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A Girl beyond the Walls

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
OC (Own Character)
16.05.2016
15.07.2016
29
35.959
 
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15.07.2016 1.122
 
Gerade will ich loslaufen, da werde ich am Arm festgehalten. Erschrocken schreie ich auf und fahre herum.
"Sorry, ich wollte fragen ob du weißt wo Thomas ist." Sagt Chuck.
Thomas? Oh ja, ich weiß genau wo Thomas ist. Und ich weiß, dass er gerade mit den anderen über mich berät.
Aber das muss Chuck ja nicht wissen. Darum schüttle ich heftig den Kopf.
Chuck mustert mich. Er sieht mich an, als könnte er mir nicht ganz glauben.
"Vielleicht ist er ja schon schlafen gegangen?" Frage ich deshalb. "Nein. Seine Hängematte war leer. Da habe ich schon geguckt. Weißt du, wo er noch sein könnte?" Ich zucke mot den Schultern. "Keine Ahnung. Vielleicht musste er auf die Toilette. Oder er muss mit irgendjemandem etwas wichtiges besprechen. Du siehst ihn doch dann morgen auch wieder." Sage ich. "Ja. Wenn er wiederkommt." Damit dreht sich Chuck weg und geht.

Der nächste Tag beginnt nicht sonderlich gut.
Alby holt mich mit einem siegessicheren und schadenfrohen Lächeln aus meiner Hängematte.
Zu essen bekomme ich einen matschigen Pfirsich und eine Menge herablassender Sprüche von Gally.
Das wird definitiv kein schöner Tag werden...

