2 - Nie wieder Elysium

von Emares
GeschichteAllgemein / P12
Goal Rufus
15.05.2016
15.05.2016
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Monate!

Monate waren vergangen, seit er sich aufopferte!

Rufus, der Held unserer Geschichte, blickte von Bozos Kutter auf die Weiten des Rostroten Meeres.
Sein Gesicht wies Augenringe auf, die seine flache Nase umrahmten. Er seufzte, als der Wind durch seine langen, braunen Haare fuhr, wirkte resigniert und rekapitulierte die letzten Monate. Er wollte seinem Heimatdorf Kuvaq den Rücken kehren, wollte einen Kreuzer des Organon – der geheimnisvollen Exekutive des Planeten – kapern und von da Elysium erreichen.
Elysium – eine fliegende Stadt – erinnerte sie jeden Tag daran, dass die Oberschicht sich in höhere Sphären zurückgezogen hatte, nachdem der Planet Deponia zu einer einzigen Müllhalde geworden war und kaum mehr bewohnbar.
Er hatte es tatsächlich geschafft, nachdem er seiner Exfreundin Toni, eine junge Frau mit lockigem, blondbraunem Haar sowie betonter Figur und seinem besten Freund, dem Glubschgnom Wenzel, den Mittelfinger gezeigt hatte. Bildlich gesprochen, denn seine brutale Ex hätte ihm den Finger sonst einfach abgebrochen.
Auf dem Kreuzer angekommen traf er jedoch auf die Elysianerin Goal, welche gerade von Argus – dem Anführer des Organon – bedrängt wurde. Er rettete sie, indem er sie vom Kreuzer warf und wurde anschließend zum Dank selbst vom Kreuzer geworfen.
Auf der Oberfläche fand er sie dann in Kuvaq wieder. Sie hatte orangerote Haare, weiße Haut, rosarote Bäckchen und trug edle Kleidung in weiß und blaugrün. Obwohl sie bewusstlos war, später dann plemplem, verliebte er sich in sie.
Als der Organon in Kuvaq einfiel, schaffte er sie zur oberen Aufstiegsstation, wo ihr Verlobter wartete. Dieser Cletus, so stellte sich heraus, liebte sie aber nicht und... war das gespuckte, kreidebleiche und schleimige Ebenbild von Rufus.
Rufus schaffte es, seinen Rivalen von seinem Hass auf Deponia zu überzeugen, nachdem dieser ihm offenbart hatte, dass der Planet gesprengt werden sollte.
Sie trafen die Vereinbarung, dass Rufus Goal zu Cletus und Cletus Rufus nach Elysium brächte und so holte Rufus Goal. Diese befreite er mit Hilfe von Doc, einem alten Bastler mit breiten Schultern, grauem Haar sowie grauem Bart, und mit Hilfe des Schrottkutterkapitäns Bozo, den er damals für einen brutalen Piraten hielt, von der Beschädigung ihres Hirnimplantats.
Anstatt Cletus jedoch als leichte Beute gegen-überzutreten, tat er sich mit der Orbitelfe zusammen und überwand Cletus. Dieser jedoch trieb einen Keil zwischen die Beiden und so betäubte Rufus seine große Liebe, indem er ihre Bewusstseinsdatasette entfernte.
Argus, der das alles beobachtet hatte, sah in Rufus nun eine bessere Ratte als in Cletus und schickte ihn und Goal – mit einer Backupdatasette ausgestattet – nach Elysium.
Auf halbem Weg jedoch gestand er ihr, dass er nicht ihr Verlobter sei und sie zwang ihn, ihr altes Implantat wiederzubeschaffen. Er tat es, doch Cletus überwältigte ihn und Argus schickte nun doch ihn mit Goal zurück nach Elysium.
Jedoch hatte Rufus die Datasetten ausgetauscht und entkam Argus mit einem beherzten Sprung vom Turm, bei dem er in einem Nadelhaufen landete. Dort fand Bozo ihn.

