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SpätFAYZ

GeschichteHumor, Freundschaft / P6
Astrid Ellison Brianna "The Breeze" Drake Merwin Lana Arwen Lazar Sam Temple Taylor
16.05.2016
29.07.2016
2
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Alles erschien zunächst recht normal, als Sam an diesem Morgen verschlafen die Augen aufschlug.
 Es war ganz ruhig. Schwaches Licht fiel zwischen den langen Vorhängen herein und beleuchtete das Zimmer nur spärlich, aber trotzdem genug für ihn, um mehr oder weniger deutlich sehen zu können, als er seinen Kopf müde zur Seite drehte und blondes Haar unter der Decke neben sich hervor gucken sah. Das regelmäßige und ruhige Auf und Ab der Atmung unter der anderen Decke ließ ihn kurz wieder müde werden und Sam drohte, zurück in den Schlaf zu driften, nachdem er sich schwerfällig auf die Seite gedrehte hatte, um Astrid sanft eine Hand um die Hüfte schlingen zu können.
 Dass das neben ihm nicht Astrid war, dämmerte seinem verschlafenen Kopf schon, bevor seine Hand auf etwas wie Bauchmuskeln, statt auf eine weiche Kurve traf – aber er war noch zu schwer von Begriff, um zu reagieren, weswegen sich die Bewegung auch nicht mehr aufhalten ließ. Es war zu spät.
 „Falsche Taille“, hörte er Drake sarkastisch murmeln, der offensichtlich nicht nur sofort aufgewacht war, sondern auch genau zu wissen schien, wovon er aufgewacht war.
 „Argh“, zischte Sam irritiert und zog seine Hand in einem Anflug von Abscheu zurück, so schnell, als hätte er sich an dem anderen verbrannt. „Das weiß ich selbst, verdammt“, spuckte er, bevor er sich peinlich berührt in dem großen Bett aufsetzte. Die Erinnerung daran, dass er nicht bei sich zuhause war, kehrte mit einem Schlag zurück und auf einmal erschien ihm der Morgen überhaupt nicht mehr normal. Nicht im Geringsten. „Es war ein Reflex. Liegt an der Haarfarbe, schätze ich. Und an der Tageszeit“, murmelte er und rieb sich die Augen, um endgültig aufzuwachen.
 Jetzt würde er ohnehin nicht mehr einschlafen können. Nicht, nachdem Drake jetzt ebenfalls wach und Sam somit in Lebensgefahr war.
 „Hmm … Haarfarbe, sagst du?“, fragte Drake gelangweilt und schien sich kurz zu strecken. Er hatte bisher mit dem Rücken zu Sam gelegen, drehte jetzt aber etwas seinen Kopf, sodass er den anderen Jungen nachdenklich ansehen konnte. Seine Augen wirkten noch trübe vom Schlaf. „Also wenn das schon ausreicht, dass du mich mit deiner Freundin verwechselst …“
 „Halt die Klappe. Ich war bloß noch nicht so richtig wach“, knurrte Sam und schlug seine eigene Decke zurück, ehe er die Beine über die Bettkante schwang, um aufzustehen. Es war noch viel zu früh am Morgen, um sich mit Drake herum zuschlagen und es war definitiv zu früh, um aufzustehen, aber er konnte nur eine der beiden Situationen vermeiden und wenn er ehrlich sein sollte, wäre es ihm sogar lieber gewesen, nicht ausschlafen zu können, statt weiter bei dem Blonden zu bleiben.
 „Wie du meinst“, seufzte Drake träge und drehte sich wieder von ihm weg, scheinbar immer noch etwas betäubt von den Tabletten, die er einnehmen musste. „Nur solltest du dir das nicht angewöhnen. Ich will nachts nicht plötzlich feststellen, dass du mir etwas zu nah bist, nur weil du nicht-“
   „Wir werden ja nicht ständig im selben Bett schlafen müssen“, unterbrach Sam ihn barsch, weil er nicht wollte, dass Drake weiter sprach und zog sich seine Schuhe an. Er würde so schnell wie möglich verschwinden, das stand fest. „Lana und Brianna haben, sobald ich weiß, auch getrennte Betten. Dass sie bei uns ein Ehebett reingestellt haben, ist bestimmt bloß ein ganz dummer Fehler. Ich werde, sobald dieser Typ vom Gericht heute hier vorbei kommt, danach fragen, dass sie das bis zum nächsten Wochenende wieder hinbiegen.“  
 Darauf sagte Drake nichts mehr. Sam vermutete fast, dass er gleich wieder einschlafen würde und seufzte innerlich vor Erleichterung – bis er das Murmeln unter der Decke hörte.
