Geliebter Feind

von Angeloi
GeschichteRomanze, Sci-Fi / P18
22.05.2016
27.10.2016
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So, da ist sie – meine neue Geschichte...

Zunächst muss ich dazu sagen, dass mir die Idee schon vor Jahren kam, als ich ein uraltes und im Vergleich zu heute trashig anmutendes B-Movie gesehen habe ;) Auch den Titel habe ich mir von dort entliehen. Wer diesen nicht kennt, muss ihn nicht zwingend ansehen, es sei denn man mag diese 80er Jahre Filme *lol* - Und mehr als die grobe Grundidee habe ich auch nicht geklaut – das ist auch eigentlich nur ein üblicher 'ungleiches Paar landet auf abgeschiedener Insel und muss sich zusammenraufen' - Plot – nur dass es diesmal keine Insel, sondern ein fremder Planet ist. Genau wie ein wenig 'Romeo und Julia' oder 'die Schöne und das Biest' vorhanden ist - sucht euch was aus - Ich kopiere also nichts, was es nicht ebenso schon -zig Mal gegeben hat in den verschiedensten Variationen ;) Und dies ist eben <<meine>> Version :D

Wen ich bis jetzt nicht verscheucht habe, bei dem bedanke ich mich schon mal im Voraus dafür, dass er mir eine Chance gibt. Meine Geschichte beginnt eigentlich mit dem 'beinahe'-Ende, aber das seht ihr ja selbst – und wie immer freue ich mich über Meinungen, Spekulationen, Kritik der positiven oder auch negativen Art, denn nur so wird man motiviert weiterzumachen, oder sich ggf. zu verbessern.
Zauberhafte Beta ist immer noch Vanessa, die sich ein wenig von mir hat Überrumpeln lassen, da ich zunächst zwei ganz andere Geschichten geplant hatte und die sich trotzdem weiter tapfer durch meine Buchstabendreher und Kommafehler kämpft. Danke ;*)




* . ☼ .*  ☄ . *


Prolog – Der Prozess





Für einen Moment musste ich meine Lider schließen, als man mich grob in den Saal schob und mich das Licht blendete. Anders als in dem dämmrigen Gang zuvor, war es hier strahlend hell. Zu gerne hätte ich meine Finger über die Augen gelegt, um mich vor den grellen Strahlen zu schützen, aber meine Hände waren auf meinem Rücken gefesselt.
Ein Raunen ging durch die Menge der Menschen, die in dem Raum versammelt waren, als sie mich sahen. Langsam gewöhnte ich mich an die ungewohnte Helligkeit und das Bild, wie sie da in den Rängen saßen und mich anstarrten, kristallisierte sich heraus.
Dies war eine Arena und ich wurde praktisch den Löwen zum Fraß vorgeworfen. Mein Galgenhumor funktionierte noch prächtig. Manches änderte sich auch in tausenden Jahren menschlicher Geschichte nicht. Normalerweise fanden hier Sportveranstaltungen statt, große Events und Versammlungen und nun, zum ersten Mal, auch ein Prozess.
Was hatten die Schaulustigen erwartet? Bestimmt nicht das, was sie sahen. Nur zu gut konnte ich mir vorstellen, wie man die Stimmung gegen mich aufgeheizt hatte. Bestimmt hatten sie eine schreckliche Walküre erwartet, ein menschliches Monster. Das Raunen verebbte zu einem Tuscheln, als man mir ruppig die Handfesseln abnahm und mich in einen Stuhl drückte.
Ja, vielleicht hatte der Eine oder Andere sogar Mitleid mit dem, was er sah. Eine kleine, junge Blondine in einem typischen Gefängnisoverall, der mindestens eine Nummer zu groß war und mich vermutlich noch kleiner wirken ließ, als ich mit meinen ein Meter fünfundsechzig ohnehin schon war.

Dies war ein Schauprozess für die Öffentlichkeit, denn mein Urteil stand schon längst fest. Ein archaisches Ritual aus grauer Vorzeit. Etwas, an das ich selbst einmal geglaubt hatte.

