Warum Meliodas die Sünde des Drachen genannt wird... OneShot

OneshotFantasy, Freundschaft / P16
Ban Elizabeth Liones Estarossa Gowther King Meliodas
20.05.2016
20.05.2016
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Ein OneShot zu Nanatsu No Taizai oder auch Seven Deadly Sins. Chronologisch könnte man es kurz nach Meliodas Erlangung seiner ganzen Kraft einordnen.
Ich habe mich schon immer gefragt, warum Meliodas "Dragon Sin of Wrath" genannt wird und darum geht es hier auch.
Nicht wundern, ich habe Ban mit dabei. (Eigentlich hatte ich nur vergesse, das er da nicht dabei war...^^')
Wichtig: Es kommen nur die Sieben Todsünden vor. (Und auch nur die, wo ich nicht vergessen hab, das sie nicht dabei waren^^)
Also: Tschüss Arthur *Arthur in Keller sperr*
Aber genug geredet, jetzt wird geschrieben. Viel Spaß ;P


Energie durchströmte Meliodas Körper. Er fühlte sich endlich wieder vollständig. Auch wenn er nun darauf achten musste, dass das Mal verborgen blieb, war es doch ein schönes Gefühl, wieder ganz zu sein. Nun, nicht komplett ganz. Ohne Elizabeth würde er nie ganz sein. Aber wenn sie bei ihm war, dann war er vollkommen.

Es war nun einige Tage her, das Meliodas seine Kraft zurückerlangt hatte. Er fühlte sich merkwürdig. Die Energie staute sich in ihm an. Er wusste, warum es passierte und er wusste, was er dagegen tun musste. Aber er konnte nicht. Nicht hier. Nicht, wenn alle da waren. 'Nur noch ein paar Tage', sagte Meliodas sich. 'Nur noch ein paar Tage und dann würde es wieder gehen. Ich musste es schon seit über 10 Jahren nicht mehr tun, also werde ich es auch jetzt schaffen.' Doch er täuschte sich...

Elizabeth erwachte kurz nach Sonnenaufgang. Der Grund war Meliodas. Aber nicht, weil er sie befummelte. Nein, weil er schrie. Er schrie vor Schmerzen und Elizabeth wusste nicht, was sie tun sollte. Meliodas krümmte sich und schwarze Symbole erschienen auf seiner Haut. Sein Gesicht war schmerzverzerrt und die Zähne zusammengebissen. Auf einmal stürmte Ban in den Raum. "Was ist passiert?!", rief er aus. Elizabeth war den Tränen nahe. "Meliodas-sama hat auf einmal geschrien. Ich glaube, er hat Schmerzen", sagte sie. Merlin kam ebenfalls herein. Aufmerksam betrachtete sie Meliodas. "Kannst du ihm helfen?", fragte Elizabeth. Merlin schüttelte nur bedauernd den Kopf. "Ich weiß nicht, was ihm fehlt." Nun schwebte King ebenfalls herein. "Leute, wir haben ein Problem", sagte er. "Elizabeth, bleib bei Meliodas", sagte Ban und ging mit Merlin und King runter in die Schanke. Elizabeth sah noch einmal voller Sorge auf Meliodas. "Meliodas-sama, was habt Ihr?", fragte sie. Meliodas öffnete unter großen Mühen ein Auge. Es war schwarz. So wie in Byzel, als er gegen Helbram kämpfte. "Etwas,... wo du mir... nicht helfen kannst", sagte er mit zitternder Stimme.

Der Schmerz war absolut. Nichts anderes konnte Meliodas spüren. Wie durch einen alles verschluckenden Nebel drang Elizabeths Stimme zu ihm durch. "Meliodas-sama, was habt Ihr?" Unter unglaublichen Anstrengungen öffnete er ein Auge. Elizabeths Gesicht war so dicht vor seinem, doch sah er nur verschwommen. Als würde der Nebel seine Sicht verzerren. "Etwas,... wo du mir... nicht helfen kannst", hörte er sich sagen. Eine neue Schmerzenswelle brannte auf und seine Muskeln spannten sich an.
Auf einmal war da eine Präsenz. So wunderbar und vertraut, obwohl sie für dreitausend Jahre getrennt gewesen waren. Sie hüllte ihn ein und nahm ihm ein wenig von seinem Schmerz. 'Was hast du nur wieder angestellt, kleiner Bruder?'

