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The Dirty Intentions

von Serpa
Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P16 / MaleSlash
Vains of Jenna
26.05.2016
26.05.2016
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6.009
 
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The Dirty Intentions

*

- [Lizzy DeVine & Eiliv Sagrusten (The Cruel Intentions)] Eiliv hegt einen Traum: Er möchte endlich mit einer Band durchstarten, findet aber keine Mitmusiker. Erst, als er seinem neuen Nachbarn auf dem gemeinsamen Balkon begegnet, scheint der Stein ins Rollen zu kommen. Doch Eiliv sollte sich nicht zu früh freuen, denn Liz legt nicht nur Wert darauf, dass er einen guten Job hinter dem Schlagzeug hingelegt. Schließlich können Nächte im Tourbus verdammt lang und verdammt einsam sein, weswegen Liz da ein süßer Junge gerade recht kommt... -

*

You can't blame Liz for his dirty intentions, my dear...

*




"Eiliv!"
"Nein!"
"Eiliv!!"
Der Junge rollte seufzend mit den Augen und tat dann tatsächlich das, was ganz im Sinne seiner Mutter war - er packte den Hals seiner Gitarre und lehnte das Instrument notgedrungen an sein Bett, um dann vor seiner alten Herrin hörig wie eh und je auf den Knien zu rutschen. Allerdings konnte sie sich darauf gefasst machen, dass er nicht mit der weltbesten Laune brillieren würde. Wer ihn bei seinem Hobby störte, der musste dafür büßen.
So tappte er schon recht geladen durch sein Jugendzimmer, drückte brutal die Türklinke nach unten, nur um dann direkt vor seiner Mutter zu stehen, die wohl bereits im Flur auf sein Erscheinen gewartet hatte.
"Was?", grummelte er und strich sich fahrig die halblangen, schwarzen Haare nach hinten. Ganz zu seinem Leidwesen schlich sich ein belustigtes Lächeln auf das Gesicht seiner jungen, zugegeben sehr hübschen Mutter, von der er so viel optische Raffinessen geerbt hatte.
"Oh, hab ich dich bei den Unihausaufgaben gestört?", übte sie sich in offenbar gespieltem Mitleid, was Eilivs Laune selbstverständlich auch nicht besserte und seine verhärteten Gesichtszüge erst recht nicht erweichte. Verdammt, bei seinen Unihausaufgaben wäre er hin und wieder tatsächlich gern gestört worden - aber komischerweise wollte gerade dann niemand etwas von ihm. Immer nur, wenn er den wirklich wichtigen Dingen des Lebens nachging, rief man seinen Namen und beorderte ihn zu irgendwelchen Hausarbeiten ab. Genau wie heute.
Den Wäschekorb hatte er natürlich längst entdeckt, da musste seine Mutter nicht erst mit ihrem manikürten Finger darauf zeigen. Worte hätte sie sich genauso gut ebenfalls sparen können. So viele Möglichkeiten gab es schließlich nicht bezüglich dessen, was man mit gewaschener Wäsche anstellen konnte.
"Könntest du die bitte auf dem Balkon aufhängen gehen?", fragte seine Mutter ihn nun zur Abwechslung etwas einfühlsamer, sanfter. "Ich hab doch noch mit dem Abendessen zu tun, und ehe du nur gelangweilt in deinem Zimmer rumsitzt..."
Seine ohnehin schon miese Laune rutschte vollständig in den Minusbereich. Gelangweilt in seinem Zimmer herumsitzen? Pah. Wieso raffte eigentlich niemand, dass er nicht nur aus Langweile auf seiner Gitarre spielte oder sich hinter sein über alles geliebtes Schlagzeug schwang? Verflucht, er studierte sogar Musik, und trotzdem würde er für seine Familie wohl stets der Junge, Wilde bleiben, der den unsinnigen Traum hegte, in einer richtigen Band zu spielen, die richtige CDs verkaufte und richtige Konzerte vor richtigen Menschen gab. Nein, er wurde von all den Unwissenden dafür belächelt. Kein Wunder, dass Wäscheaufhängen vermeintlich wichtiger war als das Schreiben von neuen Songs und das Üben von alten.
Da er über all die Jahre jedoch gelernt hatte, dass es nicht viel brachte, seiner Mutter zu widersprechen, bückte er sich nach dem Wäschekorb und hob ihn hoch, klemmte ihn sich unter den Arm.
"Aber nächstes Mal macht Mari das", murrte Eiliv eingeschnappt und warf seiner Mutter einen unerfreuten Blick zu, welcher diese allerdings auch nicht sonderlich zu beeindrucken wusste.
"Mari muss für ihre Prüfung lernen", kam es lediglich zurück, woraufhin Eiliv noch in der Wohnstube, an die sich der Balkon anschloss, so laut seufzte, dass es schon fast dem Stöhnen eines sterbenden Schwanes glich.
Diskussion zwecklos, verriet ihm sein Hirn. Seine Schwester Mari mochte die Einzige sein, die wirklich kapiert hatte, dass ihm die Musik ernst war, denn nicht umsonst war sie ein fast noch größerer Freak als er, was ihren Style und ihre Lebensweise anging, aber wenn es um die verhasste Hausarbeit ging, dann schob sie auch eine Ausrede nach der anderen vor. Der große Bruder würde ja schließlich auch einmal einen Haushalt und eine nette, kleine Familie haben, da konnte er schon jetzt mal dafür üben. Aber dass er sich eigentlich mehr zu Kerlen hingezogen fühlte, wusste noch nicht einmal seine tolerante Schwester. Ging ja auch niemanden etwas an, fand er. Schließlich wollte nicht mal er selbst etwas davon wissen. Mit seinem Musikerwunsch war er schon Minderheit genug, da musste er sich nicht noch zur Homosexualität bekennen. Das brachte nur Stress, und Eiliv hasste Stress. Er blockte seine Kreativität.

