war ein Sturm von Gefühlen zu sehen gewesen. Kyoko verstand nicht, was sie plötzlich hatte, schließlich war es ja nur eine normale Frage gewesen. Sie würde einfach morgen noch einmal mit Homura reden und das alles aufklären, beschloss sie und seifte sich ein. Nachdem sie fertig geduscht hatte, trocknete sie sich ab und zog sich eine graue Jogginghose und ein schwarzes T-Shirt an.
Mit einer Tüte Chips mümmelte sie sich auf die Couch.
„Hallo Kyoko“, ertönte die nervige Stimme von Kyubey.
„Hast die anderen bereits so genervt, dass du unbedingt zu mir kommen musst?“, fragte sie und warf dem katzenähnlichen Alien einen genervten Blick zu.
„Ich wollte doch nur mal nach dir sehen“, meinte er.
„Dann kannst du jetzt wieder gehen. Es geht mir gut.“ Kyoko stopfte sich eine Hand voll Chips in den Mund.
„Wirklich?“, erkundigte sich Kyubey und legte den Kopf schief.
„Ja und jetzt verzieh dich!“, zischte sie und scheuchte ihn mit der Hand weg.
„Ja, ja ich gehe schon.“ Kyubey verschwand.
Erleichtert lehnte sich Kyoko zurück und streckte sich ausgelassen. „Blödes Vieh“, knurrte sie.
Als sie die Tüte geleert hatte, stand sie auf und ging in ihr Schlafzimmer. Ihren Soul Gem legte sie auf ihr Nachttischchen und legte sich hin. Kurz darauf war sie eingeschlafen.

Am nächsten Abend streifte Kyoko durch die Stadt. Überall war Betrieb in den Läden und auf der Straße. Die Leute liefen entweder in Gruppen oder alleine durch die Stadt. Kyoko beobachtete aufmerksam die vorbeilaufenden Menschen. Keiner nahm besondere Notiz von dem Mädchen, doch das war sie gewöhnt. Je unsichtbarer sie war, desto schneller konnte sie ihre Arbeit erledigen. Sie mochte sie gar nicht ausdenken was passieren würde, sollte ein normaler Mensch ihr bei der Arbeit zusehen. Da normal Sterbliche keine Hexen oder Familiare sehen konnten, musste es also ziemlich seltsam wirken, wenn Kyoko gegen sie kämpfte.
Ein bekanntes Lachen ließ sie innehalten. Mit gerunzelter Stirn ging sie zu einem Fenster und sah Homura, Sayaka und Madoka an einem Tisch sitzen. Während Sayaka und Madoka ausgelassen lachten und erzählten, saß Homura stillschweigend da und hörte den Beiden zu. Kyoko spürte einen leichten Stich in der Brust. Mit ausdrucksloser Miene beobachtete sie, wie Madoka Homura wie selbstverständlich berührte. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten und ging schnell davon.
Es hatte nichts zu bedeuten, redete sie sich ein. Kyoko konnte ihr ja schlecht verbieten was mit anderen zu machen. Dennoch schmerzte es, dass niemand sie gefragt hatte, ob sie nicht mitkommen wollte.
Sie wollen dich nicht, hörte sie eine kleine Stimme in ihrem Kopf. Sie klang einschmeichelnd und verführerisch.
Kyoko runzelte die Stirn und nicke langsam. Ja, genau. Sie wollten sie nicht. Warum sonst hatten sie sich ohne Kyoko getroffen?
Bestimmt haben sie sich über dich lustig gemacht, redete die Stimme weiter.
Richtig, dass hatten sie.
Kyokos Augen wurden trüb und sie ließ den Kopf hängen. Da hatte sie wieder die Bestätigung! Es war falsch sich anderen zu öffnen, denn Kyoko wurde nur wieder enttäuscht und erniedrigt.
„Kyoko!“
Kyoko blieb stehen und schüttelte den Kopf. Verwirrt drehte sie sich um. Madoka kam auf sie zugerannt und blieb keuchend vor ihr stehen. Mit einem Lächeln sagte sie zu Kyoko: „Hey! Ich habe dich eben weglaufen sehen. Alles in Ordnung?“
„Ich...ja, alles bestens. Ich wollte mir nur nicht mit ansehen, wie ihr drei Spaß habt.“
Erschrocken sah Madoka sie an. „Oh nein! Kyoko-chan, dass hast du völlig missverstanden! Wir wollten dich nicht ausschließen!“ Sie ergriff Kyokos Hände und sah sie mit ihren pinken Augen flehend an.
„Ist ja jetzt auch egal. Geh lieber zurück zu den anderen, bevor die sich noch...zu spät.“ Hinter Madoka tauchten Homura und Sayaka auf.