Merlin, Ban und King standen im Schankraum und starrten den Mann an, der da vor ihnen stand. Er sah Meliodas sehr ähnlich. Zu ähnlich, um nicht mit ihm verwandt zu sein. Seine Haare waren silbern und etwas länger. Seine Augen schwarz, wie es bei Dämonen typisch war und über dem linken Auge trug er das Mal, das ihn als Angehörigen des Dämonen-Clan auszeichnete. "Wer bist du und was willst du?", fragte Merlin. Der Mann sah Merlin bedauernd an: "Mich für Galans Tat entschuldigen, ist eines meiner Anliegen. Mein Name ist Estarossa und ich bin einer der Zehn Kommandanten." Ban sah bei den Worten so aus, als wolle er ihn auf der Stelle angreifen. Lediglich Kings Arm hielt ihn auf. "Zudem bin ich der Bruder von Meliodas." Ban sah ihn weiterhin mordlustig an. Dann... "WAAAAS?!?!", rief er aus. "Meliodas ist mein kleiner Bruder", sagte Estarossa. "Du machst Scherze, oder?", fragte King ungläubig. Estarossa schüttelte lediglich den Kopf. "Nein. Glaub mir, wenn du mit Meliodas aufgewachsen wärst, dann wüstest du, das er solche Scherze überhaupt nicht abhaben kann." Am Ende des Satzes lachte er leise auf. "Nun gut, was willst du?", fragte Merlin. "Ich will Meliodas helfen. Ihr wisst nicht, was ihm fehlt, aber ich. Und ich weiß, wie es ihm besser gehen wird", sagte der Silberhaarige. "Und wie?", fragte King. "Ich tue es bereits. Meine Anwesenheit hilft ihm", sagte Estarossa. "Und nun bitte ich euch, mich zu meinem Bruder zu lassen und ihm zu helfen."

Als die Tür aufging, sah Elizabeth auf. In der Tür stand ein Mann, den man für einen älteren Meliodas hätte halten können, wenn seine Haare blond gewesen wären. Er wirkte wie vom Donner gerührt, als er Elizabeth erblickte. Dann verneigte er sich: "Es ist schön, Euch so zu sehen." Er richtete sich wieder auf und ging zu seinem Bruder. Meliodas krümmte sich. Estarossa beugte sich zu ihm herunter und strich ihm in einer sanften Geste das Haar aus dem Gesicht. Meliodas Stirn glühte und sein Dämonenmal war sichtbar. Schwerfällig öffnete Meliodas seine Augen. "Estarossa", sagte er schwach. "Keine Angst, ich bin ja hier. Es wird wieder gut werden", sagte der silberhaarige Dämon sanft und hob ihn auf seine Arme. Meliodas sah aus wie ein Kleinkind, das sich verletzt hatte, als er so von seinem Bruder getragen wurde. Er verspannte sich erneut und ein Schmerzenslaut verließ seinen Mund. "Gleich kannst du, kleiner Bruder. Halte nur noch ein paar Minuten aus", flüsterte Estarossa dem Blonden zu. Dann ging er mit ihm die Treppe hinunter und aus dem Wirtshaus. Er rannte direkt los.

"Was glaubst du, was dieser Estarossa mit unserem Hauptmann machen wird?", fragte Ban King. "Keine Ahnung, aber ich werde sie nicht alleine lassen", sagte King und flog ihnen nach. Sein Misstrauen gegenüber Meliodas war vergessen. Er war wieder der Freund, der er schon seit vielen Jahren war. Ban gab nur ein "Tch" von sich und lief hinterher.
Nach ein paar Minuten blieb Estarossa stehen. Ban und King versteckten sich hinter den Bäumen.

