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I'm Into You

OneshotDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Ravi Chakrabarti Olivia "Liv" Moore
23.05.2016
29.07.2016
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Liv lag in ihrem Bett. Sie hatte die Augen geschlossen, doch sie war hell wach. Schon seit Stunden kamen ihre Gedanken nicht zur Ruhe. Sie hatte sich Majors Besuch nur eingebildet. Sie hatte sich ihr Geständnis nur eingebildet. Sie hatte sich alles nur eingebildet. Sie verfluchte das Gehirn dieses psychisch Kranken, aber irgendwie tat er ihr auch Leid. Sobald sie morgen bei der Arbeit war, erwartete sie dort ein neues Gehirn, was sie verspeisen konnte und dann wären diese Wahnvorstellungen für immer verschwunden. Scott E konnte seine Vorstellungen zur Lebzeit nicht so einfach loswerden wie sie jetzt.
Ihre Gedanken wanderten wieder zu Major, der sie heute besucht hatte um ihr zu sagen, dass er mit seinem Zombie verdacht, den er bei Blaine und seinen Handlangern vermutete, endlich beweisen konnte und sich nun auf den Weg machen wollte, alle Zombies zu töten.
Sie atmete einmal tief ein und aus. Wie sehr sie sich wünschte, dass sie sich Majors Reaktion auf ihr Geständnis, dass sie ein Zombie sei, nicht eingebildet hatte. Doch das hatte sie und sie hatte etwas in seinen Augen gesehen, eine wilde Entschlossenheit, eine vor der sie Angst bekommen hatte und sie war sich sicher, dass er nicht davor zurückschrecken würde sie zu töten, wenn er erfahren würde, dass sie ebenfalls ein Zombie war.
Eine Träne lief ihr über die fahle Wange. Major war ihre wahre Liebe, der einzige Mann, mit dem sie sich eine Familie vorstellen konnte, doch jetzt war sie sich da nicht mehr sicher. Würde die wahre Liebe einen umbringen? Wenn er sie wirklich lieben würde, dann müsste er sie doch beschützen und sie so akzeptieren, wie sie nun einmal war, ein Gehirne fressender Zombie. Doch sie wusste, dass er das niemals tun würde, sie wusste es seit ihrem ersten Tag als Untote. Dass Major sie niemals als Zombie akzeptieren würde, war der Hauptgrund, warum sie sich von ihm getrennt hatte, auch wenn sie sich versuchte einzureden, dass sie ihn nur beschützen wollte, doch tief in ihrem inneren wusste sie, dass sie sich selbst beschützen wollte, vor der Erkenntnis, dass sie und Major einfach nicht mehr zusammen gehörten.
Als Liv dieser Gedanke bewusst durch den Kopf ging, liefen ihr weitere Tränen über die Wangen. Sie wollten einfach nicht aufhören zu laufen, Minute um Minute, Stunde um Stunde lag sie einfach da und ließ ihren Tränen freien lauf. Ein lautes Piepen riss Liv aus ihrem tranceartigem Zustand und sie öffnete die Augen. Sie richtete sich auf und schaltete ihren Wecker aus. Dabei viel ihr Blick auf die grünen Zahlen ihrer Digitaluhr. 7:00 Uhr. In einer Stunde müsste sie in der Pathologie sein. Ravi würde wie immer dort auf sie warten. Ravi. Sie ließ sich seinen Namen noch einmal durch den Kopf gehen. Er war die einzige lebende Person, die von ihrer Existenz als Zombie wusste. Er war die einzige lebende Person, die sie so akzeptierte wie sie war. Er war ihre Unterstützung, die einzige wirkliche Unterstützung, die ihr geblieben war. Liv wusste, dass sie immer zu ihm gehen konnte, wenn etwas war, wenn sie jemanden zum reden brauchte oder einfach jemanden der sie in den Arm nahm. Er hielt all ihre Persönlichkeisveränderungen aus, die durch die verschiedenen Gehirne entstanden. Er versuchte ein Heilmittel gegen den Zombie Virus zu finden um ihr, ihr altes Leben wieder zu geben. Doch wollte sie ihr altes leben zurück? Wenn sie mit Ravi und den Leichen  unten im Keller des Polizeipräsidiums war, dann ging es ihr gut. Sie vergaß oft, dass sie ein Zombie war. Bei Ravi war sie einfach nur Liv. Sie alberten zusammen herum oder arbeiteten konzentriert zusammen. Sie waren einfach ein super Team. Dieser Gedanke ließ ein kleines Lächeln auf ihrem weißen Gesicht erscheinen. Langsam erhob Liv sich von ihrem Bett und blickte in den Spiegel auf ihrem Tisch.
