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Destiny Unfold

von HopeK
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
OC (Own Character) Richard B. Riddick
16.05.2016
22.03.2017
8
33.928
6
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10 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
16.05.2016 3.195
 
Wie schon erwähnt haben wir Vin Diesel, aber auch Keith Hamilton Cobb, Karl Urban und David Twohy in dieser Story. Andere Schauspieler werden erwähnt, aber selbstverständlich nur mit dem allergrößten Respekt.

Destiny unfold


Ein lautes Türenknallen bereitete der Stille, die den ganzen Tag über der Wohnung gelegen hatte, ein unrühmliches Ende. Die brütende Hitze war da etwas hartnäckiger, sie würde der gerade nach Hause gekommenen Bewohnerin noch eine ganze Weile erhalten bleiben und die Laune verderben. Nicht, daß da noch viel zu verderben war. Ein dumpfer Aufprall, und eine ohnehin schon malträtierte Handtasche landete hinter dem Schirmständer, gefolgt von einem leiseren, doppelten Aufschlag - ein Paar Schuhe gesellte sich zu dem Berg, der schon vor dem Flurschrank lag. Was für ein beschissener Tag das gewesen war!!!

Charlotte hatte keine Lust ihre Post durchzusehen, und so landete der ganze Stapel mit Schwung auf dem Couchtisch. Wo er natürlich nicht liegen blieb, mit einem leisen plopp, plopp, plopp landete der ganze Segen auf dem Boden. Murphy, du Arsch!

Zuerst war da dieser Kunde gewesen der sich einfach nicht entscheiden konnte, wohin er sein Ei legen sollte - sie war ihm stundenlang in der prallen Sonne durch den Garten gefolgt, hatte Notizen über seine Wünsche gemacht, nur damit er sie dann samt ihren Vorschlägen dazu wieder verwarf. Hier einen Pool, dort eine Pergola. Oder doch umgekehrt? Und wo sollte der Zen-Garten hinkommen? Natürlich hatte sie einen Sonnenbrand bekommen, und wofür?! Als endlich alles unter Dach und Fach schien wollte er plötzlich noch seinen Guru konsultieren, ob auch alles Feng und Shui war. Zum Teufel damit! Sie machte diesen Job nicht erst seit gestern! Aber da mußte sie durch, der Auftrag würde eine Menge Geld bedeuten, das sie dringend brauchen konnte.

Dann war da der Stau auf dem Weg nach Hause gewesen, und als ob das nicht genug wäre, stand der neue Nachbar schon wieder auf ihrem verdammten Parkplatz, und sie mußte ganze drei Blocks entfernt parken! Wenn er seine blöde Riesenschüssel nicht auf einen Parkplatz bekam, mußte er eben wo anders parken! Oder ein kleineres Auto kaufen! Im Augenblick haßte sie die ganze Welt.

Die etwas kühlere Luft, die durch die gerade geöffnete Balkontüre strömte, beruhigte sie ein wenig. Sie mußte wirklich herunter kommen, sonst würde sie sich auch noch ihren sauer verdienten Feierabend ruinieren. Eine kühle Dusche, ein gutes Glas Wein, ein Salat, frisches Baguette dazu, dann sah die Welt doch gleich wieder ganz anders aus.

Eine halbe Stunde später und mit sehr viel besserer Laune schaltete sie ihren Laptop an, und während er hochfuhr beäugte sie mit schlechtem Gewissen die Umschläge auf dem Fußboden. Sie beschloß den Haufen zumindest durchzusehen - ihr in die Jahre gekommener Laptop würde ohnehin noch ein Weile brauchen, bis er endlich startbereit war.

Reklame, eine Rechnung, noch mehr Reklame, eine bunte Ansichtskarte einer Freundin, die auf Weltreise war, ein dicker Brief aus Amerika, eine Benachrichtigung der Post, daß ein Paket für sie hinterlegt war - Mooooment - Post aus Amerika?! Langsam drehte sie den Umschlag um und erstarrte beim Anblick des Absenders.

