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Sinner's Night - Das neue Peterspiel

von Serpa
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Crashdiet Hardcore Superstar Sister
15.05.2016
30.08.2016
14
34.634
2
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Dieses Kapitel
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15.05.2016 4.789
 
Sinner's Night - Das neue Peterspiel

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Hinweis: Hat nichts mit dem ersten Peterspiel zu tun.
Ich übernehme zudem keinerlei Garantie dafür, dass ich wirklich zählen kann.

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- [Jamie & Cari (Sister); Peter London (Crashdiet); Jocke Berg (Hardcore Superstar); Julian Drain (Lovex)] Wer denkt, dass nach dem Sex Schicht im Schacht ist und alle Beteiligten nur noch einschlafen, irrt sich - in Jockes und Peters Fall entstehen genau dann die besten Ideen. So hat Peter doch spontan Bock auf ein dämliches Spiel, während sein Kumpel einen neuen Namen auf die Liste seiner Liebesabenteuer schreiben möchte. Kurzerhand werden Jamie und Cari eingeladen, die allerdings nicht allein erscheinen. Sie haben einen unschuldigen, kleinen Finnen mitgebracht. Und vermeintlich unerwiderte Gefühle. -



Prolog



"Und, wie war ich?"
Für Peters Begriffe war Jocke eindeutig zu zuversichtlich. Sein Blick verriet im Grunde alles, aber davon ließ sich die flotte Blondine natürlich nicht beirren. Sie war eher jemand von der Sorte, der anderen direkt ins Gesicht sagte, was er über sie dachte. Sugarcoating passte schlichtweg nicht zu einem Kerl wie ihm.
Also ließ er seinen Blick durch das Hotelzimmer schweifen. Er ließ sich ab und an gerne Zeit, besonders dann, wenn er es denn durfte. Die Musik nahm er wesentlich ernster als die meisten Typen. Jocke stellte da keine Ausnahme dar. Wieso auch nicht, war er doch nur einer von vielen.
Lässig faltete er die Hände auf seinem nackten Bauch und seufzte dann. In dem Moment aber rückte ihm Jocke auch schon weiter auf die Pelle. Seine verdammten langen Haare kitzelten den Bassisten an der Schulter, während er Peter neugierig anschmunzelte.
"Auf einer Skala von eins bis zehn - was sagst du?"
Peter stieß Luft aus, sprudelte dabei wie ein Pferd.
"Joa, vier Komma fünf. Weil dus bist."
Jocke guckte natürlich im ersten Moment ziemlich blöd aus der Wäsche, dann ließ er sich auf den Rücken fallen, direkt neben Peter. Er konnte froh sein, dass das Bett groß genug war, aber der Bassist hatte natürlich bei der Wahl seines Hotelzimmers an solche Dinge gedacht. Es verging schließlich keine einzige Stunde, in welcher er nicht wenigstens einmal kurz über Sex sinnierte. Sex war nicht umsonst sein Lebensinhalt. Neben der Musik natürlich.

"Vier Komma fünf."
Der Sänger lachte vor sich hin. Aber bestimmt nicht, weil er dieses Geständnis als besonders witzig erachtete. Ganz sicher hätte er nicht mit solch einer miesen Bewertung gerechnet. Pech, dachte Peter sich. Irgendjemand musste ihn ja mal von seinem hohen Ross runterholen.
"So ein geiler Stecher bist du eben nun mal nicht", gab das Blondinchen zu und schaute den Mann neben sich unbeeindruckt an. "Ich hab mich eh nur von dir flachlegen lassen, weil ich nun deine komplette Band in der Kiste hatte."
"Okay." Jocke nahm es unerwartet gelassen. "Also war ich nur der Quotentrottel, oder wie man das nennt."
"Ja, so ungefähr."
Der nach wie vor nackte Peter berappelte sich nun und zog den Schub seines Nachtschränkchens auf. Daraus holte er einen Zettel und gleich auch noch einen Stift, den er benötigte, um etwas auf besagten Bogen Papier zu notieren.
"Stimmt", erkannte Jocke da und beugte sich auf den Boden herab, wo seine Hose lag. "Ich muss dich auch noch eintragen."