Tja und da stehe ich hier und soll ein Gehege reparieren.
Ich nagle Bretter aufeinander, binde Pfosten zusammen, sogut es geht, und bin eigentlich ganz zufrieden mit meiner Arbeit, bis sich die Seile lösen und alles wieder einstürzt. Vielleicht hätte ich noch einen Knoten oben drauf machen sollen...
"Du bist sogar zu blöd ein Gehege zu reparieren. Wie hast du das Labyrinth nur überlebt?" Lacht Gally.
Wieso habe ich nur angeboten, das zu machen?
"Komm mal her und halt das." Bellt Gally.
"Wir müssen eine neue Hütte bauen. Der Pfeiler da darf nicht umfallen. Also halt fest. Das wirst du doch wohl schaffen, oder?" Lacht er.
Ich verdrehe die Augen. Kann er nicht mal die Klappe halten?!
Ich drücke mit meinem gesamten Gewicht gegen den schweren Holzpfeiler, aber das ist offensichtlich nicht genug. Er kippt und scheint zu fallen. Auf mich...
"Gally! Hilf mir!" Schreie ich, weil ich Angst habe unter dem hohen Pfosten begraben zu werden.
"Gally!" Kreische ich noch einmal.
Tatsächlich bekomme ich Hilfe. Nicht von Gally, sondern von einigen anderen Baumeistern, die gerade genug Kraft haben um den Pfeiler aufrecht zu halten.
Das hätte echt schief gehen können. Ich hätte darunter begraben liegen können!
"Kriegst es nicht mal hin was zu halten, damit es nicht umfällt. Kannst du überhaupt irgendwas?" "Offensichtlich. Ich bin die einzige, die das Labyrinth lebend verlassen hat." "Und wie ist mir ein Rätsel. Aber eigentlich will ich gar nicht wissen, was du dafür getan hast." "Mit deinem Erbsenhirn könntest du das auch gar nicht begreifen."
Gally lacht auf.
"Noch eine Aufgabe. Versuch wenigstens es nicht zu ruinieren." Faucht Gally.
"Ich folge nur deinem Beispiel" grinse ich.
"Dann verstehe ich nicht, dass du alles falsch machst. Wir haben ein Gerüst, an einer der Hütten.
Alles was du tun musst, ist unten stehen und das zusammen nageln, was ich dir gebe. Bekommst du das auf die Reihe?" Fragt Gally in herablassendem Ton.
Nageln. Das kann ja nicht so schwer sein.
"Ich hab dich was gefragt." Zischt er. "Ich denke schon." "Da wäre ich mir bei dir nicht so sicher. Immerhin konntest du nicht mal so ein mickriges Gehege zusammen zimmern. Und die Hütte soll stehen bleiben, klar?" Faucht er. "Wenn du denkst, dass du es besser kannst, wieso machst du es dann nicht selbst?!" Fahre ich ihn an.
"Ich denke nicht, dass ich es besser kann. Ich weiß es. Ich mach das hier seit zwei Jahren und du kannst gar nichts." "Ich kann gar nichts?! Frag doch mal die Griewer, die werden dir da aber was ganz anderes erzählen. Kurz bevor sie dich zerlegen. Mir ist das nicht passiert. Ich war die ganze Nacht da drinnen und habe das Labyrinth lebend wieder verlassen. Wie viele von euch, sind dabei draufgegangen? Wie viele?" Gifte ich. Aber gleich bereue ich es wieder. Ich habe es aus der Wut heraus gesagt. Und jetzt komme ich mir schlecht vor. Es hätte mich genauso treffen können, wie sie. Bestimmt haben viele ihr Leben im Labyrinth verloren.
Da fällt mir ein, was Chuck gestern gesagt hat. Was mache ich, wenn Thomas nicht wieder kommt? Er könnte auch einer von ihnen sein.
Angst beschleicht mich. Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken.
Über soetwas macht man keine Witze.
Und das hat auch Gally bemerkt. Drohend kommt er auf mich zu, drängt mich dicht an die Hütte heran.
"Na dann erzähl doch mal. Was hast du mit den Viechern angestellt, dass sie dir nichts tun?" "Davon hast du keine Ahnung. Mit deiner eingeschränkten Gehirnkapazität brauchst du bestimmt noch Jahre bis du das verarbeitet hast. Und ich will dich doch nicht von der Arbeit abhalten." "Wenigstens habe ich eine Arbeit. Wenigstens kann ich was, im Gegensatz zu dir." "Ja, du hast eine Arbeit. Und zum Glück eine, für die man nicht viel Verstand braucht. Du..." noch bevor ich den nächsten Satz richtig begonnen habe, werde ich gegen das Gerüst hinter mir geschubst. Eine Welle von Schmerz überrollt mich. Holzstangen bohren sich tief in meinen Rücken. Holzsplitter schieben sich unter meine Haut. Etwas knackt laut, und ich weiß nicht ob es vom Gerüst oder meinen Knochen kommt.
Mühevoll ziehe ich mich hoch, will auf Gally zu gehen oder weglaufen, aber ich werde wieder gegen das Gerüst gestoßen.
"Und was machst du jetzt? Wenn du dich mit den Griewern so gut verstehst, dann besuche sie doch mal und richte ihnen einen schönen Gruß von mir aus. Mal sehen wie lange du diesmal durchhältst."
"Gally, ich ..." nochmal versuche ich wieder auf die Beine zu kommen, aber Gally gibt mir keine Chance. Er legt eine Hand um meinen Hals und drückt mich so gegen das Holz.
"Ich habe es dir schon ein mal gesagt, und ich sage es wieder: du wirst das Labyrinth und deine schleimigen Freunde bald wiedersehen. Das verspreche ich dir."
"Warum?" Krächze ich. "Warum? Weil dir niemand hier vertraut. Ich bin nicht der einzige, der weiß, dass dein Auftauchen nichts gutes bedeutet und du uns alles kaputt machen wirst. Wenn du Jahre lang auf der Lichtung lebst, dann wir sie dein neues Zuhause. Unser altes Zuhause wurde uns weggenommen. Und das hier, lassen wir uns nicht kaputt machen. Schon gar nicht von so einem kleinen Mädchen wie dir."
Und dann lässt endlich von mir ab.
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