*************


Kates Tag war im Prinzip nicht anders als Charlottes abgelaufen, und ihre Laune auch nicht viel besser. Sie war fest davon überzeugt daß es ein Gesetz geben müßte, das einem vollständige Amnestie versprach, wenn man seinen Chef ermordete. Der Sohn vom Oberboss, keine Ahnung von der Materie, aber ständig bereit, einem ungefragt ‘Ratschläge‘ zu erteilen, die er dann auch umgesetzt sehen wollte, und sie würde dafür gerade stehen müssen, wenn’s wieder mal schief ging. Außerdem war er ein widerlicher Grabscher, immer, wenn keiner hinsah, landete seine fette, schwitzende Hand auf ihrem Allerwertesten. Männer waren alle Schweine und sie haßte sie ausnahmslos. Allein der Gedanke an die Pizza, die sie sich am Abend gönnen würde, hielt sie aufrecht.

Heiß und duftend lag sie jetzt vor ihr, dazu ein Buch in der Hand und Pitch Black im Fernseher - Multitasking at its finest. Genau so wurde ein entspannender Abend zelebriert. Sie biß gerade genüßlich in ihr zweites Stück, als das Telefon läutete. Echt jetzt?! Fast hätte sie das Klingeln ignoriert, aber dann siegte doch die Neugier. Aah, Charlotte. Für ihre Freundin würde sie ihre Pizzaorgie unterbrechen.

„Hey, Süße, wenn du dich beeilst bekommst du auch noch ein Stück.“

„Jetzt sag bloß, du ißt schon wieder Pizza!“ Charlotte konnte ein amüsiertes Lachen nicht unterdrücken - Kates Leidenschaft für Pizza war legendär.

„Man gönnt sich ja sonst nichts!“ kam auch prompt fröhlich die Antwort. „Alles okay bei dir?“ Sie kannte ihre Freundin lange genug um den seltsamen Unterton aus ihrer Stimme heraus zu hören.

„Sitzt du?“

„Klar sitz ich, ich bin am essen. Was hast du angestellt?“ Wenn Charlottes Ton nicht so freudig aufgeregt gewesen wäre, hätte sie glatt angefangen sich Sorgen zu machen.

„Gut, und jetzt hör auch auf zu essen.“

Jetzt kam doch wieder ein wenig die schlechte Laune durch. „Ich hatte einen echt bescheidenen Tag, sei so gut und spann mich nicht auf die Folter.“ Manchmal konnte ihre Freundin ein wenig zu melodramatisch sein.

„Es tut mir leid, ich bin nur so aufgeregt - ich hab heute Post bekommen!“ Sie überlegte, ob sie noch eine künstlerische Pause einlegen sollte, entschied sich aber dann dagegen - sie kannte ihre Freundin gut genug um die Ungeduld und Müdigkeit aus ihrer Stimme herauszuhören. „Okay, nur eine Frage noch vorweg, bitte!“

Na gut, wenn sie es so spielen wollte, dann mußte sie auch damit leben, daß sie ihre Pizza nicht völlig kalt werden lassen konnte, und biß ein großes Stück ab, bevor sie mit vollem Mund „Schieß los.“ nuschelte.

„Ist dein Paß in Ordnung?“

„Klar ist er das, wieso?“

„Dann nimm dir ab Montag drei Wochen Urlaub - wir fahren nach Neuseeland!!!!“

„Was?! Hast du im Lotto gewonnen?“

„Nein, hast du denn nicht zugehört?! Ich hab POST bekommen! Eine Einladung zu den Riddick Dreharbeiten!“

„Du verarscht mich doch!“

„Nein, absolut nicht! Ich werde Vin kennen lernen!!!!“ Endlich kam die Reaktion, auf die sie gewartet hatte.“

„Wow, das ist ja genial! Ich freu mich so für dich!!!! Da geht dein absoluter Traum in Erfüllung! Friß ihn aber nicht mit Haut und Haar, bevor du ein Bild hast, auf dem er als Riddick drauf ist.“ lachte Kate. Sie war mehr der Riddick -, als der Vin Diesel Fan.

