6 - Die Toni-Tribute schöne neue Welt

von Emares
GeschichteAllgemein / P16
20.05.2016
20.05.2016
7
10.889
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
20.05.2016 1.157
 
Runter da!“, fauchte Toni, als sie aus der kleinen Toilette ihres Appartements in den Raum trat. Es war ein kleines Zimmer, ein roter Teppichboden bildete einen starken Kontrast zu den vielfältigen grünen und blauen Verzierungen um die weißen Wände. Eine große Panoramascheibe offenbarte den Blick auf das rostrote Meer und hatte früher den Sternenhimmel des luftleeren Weltraums gezeigt. Im Raum, der durch eine Rolltüre, vorbei an dem stillen Örtchen, betreten werden konnte, standen ansonsten nur ein alter Schreibtisch aus echtem Holz und ein schlichter Kleiderschrank, sowie ein kleines, weißes Bett.
Argus hatte sich darauf breit gemacht. Er lag mit hinter dem Kopf verschränkten Armen und übereinander gelegten Beinen auf dem weißen Bett und das in voller Uniform.
Welcher Idiot versieht ein Zimmer eigentlich mit einem solchen Ausblick, aber baut das WC so, dass es kein Fenster hat?“, nörgelte er, weil das Gebläse gerade anging.
Hörst du schlecht? Ich habe gesagt, du sollst dich nicht mit den Stiefeln ins Bett legen!
Sie ging auf ihn an und wollte ihn herunter schubsen, doch er winkte ab.
Ich bin nicht echt. Wenn ich aufstehe, wird das Bett nicht einmal zerknittert sein!
Sie knallte ihren Koffer auf das Bett, was er mit einem tiefen, gequälten Schnaufen quittierte.
Nebenbei bemerkt: willst du deswegen nicht mal einen Arzt aufsuchen!?“, blickte er sie ernst an, während er so tat, als würde er den Koffer festhalten.
Ich brauche keinen Seelenklempner!“, begann sie, ihre Sachen fein säuberlich aus dem Schrank in den Koffer zu räumen:
Wenn ich will, dass mir jemand beibringt, meine Ängste, Sorgen und Nöte zu verdrängen, nur um mir dann, wenn es nicht klappt, einen Strick zu reichen...
Wozu nimmst du das eigentlich alles mit, wenn du deine Uniform ohnehin nie ausziehst!?“, wollte er wissen, als sie gerade einen elysianischen Schlafanzug einpackte.
Sie nahm ein Höschen aus dem Koffer und spannte es mit beiden Händen vor seiner Nase:
Zumindest meine Unterwäsche werde ich täglich wechseln.“ Er grinste sie verlegen an,
Im Gegensatz zu dir habe ich nämlich ein Problem damit, dauernd zu stinken!“, faltete sie es wieder und packte es weg. Nach dieser Präsentation musste er sich erst kurz schütteln.
Ich stinke nicht!“, protestierte er, doch sie machte einfach weiter:
Mir stinkst du aber!
Sie wollte gerade ein Paar frische Socken einpacken, da hielt sie inne.
Ihr Blick auf die Socken – er war verschwommen.
Sie sah auf: der ganze Raum um sie herum war undeutlich. Sie blinzelte und winkte mit der Hand vor ihren Augen, doch es veränderte sich nicht.
Was ist los?“, wollte er wissen. Sie schaute zu ihm. Er war das Einzige hier, was sie deutlich erkennen konnte.
Ich kann nichts mehr scharf sehen!“, schluckte sie. Er stand vom Bett auf und ließ seine Augen durch den Raum wandern. Da zuckte er mit den Schultern,
Also meine Sicht ist klar!
Das hilft mir nicht!“, zeterte sie ihn an, während sie immer noch versuchte, das Problem mit Blinzeln zu lösen. Dann nahm ihre Umgebung langsam wieder Form an.
Es geht wieder!“, atmete sie erleichtert auf. Aber er ging auf sie zu und packte ihre Hand.
Du musst zu einem Arzt gehen!“ Sein Gesichtsausdruck war ernst, er stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
Du musst doch fit sein für die kommende Schlacht, kleine Soldatin!
Etwas verlegen sah sie auf den Teppichboden, dann schaute sie zurück in sein Gesicht:
Du hast Recht!