Peter sagte nichts, er war zu beschäftigt damit, in krakeligen Buchstaben Jockes Namen zu verfassen. Somit stand er genau unter Simon. Wobei man anmerken musste, dass der Cruz wesentlich besser in der Kiste gewesen war. Mindestens eine acht, wenn nicht sogar eine acht Komma fünf. Er korrigierte die Angabe und linste dann zu Jocke herüber, der noch schrieb.
"Schade, dass du dich weigerst, jedem eine A- und B-Note zuzuweisen", befand Peter und tippte mit seinem Stift auf einen der Namen auf Jockes Liste. "Also, ich fand Goran ja auch nicht übel. Bisschen passiv, aber eigentlich ganz gut."
"Ach, den hattest du auch schon?"
Als Jocke nach Peters Liste schielte, die auf dessen Schoß ruhte, brauchte er gar keine Antwort mehr. Und Peter lieferte ihm auch keine. Manche Dinge waren einfach zu selbstverständlich.
Weniger selbstverständlich war allerdings das, was Peter nun voller Verwunderung aus Jockes Liste herauslas.
"Was denn, du hast wirklich den A-"
"Klaro, Mann." Jocke lachte dümmlich. "War höchste Eisenbahn, dem mal die richtige Richtung aufzuzeigen."
Peter winkte ab.
"Glaub mir, die hat er schon vorher gekannt, nur hat er sich nicht getraut, in sie zu gehen."
"Der Sexperte muss es ja wissen."
"Natürlich muss er das." Peter zwirbelte eine seiner weißblonden Haarsträhnen um seinen Finger, während er nachdachte. "Trotzdem, für den bekommst du echt doppelte Punktzahl, weil er ne harte Nuss war."
"Ach, so hart war er gar nicht", wiegelte Jocke ab. Sein verklärter Blick verriet dem Bassisten ganz genau, dass er von seiner heißesten Eroberung träumte. "Er war um ehrlich zu sein sogar recht verzweifelt." Er gluckste. "Ach, ich muss revidieren, er war doch ziemlich hart, wenn du verstehst."
"Mir egal, ob er hart war", gab Peter sich weiterhin unbeeindruckt. Sex diskutierte er stets mit der Selbstverständlichkeit, mit der andere über das Wetter sprachen. "Er interessiert mich nicht besonders."
"Blindes Huhn." Jocke konnte dies natürlich nicht verstehen, ging es doch hier gerade um eine der süßesten Versuchungen, die ihm je untergekommen waren. "Aber okay, ich muss zugeben, dass ich ihn ja auch noch nicht richtig hatte."
"Und was ist mit seinem Best Buddy?", wollte Peter in Erfahrung bringen. "Steht der auch schon auf deiner Liste?"
"Auf meiner To-Do-List, ja." Der Sänger kratzte sich den Kopf und verzog das Gesicht. "Aber der wird richtig heavy, wo an dem doch kein einziger schwuler Faden dran zu sein scheint."
Peter tätschelte dem anderen die Schulter.
"Nicht verzagen, schwedische Männer fischen alle an beiden Ufern."
"Na, wenn du das sagst..."
Jocke klang nicht sonderlich überzeugt, fand Peter. Eine Sache, die ihm ziemlich sauer aufstieß. Denn ein Peter London hatte immer Recht, wenn es um sexuelle Dinge ging. Andere Leute mussten erst achtzig werden, um das Know How bezüglich der schönsten Nebensache der Welt zu entwickeln, welches Peter sein eigen nannte. Der kleine Bassist hatte in seinem Leben schon so viel herumgevögelt, dass ihm wahrlich niemand etwas mehr vormachen konnte. Vor allen Dingen sein Gaydar funktionierte prächtig. Und das würde er Jocke auch noch beweisen, oh ja.
Doch zunächst lehnte er sich wieder entspannt zurück und sagte für einen Moment nichts. Jocke sagte auch nichts, aber dies ganz bestimmt nur, weil er zu hohl in der Birne war, um die Zeit mit Nachdenken zu verbringen. Peter hingegen tat genau das, bis er schließlich mit der Sprache herausrückte.
"Weißt du, auf was ich nun so richtig Bock hätte?"
Als hätte er einen Befehl ausgesprochen, wälzte Jocke sich wieder halb über ihn. Sein Blick schrie abermals Hunger.
"Auf ne zweite Runde?" Er leckte sich über die Lippen. "Ich versprech dir auch, dass ich mir dieses Mal mehr Mühe gebe."
