5 - Die Toni-Tribute klatsching Donna

von Emares
GeschichteAllgemein / P16
19.05.2016
19.05.2016
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Da saß die junge, blonde Frau mit Sommersprossen nun an einem Tisch mitten auf einem Schrotthaufen vor den Stadttoren von Porta Fisco. Toni hatte ihr weißes Oberhemd und ihre blaue Latzhose wieder gegen ihren eng anliegenden, blauen Overall getauscht mit den modischen dunkelblauen Handschuhen und Stiefeln. Eine orangene Schutzweste rundete das Bild ab. Diese und ihr lockiges Haar wehten sanft in einer kohlenstoffhaltigen Seebrise, als sie zum blauen Himmel aufsah und rekapitulierte, was sie hier her gebracht hatte:
Elysium, die fliegende Stadt, hatte einst beschlossen, Deponia, ihre Heimatwelt, in die Luft zu sprengen und den Organon, eine Klonarmee aus 10.000 kampferprobten Bürokraten damit beauftragt, die Sprengung durchzuführen. Sie hatte sich dem Widerstand angeschlossen, traf dort auf ihren Exfreund, der einer Anderen, einer Elysianerin namens Goal hinterherlief. In Folge eines seiner verrückten Pläne landete sie mit einigen anderen Deponianern und dem Großteil des Organon in der fliegenden Stadt. Ihre Nebenbuhlerin schaffte es ebenfalls, zusammen mit jemandem, der sich als ihr Exfreund ausgab und sich später als Inspektor Cletus herausstellte, welcher ursprünglich bescheinigen wollte, Deponia sei unbewohnt. Ihr Exfreund hatte sich fallen gelassen, um alle anderen zu retten, ausgenommen Argus, dem sadistischen Anführer des Organon, welcher im Hochboot nach Elysium eingeklemmt zurück auf die Heimatwelt stürzte.
Auf Elysium fügte sie sich ein, indem sie den Organon trainierte und mit der Zeit zu einer Art Mutter der Kompanie wurde. Gefangen zwischen den einheimischen Snobs und ihren Untergebenen jedoch war sie sehr einsam und begann wieder mit dem Mann zu liebäugeln, den sie für ihren Exfreund hielt.
Dann kam es zu einer folgenschweren Explosion, die ihn tötete und Goal verschwinden ließ. Toni erinnerte sich, als wäre es gestern gewesen, wie ein Soldat an ihren Schreibtisch trat und regungslos verharrte.
Was gibt es?“, fragte sie ihn, kaum Notiz nehmend und er reichte ihr eine Datasette.
Ich habe hier etwas, das Sie hören sollten“, sagte er, woraufhin sie sich ihm zuwandte und sie entgegennahm. Der Soldat schlug die Hacken zusammen, salutierte und verließ sie zügig.
Als er den Raum verlassen hatte, legte sie das Datenmodul in einen Rekorder und drückte Play.
"Ich glaube... ich glaube, ich werde es nicht schaffen... aber es gibt da noch Eines, das ich dir sagen muss, ich bin nicht...", ertönte „Rufus“ gequälte Stimme, doch sie wurde harsch und zornig von Goal unterbrochen:
Ach hör' schon auf! Glaubst du, ich wäre so beschränkt? Glaubst du, ich könnte nicht bis drei zählen?“, es folgte eine kurze Pause, dann ertönte sie wieder, aber noch gekränkter,
Damals auf dem Hochboot war es mir sofort klar, als es zu spät war; du hast dich von Anfang an nur um dich gekümmert, hast mich nur gesucht, immer wenn du glaubtest, mich für die Fahrt nach Elysium zu brauchen! Natürlich bist du Cletus! Rufus hat sich für mich geopfert [...]
Mit einem Druck auf die Stop-Taste unterbrach sie das Abspielen, dann ließ sie sich in ihren Bürosessel zurückfallen.
In diesem Moment war Toni klar geworden, dass der Mann den sie für ihren Exfreund gehalten hatte und der sie so eifersüchtig gemacht hatte, ein völlig Anderer gewesen war. Sie fühlte sich noch einsamer, gefangen auf dem strahlenden Symbol der Hoffnung für den ganzen Planeten.
Als Elysium dann auf Deponia notlandete, erwachte die Hoffnung in der jungen Frau, endlich nicht mehr alleine zu sein. Doch nachdem sie ihrem Exfreund und Goal auf der Oberfläche wieder begegnet war, diese hatten irgendwie versehentlich ihre Geschlechter getauscht, und als diese sich schließlich für immer verabschiedet hatten, gingen die Probleme von neuem los.
Die neue Rebellenarmee startete eine Invasion auf Elysium.
