Unterm Apfelbaum

OneshotRomanze / P12
OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
15.05.2016
15.05.2016
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Mit geschlossenen Augen lag ich im Gras, genoss die Wärme der Sonne auf meiner Haut und den sanften Wind, der durch mein Haar fuhr. Der Schein durchflutete all meine Sinne und ich spürte jedes Blümchen und jeden Grashalm. Die Wurzeln des Apfelbaums unter dem ich lag, verstromten Stärke. Jeden Tag lag ich auf dieser verlassen Wiese und ließ meine Gedanken schweifen, doch heute sollte etwas anders sein. Ein plötzliches Rascheln zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Träge öffnete ich die Augen und überrascht sah ich einen jungen Mann mit roten Haaren, der kopfüber von einem knorrigen Ast herunterhing und genüsslich in einen Apfel biss. Seine smaragdgrünen Augen strahlten mich an.

„Hat ganz schön lange gedauert dich zu finden.“, meinte er immer noch kauend. „Was willst du, Goodfellow?“, schnaubte ich. Elegant sprang er vom Baum und blieb vor mir stehen. Ich war währenddessen auch aufgestanden. „Du kennst mich also?“, grinste er mich an.

„Wie könnte ich Oberons Schoßhündchen denn nicht kennen?“, antwortete ich spöttisch und ließ meinen Blick über ihn gleiten. Seine Füße steckten in braunen Lederstiefeln und er trug einen grünen Pullover, der seine roten, wild abstehenden Haare leuchten ließ. Außerdem war er gut einen halben Kopf größer als ich und sein Körper durchtrainiert. Ich musste zugeben, er war wirklich attraktiv. Das Grün seiner Augen lud zum darin versinken ein.

Über mich selbst verärgert schüttelte ich den Kopf. „Gefällt dir, was du siehst?“, fragte er anzüglich, woraufhin ich die Augen verdrehte.
„Ich frage dich nicht noch einmal, Robin Goodfellow. Warum bist du hier?“
„Ich war neugierig, zu erfahren, warum ein so hübsches Ding wie du, es vorzieht in der Menschenwelt zu leben, anstatt am Sommerhof.“ Er setzte sich auf den Boden und lehnte sich gegen den Stamm des Apfelbaumes und klopfte neben sich, damit ich mich zu ihm setzte. Doch ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Na komm schon. Ich beiße nicht.“, meinte er kichernd. Widerstrebend setzte ich mich neben ihn. Warum machte ich das nur? Ich hätte einfach gehen sollen, doch ich tat es nicht. „Was ist dein Geheimnis, Fiona Tarran?“, raunte er in mein Ohr, was mir einen Schauer den Rücken herunter jagte. „Du meinst also, nur weil ich hübsch bin, sollte ich am Sommerhof leben. Schönheit ist nichts besonderes unter den Feen. Jede ist so schön, wie sie grausam ist.“, sagte ich leicht verbittert.

„Du bist aber nicht grausam.“, meinte er knapp und sah mich mit seinen wunderschönen Augen an. Wunderschön? Verdammt, warum hatte er diese Wirkung auf mich. „Woher willst du das wissen? Du kennst mich doch gar nicht.“ Herausfordernd sah ich ihn an, woraufhin er lächelte. O Gott, dieses Lächeln … Mein Herz beschleunigte sich. „Ich kenne dich besser als du denkst.“, flüsterte er geheimnisvoll. Ich schluckte und versuchte mich wieder zu sammeln. „Wenn du mich so gut kennst, dann weißt du schon, warum ich dem Nimmernie den Rücken gekehrt habe.“ Frustriert stöhnte er auf. Tja, nur weil ich nicht mehr im Feenland lebte, hieß es nicht, dass ich nicht weiterhin wie jede Fee dem anderen das Wort im Munde umdrehen konnte. „Du bist wirklich eine harte Nuss.“

„Das hätte ich dir gleich sagen können, Goodfellow.“, erwiderte ich. „Goodfellow? Das erinnert mich immer an den Eisbubi. Nenn mich doch einfach Puck.“
„Ach ja, Prinz Ash, dein bester Freund Schrägstrich Todfeind ...“, meinte ich grinsend. „Dann eben Puck. Wenn du mir erzählst, woher du mich kennst, dann sage ich dir auch, warum ich fortgegangen bin.“ Es war gefährlich eine Abmachung mit einem Feenwesen zu machen, doch komischerweise vertraute ich Puck. Er nickte. „Abgemacht.“ Auffordernd schaute ich ihn an.