„Ich wusste gar nicht, dass ihr euch plötzlich leiden könnt“, sagte sie zu Sayaka und Homura.
„Wir haben uns ausgesprochen“, antwortete Sayaka bissig.
„Das freut mich aber.“ Kyoko verschränkte die Arme vor der Brust und verlagerte ihr Gewicht auf das rechte Bein.
„Willst du nicht mitkommen?“, fragte Madoka. Noch immer hielt sie Kyokos Hände fest.
Sie bemerkte, wie Homura mit leicht zusammengekniffenen Augen auf Madokas Hände sah.
„Ich weiß nicht, ob das allen hier recht wäre. Schließlich kann Sayaka mich nicht leiden.“
Madoka seufzte. „Vielleicht könnt ihr euch mal zusammensetzen und reden. Das würde bestimmt viele Missverständnisse klären.“
Sayaka musterte Kyoko. „Von mir aus. Und jetzt lasst uns reingehen. Es ist ganz schön kühl hier draußen.“
„Das freut mich!“, strahlte Madoka und zog Kyoko hinter sich her.
Die Stimme in ihrem Kopf hatte Kyoko schon längst vergessen. Sie folgte Madoka in das Restaurant, dicht gefolgt von Homura und Sayaka.

„Und, wie läuft eure Jagd so?“, fragte Kyoko wenige Minuten später. Sie zog einen Apfel aus ihrer Jackentasche und biss hinein.
„Ganz gut“, sagte Sayaka.
„Obwohl ich immer noch keine große Hilfe bin“, seufzte Madoka und ließ den Kopf hängen.
„Doch, du bist eine große Hilfe!“, beteuerte Sayaka. „So muss ich nicht alleine durch die Gegend tigern.“
Madoka lächelte zaghaft und aß ein wenig. „Danke, das ist lieb von dir. Aber vielleicht sollte ich doch ein Magical Girl werden. Ich kann mich nur nicht für einen Wunsch entscheiden.“
Kyoko stützte ihren Kopf auf ihre Hände und sah in die Runde.
„Nein! Lass es Madoka! Es ist viel zu gefährlich“, sagte Homura energisch.
„Aber...“, setzte Madoka an.
„Nein! Das lasse ich nicht zu! Erinnere dich doch daran, was mit Mami passiert ist! Ein Magical Girl zu werden ist kein Kinderspiel! Du gibst alles auf. Wie oft muss ich dir das noch sagen?“ Homura war aufgesprungen und starrte wütend auf Madoka herab.
Kyoko verzog das Gesicht. Warum machte Homura nur so einen Wirbel um Madoka? Warum konnte sie Madokas Wunsch nicht einfach akzeptieren und sie ein Magical Girl werden lassen? Als Sayaka ein Magical Girl geworden war, hatte Homura auch kein Theater darum gemacht. Warum also bei Madoka?
Vielleicht ist sie in Madoka verliebt, ertönte die verführerische Stimme wieder in Kyokos Kopf.
Natürlich! Das musste es sein! Deswegen hatte sie auch so komisch geguckt, als Madoka ihre Hände festgehalten hatte. Sie war eifersüchtig auf Kyoko, weil sie Angst hatte sie könne ihr Madoka wegnehmen.
Genau. Jetzt solltest du gehen und sie alleine lassen. Du störst doch nur.
Automatisch stand Kyoko auf und verließ das Restaurant. Sie bekam nicht mit, wie die anderen Mädchen ihr besorgt hinterher sahen.
So ist es gut. Und jetzt solltest du vielleicht auf ein...
„Warte! Bitte, warte!“ Homura rannte ihr hinterher und versuchte Kyoko am Arm zu packen.
„Fass mich bloß nicht an!“, knurrte Kyoko und drehte sich schwungvoll um.
Homura erstarrte mitten in ihrer Bewegung und ließ die Hand sinken. „Was ist eigentlich dein Problem?“
„Was mein Problem ist? Du bist mein Problem!“ Kyoko ballte erneut ihre Hände zu Fäusten. Sie war wütend und traurig und wollte ihren Frust unbedingt loswerden.
„Ich? Was habe ich dir getan?“, wollte Homura wissen.
„Beantworte mir nur eine Frage: Bist du in Madoka  verliebt?“
Homura öffnete und schloss ihren Mund wieder. „Was redest du da? Natürlich nicht! Sie ist meine Freundin!“
„Lüg mich nicht an!“ Kyokos Stimme wurde lauter. Sie zitterte leicht, hatte sich nicht mehr unter Kontrolle.