„KATE! Du hörst einfach nicht zu! Die Einladung gilt auch für dich! WIR werden drei Wochen bei allem dabei sein!“ Die anhaltende Stille am anderen Ende der Leitung kam ihr spanisch vor. „Kate? Bist du  noch dran?“

„Du nimmst mich mit? Kein Scherz?“

„Würde ich scherzen, wenn’s um Riddick geht? Ich maile dir die Daten.“ Sie lachte leise vor sich hin - sie sah sie beinah vor sich, wie sie mit großen, verträumten Augen auf den nächsten Riddick Poster starrte und völlig auf ihre Pizza vergessen hatte. Die Mail war lange abgeschickt, bevor endlich wieder etwas anderes als andächtiges Schweigen aus dem Handy drang.

***************


Die Tage bis zum Flug waren vollgestopft mit Streitereien mit dem Chef, Unmengen von Überstunden und am Abend stundenlangen Telefonaten, bei denen alle möglichen Pläne geschmiedet und Checklisten angefertigt wurden, damit sie auch nichts Wichtiges vergaßen, und so kam schnell der Tag, an dem die beiden gemeinsam am Flughafen standen. Das Gepäck war aufgeben, der Dutyfreeshop inspiziert und jetzt warteten sie nur noch darauf, daß ihr Flug aufgerufen wurde. Das heißt, Kate wartete, Charlotte hampelte herum; sie war viel zu aufgeregt, um ruhig sitzen bleiben zu können. Die letzten 20 Minuten, bis sie endlich in den Flieger durften, vergingen langsamer, als die Tage davor.

Allerdings waren sie kaum angeschnallt, da schlug Aufregung in Panik um und Charlottes Flugangst machte sich trotzt der Tropfen, die Kate ihr gegeben hatte, massiv bemerkbar. In Wahrheit ging ihr schon die ganze letzte Stunde wie man so schön sagte ‚der Arsch auf Grundeis‘, allerdings war sie da noch außerhalb des Fliegers gewesen, da hatte sie das Problem gerade noch so ignorieren können. Aber jetzt? Was da alles passieren konnte, in so einem Flieger. Absturz, Luftlöcher, Schlechtwetter, Terroristen … und wenn ihr ganz furchtbar übel wurde? Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, in so ein kleines Sackerl zu … nein, den Gedanken schob sie gleich wieder von sich. Positiv denken. Sie konzentrierte sich wieder auf Kate, die, um sie von ihrer Panik abzulenken, keine Sekunde aufhörte zu reden.

Half leider auch nicht. „Wie lange dauert es, wenn wir mit dem Schiff nach Neuseeland fahren?“

„Zu lange. Und ich werde seekrank.“ Kate schien schon damit gerechnet zu haben, daß ihre Freundin so kurz vor dem Start kalte Füße bekommen würde; sie fing an in ihrer Tasche herumzukramen und endlich gefunden hielt sie ihr einen weißen Zettel vor die Nase. „Oooops, verkehrt.“

Aber auch umgedreht konnte Charlotte nicht erkennen, was da abgebildet war - wenn sie den Zettel noch näher an ihr Gesicht hielt, würde er ihr an der Nase festkleben. Leicht ungeduldig nahm sie Kates Handgelenk und schob es so weit zurück, bis das Bild vor ihr Konturen gewann und langsam zu … ihrem Lieblingsbild von Vin wurde.

„Schau dir das ganz genau an, konzentrier dich darauf … wir kleben das an den Sitz vor dir, und du kannst den ganzen Flug entspannt von Vin träumen.“

Das Bild eines Esels mit einer Karotte formte sich in Charlottes Kopf und brachte sie zum Lachen. „Kate, du bist echt doof.“ Die grinste nur und wedelte mit dem Bild vor ihrer Nase herum.

Aber im Grunde hatte sie Recht, für Vin würde sie ihre Flugangst überwinden. Trotz des Lachers fiel es ihr schwer, aber sie schaffte es schließlich, doch nicht panisch kreischend aus dem Flieger zu stürmen. Während des Starts hielt sie Kates Hand noch fest umklammert, aber sobald sie Flughöhe erreicht hatten, fing die Fliegerei doch tatsächlich an ihr zu gefallen; wer hätte das gedacht?

