Kim Krüger - wie es nach Zahltag weitergeht

von afc-kk
GeschichteKrimi, Romanze / P12
17.05.2016
03.01.2018
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Kim Krüger kam nach Hause und warf ihren Schlüssel genervt auf den Tisch. Ihre Jacke schmiss sie achtlos auf den Boden und ließ sich aufs Sofa sinken. Es war Sonntagnachmittag und die Sonne strahlte durch die großen Fenster. Doch Kim hatte keinen Nerv dafür. Sie war unzufrieden und genervt von sich selbst und das wirkte sich auch auf ihre Laune aus. Nachdem ihre Nichte vor ca. 4 Wochen entführt worden war, hatte sie ein seltsames Gefühl bekommen, welches sie innerlich belastete. Ihr war bewusst geworden, dass ihr Leben nicht das war, was sie eigentlich wollte. Abgesehen von Hanna hatte sie zu ihrer Familie kaum Kontakt. Zwar hatte sich das Verhältnis zu ihrem Vater gebessert, jedoch war es längst noch keine normale Vater-Tochter Beziehung. Ihr Bruder Leo war seit der Entführung von Hanna sowieso nicht gut auf sie zu sprechen, auch wenn Kim seine Tochter gerettet hatte. Er gab ihr die Schuld an Hannas Verhalten, und irgendwo hatte er auch Recht, sie hatte Hanna mit ihrem Gerede von Freiheit doch ein wenig zu sehr beeinflusst. Doch wahrscheinlich war es genau das, was sie selbst gerade am meisten brauchte: Freiheit.

Sie sah sich in ihrem Haus um: da waren zum einen teure Gemälde und Stiche an der Wand. "Schön", dachte sie sich. Doch war er wirklich das, was sie brauchte? Teure Kunst aus Goa? Der Sportwagen vor ihrem Haus gefiel ihr zwar sehr gut, aber wirklich glücklicher war sie durch den Kauf auch nicht geworden. Generell war ihr Haus groß und schön, es gab hohe Räume, die sehr einladend wirkten. Aber es war einsam. Zu einsam.

Sie dachte an die PAST. Da gab es unter anderem Semir und Paul, ihr bestes Ermittlerteam. Dann waren da Jenny und Technikfreak Hartmut. Und natürlich Susanne, die Sekretärin, die vor kurzem erst ihren Sohn Friedrich zur Welt gebracht hatte, der jetzt quasi auch zur PAST- Familie gehörte. Familie, ja, so hatte sich das immer angefühlt. Doch seit ihrem Alleingang war das alles ein bisschen anders. Zwar waren alle freundlich und nett zu ihr, doch manchmal hatte sie das Gefühl, es wären nicht alle von ihrer Unschuld überzeugt. Gerade Frau Schrankmann schaute ihr nun noch genauer auf die Finger, als sie es eh schon tat. Unweigerlich musste Frau Krüger an deren Vorgänger denken: Thomas Sander. Nachdem er sich als Verbrecher entpuppt hatte und schließlich erschossen wurde, war ihr Leben komplett am Boden. Sie hatte lange gebraucht, sehr lange, um einigermaßen mit der Situation klar zu kommen. Manchmal hatte sie das Gefühl, die ganze Sache würde immer noch an ihr kleben.

Um aus ihrer Krise herauszukommen war sie in ihr neues Haus gezogen und hatte versucht es sich so schön wie möglich zu machen, zum Beispiel eben mit den Gemälden aus Goa, einer Insel, auf der sie in jüngeren Jahren gewesen war. "Freies Leben, Freie Liebe", dachte sie sich und wünschte sich insgeheim auf die Insel zurück. Was hielt sie hier?

Doch dann schüttelte sie den Kopf. Nein, sie war Kim Krüger, sie würde sich sicherlich nicht durch ihre eigenen Gedanken fertig machen. "Ein wenig Ablenkung wär gut", dachte sie sich, "vielleicht könnt ich einfach mal wieder ausgehen und ein bisschen Spaß haben."

Von neuem Tatendrang erfasst stand sie auf und räumte ihre Sachen auf. Als nächstes wollte sie in der Zeitung nach dem Kino Programm schauen. Vielleicht hatte Hanna ja Lust, etwas mit ihr zu unternehmen, schließlich konnte sie nach allem was war auch ein bisschen Ablenkung gebrauchen. Als die Chefin der Autobahnpolizei zum Briefkasten ging, sah sie auf der anderen Seite der Straße einige Kinder stehen, die sie neugierig beäugten. Als Kim die Zeitung herausnahm, bemerkte sie noch etwas anderes. Ein weißer Zettel, auf den auf ganz klassische Drohbriefart, aus Zeitung ausgeschnitten, die Buchstaben: "DAS WAR  ERST DER ANFANG" geklebt waren. Nun lächelte Kim die Kinder an, welche immer noch hinüberstarrten. Sie ging ins Haus und warf den Zettel in den Müll, nicht ohne sich noch einmal über die Kleinen zu wundern.