„Ich lüge dich nicht an. Was ist nur los mit dir?“ Homura schüttelte den Kopf.
„Doch, natürlich tust du das! Warum sonst solltest du dich so um Madoka kümmern? Warum sonst willst du sie so beschützen? Du machst dir keine Gedanken um Sayaka oder...oder um mich! Nur um sie!“ Kyoko schossen Tränen in die Augen, doch sie ignorierte sie.
Homura stand da und schüttelte langsam den Kopf. „Du verstehst es nicht.“
„Dann erkläre es mir doch“, knurrte Kyoko.
„Lass uns ein Stück gehen, dann erkläre ich es dir“, sagte Homura.
Kyoko nickte und ging neben ihr her. Ungeduldig wartete sie auf eine Erklärung.
Und Homura fing an zu erzählen. Sie erzählte ihr, dass sie eigentlich aus einer anderen Zeit stammte und am Anfang ein ziemlicher Tollpatsch gewesen sei. Wegen einer Herzerkrankung musste sie für lange Zeit ins Krankenhaus und als sie entlassen wurde, wechselte sie auf die Mitakihara-Mittelschule. Dort lernte sie Madoka kennen und erfuhr auch relativ schnell von den Magical Girls. Doch als eine mächtige Hexe in die Stadt kam, starb Madoka und so wünschte Homura sich, dass sie und Madoka sich noch einmal trafen.
„So erhielt ich die Fähigkeit mit der Zeit zu spielen. Doch es nahm immer das gleiche Ende, egal was ich versuchte. Und dann bat Madoka mich, die Zeit zurück zu drehen und zu verhindern, dass sie ein Magical Girl wird.“
Kyoko hatte aufmerksam zugehört und schüttelte jetzt den Kopf. „Das...das klingt völlig verrückt.“
„Es ist aber so. Ich beweise es dir.“ Homura griff nach Kyokos Hand und plötzlich hörte alles um sie herum auf sich zu bewegen. Fasziniert sah Kyoko sich um.
„Wenn du mich loslässt oder ich dich, wirst du ebenfalls erstarren“, informierte Homura sie und ließ die Zeit wieder weiterlaufen.
„Wow...“, hauchte Kyoko. „Das ist ja cool.“
Homura nickte. „Verstehst du jetzt, warum ich so einen Wirbel um ihre Verwandlung mache? Sie war meine einzige Freundin und es war ihre eigene Bitte.“
„Also...bist du nicht in sie verliebt?“, erkundigte sich Kyoko noch einmal.
Das andere Mädchen schüttelte den Kopf. „Nein, das versuche ich dir ja die ganze Zeit zu erklären.“
„Ich verstehe...aber...nein, vergiss es.“
„Was denn? Erzähl es mir“, bat Homura.
Kyoko schüttelte den Kopf, ging zu ihr und umarmte sie einfach. Homura versteifte sich erschrocken und Kyoko machte sofort ein paar Schritte von ihr weg. Mit einem schwachen Lächeln sagte sie: „Danke für deine Offenheit.“ Dann drehte sie sich um und rannte weg.
Jetzt hatte sie endgültig die Bestätigung dafür, dass Homura sie nicht mochte. Sie wollte noch nicht mal von ihr umarmt werden!
Plötzlich rempelte sie jemand von hinten an. „Ey!“ Empört drehte sie sich um und sah gerade noch wie ein Mann mit ausdruckslosem Gesicht an ihr vorbei ging.
„Sieht nach Arbeit aus“, murmelte Kyoko und rieb ihre Hände in freudiger Erwartung. An einer Hexe konnte sie sich schön austoben und ihren ganzen Frust, ihre ganze Wut auslassen. Doch zuerst musste sie dem Mann helfen.
„Hey, Sie!“ Sie packte den Mann am Arm und zwang ihn so zum stehen bleiben. „Wieso setzen Sie sich nicht für einen Moment und ruhen sich aus?“, erkundigte sie sich und wollte ihn zu einem naheliegenden Geschäft führen.
Doch der Mann schüttelte den Kopf. „Nein, ich muss weiter. In der Nähe soll eine tolle Brücke sein, die muss ich mir ansehen.“ Er riss sich los und lief weiter.
Kyoko fluchte leise und ging ihm hinterher. „Aber doch nicht so spät noch.“
„Doch. Nur so kann sich mein Leben bessern.“
Mit aller Kraft zerrte sie an dem Mann, bis er erneut stehen blieb. „Hören Sie, ich habe jetzt wirklich keine...“ Sie stockte mitten im Satz, denn der Mann hatte eine Pistole aus seiner Jackentasche genommen.