Bereits, als er die Balkontür öffnete, sah er, dass sich auf dem kleinen Vorbau jemand aufhielt. Als er also an die frische Luft trat, wollte er schon dazu ansetzen, seiner werten Schwester darüber einen Vortrag zu halten, dass sie ja wirklich die Wäsche hätte aufhängen können, wenn sie denn schon neben dem Ständer saß. Doch kaum, dass er den zweiten Fuß über die Schwelle gesetzt hatte, blieb ihm das Wort auch schon im Halse stecken; das hier war gar nicht Mari, sondern ein verdammter Typ, der chillig in einem Liegestuhl seine Zigarette rauchte. Sein Blick traf sich unmittelbar mit dem des Unbekannten, und seltsamerweise war alles, was Eiliv im ersten Augenblick wahrnahm, wie die Sonne seine hellen Augen zum Strahlen brachte. Er hatte nie viel für Augen übrig gehabt, und so schön waren die des Typen nun auch wieder nicht, aber diese Sekunde hatte ihn dennoch fasziniert. Dann erst entschied er sich dafür, dessen Gesicht auch als ganz attraktiv einzustufen - allerdings mit Vorbehalt. Sein Misstrauen blockte seine Hormone dann doch ein wenig.
"Ähm...was machst du hier?", presste er hervor, noch immer den schweren Wäschekorb unter dem Arm haltend, da er vor lauter Verwunderung nicht dazu gekommen war, ihn abzustellen. "Bist du einer von Maris seltsamen Punkerkumpels oder-?"
Der Mann jedoch nahm es ganz gelassen, zog an seiner Zigarette und blies dann in aller Ruhe den Rauch aus.
"Nein, Mann, ich wohne zufällig hier."
Offenbar machte Eiliv nun ein so dummes Gesicht, dass der Typ auflachen musste und äußerst belustigt mit dem Kopf schüttelte.
"Nun mach deinen süßen Mund wieder zu, Kleiner, nicht, dass da noch die Käfer reinkriechen."
Eiliv tat tatsächlich wie befohlen, aber er kam nicht umhin, die Stirn zu runzeln. Das Ganze war ihm zu hoch. Hatte Mari etwa ihren Freund hier eingeschleust? Nein, das war ziemlich unwahrscheinlich - der Kunde im Liegestuhl war dann doch etwas zu alt für eine Sechzehnjährige. Dass Eiliv sogar noch Zeit hatte, sein Alter zu schätzen, überraschte ihn selbst, aber er tat es wirklich. Der Kerl mochte volle Lippen haben sowie ziemlich lange, dunkle Haare, die ihn samt seiner lässigen Körperhaltung als Rebell schlechthin auszeichneten, der ganz sicher nicht viel für Frau und Kinder übrig hatte, aber die Dreißig hatte er sicherlich schon längst überschritten. Das mochte ihn zu alt für Mari machen, die sich mit Typen ihrer Klasse abgab, aber Eiliv tickte da ein wenig anders. Eiliv hatte schon immer ein heimliches Faible für etwas ältere Musiker gehabt. Mit Milchbubis konnte er nichts anfangen.
Da er sich nun wieder ansatzweise gefangen hatte, stellte er nun den Wäschekorb auf den Boden und begann nach einigem Zögern tatsächlich, ein Shirt herauszunehmen und es mit den Klammern am Ständer zu fixieren. Doof, dass er sich dabei genauestens beobachtet fühlte, aber so war es eben. Man durfte sich seinen Unmut diesbezüglich nur nicht anmerken lassen. Auch wenn es schwer war, wenn man genau spürte, dass man nicht nur angeschaut wurde, sondern regelrecht geblickfickt.
"Macht tausend Kronen die Stunde", meinte er also, während er sich nach einem Paar Socken bückte, um es anschließend ebenfalls aufhängte. Er hörte, wie sein Zuschauer lachte.
"Für tausend Kronen darfs dann aber schon ein bisschen mehr sein, findest du nicht auch?"
Eiliv hielt inne und blickte den Typen verdattert an, der sich seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen keiner Schuld bewusst war. Okay, nur nicht provozieren lassen, beschloss Eiliv und beschloss, sein Pokerface zu wahren. Auch wenn er nicht mehr aus dem Hinterkopf bekam, dass der Kerl ohne Frage mit ihm flirtete, wenn auch auf ziemlich plumpe Weise.
"Du wohnst jetzt also bei uns", griff er anstelle den ursprünglichen Gesprächsfaden wieder auf, da das Rätsel um das mysteriöse Auftauchen des Fremden noch immer nicht geklärt war. Kaum, dass er seine These aufgestellt hatte, deutete der Kerl auch schon mit dem Daumen hinter sich.
"Ja, hier nebenan", erklärte er mit einem dezenten Schmunzeln. "Ich bin dann wohl euer neuer Nachbar."
Eiliv hatte natürlich mitbekommen, dass in die Nebenwohnung jemand eingezogen war, hatte aber nie herausgefunden, wer denn dort Quartier bezog. So zeigte er sich recht überrascht, wenn auch etwas erleichtert; er war also doch nicht Maris Freund. Wie hatte er seiner Schwester nur so etwas zutrauen können, wo diese doch nichts für derart schäbige Typen übrig hatte?
