Kim Krüger - wie es nach Zahltag weitergeht

von afc-kk
GeschichteKrimi, Romanze / P12
Ben Jäger Kim Krüger
17.05.2016
23.04.2019
8
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Nachdem sie ihre Erinnerungen zusammengetragen hatten, schwiegen sie. Nach einer Weile meinte Kim: "Wissen Sie, was ich mich frage? Warum bringt uns jemand auf der Autobahn fast um, legt uns aber dann nicht sehr effektiv gefesselt in ein Bett und… verarztet mich sogar?!" Sie deutet auf den Verband an ihrem Oberarm. "Ich hab den nicht drum gemacht." Semir fiel beim besten Willen keine Erklärung dafür ein. "Ich glaub es ist erstmal viel wichtiger, dass wir von hier weg kommen. Wer weiß, vielleicht sind unsere Entführer hier noch irgendwo. Allerdings ist es so ruhig hier..." Seine Chefin stimmte ihm zu. Dummerweise konnten sie die Handschellen, mit denen sie zusammen hingen, nicht öffnen, so mussten sie aneinander gekettet die Flucht wagen. Spätestens als sie die Tür öffneten, hätte sie jemand hören müssen, denn sie quietschte so laut, dass den beiden Polizisten beinah das Herz stehen blieb. Doch niemand rührte sich. Vor ihnen lag ein Gang, in dessen Wänden die Fenster halb herausgefallen waren. Von der Decke bröckelte der Putz und die Dielen auf dem Boden ächzten unter ihren Schritten. Sie schlichen sich langsam in Richtung einer Treppe, die nach unten führte. Doch als Semir gerade die erste Stufe betreten wollte, hörte er von draußen auf einmal Stimmen und laute Motorengeräusche. Er drehte sich zu seiner Chefin um, der die Panik ins Gesicht geschrieben war. Sie schlichen ein Stück im Gang zurück, doch die Geräusche kamen immer näher. So nah, dass der Boden zu beben begann. Was immer da draußen war, es musste mächtig sein. "Gerkhan wir müssen hier raus!" flüsterte Kim panisch. "Und wie?" Zwei ratlose Gesichter sahen einander an. Das Beben war nun so stark, das kleine Brocken von der Decke fielen. Doch Frau Krüger behielt Recht. Sie mussten hier raus. Denn mit einem Mal erschütterte das Haus so gewaltig, dass der Teil, in dem sich das Zimmer befand, in welchem sie vorhin noch gelegen hatten, mit einem lauten Krachen einstürzte. "Die Fenster!!!" schrie Semir und dann sprangen sie. Ohne zu wissen was sie erwartete. Hauptsache raus.

Auch wenn sie maximal aus der ersten Etage gesprungen waren, war Aufprall auf dem Schotter extrem schmerzhaft, zumal sie ja nur in Unterwäsche waren. Sie rollten sich gekonnt ab, kullerten übereinander und blieben schließlich regungslos liegen.
"Ey, was machen Sie da?!" das Erste, was der Hauptkommissar wahrnahm, war eine dunkle Männerstimme, die sie wütend anschrie. "Sagen Sie mal sind Sie eigentlich komplett bescheuert?! Das hier ist eine Baustelle! Hier ist BETRETEN VERBOTEN!" Nun öffnete Semir schmerzverzerrt die Augen. "Gerkhan, Kripo Autobahn" stellte er sich vor. Er hatte es geschafft seine Oberkörper aufzurichten, doch der Schmerz stand ihm ins Gesicht geschrieben. "Kripo Autobahn, ja ne is klar. Beim Vögeln ausm Bett geflogen nennt man sowas wohl. Im wahrsten Sinne des Wortes, hehe." Nun lachte der Mann. "Sehr witzig" dachte sich Semir, "wenn der wüsste..." Doch dann fiel ihm schlagartig seine Chefin ein, die bis jetzt noch nichts gesagt hatte. "Frau Krüger?! Hey Hallo hören Sie mich?!" er tätschelte ihre Wange. An ihrer Stirn floss Blut aus einer Beule. Doch immerhin wachte die Angesprochene langsam wieder auf. Ihr Kopf dröhnte und ihre Haut brannte. Sie konnte sich echt besseres vorstellen, als halbnackt durch die Luft zu springen und auf Schotter zu landen. "Oh Gott sei Dank!" Semir war erleichtert und half seiner Chefin sich aufzurichten. Dafür wurde der Mann nun langsam ungeduldig: "Sie beiden Witzfiguren hören mir jetzt mal gut zu: Da Sie scheinbar nicht lesen können, ist es nicht mein Problem, dass Sie bei ihren Liebesspielchen in einem abrissbereiten Haus unterbrochen werden. Entweder, Sie scheren sich jetzt so schnell wie möglich davon, oder meine Männer werden Ihnen dabei behilflich sein. Und das wird sicherlich kein Vergnügen für Sie." Er deutete grinsend hinter sich, wo eine Reihe muskulöser Männer mit verschränkten Armen vor mehreren Abrissbaggern mit riesigen Schaufeln standen. Kim hielt es für schlauer zu gehen und unterbrach Semir, der gerade eine trotzige Antwort geben wollte. "Wir sind schon verschwunden, verzeihen Sie bitte vielmals die Unannehmlichkeiten.", dann zog sie den gereizten Hauptkommissar hinter sich her.