"Ach, bild dir nichts ein", echauffierte Peter sich und schob den notgeilen Kerl mit aller Kraft von sich runter. "Ich würde gerne mal wieder ein richtig dämliches Spiel spielen."
"Ein dämliches Spiel?" Jocke runzelte in seinem Unverstehen die Stirn, aber Peter klärte ihn zugleich auf.
"Ja, ich hab da neulich so ne Internetseite gefunden. Never Have I Ever nennt sich das Game, und man kann damit schön alle möglichen schlüpfrigen Geheimnisse aufdecken."
"Okay, da bin ich dabei", bestätigte Jocke wie aus der Pistole geschossen, allerdings durfte ein abermals ziemlich dreckiges Grinsen seinerseits nicht ausbleiben. "Aber zu zweit macht das Ganze doch kaum Laune. Zumal ich eh schon weiß, dass du eine Schlampe bist."
"Du alter Charmebolzen." Peter boxte ihm mit einem gespielten Lachen gegen die Schulter. "Nee, aber hast schon recht. Wir sollten noch jemanden hinzuziehen."
"Und ich wüsste auch schon wen." Jockes fast schon gieriger Blick streifte Peter, woraufhin dieser nur genervt mit den Augen rollte.
"Alles klar, ich ruf deine Häschen an."
Sagtes und suchte sein Handy aus den Bergen von Klamotten, die auf dem Boden verstreut lagen. Zum Glück würde ihm der Akku noch eine ganze Weile treu bleiben und er musste sich nicht erst auf die Suche nach einer Steckdose begeben.
Er wählte die entsprechende Nummer und hielt sich das Gerät ans Ohr. Währenddessen aber warf er Jocke einen scharfen Blick zu.
"Wenn sie mich lynchen wollen, weil ich sie um die Uhrzeit anrufe, winke ich sie gleich zu dir rüber, damit sie dich vermöbeln", drohte er Jocke an. "Schließlich war es ja auch dein- Ah, hi, Jamie, hab ich dich geweckt?"
Seine Stimme wechselte hinüber in einen zuckersüßen Ton, so wie Jamie das Gespräch annahm. Glücklicherweise klang er nicht im Mindesten verschlafen, höchstens ein wenig genervt. Aber das würde Peter mit seiner mitreißenden Art sicher schnell ändern können.
"Du, ich würd dich und Cari gerne zu nem Spielchen einladen." Er hatte sich dazu entschieden, prompt zum Punkt zu kommen. Alles andere hätte sich vielleicht nur kontraproduktiv ausgewirkt. "Habt ihr Bock?"
Jocke machte eine hektische Handbewegung in seine eigene Richtung, und auch seine Lippen versuchten mit Peter zu kommunizieren, aber der gab ganz gewiss nicht sein Handy aus der Hand und ließ den bekloppten Sänger mit Jamie quatschen. Der hätte ihm nur den ganzen Plan mit seiner unverhohlenen Notgeilheit ruiniert. Und dann als Sahnehäubchen noch Peter die Schuld an der Misere in die Schuhe geschoben. Das musste wahrlich nicht sein, weshalb der Bassist den Kopf schüttelte und sich entschieden wegdrehte, damit er den Affen neben sich erst gar nicht mehr sehen musste. Der Kunde lenkte ihn eh nur ab. So konnte er sich wesentlich besser auf Jamies Worte konzentrieren.
"Ein Spielchen?", hakte der Sister-Sänger misstrauisch nach. "Da steckt doch wieder irgendwas Perverses dahinter."
Ja, Jocke, dachte sich Peter im Stillen. Der perverse Jocke steckte dahinter. Aber das war es nicht, was er laut aussprach.
"Was du immer von mir denkst." Er schnalzte gespielt beleidigt mit der Zunge. "Außerdem stehst du doch auf perverse Spiele. Und Cari auch, hundertprozentig. Ist der Kerl eigentlich bei dir?"
"Logo, der hockt mir schon den ganzen Tag auf der Pelle, dieses Arschgesicht." Im Hintergrund war Gelächter zu hören. Wahrscheinlich hatte der Drummer ihm den Stinkefinger für den Spruch gezeigt.
"Gut." Peter ging nicht weiter auf die flapsigen Vertraulichkeiten der beiden Freunde ein. "Dann frag ihn mal, ob er Bock hat."