"Offenbar hab ich mit der Wohnung echt nen Glückstreffer gelandet", erzählte der Kerl auf dem Liegestuhl weiter und rieb sich dabei nachdenklich das Kinn. "Wer hätte das gedacht..."
"Schön für dich", meinte Eiliv distanziert und guckte zugleich etwas irritiert aus der Wäsche, als er etwas aus dem Korb fischte, was nur Maris Dessous darstellen konnten. Obwohl, Dessous...seine Schwester trug halterlose Spitzenstrümpfe auch am helllichten Tag. Gothics liefen ganz gerne mal rum wie Nutten mit ihren kurzen Röcken und tief ausgeschnittenen Oberteilen.
"Danke, danke", äußerte der noch immer Unbekannte vergnügt, deutete dann aber überrascht auf das, was Eiliv da gerade aufzuhängen gedachte. "Oh, gehört das dir?"
"Die sind von meiner Schwester, Mann", knurrte der Junge da zugleich und hätte ihm Maris Lackrock am liebsten kurzerhand in seine dämlich geifernde Fresse gestopft. Aber das hätte ihm sicherlich noch Freude bereitet, also ließ er es besser sein.
"Das sagen sie alle." Der Typ blinzelte ihn wissend an. "Und dann verführen solche kleinen, schnuckeligen Bengel wie du des Nachts arme, einsame Typen, die niemals Nein zu süßen, jungen Dingern sagen würden."
Nun schnappte Eiliv endgültig nach Luft und starrte den Mann aus großen Augen an. Mit dem Ergebnis, dass dieser sich nur noch mehr für den Jungen zu begeistern wusste.
"Wenn du so guckst, bist du gleich noch nen Zacken putziger", stellte er fest und lehnte sich entspannt zurück. "Sag mal, bist du eigentlich schon volljährig?"
"Was geht dich das an?"
"Na, ich muss ja wissen, ob du mir denn gefallen darfst."
Eilivs Augen verschmälerten sich. Eigentlich hatte er immer vermutet, dass es ziemlich geil war, wenn man derart unverhohlen angemacht und offensichtlich begehrt wurde, aber im Moment fand er diesen Kerl einfach nur gruselig und wollte ihm am liebsten eine runterhauen. Doch dann fiel ihm etwas Besseres und hoffentlich wesentlich Effektiveres ein.
"Sorry." Er schmunzelte süßlich. "Ich bin gar nicht schwul, du kannst dir also die Zähne an mir ausbeißen, perverser Unbekannter."
"Ach, nenn mich doch Lizzy", wiegelte dieser ab, und als er Eilivs irritierten Blick sah, fügte er noch etwas hinzu. "Lizzy DeVine. Oder einfach Liz, wenn dir das lieber ist."
"Mann, du gibst dir nicht ernsthaft nen Frauennamen?"
Eiliv schnaubte verächtlich, was Liz aber kein Stück zu interessieren schien. Alles, was diesen interessierte, war das anbetungswürdige Gesicht dieses ihm erschienen Engels, von dem er seine Blicke kaum mehr lassen konnte. Besonders, wenn er nun so kratzbürstig reagierte, war er einfach hinreißend und so unglaublich verlockend...
"Doch", erwiderte er schließlich bestimmt und hob die Schultern. "Wieso auch nicht? Ich kanns halt. Sag mir lieber, wie du heißt."
Ein breites, gehässiges Grinsen erwuchs auf Eilivs Gesicht.
"Hans-Jürgen."
"Okay, wenn dem so ist, nenne ich dich Schätzchen, alles klar?"
Dieser Kunde machte Eiliv schier wahnsinnig, und als er damit fertig war, genauso genervt wie verzweifelt mit den Augen zu rollen, seufzte er seinen wahren Namen heraus.
"Ich heiß Eiliv. Zufrieden?"
Der Typ runzelte die Stirn.
"Eiliv? Nun, dann bist du für mich Livi-Schätzchen."
"Boah, leck mich doch am Arsch."
Wutentbrannt stürmte Eiliv zurück in die Wohnstube, die Balkontür dabei heftig zuknallend, sodass Liz fast die Zigarette aus der Hand gefallen wäre.
