Kim Krüger - wie es nach Zahltag weitergeht

von afc-kk
GeschichteKrimi, Romanze / P12
Ben Jäger Kim Krüger
17.05.2016
23.04.2019
8
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Als Kim an ihrem Haus ankam war sie so in Gedanken, dass sie den schwarzen Geländewagen, der schräg gegenüber von ihrem Grundstück stand gar nicht richtig wahrnahm. Sie musste viel zu sehr an den Abend mit dem ehemaligen Hauptkommissar denken. Es war die richtige Entscheidung gewesen, in den Stadtpark zu gehen. Endlich hatte sie mal wieder etwas lachen können. Und trotzdem war da dieses eine Gefühl in ihr, dass sie nicht so ganz einordnen konnte. Sie kannte es bereits aus der Zeit, in der Ben Jäger noch bei der Autobahnpolizei gearbeitet hatte. Gerade bei ihrer ersten Begegnung war es ihr besonders aufgefallen, doch als sie dann feststellte, dass sie seine Chefin war, hatte sie sich selbst verboten darüber nachzudenken, was es mit diesem mysteriösen Gefühl auf sich hatte. In den gemeinsamen Arbeitsjahren war es dann doch ab und zu wieder aufgetaucht und auch nach Bens Abschied war es für sie eine komische Situation. Doch Kim schüttelte alle Gedanken ab und ging ins Bett.

Mitten in der Nacht wachte sie plötzlich wieder auf. In letzter Zeit konnte sie fast nie durchschlafen. Zu sehr beeinflussten die Geschehnisse der letzten Zeit ihr Unterbewusstsein. Müde stapfte sie in die Küche um sich einen Tee zu machen. Sie schaltete den Wasserkocher an füllte einige getrocknete Kräuter in das Teesieb. Während sie auf das Wasser wartete, musste sie wieder an den vergangenen Abend denken. An ihre schlechte Laune vom Nachmittag und wie sie durch Ben Jäger schlagartig besser geworden war. An das lange, lockere Gespräch, das sie geführt hatten. Wie frei sich sie sich auf einmal gefühlt hatte. Doch als sie gerade überlegte, ob er seinen alten Job manchmal vermisste, knallte es auf einmal so laut neben ihr,  dass sie sich vor Schreck auf den Boden schmiss. Kleine Teilchen flogen durch den Raum und reflexartig schützte sie ihren Kopf mit den Armen. Plasteteilchen bohrten sich in ihre linke Hand und Kim musste die Zähne zusammenbeißen. Einige Tropfen heißes Wasser spritzen auf ihren Körper und sie schrie auf. Doch genauso schnell wie die Explosion gekommen war, so schnell hörte sie auch wieder auf. Das einzige Geräusch war das unaufhörliche Piepen in ihrem Ohr. "Was war DAS denn bitte?!" Vorsichtig stand sie auf und holte sich erstmal ein Tuch und wickelte es um ihre Hand, damit sie ihr Blut nicht in der ganzen Küche verteilte. Dann betrachtete sie ihren Wasserkocher, von dem nichts weiter als die untere Heizplatte übrig geblieben war. War es möglich, dass ein Wasserkocher wegen Überhitzung in die Luft ging? Wohl kaum. Allerdings konnte sie auch nichts entdecken, was zu einer Explosion hätte führen können. Nun war sie beunruhigt. Die Gedanken an Herrn Jäger waren vergessen, ebenso die gute Laune. Angst machte sich in ihr breit. Instinktiv holte sie ihre Waffe, war wohl sowas ein Polizisten-Schutzreflex. Doch sie konnte nichts weiter machen und beschloss das Chaos erstmal so liegen zu lassen und sich das Ganze noch einmal bei Tag anzusehen. Beunruhigt legte sie sich wieder ins Bett, diesmal allerdings mit ihrer Waffe unterm Kopfkissen.