"Meliodas, hörst du mich noch?", fragte Estarossa seinen kleinen Bruder. Meliodas hatte nicht die Kraft, auch nur zu nicken. Zu absolut war der Schmerz. Zu stark. Ein Stöhnen entwich seinen Lippen, so voller Schmerz, das es Estarossa beinahe das Herz zerrissen hätte. "Meliodas, du musst es tun. Du musst dich verwandeln", sprach er bestimmt. Sein Bruder jedoch schüttelte nur schwach den Kopf. "Nein", kam es leise von ihm. "Nicht, wenn sie ihn der Nähe sind." "Kleiner Bruder, es sind hier nur du und ich", sprach Estarossa. Meliodas schüttelte nur wieder den Kopf. "Ban... Und King", wisperte er. "Das ist jetzt egal, du musst dich verwandeln. Sonst unterschreibst du dein Todesurteil", sprach Estarossa verzweifelt. Er versuchte über ihre Verbindung - die alle Dämonengeschwister hatten - den Grund zu finden, warum er sich so weigerte. Und was er spürte, erschreckte ihn. Meliodas hatte Angst. Angst, das seine Kameraden - seine Freunde - ihn verstoßen würden, wie es doch schon im Clan der Fall gewesen war. "Sie werden dich nicht verstoßen. Du bist ihr Freund und sie sorgen sich um dich. Vor allem die Blonde", sagte Estarossa und hatte Tränen in den Augen. Sein kleiner Bruder würde lieber sterben, als seinen Freunden zu offenbaren, das er ein Dämon war. "Elizabeth", sagte Meliodas. "Und würdest du sie nicht gerne wiedersehen?", fragte Estarossa, während er sich hinkniete. Meliodas nickte schwach. "Dann verwandel dich. Lebe", flüsterte Estarossa und legte Meliodas auf dem Boden ab.

Er spürte, das sein Bruder ihn ablegte. 'Geh. Ich will dich nicht verletzen.' Er konnte gerade so erkennen, wie Estarossa lächelte. "Wirst du nicht." Mit diesen Worten strich Estarossa ihm über den Kopf, bevor er sich von ihm wegbewegte. Bei Ban und King blieb er stehen. Meliodas versuchte, durch den Nebel aus Schmerzen seinen Dämon zu finden. Und er fand ihn. Tief in seiner Seele lag er zusammengerollt und wartete. Schlief schon beinahe. Aber eben nur beinahe. Meliodas griff nach seinem Dämon und zog ihn zu sich. Verwandelte sich.

Es ging schnell. Meliodas wurde größer und seine Kleidung platzte auf. Gleichzeitig wurde seine Haut schwarz und zu Schuppen. Ein unglaublicher Wind kam auf und Ban und King mussten die Augen schließen. Als sie blinzelnd wieder zu Meliodas sahen, blieb ihnen beiden der Atem weg. Dort, wo Meliodas vor einigen Sekunden gelegen hatte, lag nun ein Drache. Sein gesamter Körper war schwarz und die Schuppen schillerten leicht im Licht. Der Schweif schlang sich um den Körper. Die Flügel waren groß und an den schlanken Körper gelegt. Der Hals war lang und vom Kopf bis zur Schweifspitze war der Rücken mit einem Stachelkamm versehen. Aus der Nase stieg Rauch auf und als Meliodas den Kopf hob und kurz das Maul öffnete, sah Ban, das dieses mit scharfen Zähnen gefüllt war.

