7 - Utopia

von Emares
GeschichteAllgemein / P12
Goal Rufus
26.05.2016
12.07.2016
8
13.179
3
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.05.2016 1.530
 
Dunkelheit... hier herrschte nichts als Finsternis. Wie nur war er hier gelandet?
Er ahnte, dass er einige Zeit ohnmächtig gewesen sein musste, aber was er in dieser seltsamen Kiste machte, daran konnte er sich nun wirklich nicht mehr erinnern. Er wusste nur, dass er fürchterliche Schmerzen in Brust, Beinen und Armen hatte und hier zusammengekauert hockte, während er mit dem Kopf an eine Decke stieß. Armfreiheit war ebenfalls kaum vorhanden und irgendwelches Gerümpel stieß ihn von allen Seiten an.
Unter enormer Pein hob er den Kopf leicht an und bemerkte, dass über ihm eine Art Klappe war, die sich etwas öffnete und ein dunkles, diesig-blaues Licht einließ...

Es half nichts: auch wenn jede Bewegung schmerzte, musste er all seine Kräfte zusammen nehmen und sich irgendwie aus dieser misslichen Lage befreien. Langsam bewegte er eine Hand nach oben und drückte sie vorsichtig an eine Wand. Er spannte seine Muskeln an, soweit es ging und erhob sich ein Wenig, sodass der Deckel noch weiter aufging. Eben so bedächtig, wie er die erste Hand nach oben geführt hatte, griff er nun mit seiner Zweiten nach dem entblößten Rand. Zentimeter um Zentimeter erklomm er die in jeder anderen Situation so lächerlich wirkende Höhe. Als sein Kopf gerade herauslugen konnte und er begann, sich mit dem Unterarm ab zustüzen, fiel ein Feuerlöscher das Gerümpel herunter und knallte auf seinen Fuß. Der Schmerz ging unter in dem Meer aus Körpersignalen, welche seinen Leib fluteten. Doch die neue Haltung half tatsächlich; die müden Knochen wurden deutlich besser durchblutet und der Lebenssaft verdrängte zumindest den Schlaf aus Armen und Beinen.
Nach und nach gewöhnten seine Augen sich an die Umgebung und er erkannte, dass er sich in einer Art Gefährt befand, in einer Kiste hinter zwei Flugzeugsitzen. Vor ihm, hinter dem anderen Sitz, waren mechanische Geräte gelagert. Der Sitzplatz neben seiner Position versperrte die Sicht auf den Rest, also richtete er sich vollends auf.
Vor den Stühlen für die Piloten befand sich eine Art Luke, auf der in der Mitte ein Brett festgenagelt war und Licht drang durch ein Bullauge links daneben hinein.
Jetzt fiel es ihm wieder ein!

Rufus war eine Schrottlawine herunter gesurft und dabei gestürzt. Als die Utopianer, die ihn verfolgt hatten, abgelenkt waren, kroch er aus seinem Loch und versteckte sich in ihrer Zeitmaschine in der Kiste in der Rückbank. Hier hatte er das Bewusstsein verloren. Er wollte eigentlich Zukunfts-Goal warnen, damit diese nicht mit seinem Original-Ich auf Deponia stürzte und starb.
Aber wenn die Elefanten in ihre Heimat zurückgekehrt waren, wie er sich so langsam aus seinen Wachträumen zusammenreimte, dann musste er Erfolg gehabt haben. Goal hatte losgelassen, Original-Rufus war gestorben und konnte somit Deponia nicht gesprengt sowie Utopia gleich mit verwüstet haben.
Er... ein er musste also erfolgreich gewesen sein und deswegen hatte er wohl auch überlebt und war nun hier.

     „Soweit so unklar... was soll ich aber jetzt machen!?“, fragte er sich und sah sich gemächlich um. Vor ihm war ein Flugzeugfenster angebracht, welches jedoch zugezogen worden war. Behutsam und dennoch laut knackend wandte er sich der Wand in seinem Rücken zu. Auch hier war ein baugleiches Sichtfenster angebracht, nur spiegelverkehrt. Licht, wenn er hier etwas machen wollte, brauchte er mehr Licht. Also erhob er seinen rechten Arm über seine Schulter und ertastete den Schieber. Trotz der Spannung seiner Muskulatur, die ihn fast wieder das Bewusstsein verlieren ließ, schaffte er es, die Verdunklung hochzuziehen und weitere Beleuchtung in die Kapsel fließen zu lassen. Endlich konnte er den Boden vor sich deutlich erkennen und den Platz, den er hatte, um sich aus dieser Rümpelkiste zu befreien.
     „Also dann...“, wollte er über den Rand klettern, doch verlor das Gleichgewicht und plumpste zwischen die Sitze, wobei er erneut ohnmächtig wurde.