Da ihnen keine Sekunde lang der Gesprächsstoff ausging, empfanden sie den Flug als nicht halb so endlos wie befürchtet, und so begrüßte sie das subtropische Klima Aucklands überraschend schnell.

Doch obwohl der Flug wirklich angenehm gewesen war, waren beide mittlerweile rechtschaffen müde; sie waren am Vortag um halb sechs Uhr abends gestartet und jetzt war es halb zwei nachmittags. Sie hatten zwischendurch ein wenig gedöst, aber an Schlaf war nicht zu denken gewesen, und das sich langsam vor ihnen drehende Gepäckband und das leise, rhythmische ‚Plop’ das jedes Mal ertönte, wenn ein weiteres Gepäcksstück durch die Klappe kam, hatte eine fast hypnotische Wirkung; beinah hätten sie ihre Koffer übersehen, als sie als fast letzte schließlich doch noch heraus kamen. Mit einem erleichterten Aufseufzen hievten sie sie herunter, und die Koffer wie gehorsame bunte Hündchen hinter sich herziehend steuerten sie endlich dem Ausgang entgegen.

Aber nicht nur Aucklands heiße Nachmittagssonne empfing sie, als sie gegen das grelle Licht anblinzelnd aus dem Flughafengebäude traten, da stand auch eine dunkelhaarige, außerordentlich hübsche Frau gegen einen Jeep gelehnt; Jenny war Vin Diesels Assistentin und zum großen Teil der Grund dafür, daß die Einladung möglich gemacht wurde. Als sie die beiden sah richtete sie sich auf und winkte ihnen zu.

„Charlotte, Kate, hier her! Hier bin ich!“

„Jenny!“

Charlotte hatte Jenny auf Facebook kennengelernt, und aus anfänglichen kurzen Nachrichten waren lange Gespräche geworden. Die beiden Frauen begrüßten sich überschwänglich, schnell war klar, daß sie sich in der echten Welt genau so gut verstanden, wie in der virtuellen.

Kate war auf dem Rücksitz des Jeeps eingeschlafen, noch bevor das Auto den Parkplatz verlassen hatte, aber Charlotte und Jenny unterhielten sich angeregt.

„Ist Vin schon da?“ war natürlich ihre erste und wichtigste Frage.

„Er ist gestern angekommen - ihr habt sogar das Zimmer neben ihm. Heute schlafen wir alle im Hotel, und morgen Vormittag fahren wir dann gemeinsam zum Filmgelände; das wird ein richtiger Konvoi … die Jeeps mit der Crew und ein paar Trucks mit Ausrüstung und Lebensmitteln und so Sachen. Wird ganz schön anstrengend werden - das Gelände liegt ja mitten im Nichts, aber ich hab Bilder gesehen, für Riddick ist das die perfekte Kulisse. Die bauen schon die ganze Woche Schlafcontainer und eine Kantine und alles andere auf - bis wir morgen Abend dort sind, müßte eigentlich alles fertig sein.“

„Ich kann’s gar nicht erwarten, Vin endlich kennen zu lernen! „Er ist sicher ein ganz wunderbarer Mensch, oder?“

„Er ist genau der tolle Typ, als den man ihn sich immer vorstellt.“ lächelte Jenny. „Und die Muskeln, die er sich für Riddick antrainiert hat, ich sag dir …“

Kate wach zu bekommen war Schwerarbeit, aber schließlich schafften sie es doch mit vereinten Kräften, und ein wenig erfrischt nach einer ausgiebigen Dusche brachen die drei zu einer Stadtrundfahrt auf; sich jetzt hinzulegen würde den Jetlag nur noch schlimmer machen. Jenny war schon eine ganze Woche vor Ort und hatte Spaß daran, den beiden alles zu zeigen; als sie mit ihnen aber auch noch in ein Shoppingcenter gehen wollte, kam vehementer Protest, genug war genug … Charlotte und Kate konnte ihr Bett schon durch ganz Auckland nach ihnen schreien hören.

