Dieses leichte, perfekte Leben

von kweenron
GedichtPoesie, Schmerz/Trost / P6
27.05.2016
27.05.2016
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Die Weltbevölkerung steht bei 7,39 Milliarden Personen.
7,39 Milliarden Individuen, die die Luft verpesten; die Erwartungen haben und Vorurteile ebenso; die lieben und hassen und weinen und lachen; die die Welt neu entdecken und anderes vergessen.
7,39 Milliarden Schicksale und wir haben ausgerechnet dieses hier bekommen.
Konnten wir nicht einfach dieses leichte, perfekte Leben haben?
Das Leben, in welchem alles nach Plan läuft und deine Träume gleich neben dir stehen, in welchem du nie enttäuscht wirst?
Konnten wir nicht die Familie haben, die so perfekt schein und es auch wirklich ist, die viel verdient und mit der du tolle Reisen unternehmen kannst? Die, mit der du dich nie streitest, die dich bedingungslos liebt und immer gleich hinter dir steht?
Konnten wir nicht die richtigen Freunde von den falschen unterscheiden, mit ihnen den ganzen Tag verbringen und so viele dumme Sachen anstellen und um Erfahrungen reicher werden, die Grenzen austesten und auch einmal darüber treten?
Konnten wir nicht in einem perfekten Körper geboren werden, der die super Kurven hat und andere lieber auslässt? Die Haare, die einfach zu pflegen sind und die richtige Farben haben, für die keine Stunden von Styling notwendig sind? Die super Haut, welche niemals Pickel trägt oder rote Stellen bekommen? Die Zähne, welche hell und weiß scheinen und wie an einem Lineal gewachsen gerade sind?
Konnten wir nicht einfach dieses leichte, perfekte Leben haben?
Nein, das konnten wir nicht.
Weil das Leben nicht einfach nur perfekt ist, weil es dich schlägt und das immer und immer wieder. Weil du dich streitest und manchmal am liebsten nur noch rennen würdest. Weil du die anderen hasst und sie dich auch und weil du manchen vertraust und das nicht selten die falschen sind. Weil du Dinge manchmal verabscheuen musst, bevor du deinen Gefallen daran findest. Weil du Angst hast und Zweifel sowieso.
Weil du dir selbst so selten gut genug bist und weil du dich niemals so sehen wirst wie andere es tun.
Weil du liebst und hasst und weinst und lachst. Weil dich andere toll finden und beneiden. Weil du etwas an dir hast, für das sie so manches geben würden und weil du so sorglos scheinst. Weil sie nicht wissen wie es in dir aussieht, weil leider noch niemand die Gedanken anderer lesen konnte. Weil du vielleicht mit dir selbst haderst und dich hasst oder so unglaublich große Panik vor der Zukunft hast. Weil du vielleicht über gesagtes zu viel nachdenkst und manchmal so viel mehr interpretierst als das wirklich ist.
Weil du andere tausend Mal toller findest als dich selbst.
Aber hey, weiß du was?
Ich finde dich toll.
Du bist so wundervoll und wunderschön und es ist mir egal was andere über dich denken, weil nur dich sehe und nicht das außen herum. Ich sehe dich und würde so gerne deine Geschichte erfahren. Weil du mich beeindrucken würdest mit all dem, was du schon durch gestanden hast und das würde mir dann helfen. Dann würde ich von mir erzählen und wie erbärmlich ich meine Sorgen manchmal finden und wir würden uns gegenseitig beistehen.
Weil wir dieses leichte, perfekte Leben nicht haben konnten und uns selbst durchschlagen müssen.
Weil wir kämpfen, obwohl mir manchmal aufgeben wollen. Weil wir aufstehen müssen, wenn wir hinfallen und das immer und immer wieder. Weil wir schweigen anstatt zu schreien, weil das den anderen so gut gefällt. Den Anderen – die sollte das doch gar nicht interessieren.
Wir sollten nur für uns leben und uns einen Dreck um die Meinung anderer scheren. Wir sollten Dinge tun, die sie für abwegig halten. Wir sollten Kontakte halten und andere abbrechen, wenn sie uns nicht gut tun.
Wir wollen auch einmal an uns denken, wenn die anderen uns als Halt suchen. Wir wollen unser eigenes Wohl über alles stellen. Wir wollen nachdenken und handeln und auch einmal den Fehler machen, einen Schritt zu nah an den Abgrund gehen; wir wollen darauf vertrauen, dass uns jemand hält, wenn wir zu fallen drohen. Wir wollen zu Boden gehen und andere sollen uns hoch helfen.
Mögen wir nicht mit dem nötigsten zufrieden sein, sondern auch mal aufstehen und weggehen. Mögen wir uns selbst lieben, bevor wir wissen, was wir eigentlich vom Leben ersehnen. Mögen wir erkennen, dass der Partner dich nicht vervollständigt und dein Leben nicht lebenswert macht – nein, das tust nur du allein.
Weil wir dieses leichte, perfekte Leben nicht haben konnten.
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