 „Hoffentlich tun sie das dann auch“, sagte Drake, der sich wieder weggedreht hatte, um zu schlafen. „Sonst kannst du dir schon einmal eine Erklärung für Astrid überlegen, mit der du ihr gestehen kannst, dass sie nicht die einzige Blondine ist, von der du nicht die Finger lassen kannst.“

 Sam war nicht überrascht, dass es ihm tatsächlich irgendwie gelungen war, trotz der frühen Tageszeit und seiner Müdigkeit aus dem Bett zu steigen: die kurze „Konversation“ mit Drake hatte das Blut in seinen Adern regelrecht zum Kochen gebracht und es war ihm mehr als lieb gewesen, aus ihrem Zimmer verschwinden zu können, um in die Küche zu fliehen.
 Was ihn jedoch überraschte, war, dass ihm damit sogar jemand zuvorgekommen war.
 „Schon wach?“, fragte er und hob eine Augenbraue, als er Lana über eine Zeitung gebeugt am Küchentisch sitzen sah – Kippe im Mund.
 Sie sah kurz auf, als sie ihn kommen hörte, zuckte dann die Schultern und widmete sich wieder ihrer Lektüre. „Ich wollte eine rauchen. Im Schlafzimmer geht das schlecht.“
 Sam zog eine Grimasse, als er beim Tisch ankam und ihr gegenüber Platz nahm. Es fiel ihm selbst auf, wie schwerfällig er sich auf dem Stuhl fallen ließ. „Du hörst dich ja nicht so an, als ob du eine nette Nacht gehabt hättest.“
 Er glaubte, etwas Dunkles über Lanas Gesicht huschen zu sehen, aber es war genauso schnell verschwunden, wie es gekommen war. Sie blätterte um. „Es ist schwer, mit Brianna in einem Zimmer zu schlafen“, erklärte sie, ohne ihn anzusehen. „Die macht … Geräusche, wenn sie schläft.“
 Bei dieser Bemerkung verschwand Sams Grimasse und er musste kurz schlucken. „Verstehe.“
 Das hätte er sich wirklich denken können. Niemand hatte die FAYZ in einem guten Zustand verlassen – aber für Brianna traf dies besonders zu. In ihrem letzten Kampf gegen Gaya hatte diese sie mit einem Feuerstrahl in der Brust erwischt, nur knapp über dem Herzen. Brianna war danach kaum im Stande gewesen, richtig zu atmen, geschweige denn zu kämpfen und war von einigen Leuten schnell in Sicherheit gebracht worden. Ihr einziges Glück war die Tatsache gewesen, dass sie nur wenige Stunden vor dem endgültigen Ende der FAYZ verletzt worden war und man ihr im letzten Moment richtige Hilfe auf der Intensivstation hatte geben können, nachdem sie von den Erwachsenen geholt worden war. Sie hatte es tatsächlich überlebt, aber auch nur um Haaresbreite. Da Gaya recht viel ihres Körpers beschädigt hatte, war sie heute nicht mehr wie früher. Sie nahm Medikamente und brauchte bestimmte Hilfsmittel, um das tägliche Leben alleine meistern zu können. Dass ihr Körper das nachts nur schwer verarbeitete, war verständlich.
 Sam wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er etwas wie ein Schnauben von Lana hörte, nachdem sie an ihrer Zigarette gezogen hatte. „Aber wem erzähle ich das“, sagte sie und fixierte ihn über den Tisch hinweg. „Du teilst dir immerhin ein Zimmer mit Drake.“ Sie legte den Kopf schief. „Wie war die erste Nacht?“
 „Alles in Allem sogar besser, als ich erwartet habe – immerhin lebe ich sogar noch“, gestand Sam trocken und spürte, wie seine Schultern steif wurden, wenn er daran dachte, wie lange er es tatsächlich in der Nähe des Sadisten ausgehalten hatte. „Außerdem habe ich gestern auch genau aufgepasst, dass er vor dem Schlafen die volle Dosis seiner Tabletten genommen hat, weswegen ich mir recht sicher sein konnte, dass er durchschlafen und mich nachts nicht möglicherweise totprügeln würde.“ Er stoppte kurz und dachte nach. „Allerdings hatte ich ein bisschen Angst, dass wir in der Nacht zusammenstoßen würden“, fügte er noch missgelaunt hinzu.