"Ups", machte dieser nur und schmunzelte, ehe er gelassen weiterrauchte und die Kleidungsstücke auf dem Wäscheständer musterte, insbesondere die reizenden Dessous. Mit schiefgelegtem Kopf horchte er in sich hinein und versuchte sich dann Eiliv vorzustellen, wie er diese Dinge an seinem schlanken Körper auf seiner blassen Haut trug, gemeinsam mit einem kleinen, verführerischen Lächeln, das nur im galt. Verdammt, er musste sagen, dass er sich ziemlich in den süßen Jungen verguckt hatte und dies bereits in der allerersten Sekunde, in welcher er noch geglaubt hatte, von solch einem Engel lediglich zu träumen. Aber dann hatte sich ja herausgestellt, dass Eiliv tatsächlich sein fleischgewordener Traum war, ein Junge, wie er ihn sich immer für die Befriedigung seiner Triebe vorgestellt hatte. Nein, er wollte keine romantische Scheiße mit ihm durchleben, von so etwas hatte er sich längst verabschiedet nach all den Jahren mit irgendwelchen Frauen, die ihm mit ihrer bedrängenden Liebe regelrecht auf den Sack gegangen waren. Was er von Eiliv wollte, das war tatsächlich mehr körperlicher Natur. Und auch, wenn der Junge sich bei ihrem ersten Zusammentreffen noch recht widerborstig gezeigt hatte, so hörte er dennoch nicht auf, sich auf und über ihn zu freuen, wann immer sie sich zufällig auf dem gemeinsamen Balkon begegneten. Einmal bot er ihm eine Zigarette an, und Eiliv langte sogar dankbar zu. Offenbar war er nicht sonderlich nachtragend, vielleicht auch, weil er ihm doch nicht so abgeneigt war, wie er vorgegeben hatte. Man durfte so junge Bürschlein nur nicht überfordern, hatte Liz beschlossen und Eiliv prüfend angesehen, fast so, als hätte er aus seinem Gesicht lesen können, ob dieser denn noch Jungfrau war oder er sich schon mal sexuell betätigt hatte. Doch nein, er wollte es nicht wissen; er wollte mit der Vorstellung leben, irgendwann einmal Livis Erster sein zu dürfen, denn der Moment würde kommen, in welchem den Kleinen die Lust plagte und er daran denken würde, dass gleich nebenan ein Typ wohnte, der ihn mit Vergnügen in sein Bett eingeladen hätte. Davon war er überzeugt. Und dennoch zogen die Tage und die Wochen ins Land, in denen nichts passierte. Bis Eiliv sich ausgerechnet zu Liz auf den Balkon gesellte, als dieser zur Abwechslung einmal nur Augen für seine Klampfe hatte.
Selbstverständlich hatte Liz von der Anwesenheit des Jungen Notiz genommen, jedoch ließ er sich nicht anmerken, dass er sich in der Aufmerksamkeit Eilivs sonnte, während er ein wenig an den Saiten zupfte. Er spürte die regelrecht bewundernden Blicke auf sich ruhen und verkniff sich ein Lächeln, beschloss, abzuwarten, ob der andere etwas sagen würde. Und nachdem dieser ihm eine ganze Weile von seinem eigenen Liegestuhl aus zugesehen hatte, war es tatsächlich Eiliv, der von sich aus den Mund aufmachte.
"Du spielst Gitarre?"
Nun erwuchs doch ein breites Grinsen auf Liz' Gesicht.
"Sieht ganz danach aus, Dummerchen, mh?"
"Verhöhn mich nicht, alter Sack."
Liz sah irritiert auf, nur um in die ihn entschlossenen ansehenden Augen Eilivs zu blicken. Angetan stellte er fest, dass der Junge sich heute sogar ein wenig die Augen geschminkt hatte, wodurch das helle Grau noch mehr strahlte und was dem kompletten, ohnehin schon sehr niedlichen Gesicht des Jungen schmeichelte. Eben noch hatte Liz ihm einen frechen Konter an den Kopf zu werfen gedacht, aber in diesem Moment wurde ihm klar, dass dieser Bub alles mit ihm machen durfte. Er lag diesem Kerlchen zu Füßen, erkannte er, auch wenn er es anders aussehen lassen wollte. Seine Schwächen durfte man nicht offenlegen. Auch wenn er es schon bei ihrem ersten Zusammentreffen getan hatte, als er durchsickern ließ, wie begeistert er von Eiliv war.
Er packte die Gitarre am Hals und stellte sie neben sich.
"Ja, ich spiele Gitarre", antwortete er schmunzelnd auf Eilivs Frage, woraufhin dieser schon wieder den Eindruck machte, als wäre er Feuer und Flamme, hatte er doch Mühe, überhaupt noch still zu sitzen.
"So richtig in einer Band?"
Liz sah die hoffnungsvoll aufgerissenen Augen des Jungen und vermutete, ihn nun endgültig an der Angel zu haben. Jeder verfluchte Mensch stand schließlich auf Typen mit Gitarren und noch mehr auf professionelle Musiker. Warum war er nicht gleich darauf gekommen?
"Sagen dir Vains of Jenna was?", antwortete er mit einer Gegenfrage, aber Eiliv schüttelte den Kopf.
"Nie gehört."
"Kein Ding." Liz winkte verständnisvoll an. "Die existieren eh nicht mehr. Aber ich bin grad dabei, ne neue Band auf die Beine zu stellen."
"Ehrlich?" Eiliv gefiel Liz in seinem Enthusiasmus immer besser. Wie seine Augen funkelten...wie bei einem kleinen Kind, das vor dem Weihnachtsbaum stand. "Coole Sache. Ich hätte auch gerne endlich mal ne eigene Band, aber ich finde niemanden, der mit mir spielen möchte..."
Anstatt nun auf Eilivs Unmut und insbesondere dessen betrübten Schmollmund einzugehen, lehnte Liz sich interessiert vor und musterte den Jungen eindringlich.
"Du machst auch Musik?"
Eiliv nickte.
"Ich studiere sogar Musik."
"Bist du Schlagzeuger?"
"Mit Leib und Seele, ja."
Innerlich stieß Liz einen Jubelschrei aus, äußerlich allerdings blieb er gefasst.
"Gut, dann hätte ich einen Job für dich."
Eiliv, der eben noch in seiner Hoffnungslosigkeit den Blick gesenkt hatte, schaute nun auf und strahlte Liz immer mehr an. Es war wirklich, als würde die Sonne aufgehen. Und wahrscheinlich tat sie das auch - nämlich in seinem Herzen.