„Es war, als du das erste und auch das letzte Mal am Sommerhof warst. Unsere obere Zickenkönigin Titania hat dich eingeladen und ich dachte, du wärst wieder mal eine dieser hinterhältigen, grausamen Feenmädchen. Ich habe dich beobachtet, den ganzen Tag lang. Da stellte ich fest, dass du so ganz anders warst. Ich wollte dich kennenlernen, doch da hattest du dich schon mit Titania angelegt, was ziemlich dämlich von dir war, wenn ich das sagen darf.“, er lachte und sein Lachen war so ansteckend, dass ich mit einfiel. „Genau, ich erinnere mich nur allzu gut daran. Sie wollte einen Menschen in einen Hirsch verwandeln und ich bin dazwischen gegangen. Sie hat gekocht vor Wut. Ein Wunder, dass sie mich nicht gleich verbannt hat.“, erzählte ich lachend. „Danach warst du einfach weg und ich konnte dich einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen.“, er seufzte, „Ich bin auf die Suche nach dir gegangen. Nach einiger Zeit, habe ich dann erfahren, dass du in die Menschenwelt gegangen bist. Und nun habe ich dich endlich gefunden.“, beendete er seine Erzählung, wobei er mir zärtlich eine Strähne, meines langen weißblonden Haares hinters Ohr strich. Verlegen schaute ich auf den Boden.

Puck hatte mich also nicht aus dem Kopf bekommen können, was bedeutete das? „Ich war mein Leben lang ziemlich allein gewesen. Doch irgendwie bin ich dann in Titanias Hände gefallen. Dieser eine Tag am Lichten Hof hatte mir gereicht. Diese Grausamkeit, die dort herrschte, die allgemein im Nimmernie herrschte, wollte ich nicht mehr sehen. Das ist der einfache und ziemlich unspektakuläre Grund.“, gab ich kleinlaut zu. „Genau deshalb bist du etwas Besonderes.“, hauchte Puck. Im Nachhinein kam ich mir lächerlich vor. Ich verließ meine Heimat, wegen der Natur der Feenwesen, zu denen ich als Sommerfee gehörte. Mein Kontakt zu anderen Feen war gering, seitdem ich hier war, deshalb genoss ich es mit Puck hier zu sein, doch es ging nicht. Er war der berüchtigte Robin Goodfellow, geradezu unsterblich und wer war ich? Fiona Tarran, eine einfache Sommerfee, die sich auf einer Wiese unter einem Apfelbaum in der Menschenwelt versteckte. Ich stand auf und wollte gehen. Auf einmal wurde ich leicht am Arm gepackt. Seine Berührung ließ mich erstarren und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich drehte mich um.

Geschockt stellte ich fest, dass Puck so nah vor mir stand, sodass ich jede seiner Wimpern zählen konnte. Sein Duft nach Sonne und Wald umschmeichelte mich. Ich wollte einen Schritt zurücktreten, doch ich konnte nicht. Sein Blick fesselte mich und beinahe hätte ich das Atmen vergessen. „Geh nicht.“, flehte er mich an. Langsam verschränkte er unsere Finger. „Jetzt lass ich dich nicht wieder gehen. Ich habe mich in dich verliebt, Fiona.“, gestand er und näherte sich mir. Verliebt? Verliebt! Nein, das kann nicht sein oder etwa doch. Fühlte ich dasselbe? Wie könnte ich? Ich kenne ihn doch gar nicht. Umso näher er mir kam, desto härter klopfte mein Herz gegen meine Brust. In meinem Bauch kribbelte es verdächtig. Ehe ich mich versah, lagen seine Lippen schon auf meinen. Alles um mich herum verschwand, als ich die Augen schloss und mich ganz diesem berauschenden Gefühl hingab. Er legte seine Arme um meine Taille und zog mich noch näher, während ich meine Hände in seinen Haaren vergrub. Viel zu schnell löste er sich atemlos von mir. Ich sah ihn mit meinen großen blauen Augen an.

Er war wunderschön, wie er mich mit verwuschelten Haaren und mit vor Erstaunen geweiteten Augen ansah. Ich lächelte ihn an, woraufhin er auch mir eins seiner atemberaubenden Lächeln schenkte. „Ich liebe dich auch.“, sagte ich auf einmal. Erschrocken schlug ich mir eine Hand vor den Mund. Hatte ich das wirklich laut gesagt? Puck sah mich freudestrahlend an und ich schmolz dahin. Ich hatte mich Hals über Kopf in ihn verliebt. Meine Zweifel über Bord werfend zog ich ihn am Kragen zu mir ran und küsste ihn leidenschaftlich. „Komm mit mir zurück ins Nimmernie. Ich habe eine Hütte im Wilden Wald.“ Bittend sah er mich an. Ich musste nicht lang überlegen, denn ich konnte mir jetzt schon kein Leben ohne ihn vorstellen, also willigte ich ein. Voller Glück wirbelte er mich durch die Luft, sodass das weiße Kleid, das ich trug, im Wind flatterte.
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