Am nächsten Morgen, es war ein Montag, wachte sie wie gerädert auf. Sie war in der Nacht noch mehrere Male hochgeschreckt, doch passiert war nichts weiter. Insgeheim hoffte sie, dass Alles nur ein Albtraum war, doch als sie das Chaos in der Küche sah, spielte sich die Explosion nochmal in ihrem Kopf ab. Wie zur Hölle konnte ihr Wasserkocher explodieren? Hatte er einen Defekt und war beim Erwärmen des Wassers durchgebrannt? Oder war der durch Fremdeinwirkung… sabotiert worden? Kim entschied sich, nach einigem Überlegen, vernünftig zu sein und die Überbleibsel Hartmut zu geben. Vielleicht könnte er ja die Ursache herausfinden.

Langsam musste sie sich beeilen. Am Nachmittag war die Verhandlung und davor gab es noch eine Menge Arbeit zu erledigen. Als sie im Bad war und sich gerade die Haare föhnen wollte, ging unten auf einmal das Radio an, in solch einer Lautstärke, dass sie vor Schreck den Föhn fallen ließ, genau auf ihren Fuß. Ruckartig zog sie ihre Waffe aus dem Holster und humpelte nach unten. Doch da war niemand. Sie ließ die Waffe sinken und wollte gerade das Radio abstellen, als es von alleine ausging. Sofort war sie wieder in Angriffsposition. Doch wie Kim erschrocken feststellen musste war nicht nur ihr Radio ausgegangen, sondern sämtliche Geräte im Haus, die mit Strom liefen. “Der Stromkasten!“, kam es ihr in den Sinn und sie rannte nach draußen. Schräg gegenüber von ihrem Haus stand ein großer Generalstromverteiler, der die ganze Straße versorgte und an den man eigentlich nicht so einfach rankam. “Hände hoch!“ rief die Polizistin und zielte auf einen Mann mittleren Alters, der sich am besagten Kasten zu schaffen machte. Der Angesprochene drehte sich ruckartig um und ließ sein Werkzeug fallen.  “Langsam auf den Boden…“ Kim kam drohend näher. Der verängstigte Mann tat wie ihm befohlen und ging auf die Knie. “Was machen sie da?!“ fragte sie eindringlich. “Ich ar… arbeite… “, stotterte er und deutete erst auf den Stromkasten und dann auf ein Auto mit der Aufschrift ‘Schmidt Elektronik- ihr zuverlässiger Partner wenns um Strom geht‘ “Ausweis!“, befahl Kim schroff. Der Mann griff in seine Innentasche und zog seinen Dienstausweis hervor. Er war wirklich Elektriker. Nun steckte sie ihre Waffe zurück ins Holster, reichte dem Mann die Hand und zog ihn hoch. “Gehen sie immer gleich so auf jemanden los, wenn er ihren Strom abstellt?“, fragte er und  putzte sich kopfschüttelnd den Dreck von der Hose. “Wieso haben sie denn den Strom abgestellt?“, fragte Kim erstaunt. “Weil da vorn ein Haus angeschlossen wird. Haben sie den Zettel nicht bekommen? “ Die Polizistin zuckte mit den Schultern. Möglicherweise schon, doch wenn, dann hatte sie das längst wieder vergessen. Etwas wollte sie dann noch wissen: “Sagen Sie, kann es sein, das durch ihre Arbeiten am Stromkasten ein Radio plötzlich angehen kann, oder dass….“, sie machte eine kurze Pause, “oder dass ein Wasserkocher explodiert?“ nun musste der Mann lachen. “Das mit dem Radio kann schon mal vorkommen, aber das mit dem Wasserkocher… Dafür müssen Sie sich eine andere Erklärung suchen.“  Kim entschuldigte sich nochmal und ging dann zurück ins Haus. Der Elektriker sah ihr kopfschüttelnd nach. “Die Leute heutzutage werden auch immer bekloppter.“
Wieder auf ihrem Grundstück angekommen war Kim froh, dass es für die Sache mit dem Radio eine logische Erklärung gab. “Vielleicht gibt es für die Explosion in der Nacht auch einen einfachen Grund“, versuchte sie sich einzureden und wickelte ihre Haare, die mittlerweile von selbst getrocknet waren, in einen Dutt.
Doch als sie wenig später in der PAST ankam, musste sie beunruhigt feststellen, dass der Vorfall der letzten Nacht ganz und gar kein Zufall gewesen war. Wer hatte es auf sie abgesehen?
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