„Zu zweit sterben ist bestimmt schöner“, überlegte er laut und deutete mit der Pistole auf sie. „Vielleicht merkt sie so, dass sie mich eigentlich doch liebt.“
„Sie?“, fragte Kyoko und beäugte die Pistole. Wenn sie sich in ein Magical Girl verwandelte, konnte sie vielleicht...
„Sie hat mich verlassen, weil sie einen anderen hat. Ich habe ihr doch alles gegeben und dennoch...jetzt muss ich...ich muss...“
Kyoko bemerkte, wie seine Augen zu flattern anfingen. Anscheinend hatte die Hexe die Kontrolle abgegeben. Erleichtert packte sie den Mann und verfrachtete ihn auf einen Stuhl, der vor einem Sushi-Restaurant stand.
Schnell verschwand sie. Wenn er aufwachte würde er sich nur noch verschwommen an die Ereignisse erinnern, außerdem konnte sie nicht gut mit so etwas umgehen.
Deswegen hoffte sie jetzt schnell auf die zuständige Hexe zu treffen.

Die Worte des Mannes schwirrten in ihrem Kopf herum. „...vielleicht merkt sie so, dass sie mich eigentlich doch liebt...“ Kyoko schüttelte den Kopf. Sie verwandelte sich in ihre Magical Girl Form und kratzte mit der Speerspitze auf dem Boden, während sie lief.
Es konnte doch nicht sein, dass sie...oder doch? Sie mochte Homura, aber als Freundin...als gute Freundin...als sehr gute Freundin...
„Ah Verdammt!“, fluchte sie und fuhr sich mit der freien Hand durch die Haare. Das durfte doch nicht...wie war dass denn passiert?
Obwohl...das würde so einiges erklären. Zum Beispiel warum sie sich so geborgen in Homuras Nähe fühlte. Hatte sie sich deswegen zurückgezogen?
Doch ehe sie weiter darüber nachdenken konnte, geriet sie in einen Bannkreis. Puppenähnliche Gestalten hüpften um sie herum. Der ganze Bannkreis erstrahlte vor Farben und bereiteten Kyoko Kopfschmerzen. Sie kämpfte sich dennoch tapfer dadurch und gelangte schließlich zur Hexe. Diese sah aus wie eine riesige Marionette. Mit einem riesigen Grinsen sah sie auf Kyoko herab.
Kyoko griff sofort an. So schnell sie konnte fügte sie der Hexe Schäden zu und ignorierte dabei völlig den Schmerz, den die Hexe ihr zufügte. Mit zusammengebissenen Zähnen landete Kyoko auf dem Boden. Sie keuchte und holte zum finalen Stoß aus.
„Endlich!“
Sie verwandelte sich in ihr eigentliches Ich zurück und hielt nach einem Grief Seed ausschau. Leider war keiner zu sehen und so ging Kyoko zurück. Wie lange war es eigentlich her, seit sie ihren Soul Gem gesäubert hatte? Ach, es war auch egal. Morgen würde sie sicher einen Grief Seed bekommen und dann wäre alles gut.

Seufzend ging sie zurück und kam an dem Restaurant, an dem sie denn Mann zurück gelassen hatte. Doch von dem war keine Spur mehr zu sehen. Kyoko hoffte wirklich, dass er sich nicht umgebracht hatte. Aber bestimmt hatten sich andere Menschen um ihn gekümmert.
Neugierig sah Kyoko sich in die vorbeikommenden Schaufenster und Restaurantfenster. Anscheinend waren die anderen Mädchen nach Hause gegangen, denn sie konnte sie nicht mehr sehen.
Kyoko hatte noch keine Lust nach Hause zu gehen, weswegen sie sich entschied zu einem Deich in der Nähe zu gehen. Der Mond spendete genügend Licht und überall um sie herum war es ruhig.
Kyoko genoss die Stille und widmete sich wieder ihrem Gedankenchaos. Gut, sie mochte Homura...sie mochte sie sehr, aber wie sah es bei Homura aus? Sie wollte nicht von Kyoko umarmt werden oder lange in ihrer Nähe bleiben. Was hatte sie falsch gemacht? Homura war nicht in Madoka verliebt, was Kyoko schon einmal beruhigte. Aber das erklärte trotzdem nicht, warum Homura sich so eigenartig in ihrer Nähe benahm. Sie verstand es einfach nicht und Homura wollte anscheinend auch nicht darüber sprechen.
Kyoko seufzte. Sie war an dem Deich angekommen und wollte gerade runter zum Fluss gehen, als sie zwei bekannte Gestalten bemerkte. Leise schlich sie sich näher. Gott sei Dank saßen die beiden Mädchen mit dem Rücken zu ihr, sodass sie nahe genug heran kommen konnte, um das Gespräch mitzuhören.