"Ich hätte nie gedacht, dass ich noch toter aussehen kann...", seufzte Liv und begab sich erst einmal unter die Dusche, bevor sie sich ohne Frühstück auf den Weg zur Pathologie machte. Hoffentlich gab es ein frisches Gehirn, denn auf die Resten von Scott Es konnte sie gerne verzichten.
Pünktlich um 8 Uhr betrat Liv die Pathologie. Wie erwartet saß Ravi schon an seinem Schreibtisch und schrieb etwas auf ein Formular.
"Hey, Liv.", sagte Ravi ohne den Blick von dem Blattpapier zu wenden.
"Hey.", antwortete Liv mit gebrochener Stimme. Sie räusperte sich. Diese tränenreiche Nacht war definitiv nicht spurenlos an ihr vorbei gegangen. Liv ging weiter zur Garderobe um ihre Tasche abzustellen und ihren weißen Kittel anzuziehen. Als sie zurück zu Ravi trat, hatte dieser das Formular beiseite gelegt und blickt sie erstaunt an.
"Ist alles in Ordnung bei dir?", fragte der schwarzhaarige besorgt.
"Ja, alles in Ordnung."
"Das kann ich dir irgendwie nicht so richtig glauben. Du siehst verdammt scheiße aus."
"Danke Ravi!", war das einzige was Liv darauf antwortete.
"Wenn du jemanden zum reden brauchst, ich bin für dich da Liv. Das weißt du hoffentlich."
"Ich weiß. Aber im Moment ist mir nicht nach reden zumute. Am liebsten würde ich mich einfach mal zurücklehnen und nichts tun."
"Da kann ich dir vielleicht behilflich sein." Ravi setzte sich in Bewegung und blieb vor der Wand mit den Kammern für die Leichen stehen. Er öffnete eine und eine ältere Dame kam zum Vorschein.
"Das ist Lisa McKie. Sie wurde heute morgen tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Autopsie habe ich zwar noch nicht gemacht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie an einen Herzinfarkt gestorben ist. Außerdem war ihr liebstes Hobby stricken. Ich hab mal gehört, dass das sehr beruhigend sein soll." Ravi lächelte Liv an.
"Also keine nervenaufreibenden Visionen?"
"Nein und sie ist bis jetzt unser einziger Fall. Du kannst dir das Fernseh anmachen und es dir einfach mal gut gehen lassen."
"Danke.", erwiderte Liv erleichtert und bekam sogar ein kleines Lächeln zustande.
"Dann lass uns anfangen. Ich hab Hunger!", mit diesem Worten schnappte sie sich eine Knochensäge und eine Schutzbrille.
"Einen Moment noch, lass uns erst schnell die Autopsie machen, dann gibts Frühstück.", bremste Ravi sie aus. Liv legte die Säge wieder beiseite und zusammen begannen sie damit die Dame zu untersuchen.
Liv war grade mit der Blutabnahme fertig und beschriftete die Röhrchen für das Labor, als Ravi sie anstupste.
"Liv? Hörst du mich?"
"Sorry, ich war grade nur konzentriert. Was gibts?"