Meliodas drehte den Kopf zu Ban, King und Estarossa. Ein Ausdruck der Bedauerns trat in seine schwarze Augen, als er Ban und King zwischen den Zweigen erblickte. Estarossa drehte sich zu ihnen um. "Warum seid ihr uns gefolgt?", fragte er Ban. King schwebte währenddessen zu Meliodas. "Das war etwas, das du nicht erzählt hast", sagte er schlicht. Meliodas nickte lediglich. "Wenn du jetzt abhaust, werde ich dir die Flügel stutzen, Kleiner", sagte Estarossa und deutete auf ihn. Empört legte Meliodas die Flügel wieder an, die er schon halb geöffnet hatte.
"Also. Warum seid ihr uns gefolgt?", wiederholte der Silberhaarige seine Frage. Ban sah ihn an: "Wir haben uns Sorgen um den Hauptmann gemacht. Woher hätten wir wissen sollen, das wir dir Meliodas anvertrauen können?" King betrachtete weiterhin Meliodas. "Was?", fragte dieser schließlich. Seine Stimme war tief und grollend. Ban sprang zurück. "WAAAS?!?! WARUM KANNST DU ALS DRACHE SPRECHEN?!?!", rief er aus. Meliodas lachte. "Nishishi. Wie sollte ich denn sonst mit euch reden?", fragte er zurück und senkte dabei den Kopf so tief, das er Ban mit einem Auge in dessen sehen konnte. "Kleiner Bruder", sagte Estarossa und klopfte ihm auf die Schnauze. Angesprochener schnellte mit dem Kopf hoch und sah ihn dann sehr empört an. "Was?", grollte er. "Jetzt bist du mal größer als ich", grinste sein Bruder zu ihm hoch. Meliodas senkte den Kopf und sah Estarossa in die Augen. Dann drehte er blitzschnell den Kopf und schleuderte seinen Bruder zwischen die Bäume. Der blieb einige Sekunden liegen. Dann richtete er sich wieder auf. "Wofür war das denn?!", rief er aus. Meliodas grinste fies. Und als Drache hatte es dazu noch einen Beängstigungsbonus oben drauf. "Dafür, das du mir auf die Schnauze gepatscht hast. Du weißt, dass ich das überhaupt nicht abhaben kann", antwortete er. "Sollten wir nicht zum Boar's Hat zurück? Die anderen machen sich große Sorgen", sagte King nun auf einmal und unterbrach so das geschwisterliche Gerangel. Ban nickte und sah hoch zu Meliodas. Dieser senkte gerade den Kopf zu Boden. Meliodas sah Ban, King und Estarossa auffordernd an. "Was?", fragte Ban ihn. Estarossa kam wieder zu ihnen und sagte: "Du darfst auf Meliodas reiten. Laufen würde zu lange dauern und ich will nicht wissen, was passiert, wenn Elizabeth sauer wird." "Elizabeth wird nie sauer", sagte King. Meliodas lachte leise. "Liz aber." Estarossa lachte auf. "Das war eine schöne Zeit damals. Als wir noch nicht versiegelt waren und Frieden herrschte", sagte er verträumt. Meliodas nickte. "Jetzt kommt. Ich will nicht testen, ob Elizabeth so wütend werden kann wie Liz es wurde." Estarossa schritt an die Seite von Meliodas und stieg auf dessen Vorderpranke. Meliodas hob ihn hoch, sodass der Silberhaarige in der Mulde zwischen Hals und Rücken platz nehmen konnte. Es war die einzige Stelle, wo Meliodas keinen Stacheln auf dem Rücken hatte. "Jetzt steigt schon auf", forderte Meliodas sie auf und bot ihnen seine Pranke zum Aufsteigen an. Zögernd stieg Ban auf. King schwebte weiter in der Luft. Meliodas sah ihn auffordernd an. "Ich kann selbst fliegen", sagte King. "Aber kannst du auch mit meinem Tempo mithalten?", fragte Meliodas zurück. King machte weiterhin keine Anstallten, in der Mulde Platz zunehmen. Dann seufzte er und setzte sich sehr vorsichtig. "Ich würde mich festhalten", sagte Meliodas, während er die Flügel öffnete. "Was? Wo?", fragte Ban. Meliodas grinste zu ihnen hinunter und hob mit einem kräftigen Flügelschlag ab. King und Ban schrien auf. Nur Estarossa grinste und spürte von seinem kleinen Bruder ebenfalls Belustigung herüber schwappen.



Voller Sorge blickte Elizabeth aus dem Fenster des Boar's Hat. Es war nun eine Stunde her, das Estarossa mit Meliodas in den Armen das Wirtshaus verlassen hatte. Sie wollte sich gerade vom Fenster abwenden, als sie einen Schatten am Himmel bemerkte, der rasch größer wurde. Und es hielt genau auf das Wirtshaus zu. Elizabeth lief hinaus, hinter ihr Hawk, Merlin und Gowther. Draußen war der schwarze Fleck inzwischen sehr nah ans Boar's Hat gekommen.
Merlin erschrak. Sie wusste, was der schwarze Fleck war. Ein Drache. Und zwar ein großer. Und sie wusste auch: Je größer der Drache, desto mächtiger war er.
Elizabeth war wie gefesselt von dem Anblick, der sich ihr bot. Noch nie zuvor hatte sie einen Drachen gesehen, nur in den Legenden von ihnen gehört. Das sie bösartige Dämonen waren, die ihren Schatz mit größter Sorgfalt bewachten. Wenn jemand versuchte, sie zu bestehlen, wurde er bei lebendigem Leib geröstet. Manche Drachen konnten sich auch in junge Männer von unvergleichlicher Schönheit verwandeln. Aber Elizabeth wusste auch, das sie sich nur ein einziges Mal in ihrem Leben verliebten. Und wenn die Geliebte starb, starb der Drache vor Kummer kurze Zeit später.