Gebrabbel im Hintergrund, dann wieder Jamie.
"Er fragt, obs genug Alk gibt. Und ich frag auch."
"Also, könnt ihr Knollos euch das nicht denken?"
Jocke begrabschte derweil offenbar seinen Rücken, aber Peter ignorierte das. Bevor er ihm seinen Schwanz erneut zwischen die Backen schleusen konnte, würde er schon noch eins aufs Maul bekommen, ohne Frage. Aber vielleicht hampelte er auch nur so herum.
Jamie lachte inzwischen auf.
"Okay, okay, da wir eh grad Langeweile haben und nicht wirklich pennen können, sind wir dabei."
Von der Zusage schien der Typ neben Peter natürlich prompt Wind bekommen zu haben, denn er trommelte wie ein Irrer auf seine nackte Schulter ein, dass es nur so klatschte und presste dann die Lippen gegen sein Ohr.
"Rrrrr, aaaawesome!", jubilierte er, ehe Peter ihm die Hand ins Gesicht drückte und dieses von sich schob. Wieso musste er sich immer nur mit solchen Irren abgeben? Gab es denn nicht noch ein paar normale Kerle auf der Welt? Okay, auf der Welt sicherlich - aber nicht im Rockstarbiz. Jamie und Cari waren genau genommen auch nicht viel besser als Jocke. Und meistens mochte Peter das ja auch. Schließlich war er selbst kein Waisenknabe, ganz im Gegenteil sogar.
"Was geht denn bei dir?", wollte Jamie amüsiert wie auch irritiert wissen, aber Peter winkte nur ab, auch wenn der andere das nicht sehen konnte.
"Vergiss es einfach."
Er nannte ihm die Nummer des Zimmers, in welchem er sich gerade aufhielt und wo die spontane Party steigen sollte.
"Ich bin auch angezogen", versprach Peter, der dafür bekannt war, oftmals auf das Tragen von Klamotten zu verzichten. "Zumindest halbwegs."
Das Gespräch fand sein Ende, und Peter legte sein Handy weg. Anschließend rollte er sich auf den Rücken und schaute nach Jocke, der ebenfalls noch im Adamskostüm den Raum dekorierte.
"Du solltest dich auch anziehen", bestimmte der Bassist. "Sonst werden die Buben ja gleich blind."
"Ach, die sollen sich mal nicht so haben." Trotz seiner Worte fischte Jocke nun seine Unterhose hervor und fädelte mühselig seine Füße in die Beinausschnitte. "Sind doch keine kleinen Jungs mehr. Als ob die noch nie nen nackten Mann gesehen haben. Besonders Jamie."
Ein selbstzufriedenes Schmunzeln umspielte Jockes Lippen, was Peter allerdings nur noch aus den Augenwinkeln wahrnahm. Sonderlich interessierte er sich nicht für das Gefühls- und Sexualleben seines Bettgenossen. Was an Jamie und Cari so geil sein sollte, erschloss sich ihm sowieso nicht. Die beiden waren einfach nur ein paar schwarze, dreckige Punks, welchen noch der Mutterkuchen an der Backe klebte. Peter waren sie allemal zu jung. Jocke freilich nicht. Der verspeiste bekanntlich am liebsten Frischfleisch, diese perverse Sau.
Nun begann auch Peter, in seinen schwarzen Minirock zu schlüpfen. Seinen pinken Leopardenstring konnte er nicht mehr finden, weswegen er eben dort bleiben musste, wo der Pfeffer wuchs. Aber immerhin würden die beiden Teufelchen ihm so nicht noch auf die Nudel glotzen können. Unglaublich, aber wahr: Nicht jedem wurde dieses Privileg zuteil. Zumindest nicht sofort. Ach egal, man konnte sich eigentlich alle Dinge schönreden. Aber daran, dass Peter eine kleine Schlampe war, gab es nun mal nichts zu rütteln. Man musste diesen Titel nur mit Stolz tragen, fand er. Alles andere zählte nicht.