 „Zusammenstößen?“, fragte Lana. „Du meintest doch, er hätte durchschlafen müssen. Wie hätte er dann nachts aufstehen und dir etwas antun können?“
 „Nicht in dem Sinne von Zusammenstößen“, sagte Sam und schüttelte den Kopf. „Wir haben sowas wie … ein Ehebett.“ Es gefiel ihm überhaupt nicht, das aussprechen zu müssen.
 Lana sah ihn kurz perplex an. Dann klappte ihre Kinnlade runter und Sam wunderte sich, dass sie ihre Zigarette trotzdem zwischen den Lippen behalten konnte. „Das ist ein Scherz.“
 „Nein. Überhaupt nicht.“
 Und trotzdem lachte sie einmal auf.
 „Hör auf zu lachen“, fuhr Sam sie gereizt an, auch wenn er zugeben musste, dass ihm die Situation jetzt lustiger erschien, als sie es gestern Nacht für ihn getan hatte. Denn gestern hatte er das Ganze überhaupt nicht witzig gefunden. Kein Stück. Drake hingegen war das egal gewesen – ihm war alles egal gewesen, nachdem er seine Pillen genommen hatte. „Das ist nicht witzig.“
 „Irgendwie schon, wenn ich ehrlich sein soll.“ Lana lächelte müde, sie hatte ihre Zeitung inzwischen ganz vergessen. „Wirst du dich beschweren?“
 „Und ob. Ich werde diesem Typen vom Gericht, wenn er heute hier vorbei schaut, sofort sagen, dass er das so schnell wie möglich ändern soll. Wann wollte er noch mal kommen?“
 Lana sah kurz auf die Uhr. „In zwei Stunden. Bis dahin sind die anderen beiden sicher auch schon wach.“
 Sie waren insgesamt vier Leute, die an diesem Programm teilnehmen mussten: Sam, Lana, Brianna und Drake – wobei es Sam immer noch unerklärlich blieb, wie es dazu genommen war, dass Drake hier zu ihnen, statt in eine Klapse gesteckt worden war.
 Er zählte, bedauerlicherweise, auch zu den Überlebenden der FAYZ. Sam hatte nach ihrer letzten Auseinandersetzung zwar Drakes abgefallenen Kopf ins Feuer geworfen, in dem Glauben, der andere Junge sei tot, aber da hatte er falsch gelegen. Drakes Kräfte hatten erst später nachgelassen: sein gesamter Körper war einfach nachgewachsen, nachdem sein Haupt im Feuer gelandet war und irgendwie war es ihm gelungen, zu überleben. Dazu hatten aber auch freundlicherweise die Rettungsdienste beigetragen, die nach Verletzten gesucht hatten, nachdem die Barriere verschwunden war und die auch Brianna vor dem Tod bewahrt hatten.
 Wieso Drakes Kräfte so lange gehalten hatten, wusste keiner. Sam vermutete, dass es daran lag, dass er so viel Zeit in der Miene verbracht und daher den meisten Einfluss der Dunkelheit abbekommen hatte, aber mit Sicherheit konnte er das nicht behaupten. Er wusste nur, dass Drake auch noch am Leben war.
 Und das passte ihm überhaupt nicht.  
 „Ich verstehe nicht, warum wir gestern schon hier sein mussten, obwohl noch niemand von den Verantwortlichen bei uns gewesen ist, um uns überhaupt alles zu erklären“, sagte Sam, um auf andere Gedanken zu kommen.
 Es waren jetzt fünf Monate seit der FAYZ vergangen. In dieser Zeit hatte man den Überlebenden der FAYZ viele Verbrechen und Strafftaten unterstellt, aber jemanden von ihnen einsperren zu lassen hatte keiner wirklich geschafft. Die Sache hatte sich mit der Zeit sogar ein wenig gelegt und Sam hatte tatsächlich gehofft, dass alles bald vorbei sein würde – dann war jedoch der Brief gekommen.