Doc und Bozo pflegten ihn gesund und er war eine kleine Ewigkeit bewusstlos. Als er aufwachte war der Planet nicht gesprengt worden, die Backupdatasette aber zerstört.
Der junge Mann war völlig verwirrt, denn als er im Koma lag, hatte er seine Lebensgeschichte einfach weiter geträumt. Er träumte von Rebellion gegen den Organon, davon, dass Goal und er ein Paar wurden, dass er sich als einer der Prototypen für den Organon herausstellte, sich klonte, den Tod erlebte und er sich schließlich opferte, damit sie lebend nach Elysium kam – mit Cletus an seiner statt. Es war nicht wirklich passiert, er hatte sich in eine Phantasie verliebt, erst in die Vorstellung eines besseren Lebens, dann in eine Frau als Symbol dafür und schließlich in den Traum einer glücklichen Zukunft mit ihr.
Er war ein Anderer geworden, jemand der nicht nur an sich dachte, der auch Verantwortung übernahm für seine Taten und für Andere. Rufus hatte sich erst einmal damit abzufinden, dass er das alles nur geträumt hatte. Er heuerte bei Bozo an und half Bozo und Doc bei der Gründung eines medizinischen Konglomerates.
Sie bereisten ganz Deponia, was bedeutete, dass er auch seine alte Heimat, Kuvaq, wiedersah. Dort traf er auch auf seine alte Exfreundin Toni. Als sie ihn sah, runzelte sie die Stirn und verengte die Augen, eine Reaktion, die er schon oft bei ihr gesehen hatte, die nun aber Scham bei ihm auslöste. Was dann passierte, überraschte alle Anwesenden: er ging schnurstracks auf sie zu, die Fäuste geballt und blieb einen Meter von ihr entfernt stehen.
Für einen Augenblick sah er ihr nur angespannt in die Augen und sie machte sich gefasst, ihm im nächsten Moment eine Ohrfeige zu verpassen. Doch mit dem, was dann passierte, hatte sie nicht gerechnet – er fiel vor ihr auf die Knie, stützte sich auf seine Unterarme und legte die Hände flach auf den Boden. Und während er sich zu einem erbärmlichen Häuflein zusammenkauerte, sagte er nur,
     „Es tut mir leid!“.
Sie ballte die Faust und wollte auf ihn einschlagen, doch sie zögerte. Plötzlich fuhr er fort und entschuldigte sich für jede einzelne seiner Schandtaten. Sie hörte echtes, aufrichtiges Bedauern in seiner Stimme, und für einen Moment machte sie das noch wütender, verdarb er ihr doch die Möglichkeit, aus der Haut zu fahren.
Als er fertig war, schloss sie ihre Augen und wandte den Kopf angeekelt von ihm ab. Doch als er ängstlich aufblickte, streckte sie ihm ihre Hand entgegen. Und er ergriff sie.
Und so kamen die beiden wieder zusammen. Aber dieses Mal fraß er nicht bloß ihre Vorräte und schnorrte sich durch, er arbeitete, sie arbeitete und die wenigen Momente, die sie sich sahen, lag sie in seinen Armen und schnurrte so sanft wie einst – als hätte er sie nie enttäuscht.
Er hatte eigentlich rund um die Uhr zu tun und keine Zeit für Phantasien.
Ein Leben in Ordnung und Zufriedenheit, so hatte er seine Reise gestartet und nun hatte er es, wenn auch nicht auf Elysium. Er wusste: er sollte glücklich sein...
Doch sein Traum war wie eine reale Erinnerung.


Und es tat immer noch weh!
Die Türe zur Kabine des Kutters öffnete sich und Doc trat heraus. Der graue Mann war für ihn in kürzester Zeit zu einem Mentor und Vaterersatz geworden.
     „Rufus...“, sprach Doc ihn an, als er neben ihn trat,
     „...wir müssen uns mal unterhalten! Seit wir dich aus dem Nadelhaufen gezogen und wieder zusammengeflickt haben, hast du nicht einmal gelächelt.“
Er legte seine Hand auf Rufus' Schulter und versuchte einen ernsten Tonfall:
     „Du bist in dieser Träumerei gefangen, von der du uns erzählt hast! Aber du kannst nicht auf ewig in der Vorstellung einer großen Liebe und dem Erreichen der Fliegenden Stadt verharren. Du musst nach Vorne schauen!“
     „Weißt du...“, wollte Rufus entgegnen und holte schwermütig Luft.
Dock nahm seine Brille ab, eine Kombination aus Schweißbrille und Vergrößerungsgläsern.
     „Die Welt ist in Aufruhr, die Zeitungen berichten davon, wie überall auf Deponia eine Armee von rothaarigen, wahnsinnigen Babys auftaucht und ganze Landstriche verwüstet...“, berichtete Doc ihm weiter.
Rothaarige Babys? Wahnsinnig? Eine Erinnerung kam in ihm auf, die eigentlich keine Erinnerung sein konnte, denn es war eine Erinnerung aus seinen Komaträumen.
Doch auf einmal bemerkte Rufus andere Gefühle, das flaue Gefühl im Magen intensivierte sich und sein Bauch zog sich zusammen. Das Geräusch der Wellen wurde immer lauter, wie sie gegen die Bordwand klatschten. Ihm wurde schwindlig.
     Was zum Schrott geht..., dachte er, doch da wurde es ihm schwarz vor Augen und seine Beine gaben nach.
     „Junge, was ist los mit dir?“, hörte er Doc noch wie aus großer Entfernung rufen, da wurde jedwede Wahrnehmung außerhalb seines Kopfes von einem unerträglichen Tinnitus überfiepst, während er sich in Dunkelheit verlor.
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