Jene, die über mich urteilen sollten, waren nicht einmal richtig anwesend. Nur ihre Hologramme flimmerten etwas oberhalb von meiner Position. Ein Gong erklang und sofort herrschte Stille im Saal. Die Menschen hier drin waren allerdings echt. Sie ahnten ja nicht einmal, dass sie nur Statisten in dieser Inszenierung waren. In der ersten Reihe erkannte ich einige meiner ehemaligen Kollegen und Freunde. Sie alle trugen ihre üblichen Uniformen, die sie als Soldaten auswiesen. Einige von ihnen waren als Zeugen geladen worden und keiner würdigte mich auch nur eines Blickes. Sie konnten nicht verstehen, was geschehen war und ich konnte ihnen nicht mal einen Vorwurf machen. An ihrer Stelle hätte ich es auch nicht. Ich suchte nach weiteren bekannten Gesichtern und es grenzte fast an ein Wunder, dass ich Robert in den Massen erkannte. In der Arena waren bestimmt an die fünfhundert Menschen versammelt. Ein ausgewähltes Publikum, weshalb es ein doppeltes Wunder war, dass er es überhaupt hier hinein geschafft hatte. Trotz der Entfernung war mir, als könnte ich sein Lächeln erkennen. Ein aufmunterndes Nicken, welches mir galt.

„Niemals aufgeben“, hörte ich seine Worte in meinem Kopf. Der väterliche Rat, den er mir einst schon in der Ausbildung mitgegeben hatte. Anders als viele meiner ehemaligen Kameraden war ich nicht für den Krieg gezüchtet und geboren worden. Ich war eine Freiwillige gewesen, wie viele andere. Aber eine der wenigen, die bis jetzt überlebt hatten.

Das zweite Mal erklang der Gong und es kam Leben in die Hologramme. Ich wusste, dass unzählige Kameras auf uns gerichtet waren, immerhin wurde der Prozess in alle Ecken des bekannten Alls gesendet.

Ich hörte kaum hin, während meine Anklagepunkte vorgelesen wurden. Die kannte ich ja selbst. Am Schwerwiegendsten jedoch, war der letzte, den ich kristallklar verstand. „Hochverrat.“

„Leana Stone, was sagen Sie zu diesen Anklagepunkten?“

Erneut ging ein Geraune durch die Menge, als ich pro Forma gefragt wurde, wie ich mich zu diesen Punkten bekannte. Fast hätte ich gelächelt.

„Schuldig“, gab ich zu und das Raunen wurde zu einem Tosen. Pfiffe und Schreie ertönten. Das war so gewollt und es machte mir kaum etwas aus. Sie kannten ja die Gründe nicht.
Es dauerte eine Weile bis sich die Zuschauer wieder beruhigt hatten und auch die Richter ließen sie länger johlen als sonst üblich. Dann erschien zum ersten Mal das Hologramm meines Anwalts neben mir. Ein Gegenstand flog in seine Richtung, aber es verzerrte nur kurz die Lichtpartikel aus der sein Abbild bestand. Aufmunternd blinzelte er mir zu und lächelte. Robert hatte ihn mir besorgt. Er angeblich ein fähiger Mann, auch wenn er nicht viel älter als ich zu sein schien. Vielleicht Mitte zwanzig, Anfang dreißig.

„Hohes Gericht, verehrte Anwesende. Bevor wir mit dem Verfahren beginnen, möchte ich der Liste der Verteidigung einen weiteren Kronzeugen hinzufügen. Allerdings beantrage ich hierzu Zeugenschutz.“

Das Hologramm des obersten Richters flackerte, als gäbe es Schwierigkeiten mit der Übertragung. Das war nicht ungewöhnlich, immerhin befanden wir uns auf einer Raumstation und sie waren auf der Erde. Chris, mein Verteidiger, befand sich allerdings ebenfalls hier. Jedoch hatte man ihn aus Sicherheitsgründen nicht zu mir gelassen. Zumindest war das meine Vermutung. Schlagartig tat sich ein gigantisches Loch in mir auf, da ich ahnte, was er vorhatte.
Energisch schüttelte ich meinen Kopf, aber mein lautes „Nein“, ging in der schallenden Stimme des Richters unter. Ich hatte aufspringen wollen, aber meine beiden Wächter drückten mich wieder zurück auf den Stuhl.
„Noch einmal und du wirst wieder gefesselt“, drohte mir einer von ihnen. Das verstand ich allerdings genau, trotz des Dröhnens der Stimme aus dem Saal, da er es direkt in mein Ohr gezischt hatte.

