If we were normal

von Lilli
GeschichteFamilie / P12
Antonio Dawson Erin Lindsay Greg "Mouse" Gerwitz Henry "Hank" Voight Jay Halstead OC (Own Character)
14.05.2016
13.12.2016
8
9602
1
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Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven geschildert.
Erin und Jay sind in dieser Handlung glücklich liiert und haben zwei Kinder im Alter von 12 und fast 14 Jahren.
Begleitet sie im Alltag zwischen Wache, Mordfällen und Familienleben.

Die Geschichte ist erfunden.
Das Geschehen wird im ersten Kapitel von der fast 14 jährigen Emma, kurz genannt Emmy oder Em geschildert.

Ich wünsche viel Spaß! Wie immer ist die Handlung frei erfunden.


CPDCPDCPDCPDCPDCPD


-Emma-

„Hey, Dad“, hüpfte ich die Treppen hinunter und begrüßte meinen Vater im Pyjama, nachdem ich direkt aus dem Badezimmer nach unten gekommen war.
Er musste gerade erst zu Hause eingetroffen sein, lächelte traurig und strich mir im Vorbeigehen über die Haare.
Müde rieb er sich über die Augen, verstaute seine Waffe im zugehörigen Schrank, ehe er seine Dienstjacke mit der Aufschrift Polizei an den Haken hänkte.
Die Tatsache, dass er diese Uniform trug, ließ darauf schließen, dass er mit meiner Mutter auf Streife unterwegs gewesen war.

Dass war selten, denn normalerweise ermittelten beide eher Undercover, trafen sich mit ihren Zuträgern, die sie kurz Cis nannten, um Informationen über anstehende Fälle zu erhalten oder befragten Zeugen und überführten Tatverdächtige.
Wir hatten das Ende der Woche erreicht.

Erschöpft schnappte sich mein Vater sein Feierabendbier aus dem Kühlschrank und ließ sich dann auf der Couch nieder.

„Warum guckst du so? Ist was passiert? Und wo ist eigentlich Mom?“
Er schüttelte mit dem Kopf, sah mich aufmunternd an.

„Sie erledigt den Papierkram in der Wache und will anschließend noch fürs Wochenende einkaufen“, klärte er mich auf. Obwohl ich spürte, dass er mit den Gedanken noch bei der Arbeit war.

„Sicher?“
Er seufzte, schenkte mir ein trauriges Lächeln.

„Hör, mal Emmy. Es war einfach ein beschissener Tag. Und ich bin froh, dass der vorbei ist. Also lass uns nicht darüber reden.“
Ich wusste was das bei seiner Arbeit bedeutete. Ein schlechter Tag hieß bei meinen Eltern, dass sie entweder jemanden erschossen hatten, auf Opfer trafen, die durch Verlust, Missbrauch oder Tod in einer schlechten Verfassung waren oder einen anstehenden Mordfall lösten.
Wortlos drückte er mir einen Kuss auf die Stirn, ehe er sich die Tageszeitung schnappte und die aktuellen Schlagzeilen überflog.
Ich ahnte sofort auf was es an diesem Freitag hinaus lief. Jedes Mal wenn er sich auf diese Art und Weise verhielt, zog er Parallelen zu Fällen oder es waren Teenager in meinem Alter in die anstehenden Ermittlungen verwickelt.
Es war die Art und Weise wie er mich oder meinen Bruder ansah.

Einmal, ich musste 5 oder 6 gewesen sein, bekam ich mit, wie er nachts weinend an meinem Bett gesessen hatte, bevor mir meine Mutter Tage später erzählte, dass in dieser Nacht ein Kind erschossen worden war, das sich in meinem Alter befand.
Tief im Inneren war er ein echter Softie. Auch wenn er das nach außen selten durchblicken ließ.

Genervt sah Dad auf seine Armbanduhr.

„Sag mal, wo bleibt denn Ben? Der sollte seit über einer Stunde zu Hause sein“, spielte er auf das Zuspätkommen meines Bruders an.
Ich zuckte mit den Schultern, sah dann auf mein Smartphone, auf dem gerade eine neue Nachricht einging.

„Keine Ahnung. Der dreht mit Oliver Homevideos.“
Ruckartig erhob sich Dad nach oben, sah mich sorgenvoll an.

„Der kann was erleben. Das ist jetzt das zweite Mal, dass der innerhalb einer Woche zu spät kommt“, wählte er eine zugehörige Nummer, woraufhin das Freizeichen in der Telefonleitung ertönte.
Am anderen Ende erklang eine Frauenstimme.

„Ja, Mrs. Harper? Jay Halstead hier. Genau, der Vater von Ben. Hören Sie, können Sie meinem Sohn bescheid sagen, dass er umgehend nach Hause kommt. An sein Smartphone geht er nicht.“
Sein darauffolgender Gesichtsausdruck machte mich stutzig.

„Wie? Der war diese Woche gar nicht bei Ihnen. Ich dachte, die arbeiten seit 5 Tagen an diesem Schulprojekt.“
Stille. Etwas fassungslos setzte sich Dad auf die Couch zurück. Seine Finger wippten nervös über die Lehne.