Wie sie später erfuhr, war Goal in der Zeit zurück gestürzt und hatte sich schließlich geklont. Ihr alter Körper war an eine verrückte Frau namens Donna gefallen, die sich schließlich zur Rechten Hand von Argus hoch gekämpft hatte, welcher seinerseits die Kontrolle über den restlichen Widerstand auf Deponia übernommen hatte.
Und nachdem Argus sich geklont hatte, übernahmen seine drei Doppelgänger die Kontrolle über den größten teil der Rebellen. Ihm selbst blieb nur ein kleiner Rest und die Klonanlage, mit der der Organon erschaffen worden war.
Die Triade der Tyrannen hatte Wenzel, einen kleinen Mann aus ihrem Heimatdorf, geschickt, um Verhandlungen in deren Sinne zu führen. Wenzel war der Toni schon immer nachgelaufen, seit ihr Brüste gewachsen waren, weswegen die beiden auch Diplomaten im Sinne der jeweils anderen Seite wurden. Einige Zeit später waren sie verlobt, doch er zog den Schwanz ein und sie verfolgte ihn. Nachdem sie ihn wiedergefunden hatte, trat eine dritte Fraktion auf den Plan.
Argus, der originale Argus, bot ihr an, sie mit seiner Klonanlage zu unterstützen, wenn sie ihm einen Teil des Organon zur Verfügung stellte, um die Anlage betreiben zu können.
Es kam jedoch anders – Argus wurde von ihr niedergestreckt, weil er sie dazu zwang und nur sie und Wenzel wussten letztlich von seinem Tod. Jedoch war die Unterstützung der dritten Fraktion das kleinere von zwei unausweichlichen Übeln und so ergab sich eine unangenehme neue Situation.

Die junge Frau schnaufte und blickte vom Himmel, wo sich einst Elysium befand, wieder vor sich.
Da saß sie nun: links neben Toni war Wenzel, vor ihr saßen Donna in Goals altem Körper und Oppenmeier, eine Art Bürokratenbuttler, welcher dankenswerterweise das wahnsinnige Gestammel der Verrückten übersetzte. Toni und Wenzel wurden von zwei Klonsoldaten flankiert, die Auge in Auge je einem Kleiderschrank von Rebellensoldat gegenüberstanden.
Die Verhandlung fand auf einem Müllhaufen an einer der Kreuzertrassen nach Porta Fisco statt, eine kleine provisorische Brücke führte hinter Toni in das Schleusentor zu einem Kreuzer, mit dem sie gekommen waren. Donna dagegen hatte ihre Klonanlage hinter sich.
In dem Gefährt, welches vom Widerstand zwecks der Verhandlungen zur Verfügung gestellt worden war, befanden sich als Eskorte und eventuell zur Vertragserfüllung 1.000 Organon. Die Verhandlungen waren gut gelaufen, erste, Kontrakte bereits unterzeichnet, aber dennoch würde sie im Anschluss noch bei den drei Argussen anfragen, inwiefern die neue Situation ihre Verhandlungsposition gewandelt hatte.
Dennoch: es würde darauf hinauslaufen, dass das geschwächte Elysium die kleinere Fraktion unterstützen würde, weil diese einen Gegenpol zur nun entmenschlichten Revolutionsarmee darstellte. Ihren Verlobten würde sie da schon irgendwie auslösen, nur die Grimassen schneidende Goal vor ihr trieb sie fast in den Wahnsinn.
Sehr gut, dann haben wir wohl vorläufig eine rechtskräftige Vereinbarung!“, schenkte Oppenmeier ihr ein kaum merkliches Lächeln, als er die Formulare gegenzeichnete, um sie dann in seinem Aktenkoffer zu verstauen.
Also dann; besiegeln wir es!“, stand Toni halb auf und reichte ihre Hand über den Tisch, die Donna, noch sitzend, ergriff und quetschte. Sie bewegte die Hände vorsichtig auf und ab, während sie sich vor Schmerz in die Oberlippe biss, da formte Donna einen halbwegs sinnigen Satz:
Wo-ist-mein-Wackelpudding?“, wobei über ihren Mund gelaufener Rotz hin und her baumelte.
Toni zuckte; dieser, in jedermanns anderem Mund unschuldig klingende, Satz löste in ihr ein merkwürdiges Flashback aus. Sie sah sich unter der Lampe im Kontrollraum des Sprengturms, kurz nachdem sie Argus tödlich getroffen hatte und ihn in Armen hielt.
Verdammt, verdammt. Verdammt nochmal!“, dachte sie, weil sie diese Erinnerung, sowie die damit verbundenen Schuldgefühle für Sekundenbruchteile einfach nicht verdrängen konnte und ihr Gegenüber sie ansah, als könne es Gedanken lesen.