Als sie weit genug vom Abrissgrundstück waren und mitten in einem dichten Kiefernwald standen, hielt Semir an. "Was sollte das denn?!", stellte er seine Chefin zur Rede, "der hätte uns fast umgebracht!" "Ja, aber dafür konnte er nichts. Unser Entführer war er ja wohl kaum." "Was macht Sie da so sicher?" Seine Stimme war eindringlich. "Hätte er uns entführt, dann wäre er bestimmt nicht ohne Maske vor uns aufgetaucht und hätte den Abriss gestoppt." "Ach ja?" Semir war immer noch misstrauisch. So ganz überzeugte ihn das Argument seiner Chefin nicht. "Ja, und außerdem bringen uns Ihre Spekulationen im Moment nicht weiter. Wir sollten erstmal so schnell wie möglich aus diesem Wald raus und uns etwas zum Anziehen suchen. Und dann einen Arzt." Während Kim sprach starrte sie starr geradeaus. Der Hauptkommissar betrachtete sie: Aus der Beule an ihrem Kopf sickerte immer noch etwas Blut und an ihrem Kinn war eine große Schürfwunde. Ihr Bauch war nur so von Kratzern überzogen und die blauen Flecken waren überall auf ihrem Körper verteilt. Zudem hielt sie sich die ganze Zeit die rechte Seite ihres Brustkorbes. Und dann war da ja auch noch dieser mysteriöse Verband um ihren Oberarm. Er beschloss erstmal nichts weiter zu sagen. Ein Arzt wäre vielleicht gar nicht so schlecht.
"Und wo gehen wir am besten lang? Hier sind überall nur Bäume und zu dem Haus können wir nicht zurück..." "Das vielleicht nicht, aber einen Weg hier raus gibt es und der ist gar nicht so weit weg.", entgegnete Kim siegessicher. "Ach ja?" Semir sah sie verwundert an. "Gerkhan, wo ist denn ihr Überlebensinstinkt?", witzelte die Chefin nun. Doch Semir sah sie nur mit leicht hochgezogener Augenbraue an. "Überlegen Sie doch mal: Die Abrissbagger sind wohl kaum durch die Luft in den Wald geflogen und die ehemaligen Hausbewohner werden wahrscheinlich auch mal irgendwohin gegangen sein... Das heißt... " "Es gibt eine Straße!" " Oder zumindest einen Waldweg, genau." Nun verstand Semir, worauf seine Chefin hinauswollte. Sie würden das Haus etwas umgehen und irgendwann eine Zufahrt finden, die sie hoffentlich aus dem Wald rausbrachte.

Tatsächlich behielt Kim Recht, nach kurzer Suche fanden sie einen Weg, auf dem man noch deutlich die Reifenspuren der Bagger sehen konnte. "Tadaa, das Tor zu Außenwelt!" Semir machte eine einladende Geste und die zwei gingen los




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Soo, 4. Kapitel ist da =) Viel Spaß damit und her mit euren Meinungen :D
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