"Wirklich?" Zum ersten Mal lächelte er in der Anwesenheit des anderen, und dieser ahnte, dass er wohl nie wieder vergessen würde, wie goldig es aussah, als sich seine vollen Lippen zu diesem ehrlichen Lächeln verzogen und seine Vorderzähne ein wenig zwischen ihnen hindurchblitzten. In einem Anflug von Übermut hätte er fast nicht anders gekonnt, als vorzupreschen und den Jungen zu küssen, so, wie er war, aber dann hielt er schließlich doch an seinem Vorsatz fest, ihn nicht zu überfordern. Die Unschuld stand ihm geradezu in sein jugendliches Gesicht geschrieben.
"Mh." Liz nickte gönnerisch. "Aber nicht nur hinter den Drums könnte ich dich gebrauchen. Du könntest mir auch als Muse dienen, Liebes. Den anderen Jungs ebenfalls." Er grinste verschwörerisch. "Ich glaube, sie wären auch sehr angetan von dir..."
Eiliv schien von der Zweideutigkeit, die in diesen Worten mitschwang, gar nicht viel mitzubekommen. Zu groß war seine Freude darüber, seinem Traum endlich zum Greifen nah gekommen zu sein. Er würde in einer Band spielen!
"Wann kann ich vorspielen?", ereiferte der Junge sich ganz aufgeregt. "Wo soll ich hinkommen? Soll ich mich im Voraus schon mal mit dem Material vertraut machen?"
Liz aber grinste nur.
"Ganz ruhig, immer langsam", bremste er den Jungen und zog spitzbübisch einen Mundwinkel empor. "Ich bin mir sicher, dass du sehr talentiert bist, was das Schlagzeugspiel angeht, aber das reicht mir nicht."
"Wie?", hakte Eiliv unbedarft nach, und Liz war gerne bereit, ihm die Sachlage ein wenig näherzubringen.
"Nun, sagen wir so..." Er schaute nachdenklich in den Himmel. "Auf Tour ist man stets ziemlich einsam, insbesondere dann, wenn die Groupies alle fett und hässlich sind oder man noch zu unbekannt ist, um welche zu haben. Deshalb möchte ich, dass du mir zunächst dein Liebhabertalent unter Beweis stellst."
Die Freude verpuffte aus Eilivs Gesicht und machte einem fassungslosen Ausdruck Platz.
"W-was?", stammelte er. "Ab-aber...ich bin doch keine Nutte, Mann! Ich bin Drummer, keine Nutte!"
Liz winkte großzügig ab.
"Das sagt ja auch niemand", beschwichtigte er den Jungen. "Es geht dabei doch auch darum, ob wir auf der menschlichen Ebene harmonieren. Wenn wir uns nach einem Monat schon hoffnungslos zoffen, ist doch niemandem geholfen."
Freilich versuchte Liz sich, mit dummen Ausreden herauszuwinden und Eiliv die Sache doch noch schmackhaft zu machen, indem er sie ihm auf plausible Art und Weise zu erklären versuchte. Aber der blieb selbstverständlich skeptisch. Hatte Liz sich nun etwa doch zu weit aus dem Fenster gelehnt? Tja, Feingefühl war eben noch nie seine Stärke gewesen.
"Ich weiß nicht", murmelte Eiliv schließlich und drehte angespannt Däumchen. "Das gefällt mir nicht so recht. Das ist doch Erpressung."
"Okay, du musst ja nicht." Liz zuckte die Schultern. "Aber überlegs dir doch nochmal. Ich würde mich freuen, dich in meiner Band begrüßen zu dürfen." Und breit grinsend fügte er hinzu: "Und vor allen Dingen in meinem Bett."
Eiliv sagte nichts mehr dazu. Anstelle erhob er sich und machte sich daran, sich in die Wohnung zu verpissen.
"Ach", fiel es Liz noch im letzten Moment ein. "Sag deiner Mutter nen schönen Gruß. Ich bin ein großer Fan ihrer Arbeit."
Selbstverständlich wäre Eiliv eher verreckt, als genau das zu tun. Dieser Blödmann nervte einfach mächtig gewaltig ab und nahm sich dazu noch ein paar unerhörte Frechheiten heraus! Weshalb Eiliv dann in der darauffolgenden Nacht kein Auge zubekam, erschloss sich ihm nicht so recht. Eigentlich hatte er vorhin längst beschlossen, nie und nimmer auf Liz' Angebot einzugehen, aber als er im Bett lag, grübelte er dann plötzlich doch. Allerdings nicht nur darüber, wie es wäre, endlich in einer Band zu spielen und die ganze Welt zu bereisen, nein; insbesondere die Konditionen ließen ihn nicht mehr los. Liz hatte ihm schon bei ihrem ersten Zusammentreffen unmissverständlich klar gemacht, was er sich von ihm erhoffte, und tatsächlich war es inzwischen ein ganz erhebendes Gefühl für Eiliv, derart begehrt zu werden. Als er sich vor ein paar Tagen nach dem Duschen nackt vor den Spiegel gestellt hatte, hatte er sich ausgemalt, was Liz dazu gesagt hätte, wenn er ihn so gesehen hätte, und seine Fantasie war daraufhin ziemlich ausgeartet. Wie gesagt, er stand auf ältere Typen, die im Bett genau wussten, wie der Hase lief. Sein erstes Mal hatte er mit einem Kerl seines Alters erlebt, und solch eine Katastrophe wollte er kein zweites Mal mitmachen. Es war tatsächlich so schlecht gewesen, dass er hinterher daran gezweifelt hatte, wirklich schwul zu sein.