„Ich kann dich ja verstehen, aber du solltest trotzdem mit ihr reden“, meinte Sayaka.
„Aber sie ist im Moment so...ich weiß nicht...seltsam. Ich bin mir nicht mal sicher, ob sie das alles überhaupt verstanden hat.“ In Homuras Stimme schwang ein Hauch von Traurigkeit mit.
„Ich hab ja von Anfang an gesagt, dass sie ein wenig wahnsinnig ist.“
„Sag so was nicht. Sie ist nicht wahnsinnig. Sie ist eher...sie kann wirklich liebevoll sein“, seufzte Homura und ließ sich nach hinten fallen.
Schnell zog Kyoko sich ein Stück zurück. Aber Gott sei Dank sah Homura sie nicht.
„Das ich nicht lache. Ich wette sie ist nur ein Magical Girl geworden, weil sie dadurch super stark und schnell ist. Fast wie ein Vampir.“
Kyoko verzog das Gesicht. Wusste Sayaka eigentlich was sie da von sich gab? Das war doch totaler Schwachsinn!
„Das glaube ich nicht“, meinte Homura. „Ich wette sie hat einen völlig anderen Grund.“
Sayaka schnaubte und schüttelte den Kopf. „Warum nicht? Es ist ihr doch völlig egal was mit anderen ist. Hauptsache sie bekommt nach den Kämpfen die Griefs Seeds.“
Homura seufzte. „Ich glaube, dass sie uns allen etwas vor macht und in Wahrheit ganz anders ist.“
„Aber du hast doch selbst gesagt, dass sie sich komisch benimmt“, meinte Sayaka verwirrt.
„Ja, tut sie ja auch.“
„Also für mich ist der Fall klar. Vor allem nachdem sie so ein Theater vorhin gemacht hat. Sie mag dich anscheinend.“ Sayaka lachte. „Stell dir das mal vor!“
Homura schwieg.
Kyoko bekam einen Kloß im Hals. Scheiße...
„Hey, was ist los? Warum lachst du nicht mit? Das glaubst du doch wohl nicht, oder?“ Sayaka verschränkte ihre Hände hinter dem Kopf und sah Homura an.
Diese zuckte mit den Schultern. „Das würde einiges erklären“, sagte sie nachdenklich.
„Ja, klar, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Kyoko zu Liebe fähig ist“, meinte Sayaka.
Kyoko hatte genug gehört. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und sagte mit ausdrucksloser Stimme: „Autsch. Sayaka, das war aber nicht nett von dir.“
Erschrocken drehten sich die beiden Mädchen um.
Sayaka stand auf. „Hast du etwa gelauscht? Ich glaub das nicht! Was fällt dir ein?“
„Eigentlich hättest du doch damit rechnen müssen. Schließlich bin ich ja anscheinend zu keinem positivem Gefühl mehr fähig.“
„Und ich hatte anscheinend ja auch recht!“
Kyoko zuckte mit den Schultern. „Wenn du meinst.“ Sie warf einen kurzen Blick auf Homura, aber das schwarzhaarige Mädchen sah nur stumm auf ihre Hände. „Dann hast du ja Glück, dass ich morgen wieder in meinen ursprünglichen Bezirk zurückkehre. Hier braucht mich ja anscheinend niemand mehr.“
„Oh wie schade“, sagte Sayaka mit einem sarkastischen Unterton. „Dann gute Reise.“
Kyoko holte aus ihrer Jackentasche ein verpacktes Brötchen. Sie riss die  Verpackung auf und biss hinein. Anschließend drehte sie sich um und ging weg. Kyubey hatte sie schließlich nur geholt, weil Mami tot war und es sonst nur Homura gab. Aber da Sayaka jetzt da war, konnte sie wieder in ihren langweiligen Bezirk gehen.
Lieber langweilte sie sich zu Tode, als hier noch eine Sekunde länger zu sein.
„Wenigstens sind wir die jetzt los“, meinte Sayaka und setzte sich wieder Homura. Als sie ihren Gesichtsausdruck sah, fragte sie: „Was ist denn los?“
„Irgendwas kam mir komisch vor. Ist dir denn gar nichts an ihr aufgefallen?“ Homura sah in die Richtung in der Kyoko verschwunden war.