Als sie die Zeitung durchblätterte kam sie gar nicht bis zum Kinoprogramm. Eine Überschrift hatte sie neugierig gemacht und als sie sich den kurzen Artikel genauer durchlas, breitete sich ein breites Grinsen auf ihren Lippen aus... Jetzt war ihr Plan für heute Abend klar.

Als sie um 19 Uhr an ihrem Ziel ankam war die Party bereits in vollem Gange. Kim Krüger stellte ihren Wagen ab und ging auf den Stadtpark zu. Sie hatte sich Locken in die Haare gemacht und trug ein schwarzes Kleid. Genau das Gleiche wie vor 7 Jahren. Sogar die Kette mit dem länglichen Anhänger hatte sie wiedergefunden und umgemacht. Man könnte die fröhliche Musik schon von weitem hören. "You make me feel sexy uhuhuhu... " Kim kannte die Stimme sehr gut. Wie oft waren aus diesem Mund irgendwelche blöden Sprüche gekommen, aber wie oft hatte diese Stimme schon zur Aufklärung eines Falls beigetragen.  "And after all this time I finally feeling fine..." Nun war sie am Park angekommen. Ein bisschen aufgeregt war sie schon, doch gleichzeitig war sie voller Vorfreude. Als die letzten Worte verklungen waren gab es einen tosenden Applaus. Kim klatschte ebenfalls und sah zur Bühne. Da stand er, mit der Gitarre um den Hals, und strahlte. Seine Haare waren lässig nach hinten gekämmt und sein Körper wurde von der untergehenden Sonne angestrahlt. Während das nächste Lied einsetzte schlängelte sich die Chefin so nah wie möglich an die Bühne. Gespannt wartete sie darauf, dass er sie bemerkte.

"Think I got it all, but I ain't got nothing, 'cause I ain't got you..." Gerade als er das letzte Wort aussprach bemerkte er unter den Zuschauern eine Frau, die ihm ziemlich bekannt vorkam. Aber was machte sie hier? Sein Gesang war eigentlich nicht so ihr Stil, andererseits... "Sie wird doch nicht etwa..." Nun grinste er sie an und vergaß dabei beinahe seinen Text. Sie lächelte zurück. Es war auf den Tag genau 7 Jahre her, als sie sich das erste Mal gesehen hatten. Sie hatte damals genau das Gleiche an wie heute, die gleiche Frisur, das Selbe wunderschöne Lächeln.

Als Kim bemerkte, dass er sie ebenfalls bemerkt hatte, machte ihr Herz einen kleinen Hüpfer. Diesen Moment kannte sie bereits von ihrer ersten Begegnung. Auch damals hatte war sie sofort hin und weg von dieser Ausstrahlung. Ihre Blicke trafen sich immer und immer wieder und jedes Mal mussten beide noch mehr lächeln. Kim musste zugeben, dass sie sich schon lange nicht mehr so gut gefühlt hatte. Als der Song schließlich vorbei war, legte der Sänger seine Gitarre zur Seite und kam zu ihr herunter. Eine Frau nahm das Mikrofon, es war die Gleiche wie vor 7 Jahren. "Ich möchte Ihnen allen, für Ihre großzügigen Spenden zur Restaurierung des Stadtparkes danken..."

Er war jetzt nur noch wenige Meter von ihr entfernt. Sein Herzschlag erhöhte sich mit jedem Schritt, mit IHR hatte er hier wirklich nicht gerechnet.  "Hallo Frau Krüger, was machen Sie denn hier?" "Haben Sie eigentlich gewusst, dass Polen und Indianer die besten Liebhaber sind?" Nun starrte sie einen verdutzten Ben Jäger an. Kim hatte sich diesen Spruch einfach nicht verkneifen können. Die ersten Worte die sie mit ihm gewechselt hatte - unvergesslich. Ben hatte wirklich mit Allem gerechnet, aber nicht damit. Er sah in das schelmisch grinsende Gesicht seiner ehemaligen Chefin, dann gewann er seine Fassung zurück und konterte: "Ich bin übrigens Winnetou. Winnetou Koslowski."  Nun mussten beide herzlich lachen.