"Ich hab gefragt ob du was von meinem Porridge abhaben willst. Altes Familienrezept meiner Großmutter und schmeckt bestimmt super mit Gehirn.", erzähle Ravi und lächelte Liv zu.
"Ist das so ein Engländer Ding?", antwortete Liv schnippisch und musste bei seinem verwirrten Gesichtsausdruck einfach grinsen.
"Ravi kann einfach so süß sein...", ging es ihr dabei durch den Kopf.
"Haha sehr sehr witzig.", Ravi verschränkte gespielt gekränkt seine Hände vor der Brust, als er bemerkte worauf sie anspielte.
"Ich nehm natürlich gerne was von deinem Haferbrei.", antwortete sie ihm auf seine eigentliche Frage.
"Alles klar, du holst dir deine Spezialzutat und ich mach uns das Essen warm.", mit diesen Worten verschwand Ravi in der kleinen Küche. Liv nahm, zum zweiten Mal an diesem Tag, die Knochensäge zur Hand und begann diesmal nun wirklich den Kopf der alten Dame aufzuschneiden. Nach nur ein paar Minuten konnte sie den Schädel öffnen und das Gehirn herausnehmen. Vorsichtig trug Liv es zu Ravi in Küche, wo dieser schon in einem Topf herum rührte.
"So einmal frisches entspanntes Gehirn.", mit diesen Worten legte Liv es auf ein Schneidebrett und begann es in kleine Häppchen zu zerteilen, um es daraufhin in einer Pfanne mit viel Chilisoße anzubraten. Ravi füllte das Porridge in zwei Schüsseln. Zu einer Portion gab Liv zusätzlich noch das Gehirn. Zusammen machten sie es sich auf der Couch gemütlich und Ravi schaltete den Fernseh an.
"Guten Appetit.", wünschte er ihr noch und begann zu essen.
"Danke gleichfalls." Liv spürte direkt nach dem ersten Bissen, wie sich ihr Heißhunger auf Gehirn langsam verabschiedete.
"Das tut wirklich gut.", dachte sie sich und lehnte sich entspannt in der Couch zurück und aß weiter ihren Haferbrei. Nachdem sie aufgegessen hatte, zeigten sich erste Nebenwirkungen des Gehirns, denn Liv begann das Geschirr von ihr und Ravi zu spülen und die Utensilien die sie zum zubereiten des Essens gebraucht hatten sauber zu machen.
"Wow, das ist wirklich ein sehr angenehmes Gehirn. Ich glaube bis jetzt durfte ich immer unsere Sachen wegräumen.", ließ Ravi verlauten.
Ohne ein Wort zu sagen ging Liv an ihm vorbei und ließ sich zurück auf die Couch fallen. Sie nahm die Fernbedienung zur Hand und schaltete auf eine Kochsendung.
"Wie sehr ich richtiges geschmackvolles Essen vermisse.", seufzte sie nach ein paar Minuten. Sie spürte eine warme Hand auf ihrer Schulter.
"Lass den Kopf nicht hängen. Die Suche nach einem Heilmittel läuft doch ganz gut, wir sind fast am Ziel. Und ich verspreche dir, dass ich nicht aufgebe, bevor du endlich wieder ein Mensch bist.", sagte Ravi und lächelte ihr aufmunternd zu.
"Danke Ravi, das ist wirklich süß von dir.", lächelte Liv zurück. Ein paar Minuten sahen sich die beiden einfach nur in die Augen und in Livs Magen begann es zu kribbeln. Sie wandte ihren Blick schüchtern wieder von dem gutaussehenden jungen Mann ab und war froh darüber, dass sie als Zombie nicht erröten konnte.
"Ich hätte nie gedacht, dass das Zombie sein, doch mal einen Vorteil mit sich bringt.", murmelte Liv in sich hinein.
"Was hast du gesagt?"
"Ach nichts. Gucken wir einen Film?", wechselte Liv schnell das Thema.
