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Der letzte Assassine

GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
Asuna Kirito Leafa Sinon Yui
25.05.2016
18.09.2017
32
44.885
7
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25.05.2016 1.649
 
Kanamoto hechtete zwischen den Bäumen hindurch und bahnte sich dabei so schnell es ging einen Weg durch das Dickicht. Das Mondlicht drang kaum durch das Blattwerk und so war fast jeder Schritt, den er auf dem weichen Waldboden tat, reines Glück. Es war eiskalt, doch davon bekam er nichts mit. Sein Körper glühte förmlich und seine rechte Schulter schmerzte. Immer wieder griff er mit seiner linken Hand dorthin und presste sie unter Schmerzen auf die Wunde. Die Kugel steckte noch immer in ihm. Er war sich zwar nicht sicher, meinte aber, sie noch in der Schulter spüren zu können. Zwanghaft versuchte er den Schmerz zu ignorieren und sich stattdessen auf seine Schritte zu konzentrieren. Die Polizei saß ihm immer noch im Nacken und verfolgte ihn. Gefühlt lief er schon seit mehreren Stunden vor ihnen weg.
In Wirklichkeit war es gerade einmal eine halbe Stunde her, als sie ihn im Supermarkt erkannt hatten und festnehmen wollten. Irrtümlicherweise hatte er angenommen, dass sie ihn nach vier Jahren der Flucht endlich gefunden hätten und nun einsperren wollten. Tatsächlich aber hatten Sie nur den Ladendiebstahl bemerkt, den er gerade durchziehen wollte. In Panik geraten, hatte er nach der nächstbesten Konservendose gegriffen und sie ihn Richtung der Polizisten geworfen.
"Verpisst euch, ihr Penner!", hatte er sie angeschrien.
Dass er mit seinem Wurf aus Versehen den Kopf eines kleinen Mädchens getroffen hatte, war ihm in der Hektik nicht aufgefallen. Während er die Polizisten mit allem Greifbaren bewarf, dass ihm unter die Finger kam, war das Mädchen mit blutendem Kopf zu Boden gesunken. Im Moment wurde im nahe gelegenen Krankenhaus versucht, ihr Leben zu retten. Als ihm die Munition ausgegangen war, wirbelte er auf der Stelle herum und spurtete quer durch den Laden. Er schubste Kunden aus dem Weg, warf Regale und Kartons um und versuchte seine Verfolger abzuhängen. Die blieben allerdings an ihm dran und riefen per Funk Verstärkung. Als er schließlich durch den Haupteingang flüchten konnte, rannte er ohne zu gucken auf die Hauptstraße. Ein herannahendes Auto konnte nicht mehr rechtzeitig stoppen und erfasste ihn am Bein. Durch die Wucht wurde er herumgeschleudert und landete mit einem schmerzhaften Aufschlag auf der Straße. Gerade noch rechtzeitig konnte er sich wegrollen, bevor er von einem weiteren Fahrzeug überrollt wurde.