Wenig später erwachte er wieder. Noch auf dem Rücken liegend besann er sich dieses Mal schneller und stand, wenn auch unter gleichen Schmerzen, aber mit deutlich weniger Vorsicht auf. Noch einen Buckel machend sah er durch den diesigen Raum und ließ sich in den Sessel des linken Sitzes fallen.
     „Was ist denn das?“, schaute er an die Wand neben seinem Platz und erblickte einen roten Knopf. Auch wenn dieses Ding wahrlich verlockend war, wandte er sich zu der anderen Seite und bemerkte, dass es dort ebenfalls eine solche Taste gab.
Zu der Erkenntnis gelangt, dass es sich demnach nicht um die Selbstzerstörung handelte, weil es die ja immer nur einmal geben konnte, zögerte er keine Sekunde mehr und schlug seine Faust darauf.
Die Dichtung der Türe raunte und Druckluft zischte, als das Gefährt sich vor ihm öffnete. Er wurde kurz geblendet, denn mit dem Notausgang aktivierte sich ebenfalls die Beleuchtung des Umok.
Ein heller, fast engelsgleicher Schein ergoss sich nach draußen und machte den Blick auf platingraue Metallfliesen frei.
Mit einer ungeahnten Bedacht stemmte er sich auf, um einen Schritt auf den Holzsteg nach draußen zu tun. Doch er zögerte weiterzugehen – die Schattierung der Außenwelt stand in derartig krassem Unterschied zum Innenraum, dass es ihm fast so vorkam, als würde er vom Leben in den Tod treten und damit in die Vergessenheit.
     „Seit wann bist du so vorsichtig? Angst vor dem Tod kennst du doch gar nicht!“, machte er sich selbst Mut und tapste nach draußen. Wieder brauchten seine Augen einem Moment und dann konnte er vor sich eine riesige Metallwand sehen, mit einer Art Notausgang, welcher dieses bläuliche Licht von sich gab, das er zu Anfang wahrnehmen konnte. Die Wand ging sehr hoch, höher, als er seinen Kopf zu erheben vermochte. Weil sein Magen begann, wie Feuer zu brennen, griff er sich an den Bauch und drehte sich seiner Rückseite zu.

Neben der Zeitmaschine, aus der er gerade erst entkommen war, standen etliche Weitere, ebenso dahinter in Reih und Glied. Wenn auch mit leichten Abweichungen in Form und Bemalung, waren sie doch alle sehr ähnlich und erinnerten an eine Art Flugzeugstaffel aus alten Toastern.
Er musste sich in einem Hangar befinden, dachte er sich, als er langsam wieder zu der großen Wand humpelte. Und wo ein Notausgang war, da musste es auch einen Medizinkasten geben.
Einige schwerfällige Schritte auf das kryptische Zeichen über der Türe zu, konnte er es sehen: einen kleinen, graublauen Kasten neben dem Ausgang.
Erschöpft, gleichwohl mit starkem Willen lehnte Rufus sich an die Wand neben dem Kästchen und begann, daran herumzufummeln. Er wollte es gerade aufgeben, da brach der Haltestift und die Klappe sprang nach vorne auf, wodurch alles, Pflaster, Verbände, Alkohol, heraus auf den dunklen Boden fiel. Alles bis auf eine rosa Tube.
Auf der Tube war ein Elefantentotenschädel zu sehen und ein glücklich lächelnder Elefant rechts daneben, sowie einige Zeichen, die er nicht entziffern konnte.
Er mutmaßte, dass es sich um eine Art Salbe handeln musste, die Lebewesen heilen konnte... oder sie bis auf die Knochen auflöste.
     „Aber ist es zur inneren oder äußeren Anwendung!?“, rätselte er, während er die Tube aufdrehte. Die Portion musste nagelneu sein, denn sie war noch nicht auf gestochen. Mit dem Nagel in dem Deckel überwand der Antiheld dieses Hindernis jedoch schnell. Spontan entschied er sich für die Nutzung als Krem und drückte einen Tupfer auf seine rechte Hand aus. Er erkannte, dass sie die gleiche Farbe und Konsistenz hatte, wie Ziegenmilch mit Erdbeerstückchen, als er sie mit seiner Linken verrieb, da sickerte sie blitzschnell in seine Haut ein.
Ein gällender, stechender Schmerz riss ihn aus seinen Gedanken und er befürchtete, dass die Hand sich gleich bis auf die Knochen auflösen würde, da sah er, wie die blauen Flecken darauf verschwanden und im nächsten Moment verspürte er von dieser Hand nicht den Hauch eines Schadens.
Jetzt war er sich sicher: es war eine Heilpaste! Zügig, fast gierig, begann er, sich mehr und mehr von der Salbe aufzutragen.

Einige Minuten und diverse Krümmungen später hatte er das Wundermittel aufgebraucht. Es hatte nicht ganz gereicht, aber die schlimmsten Verletzungen, insbesondere die Lebensbedrohlichen waren getilgt.
     „So, das muss ausreichen!“, stolzierte er, wenn auch leicht geknickt, wieder zur Zeitmaschine. Seine Knochenbrüche und Blutungen hatte die Wundersalbe zwar geheilt, aber das Atmen fiel ihm immer noch schwer und sein Herz schmerzte mit jedem Schlag.
Lässig ließ er sich in den Sitz fallen und drückte den Knopf zwischen Piloten- und Beifahrerplatz.
Ein dumpfes Pipsen ertönte und signalisierte, dass die Maschine sich verweigerte, den Bildschirm herunterzufahren, mit dessen Hilfe man das Sprungziel auswählen konnte.
     „Was soll das?“, grummelte er und drückte erneut auf den Knopf. Doch wieder ertönte das gleiche Geräusch. Auch zwei weitere Drücker später verweigerte das Gefährt seine Zusammenarbeit und Rufus stand wieder aus.
Er ging zur nächstbesten Zeitmaschine und wollte sie gerade öffnen, doch erkannte er keinen Hebel oder Schalter. So schlug er mit beiden Fäusten dagegen.
     „Ich muss Goal doch sagen, dass es mir gut geht!
     „Was haben Sie hier verloren!?“, ertönte die Stimme eines Elefanten, welcher in der Bekleidung eines Wachmannes in der Tür des Hangars stand.
Rufus konnte nur noch: „Schrott“, sagen, da stürmte der Dickhäuter bereits mit erhobenem Schlagstock auf ihn zu.
Review schreiben