Ich bekam nur am Rande mit, wie Chris hitzig mit dem Gericht diskutierte. Man bestand darauf, dass es keinen Schutz gäbe, da es sich um ein Militärgericht handelte, aber der Anwalt hielt dagegen, dass ein hohes öffentliches Interesse an diesem Fall vorherrschte und allein schon die Anwesenheit von Zivilisten im Saal bestätigte, dass dies das Gericht ebenso sah, da ansonsten militärische Prozesse unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wurden.
Chris war gerissen, das musste ich zugeben, aber ich hatte Angst vor dem, was er plante. Tatsächlich musste das Tribunal dies eingestehen, nachdem sie sich kurz zur Beratung zurückgezogen hatten, indem sie einfach die Bildübertragung abgebrochen hatten. Nun war es wieder deutlich lauter geworden. Die Menschen diskutierten, teilweise hörte ich Schmährufe, wie „Verräterin“ oder „Hure“, gemischt mit anderen Beleidigungen, die mich nicht persönlich trafen. Sie hatten ja gar keine Ahnung! Ich empfand eher Mitleid, da man sie so gekonnt hinters Licht geführt hatte.
Alles war eine einzige große Lüge. Diese Verhandlung, meine Anklage, der Krieg, in dem wir uns befanden. Mit Blick auf meine ehemaligen Kameraden war sogar ihre Existenz zum Teil eine Lüge. Viele von ihnen waren genetisch zu Kampfmaschinen verändert worden. Härter, stärker, gehorsamer als der übliche Durchschnitt. Zum Schutz der menschlichen Rasse – was für eine Farce.
Ich schloss meine Augen und betete innerlich, dass die Richter diesen Zeugen nicht zulassen würden, von dem ich ahnte, wer es sein sollte. Bitte nicht! Flehend sah ich noch einmal zu Chris, aber der lächelte nur triumphierend, als man ihm den Antrag bewilligte und ich sackte auf meinem Stuhl zusammen.
Es war klar, dass sie mich nicht am Leben lassen würden, aber nun war auch sein Leben in Gefahr! Wie konnte ich das verhindern? Mir war schlecht und mein Magen drohte sich zu übergeben. Ich hatte gehofft, dass ich zum Abschluss dieses Schauprozesses etwas sagen durfte, wie es allen Verurteilten gewährt wurde. Sorgsam hatte ich mir die Worte zurechtgelegt, die hoffentlich viele Menschen zum Nachdenken bringen würden. Tränen schossen mir in die Augen.

„Da das hohe Gericht dem Schutz meines Zeugen öffentlich zugestimmt hat, möchte ich beantragen, dass man Ma'tom Letal, oberster General der Baital-Armee vor dieses Gericht lädt, eine Aussage zu machen.“

Ich wusste nicht mehr, was lauter war, das Schreien der Menschen oder das Blut, welches mir in den Ohren rauschte. Das konnten sie nicht machen! Panik durchflutete mich und gleichzeitig auch die Hoffnung, dass dies unmöglich sein würde.

Immer wieder ertönte der Gong als Zeichen dafür, dass die Massen sich beruhigen sollten. Es dauerte gefühlte Ewigkeiten bis der Lärm abflaute.