*


Die schwarzen Schwestern hatten sich prompt nach Peters Anruf auf den Weg zu dem Bassisten gemacht. Dieser konnte von Glück reden, dass sie so gut befreundet waren - Jamie und Cari mochten zwar auch nicht sonderlich prüde sein, aber ganz bestimmt hätten sie sich nicht von jedem zu einer Spielrunde wie dieser einladen lassen. Schließlich wussten sie ganz genau, dass die Sache wohl ziemlich ausarten würde, wenn Peter anwesend war und zudem die treibende Kraft mimte. Aber im Grunde war vor allem Jamie dies sogar ganz recht. Wenn er sich Cari so beguckte, der neben ihm herlief und frisch rasierte Kopfseiten sein eigen nannte, dann wollte er in der Tat nichts lieber, als ein schlüpfriges Spiel mit ihm zu spielen. Allerdings hätte er das nie im Leben laut gesagt. Cari und er, sie waren nur beste Kumpels, mehr war nicht und mehr würde auch nicht werden. Zumal Cari überhaupt nicht wirkte, als würde er auch an Männern interessiert sein. Nicht mal im besoffenen Zustand hatte Jamie ihn je dabei beobachten können, wie er einen Typen zumindest angeflirtet hatte. Es war also quasi hoffnungslos, und Jamie wischte den Gedanken wie auch die anderen Male zuvor beiseite. Er sollte sich besser auf seine Freundin konzentrieren, und darauf, nicht vor ein Auto zu laufen.
Hoppla…
"Mann, mach die Augen auf!"
Erst Caris ärgerliche Stimme riss ihn aus seinen Träumereien, und vielleicht auch dessen harter Griff um seinen Arm sowie die Scheinwerfer des Autos, welches ihn wohl gerade fast in einen anderen Aggregatzustand verwandelt hätte.
Sein erschrockener Blick heftete sich auf das Gesicht seines Freundes, der ihn aus großen Augen anstarrte.
"Dich kann man auch nie unbeaufsichtigt lassen. Trottel."
Er ließ Jamies Arm los und lief dann unbeirrt weiter. Das Hotel, in dem Peter derzeit wohnte, befand sich auf der anderen Straßenseite, und Jamie beeilte sich, seinem Kumpel zu folgen.
Verdammte Scheiße, war das peinlich. Wieso musste sein Kopf nur stets derart in den Wolken hängen wegen diesem Kerl? So toll war Cari ja nun auch wieder nicht, versuchte Jamie sich einzureden, widersprach sich aber, so wie er einen Blick auf den Hintern des anderen warf. Eines der vielen Features, die dafür gesorgt hatten, dass Jamie wie eine Schwuchtel dachte und fühlte.

Gemeinsam betraten sie die Hotellobby und fuhren mit dem Fahrstuhl nach oben. Schweigend verfolgten die beiden Männer in ihren Lederjacken die Stockwerkanzeige. Zum Glück war Cari niemand, der einem Missgeschicke ewig vorhielt. Er schnauzte einen an oder lachte einen aus, aber fünf Minuten später war die Sache gegessen. Jamie tickte da oft ein wenig anders - Schadenfreude war eine seiner großen Leidenschaften, und wäre Cari vor ein Auto gerannt, er hätte wohl noch jetzt irgendwelche bösen Witze gerissen. Obwohl er vor Schreck wahrscheinlich schon nicht mehr wirklich am Leben gewesen wäre. Cari durfte schließlich kein Härchen gekrümmt werden, war er doch Jamie sehr lieb und teuer. Er hatte keine Ahnung, was er ohne ihn gemacht hätte. Dass sie sich damals in diesem Club getroffen hatte, war Schicksal gewesen. Zwei Freunde, füreinander bestimmt. Ja, so konnte man es getrost nennen.
Im zweiten Stock kam der Fahrstuhl plötzlich zum Stehen, obwohl die beiden doch in den dritten mussten, wenn sie zu Peter gelangen wollten. Die Türen glitten auseinander und ein schwarzhaariger Typ wurde sichtbar, der irgendwie hektisch und zerstreut aussah. Ach Quatsch - bei genauem Hinsehen befand Jamie, dass die Bezeichnung Typ nicht sonderlich gut auf ihn passte. Viel mehr handelte es sich bei ihrem zukünftigen Mitfahrer um einen Jungen von sechzehn, vielleicht siebzehn Jahren. So genau konnte er das nicht einschätzen.
