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All Or Nothing

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Calum Hood Luke Hemmings OC (Own Character)
15.05.2016
12.02.2017
61
146.969
13
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Dieses Kapitel
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15.05.2016 2.165
 
EINS



Ich war keinesfalls eine Theoretikerin oder Spezialistin, was Kennlernmethoden anging, aber mir war durchaus bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit einen potentiellen Partner bei einem Speed-Dating kennenzulernen, äußerst gering war. Mir als kleine, klischeeweise arme Studentin war das klar, nur meine Freundinnen mussten mir bei dieser Sache einen Strich durch die Rechnung machen. Aubrey, Anna und meine Wenigkeit gingen alle zur gleichen Universität und hatten simpler Weise beschlossen gemeinsam eine WG zu gründen, da so auch die Kosten für jeden individuell geringer ausfallen würden. In Los Angeles war sowieso alles viel zu überteuert, was einer der unzähligen Gründe war, warum ich diese Millionenmetropole verabscheute. Um auf das eigentliche Thema zurückzukommen, hatten beide meiner Mitbewohnerinnen einen festen Freund und sie hatten es sich irgendwie in den Kopf gesetzt, dass es bei mir nun auch an Zeit war, um einen zu haben. Eigentlich war ich alleine relativ zufrieden und meiner Meinung nach,  brauchte man keinen Jungen an der Seite, um glücklich zu sein. Ich war mit der Universität schon ausgelastet genug und benötigte keine weiteren Stressfaktoren, die Jungs am Ende des Tages immer waren. Es konnte keiner leugnen, dass sie das nicht waren. Sie waren ein perfektes Synonym für Stress.

Die Beiden kamen somit auf die glorreiche Idee mich ohne meine Einwilligung am Freitagabend zu einer Speed-Dating-Veranstaltung hinzuschleppen. Da sie mich seit der Highschool schon sehr gut kannten und wussten, dass ich in Windeseile wieder die Biege gemacht hätte, begleiteten sie mich mit in’s Gebäude, was ein simpler relativ abgewrackter Club war. Zudem machten sie den Anschein, dass sie gar nicht erst wieder abhauen würden, sodass ich meinem heutigen Schicksal gnadenlos ausgeliefert war.

Es gab drei Arten von Leuten, die ich hier kennenlernte: Freaks, viel zu alte Männer und viel zu alte Männer, die Freaks waren. Bei den ersten zwei war es noch vergleichsweise witzig, aber mit der Zeit wurde es immer frustrierender und ich konnte nicht einmal mehr lachen. Der Abend war ein kompletter Reinfall und ich schämte mich selbst dafür, dass ich für so einen Mist einen wertvollen Freitagabend geopfert hatte, auch wenn es nicht nach meinem Willen geschah. Ich hatte wirklich jegliche Hoffnung verloren und hätte am liebsten kurz vor dem Ende abgebrochen, als mein letzter Partner dran war. Auf den ersten Blick war er weder alt, noch ein Freak. Auch wenn er das Zweite vielleicht gut verstecken konnte. Überraschender Weise hatte er auch nicht den typischen abgefuckten LA-Gesichtsaudruck. Seine braunen Augen strahlten etwas Lebendiges und Positives aus, was man hier selten bis nie antraf. Aka er stammte niemals aus Los Angeles.

„Calum“, verließ es relativ selbstsicher seine Lippen und seine Stimme ließ nochmal darauf hindeuten, dass er nicht von hier war. Dasselbe galt für sein Lächeln. Es wirkte viel zu authentisch, um aufgesetzt zu sein.
„April“, gab ich somit sein Lächeln erwidernd zurück, weshalb er beeindruckt eine Augenbraue anhob.
„Wie der Monat?“
„Wie der Monat.“
„Du hast zufälligerweise nicht auch im April Geburtstag oder?“
Diese Frage wurde mir in meinen zwanzig Lebensjahren viel zu oft gestellt.
„Nein, leider im März.“

Ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht und ich musste gestehen, dass es ihm noch besser stand als sein Lächeln. Ich hätte nicht gedacht, dass er das überhaupt noch toppen konnte.
„Knapp daneben ist auch vorbei.“

Widerwillig entlockte er mir damit ein Lachen, weshalb er regelrecht triumphierend an seinem Glas Wasser vor ihm nippte. Nein, niemals kam er aus LA.
„Du bist nicht von hier, kann das sein?“, stellte ich somit die alles entscheidende Frage und er schüttelte sofort verneinend den Kopf. 10/10 für meine Menschenkenntnis.
„Nein. Du aber auch nicht, ansonsten hättest du nicht darüber gelacht.“

Egal wie traurig dies auch war, traf er damit vollkommen in’s Schwarze. Er hatte irgendwas an sich, was in dieser Metropole rar war. Er wirkte echt. Nicht aufgesetzt. Einfach nur echt.
„Also April…was treibt ein Mädchen wie dich an einem Freitagabend hierher?“
„Meine Freundinnen haben mich hierher geschleppt. Sie sind total scharf auf den Gedanken, dass wir drei alle einen Freund haben und wenn ich Single bin, mach ich ihnen damit immerhin ein riesigen Strich durch die Rechnung.“

Als wusste er wovon ich sprach, nickte er wehleidig und teilte mein Schicksal. „Meine Freunde haben mich auch gezwungen hierhin zu kommen. Sie sind nicht mal abgehauen, weil sie wissen, dass ich dann sofort wieder die Biege mache.“

Wir kannten uns eine Minute und wir hatten jetzt bereits kleine, belanglose Gemeinsamkeiten. Das war bei allen vorherigen Kandidaten nicht der Fall gewesen. Vielleicht war der Abend doch nicht so übel, wie ich es zunächst vermutet hatte.


Während es bei allen anderen Teilnehmern eine Qual war die fünf Minuten um zubekommen, war ich dieses Mal regelrecht überrascht, dass die paar Minuten so schnell vergehen konnten. Calum war unbeschreiblich nett. Vielleicht schon eine Spur zu nett, falls das überhaupt möglich war. Wie gesagt er war nett, er war kein Freak, er sah gut, was sich definitiv nicht abstreiten ließ, und wir verstanden uns auf Anhieb. Wahrscheinlich konnte ich es gerade deswegen nicht abschlagen, als er nach meiner Nummer fragte.  Es gab kein Argument, welches dagegen sprach. Außer vielleicht Aubrey und Anna, die sicher mehr aus dem Häuschen sein würden, als ich es war. Wenn es nach ihnen gehen würde, hätte ich sicher schon jetzt auf der Stelle Hochzeitspapiere mit ihm unterschreiben können. Ob ich in der Lage war jemals solche Gefühle ihm gegenüber zu entwickeln schien da wohl nicht von Relevanz zu sein.

Die Aktion zog sich viel zu lange, sodass ich bevor ich wieder zu meinen Freundinnen zurückkehrte, der örtlichen Toilette einen Besuch abstattete. Meine Blase war noch nie die Stärkste gewesen. Es war logisch, dass ich nicht den größten Luxus erwarten konnte, wenn der restliche Club bereits einer Bruchbude glich, aber bei Toiletten war ich pingeliger als mir selbst lieb war. Somit dachte ich nur an eine einzige Sache: Nicht drüber nachdenken, nicht drüber nachdenken. Mit diesem Gedanken im Kopf brachte ich es einigermaßen erfolgreich hinter mich und ich hasste mich, dass ich Anna nicht nach ihrem Hygienehandgel gefragt hatte. Somit musste mir die halb leere Seife am Waschbecken genügen. Ich benutzte wahrscheinlich mehr von dieser als drei Durchschnittsgäste zusammen, aber das war mir herzlich egal, solange meine Hände sauber waren. Der direkt an der Wand angebrachte Spiegel hatte sicher nur einen einzigen Zweck: Den Gästen bewusst machen, wie abgefuckt sie in diesem Moment aussahen. In so einer abgefuckten Kulisse konnte man ehrlich gesagt auch gar nicht anders aussehen. Trotzdem war es ein leichter Schock, dass ich allem Anschein nach die letzten Stunden so rumgelaufen war. Meine dunkelblonden Haare sahen in diesem Licht noch nichtssagender aus als ohnehin schon und ich hätte schwören können, dass mein Lippenstift mir zu Hause viel besser stand. Es musste definitiv am Licht liegen, immerhin hatte Mac keine schlechten Produkte. Es war sowas von das Licht.