 „Da gibt es nicht viel, das erklärt werden muss“, sagte Lana und lehnte sich zurück, der Blick zur Decke gerichtet. „Das meiste stand ohnehin schon in dem Brief. Ab jetzt werden wir jedes Wochenende hier verbringen, weil sie glauben, wir seien nach der FAYZ eine Gefahr für die Öffentlichkeit. Sie durften uns nicht einsperren, jedenfalls nicht dauerhaft, weswegen sie sich dieses sogenannte Programm überlegt haben, das uns helfen soll, psychisch zu genesen.“ Der letzte Teil ihres Satzes triefte nur so vor Sarkasmus. „Was für ein Quatsch.“
 „Ja, das alles weiß ich auch“, sagte Sam nachdenklich. „Den Brief habe ich immerhin auch gelesen. Meine Frage war, warum schon gestern diese ganze Scheiße angefangen hat.“ Er wurde immer noch wütend, wenn er daran dachte. Die Verantwortlichen behaupteten zwar, es ginge nur darum, für die mentale Sicherheit der Überlebenden zu sorgen, aber zufälligerweise waren es nur Freaks, die hier gelandet waren.
 Normale Kids, deren Psyche sicher ebenfalls angeschlagen worden war, mussten an sowas nicht teilnehmen. Sie waren außen vor geblieben.
„Sie meinten, dass wir uns hier schon einmal einrichten sollten“, sagte Lana. „Immerhin werden wir hier noch sehr viel Zeit verbringen.“ Ihr Gesicht wurde wieder düster. „Außerdem kann ich mir vorstellen, dass sie uns so schnell wie möglich einsperren wollten. Vermutlich passt es denen sogar nicht, dass ihnen dafür nur die Wochenenden gewährt werden.“
 Daran hatte Sam ja auch schon gedacht, aber er sagte nichts.
 Es herrschte kurz Schweigen.
 „Hast du schon gefrühstückt?“, fragte Sam dann, womit er die angespannte Stimmung einfach umkippen ließ.
 Lana widmete sich wieder ihrer Zeitung, völlig gelassen. „Nein.“
 „Würdest du gerne?“
 „Mmh.“ Sie machte einen undefinierbaren Laut, den Sam einfach als ein Ja nahm.
 „Ich mache uns was. Nur … ich bin nicht der Begabteste im Kochen. Daher, nimm bitte etwas Rücksicht, wenn es nicht perfekt schmeckt“, sagte er, als er aufstand, um zu einem der Schränke zu gehen. Er hatte gestern Abend, nachdem er hier angekommen war, schon gesehen, dass diese mit einigen Lebensmitteln gefüllt gewesen waren.
 Hinter sich hörte er Lana noch leise schnauben. „Sam, bitte“, sagte sie betont langsam. „Ich war auch in der FAYZ.“

 „Okay“, räusperte Sam sich, als er etwas betreten auf seinen Notizzettel starrte. „Ich fange am besten wohl ganz vorne an, schätze ich.“ Es war ihm etwas unangenehm, vor der kleinen Gruppe sprechen zu müssen und obwohl er in der FAYZ schon vor deutlich mehr Menschen Reden geschwungen hatte, machte ihm die düstere Stimmung am Tisch stark zu schaffen.
 Sie saßen zusammen in der Küche, alle an getrennten Tischseiten. Sam saß Lana gegenüber, während Drake und Brianna sich über den Tisch hinweg giftige Blicke zuwarfen.
 Sam hatte erwartet, dass sie alle anwesend sein würden, wenn einer der Männer vom Gericht heute hier vorbeischauen würde, aber dieser war schneller gekommen, als gedacht und Drake und Brianna hatten ihn in gewisser Weise einfach verschlafen, weswegen Sam sich auch alles, was sie währenddessen besprochen hatten, aufgeschrieben hatte.