Der Drache schwebte über dem Boar's Hat und landete vorsichtig. Merlin und Gowther machen sich bereit anzugreifen, als Ban vom Rücken des Drachen sprang. "Was zum...?", fragte Merlin verwirrt. Der Drache legte den Kopf auf den Boden. Kleine Rauchschwaden stiegen aus seiner Nase auf. Die schwarzen Augen wirkten seltsam vertraut. King, der ein wenig grün im Gesicht war, schwebte nun ebenfalls vom Rücken des Drachen - auch wenn es eher so wirkte, als sei er eine betrunkene Hummel, die unsicher hin und her schwebte - und dann sprang Estarossa vom Drachenrücken und sah sehr zufrieden aus. "Wo ist der Captain?", fragte Gowther und richtete seinen Zwillingsbogen auf den Drachen. "Er steht direkt vor dir", sagte Ban und blickte zum Drachen, "oder liegt."

Schweigend beobachtete Meliodas seine Kameraden. Elizabeth starrte ihn an. Ihr Blick fühlte sich an, als würde sie direkt in seine Seele blicken. "Was?", fragte Merlin und Meliodas' Aufmerksamkeit wanderte wieder zu ihr. Merlin roch nach Unglaube und Verwirrung. So roch sie selten.
Meliodas wunderte sich über sich selbst. Er hatte keinerlei Probleme damit, wieder in sein wahres Ich zu finden. Seine Sinne waren noch schärfer als schon in seiner menschlichen Gestalt - wo sie ebenfalls sehr scharf waren. Eigentlich hätten die Eindrücke - Gerüche, Geräusche, Bilder - ihn überrollen sollen. Doch es war, als wäre er nie ein Mensch gewesen. Als hätte er nie die Gestalt gewechselt und unter den Menschen gelebt.
'Meliodas!' Die Stimme seines Bruders riss ihn aus seinen Gedanken. 'Ja?' 'Darf ich ihnen sagen, das du der Drache bist?', fragte er. 'Eine andere Möglichkeit haben wir ja nicht. Ban und King wissen es doch bereits', antwortete Meliodas und drehte den Kopf so, das er seine Freunde sehen konnte. Gowther richtete noch immer seinen Bogen auf Meliodas. "Nimm den Bogen runter, Gowther", sagte King. "Warum sollte ich? Drachen sind dämonische Wesen, die töten und stehlen. Es ist unlogisch, so ein Wesen am Leben zu lassen", antwortete die Puppe und spannte den Bogen. "Du würdest ihn also erschießen? Selbst, wenn Elizabeth im Schussfeld steht?", fragte Estarossa.

Elizabeth konnte nicht fassen, was gerade passierte. Gowther richtete sein Sacred Treasure auf den schwarzen Drachen. Es schien ihn nicht zu kümmern, das er sie ebenfalls treffen würde. "Gowther. Nimm den Bogen runter", sagte Estarossa eindringlich. "Es kümmert mich nicht, was du zu sagen hast, Dämon", erwiderte Gowther und lies die Sehne los.
Der Pfeil raste auf Elizabeth zu. Er würde sie treffen. Er wird sie treffen. Elizabeth konnte sich nicht bewegen. Sie war wie zu Eis erstarrt. Auf einmal war etwas zwischen dem Pfeil und der Blonden. Ein leiser Schmerzenslaut war zu hören, als der Pfeil ins Fleisch eindrang.
Der schwarze Drache hatte Elizabeth beschützt.