Liz allerdings traute er zu, ihm etwas Ordentliches bieten zu können. Neben der beruflichen Perspektive eben auch gute Ficks. Eiliv konnte nicht abstreiten, dass er ziemlich viel von diesem Musiker hielt, der wahrscheinlich fernab jeglichen Mainstreams lebte und einen Scheiß auf Monogamie gab. Und Eiliv musste zugeben, dass er auch nicht auf der Suche nach einer Beziehung oder dergleichen war. Mit der Liebe wollte er noch ein wenig warten, bis er sich ausgetobt hatte. Bisher hatte er seine Jugend noch nicht wirklich auskosten können, so ganz ohne irgendwelche Gleichgesinnten. Alleine durch Clubs zu ziehen, das war doch langweilig. Außerdem hätte seine Mutter ihn dafür gelyncht. Dass er schon neunzehn war, interessierte sie herzlich wenig. Solange er in seinem Kinderzimmer wohnte, würde er wohl immer Mamas kleiner Liebling bleiben. Was aber nicht bedeutete, nicht auch der kleine Liebling von jemand anderem sein zu können.
Nach einiger Zeit des Hin- und Herüberlegen fasste Eiliv einen Entschluss. Einen Entschluss, der wahrlich etwas an Mut erforderte, aber man durfte nicht etwa glauben, dass der Junge aufgrund seines hübschen Gesichtes ein Weichei war. Zumindest, wenn es darum ging, seine Träume zu verwirklichen, war er bereit, zu kämpfen. Und heute und hier lag es an ihm, sich zu entscheiden, ob er denn weiterträumen oder aufwachen wollte. Wenn er sich diese Chance hätte entgehen lassen, hätte er sich das wahrscheinlich nie verziehen.
Deshalb warf er weit nach Mitternacht die Bettdecke zurück und verließ sein Zimmer.
Der Plan, den er sich zurechtgelegt hatte, führte ihn als nächstes in das Reich seiner Schwester. Zum Glück pennte diese bei einer Freundin oder auch einem Typ, man konnte es nicht so genau sagen. Jedenfalls war ihr Zimmer unberührt, und auch wenn Eiliv ein schlechtes Gefühl dabei hatte, schlich er zu ihrem Kleiderschrank und wühlte und tastete sich so lange durch die Klamotten, bis er endlich das gefunden hatte, wonach er auf der Suche war. Und oh Mann, er kam sich richtig schäbig und ekelhaft vor, so wie er sich als nächstes im Bad verkrümelte und dort das anzog, was er erbeutet hatte. Zum Henker nochmal, wenig später trug er die Reizwäsche seiner eigenen Schwester, wofür er sich vor sich selbst schämte, allerdings nur solange, bis er sich in dem großen Spiegel erblickt hatte. Er fand, dass er überraschend gut in Spitzenstrümpfen und dazu passendem Slip aussah, immerhin schmeichelte dieser Aufzug seiner Figur, und das, obwohl er nicht mal ein Mädchen war. Auf Schuhe würde er allerdings verzichten, denn in High Heels konnte er erstens nicht laufen und zweitens wäre er sich dann endgültig wie der letzte Idiot vorgekommen. Was jedoch nicht fehlen durfte, war ein leichtes Make Up. Etwas Kajal sowie dezenter, grauer Lidschatten, der seine ohnehin schon großen Augen betonte, genügte; Lippenstift musste nicht sein. Er war schließlich kein Weib und erst recht keine Nutte - Liz würde ihn so nehmen müssen, wie er war, Mühe hatte er sich ohnehin schon zur Genüge gegeben. Dass er keine Nutte war, hinterfragte er allerdings kurz darauf wieder, als er abermals vor dem Spiegel stand und sich selbst offenbarte, was er aus seinem eigenen Ich gemacht hatte. Das, was er vorhatte, war eigentlich schon ziemlich billig. Er würde sich einem Kerl anbieten, um im Gegenzug dafür in dessen Band seinen Traum verwirklichen zu dürfen. Hätte er Liz nicht irgendwo in seinem Herzen ebenfalls ganz gut gefunden, hätte er diese Aktion ganz bestimmt nicht initiiert. So tief war selbst er noch nicht gesunken. Aber insgeheim brannte er auf dessen Gesichtsausdruck, wenn er ihm in diesem Hauch von Nichts gegenübertrat. Und gegen ein wenig Sex hatte selbst der unerfahrene Eiliv nicht das Geringste einzuwenden.
Liz würde bekommen, was er wollte, und Eiliv ebenso. Das war doch ein guter Deal, oder etwa nicht?

Auf leisen Sohlen tappte er erst den Flur und anschließend durch die Wohnstube, um von dort aus auf den Balkon zu gelangen. Er schaffte es unbemerkt, aber dies stellte auch kein Kunststück dar, schlief seine Mutter doch stets tief und fest.
Vorsichtig schloss er die Glastür hinter sich und war tatsächlich ganz froh, dass er sich noch eines dieser dünnen, schwarzen Jäckchen seiner Schwester übergezogen hatte, um seine Blöße zu verhüllen, waren selbst die Sommernächte in Schweden nicht wirklich mit Wärme gesegnet. Außerdem wollte er Liz erst im rechten Moment offenbaren, was er sich für ihn ausgedacht hatte.