„Wie stellen sie sich das vor?“, fragte der holographische Richter und schüttelte seinen Kopf. „Wir befinden uns im Krieg mit den Baital. Schon aus Sicherheitsgründen können wir unmöglich so eine Vorladung zustellen. Jeglicher Kontakt wird seitens des Feindes abgeblockt.“

So etwas wie Erleichterung kam in mir hoch, die jedoch schnell verschwand, als ich das Lächeln meines Verteidigers sah. „Das ist nicht nötig, hohes Gericht“, erklärte er ruhig und übertönte das aufflackernde Getuschel der Menschen. „Er ist schon hier.“

Mir war, als würde man mir die Luft abschneiden. Nein, nein, nein! Das durfte einfach nicht wahr sein. Sie würden ihn niemals lebend gehen lassen, egal, welche Versicherung diese Richter auch angeblich gegeben hatten. Diesmal ließen sich die Zuschauer nicht beruhigen. Manche hatten Panik, andere forderten seinen Kopf – oder meinen. Schließlich musste die Arena geräumt werden, da man die allgemeine Sicherheit nicht mehr garantieren konnte. Sie würden draußen auf der Raumstation von überall alles weiter verfolgen können. Nur einige Auserwählte durften bleiben. Hohe Beamte, Offiziere, meine ehemaligen Kameraden und die Zeugen. Erstaunlicherweise erkannte ich erneut Roberts Gesicht darunter. Mein väterlicher Freund winkte mir unbemerkt zu. Steckte er vielleicht hinter diesem absurden Plan? Das Hologramm meines Anwalts erlosch im gleichen Augenblick.

Wie hatten sie es geschafft, ihn zu kontaktieren, geschweige denn, ihn unerkannt auf diese Station bekommen? Aber offensichtlich hatten sie es irgendwie bewerkstelligt. Mein Hals war trocken und der Kloß darin hatte die gefühlte Größe einer Wassermelone. Ich sah wie die Tür, durch die ich auch gekommen war, sich mit einem Zischen öffnete und mein Herz drohte mir aus der Brust zu springen als ich neben Chris auch die große, massige Gestalt des Baital erkannte. Er trug die übliche Uniform jener feindlichen Aliens und auch die typische Gesichtsmaske, aber ich hätte ihn unter Hunderten wiedererkannt. Meine Hände zitterten und für einen Moment verschwamm alles vor meinen Augen, weil sie sich mit Tränenflüssigkeit füllten.

„Haben wir einen Übersetzer?“, fragte einer der Richter und ich hörte deutlich das aufgeregte Zittern in seiner Stimme heraus.

„Das ist nicht nötig“, gab der Baital zurück und ich hatte das Gefühl, die Anwesenden hielten die Luft an vor Überraschung. „Ich spreche eure Sprache.“ Seine dunkle Stimme klang seltsam hohl und verzerrt unter seiner Maske.

Es herrschte eine fast gespenstische Stille und ich konnte die angespannte Atmosphäre förmlich spüren. Vermutlich hatten die wenigsten der Zuschauer einen Baital jemals aus der Nähe gesehen.
Die zischenden Geräusche der gruseligen Atemmaske, die an das verzerrt geöffnete Maul eines Raubtieres erinnerte, konnte ich bis zu meinem Platz hören. Sie umschloss fast sein ganzes Gesicht, bis auf den breiten Schlitz für die Augen. Auf den ersten Blick wirkte es beinahe, als wäre es die echte Fratze eines antiken Fabelwesens. Es war ein beeindruckender Anblick, wie er mit seinen fast zwei Metern meinen Anwalt um einiges überragte. Der pelzige Kragen um seinen Nacken gab den Eindruck von Fell, welches über den Rand seines ledrigen Overalls herausragte und die Meisten glaubten bestimmt, es wäre seines, da sich die feinen Härchen mit jedem Atemzug hoben und senkten, wie der Kragen eines gereizten Hundes. Nur kurz schwenkte sein Blick zu mir und auch wenn einige Entfernung zwischen uns war, so war mir, als könnte ich das gelbe Funkeln seiner Katzenaugen sehen, die für eine Sekunde auf mir ruhten. Dann war der Moment auch schon vorbei, aber es hatte gereicht, dass alles in mir ruhig und still wurde. So endete es also? Wir würden zusammen sterben, so, wie es eigentlich schon vor langer Zeit hätte geschehen sollen.

Damals, als wir noch Feinde waren


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