Nach dieser Erinnerung erschrak Toni, denn Donnas Gesichtsausdruck hatte sich deutlich verändert: ihr Kopf vibrierte, während er sich langsam immer weiter zur Seite neigte und sie fing unter einem abscheulichen Geräusch an, den Rotz von Ihren Lippen zurück in ihre Nase zu ziehen.
Tja, dann gehen wir mal...“, stand Toni gänzlich auf auf und deutete auf den Kreuzer hinter sich. Sie drehte sich auf der Stelle um und ging zu ihrem Gefährt, ohne ihre Helmkappe auf dem Tisch mitzunehmen. Ihre Begleiter traten darauf ebenfalls den Weg zurück an. Allerdings drehte Donna weiterhin ihren Kopf in die Schräge, wobei ihr linkes Auge immer mehr zu zucken begann.
Paackt sie!“, schrie sie, gleichzeitig aufspringend und ihren Zeigefinger nach vorne schleudernd. Oppenmeier schreckte erst auf, als der Stuhl seiner Kollegin nach hinten auf den Boden fiel, doch die beiden Bodyguards stürmten bereits um den Tisch auf die Gruppe vor sich zu, die gerade erst die Brücke zur Kreuzertrasse erreicht hatte.
Toni war vor ihren Begleitern bereits in Hab-Acht-Stellung; während Wenzel nur nach vorne zum Kreuzer zu rennen begann und die beiden Klone sich noch auf der Stelle umdrehten, hob sie ihre geballten Fäuste. Der schwere Mann, der zu erst auf sie einstürmte, setzte gerade zu einem Schlag in ihr Gesicht an, da duckte sie sich bis zum Boden und sein Schlag ging ins Leere. Er stolperte über ihren gebeugten Rücken und flog weiter, als sie mit den Händen nach oben wie eine Sprungfeder hochschnellte. Er rutschte weiter über den Rand der Brücke, wobei er einen ihrer Begleiter wie einen Bowlingpin erwischte. Dieser konnte sich jedoch gerade noch festhalten, während Tonis Opponent laut fluchend einen Abhang aus alten Zeitungen und medizinischem Abfall herunter rasselte. Gerade erst den Ersten überwunden, wandte sie sich dem Zweiten zu, doch dieser pfiff auf Fairness und nutzte die Gelegenheit sowie seinen Schwung, um seinen Gewehrkolben auf ihre Stirn zu schlagen.
Für einen Moment drehte sie die Augen, stürzte zurück und taumelte mit erhobenen Fäusten. Ihr Kontrahent wollte nachlangen, doch der Organon, welcher zuvor nicht erwischt worden war, fing den Schlag ab und ging zu Boden. Als der fast Gestürzte sich wieder hochgezogen hatte und Toni vor einem weiteren Hieb rettete, indem er dem Mann an den Hals sprang, kam sein ausgeknockte Organon wieder zu Bewusstsein und krallte sich seinerseits ein Bein.
Weitere Soldaten kamen Toni zusammen mit Wenzel aus dem Kreuzer zu Hilfe und geleiteten die verwirrte, desorientierte, junge Frau in das schützende Innere des Gefährts.
Wir werden ewig leben!“, brüllte der Wilde, der sich trotz der beiden Klone vorwärts schleppte, als die Türe sich schloss.
Ihr Atem wurde gerade ruhiger und sie litt mit den beiden Soldaten draußen während der Kreuzer von Porta Fisco wegfuhr. Plötzlich explodierte vor der Schleuse eine Granate.
Die Explosion schien so stark, dass sie sich an zwei Haltestangen links und rechts von der Türe festhalten musste.
Was zum...“, dachte sie, als sie eine lauwarme Feuchtigkeit auf ihrem Bauch spürte und fühlte sich an die Nase.
Ich wurde doch an der Stirn getroffen und nicht an der Nase...“ und so war es auch nicht, ihre Nase war nicht am Bluten.
Langsam sah sie an sich herab, in einer gewissen Vorahnung. Da erblickte sie es: ein Metallteil der Tür war durch die Explosion verbogen und hatte sich so gewunden, dass es direkt in ihren Bauch ragte. Mit der Gewissheit kam auch der Schmerz, der dieser pochenden Wunde entströmte wie das warme Blut, welches aus ihr floss, wie Altöl aus einem leckgeschlagenen Restmüllfass und welches in ihren Overall zog.
Soldaten! Ich benötige Unterstützung!“, keuchte sie, sich noch gerade so an den Haltestangen um die Tür auf den Beinen haltend. Die umstehenden Organon begriffen sofort und packten sie unter ihren Achseln, um sie zu stützen. Wenzel brauchte etwas länger, Sekunden nur, die ihr aber wie Minuten erschienen, dann schrie er um Hilfe,
Sanitäter hierher! Wir brauchen hier einen Sanitäter!“, hörte sie ihn noch quäken, da sackte sie schon nach vorne und alles wurde schwarz.
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