***************


Kate hatte ganz großartig geschlafen und war bestens gelaunt; mit Sicherheit hatte auch der Riddick Traum zu ihrer guten Laune beigetragen … der Mann war Sex auf Beinen. Zumindest der Riddick, den sie sich in ihrer Phantasie zusammengezimmert hatte.

Da sie am Vorabend nicht viel von der Umgebung des Hotels gesehen hatte, zog es sie sofort auf den Balkon. Die Sonne stand noch tief und die Schatten waren lang, aber dennoch konnte sie die großzügig angelegte Parkanlage des Hotels erkennen. Wunderschön blühende Sträucher und Bäume, dazwischen Rasenflächen und Bänke, auf denen man die Natur genießen konnte, ein riesiger Pool, dessen Wasser zu dieser Tageszeit tiefblau wirkte. Zu schade, daß sie keine Zeit haben würde eine Runde zu schwimmen.

„Oje, Medusa persönlich!“ riß eine Stimme sie aus ihren Überlegungen.

Nein, nicht eine Stimme, DIE Stimme - gleich am Nachbarbalkon stand Vin Diesel! Mit einem Auflachen zerraufte sie ihre vom Schlaf ohnehin völlig zerzausten, taillenlangen Haare noch ein wenig mehr und grinste breit. „Aufpassen, Mister, wir alle wissen doch, was Medusas Lieblingshobby ist.“ Vin Diesels Lachen war genau so wunderschön wie seine Stimme … und überaus ansteckend.

Mit gespieltem Entsetzen hob er die Hände. „Oy, Frieden! Ich borg dir auch meinen Kamm.“

Kate amüsierte sich köstlich. „Sagte der Mann mit der Glatze und drückte ihr seinen Rasierer in die Hand.“ erwiderte sie mit einem Lachen ihrerseits.

„Ts! Man verschmäht meine Hilfe! Na, dann nicht.“ Vin Diesel mochte die Kleine von Anfang an. Er war nicht begeistert gewesen von der Idee, jemanden zu den Dreharbeiten einzuladen, er haßte nichts mehr als Frauen, die ihm von früh bis spät in den Arsch krochen und nichts Besseres zu tun hatten als zu versuchen, ihn in die Kiste zu bekommen. Als wäre er jemand, der alles bestieg was nicht bei drei auf den Bäumen war! Aber die hier schien anders zu sein; er hatte da so eine Ahnung, daß man mit ihr tatsächlich Pferde stehlen, und hinterher noch ein gemütliches Bier auf begangene Schandtaten trinken konnte.

„Hi, sag bitte Mark zu mir.“ Er streckte ihr seine Hand entgegen, und sie erwiderte seinen Handschlag genau so herzhaft, wie er erwartet hatte. „Bist du Kate, oder Charlotte?“

„Ich bin Kate. Charlotte ist drinnen und sucht noch nach ihren Zigaretten. Der alte Suchthaufen.“ Der letzte Satz traf einen Nerv, er nahm sich schon lange vor, endlich damit aufzuhören.

„Aah, du bist die Übersetzerin.“ stellte er fest. „Du rauchst nicht?“

„Du liebe Güte, nein, ich bin doch nicht lebensmüde!“

„Ja, ich sollte aufhören, ich weiß. Aber was hältst du davon, wenn du in der Zwischenzeit deiner Freundin sagst, daß sie eine von meinen haben kann?“

Kate machte sich nicht die Mühe ins Zimmer zu gehen, sie drehte sich nur Richtung Balkontüre und brüllte „Charlotte, hör auf zu suchen, Mark unterstützt deine Sucht und gibt dir eine von seinen!“

Man hörte zwar keine Antwort, aber einen Augenblick später erschien eine ob der Suche schlecht gelaunte Charlotte in der Türe. „Gott sei Dank, ich muß meine gestern irgendwo liegen ge…“ Charlotte brachte den Satz nie zu Ende. Als ihre und Marks Blicke sich trafen, verweigerte ihre Stimme ihren Dienst. Erst jetzt realisierte sie, daß mit ‚Mark‘ Vin Diesel gemeint war.

