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The Division - Cold as Death

OneshotAllgemein / P16 / Gen
23.05.2016
23.05.2016
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The Division - Cold as Death


Er beobachtete den Zaun im Westen. Versteckt hinter dem Luftansauger einer Klimaanlage, wahrscheinlich schon aus dem letzten Jahrhundert, die kontinuierlich feuchtwarmen Dunst in die eiskalte Luft blies und ihn in leichten Nebel tauchte, wachte er. Die Schneeflocken fielen, während sich im Osten der Horizont zwischen den Manhattener Wolkenkratzer zu röten begann. Seine Wimpern, von Raureif umhüllt, begannen im heraufziehenden Sonnenlicht zu aufzutauen, doch die Luft blieb eisig kalt. Der Schnee, der ihm auf die winddichte graue Jacke und das zweckmäßig bis zur Nase hochgezogene Palästinensertuch gefallen war, weigerte sich zu weichen, so kalt war die Luft trotz der geradezu strahlenden Sonne. Die Geräusche der einst so lauten Stadt drangen gedämpft zu ihm – Hundegebell einsamer Streuner, das leise Quietschen der ungeölten Rotorblätter der Klimaanlage, sein eigener schwerer Atem, …und die Geräusche aus der Darkzone, die nicht einmal 150 Meter von ihm entfernt begann.

Der Zaun, der sich mehr als 10 Meter in die Höhe erstreckte, lag im Schatten der Hochhäuser – Stacheldraht verstärkte das Geflecht aus Maschendraht und dunklen Planen, unüberwindbar und stabil – so schien es jedenfalls. Das dahinter liegende Gebiet – die Darkzone – lag ebenso im Schatten. Keiner konnte genau sagen, was sich dort alles befand – tote Stadt, verlassene Häuser und Fahrzeuge, Leichen von Menschen ebenso wie von Tieren, die unbeerdigt einfach auf der Straße lagen, nur bedeckt mit behelfsmäßigen Planen. Die höchste Konzentration des Pockenvirus – doch die eigentliche Gefahr ging von den noch lebenden Wesen in diesem Bereich der Stadt aus. Von Zeit zu Zeit drang entferntes Gewehrfeuer zu ihm – das schnelle Stottern einer Submaschinenpistole, das lang anhaltende Rattern eines leichten Maschinen- oder Sturmgewehrs, seltener hörte er den endgültigen, lauten Schuss eines Scharfschützengewehrs.
Begleitet wurde dies oft von Explosionen oder Schreien – in der Darkzone fand man mehr als genug gefährliche Straßengangs und Söldner. Doch diese waren auch nicht die größte Gefahr auf die man treffen konnte.
Der Rauch eines ungelöschten Feuers trieb langsam in Richtung des Straßenübergangs, den der Agent beobachtete, als ein Ruck durch seinen angespannten, unterkühlten Körper ging. Das stundenlange Warten schien sich gelohnt zu haben. Routiniert lud er das Präzisionsgewehr durch, visierte etwas an, dass sich in langsamen Schritten Richtung des Checkpoints näherte.
Die Gestalt, die er gerade durch das Visier seines M1A erkannte, war kein Angehöriger der Straßen- oder Gefängnisgangs, keiner der Cleaner und auch kein in Tarnfarben gehüllter Söldner – er war viel gefährlicher. Ein Agent – doch nicht irgendeiner. Er kannte ihn, hatte seine Akte studiert, ihn mehrere Tage beobachtet. Er gehörte zur ersten Welle – einer der wenigen die nicht gestorben oder verschwunden waren, sondern der sich Aaron Keener, dem abtrünnigen Agenten, angeschlossen hatte. Seine Basis hatte er in der Darkzone. Wohl im Vertrauen, das sich niemand dorthin trauen würde, mit dem er nicht zurechtkommen würde. Doch jeder Mensch brauchte irgendwann Nahrung und Vorräte – und nur wenige Meter von seiner Position  entfernt war ein unaufgebrochener Lebensmittelladen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der abtrünnige Agent ihm hier vors Visier laufen musste.
Und so saß er nun still da, wartete bis er bessere Sicht hatte, berechnete die Windrichtung ein, beobachtete.
Der Agent spannte sich an, sein Atem stoppte, als er anlegte und zielsicher den Abzug löste. Ein lauter, ungedämpfter Knall – er hatte getroffen. Endlich – doch für Freude oder gar Euphorie war es zu früh. Sein Ziel war nur eines von vielen – über die genaue Anzahl konnte er nicht einmal etwas sagen – doch jeder Tod brachte ihn einen Schritt weiter. Jede Kugel, die traf, rechtfertigte seine Existenz – er war hier, um die zu töten, die genau dies verdienten. Dafür gab er alles – und so störte er sich nicht an zerfrorenen Gliedmaßen, ungepflegten Barthaaren und knurrendem Magen – sein Körper funktionierte auch so. Nur seine Waffen pflegte er penibel. Sorgfältig sicherte er sein M1A, tauschte es aus gegen die auf mittlere und nahe Distanzen praktischere ACR, die ihm ebenfalls bereits gute Dienste gebracht hatte – viele Tode verteilt, ihn viele Schritte auf seinem Weg weiter gebracht.

Sein nächstes Ziel war klar – kurz bevor er sich hier hinter der Klimaanlage niedergelassen hatte, hatte ihn ISAC bereits darüber informiert, nachdem der Assistent verschiedene Videoaufzeichnungen der Umgebung analysiert hatte und auf eine Straßengangbasis gestoßen war. In der Darkzone. Vorsichtig näherte sich der Agent jetzt der Tür, auf deren anderer Seite er ebenso dem Abschuss freigegeben war. Doch ein Zögern gab es nicht, er musste seinen Weg gehen. Jeder Tod – und sei es sein eigener – würde ihn näher zum Ziel bringen.
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