Sayaka runzelte die Stirn. „Hm..nicht wirklich. Warum?“
Homura stand auf. Sie musste unbedingt nach Kyoko sehen. Sie fühlte sich schuldig, weil sie Kyoko nicht beigestanden hatte. Homura wusste, dass das andere Mädchen zu positiven Gefühlen fähig war. Doch genauso wie sie, hatte Kyoko lange Zeit ohne wirkliche Gefühle gelebt. Deswegen konnte Homura sie auch so gut verstehen. Und wenn Sayaka genau hingesehen hätte, hätte sie den Schmerz und die Enttäuschung in Kyokos Blick gesehen. Aber sie versteckte ihre wahren Gefühle hinter ihrem frechen Mundwerk und genau das bewunderte Homura an ihr. Sie selbst hatte irgendwann aufgehört richtig zu fühlen. Sie hatte nur ein Ziel: Madoka davon abhalten ein Magical Girl zu werden. Gefühle waren nur im Weg, außerdem was hatten sie überhaupt noch einen Sinn? Schließlich war sie nur eine leere Hülle. Aber Homura hatte eingesehen, dass diese Einstellung falsch war. Gefühle waren menschlich und sie war und blieb nun einmal ein Mensch, wenn auch mit ein paar coolen Extras. Kyoko hatte ihr gezeigt, dass sie ihre Gefühle nicht mehr verstecken musste. Jetzt musste Homura sie nur noch davon überzeugen dasselbe zu tun.
„Schon gut. Ich gehe ihr nach. Irgendwas stimmt da nicht.“ Homura fuhr sich noch einmal durch die Haare und rannte Kyoko dann hinterher.

Kyoko wischte sich wütend über die Augen. Was hatte sie denn bitte auch erwartet? Gott, sie war manchmal so dämlich! Sie hätte einfach nur...ach sie hätte wahrscheinlich nichts dagegen tun können. Gegen solche Gefühle kam sie gar nicht an. Trotzdem hasste sie dieses Gefühl.
Resigniert seufzte sie und ließ sich gegen eine Hauswand sinken. Mit vor Tränen verschleierten Augen sah sie zum dunkelblauen Himmel. Homura...
Am besten sie ging jetzt nach Hause und fing an zu packen. Es wahr wahrscheinlich wirklich besser, wenn Kyoko hier verschwinden würde. Mit hängenden Schultern ging sie zu ihrer Wohnung und fing an zu packen. Da sie viel unterwegs war, besaß sie nicht viel. Deswegen passte alles in eine große Reisetasche. Mit einem letzten Blick in ihre Wohnung seufzte sie und verließ das Gebäude. Zügig ging sie zur nächsten Bushaltestelle und wartete dort auf den Bus. Dieser kam zehn Minuten später. Kyoko stieg auf das Dach des Busses und schloss die Augen.
Nach ein paar Minuten war sie bereits wieder in ihrem alten Revier. Sie stieg vom Bus und schwang sich ihre Tasche über die Schulter. „Willkommen zurück“, murmelte sie.

Die nächsten vier Tage waren der Horror. Kyoko langweilte sich fast zu Tode, weil nichts zu tun war. Ab und zu tauchte mal eine Hexe oder in Familiar auf, aber sonst war hier tote Hose. Sie vermisste Homura und sehnte sich danach zurück zu kehren. Aber sie wusste, dass sie keiner mehr da haben wollte. Sayakas Worte waren schließlich eindeutig gewesen und Homura war der einzige Grund gewesen, warum Kyoko überhaupt noch geblieben war. Aber selbst die wollte Kyoko nicht. Was hatte sie nur an sich, dass keiner sie wollte? Selbst ihr Vater hatte sie verstoßen als erfahren hatte, dass Kyoko durch Magie die Leute dazu gebracht hat ihm zuzuhören. Aber es war ja nicht böse gemeint gewesen, schließlich wollte sie nur helfen. Doch ihr Vater sah das anders.
Kyoko legte den Kopf auf die Knie und starrte auf den Boden. Sie erinnerte sich noch gut an seine Reaktion und auch an das, was danach passiert war. Noch heute vermisste sie ihre Familie schmerzhaft. Ihre kleine Schwester war noch so jung gewesen...
Eine Träne rollte ihre Wange entlang. Und es war alles ihre Schuld gewesen. Ganz allein ihre. Wenn sie nicht versucht hätte ihrem Vater zu helfen, dann wären alle noch am Leben und sie hätte endlich wieder eine Familie. Doch so hatte sie sie alle ins Verderben geschickt und nun musste sie die Konsequenzen davon tragen. Kyoko ballte ihre Hände zu Fäusten. Dann hatte sie endlich ein paar Freundinnen gefunden und hatte auch das versaut. Wahrscheinlich vermissten die anderen sie noch nicht mal. Bestimmt saßen sie irgendwo und lachten über Kyokos kindisches Verhalten.