 „Bevor du damit anfängst“, warf Drake ein und unterbrach sein Starr-Duell mit Brianna, ehe er seinen unausgeschlafenen Blick auf Sam richtete. „Hast du wegen dem Bett nachgefragt?“  
 „Hab ich“, sagte Sam sofort. Es war das erste gewesen, was er angesprochen hatte, als der Typ hier erschienen war – oder besser gesagt das erste, worüber er sich beschwert hatte. „Das sollte bis zur nächsten Woche geregelt sein.“
 Drake nickte nur, bevor er sich müde die Augen rieb. Er hatte sich weder die Haare gekämmt, noch sonst irgendwas an sich gemacht. Wenn Sam aber ehrlich sein sollte, sah Brianna noch schlimmer aus. Sie hatte sich die Haare zu einem unordentlichen Dutt zusammengebunden und der Schlafanzug war ihr einige Nummern zu groß, weswegen er auch viel zu locker an ihrem Körper hing. Sie trug einen dünnen Schlauch, der über ihre beiden Ohren direkt in ihre Nase führte, um sie mit zusätzlichem Sauerstoff zu versorgen, da ihre Lungen nicht richtig funktionierten.
 Die Geräusche, die sie ab und zu beim Atmen verursachte, kommentierte niemand. Erstaunlicherweise nicht einmal Drake.
 „Was hat der Kerl sonst noch gesagt?“, fragte Brianna und lehnte sich an die Tischkante.
 „Wir haben überwiegend die Regeln für unser Leben hier geklärt“, sagte Sam und sah wieder auf den Zettel, „und obwohl das meiste schon in dem Brief stand, habe ich es trotzdem noch einmal aufgeschrieben.“
 „Ließ es einfach vor, damit wir endlich gehen dürfen“, sagte Lana, die gelangweilt auf ihrem Stuhl vor und zurück kippte.
 Bei ihren Worten wurden Drake und Brianna sofort ein bisschen wacher. „Wir dürfen gehen, wenn das geklärt ist?“, fragte Brianna.
 „Ja.“
 „Wieso?“, wollte Drake wissen. „Ich dachte, der ganze Mist würde schon dieses Wochenende anfangen. Dafür sollten wir doch schon gestern hier sein.“
 „Der Kerl meinte, dass wir nur schon gestern hier erscheinen mussten, damit wir am heutigen Morgen auch alle pünktlich anwesend sind“, meinte Lana und zuckte die Schultern. Dass das trotzdem nicht der Fall gewesen war, weil Drake und Brianna verpennt hatten, ließ sie unerwähnt. „Außerdem war das eine Gelegenheit, schon einmal einige unserer Sachen hierher zu bringen.“
 „Ich fange dann einfach mal an“, sagte Sam etwas lauter, weil auch er das Ganze so schnell wie möglich hinter sich bringen wollte. Es funktionierte am besten, wenn er einfach begann. „Zuerst hatten wir die Zeiten. Ihr wisst, dass wir ab nächster Woche jedes Wochenende hier verbringen müssen. Das bedeutet, wir müssen am Freitagabend hier eintreffen und dürfen erst am Montagmorgen wieder weg.“
 „Stand ja auch alles schon in dem Brief“, murmelte Brianna und lehnte sich zurück. Sie sah ein weiteres Mal feindselig zu Drake rüber.
 „Wir dürfen das Anwesen während des Wochenendes nicht verlassen“, fuhr Sam monoton fort, „weswegen wir auch zusehen müssen, dass die Essensschränke voll sind, wenn wir hier am Freitag ankommen. Den Einkauf müssen wir selbst übernehmen.“ Er sah hoch. „An der Stelle bin ich einfach dafür, dass jeder das kauft, was er braucht.“
 „In Ordnung“, sagte Lana. „Wir müssen nur aufpassen, dass wir hier nicht ohne Essen eingesperrt werden, weil wir mal was vergessen haben.“
 „Und selbst wenn das geschehen sollte – was Neues wäre das ja nicht für uns“, meinte Drake und zu Sams Überraschung lachte nicht nur Lana einmal kurz auf, sondern es gab auch ein kleines Schmunzeln von Brianna.
 „Es gibt ein Gästezimmer für eine Person“, sagte Sam. „Das heißt, dass es immer eine Person geben kann, die das Wochenende mit uns verbringt. Der Mann meinte, wir könnten uns damit abwechseln, jemanden einzuladen, den wir dabei haben wollen.“
 Dazu wurde komischerweise nicht viel gesagt, weswegen Sam auch einfach schnell fortfuhr. „Es ist uns verboten, Alkohol hier reinzubringen. Auch jegliche Akte der Gewalt“ – er schenkte Drake einen bedeutungsvollen Blick – „sind hier drinnen verboten.“
 Drake rollte mit den Augen.