"Boah, willst du bald mal einsteigen?", schnauzte Cari ihn an, als er noch immer hastig in seiner Tasche wühlte. Jamie hatte nun wirklich das Gefühl, dass sein Kumpel ziemlich schlechte Laune hatte. Warum, das wusste er auch nicht. Vorhin war noch alles gut gewesen. Vielleicht hatte er doch keinen Bock gehabt, um die Uhrzeit noch vor die Tür zu gehen? Vielleicht hatte er lieber allein sein wollen mit-
Ach, so ein Käse. Jamie hasste sich dafür, dass er sich immer wieder in solch beschissenem Wunschdenken verlor. Das brachte doch überhaupt nichts, außer falschen Erwartungen.
Der Junge schreckte aufgrund der harschen Worte auf und hob den Blick - Mann, jetzt, wo Jamie sein Gesicht richtig sehen konnte, manifestierte sich erst recht der Eindruck in ihm, dass es sich bei ihm um einen Milchbubi handelte.
"S-sorry?", fragte er scheu nach und hielt in seiner Wühlerei inne. "I don't speak that language..."
Ungeduldig, wie Cari war, rollte er mit den Augen und wiederholte seine Worte dann auf Englisch. Jamie sagte nichts dazu, und das war auch nicht nötig - denn schon im Bruchteil der nächsten Sekunde war der Junge in den Fahrstuhl gehuscht. Erneut kramte er in seiner Tasche, dabei irgendetwas murmelnd, das wie ein Fluch klang.
"Alles klar?", hakte Jamie nach, der aus irgendeinem Grund heute seine freundliche Seite herausgekramt hatte, während Cari nur teilnahmslos die Arme vor der Brust verschränkte und wartete, bis sie endlich an ihrem Ziel ankamen.
"Ach, Scheiße", schimpfte der Kleine, der eigentlich ziemlich groß war, aber eben dafür jung und schob sich seine halblangen Haare hinters Ohr. "Ich glaub, ich hab meinen Schlüssel vergessen. Mein Kumpel wird mich killen, wenn ich ihn um die Uhrzeit noch anklingle."
"Was treibt sich so ein Bubi wie du auch noch mitten in der Nacht herum?" Cari zeigte nun also doch Interesse an dem Geschehen. Dafür aber zuckte sein Mundwinkel ziemlich hämisch. "Warst du im Puff? Wir hätten uns vorher schon mal treffen sollen, dann hätte ich dir davon abraten können, deine Unschuld an eine Nutte zu verlieren."
Jamie gluckste in sich hinein. Manchmal war der trockene und unverblümte Humor seines Kumpels einfach zu köstlich. Was der Junge wohl nicht so sah, denn er wurde ganz verlegen und bekam sogar rote Ohren. Beinahe schon niedlich, aber auf jeden Fall sehr erheiternd.
"Da spricht wohl jemand aus Erfahrung", konterte Jamie an der Stelle des Kleinen spitz, wofür Cari ihm gleich alle beide Mittelfinger zeigte, allerdings mit dem Anflug eines Grinsen. Was ihn wiederum verlockend hübsch aussehen ließ. Ja, Cari war heute Nacht einfach wieder nur irre attraktiv. Da konnte man ja nur zur Schwuchtel mutieren.
Den Jungen jedoch schien er nicht sonderlich zu tangieren - er hatte Mühe, wieder die Contenance zu finden. Zu seinem Glück erreichten sie nun das nächste Stockwerk und durften aussteigen. Allerdings machte er keinerlei Anstalten, vor dem ungezogenen Cari und seinem bislang nicht ganz so ungezogenen Kumpanen zu flüchten; viel mehr verließ er nur zögerlich den Fahrstuhl, um dann ratlos in der Gegend herumzustehen. Offenbar fragte er sich nun, ob es besser war, die restliche Nacht im Flur zu verbringen oder seinen Kopf zu verlieren, weil sein Kumpel ihn für eine Störung um die Uhrzeit ein gewaltiges Leid zufügen würde.
Jamie und Cari stiegen ebenfalls aus, und während Cari geradewegs zu Peters Zimmer abbiegen wollte, beschloss Jamie, dem hilflosen Jungen eine dritte Auswahlmöglichkeit anzubieten.
"Hey, komm doch einfach mit uns mit", schlug der Sänger also vor, was dazu führte, dass der Junge verdattert aus der Wäsche guckte. Offenbar nahm er Jamies Worte nicht für bare Münze. "Ich meine es ernst. Wir machen nen Männerabend."