„Sie wollen einfach niemanden, der sie ins Verderben stürzt.“
Ja. Es war besser, wenn sie für immer alleine blieb. Sie hätte Homura wahrscheinlich auch in den Tod geschickt, wenn sie länger bei ihr geblieben wäre. Kyoko kniff die Augen zusammen, als sich ein leichter Schmerz in ihrer Magengegend ausbreitete. Sie wollte Homura nicht verletzen oder gar töten, dennoch wollte Kyoko jeden Moment mit ihr zusammen sein. Sie vermisste ihre Stimme, ihren Geruch, ihr seltenes Lächeln, einfach alles. Doch Kyoko wusste, dass sie nicht dafür geschaffen war um mit anderen Menschen zusammen zu sein.
Es schmerzte sehr, denn eigentlich hasste Kyoko es alleine zu sein. Sie wollte Menschen um sich herum und vor allem brauchte sie Homura. Sie brauchte einen Menschen an den sie sich lehnen konnte, der immer an Kyokos Seite stand, der immer für sie da war und sie niemals alleine ließ.
„Aber Homura will dich nicht, genauso wenig wie die anderen.“
Ein leises Schluchzen kämpfte sich aus Kyokos Kehle. Warum nur musste das alles passieren? Warum wurde sie verurteilt, obwohl sie nur helfen wollte? Ihr Vater hatte ihr überhaupt nicht richtig zugehört, als Kyoko ihm versucht hatte alles vernünftig zu erklären. Stattdessen hat er sich dem Alkohol zugewandt, ihr ihre Familie genommen und sie einfach alleine gelassen.
„Warum hast du das getan, Papa?“, schluchzte sie leise. „Warum?“
„Er wollte weg von dir. Du bist eine Schande für die Welt.“
Kyoko stand auf. Mit dem Jackenärmel wischte sie sich über das Gesicht. Ihre Gedanken waren das reinste Chaos. Erinnerungen an ihren Vater und Homura vermischten sich zu einem grotesken Gedankenknäuel.
Sie hörte ihren Vater sagen: „Du bist eine Hexe, Kyoko!“
Und sie konnte Sayaka hören, wie sie lachte und sagte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kyoko zu Liebe fähig ist.“
Vielleicht hatte Sayaka recht und Kyoko hatte sich die ganzen Gefühle nur eingebildet. Aber wer sollte sie auch lieben? Ihr Vater wollte lieber sterben, als sie zur Tochter zur haben und Homura wollte bestimmt nicht mit so jemandem wie Kyoko zusammen sein. Immerhin war sie egoistisch, hatte eine große Klappe, verstand keinen Spaß wenn es ums Essen geht und klaute ihr Essen lieber, als es zu bezahlen. Das letzte war noch ein Tick von früher. Da ihr Vater kein Geld mehr verdient hatte, hatte die Familie bald kein Geld mehr und somit auch nichts zu essen. Da Kyoko sich vor allem um das Wohl ihrer Schwester sorgte, fing sie an Essen zu klauen. Natürlich wurde das nicht von ihrer Mutter gebilligt, doch anders kam die Familie nicht an Essen heran. Und so hatte Kyoko das einfach weiter beibehalten.

Kyoko ging in ihr Bett und legte sich hin. Sie zog die Knie bis an die Brust und schlang die Arme darum. Sie fühlte sich leer und sehnte sich nach Homura. Vielleicht...sie wollte nur einen kurzen Blick auf sie werfen...
„Was sollte das bringen? Dadurch will sie dich immer noch nicht.“
Kyoko nickte. Stimmt auch wieder. Am besten sie blieb hier einfach liegen und tat gar nichts. Ihre Augen schlossen sich und sie runzelte leicht die Stirn, als ein seltsames Gefühl sich in ihrer Brust ausbreitete.
Plötzlich hörte sie einen Knall und ein erschrockenes Keuchen. Verwirrt öffnete Kyoko die Augen und sah Homura in der Tür stehen.
„Kyoko!“ Eine Sekunde später stand sie an Kyokos Bett. „Hast du den Verstand verloren?“ Mit fliegenden Händen tastete Homura sie ab, bis sie ihren Soul Gem gefunden hatte. Kyoko hatte ihn schon ganz vergessen und erschrak bei dessen Anblick. Der einst so schöne rote Soul Gem war komplett schwarz geworden. Wahrscheinlich hätte nicht viel gefehlt und sie wäre zu einer Hexe geworden.