Apropos Liz - der Kerl war nirgends zu sehen, wie Eiliv feststellen musste, so wie er sich die Nase an der Scheibe plattdrückte, die sich zwischen ihm und der Wohnung befand. Er befürchtete, dass der Balkon gar nicht an das Schlafzimmer des anderen angrenzte, doch dann meinte er, die Umrisse eines Bettes ausmachen zu können. Und ja, es war schön groß, groß genug, um sich zu zweit darin zu wälzen und die Nacht ein wenig zu genießen mittels der schönsten Nebensache der Welt.
Nun musste sogar Eiliv ein wenig schmunzeln, obwohl ihm die Nervosität ziemlich zusetzte und sein Verstand alias der kleine Engel auf seiner Schulter ständig zuflüsterte, wieder in sein Zimmer zu gehen und das Vorhaben in den Wind zu blasen. Aber er konnte schlicht und ergreifend nicht gegen den kleinen Teufel gewinnen, der Eiliv zu dieser Tat erst angestiftet hatte. Inzwischen hatte er dafür gesorgt, dass Eiliv schon wesentlich mutiger an das Fenster klopfte, immer und immer wieder. Zunächst glaubte er, dass es hoffnungslos war und er sich erst morgen seinem Nachbarn anbieten konnte, aber dann vernahm er eine Regung hinter der Scheibe samt des Huschens eines Schattens im Halbdunkel. Schließlich tauchte ein ihn ungläubig anstarrendes Augenpaar auf, und dann wurde ihm auch schon die Tür geöffnet.
"Eiliv?" Liz klang ganz ohne Frage ziemlich verschlafen, und so sah er auch aus. Sein ohnehin nie sehr ordentliches Haar war ungekämmt und sein Gesicht ein wenig zerknautscht, außerdem trug er zu Eilivs Interesse lediglich ein paar Boxershorts. Schnell checkte er dessen Körper, ehe er den Blick in die Augen des anderen richtete.
"Hab ich dich geweckt?", fragte er keck nach, obwohl er die Antwort freilich kannte, aber ein wenig wollte er Liz doch ärgern. Allerdings ließ dieser sich nicht aus der Ruhe bringen, wie immer.
"Das hast du in der Tat", erwiderte er und betrachtete Eiliv mit schiefgelegtem Kopf fast ein wenig mitleidig-amüsiert. "Aber es sei dir verziehen. Dir lasse ich doch so einiges durchgehen. Zumindest dann, wenn du wirklich einen triftigen Grund hast, um wie ein ausgesperrtes Kätzchen an meiner Scheibe zu kratzen."
Eiliv schmunzelte.
"Denn habe ich. Lässt du mich rein?"
Liz trat einen Schritt zur Seite, und so, wie Eiliv schließlich in dessen Schlafzimmer stand, erwachte das Selbstbewusstsein in dem Jungen zum Leben. Eben noch auf dem Balkon hatte er sich ein wenig verloren und beobachtet gefühlt, aber auf einmal erschien ihm alles richtig und irgendwie gut. Denn er spürte instinktiv, dass Liz seine kleine Überraschung mögen würde.
"Und jetzt?", wollte der Ältere wissen, als Eiliv noch geheimnistuerisch die Jacke vor seiner Brust verschlossen hielt und nichts anderes tat, als ihm wissend ins Gesicht zu lächeln. "Du führst doch was im Schilde, du raffiniertes Schätzchen. Los, raus mit der Sprache."
"Ich hab mir dein Angebot noch mal durch den Kopf gehen lassen", erklärte Eiliv und präsentierte nun stolz, was sich unter seiner Jacke befand. Das überflüssige Stück Stoff glitt seine Schultern hinab auf den Boden. "Da bin ich. So, wie du mich haben wolltest."
Mit einer Genugtuung ohne gleichen genoss er Liz' Blick, der von absoluter Fassungslosigkeit und dann von ungezügelter Erregung erzählte. Selbst die Kinnlade war dem anderen heruntergeklappt, so wie Eiliv seine Jacke abgestreift hatte, und nun lag ein ungemein lüsternes Funkeln in den Augen des Älteren. Dass dies ganz allein Eilivs Werk war, erfüllte ihn mit einem ganz besonders erhebenden Gefühl des Stolzes.
"Goddamn...ich...pfoah..."
Selbst um Worte war der sonst so vorlaute Kerl auf einmal verlegen. Er glotzte einfach nur mit riesigen Augen, weidete sich an dem halbnackten Körper Eilivs und wusste nicht mehr, wo ihm der Kopf stand. Von der einen auf die andere Sekunde war sein Hirn zwischen seine Beine gerutscht und hinderte das Oberstübchen am Denken. Dafür aber wurde nun etwas ganz anderes mit Blut versorgt.
Oh Mann. Damit hätte Liz nie im Leben gerechnet! Nach heute Nachmittag hatte er geglaubt, sich an Eiliv die Zähne ausbeißen zu können, aber offenbar war dieser doch ganz und gar nicht so abgeneigt, wie er es hatte aussehen lassen. Der Beweis befand sich schließlich direkt vor seiner Nase. Und Liz hatte keine Ahnung, ob dies nun ein Geschenk des Himmels oder der Hölle darstellte.
Da der Ältere nur noch wie ein Idiot herumstand und schon beinahe auf den Boden geiferte, beschloss Eiliv, das Steuer in die Hand zu nehmen. Er mochte noch nie einen Mann oder sonst jemanden verführt haben, aber wenn er dem Engel auf seiner Schulter nicht mehr zuhörte und sich von den niederen Trieben, seiner eigenen Lust, leiten ließ, wusste er ziemlich genau, was er zu tun hatte. So ergriff er kurzerhand Liz' Arm und zog diesen mit sich in Richtung seines Bettes. Noch immer nicht wieder ganz beisammen stolperte der Ältere hinter ihm her, bis er schließlich auf der Matratze zum Sitzen kam. Fast schon ehrfürchtig blickte er an Eiliv empor, mit offenem Mund und glitzernder Begierde in den Augen.