Grundsätzlich war es mittlerweile eh egal, wie ich aussah, da wir sowieso nur noch nach Hause gehen würden. Zumindest war dies mein Wissensstand, ich traute den Beiden durchaus zu, dass sie mich zu zehn weiteren frustrierenden Single-Veranstaltungen schleppen würden. Ganz egal, ob ich von immerhin einem Typ die Nummer hatte oder nicht. Während ich mit meinen Gedanken schon zu Hause auf Couch war, achtete ich nicht so ganz darauf, wo ich hinlief, sodass ich direkt in die Arme von einem wildfremden Kerl lief. Auch wenn das nicht ganz die Wahrheit war, da eher mein Gesicht voller Schmackes Kontakt zu seiner Schulter aufnahm, aber so oder so, lief ich gegen ihn. Mir kamen zwei Gedanken in den Kopf, als ich ihn das erste Mal ansah. Erstens: Meine Güte, war er groß und zweitens: dieser Junge war verdammt high.

„Wow, bin ich echt so sehr zu übersehen?“
Drittens: Er war mir nicht sympathisch.
„Ja…ich meine nein, tut mir Leid, passiert nicht nochmal“, versuchte ich mich irgendwie schnell aus der Sache rauszureden, aber in meiner Vorstellung lief dies wesentlich einfacher ab als in der Realität.

Er hielt mich am Arm fest, als ich gerade dabei war mich aus dem Staub zu machen, wodurch ich das erste Mal die Gelegenheit hatte sein Gesicht richtig zu erkennen. Trotz des miserablen Lichts. Wären seine Augen nicht so verdammt glasig und leer gewesen, hätte ich glatt behaupten können, dass sie verdammt schön waren. So waren sie nur abgefuckt.  Sein Gesicht wurde von einem Drei-Tage-Bart, den er sicher länger als drei Tage nicht rasiert hatte, dominiert und durch sein leicht aufgeknöpftes weißes Hemd, kamen ein paar Brusthaare zur Geltung, wodurch er mehr Männlichkeit ausstrahlte, als er wahrscheinlich besaß. So war es doch immer. Große Klappe, nichts dahinter. Trotzdem half es nicht dagegen, dass mir urplötzlich irre heiß war, wo ich ihn so ansah. Das Schlimmste war, er roch nach einer Mischung aus teurem, scheußlichen Männerparfum, Schweiß und Sex. Vor allem die letzte Komponente brachte mich um.

„Wie heißt du?“
Das ging ihn gar nichts an. Ich musste ihm rein gar nichts sagen. Was bildete er sich bloß ein?
„April“, verließ es gegen meinen eigenen Willen meine Lippen und er nickte nur mehrmals hintereinander, bis er meinen Arm wieder losließ. Auch wenn ich es insgeheim gar nicht wollte.
Er schnalzte mit seiner Zunge und musterte mich langsam von Kopf bis Fuß, bis seine Augen wieder meine trafen. „Wie der Monat.“

„Ach wirklich? Ist mir noch nie aufgefallen“, gab ich zu meiner eigenen Überraschung flachsend zurück, doch er war nicht wirklich der Typ, der über so einen blöden Einwurf lachte. Viel eher bewirkte es das Gegenteil und er verdrehte seine Augen, während er sich auf die Unterlippe biss. Mir wurde wieder schlagartig wärmer, was ganz und gar nicht gut war. Dieser Typ war doch ein Witz. Ich wusste nur nicht in welchem Sinn.