„Ich habe dich überall gesucht! Weißt du wie lange ich gebraucht habe, um dich zu finden?“ Homura schüttelte den Kopf und verwandelte sich in ihre Magical Girl Form. Aus ihrem Schild holte sie drei Grief Seeds heraus. „Ich hatte schon damit gerechnet, dass du Dummheiten machst, aber das...“ Sie schüttelte erneut den Kopf. Nach einander hielt sie die Grief Seeds neben den Soul Gem und nach ein paar Sekunden strahlte der Soul Gem wieder blutrot.

Sofort fühlte sich Kyoko besser. Stumm sah sie Homura an.
Seufzend hockte sich Homura vor sie und griff nach ihren Händen. „Du bist wirklich ein sturer Dummkopf.“
„Ich bin weder stur noch dumm!“, fauchte Kyoko, oder sie versuchte es zumindest. Es klang eher wie ein klägliches Miauen. Kyoko grinste leicht. Hatte sie sich wirklich mit einer Katze verglichen?
Homura lachte. „Du bist wirklich süß. Aber jetzt mal im Ernst, warum hast du dich so gehen lassen?“
Kyoko sah weg. Sie würde es doch sowieso nicht verstehen. Warum also erklären?
„Dann rede ich jetzt nur und du hörst zu.“ Homura setzte sich neben Kyoko auf das Bett. „Ich glaube, dass du da einiges missverstanden hast. Sayaka meinte die ganzen Sachen nicht böse. Sie...“
„Sie meinte die Worte genau so! Sie hasst mich und ich mag sie auch nicht besonders“, unterbrach Kyoko sie.
„Weil ihr einen falschen Start hattet. Genauso wie Sayaka und ich. Aber wir haben uns ausgesprochen und kommen jetzt gut miteinander klar. Das solltet ihr auch machen.“ Homura fuhr kurz durch Kyokos Haare. „Du denkst, dass wir dich nicht da haben wollen, richtig? Aber das stimmt nicht. Die letzten Tage waren wirklich nicht besonders toll. Madoka und sogar Sayaka haben mir geholfen die ganze Stadt nach dir abzusuchen. Aber ich habe sie dann nach Hause geschickt und alleine nach dir gesucht. Ich habe mich schrecklich gefühlt und mir furchtbare Vorwürfe gemacht.“
„Das war nicht nötig.“ Kyoko stand auf und ging zum Fenster. „Ich bringe nur Unglück über andere Menschen.“
„Hör auf so einen Quatsch zu sagen. Du bringst kein Unglück über andere. Wie kommst du darauf?“ Homura trat neben sie.
„Ich habe meine Familie auf dem Gewissen. Wegen mir hat mein Vater sich, meine Mutter und meine kleine Schwester umgebracht. Ich bin nicht dazu geschaffen um mit anderen Menschen zusammen zu sein.“ Kyoko legte den Kopf in den Nacken. „Ich hatte mich daran gewöhnt immer nur an mich zu denken. Doch dann...“ Sie drehte sich zu Homura um. „Was habe ich falsch gemacht?“
„Ich verstehe nicht“, gab Homura zu.
„Warum magst du mich nicht? Ist es wegen meiner Persönlichkeit?“
„Wer hat gesagt, dass ich dich nicht mag?“, erkundigte sich Homura.
„Was ist es dann?“ Kyokos Stimme nahm einen verzweifelten Ton an.
Homura seufzte und fuhr sich durch die Haare. „Ich habe schon so lange ohne wirkliche Gefühle gelebt. Ich war überfordert und wusste nicht was passiert, als plötzlich alles auf einmal auf mich einstürmte. Ich mag dich, Kyoko, aber ich brauche ein bisschen Zeit. Ich kann mich nicht von jetzt auf gleich komplett öffnen. Verstehst du das?“
Kyoko nickte. „Klar verstehe ich das.“
„Es liegt wirklich nicht an dir. Du bist toll so wie du bist. Also versuch bitte nicht dich zu ändern und mach dich nicht schlechter als du bist.“ Homura drehte sich zu Kyoko und lächelte. Sie legte eine Hand auf Kyokos Wange und streichelte sie leicht. „Tut mir leid, dass ich so lange gebraucht habe.“
Kyoko schmiegte ihr Gesicht in die Hand. „Jetzt bist du ja da. Ich will dich umarmen.“
Homura nickte, nahm die Hand weg und legte stattdessen ihre Arme um Kyoko. „Komm mit nach Hause, ja?“
„Ja, aber nicht jetzt. Ich will den Moment genießen.“ Kyoko schloss die Augen und seufzte zufrieden. Endlich hatte sie wieder eine Familie.


Ich hoffe, dass euch die Geschichte gefallen hat. Über ein klitzekleines Review würde ich mich seeehr freuen!
Bis zur nächsten Geschichte,
eure Kyoko ^-^
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