Meliodas hatte im Affekt gehandelt. Es kam ihm vor, als wenn der Pfeil in Zeitlupe fliegen würde. Wenn er Elizabeth treffen würde, wäre sie tot. Das wusste er. Ohne, das es ihm bewusst war, spannten sich seine Muskeln an. Nur ein Schwenker. Eine leichte Bewegung der Muskeln.
Meliodas' Hals befand sich vor Elizabeth.
Der Pfeil traf.
Ein leiser Schmerzenslaut entwich dem Maul des schwarzen Drachen. 'Das ist kein Illusionspfeil von Gowther', schoss ihm durch den Kopf. 'Er hat geschossen mit der Absicht zu töten.' Meliodas spürte, wie ihm das Blut in Strömen über die Schuppen lief. Langsam drehte er den Kopf zu Elizabeth. Er hatte nicht die Kraft, den Kopf zu heben. Der Pfeil hatte eine Ader getroffen und schwer verletzt. "Geht es dir gut?", fragte Meliodas leise.

"Geht es dir gut?", fragte der Drache. Elizabeth erstarrte. 'Meliodas-sama', dachte sie. 'Der Drache hat mit Meliodas-sama's Stimme gesprochen!' Stockend nickte sie. "Gut", seufzte der Drache. Er lächelte leicht. Dann hob er langsam den Kopf und sah Gowther an. Der richtete bereits einen zweiten Pfeil auf den Drachen. "Es reicht Gowther", sagte Ban. "Erst, wenn der Drache tot ist", antwortete die Puppe. "Das ist nicht einfach nur ein Drache!", rief King. "Das ist der Captain!"

Unglaube. Nur Unglaube. Nach mehr rochen Merlin und - ja auch Gowther nicht. Langsam drehte King sich zu Estarossa um, so, als würde ihm gerade ein Fehler klar werden. "Ups?" "Nicht schlimm", winkte der silberhaarige Dämon ab. Schnellen Schrittes ging er auf Meliodas zu. Das rote Blut, das aus der Pfeilwunde lief, floss über die schwarzen Schuppen seines Bruders. "Nicht schlimm?", fragte Ban nach. "Er wollte es euch sowieso sagen. Zwei wussten es schon. Er wollte euch nicht länger anlügen", sagte der Dämon geistesabwesend. "Senk bitte den Kopf. Dann kann ich mich um die Wunde kümmern", sprach er zu Meliodas. "Also ist der Drache... Der Captain?", fragte Merlin nach. "Ja", antwortete Ban.

"Warum heilst du nicht?", fragte Estarossa Meliodas. Der antwortete nicht. Er hatte die Augen geschlossen und atmete flach. "Hey. Wenn du jetzt stirbst, hast du uns ganz umsonst versiegelt", sagte Estarossa. "Kann ich helfen?", fragte eine Stimme hinter dem Dämon. Dieser drehte sich um.
Es war die Apostel der Göttinnen. Langsam schüttelte Estarossa den Kopf. "Nein. Deine Macht würde ihn umbringen." "Aber es hat auch vorher schon einmal gewirkt", erwiderte Elizabeth."Da war Meliodas in seiner menschlichen Form. Dies ist die Gestalt, in der er geboren wurde. Meliodas ist ein Dämon. Da er seine Macht zurück hat und er in seiner wahren Gestalt ist, würdest du ihm nur schaden", erklärte Estarossa. 'Lass sie', hörte er die schwache Stimme seines Bruders. 'Damals, nach der Versiegelung, da hatte sie mich ebenfalls geheilt. Ich war noch immer ein Drache.' Estarossa spürte die Gefühle in Meliodas. Da war Schmerz, aber auch tiefstes Vertrauen. Sein kleiner Bruder vertraute darauf, das Estarossa das Richtige tat und Elizabeth ihn heilen ließ. Also trat der Dämon zur Seite.

Merlin beobachtete, wie Elizabeth Meliodas' Wunde heilte. Eine goldene Blase bildete sich um sie und den Captain. Estarossa sprang zurück. "Was ist? Hast du Angst vor der Wärme?", zog Ban ihn aus. "Nein. Aber ich mag es nicht, bei so etwas in der Nähe zu sein." Estarossa sah aus, als wäre er am liebsten ganz wo anders. Erstaunt zog Merlin eine Augenbraue hoch. "Warum das denn?", fragte sie. "Für einen Dämon ist es ein äußerst... Intimer... Moment, wenn eine Apostel der Göttinnen ihn heilt. Für Drachen ist das noch extremer", erklärte Estarossa. Die Blase verschwand. Elizabeth ließ sich gegen Meliodas Hals sinken. "Danke", sagte Meliodas. "Warum kann er als Drache sprechen?", fragte Merlin. "Eine Eigenart der Drachen. Selbst wir Dämonen verstehen es nicht."