„Hey, bist du bekloppt?“, schrie der Fahrer, der ihn angefahren hatte. Er war ausgestiegen und stand hinter seiner Tür. Kanamoto blickte hektisch nach hinten und sah die Polizisten aus dem Supermarkt kommen. Schnell stand er wieder auf, rannte auf den Autofahrer zu und packte ihn am Kragen. Er holte mit der rechten weit aus, kam aber nicht mehr dazu, ihn zu schlagen, da sich im selben Moment ein Schuss löste. Nur Sekundenbruchteile später verspürte er einen heftigen Schmerz in der Schulter. Es riss ihn nach hinten und er löste sich vom Autofahrer. Der Verkehr kam augenblicklich zum Erliegen und die Menschen auf den Gehwegen liefen schreiend in alle Himmelsrichtungen davon. Mit schmerzverzehrtem Gesicht presste er die Hand auf die Wunde und starrte mit weit aufgerissenen Augen in die Richtung, aus der der Schuss kam. Er sah den Polizisten mit gezückter Waffe und entschlossenem Blick in seine Richtung schauen und bekam Panik. Geduckt und mit der auf die Wunde drückenden Hand rannte er so schnell er konnte über die Hauptstraße und tauchte auf der anderen Seite in der Menge unter. Er blickte nicht zurück, hörte aber in dem Geschrei der Menge die Polizisten in ihr Funkgerät brüllen. Vom Adrenalin aufgeputscht rannte er durch die Fußgängerzone der Innenstadt. Er drängelte sich zwischen den Bummelnden hindurch und versuchte dabei möglichst seine Wunde zu verdecken, was wegen der Blutung nicht wirklich funktionierte. Das Blut lief ihm inzwischen am Arm herunter und seine linke Hand presste nur noch schwach auf die Wunde. Einige Passanten drehten sich angewidert weg, als er sie beiseite schubste oder schwer atmend an ihnen vorbeilief. Die meisten registrierten die Verletzung, aber nur wenige sahen wirklich besorgt aus. Inzwischen schien es ihm so, als käme die Polizei aus allen möglichen Nebengassen, denn er sah immer mehr von ihnen in der Menge. Das schränkte seine Bewegungsfreiheit noch mehr ein und er sah sich gezwungen, die Innenstadt so schnell wie möglich zu verlassen. Eigentlich hatte er eine Apotheke suchen wollen um sich Verband und Schmerzmittel zu besorgen, dieses Vorhaben musste er aber auf unbestimmte Zeit verschieben.
„Atsushi Kanamoto, bleiben Sie stehen!“, schrie ein Polizist, der ihn in der Menge entdeckt hatte. Überrascht über die plötzliche Nennung seines Namens machte er den Fehler, stehen zu bleiben und aufzuschauen. Erst hatten ihn vereinzelte Gesichter angestarrt, schließlich aber die gesamte Menge um ihn herum. Sie waren vor ihm zurückgewichen, als ob er eine ansteckende Krankheit wäre. Erst, wo er allein inmitten der Menge gestanden hatte, bemerkte jemand seine Verletzung an der Schulter und das herunterlaufende Blut. Die Leute tuschelten untereinander, während sich die Polizei einen Weg durch die Menge bahnte um zu Kanamoto zu kommen. Der drehte sich mehrmals um die eigene Achse und suchte nach einer Lücke in der Menge, durch die er der Polizei entkommen konnte. Er fand eine und spurtete drauf zu. Wie er es geahnt hatte, teilte die Menge sich und die Außenstehenden pressten sich an die anderen Schaulustigen und bildeten so zwei große Knubbel. Die Polizei hatte Mühe und Not sich hindurch zu kämpfen und konnte Atsushi erst folgen, als dieser um eine Ecke bog. Vor ihm lag in einiger Entfernung ein bewaldeter Berg. Da es bereits später Abend war und die Sonne nur noch schwach am Horizont zu sehen war, entschloss sich Kanamoto, in den Wald zu laufen. Er hoffte, dort die Verfolger loszuwerden.

Er stampfte weiter durch das undankbare Strauchwerk und warf immer wieder nervöse Blicke nach hinten. Die Polizisten hatten inzwischen ihre Taschenlampen eingeschaltet und suchten nun in der Dunkelheit nach dem Flüchtigen. Zu Kanamotos Erleichterung war der Wald dicht mit Bäumen besiedelt und nicht allzu dunkel, sodass die Lichtkegel der Lampen ihn nicht erreichten. Er kämpfte sich weiter durch das Geäst und stolperte gelegentlich. Gerade warf er einen Blick nach hinten, als er mit seinem Fuß an etwas hängen blieb und nach vorne fiel. Doch statt einfach nur auf den Boden zu fallen, rollte er einen Abhang hinunter und überschlug sich ein halbes Dutzend Mal, bis er unsanft in einer kleinen Kuhle landete. Abgesehen von seinem Arm spürte er nun auch noch sämtliche Knochen im Leib.
„Ich hab was gehört.“, hörte er einen Polizisten in der Ferne rufen.