Seine Reaktion auf Kate war ein Grinsen gewesen, aber als er Charlotte sah passierte etwas, das ihm schon lange nicht mehr passiert war … es verschlug ihm die Sprache. In Sekundenbruchteilen nahm er ihre Erscheinung in sich auf - groß, schlank, lockige halblange Haare, ein wunderschönes Gesicht, Lippen, die er am liebsten sofort geküßt hätte, und ihre Augen … er hätte versinken können in diesen großen, meerblauen Augen. Er schluckte, sein Mund war trocken, dafür seine Hände feucht von Schweiß, sein Herz raste, seine Pupillen waren geweitet und sein Schwanz zuckte erfreut - genau - alles Dinge die passieren, wenn ein Mann sich verliebt.

Kate riß die beiden aus ihrer Starre. „Charlotte, das ist Mark. Mark … Charlotte.“

Automatisch streckten die beiden sich die Hand entgegen, aber nach dem Schütteln schien keiner den anderen wieder loslassen zu wollen. Bis Kate sich schließlich räusperte. „Aaah, soll ich euch alleine lassen?“ Das brach den Bann.

„Was?“ Charlotte hatte das Gefühl, rüde aus einem schönen Traum geweckt worden zu sein.

„Nein.“ Ein Nein, das sehr nach einem Ja klang.

„Aber ich könnte schon mal vorgehen, ich will nämlich heute noch frühstücken.“ feixte sie; den beiden zuzusehen war Kino vom Feinsten.

„Nicht nötig, Medusa, wir rauchen schnell eine und dann gehen wir gemeinsam runter.“

„Medusa?“

Bis Mark und Kate Charlotte erklärt hatten, wie Kate sich den Spitznamen eingefangen hatte, war auch die Zigarette geraucht und man verabredete, sich in 20 Minuten beim Lift zu treffen.

Charlotte ließ Kate den Vortritt bei der Dusche, und als diese mit immer noch nassem, aber gebändigtem Haar wieder heraus kam, saß sie auf ihrem Bett und starrte verzückt ins Leere.

„Erde an Charlotte!“

„Was?“ Das schien an diesem Morgen ihr Lieblingswort zu sein.

„Süße, die Dusche ist frei und du hast nur noch 15 Minuten, bis wir los müssen.“

„Mhm.“ stimmte sie zu, machte aber keine Anstalten, endlich aufzustehen.

„Charlotte?!“

„Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick?“

„Im Fall von Mark schon. Es hat vorhin ausgesehen, als hätte ihn ein Blitz gestreift.“ Mit einem Ruck zog sie Charlotte hoch und schob sie in Richtung Bad. „In deinem Fall war’s doch nur eine Bestätigung dessen, was du schon lange weißt. Und jetzt mach hinne, ich hab Hunger.“

Charlotte sah Kate hoffnungsvoll an. „Du meinst …“

„Ja, ich meine. Zwischen euch sind so dermaßen die Funken geflogen, daß ich mich jetzt noch frage, wozu ihr für eure Zigaretten ein Feuerzeug gebraucht habt.“

Seelig lächelnd verschwand sie endlich im Bad, nur um eine Sekunde später den Kopf wieder rauszustrecken. „Und was ist mit dir?“ Sie konnte sich gar nicht vorstellen, daß man nicht völlig hin und weg war von dem Mann.

Kate seufzte … Verliebte waren echt anstrengend. „Ich war schon duschen und davon abgesehen schwinge ich nicht in diese Richtung, geh lieber mit Mark duschen.“ verstand sie sie absichtlich falsch und grinste breit.

„Ach, du Blödel!“ Charlotte mußte wider Willen auch lachen. „Ich meine, hast du gar nichts gespürt, als du ihn gesehen hast?“

Kate schüttelte den Kopf. „Nein, ich find ihn total nett, aber obwohl er wirklich eine gewaltige Ausstrahlung hat, kann ich ihn mir nur als Kumpel vorstellen, oder als großer Bruder.“ Kates laut knurrender Magen veranlaßte Charlotte dann doch endlich, unter der Dusche zu verschwinden, und mit nur ein paar Minuten Verspätung traten sie schließlich aus ihrem Zimmer.
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