"Ja klar. Ich liebe diese entspannten Arbeitstage.", schwärmte Ravi und ließ sich, nachdem er einen Film in den DVD Spieler geschoben hatte,  neben Liv nieder.
"Oh warte! Ich hab ja noch was für dich!", aufgeregt sprang Ravi wieder auf und verließ den kleinen Raum. Verwundert blickte Liv ihm nach. Nach kurzer Zeit kehrte der schwarzhaarige mit einer kleinen Tüte zurück, welche er Liv in die Hände drückte.
"Das sind ultra scharfe Chilibonbons. Die hab ich in einem Scherzartikelladen gefunden. Ich hoffe sie schmecken dir."
"Danke. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll.", brachte Liv hervor. Woran dieser Mann alles dachte. Er war wirklich unglaublich und Liv war sich sicher: Ohne ihn, würde sie kein Zombie mehr sein wollen. Dann würde sie gar nicht mehr leben wollen. Besonders nachdem was ihr gestern Abend von Major gesagt worden war. Sie war sich immer sicher gewesen, dass Major der Grund sei, warum sie das Leben als Zombie durch machte. Doch sie hatte sich geirrt. Sie tat es, weil Ravi an ihrer Seite war. Schnell sprang Liv vom Sofa auf und war mit nur zwei Schritten bei Ravi angelangt. Sie schlang ihre Arme um seinen Körper und legte ihren Kopf auf seine Brust.
"Danke. Danke für alles.", flüsterte sie.
"Immer wieder gerne.", antwortete Ravi ihr und schlang ebenfalls seine Arme um Liv. Ein paar Minuten standen die beiden einfach nur fest umschlungen da und bewegten sich nicht. Bis Liv sich vorsichtig von ihm löste, denn das starke Gekribbel in ihrem ganzen Körper war kaum noch auszuhalten.
"Dieser Mann macht mich einfach wahnsinnig.", dachte sie sich. Doch Ravi wollte sie nicht gehen lassen und hielt sie weiter fest. Als Liv ihren Blick zu ihm nach oben wandte, schaute sie direkt in Ravis schöne braune Augen. Ihr Blick glitt runter zu seinen Lippen, die nur ein paar Zentimeter von ihren entfernt waren. Und plötzlich passierte es, Ravi beugte sich einfach zu ihr herunter und drückte seine Lippen auf ihre.
In der ersten Sekunde wusste Liv nicht wie sie reagieren sollte. Ravis unglaublich warme Lippen lagen auf ihren bleichen und kalten Lippen. Es war ein ungewohntes, aber trotzdem gutes Gefühl. Das erste mal, seit Liv gestorben war, aber trotzdem irgendwie noch lebte, breitete sich eine wohlige Wärme in ihr aus. Vorsichtig begann sie den zaghaften Kuss zu erwidern und sich näher an Ravi zu drücken.
Sie hatten beide keine Ahnung, wie lange sie einfach nur in ihrem provisorischen Wohnzimmer standen und sich küssten. Es war ihnen auch einfach ganz egal. Als sie sich dann von einander gelöst hatten, lächelte Ravi Liv sanft an und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Liv selbst strahlte über das ganze Gesicht. Sie war ehrlich glücklich.
"Wie sehr ich dieses strahlende Lachen an du vermisst habe.", flüsterte Ravi der blonden Frau zu. Anstatt ihm eine Antwort zu geben, stellte sie sich auf Zehenspitzen um ihm abermals einen Kuss auf die Lippen zu drücken, einfach weil es ihr richtig erschien.
"Wie lange ich auf diesen Augenblick gewartet habe. Und er ist tausendmal besser, als ich es mir erhofft habe.", erzählte Ravi ihr. Als Antwort genügte ihm Livs lächeln und die Tatsache, dass sie ihn an der Hand mit zum Sofa zog, worauf sich die beiden Arm in Arm aneinander kuschelten und den Film schauten.
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