Herein!“, tönte es aus der Türe der elysianischen Praxis, an die Toni geklopft hatte. Sie scheute sich, der Aufforderung nachzukommen. Noch nie war sie hier beim Arzt gewesen, sie war zu stolz und meistens ging es ihr ohnehin gut. Außerdem musste sie diesen Ort intensiv suchen. Er lag versteckt, tief im Maschinenkern der Stadt. Eine Viertelstunde hatte sie damit verloren, sich hier zu verlaufen...
Es bedurfte eines tiefen Schnaufers, um den Mut aufzubringen, die schwere Eichenholztüre aufzustoßen, die sie von ihrem Ziel trennte. Ein grelles Licht blendete sie, als sie eintrat. Wiederverwertetes Wasser floss über die Wände des großen Raumes und wurde hier mit UV-C-Strahlung desinfiziert. In der Mitte des Raumes befand sich eine große Plattform unter einer Glaskuppel, ein Gang führte unter einem Glastunnel in diese Wartungsstelle.
Auch wenn das tödliche Licht durch die Scheiben geschluckt wurde, war es hier doch grell und unangenehm. Gleichsam erzeugte das fließende, sprudelnde Wasser einen wunderschönen Regenbogen.
Toni konnte von all dem nur undeutliche Bilder erkennen. Sie tastete sich vorsichtig an dem Geländer entlang.
Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte ein pummeliger Mann mit einem weißen Mantel und gelben Sturzhelm.
Ein Crashkurs über Wasserwirtschaft? Daten über die Abwasserrecyclingindustrie?“, hakte er nach und sie erkannte, dass er hinter einem Metalltisch saß, in welchen Aktencontainer eingelassen waren. Nicht sehr vertrauenswürdig wirkte auf sie, dass er sich offensichtlich gerade die Hände an seinem Kittel abwischte.
Ich bin hier, weil ich ein gesundheitliches Problem habe.“ Sie machte sich etwas größer.
Oh, mein zweites Standbein!“ Er öffnete den linken Aktenschrank, legte seinen Helm hinein. Dann drehte er sich zum Rechten und setzte sich daraus ein Stethoskop auf.
Setzen Sie sich!“ Der Mann gab einem Metallschemel unter dem Tisch mit dem Fuß einen leichten Schubser. Das Möbelstück rollte vor ihre Füße, dann fuhr es sich zu einem vollwertigen Barhocker aus. Sie nahm etwas misstrauisch Platz.
Also, wie kann ich zu Diensten sein?“, fragte er und legte das Bruststück auf ihr Ohr.
Für einen Moment war sie sich nicht ganz sicher, ob er überhaupt etwas unter seinem Arztanzug an hatte, doch dann erkannte sie, dass er nur einen skurrilen Gürtel trug.
Herzschmerzen? Ein Pilz, der da wächst, wo keiner hingehört?“, unterbrach er sie, bevor sie überhaupt Luft holen konnte
Mein Augenlicht!“, brach es aus ihr hervor, „Ich habe das Gefühl, ich kann nichts mehr scharf sehen!
Warum kommen die hübschen Frauen nie mit Liebeskummer zu mir?“ Der Mann lehnte sich auf den Tisch und holte eine Lampe aus dem offenen Fach auf der anderen Seite. Dann beugte er sich vor sie und machte etwas, das ein ernster Gesichtsausdruck sein sollte.
Er leuchtete ihr mehrfach in die Augen und quittierte ihre Pupillenreaktion mit völlig sinnfreien „Ahas“ und „Ach sos
Wieso gehst du zu diesem Schwachkopf?“, flüsterte Argus ihr ins Ohr. Auch wenn sie es teilweise sehr genossen hatte, dass er ihr über ihre Einsamkeit hinweghalf, hier störte er definitiv.
Da würde ich mich ja eher von Oppenbott behandeln lassen!“, spottete er.
Wer ist Oppenbott?“, fragte sie skeptisch.
Was?“, „Was?“, hallte es ihr doppelt entgegen.
Ach nichts!“, bemühte sie sich, sich nichts anmerken zu lassen.
Nun“, lehnte der Mann sich an seinen Schreibtisch, „Ich kann keine physische Ursache erkennen.“ Sie stand auf und ging nachdenklich, sowie etwas verstört aus dem Raum.
Tut mir leid, dass ich keine besseren Nachrichten für Sie habe!“, rief er ihr nach.
Hm...“, Argus stand nachdenklich im Ausgang, als sie an ihm vorbeiging.
Ich kann Ihnen nur raten, sich zu schonen! Keinen Stress, keinen Sport, keine Zigaretten...“, hallte es noch durch die massive Türe, als sie sie vorsichtig schloss.
Review schreiben