Die anwesenden Todsünden saßen mit Estarossa vor dem Boar's Hat. Elizabeth lehnte noch immer gegen Meliodas Hals, welcher schlummerte. Feine Rauchkringel stiegen aus seine Nase bei jedem ausatmen auf. Ban, King, Gowther und Merlin saßen mit Estarossa nur einige Schritte entfernt auf dem Boden. "Warum hat der Captain nie gesagt, das er ein Dämon ist?", fragte Ban. Estarossa seufzte. "Es liegt daran, wie er aufgewachsen ist. Als Kind hat er nie gelernt Vertrauen zu Leuten, die nicht zur Familie gehören, zu fassen. Nur Zeldris und mir hatte er vertraut." "Wer ist Zeldris?", fragte King. "Er ist unser jüngerer Bruder." "Und warum hat der Captain nie gelernt, Vertrauen zu fassen?", fragte Merlin. "Dafür muss ich ein wenig ausholen. Also.
Unser Vater hatte einmal eine Gefährtin. Sie war seine erste Frau. Aus dieser... Ehe stamme ich. Meine Mutter starb einige Jahre nach meiner Geburt an Dämonenpocken. Schreckliche Krankheit. Jedenfalls, ich war noch ein Kind, als Vater dann eine magisch begabte Drachin kennenlernte und sich in sie verliebte. Sie war die Mutter von Meliodas. Jedoch starb sie einige Tage nachdem Meliodas geschlüpft war. Er wu-",
erzählte Estarossa, wurde jedoch von Merlin unterbrochen. "Moment. Der Hauptmann ist geschlüpft?", fragte sie ungläubig. "Ja. Drachen sind - so ungern sie es auch hören - Reptilien. Sie legen Eier, in denen ihre Nachkommen sind, und brüten diese dann aus", erklärte Estarossa. "Das hast du jetzt nicht wirklich gesagt, oder?", fragte eine grollende Stimme. "Was?" Estarossa sah seinen kleinen Bruder an. "Reptil? Doch. Und das bist du doch auch. Ein Reptil", lachte er und bekam dafür als Revange eine Menge Rauch ins Gesicht geblasen. Elizabeth kicherte über Meliodas Verhalten hinter vorgehaltener Hand. Dieser war jedoch schon wieder am schlummern.
"Wie gesagt, Meliodas wuchs ohne eine Drachenmutter auf und hatte nur unseren Dämonenvater. Es ist zwar nicht verboten, jedoch sehen es die Dämonen nicht gerne, wenn ein Dämon sich mit einem Drachen einlässt. Drachen sind übrigens keine Dämonen. Sie sind ein eigener Stamm, der sich jedoch schon vor Jahrtausenden in sein eigenes Reich zurückzog. Jedenfalls, ohne eine Drachenmutter, die ihr Junges beschützt, liebt und für es sorgt, hatte Meliodas es schwer. Alles, was Drachen können, musste er sich selbst beibringen. Feuer speien, fliegen und die Verwandlung hat er sich selbst beigebracht. Wobei ich anmerken muss, das er um einiges früher angefangen hat, Feuer zu speien als es für Drachen üblich ist. Die erwachsenen Dämonen hatten es ihm nicht leichter gemacht. Sie haben ihn abgelehnt, da er kein 'reiner Dämon' ist. Und diese Abneigung - und weil Meliodas anders aussieht - führte dazu, das die Kinder nie etwas mit ihm zutun haben wollten. Sie mieden ihn, wann immer es möglich war. Einige Jahre später lernte unser Vater dann Zeldris' Mutter kennen. Ihr könnt euch ja denken, was dann passiert ist." "Euer kleiner Bruder kam", sagte Merlin. Estarossa nickte: "Genau. Aber denkt nicht, das seine Mutter auch wie eine Mutter zu Meliodas war. Nein. So war es leider nicht. Irgendwann hielt Meliodas es nicht mehr im Clan aus und ging. Er erzählte mir, das er vielleicht zum Drachen-Clan gehe, aber der war zu dem Zeitpunkt schon in seinem Reich. Also ging Meliodas zu den Menschen. Er nahm die Gestalt eines Menschen an und lebte von da an unter euch. Das ist nun 4000 Jahre her."