"Es ist also doch deins", schmunzelte er schließlich hocherfreut und fuhr mit fahrigen Fingern über Eilivs blasse Oberschenkel und schließlich um sie herum, bis er seine kleinen Pobacken in den Händen hielt und sie begehrlich knetete. "Ich wusste es. Ich wusste, dass du eines von diesen Ludern bist..."
Eiliv wollte ihn in dem Glauben lassen, wenn es ihm doch so sehr gefiel. Es war ungemein faszinierend mit anzusehen, wie heftig Liz auf diese Crossdressinggeschichte abging, aber noch faszinierender war es, was diese Gewissheit in Eiliv auslöste. Liz' heftige Lust wusste ihn anzustecken, und so wie der andere ihn schließlich zu sich auf den Schoß zog, keuchte der Junge hinter zusammengebissenen Zähne auf und schmiegte sich überraschend willenlos an den ebenfalls fast nackten Körper seines Gespielen. Ihm wurde bewusst, dass er viel zu selten Sex hatte und dass er in dieser Nacht wahrscheinlich sehr viel Zuwendung brauchen würde, um vollends auf seine Kosten zu kommen. Deshalb beschwindelte er Liz auch abermals, als dieser ihm zwischen ein paar gierigen Küssen, die seinen Nacken zum Ziel hatten, eine kleine Frage stellte.
"Du bist noch Jungfrau, mh?"
Wohl wissend, dass Liz es verrückt machen würde, brachte er ein heiseres 'Ja' hervor, woraufhin er sich auch schon mit dem Rücken auf der Matratze wiederfand. Liz' warmer, schwerer Körper schob sich über ihn und bedrängte den Jungen weiterhin mit hastigen Zärtlichkeiten. So lange, bis der Ältere seinem süßen Spielgefährten triumphierend in die Augen schaute.
"Nach dieser Nacht wirst du es nicht mehr sein", raunte er und leckte ihm ohne Rücksicht auf Verluste die untere Gesichtshälfte ab. "Das schwör ich dir. Deinen kleinen Arsch lass ich mir bestimmt nicht entgehen. Nicht, dass die anderen noch auf die Idee kommen, dich zu initiieren. Das ist mein Part, stimmts?"
Dies sollte wohl eine Anspielung auf das sein, was Eiliv in Zukunft erwarten würde, und wahrscheinlich hätte er sie ohne Testosteron im Blut noch immer als ziemlich gruselig erachtet. Nun aber machte ihn die Vorstellung, täglich von irgendwelchen ausgehungerten Kerlen gevögelt zu werden, einfach nur rattenscharf, weshalb er sogar vor Wonne die Beine weiter spreizte und seinen Schritt gegen den des anderen drückte.
"Fick mich, Liz", säuselte er zusätzlich, ja wimmerte es beinahe voller Verzweiflung, weil er wusste, dass er so bekommen würde, was er wollte. Er wollte Liz zeigen, dass er ihn genauso anhimmelte wie er von ihm angehimmelt wurde, und außerdem bestand im Moment sein einziger Wunsch darin, dieses heftige Kribbeln in seinen Lenden endlich zum Schweigen zu bringen. Etwas anderes brauchte er nicht mehr. Er hatte sich diesem Mann angeboten, sich ihm förmlich geschenkt, denn er wusste, dass er ihm die Sterne vom Himmel holen würde, weil er sein süßes Gesicht und seinen schlanken Körper so sehr vergötterte. Es mochten in der Tat ziemlich oberflächliche Dinge sein, die sie verbanden und die ganz sicher nicht viel mit der menschlichen Ebene zu tun hatten, von der Liz gesprochen hatte. Aber was machte dies schon, wenn bei dem Deal beide Seiten auf ihre Kosten kamen?

Die Dämmerung setzte bereits ein, als die beiden Männer nebeneinander zum Liegen kamen, schwer keuchend und die Nachwehen ihres Höhepunktes genießend. Eiliv bereute nicht das Geringste von dem Geschehen dieser Nacht, und Liz wohl erst recht nicht. Dieser fuhr sich durch das verschwitzte Haar, dabei immer wieder leise Flüche der Entzückung von sich gebend.
"Offenbar bin ich talentiert genug für deine Band", schmunzelte der Jüngere irgendwann. "Zumindest, was den sexuellen Part angeht."
"Oh ja, Baby, das bist du." Liz schloss kurz die Augen, nur um dann seinen Blick über den nackten Körper seines Früchtchens gleiten zu lassen. "Die anderen werden ebenfalls ihre helle Freude an dir haben, das versprech ich dir."
Der Engel auf seiner Schulter schimpfte Eiliv nun wieder eine elende Nutte, die darauf abfuhr, herumgereicht zu werden wie ein kleines, hübsches Spielzeug, aber der Teufel freute sich diebisch darüber, und dieser war es sicherlich auch, der Eiliv nun die Mundwinkel hochzog, damit der Junge süffisant in sich hineingrinste.
Er zweifelte kein bisschen daran, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Einem Leben nach dem berüchtigten Motto Sex, Drugs and Rock'n'Roll stand somit nichts mehr im Wege, und dies war ohne Frage genau das, wovon er immer geträumt hatte...
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