„Es kam von da vorne.“, brüllte ein anderer und Kanamoto sah die ersten schwachen Lichtkegel über dem Rand des Abhangs aufleuchten. Schweißgebadet, dreckig und schwer atmend rappelte er sich so schnell wie möglich auf und lief weiter den Abhang hinunter. Er stolperte einige Male, stand aber sofort wieder auf um weiterzulaufen. Ein Blick nach hinten verriet ihm, dass seine Verfolger den Abhang erreichten. Er schaute sich nach einem Versteck um, fand aber nur einen etwas dickeren Baum. Er spurtete hinüber und schmiss sich gerade noch rechtzeitig hinter dessen schützenden Stamm, bevor ihn das Licht einer Taschenlampe treffen konnte. Durch den wuchtigen Aufprall, den er ausgerechnet mit seiner verletzten Schulter dämpfte, entfuhr ihm ein kurzer aber lauter Schmerzensschrei. Augenblicklich schwang jeder Lichtkegel in seine Richtung, wurde hinter dem Baum allerdings nicht entdeckt. Kanamoto presste sich gegen den Baum und in den Waldboden. Die Polizisten kamen langsam den Abhang hinunter. Er konnte durch das Rascheln hören, wie sie näher kamen. Sie unterhielten sich leise und horchten auf das kleinste Geräusch. Kanamoto selbst rührte sich indes keinen Millimeter und hoffte, dass sie an ihm vorbeigehen würden. Er hörte die raschelnden Schritte eines Polizisten, der sich ihm immer mehr näherte. Langsam drehte er den Kopf nach links und blickte leicht nach oben. Das Licht der Taschenlampe war direkt neben dem Baum. Es leuchtete knapp an seinen Füßen vorbei, aber er wagte es nicht, sie zu bewegen. Jedes Geräusch konnte ihn jetzt verraten. Er presste sich vorsichtig noch mehr an den Baum um möglichst dem Licht zu entgehen. Der Lichtkegel rückte immer näher an seine Füße. Der Polizist war inzwischen stehengeblieben und leuchtete die Gegend ab. Blind fühlte Kanamoto mit der rechten Hand nach irgendeinem Gegenstand, einen Stein, einen Ast oder irgendetwas anderes. Trotz der Schmerzen streckte er seinen Arm. Seine Hand suchte auf dem laubbedecktem Boden, dann plötzlich berührte er etwas Festes und Kaltes. Den Kopf möglichst weiter nach links haltend, versuchte er aus dem Augenwinkel etwas zu erkennen. Es war ein Stein, ungefähr anderthalb Mal so groß wie seine Hand. Wäre seine Schulter in Ordnung gewesen, hätte er ihn sicherlich vierzig Meter weit wegwerfen können. Das war in seinem jetzigen Zustand nicht zu schaffen. Er versuchte den Stein zu sich zu ziehen, doch die Anstrengung verursachte starke Schmerzen in der Schulter und er biss die Zähne zusammen um nicht zu schreien. Trotzdem entfuhr ihm ein lauteres Schnaufen. Sofort schwang das Licht in seine Richtung und verfehlte seine Fußspitze nur um Zentimeter. Es kam allerdings näher und Kanamoto begann Panik zu bekommen. Er biss sich auf die Lippe und zog den Stein mit schmerzverzehrtem Gesicht zu sich ran. Das Rascheln kam langsam näher. Er hob den Stein langsam nach oben und das Gewicht drückte auf seine Schulter. Seine Zähne bohrten sich förmlich in seine Unterlippe. Er holte so gut er konnte aus und warf den Stein so gekonnt nach links den Abhang hinunter, dass er über den Lichtkegel flog, einige Meter weiter unten unbemerkt aufschlug und mit lautem Geraschel den Abhang hinab rollte. Der Lärm lenkte die Aufmerksamkeit sämtlicher Polizisten auf den hinab rollenden Stein und sie jagten ohne Zögern direkt hinterher. Kanamoto verharrte noch einen Moment an seinem neuen Lieblingsbaum und wartete bis die Lichter nicht mehr zu sehen und die Stimmen nicht mehr zu hören waren. Erst dann beruhigte er sich langsam. Mühsam und mit noch größeren Schmerzen in der Schulter kletterte er möglichst geräuschlos den Abhang hinauf und kämpfte sich durch den Wald. Das Nächste, was er wollte, war einen guten Tropfen Sake zu trinken.
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