Elizabeth war erstaunt. Meliodas war mehr als 4000 Jahre alt. So alt war nicht einmal das Königreich Liones. Sie dachte an Meliodas' menschliches Aussehen. Er sah aus wie ein Kind, nicht wie ein alter Mann. Jedoch sah Estarossa auch nicht sehr alt aus, höchstens wie ein junger Erwachsener und er war älter als Meliodas. Anscheinend alterten Dämonen anders als Menschen. "Ich muss nun gehen", riss Estarossa sie aus ihren Gedanken. "Zeldris und die anderen der Zehn Kommandanten werden sich fragen, wo ich bin", sagte er und stand auf. "Oh. Könnt ihr Meliodas vielleicht noch etwas ausrichten?" "Was denn?", fragte Elizabeth. "Sagt ihm, als Vater starb, hat er Meliodas als Nachfolger ausgewählt." Estarossa lächelte und ging.

"Ich glaub es nicht", wiederholte Meliodas kopfschüttelnd nun schon zum zwanzigsten Mal und nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Humpen. Elizabeth hatte ihm gesagt, was sie dem blonden Drachendämon von seinem Bruder hatte ausrichten sollen. "Vater war wirklich ein verdammtes Schlitzohr. Anstatt der Tradition zu folgen, bestimmt er mich. Den, der am wenigsten vom Clan akzeptiert wird." Meliodas lachte kurz auf und schüttelte noch einmal den Kopf. Dann leerte er seinen Ale und ging aus dem Boar's Hat. Er suchte Elizabeth. Er musste ihr etwas wichtiges sagen. Der gestrige Tag - den er bis auf dem Morgen vollständig verschlafen hatte - hatte ihm gezeigt, das er nicht länger warten konnte. Er musste es ihr sagen.
Meliodas fand Elizabeth an einem Bach liegend. Sie nahm ein entspanntes Sonnenbad. Langsam ging er zu ihr. "Elizabeth", sprach er sie an. Blinzelnd öffnete sie die Augen. "Meliodas-sama", freute sie sich. Der Blonde setzte sich neben sie. "Elizabeth, ich muss dir etwas sagen", fing er an. Elizabeth sah ihn verwundert an. Meliodas konnte ihre Hoffnung riechen und ihren schnelleren Herzschlag hören. Das gab ihm Mut.
"Ich liebe dich."

Elizabeth war wie zu Stein erstarrt. Sie hatte gehofft, das er dies sagen würde, aber nicht erwartet. "Elizabeth?", fragte Meliodas sie unsicher. Er wirkte wie ein Mensch, wie er sie so fragte. "Ich...", fing Elizabeth an. "Ich liebe dich auch." Vorsichtig beugte Meliodas sich zu ihr und küsste sie. Es war ein berauschendes Gefühl für Elizabeth. Sie konnte es nicht in Worte fassen, so atemberaubend schon und wunderbar war dieser Moment.

Elizabeth lehnte an Meliodas, der sie im Arm hielt. "Ich wollte dich noch etwas fragen, Meliodas", sagte Elizabeth und musste sich fast auf die Zunge beißen, um nicht noch ein -sama anzuhängen. "Was denn?", fragte der blonde Drache und spielte ein wenig mit einer Haarsträhne von Elizabeth. "Was meinte Estarossa-sama damit, als er sagte, euer Vater habe dich zum Nachfolger ausgewählt?" Meliodas lachte leise. "Unser Vater. Nun. Er war ein Schlitzohr. Ein verdammtes ausgekochtes Schlitzohr. Ein viel größeres als Ban. Es wollte, das ich der nächste werde." "Der nächste was?", fragte Elizabeth und sah zu Meliodas hoch. Der sah mit einem sanften Lächeln in den Ferne.
"Der nächste Dämonenkönig."
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