„Ach, er ist in einer anderen Gruppe? Oliver ist alleine auf seinem Zimmer. Okay. Trotzdem vielen Dank. Auf Wiedersehen.“

Er legte das Telefon bei Seite.

„Emma!“
Der Unterton in seiner Stimme klang vorwurfsvoll. Allein die Tatsache, dass er meinen Namen voll aussprach und mich nicht Emmi oder Em nannte, sagte alles.
Ich sah verwundert nach oben auf.

„Sag, mal was soll das jetzt? Benaiah ist seit einer Woche nicht bei seinem besten Freund. Wollt ihr mich  auf den Arm nehmen?“

„Wie bitte?“
Empört sah ich ihn an.

„Dad, woher soll ich das denn wissen? Wir sehen uns ja kaum.“

„Was soll denn das jetzt wieder heißen? Wann ist der denn die letzten Abende nach Hause gekommen. Dein Bruder ist 12.“
Unsere Diskussion wurde vom öffnen der Tür unterbrochen. Mom steckte den Kopf zum Raum hinein und gähnte genüsslich.
Als sie unsere ernsten Gesichter sah, stockte sie.

„Was ist denn mit euch los? Wo ist Ben?“

„Das fragst du mal besser deine Tochter. Die erzählt mir gerade, dass sie deinen Sohn nur sporadisch sieht.“

„ Meinen Sohn? Erst einmal sind das unsere und nicht nur meine Kinder und zweitens: Was kann Emmy dafür? Außerdem…“
Das Knarren aus Richtung Treppe ließ meine Eltern aufhorchen.
Dad stürzte zur Tür. Allem Anschein nach handelte es sich um Ben.

„Moment mal, junger Mann.  Hier geblieben“, versperrte ihm Dad den Weg und drehte ihn unsanft nach hinten um.

„Wo kommst du jetzt erst her?“
Er zuckte mit den Schultern, wich Dads Blicken aus.

„Von Oliver.“

„Das stimmt nicht. Du lügst. Ich habe mit Mrs. Harper telefoniert. Du warst die ganze Woche nicht dort.“

„Was interessiert euch das?“

„Ich glaube ich spinne“, schrie Dad derart laut, wie ich ihn lange nicht hatte brüllen hören.

Ben zuckte im Affekt zusammen.

„Erstens haben wir die Abmachung getroffen, dass ihr uns  immer sagt, wo ihr seid. Zweitens: Vereinbart war, dass du um 19 Uhr zu Hause bist. Es ist jetzt kurz vor halb 9. Wo kommst du jetzt erst her?“, zischte Dad, weshalb Ben nervös auf und ab wippte.
Da er nicht antwortete, nickte unser Vater entschlossen mit dem Kopf.

„Okay, wie du willst. Du hast bis aufs weitere Hausarrest.“
Genervt und mit Tränen in den Augen bahnte sich Ben den Weg frei und verschwand polternd nach oben.

„Ich hasse euch“, hörten wir ihn schreien, woraufhin ich meinen Eltern hilflose Blicke entgegen warf.
Diese sahen sich nicht weniger überfordert an.

„ Klasse, Jay. Musste das sein? Toller Feierabend“, hörte ich Mom sagen, weshalb sich Dad durch die Haare raufte.

„Was hättest du denn gemacht? Meinst du mit Streichelpädagogik wären wir weiter gekommen?“
Sie schüttelte ungläubig mit dem Kopf, dann wanderte ihr Blick zu mir.

„Emmy, lässt du uns bitte kurz allein?“
Entsetzt über die Situation knallte ich meinen Eltern die Fernsehzeitung vor die Füße und verschwand dann im Treppenaufgang. Vorsätzlich knarrte ich mit meiner Zimmertür, um es so aussehen zu lassen, als ob ich in meinem Raum verschwand. In Wahrheit belauschte ich das Gespräch.
Durch den Spalt im Boden, sah ich auf die untere Etage herab.

„Jay, das funktioniert so nicht. Ben ist ein Teenager und kein Schwerverbrecher.“

„Aha, also hältst du sein Verhalten für gut?“

„Natürlich nicht. Aber permanente Verbote machen alles nur noch schlimmer. Dann öffnet er sich gar nicht mehr.“
Ich sah, wie sie ihm den Arm auf die Schultern legte.

„Es ist einfach…“
Dads Stimme stockte am Ende des Satzes.

„Ich will nicht, dass der genauso endet. Dieser 11 jährige Junge, der erstochen wurde. Jedes Mal wenn ich die Bilder vom Tatort ansehe, habe ich Ben vor mir.  Ich träume mittlerweile schon davon. Ich habe einfach Angst, dass er total abrutscht. Emma ist ganz anders als er. Ich merke, dass er mir total entgleitet. Und dass er mir gleichzeitig immer ähnlicher wird.“

Ich sah wie meine Mutter meinen Vater in den Arm nahm und anschließend küsste.
Ich schmunzelte traurig, tapste dann leise über den Boden und verschwand im Bad.

Für den Rest wollte ich sie besser allein lassen…
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