Die U.S.S. Hemlis

von Schatana
GeschichteSci-Fi / P12
OC (Own Character)
27.05.2016
15.03.2018
20
26438
 
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
1.Kapitel
Sternenzeit 886616,1     
Nervös lief Victoria Bennett den Gang hinunter zum Büro von Admiral Sawyer. Noch ehe sie auf den Klingelknopf drücken konnte, rief eine Stimme: „Herein!“ und die Tür öffneten sich mit einem leisen Zischen.
„Guten Tag, Captain. Freut mich, dass sie gekommen sind! Bitte, setzen Sie sich doch“, begrüßte sie der Admiral.
„Guten Tag, Sir.“ Sie setzte sich ihm gegenüber an den Schreibtisch.
Admiral Sawyer war eine kleine gedrungene Gestalt mit einer Glatze. Außerdem schien er dauerhaft böse zu gucken.
„Was wir heute hier besprechen, darf diesen Raum bis auf weiteres nicht verlassen.“
Sie versuchte sich die Nervosität nicht anmerken zu lassen und nickte. „Natürlich.“
„Kaffee?“ Admiral Sawyer lief zum Replikator.
„Nein, danke.“
„Kommen Sie schon, wenigsten einen Tee. Diese Besprechung kann dauern.“
Sie nickte widerwillig. Eigentlich wollte sie so schnell wie möglich hier raus. Was auch immer er ihr mitteilen wollte, musste zwar sehr wichtig sein, aber sie war sich unsicher, ob sie es überhaupt wissen wollte.
Als wenige Sekunden später eine dampfende Tasse Tee vor ihr stand, herrschte kurzes Stillschweigen, in denen der Admiral sie mit seinen kalten grauen Augen musterte, ehe er anfing zu reden.
„Ich habe einen Auftrag für sie, Captain Bennett. Haben Sie jemals etwas von der U.S.S. Hemlis gehört?“
„Nicht sehr viel, muss ich zugeben. Es schien mir als seien diese Informationen eher zurückgehalten, als bekannt gegeben worden, wenn ich ehrlich bin“, antwortete sie zögernd.
Der Admiral nickte nachdenklich. „Ich muss Ihnen Recht geben, Captain. Dieses Schiff befördert unsere neueste Technologie und ist aus den besten Ressourcen überhaupt gebaut.“
„Und was hat das mit diesem Auftrag zu tun?“
„Dieses Schiff ist vor etwas mehr als einer Woche gestartet. Vor ein paar Tagen kamen einige Fluchtkapseln in der Umlaufbahn der Erde an. Alles Mitglieder der U.S.S. Hemlis.“
„Ist die U.S.S. Hemlis explodiert oder so was?“, hakte sie nach, als er schwieg.
Admiral Sawyer schüttelte den Kopf.
„Ist sie von einer anderen Spezies übernommen worden?“
Wieder schüttelte er den Kopf. „Schön wär’s. Leider ist sie von unseren eigenen Leuten übernommen worden. Zumindest haben sie sich als solche ausgegeben. Nein, die U.S.S. Hemlis wurde von einer Sternenflottenfeindlichen Organisation namens Sloboda entführt.“
„Entführt?“
Er nickte. „Haben Sie schon mal etwas von diesen Barbaren gehört?“
„Nun, das habe ich. Aber ich würde sie nicht als Barbaren bezeichnen. Auch sie kämpfen ehrenwert für ihre Ziele und bisher ist noch keiner zu Schaden bekommen.“ Ihr war sofort bewusst, dass sie das besser nicht hätte sagen sollen und wünschte sich sie hätte den Mund gehalten.
„Zweifeln Sie etwa an den Zielen und der Vorgehensweise der Sternenflotte, Captain? Oder sind sie eigentlich auch ein Sloboda und haben sich ebenfalls in der Sternenflotte als Spion eingeschleust?“ Der Admiral musterte sie erneut mit zusammengekniffenen Augen.
„Natürlich nicht, Sir. Vergessen Sie, was ich gesagt habe. Das war dumm. Entschuldigen Sie.“ Victoria versuchte gelassen zu bleiben.
„Na schön. Ihr Auftrag wird es sein, die U.S.S. Hemlis zu finden und sie zurück zur Sternenflotte zu bringen.“
Sie schluckte.
„Ach und falls Sie unterwegs noch ein Shuttle finden sollten, das zwar nach Sternenflotte aussieht sich aber nicht als solches identifizieren lässt, bringen sie es doch bitte auch mit. Wir werden alle Shuttles, die in unserem Auftrag unterwegs sind mit einem Code ausstatten. Sollte ein Shuttle diesen Code nicht besitzen, dann wissen Sie Bescheid. Weitere Informationen lasse ich Ihnen in den nächsten Tagen zu kommen.“
„Ist da noch irgendetwas, was ich über die U.S.S. Hemlis wissen sollte, Sir?“, fragte der Captain.