„Weißt du April…du gefällst mir“, murmelte er leise vor sich hin und meine Wangen nahmen, falls sie es noch nicht waren, einen knallroten Ton an.
„Ich bin kein Facebook-Status.“
Ich hatte keine Ahnung, was er mit mir anstellte, da ich sowas niemals von mir gegeben hätte. Das war alles zu viel für mich im jetzigen Augenblick. Er war zu viel für mich.

Er rollte zum wiederholten Mal mit den Augen und ich wünschte sein Aussehen hätte seinem Ego entsprochen, dann hätte ich diese Probleme gerade nicht. „Ich und meine Jungs wollten gleich noch feiern gehen. Willst du mit?“

Er war dieser Typ, vor dem mich meine Eltern gewarnt hatten, als ich nach LA gezogen bin. Er kam koksend aus einer abgewrackten Club-Toilette. In diesem Club fand vorher ein Speed-Dating statt, wo er nicht einmal dran teilgenommen hatte, das hätte ich ziemlich sicher mitbekommen. Ich wollte unter keinen Umständen mit ihm und seinen Freunden feiern gehen, wenn sie wohlmöglich genauso drauf waren, wie er.

„Nein, danke. Meine Freundinnen warten sicher auch schon auf mich…also nein. Sorry.“
Er bekam sicherlich nicht oft eine Abfuhr, aber dafür ließ es ihn ziemlich kalt. Generell strahlte er kein bisschen Wärme aus. Er war kälter als der Südpol und trotzdem ließ seine Anwesenheit meine Körpertemperatur nach oben steigen. Das ergab doch alles gar keinen Sinn mehr.

„Dann halt nicht“, er gab sich viel zu schnell damit zufrieden, es kränkte mich fast. Warum auch immer. Er zückte sein Handy aus seiner hinteren Hosentasche, bevor er mich anschließend wieder ansah. „Dann gib mir deine Nummer. Anders kommst du hier heute nicht mehr von mir weg.“
Vielleicht wollte ich ihm gar nicht meine Nummer geben. Was bildete er sich bloß schon wieder ein?

Aufseufzend nahm ich sein Handy entgegen und tippte schnell meine Nummer ein, was natürlich völlig gegen meinen Willen geschah. Kaum hatte ich dies getan, hätte ich schwören können, dass sich zumindest ein andeutendes Lächeln auf seinem Gesicht abzeichnete. Oder ein Grinsen. Irgendwas dazwischen.

„Geht doch.“
„Willst du mir nicht auch deinen Namen verraten, wenn ich schon meine Nummer hergebe?“
Ein Lachen, welches keinesfalls positiv zu konnotieren war, verließ seine Lippen und er steckte sein Handy kopfschüttelnd zurück. „Google mich einfach, Cowgirl.“

Erstens war es schwer ihn ohne Namen zu googlen und zweitens hatte ich ihm nie gesagt, woher ich kam. Es war wahrscheinlich offensichtlich, dass ich nicht von hier stammte, aber…trotzdem. Alleine aus Prinzip.
„Ich bin aus South Dakota.“
Er zuckte mit den Schultern und das Grinsen, welches sein Gesicht dominierte, war so abartig, ich wollte ihn direkt in die nächste Clubtoilette zerren. „Da gibt es Cowboys.“

Mit diesen simplen Worten verschwand er.

Der Typ ohne Name.

LA war viel zu verrückt für mich.

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OH MEIN GOTT HI.
ICH BIN SO NERVÖS, SHIT. Ehhhhm, ich hatte die Idee hierzu letztes Jahr im August, glaube ich? Dann hatte ich den ersten Absatz geschrieben und das Dokument nie wieder angerührt, aber im Februar hatte mich irgendwie doch nochmal die Motivation gepackt und tada es nimmt langsam Form an. Ich weiß selbst noch nicht so hundertprozentig in was für eine Richtung das Ganze hier laufen soll...also lasst euch einfach überraschen, tu ich selbst auch :D Okay okay, ich hoffe, dass euch dieser kleine Einstieg gefallen hat und ihr weiterhin dabei bleibt! :)
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