"Es freut mich sehr, Sie wiederzusehen. Gut sehen Sie aus", meinte Ben. "Sie aber auch!" antwortete Kim, "und welch ein Zufall, genau 7 Jahre nach unserer ersten Begegnung..." wieder mussten beide grinsen.  "Vielleicht schaff ich es ja diesmal, Sie auf einen Drink einzuladen." Kim musste lachen. "Sehr gerne"

Nachdem Ben Cocktails geholt hatte, setzten sie sich etwas abseits auf eine Bank. Der ehemalige Polizist war erstaunt, wie locker die Stimmung war. Früher hätte er in so einer Situation nicht gewusst was er mit seiner Chefin reden sollte. Doch sie war nicht mehr seine Chefin, und vielleicht war das auch der Grund, weshalb sie sich so entspannt unterhalten konnten. "Was machen Sie eigentlich hier in Deutschland?", wollte Kim wissen. "Arbeiten", antwortete Ben knapp und deutete auf die Bühne. "Und natürlich wollt ich mal schauen ob in der Dienststelle Alles läuft." Er hatte das eigentlich mit einem Zwinkern gesagt, doch Kim nickte nur. "Und Amerika? Wohnen Sie da noch mit ihrer Freundin?" Ben drehte sich ein Stück zur Seite. "Amerika ja... Freundin nein..." Eine Pause entstand. Eigentlich war es nicht Kims Absicht gewesen, ihn darauf anzusprechen, aber sie war neugierig. "Aber wie sieht es mit Ihnen aus, sind sie -" Ben wedelte abwechselnd mit seinen ausgestreckten Zeigefingern hin und her. "Ob ich...?" Sie machte seine Geste nach. "Nein." Nun war Frau Krüger diejenige, die sich wegdrehte. Innerlich hätte Ben sich am liebsten eine geknallt. Sein Feingefühl war heut mal wieder in Topform. Natürlich hatte Semir ihm von der Sache mit Sander erzählt, warum hatte er da nicht eher drangedacht? Er überlegte fieberhaft, wie er das Gespräch in eine andere Richtung lenken konnte, doch das war gar nicht nötig. "Sagen Sie mal Jäger, Sie wollten Gerkhan doch sicher eh einen Besuch abstatten oder?" Ben nickte. "Was halten Sie davon, wenn sie ihn überraschen und für einen Tag sein neuer, alter Partner werden? Renner ist sowieso gerade im Urlaub und ein bisschen Unterhaltung beim Streife fahren wird ihm sicher nicht schaden." Bei dem Wort 'Partner' musste er schlucken. Zwar hatte Ben keine schlechten Erinnerungen an die gemeinsame Zeit, doch er war damals nicht ohne Grund gegangen und hatte Semir in seinem Stress mit Andrea allein gelassen. Blöd nur, dass sein Grund ihn von vorne bis hinten verarscht hatte. Andererseits... Was war schon dabei? Einfach ein paar Stunden Streife fahren, den Rest der Truppe mal wieder sehen... Als er den erwartungsvollen Blick seiner Exchefin sah, stimmte er zu. "Gleich morgen?" fragte Ben, doch Kim schüttelte den Kopf. "Da müssen wir zu einer Gerichtsverhandlung. Aber Dienstag können Sie Vollgas geben."  Sie lächelte ihn an und schlug dabei ihre Augenlider langsam zu und wieder auf. Beim Öffnen wurde ihr Lächeln noch ein Stück breiter. Ben liebte diese Geste. Sie hatte sie nicht sehr oft gemacht, doch wenn, dann wurde ihm immer etwas weich ums Herz.

Eine Weile unterhielten sie sich noch, bis es Kim allmählich zu kalt wurde. Ben hätte ihr gerne seine Jacke gegeben, jetzt wo sie nicht mehr seine Chefin war wäre er sich nicht mal so komisch dabei vorgekommen, doch dummerweise hatte er selbst keine an. Er brachte sie noch mit zum Auto. "Ja, dann sehen wir uns wohl am Dienstag." meinte Ben etwas ungeniert zum Abschied und wollte sich schon fast zum Gehen wenden. "Jäger?" "Hm?" "Danke, für den schönen Abend." Ihre Stimme war ganz ruhig und eindringlich. Sie ging auf ihn zu und umarmte ihn sanft. Ben hatte damit nicht gerechnet und erwiderte die Umarmung etwas ungeschickt. Als sie voneinander abließen war er leicht rot geworden. "Fahren Sie vorsichtig!" rief er dem Mercedes noch hinterher. Dann war sie weg.



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Herzlich Willkommen zu meiner allerersten Fanfiktion :D

Ich bin riesen Fan von Cobra 11, deshalb dacht ich mir, ich probier das hier auch mal. Es wird eigentlich hauptsächlich um Kim und Ben gehen, einfach weil die beiden meine Lieblingscharaktere sind.  Schade, dass sie in der Serie nicht zusammen gekommen sind  *seufz*
Jaa, dann wünsch ich euch viel Spaß beim Lesen. Würde mich übrigens über Feedback freuen :) (Aber seid bitte nicht zu streng mit mir, ich mach das wie gesagt zum ersten Mal :D)

Sind hier Kim und Ben Fans unter euch? *-*
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