„Wie meinen Sie das?“
„Sie haben von neuen Technologien gesprochen. Und ich möchte nur ungern unangenehm überrascht werden, wenn wir die U.S.S. Hemlis übernehmen, Sir.“
„Nichts von Bedeutung, Captain. Seien Sie einfach vorsichtig. Wegtreten.“
Victoria Bennett verließ das Büro des Admirals mit einem unguten Gefühl. Nicht nur der unappetitliche Tee (mal im Ernst: Minze mit Vanille?), sondern auch der Auftrag waren ihr auf den Magen geschlagen. Irgendetwas schien an der Sache faul zu sein. Die Sache mit der U.S.S. Hemlis schien ihr sehr verschleiert worden zu sein. Wenn sogar sie als Captain nur so wenig erfuhr… Und dann war da noch die Sache, dass der Admiral sie gebeten hatte Stillschweigen über die Sache zu bewahren. Das Ganze kam ihr nicht wie ein offizieller Auftrag vor. Am liebsten hätte sie den Auftrag abgelehnt. Doch der Admiral hatte ihr mit seiner Art der Selbstverständlichkeit zu verstehen gegeben, dass sie das besser lassen sollte.
Sie ahnte, dass das Ganze ihr große Schwierigkeiten einbringen würde. Doch wie sehr ahnte sie damals noch nicht.
Sternenzeit 886831,2
Alessandra lief nervös im Shuttle auf und ab, während sie sich durch die blonden kurzen Haare fuhr. Eigentlich müsste er schon längst hier sein, dachte sie.
Ungeduldig wartete sie auf Jake, der versprochen hatte, sie hier am abgemachten Treffpunkt abzuholen. Der Zeitpunkt dafür war bereits vor einigen Stunden gewesen und nun hatte sie Angst, dass sie vielleicht von der Sternenflotte entdeckt werden würde. Das Shuttle zu stehlen war ein Leichtes gewesen, zumal sie Hilfe von einem ihrer Leute bekommen hatte, der als Lieutenant in der Sternenflotte arbeitete. Sie konnte nur hoffen, dass er rechtzeitig verschwunden war, ehe irgendwer gemerkt würde, dass er ihr geholfen hatte. Und jetzt schwebte sie hier im Raum auf der Stelle und wartete darauf, dass sich dieser Diebstahl lohnt.
Was ist, wenn etwas passiert ist?, schoss es ihr durch den Kopf. Was wenn es ihm nicht gelungen ist die U.S.S. Hemlis zu übernehmen? Auf so einen Fall hatten sie sich nicht vorbereitet. Kein Zeichen ausgemacht, das er ihr geben konnte in so einem Fall. Im Nachhinein erschien ihr das dumm und leichtsinnig.
Ein plötzlicher Signalton der Sensoren, ließ sie zusammenzucken und ihren Lauf unterbrechen. Schnell hastete sie zu der Konsole.
Die Sensoren hatten ein Schiff erfasst welches mit zunehmender Geschwindigkeit auf sie zu hielt. Erleichtert atmete sie aus. Das musste die U.S.S. Hemlis sein! Doch als sie einen weiteren Blick auf die Anzeige warf um sich zu versichern, fiel ihr auf, dass das Signal, welches die U.S.S. Hemlis auf einer bestimmten seltenen Frequenz ständig aussenden sollte, nachdem es übernommen wurde, fehlte. Erschrocken ließ sie sich in den Sessel fallen und startete den Warpantrieb, um so schnell wie möglich von hier zu verschwinden.
Scheiße, scheiße, scheiße, schoss es ihr die ganze Zeit durch den Kopf.
Kurz bevor sie mit Warp losflog, ging ein Ruckeln durch das Schiff. Die Sensoren zeigten an, dass das andere Schiff sie mit einem Traktorstrahl erfasst hatte und ihr damit jede Fluchtmöglichkeit stahl. Sie versuchte diesem Traktorstrahl zu entgehen, doch nicht einmal ein Impuls, den sie durch den Strahl zurückschickte, zeigte Wirkung.
Der Traktorstrahl zog sie langsam aber sicher Richtung Hangar des anderen Schiffes.
Plötzlich erschien auf dem Bildschirm das Bild einer Frau Anfang Dreißig mit kastanienbraunen Haaren, die in dem Licht leicht rötlich erschienen. Ihre dunkelbraunen Augen musterten sie. Zeigte sich da etwa eine Spur von Mitleid in ihnen?
