3 - Elysium Limerenzen

von Emares
GeschichteAllgemein / P16
Goal Rufus
16.05.2016
16.05.2016
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Rufina schreckte wie eine Sprungfeder aus ihrem Albtraum auf und saß kerzengerade mit in die Bettdecke gekrallten Fingern da. Sie keuchte und blickte sich um: sie war in Tonis altem Zimmer, die Wände waren weiß, die Einrichtung schlicht. Sie lag auf einem Futon, welches als Doppelbett ausgelegt war, mit blauem Bezug und grünen Kissen. Neben dem Bett, welches wohl mal eine Schlafcouch gewesen sein musste, deren Füße abgebrochen waren, schlief ein Kaktus unter einem großen Bullauge.
Da das Fenster sich nicht öffnen ließ, war unten in der Türe gegenüber davon eine größere freie Stelle eingebaut, die nur von einem Maschendraht innen und ein paar Latten außen notdürftig verdeckt wurde und durch welche kühle Nachtluft eindrang.
Die Deponianer lüfteten meist nachts, weil die Temperaturen tagsüber in dieser Gegend durch die vielen Metallteile gerne auf unangenehme 40 °C stiegen und zudem ohnehin niemand etwas besaß, was sich zu stehlen lohnte.
Der Vollmond schien durch das Bullauge auf das Bett und sie erhaschte das Aufblitzen des Fallbeils, das Toni vor seiner Reise nach Elysium über der Tür befestigt hatte. Eigentlich sollte es Rufus, ihr früheres Ich, davon abhalten, den Raum zu betreten, nachdem sie sich getrennt hatten, aber es war so gut befestigt, dass selbst sie es nicht mehr entfernen konnte und nach seiner Abreise einfach mit zwei dicken Schrauben gesichert hatte.
Sie merkte, dass sie immer noch von ihrem Albtraum erschreckt war und keuchte. Sie legte die Hand auf den Ausschnitt des Schlafanzuges, den sie in Tonis Haus gefunden hatte und den sie wohl zurückgelassen hatte, weil darauf Clowns abgebildet waren. Sie ertastete eine Strähne ihres langen, braunen Haares, die beim Hochschnellen wohl über ihre Schulter geschwungen worden war und nun im Schweiß auf ihrer Haut klebte.
Langsamer atmend spürte sie ihren Herzschlag. Bommbommbommbommbommbommbommbomm, er wurde langsam ruhiger und sie konnte die einzelnen Herzschläge differenzieren, Bommbomm-bommbomm-bommbomm... bommbomm...
So war es besser. Sie lehnte sich zurück und stützte sich mit den Händen nach hinten ab, um nicht umzukippen. Dabei schloss sie die Augen und streckte ihren Rücken. Wobei sie durch ihren Mund tief Luft holte und diese für einen Moment hielt. Ein Lächeln legte sich auf ihr rundes Gesicht und um ihre geschlossenen, dicht bewimperten Augenlider unter den kräftigen Brauen bildeten sich Fältchen.
Dann atmete sie aus und öffnete die Augen zur Hälfte. Sie ließ ihren Blick über das im Mondlicht gebadete Bett wandern. Ihr wurde klar, dass sie sich im Traum mehrfach gedreht hatte, denn die Bettdecke war ihr fast komplett um die schlanken Beine gewickelt.
Neben ihr lag dadurch eine geliebte Person ohne Decke im kühlen Zug der eindringenden Nachtluft.
Sie griff ein Stück der mit Delfinen verzierten Bettdecke, die auf ihrem Schoß lag und streckte vorsichtig die Beine, um sich aus der Umklammerung der um sie gewickelten Decke zu befreien.
Mit einem leisen Plumps legte sie sich auf die Seite und zog die Decke mit der freien Hand über ihren Partner, während sie sich an ihn heran robbte.
Sanft schmiegte sie sich an den schlanken, großgewachsenen Männerkörper in dem dünnen, elysianischen Schlafanzug. Doch er zog sich nur mit einem müden Brummen zusammen. Als sie ihre Hand behutsam auf seinen Rücken legte und andeutete, ihm den hinteren Taillenschlitz seines ärmellosen Ganzanzugs herunterzuziehen, zuckte er zusammen.
     Keine Angst!, dachte sie, während sie ihre Hand nach kurzem Zögern langsam und zärtlich an ihm hinauf gleiten ließ, bis sie die Bettdecke wieder verließ. Sie musste sich etwas strecken, als sie sich auf den anderen Arm aufstemmte, um seine schulterlangen, roten Haare von seinem Hals gleiten zu lassen und ihn dort zu küssen.
Sie hatte gerade die Augen geschlossen, strich mit ihrer flachen Stupsnase über sein Ohr und wollte mit den Fingerrücken über seine rosige Backe fahren, da stöhnte er genervt:
     „Rufinchen, ich muss morgen vor den Bürgerrat treten. Ich habe keine Lust auf Kuscheln!“
Rasch hob sie ihren Kopf und blickte ihn verärgert an.
     „Du sollst mich nicht so nennen, Herr Ziel!
Er missbilligte diesen Namen, das erkannte sie, als eine seiner dünnen, roten Augenbrauen wenige Millimeter hochzog und seine kleine Nase sich ganz leicht rümpfte.
Sie hob ihre Brauen und legte einen hilfsbedürftigen Unterton an den Tag:
     „Ich hatte einen Albtraum“,
     „Hab' ich gehört!“, entgegnete er spürbar genervt.
     „Ich war mit Toni zusammen – aber Toni war ein Mann und wir haben uns gestritten, hier.“
Er atmete gereizt Luft aus.
     „Toni ist auf Elysium! Deshalb sind wir hier ja auch untergekommen.“
     „Ich weiß“, erhob sie sich, „aber wir haben uns gestritten und ich verstand nicht warum“, sie blickte kurz auf die Decke, dann schaute sie ihn wieder an,
     „und dann hat Toni geweint und mich angeschrien, ich hätte eine Fehlgeburt gehabt.“
Sie wurde etwas panischer.
     „Und … und dann kam Wenzel rein und er war die Fehlgeburt – was bedeutet das?“
     „Leg dich hin und schlaf, Rufina!“, entgegnete er kontrolliert, aber mit harschem Unterton.
Sie verzog den Mundwinkel und schloss verächtlich die Augen. Dann wandte sie ihren Kopf von ihm weg und drehte sich in einer Folgebewegung auf die andere Seite, mit dem Rücken zu ihm.
Bei dieser raschen, ruckartigen Bewegung ließ sie die Hand, mit der sie ihn eben noch streichelte, auf das Bettlaken fallen.
     „Gute Nacht, Goaler!“, murrte sie in einem gekränkten Tonfall.
Sie blickte noch einige Sekunden nachdenklich auf ihre Hand, dann zog sie sie an sich, rückte die Decke bis an ihr Kinn und kuschelte sich wie ein Hund in die Decke.
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