"Einen Männer-, keinen Jungsabend", krakeelte Cari im Hintergrund, der natürlich mit seinen Superohren wieder alles gehört hatte. Doch von dem Kommentar ließ Jamie sich nicht beirren. Es würde nämlich sicherlich witzig werden, so eine kleine Unschuld als Kontrast zu Peter der lustigen Runde beiwohnen zu lassen. Cari würde das schon noch früh genug merken, vorausgesetzt, der Junge sagte zu. Doch Jamie sollte Glück haben.
"Äh, von mir aus", willigte er noch immer etwas zerstreut klingend ein und heftete sich an Jamies Fersen. "Schaden kanns nicht."
Cari, den sie alsbald eingeholt hatten, lachte auf, und auch Jamie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Im nächsten Moment aber packte der Drummer ihn unvermittelt am Arm und hielt ihn fest. Verschwörerisch musterte er ihn.
"Hast dich wohl verguckt, mh?", raunte er, woraufhin Jamie nur verwundert die Stirn runzelte.
"Spinnst wohl", erwiderte er und tippte sich an die Stirn. "Was soll ich mit so nem Frischling? Der weiß doch bestimmt noch nicht mal, wie man ein Kondom benutzt. Und außerdem steh ich nicht auf Typen."
Eingeschnappt wirbelte der Sänger herum, sodass seine langen Haare flogen. Sie waren nun ohnehin an der Tür von Peters Hotelzimmer angelangt, und Jamie pochte knapp dagegen, ehe er einfach eintrat. Cari hinter ihm schmunzelte wissend, während der Junge, der sich ihnen später als Julian vorstellen sollte, mit einem Mal nicht mehr so recht wusste, ob er sich richtig entschieden hatte. Seine Mutter hätte ihn umgebracht, hätte sie gewusst, dass er mit solchen Kerlen abzuhängen gedachte. Aber was kümmerte ihn schon seine Mutter - was sie nicht wusste, machte sie auch nicht heiß. Auf Tour war er ein freier Mensch.

Das Trio trat nacheinander in das Zimmer ein, allen voran Jamie.
"Da sind wir", verkündete er guter Dinge und winkte ihren spontan geladenen Gast heran. "Ich hoffe, es stört dich nicht, wenn-"
Er verstummte mitten im Satz und schaffte es noch nicht einmal, den Arm wieder herunterzunehmen, als er nicht nur Peter erblickte, der grinsend auf der Bettkante hockte, sondern zudem auch einen ihm sehr gut bekannten Kerl.
"Was macht der denn hier?", empörte der Sänger sich, woraufhin Jocke und Peter ihn gleichermaßen zu beschwichtigen versuchten.
"Halt mal die Luft an." Peter war aufgesprungen und legte seine Hand auf Jamies Schulter, doch der Sänger starrte noch immer mit zusammengepressten Lippen in Jockes Richtung, Peter komplett ignorierend. "Ist das echt so ein Problem, wenn Jocke dabei ist?"
Auch Cari schlug ihm nun auf die noch freie Schulter.
"Ich pass schon auf, dass er dich nicht frisst", scherzte er und zwinkerte Jamie schnalzend zu, ehe er sich einen Platz auf dem Fußboden sicherte und sich Peter zuwandte. "Haste nun Bier da?"
Jocke reichte ihm daraufhin seine angerissene Flasche, aus der der Drummer ohne zu zucken ein paar kräftige Schlucke trank. Dann setzte er sie ab und blickte wieder hin zu Jamie.
"Ich hab zwar keinen Schimmer, was ihr beide für ein Problem habt", meinte er, "aber ich glaub, es ist ein bisschen spät, um euch nun zu prügeln."
"Peace and Love, Mann", befand auch Peter mit einem gutmütigen Lächeln, aber Jamie wirkte noch immer nicht wirklich überzeugt. Besonders dann nicht, als Jocke sich auch noch zu Wort meldete.
"Wir haben eigentlich gar kein Problem", sagte dieser. "Wir verstehen uns im Gegenteil echt gut."
Jamie schnappte gerade wutentbrannt nach Luft, doch ehe er etwas sagen konnte, klopfte Cari schon mit treuherzigem Blick auf den Platz neben sich. Kurz zögerte Jamie, doch dann setzte er sich in Bewegung, um sich schweigend neben seinen Kumpel zu pflanzen.