 „Dafür müssen wir aber auch alle aufpassen, dass Drake immer schön seine volle Dosis an Beruhigungsmitteln einnimmt“, spuckte Brianna, woraufhin Sam leise seufzte.
 Er hätte das hier gerne so friedlich wie möglich verlaufen lassen – da er aber wusste, dass das mit Drake und Brianna unter einem Dach unmöglich war, sagte er auch nichts.
 „Die Dosis wird bald vermindert“, sagte Drake lediglich und überraschte Sam fast ein bisschen, wie gefasst er war – bis der nächste, drohende Satz fiel: „Und dann kannst du dich auf was gefasst machen.“
 „Ab und zu werden Therapeuten vorbei kommen, mit denen wir dann auch ein wenig arbeiten müssen“, sagte Sam und fing einfach dort an, wo er gerade aufgehört hatte. Das war ohnehin das Ende seiner Liste. „Und mehr Gesprächsstoff ist eigentlich auch nicht wirklich gefallen.“ Er ließ den Zettel sinken.
 „Das ist alles?“, fragte Drake.
 Sam nickte, ohne ihn anzusehen. Er war nicht in der Laune, mit dem anderen zu streiten, aber es fiel ihm immer noch schwer, den Jungen anzusehen. „Ja. Er meinte sonst nur noch, dass wir ein wenig sparsam mit dem Wasser umgehen sollen – aber auch damit sollten wir eigentlich kein Problem haben“, murmelte er und appellierte somit an Drakes vorherigen Witz.
 Auch dieses Mal folgten eher positive Reaktionen von den anderen.
 Es war erstaunlich, über wie vieles man hinweg lachen konnte, wenn man es erst einmal überstanden hatte.
 „Das war's also?“, fragte Lana und Sam hörte, wie ihr Stuhl zurückgeschoben wurde, weil sie aufstand. „Wir können gehen?“
 „Ich denke ja“, sagte er und stand ebenfalls auf. Mit trockener Kehle sah er noch einmal in die Runde. „Dann bis in einer Woche“, murmelte er, bevor er sich mit gesenktem Kopf umdrehte, um eilig in sein Zimmer zu laufen, seine Sachen zu holen und das Gebäude dann so schnell wie möglich zu verlassen.
 Er konnte sich nicht einmal erahnen, wie es sein würde, plötzlich wieder eingesperrt leben zu müssen, aber ihm war jetzt schon bewusst, dass er in gerade einmal einer Woche eine Art kleine Fortsetzung der FAYZ erleben würde.
 Das würde alles andere als witzig werden.  

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AN: Wie man sieht - ich bin zurück mit einem neuen Projekt der "GONE"-Reihe :D Dieses Mal handelt es sich nicht um eine richtige Geschichte, sondern eher um eine Ansammlung an OneShot, die alle aber irgendwie zusammenhängen, da jeder von ihnen gewisse Situationen beschreibt, die sich im Laufe dieses "Programmes" abspielen ^^

Noch einmal kurz erklärt: Die vier müssen sich jedes Wochenende in einem ihnen zur Verfügung stehenden Gebäude treffen und dort zusammen leben, damit sie therapiert (und von den Behörden auch ein wenig kontrolliert) werden können. Das hier war jetzt nur der Prolog zu dem Ganzen, um euch ein wenig einzuführen - die späteren Kapitel werden nicht so langweilig, weil sie ja nicht nur der bloßen Erklärung, sondern der Unterhaltung dienen; das verspreche ich! :D

Ich weiß noch nicht, wie viele Kapitel es werden - ich schätze um die 15, denn das ist auch die Anzahl der Ideen, die ich momentan dazu habe. In den OneShots werde ich nämlich immer ganz konkrete Themen ansprechen (z.B. Flaschendrehen, Halloween, Stromausfall usw.) und nicht einfach irgendwas.
- Falls ihr bestimmte Wünsche habt, nur raus damit :)

Und das war's dann erst mal an dieser Stelle :)
Vielen Dank fürs Lesen und liebe Grüße, Maria ;*