„Ich bin Captain Victoria Bennett von der U.S.S. Argentum. Identifizieren Sie sich!“
„Vergessen Sie’s! Eher sollten Sie ihren Traktorstrahl abbrechen und mich laufen lassen, wenn sie nicht wollen, dass gleich meine Freunde kommen und mich abholen werden!“ Am liebsten hätte sie ausgespuckt, doch sie wollte keinen hässlichen Fleck in der Inneneinrichtung ihres Shuttles hinterlassen. Außerdem hätte es eh nicht viel gebracht.
Jetzt zeigte sich deutlich Mitleid in den Augen des Captains, was nur den Missfallen seitens Alessandra weckte.
„Sie meinen die U.S.S. Hemlis?“, fragte Captain Bennett. Sie war sich sicher, dass das nur eine rhetorische Frage gewesen war, doch sie schwieg. Sie fragte sich, woher die Sternenflotte von diesem Treffpunkt wusste und dass sie auf die Hemlis wartete. Gab es etwa eine undichte Stelle bei den Sloboda?
„Es wäre nett wenn sie hier vorbei kommen würden…“, sinnierte der Captain. „Dann müssten wir nämlich nicht weiter nach ihnen suchen. Sie scheinen ja zu wissen, wo sie sich aufhalten, nicht wahr? Ich denke, wenn Sie sich stellen, dann wird es eine Strafverminderung geben.“
Alessandra schwieg weiterhin. Tatsache war, dass sie nicht wusste, wo sich die U.S.S. Hemlis derzeit aufhielt und verpasste ihr innerlich einen Stich. Denn die Übernahme musste erfolgreich gewesen sein, sonst hätte die Sternenflotte die Argentum wohl kaum auf Suche nach ihrem Schiff losgeschickt.
„Ich rate Ihnen noch einmal, mich gehen zu lassen! Sie haben keine Ahnung mit was für einem Schiff sie es tun haben!“, versuchte sie es noch einmal.
Wenn sie ehrlich war, wusste sie es selbst nicht einmal. Sogar Jake wusste nur, dass es neue Technologien an Bord gab, bevor er mitflog, mehr wurde ihm nicht erzählt und das obwohl er der 1. Offizier war. Mittlerweile war er wahrscheinlich schlauer geworden, doch da seit dem Start aus Sicherheitsgründen kein Kontakt mehr bestanden hatte, wusste sie nicht mehr als das.
Captain Bennetts Blick glitt in die Ferne. Anscheinend war auch ihr nicht viel erzählt worden. Sie drehte sich um und schien ihren Kommunikator zu betätigen. „Holen Sie sie aus dem Shuttle und bringen Sie sie in Arrestzelle 2.“
Erst jetzt bemerkte Alessandra, dass sie sich bereits im Hangar befand. Die Stunden des Wartens schienen sie müde und unaufmerksam gemacht zu haben, ansonsten konnte sie sich nicht vorstellen, wie es möglich war so etwas nicht zu merken. Normalerweise hätte sie sich mit allen Mitteln gehen die Sicherheitsleute gewehrt, doch sie hatte das Gefühl, dass ihr das nicht viel bringen würde und deshalb ließ sich aus ihrem Shuttle in den Turbolift bringen ohne einen Finger zu rühren.
Die beiden jungen Männer von der Sicherheit beachteten sie nicht weiter, sondern starrten stattdessen die Turbolifttüren an. Die beiden könnten Zwillinge sein, so sehr ähnelten sie sich. Sie hatten beide schwarze Haare und warme dunkelbraune Augen, waren beide an die 1, 80 m groß und hatten breite Schultern. Nur der Mann rechts neben ihr schien einige Zentimeter großer zu sein, als der zu ihrer linken.
Der Lift hielt und der zu ihrer Linken packte sie vorsichtig am Arm.
Die Chance, schoss es ihr durch den Schädel. Als sei es ein Reflex riss sie sich los und rannte in Richtung Turbolift. Doch sie hatte den anderen falsch eingeschätzt. Der schien nämlich darauf gefasst zu sein und hatte sogleich die Arme um ihre Taille geschlungen und damit fest im Griff.
Sie ließ locker. Einen Versuch war es immerhin wert. Auch wenn sie nicht geglaubt hatte mit ihrem Shuttle entkommen zu können. Den die beiden hätten sicherlich sofort ihren Freuden Bescheid gegeben und diese hätten sie dann sicherlich abgefangen.
Sie wurde einen Gang weiter durch eine Tür geschoben. In dem Raum befanden sich vier Arrestzellen und sie fand sich kurz darauf in der Zweiten wieder.
Alessandra ließ sich auf die Liege fallen und lehnte sich mit der Schulter gegen die Wand.
Die Fransen ihres Ponys versteckten die Tränen, die nun über ihre Wangen kullerten.
„Jake…“, flüsterte sie. „Bitte beeile dich…“
Review schreiben