"Bier her, oder jemand in diesem Raum stirbt", verkündete er, woraufhin Peter gleich zur Minibar eilte und ihn versorgte. Nun war der Sänger wohl derjenige, der die schlechte Laune für sich gepachtet hatte und nicht mehr Cari. So schnell konnte sich das Blatt also wenden.
Er beschloss, Jocke nicht mit dem Hintern anzugucken und deutete dafür wieder mit dem Kinn auf Julian, der nun noch unsicherer im Raum stand als noch zuvor. "Hier, stell dich mal vor."
Der Junge räusperte sich kurz und bekam leicht rote Wangen, so wie sich alle Augen auf ihn richteten.
"Ich bin Julian, auch Juke, Julle oder Juli genannt." Er klang, als würde er einen Schulvortrag halten. "Ich bin Finne, also könnten wir bitte Englisch sprechen?"
"Du kannst doch bestimmt auch Französisch", erwiderte Jocke lüstern, wofür er den Mund von Peter zugehalten bekam. Hinter dessen Hand brabbelte er erstickt weiter. "Der weiß doch bestimmt sowieso nicht, was ich damit meine."
Die Antwort auf diese Frage sollte im Tumult untergehen - wahrscheinlich war, dass Julian sich ohnehin nicht eindeutig diesbezüglich äußerte. Dafür setzte er nun seinen Vortrag fort.
"Ich spiele in einer Band. Lovex, wenn euch das was sagt."
"Welche Position?", wollte Cari wissen.
"Drummer."
Jamies Kumpel hob die Hand.
"Gib mir fünf, Kollege."
Mit einem schüchternen, aber ehrlichen Lächeln schlug der Finne ein, dass es nur so schallte. Jamie suchte den Blickkontakt mit Peter.
"Er darf doch dableiben und mitspielen? Er hat da ein paar Probleme mit seinem Zimmernachbarn oder so..."
"Klaro", stimmte Peter zu. "Allerdings weiß ich da jetzt schon, wer das Spiel gewinnen wird. Es geht nämlich darum, wer die wenigsten Sünden auf seinem Konto verbuchen kann."
"Ach nee." Jamie schlug sich die Hand vor die Stirn und zeigte dann auf Peter. "Du willst mit uns Never Have I Ever spielen, hab ich recht? Hab ich mir gedacht."
Peter konnte sich seine Antwort sparen. Anstelle schnappte er sich sein Handy, legte es schon mal vorsorglich auf seinem Schoß ab und angelte sich dann seinen Kulturbeutel.
"Ich hab leider nur zwei Kajalstifte", verkündete er. "Die anderen drei müssten sich dann mit Edding anmalen."
Jocke war der erste, der bemerkte, wie fragend Julian aus der Wäsche guckte. Kein Wunder, hatte er sich doch ziemlich für den Jungen zu interessieren begonnen.
"Erklär dem mal ordentlich die Regeln", forderte er Peter auf. "Der Kleine hat null Plan von dem Spiel."
"Also." Peter holte tief Luft. "Ich lese immer eine Behauptung vor. Trifft sie auf dich zu, brauchst du nichts zu tun. Trifft sie aber nicht auf dich zu, also widersprichst du der Behauptung, malst du dir einen Strich ins Gesicht. Ganz einfach. Verstanden?"
Julian zögerte sichtlich, begrub dann aber seine Zweifel und nickte. Seinen Sitzplatz fand er neben Jamie.
"Okay, wir teilen uns die Stifte", schlug Peter vor und legte sie für alle erreichbar auf den Boden. "Aber wehe, einer von euch Vollidioten setzt sich mit seinem fetten Arsch darauf. Dann gibts nämlich wirklich Eddinge."
Jocke salutierte.
"Aye, aye, Cäpt'n."
"Fang jetzt an", verlangte Cari. "Sonst ist die Nacht eher rum."
"Und wir voll", ergänzte Jamie, woraufhin Peter sein Handy anschaltete und darauf herumdrückte. Schließlich hatte er die entsprechende Internetseite gefunden und schaute prüfend in die Runde.
"Bereit?"
"Bereit und breit", erklang es von den anderen außer Julian im Chor, gefolgt von verhaltenem Gelächter. Als dieses verstummt war, las Peter die erste Behauptung vor.
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